Wachsende Nuklear-Risiken. Russland droht – USA verlegen Atomwaffen-U-Boote … Atomenergieagentur meldet Kriegskämpfe nahe AKW Saporischschja

Russland und seine Atomwaffen. Die USA haben ihre mit Atomwaffen bestückten und mit Atomreaktoren betriebenen U-Boote näher an Russland verlegt (Tagesschau). Außerdem wird bekannt, dass die USA erstmals wieder Atomwaffen in Großbritannien stationieren. Das „Empire“ kauft dazu – ebenso wie die deutsche Armee – die für den Einsatz erforderlichen Kampfjets vom Typ F-35A-Jets in den USA. Die Aufrüstung für die neuen Kampfjets auf der Atomwaffen-Startbahn Büchel in Deutschland gerät derweil immer teuer – gefährlich ist das ohnehin. (Tagesschau) Dazwischen Atomkraftwerke im Krieg! In Russlands Krieg in der Ukraine gibt es wiederholt Kämpfe in direkter Nähe der sechs Atomreaktoren des größten europäischen Atomkomplexes – Saporischschja. Nukleare Risiken als alltäglicher Normal. Nicht durch technisches Versagen, sondern du Waffeneinsatz gegen Atomanlagen? In wenigen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Jahrestag der Atomwaffen-Abwürfe der USA auf Japan, – nicht auf Deutschland! Nie wieder Hiroshima. Erst vor wenigen Wochen wurden die Uranfabriken im Iran angegriffen. (Guardian) Und in Niedersachsen, bei der Uranfabrik in Linken droht die deutsche Entscheidung, dass russische und französische Atomkonzerne gemeinsam einen Deal machen. (Den letzten Satz müsst ihr recherchieren: alle Informationen auf umweltFAIRaendern.de)

IAEA – Internationale Atomenergie Agentur.

Update 307 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

76/2025 – Vienna, Austria

The IAEA team at Ukraine’s Zaporizhzhya Nuclear Power Plant (ZNPP) heard explosions and saw smoke coming from a nearby location where the plant said one of its auxiliary facilities was attacked today, Director General Rafael Mariano Grossi said.

The IAEA team was informed by the ZNPP that the facility was struck by shelling and drones from 9am, around the same time as the team could hear military activity.

The auxiliary facility is located 1,200 metres from the ZNPP’s site perimeter and the IAEA team could still see smoke from that direction in the afternoon.

It was the latest in a series of incidents in recent weeks and months further highlighting possible dangers to nuclear safety during the military conflict at the ZNPP.

“Any attack in the vicinity of a nuclear power plant – regardless of the intended target – poses potential risks also for nuclear safety and must be avoided. Once again, I call for maximum military restraint near nuclear facilities to prevent the continued risk of a nuclear accident,” Director General Grossi said.

Falsche Darstellung auf Bundestagsseite zu Atomtransporten NRW

Der Bundestag berichtet auf seiner Homepage über die Kleine Anfrage der Linksfraktion zum weiteren Umgang mit Atommüll aus Jülich und die Antworten der Bundesregierung. Dabei kommt die Redaktion zu einer am Ende falsche Aussage. Im November 2022 hatte der Haushaltsausschuss die weitere Zwischenlagerung samt Neubau von der sonst geltenden Kostenregelgung im Verhältnis von 70 Prozent durch den Bund 30 Prozent Land ausgenommen. Die weitere Zwischenlagerung in Jülich müsste das Land NRW allein bezahlen. Nur im Falle von Transporten nach Ahaus – die in der Summe kostengünstiger sein sollen – würde weiterhin 70 / 30 finanziert.

  • Hier ist der Sachverhalt beim Bundestag dargestellt. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1103362 – Dort auch die Hinweise zu der Kleinen Anfrage und den Antworten.
  • Die Aachener Zeitung hatte auf Basis einer Kleinen Anfrage und Antwort im Mai berichtet: „Jülich – Premium – Castor-Lager könnte in Jülich neu gebaut werden, wenn das Land bezahlt – Die Aussage der Bundesregierung war in dieser Form bisher so nicht bekannt. Dann wären auch die 152 Atomtransporte nach Ahaus vom Tisch. Angebote des Landes gibt es aber nicht. 0

Das Problem entsteht, weil die Antwort der Bundesregierung sehr verklausuliert ist und daher in der zur Verfügung stehenden Zeit eines solchen Textes auf HiB offenbar die vielen genannten Zurück-Hinweise und Drucksachen nicht kontrolliert werden konnten. Diese Verkürzung führt aber dazu, dass HiB behauptet, dass weiterhin alles Varianten im Zusammenhang mit dem AVR-Atommüll weiterhin 70/30 finanziert werden. Das ist nicht mehr korrekt.

