Atomwaffenverbotskonferenz in Wien – Protestwoche am deutschen Atomwaffen-Standort in Büchel

Schon vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine hatte international ein neues Wettrüsten begonnen. Auch bei den Atomwaffen wird seit vielen Jahren an einer als „Modernisierung“ bezeichneten Aufrüstung gearbeitet. Ein Ziel ist dabei, Atomsprengköpfe zu verkleinern, um sie besser als taktische Waffen einsetzbar zu machen. Die Schwelle für einen nuklearen Einsatz soll damit abgesenkt werden, das erhöhe die nukleare Abschreckung, so die verquerre Logik. Davon betroffen sind auch die US-Atomwaffen, die in Büchel in der Eifel gelagert sind. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO sind deutsche Bundeswehrpiloten eingeplant, diese Atomwaffen im Kriegsfall in die Zeile zu fliegen. Dafür sollen jetzt die „veralteten“ Tornado-Kampfjets im Rahmen des letzte Woche mit Verfassungsänderung von Bundestag und Bundesrat beschlossenen 100-Mrd-Aufrüstungs-Programm durch neue Kampfbomber aus den USA ersetzt werden. Ein solcher Standort wie Büchel ist in jedem Fall auch ein Angriffsziel für gegnerische Atomwaffen. Die Internationalen Ärtz:innen zur Verhütung des Atomkriegs – IPPNW – und auch die Atomwaffenverbots-Kampagne ICAN rufen gegen den atomaren Wahnsinn zu einer Aktionswoche im Juli auf. Bereits vorher findet die erste Staatenkonferenz zum UN-Verbot von Atomwaffen vom 21. bis 23. Juni 2022 in Wien statt.

Dokumentation: Büchel als potenzielles Angriffsziel: Protestwoche gegen US-Atomwaffen in Deutschland!

Presseankündigung: IPPNW und ICAN Aktionstage in Büchel, 05. – 10. Juli 2022

Mit dem Ukraine-Krieg wächst die Angst vor einem Atomkrieg. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass erstmals eine knappe Mehrheit der Befragten für den Verbleib der US-Atomwaffen in Deutschland ist. Gleichzeitig befürworten aber nur 12 Prozent eine Modernisierung und Aufstockung – doch genau dieser Modernisierungsprozess ist bereits in vollem Gang. Ab 2023 werden voraussichtlich neue US-Atomwaffen in Deutschland stationiert.

Mit der IPPNW- und ICAN-Aktionswoche vom 05. bis 10. Juli 2022 klären wir dieses Jahr über die aktuelle Modernisierung auf und zeigen, dass die Bomben Büchel und Deutschland zum potenziellen Ziel eines konventionellen oder nuklearen Angriffs machen.

Programm-Highlights:

  •  Mittwoch, 06. Juli, 16:00-18:00 Uhr: Mosel-Rundfahrt in Cochem mit Vortrag von Prof. Karl-Heinz Bläsius zu „Atomkrieg aus Versehen“.
  • Donnerstag, 07. Juli, ab 16:00 Uhr: 5. Geburtstagsfeier des Atomwaffenverbotsvertrags vor dem Haupttor des Fliegerhorsts. Anschließend Konzert und Tanz.
  • Freitag, 08. Juli, ab 09:00 Uhr: Bunte Aktionen vor den Toren des Fliegerhorsts Büchel
  • Samstag, 09. Juli, 14:00-16:00 Uhr: Anti-Atomwaffen-Wanderung am Fliegerhorst.

Die Modernisierung wird auch durch das 100 Milliarden Euro Sondervermögens finanziert: Um die neuen Atomwaffen optimal einsetzen zu können, sollen F35-Kampfjets angeschafft werden. Ein tatsächlicher Atomwaffeneinsatz wird dadurch denkbarer, da die neuen Bomben zielgerichteter und mit geringerer Sprengkraft eingesetzt werden können. Eine fatale Entscheidung, die zur weiteren Eskalation auf dem europäischen Kontinent führen könnte.

Zwei Wochen nach der ersten Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag  protestieren wir in Büchel für ein nuklearwaffenfreies Deutschland, die Unterzeichnung des UN-Vertrags zum Verbot von Atomwaffen und gegen die geplante Aufrüstung.

Gerne stehen wir Ihnen für Interviews vor Ort oder vorab zur Verfügung. Bei Rückfragen können Sie sich jederzeit bei uns melden. Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung.

Weitere Informationen: https://buechel.nuclearban.de/

Kleine SMR Atomreaktoren machen sehr viel Atommüll

Landauf landab überschlagen sich die Ideologen für atomare Laufzeitverlängerungen und gar einen Neueinstieg in die Atomenergie mit noch nicht einmal vorhandenen neuen Mini-Reaktoren, sogenannter Small Modular Reactors (SMR). So konsequent die nuklearen Risiken von Unfällen Marke Tschernobyl oder Fukushima ausgeblendet werden, die Bedrohungen durch Terror und Krieg und selbst die extremen Kosten einfach weggewischt werden, wird auch das Thema Atommüll ignoriert: Die dauerhaft sichere Lagerung von Atommüll ist weltweit ungeklärt. Jetzt zeigt eine schwedische Studie auf, dass die neuen SMR-Reaktoren sogar im Vergleich zu den herkömmlichen Reaktoren noch mehr Atommüll zur Folge haben werden.

Bei N-TV wird über die Studienergebnisse berichtet: „Die Forscher errechneten den radioaktiven Abfall der verschiedenen Reaktortypen im Verhältnis zur erzeugten Wärmeenergie. Der Müll beträgt beim herkömmlichen großen Druckwasserreaktor jährlich etwa fünf Kubikmeter pro Gigawatt Wärmeleistung. Beim integrierten Druckwasserreaktor ist die Menge etwa 2,5 Mal so groß, beim Flüssigsalzreaktor (400 Megawatt) etwa 5 Mal so groß. Wegen der großen Mengen an anfallendem Kühlmittel (Natrium) ist die Menge radioaktiven Mülls beim Schnellen Brüter sogar 30 Mal größer.“

Auch ScineXX berichtet über die Studie. Dort heißt es unter der Überschrift: „Atomkraft: Kleinreaktoren verschärfen Entsorgungsproblem: SMR-Reaktoren erzeugen bis zu 30-mal mehr radioaktive Abfälle als normale Atomkraftwerke“. Berichtet wird: „Die Klimakrise, der Konflikt mit Russland und der noch mangelnde Ausbau erneuerbarer Energien haben der Atomkraft neue Attraktivität verliehen: Obwohl das Problem der Endlagerung und sicheren Entsorgung radioaktiver Abfälle nicht geklärt ist, setzen einige Länder auf eine neue Form von Atomreaktoren, die sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Diese Anlagen erzeugen weniger als 300 Megawatt Strom, enthalten weniger Kernbrennstoff und nutzen teilweise neuartige Kühlmethoden mit Gasen oder geschmolzenen Salzen statt Wasser.“

Bei N-TV heißt es außerdem: „Kritisch sehen die Wissenschaftler außerdem, dass der Abbrand der Brennstäbe bei den kleinen Reaktoren geringer ist als bei den großen. Dadurch sind in den Brennstoffresten mehr radioaktive Isotope konzentriert als beim herkömmlichen Druckwasserreaktor. Es besteht deshalb eher die Gefahr, dass die kritische Masse für eine erneute nukleare Kettenreaktion im Abfall erreicht wird. Entsprechend müssten neue Behälter für die Endlagerung entwickelt oder die vorhandenen Behälter mit weniger radioaktivem Abfall befüllt werden.“

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