22. April – Protest für die Stilllegung des AKW Brokdorf

Für die sofortige Stilllegung des AKW Brokdorf rufen Brokdorf Akut und der BUND Steinburg zur „6. Protest- und Kulturmeile“ (dort auch das Programm) am 22. April 2018 aus Anlass des Tschernobyl-Jahrestages auf. Das AKW ist seit dem ersten April zur jährlichen Revision vom Netz genommen. Dabei wird auch überprüft, ob es weiterhin Rostbildung an den Brennelementen gibt, die im letzten Jahr für eine um Monate verlängerte Abschaltung des Reaktors sorgte (Bislang gibt es keine neuen Befunde berichtet die SHZ). Erst Ende 2021 ist die endgültige Abschaltung vorgesehen. Grundsätzlich bleibt auch im AKW Brokdorf das Risiko schwerster Unfälle bis hin zum Super-Gau bestehen und obwohl die dauerhafte Lagerung radioaktiver Abfälle bis heute völlig ungeklärt ist, wird weiterhin hochradioaktiver Atommüll erzeugt. Weiterer Atommüll soll bis spätestens 2020 aus der Wiederaufarbeitung im britischen Sellafield per Castor-Transport für das Zwischenlager in Brokdorf angeliefert werden.

Rostige Brennelemente

Im letzten Jahr wurden im Zuge des Brennelementewechsels und notwendiger Reparaturen im AKW Brokdorf stark verrostete Brennelemente gefunden, für deren Entstehung es bis heute keine abschließende Ursachenklärung gibt. Dennoch durfte der Reaktor mit einigen Auflagen wieder ans Netz. So wurde die Leistung geringfügig reduziert und dem AKW vorgeschrieben, Leistungsanpasungen langsamer zu vollziehen, als es bislang von E.on/PreussenElektra gemacht wurde.

Um die Rostbildung zu reduzieren, wurde außerdem die Einspeisung von Wasserstoff erhöht. Dadurch aber verspröden die Hüllrohre der Brennelemente schneller, was später bei der Zwischen- und Endlagerung Probleme verursachen könnte. Ob diese Maßnahmen die Rostbildung an den Brennelementen reduzieren wird, wird sich nun herausstellen müssen. Die Initiative „Brokdorf akut“ kritisiert die grün geführte Atomaufsicht, dass ihr wichtige Gutachten zur Rostbildung nicht zugänglich gemacht werden.

Weiterer Atommüll aus Sellafield

Außerdem laufen derzeit die Vorbereitungen, um bis zu sieben weitere Castor-Behälter mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung (WAA) im britischen Sellafield in das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle am AKW Brokdorf zu transportieren. Einen entsprechenden Genehmigungsantrag hat der Betreiber beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) gestellt.

Trotz des Umstands, dass nun verglaster Atommüll und nicht wie bisher abgebrannte Brennelemente in das Zwischenlager sollen, ist davon auszugehen, dass das BfE keine atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung im Genehmigungsverfahren anordnen wird.

Dabei gehen von diesem speziellen Atommüll und den andersartigen Behältern, die zum Transport und zur Lagerung eingesetzt werden, andere Gefahren aus. Während die Castoren mit abgebrannten Brennelementen im Falle von Undichtigkeiten im benachbarten Reaktor repariert werden könnten, ist dies bei den verglasten Abfällen nicht möglich. Diese dürfen nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Damit fehlt in Brokdorf für diese Abfälle eine Reparaturmöglichkeit im Falle defekter Deckel-Dichtungen.

Deshalb fordert die Initiative Brokdorf Akut, dass eine Heiße Zelle im Zwischenlager nachgerüstet werden muss, damit defekte Castoren dort repariert und außerdem weitere Sicherheitsuntersuchungen über die verlängerten Zwischenlagerlaufzeiten an den Behältern stattfinden können. Denn klar ist, dass ein „Endlager“ für diese Abfälle nicht zur Verfügung stehen dürfte, wenn die Genehmigungsfrist von 40 Jahren für das Zwischenlager Brokdorf Mitte der 2040er Jahre auslaufen wird.

Diese Heiße Zelle wird auch notwendig, wenn nach der Stilllegung des AKWs der Rückbau erfolgt und dann auch für die Castoren mit abgebrannten Brennelementen keine Reparaturmöglichkeit mehr vor Ort besteht. Auch andere Anti-Atom-Initiativen – wie z.B. in Esensham/Unterweser, in Grafenrheinfeld und Isar/Ohu – fordern für ihre Zwischenlager die Nachrüstung dieser Reparatureinrichtungen.

In einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) spricht die Behörde jedoch davon, dass es in den Zwischenlagern keine Sicherheitsmängel gibt und erklärt u.a. Heiße Zellen für überflüssig.

Laut Angaben des AKW-Betreibers wird davon ausgegangen, dass der Transport der Sellafield-Castoren nicht vor dem Jahr 2020 stattfinden soll. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Lagerung aller Arten von Atommüll entsprechend den neuen Regelungen in staatliche Kontrolle übergegangen sein und PreussenElektra nicht mehr für die Sicherheit und Kosten der Lagerung haften.

Erneut bedeutet die Einlagerung der Sellafield-Abfälle einen Wortbruch: Bei der Genehmigung Mitte der 2000er Jahre war zugesagt worden, dass nur radioaktive Abfälle, die vor Ort erzeugt würden, im Standort-Zwischenlager Brokdorf eingelagert werden dürften. Vattenfall ist mit 20 Prozent am AKW Brokdorf beteiligt.

Neues Zwischenlager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll

Da sich die Inbetriebnahme des geplanten „Endlagers“ im Schacht Konrad in Salzgitter immer weiter verzögert, wird in Brokdorf wie an vielen anderen AKW-Standorten auch ein neues Zwischenlager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll entstehen.

Brokdorf ist Netz-Verstopfer für Erneuerbare

Das AKW Brokdorf liegt – wie auch das AKW Emsland in Lingen – in einem Netzausbaugebiet und blockiert mit seinem Atomstrom den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Norddeutschland. Im Falle von Netzengpässen werden Windanlagen verstärkt abgeschaltet, das AKW aber bleibt mit einer hohen Leistung online. Eine für die Energiewende sinnvolle frühere Abschaltung der AKW ist jedoch von der Bundesregierung nicht vorgesehen. Auch die Möglichkeit, erforderliche Strommengen-Übertragungen für das AKW Brokdorf zu verweigern, soll nicht eingesetzt werden, um eine frühere Stilllegung zu erreichen.

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