umweltFAIRaendern hatte bereits 2022 über den Beschluss des Haushaltsausschusses berichtet:

Zu den aktuellen Dingen rund um den Atommüll in Jülich und eventueller Atomtransporte nach Ahaus siehe:

 

Atomtransporte in NRW verhindern – vor einer Entscheidung: Auch Verbände und Initiativen wollen mit Bundesumweltminister reden

Nachdem Linke und Grüne Vorstandsmitglieder aus NRW sowie zwei Bundestagsabgeordnete den Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in einer gemeinsamen Initiative eingeladen haben, vor einer Entscheidung vor Ort noch einmal mit den Betroffenen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, die die Durchführung von über 150 Atommülltransporten von Jülich nach Ahaus vor Ort überflüssig machen, unterstützen nun auch Verbände und Initiativen diesen Vorschlag. Der BUND in NRW hat sich ebenfalls per Brief an Carsten Schneider gewandt. Auch die BI Ahaus hat sich für einen Dialog ausgesprochen. Verwiesen wird aber auch darauf, dass sowohl Betreiber als auch das zuständige Wirtschaftsministerium in NRW dazu einen Beitrag leisten müssen.

Neben der Einladung an den Bundesumweltminister, noch vor der Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem Atommüll in Jülich zu Gesprächen nach NRW zu kommen, sorgt ein Antrag der Linksfraktion im Bundestag dafür, dass das Thema möglicherweise im September nach der Sommerpause auch noch auf die Tagesordnung des Umweltausschusses kommet. Offen ist, ob das Bundesumweltministerium auch dem Parlament noch mal die Möglichkeit gibt, einen Verbleib des Atommülls zu beraten.

Dokumentationen der Presseerklärungen: 

Die PM der BI AhausAhaus, den 31.07.25 – Pressemitteilung:

Einladung des Bundesumweltministers nach Ahaus wegen drohender Castor-Transporte: BI begrüßt parteiübergreifende Initiativen von Abgeordneten aus dem Münsterland – Gespräche müssen aber auch mit Finanz- und Forschungsministerium stattfinden!

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ begrüßt die Initiative zweier Bundestagsabgeordneter aus dem Münsterland, Bundesumweltminister Carsten Schneider nach Ahaus einzuladen, um mit ihm und Betroffenen über Alternativen zu den drohenden Atommüll-Transporten aus Jülich nach Ahaus zu sprechen. Die Abgeordneten Jan-Niklas Gesenhues (Grüne) und Mareike Hermeier (Die Linke) hatten sich letzte Woche parteiübergreifend zu dieser Initiative entschlossen. Die BI würde es auch begrüßen, wenn sich weitere Abgeordnete aus der Region diesen Bemühungen anschließen würden.

Allerdings: Wenn die angestrebten Gespräche zum Erfolg führen sollen, müssen zeitnah weitere Gespräche stattfinden. Denn der Bundesumweltminister hat nur begrenzten Einfluss auf die möglichen Alternativen: Der Neubau einer zeitgemäßen Zwischenlagerhalle in Jülich selbst kann nur von der dortigen Entsorgungsgesellschaft JEN in die Wege geleitet werden. Und deren Aufsichtsrat wird dominiert von anderen Bundesministerien: denen für Finanzen sowie für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die aber weigern sich bisher unter Berufung auf wenig seriöse Kostenrechnungen, die nötigen Schritte für einen Neubau in Jülich zu genehmigen. Hier müssten dringend die notwendigen Gespräche geführt werden. Wenn die Bundestagsabgeordneten aus der Region hierbei aktiv würden, hätte dies die volle Unterstützung der BI.

i.A. und Kontakt in dieser Angelegenheit:

Hartmut Liebermann

PM des BUND NRW

Sichere Lagerung statt riskanter Atommülltransporte

31. Juli 2025 | Atomkraft, AVR Jülich, Energiewende

BUND lädt Bundesumweltminister Carsten Schneider zum Vor-Ort- Gespräch über geplante Atomtransporte

    • Atommülltransporte sind gefährlich und nicht zielführend
    • Debatte über Alternativen zur Verlagerung des Atommülls gefordert
    • Kritik auch seitens der Landesregierung und Polizei-Gewerkschaft

Düsseldorf | Nach den Vorstellungen des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sollen bald mehr als 300 000 radioaktive Brennelemente aus dem Forschungsreaktor AVR Jülich mit LKWs über Autobahnen und Landstraßen in das Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Diese 152 Transporte sind aus Sicht des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nicht nur hochgefährlich, sondern angesichts der befristeten Genehmigung des Zwischenlagers auch nicht zielführend. Deshalb hat der BUND Bundesumweltminister Carsten Schneider vor der Entscheidung über diese Transporte zu einem Vor-Ort-Termin nach NRW eingeladen.

