BGZ über 100 Jahre verlängerte Zwischenlagerung: Was ist zu tun?

Die Zwischenlagerung hochradioaktiven Atommülls wird in Deutschland länger dauern, als ehemals von Behörden und Unternehmen geplant und den Bürger*innen versprochen. Nachdem CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne die Atomkonzerne von der (finanziellen) Verantwortung für diese Abfälle befreit haben, ist die staatliche Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zuständig. Ende Oktober hatte diese BGZ mit Blick auf die verlängerten Zwischenlagerzeiten einen Workshop veranstaltet, um die wissenschaftlichen, technischen und genehmigungsrechtlichen Fragen genauer zu analysieren und zu klären, welche Anforderungen entstehen, für die es weiterer Forschung bedarf. Jetzt ist der Bericht der BGZ zu dieser Veranstaltung hier veröffentlicht (PDF). (Auch hier direkt.)

Außerdem zum Thema:

 

 

Zdebel (DIE LINKE) zur Schließung von Westfleisch in Coesfeld: Besser spät als nie – Änderung der Strukturen in der Fleischindustrie überfällig!

Zu der Schließung der Großschlachterei von Westfleisch in Coesfeld erklärt der Münsterländer Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE):

„Die Entscheidung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), den Schlachthof von Westfleisch in Coesfeld zu schließen, kommt spät, aber besser spät als nie. Die Gesundheit der Beschäftigten und der Bevölkerung müssen Vorrang haben. Gemäß der jüngst getroffenen bundesweiten Regelung zu Obergrenzen bei den Neuinfektionen ist es aufgrund der Vorfälle bei Westfleisch folgerichtig, die Lockerungen im Kreis Coesfeld aufzuschieben.

Ferner hat Laumann angekündigt, den Strukturen in der Fleischwirtschaft, die er heute maßgeblich für diese Entwicklung verantwortlich gemacht hat, auf den Grund gehen zu wollen. Wir LINKEN werden genau hinschauen und Druck machen, dass es nicht nur bei Ankündigungen der Landesregierung bleibt, sondern den Worten auch Taten folgen.

Die miserablen Arbeits- und Unterbringungsbedingungen von Saisonarbeitern in der Fleischindustrie sind seit langem in der Kritik und begünstigen die Ausbreitung des Corona-Virus enorm. Faktisch ist die Lage so, dass Westfleisch aus Profitinteresse seine Arbeiter massiven Gesundheitsgefahren aussetzt.

Vor kurzem gab es auch am Standort in Oer-Erkenschwick überdurchschnittlich viele Infizierte. Nicht nur schuften die Arbeiter im Betrieb in Akkordarbeit, teilweise auch dicht an dicht. Ferner sind sie zumindest zum Teil in beengten Unterkünften untergebracht. Das ist die Kehrseite von Billigfleisch beim Discounter. Westfleisch muss den Beschäftigten umgehend angemessene Wohnungen vermitteln, die der aktuellen Gesundheitslage gerecht werden.

Dringend erforderlich sind außerdem mehr behördliche Kontrollen des Arbeitsschutzes in den Betrieben. Dabei muss auch den Vorwürfen nachgegangen werden, dass bei den Westfleisch-Beschäftigten viel Druck aufgebaut werde, auch krank zur Arbeit zu gehen („Sonst kannst Du Deine Papiere abholen!“). Es ist naiv zu glauben, dass die Hygieneregeln überall freiwillig eingehalten werden. Die Profitmargen in der Fleischindustrie oder auch in der Landwirtschaft sind dermaßen gering, dass jeder heimliche Verstoß gegen den Arbeitsschutz direkt einen Wettbewerbsvorteil bringt. Hier steckt das Problem wie so oft im System.“

Bayerns Atommüllendlager steht in Gorleben!

„Ergebnisoffene und vergleichende Suche nach einem Atommülllager für hochradioaktive Abfälle? Bayern ist dafür, solange diese Suche nicht im eigenen Bundesland stattfindet. Bayern hat im großen Stil an der Atomenergie verdient, der Atommüll soll aber anderswo verbuddelt werden.  Es ist unverantwortlich, wie sich die bayerische Staatsregierung und die CSU verhalten.“ So kommentiert Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg und Mitglied des Vorstands der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, aktuelle Medienberichte zu Bayerns politischen Interventionen, aus der im Standortauswahlgesetz festgelegten Endlager-Suche auszusteigen.