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: „Die Zeit drängt – und es braucht jetzt einen offenen Dialog mit allen Beteiligten. Deshalb fordern wir Bundesumweltminister Schneider auf, sich direkt vor Ort ein Bild zu machen und sich die Ängste und Sorgen der von den nuklearen Risiken betroffenen Menschen anzuhören. Nur wer mit den Betroffenen, Fachleuten und politisch Verantwortlichen in dieser Region spricht, kann eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen.“

Ziel ist es, Alternativen zum geplanten Abtransport zu diskutieren und mögliche Wege aufzuzeigen, wie eine sichere Lagerung in Jülich ermöglicht werden kann. Denn das Vorhaben stößt nicht nur aufgrund der hohen Risiken auf massive Kritik, sondern ist auch nach Ansicht der Landesregierung NRW „unnötig“. Stattdessen fordert der BUND einen Verbleib des Atommülls am Standort Jülich und den Neubau eines geeigneten Zwischenlagers. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete den Aufwand, der mit der enormen Anzahl der Transporte und ihrer hochgefährlichen Fracht verbunden ist, zudem als „unverhältnismäßig“.

Der BUND warnt davor, aus politischen oder logistischen Gründen auf eine Lösung zu setzen, die weder sicherheitstechnisch noch gesellschaftlich tragfähig ist. „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung. Ein Besuch des Ministers in NRW wäre ein wichtiges Zeichen für Transparenz, Dialogbereitschaft und Verantwortung“, so Sticht. Bis zu einem solchen Gespräch bleiben die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) und die Atomaufsicht NRW gefordert, die Voraussetzungen für eine weitere sichere Zwischenlagerung in Jülich zu schaffen.

Grüne und Linke in NRW: Gemeinsam Atomtransporte stoppen – Einladung an Bundesumweltminister Schneider

Unnötige Atomtransporte aus Jülich quer durch NRW nach Ahaus doch noch verhindern? Das wollen die aus NRW stammenden Bundestagsabgeordneten Mareike Hermeier (Linksfraktion) und Jan-Niklas Gesenhus (Fraktion Grüne) sowie die beiden Landesvorstandsmitglieder Hubertus Zdebel (Linke) und Alexandra Schoo (Grüne) erreichen. In einem gemeinsamen Brief haben sie den Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu Gesprächen nach Ahaus eingeladen. Vor der Entscheidung des Ministeriums soll noch einmal gemeinsam mit den betroffenen Kommunen und Bürger*innen und Initiativen versucht werden, Wege zu finden, damit auf die 152 überaus gefährlichen Atomtransporte verzichtet werden kann. Das Bundesland NRW setzt sich laut Koalitionsvertrag für einen Verbleibt des Atommülls in Jülich und den Neubau eines Zwischenlagers ein.

Möglicherweise ab Oktober könnten Atommülltransporte Woche für Woche über die Autobahnen in NRW rollen, wenn der Bundesumweltminister auf Vorlage durch die zuständige Genehmigungsbehörde in den nächsten Wochen grünes Licht gibt. Außerdem hat die neue Linksfraktion einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der im September auf der Tagesordnung des Umweltausschusses stehen könnte.

Die Frage zum Umgang mit dem Atommüll in Jülich ist schon über ein Jahrzehnt auf der Tagesordnung. Zugespitzt wurde das Thema, als der Nachweis der Erdbebensicherheit in Jülich nicht erbracht werden könnte und das Land NRW daher als Atomaufsicht (Wirtschaftsministerium) eine Räumungsverfügung aussprach. Viele Jahre vertrödelten dann beteiligte Ministerien und auch der Betreiber der ehemaligen Atomforschungsanlage in Jülich mit so sinnreichen „Lösungen“, wie einen Export der 152 Atombehälter in die USA. Nicht nur Geld, sondern eben auch Zeit wurden mit der derartigen „Planungen“ vertan.

Hätten damals alle Beteiligten sich auf den zur Vermeidung von Atomtransporten notwendigen Neubau eines Zwischenlagers in Jülich verständigt, wäre das heute bereits gebaut und genehmigt und das Thema wäre hinfällig. Aber auch andere Akteure müssen sich hier die Frage gefallen lassen, warum den trotz entsprechender Zuständigkeiten Klärungen im Sinne eines Verzichts von Atomtransporten als die sicherste Variante nicht zielstrebig herbeigeführt wurden.