Gleichzeitig warnt der Bundestagsabgeordnete: „Bayern erhöht den Druck bei der Endlagersuche in einer Phase, wo erstmals Entscheidungen anstehen. Im dritten Quartal will die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) im sogenannten Teilgebiete-Bericht festlegen, welche Regionen künftig als mögliche Endlagerorte weiter untersucht werden. Wenn diese politische Intervention Erfolg hat, ist das Endlager-Suchverfahren vorbei, bevor es begonnen hat. Es gibt nur einen Ort, der von der Karte gestrichen gehört: Der politisch verbrannte und geologisch ungeeignete Standort Gorleben.“

Weiter sagte der Abgeordnete: „Es gibt weiterhin massive Mängel im Endlagersuchverfahren: Es fehlt noch immer eine vernünftige gesetzliche Regelung zur Veröffentlichung geologischer Daten, damit die BürgerInnen die Vorschläge und Entscheidungen nachvollziehen können. Das Nationale Begleitgremium (NBG) bei der Endlagersuche hat deshalb und wegen anderer erheblicher Probleme – auch wegen der Einschränkungen der Öffentlichkeit unter Corona – eine Verschiebung des Teilgebiete-Berichts um ein halbes Jahr gefordert. Ein solche Moratorium unterstütze ich.“

Atommülllager-Suche und Transparenz – Bundestag beschließt Geologiedatengesetz

Atommülllager-Suche und Transparenz geologischer Daten: Angesichts des Fahrplans reichlich verspätet hat der Bundestag heute das Geologiedatengesetz beschlossen. Bereits Ende des dritten Quartals soll mit Vorlage des Teilgebiete-Berichts der Entscheidungsprozess beginnen, welcher Standort künftig beim Verfahren der Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll raus fliegt – und welcher Standort als möglicher Standort im Verfahren bleibt. Damit die versprochene Transparenz zur Überprüfung dieser Auswahl möglich ist, müssen auch die geologischen Daten zur Verfügung gestellt werden. Das soll das aus Sicht der Fraktion DIE LINKE mit Mängeln versehene Geodatengesetz leisten, das das Lagerstättengesetz aus der Nazizeit endlich ablöst.

Wegen diverser anderer Defizite bei der Öffentlichkeitsbeteiligung im laufenden Standortverfahren hatten Hubertus Zdebel und der Umweltverband BUND auch mit Blick auf die Corona-Belastungen ein Moratorium bei der Endlagersuche gefordert.

Um den Eigentumsschutz von Erdöl- und Gasunternehmen an Geodaten zu sichern, die für die Standortwahl herangezogen werden müssen, ist ein für die Bürger*innen kompliziertes und wenig transparentes Verfahren herausgekommen.

Die Fraktion DIE LINKE hat sich in der Abstimmung enthalten, nachdem die Fraktionen der Großen Koalition nach einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss zumindest noch einige Korrekturen vorgenommen hat.Beseitigt wurden die absehbaren Konflikte im weiteren Verfahren allerdings nicht.

Im Mai muss noch der Bundesrat dem Gesetz zustimmen, bevor es in Kraft treten kann. Sollte es da noch zu Verbesserungen des Gesetzes kommen, wird DIE LINKE das selbstverständlich unterstützen.

Die AfD und die FDP hatten außerdem Anträge vorgelegt, die allesamt die wirtschaftlichen Interessen zu Lasten der Bürger*innen noch höher bewertet wissen wollten. Diese Anträge hat DIE LINKE natürlich abgelehnt.

Seit 2017, als das Standortauswahlgesetz novelliert wurde, ist der Bundesregierung bekannt, dass es eine Neuregelung für die Veröffentlichung geologischer Daten im Rahmen der Atommüll-Endlagersuche braucht. Dennoch verzögerte sich ein Entwurf der Bundesregierung bis in den März 2020.

Der grundsätzliche Mangel: Statt alle Daten, auch diejenigen von privaten Dritten, aufgrund des hohen Gemeinwohlinteresses an einem Atommüll-Endlager grundsätzlich zur Veröffentlichung frei zu geben, wird der Eigentumsschutz dominant behandelt und in komplizierten Stellungnahmeverfahren geregelt. So hätten Unternehmen die Veröffentlichung ihrer Daten für die Endlagersuche verhindern können.

Erst mit der Anhörung am 11. März im Bundestag wurde es für die Regierungsfraktionen deutlich, dass es hier zusätzlicher Regelungen bedarf. Auch mussten Fristen halbiert werden, damit der Fahrplan mit der Veröffentlichung des Teilgebiete-Berichts Ende des dritten Quartals überhaupt eingehalten werden könnte.

Unter extremen Zeitdruck und dann auch noch mit den Folgen der Corona-Krise wurden diese Änderungen und andere Änderungen nun in wenig transparenter Form auf den Weg gebracht.

Trotz der vorgenommenen Nachbesserungen bleiben aber aus Sicht der Fraktion grundsätzliche Mängel.

 

 

×