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen in NRW spricht von „unnötigen Atomtransporten“ nach Ahaus und will ein neues Zwischenlager in Jülich. Bundesbehörden und Parlament hatten aber Ende 2022 gemeinsam erklärt, dass NRW dann allein für die Kosten aufkommen müsste. Sonst gilt eine Kostenaufteilung beim Umgang mit dem Jülicher Atommüll von 70 Prozent vom Bund und 30 Prozent vom Land. So oder so: Alles wird von den Steuerzahlenden bezahlt, weil der Atommüll als „staatlicher“ Atommüll behandelt wird.

Bürgerinitiativen und Betroffene nicht nur in NRW machen mit Aktionen und Protesten Druck, um die Atomtransporte noch zu verhindern. Auch Demonstrationen sind geplant. Am 14. September 2025 finden in NRW Kommunalwahlen statt. Vermutlich soll es auch deshalb erst ab Oktober zu den Atomtransporten kommen. Der Landesverband NRW des BUND hat angekündigt, gegen die Genehmigung dieser Atomtransporte zu klagen. Wichtig vor Gericht wäre dafür, dass die Bundesregierung bzw. das Genehmigungsbehörde BASE den Sofort-Vollzug nicht erteilt. Diese Entscheidung ist eine Ermessensentscheidung.

Es wäre auch denkbar, dass die JEN den Antrag auf Sofort-Vollzug zurückzieht.

Dokumentation:

Die PM ist auf der Seite der NRW-Linken bereits online. Presse-Seite der NRW-Grünen

Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus: Grüne und Linke laden Umweltminister Schneider ein und fordern gemeinsame Gespräche mit Betroffenen

Über 150 Atommülltransporte mit hochradioaktivem Abfall aus dem AVR-Reaktor in Jülich sollen per LKW und Castor quer durch NRW in das Zwischenlager nach Ahaus durchgeführt werden. Mit einem gemeinsamen Brief haben Grüne und Linke Bundestagsabgeordnete und Parteivorstände aus NRW deshalb Bundesumweltminister Carsten Schneider eingeladen, vor einer Entscheidung nach NRW zu kommen. Bei seinem Besuch sollen Möglichkeiten diskutiert werden, diese gefährlichen und auch aus Sicht der Landesregierung in NRW unnötigen Atommülltransporte zu vermeiden.

Die beiden aus NRW stammenden Bundestagsabgeordneten Mareike Hermeier (Linke) und Jan-Niclas Gesenhues (Grüne) wollen erreichen, dass die Atommülltransporte mit ihrer hochbrisanten Fracht nicht stattfinden und vor einer endgültigen Entscheidung mit allen Betroffenen vor Ort nach einem Ausweg gesucht wird, der eine sichere Lagerung in Jülich weiterhin ermöglicht. Die beiden Abgeordneten werden durch Alexandra Schoo (Grüne) und Hubertus Zdebel (Linke) aus den Landesvorständen in NRW in diesem Anliegen unterstützt.

Nach Auffassung von Gesenhues und Hermeier ist das nukleare Mammut-Projekt auch deshalb fragwürdig, weil bereits 2036 die derzeitige Genehmigung für das Zwischenlager in Ahaus ausläuft. Ein neues Genehmigungsverfahren nach Stand von Wissenschaft und Technik wird erforderlich. „Wohin werden die Castoren dann verschoben? Sicherheit muss unter allen Umständen vor Kostenargumenten gelten.“

Gemeinsam stellen die Initiator*innen fest: „Ansätze für den Verzicht auf die Atommülltransporte sind erkennbar. Eine Lösung ohne Transporte ist möglich.“

Überall liegt Atommüll rum – „Endlagerung“ weit weg

Als wäre es nichts. Während alle möglichen Medien mehr oder weniger einseitig von wundersamen neuen Atomreaktoren schwadronieren, liegen die bisher erzeugten, teils hoch radioaktiven Atommüllabfälle meist in oberirdischen Lagerhallen quer über die ehemaligen Atomforschungsanlagen, Atommeiler oder einfach nur in Kartoffelscheunen rum, wie man es salopp im Wendland/Gorleben sagt. Fast alle Atommüll-Zwischenlager für hochaktiven Atommüll sind befristet und müssen demnächst nach Stand von Wissenschaft und Technik neu genehmigt werden. Wenn das mal klappt. Auch dort, wo leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle mal unter die Erde gebracht wurden, in Morsleben und in der ASSE, gibt es massive Sicherheits-Probleme. Von all dem ist im Entwurf des „Nationalen Entsorgungsprogramm“ (NAPRO) der Bundesregierung nicht viel zu finden.

Dabei hat sich nun auch gezeigt, dass die Suche nach einem möglichst sicheren unteriridischen Endlager für die hochaktiven Abfälle jahrzehnte länger brauchen wird, als neulich noch vollmundig angekündigt. Atomkritische Verbände und Gruppen warnten davor schon länger. Nun wird auch im Bundesumweltministerium gesetzgeberisch an „Beschleunigung“ gearbeitet. Damit hat sich auch das Nationale Begleitgremium (NBG) zuletzt auf einer Sitzung beschäftigt und z.B. ein Gutachten präsentiert. (Foto: Betreiber)

Dokumentation von der Homepage des NGB:

Schlag­lich­ter von der 98. NBG-Sit­zung

Die Endlagersuche ist komplex und vielschichtig. Das zeigte sich einmal mehr in der letzten NBG-Sitzung vor der Sommerpause. Es ging nicht nur um Geologie, sondern auch um rechtliche, technologische und gesellschaftliche Fragen, mit denen sich das NBG als kritischer und vermittelnder Begleiter regelmäßig befassen muss. Das produktive Ergebnis: ein neues Gutachten, ein frisch abgestimmtes Positionspapier und eine detaillierte Stellungnahme.

Nationales Entsorgungsprogramm: Bitte mehr Tiefe und Vorausschau

Das NBG sieht in der aktuellen Fortschreibung einige Defizite und formuliert zentrale Kritikpunkte nebst Verbesserungsvorschlägen. Als mangelhaft angesehen werden die bisher angebotenen Möglichkeiten der Beteiligung für die Öffentlichkeit bei der Aufstellung des NaPro. Auch die Prüfung von Alternativen und möglichen Zukunftsszenarien bei der Entsorgung der radioaktiven Stoffe vermisst das Gremium. Ebenso sollten die programmatischen Ziele und Maßnahmen klarer dargestellt werden, etwa zur dezentralen oder zentralen Zwischenlagerung. Schließlich fehlt in dem Entwurf eine Bewertung neuer Sicherheitsrisiken, beispielsweise durch Drohnentechnologie oder geopolitische Spannungen.

Das NBG fordert deshalb mehr Tiefe, Transparenz und vorausschauende Planung. Nur so kann Vertrauen in die nationale Entsorgungsstrategie und somit auch in das Standortauswahlverfahren entstehen. Die finale Stellungnahme reicht das Gremium zeitnah beim Bundesumweltministerium ein.

Info –  Auch die Öffentlichkeit ist noch bis zum 5. August 2025 aufgerufen, Stellungnahmen zum NaPro einzureichen. Dies geht postalisch ans Bundesumweltministerium oder per E-Mail unter siii2@bmukn.bund.de.

Klare Kante zur Transmutation: Eine sichere Lösung hat Vorrang!

Können wir uns das alles sparen und stattdessen das Endlagerproblem mit neuen Technologien zeitnah lösen? Das verspricht zumindest eine Technik namens Partitionierung und Transmutation (kurz „P&T“). Sie zielt darauf ab, hoch radioaktive Abfälle in weniger gefährliche Stoffe umzuwandeln, indem alte Brennstäbe mit Neutronen beschossen werden. Bereits seit Jahrzehnten in der Diskussion, hat die Idee von P&T aktuell wieder viel Aufmerksamkeit bekommen, insbesondere durch eine Studie von der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND mit einer sehr optimistischen Schätzung für den Bau einer solchen Anlage an ehemaligen deutschen AKW-Standorten.

Das NBG sendet mit einem Positionspapier zum Thema Transmutation ein eindeutiges Signal: Es wäre unverantwortlich, das laufende Standortauswahlverfahren zu stoppen oder die Bemühungen zu reduzieren, bis Transmutationstechnologien verfügbar sind. Denn die Technologie ist bisher nur im Labormaßstab erprobt. Eine funktionierende Gesamtanlage existiert nicht. Die versprochenen Effekte – etwa 80 Prozent weniger Abfallvolumen – bleiben spekulativ. Auch die wirtschaftliche Machbarkeit wird bezweifelt. Zusätzlich würde P&T neue, ebenfalls zu entsorgende Abfallmengen erzeugen und ein Endlager wäre weiterhin notwendig.

Klar ist: Forschung ist fundamental und neue Ansätze sind erstrebenswert, doch das darf keine Ausrede für Stillstand sein. Eine vage Hoffnung auf künftige Durchbrüche darf nicht die sichere Lösung von heute verzögern. Die tiefengeologische Endlagerung bleibt international die am besten bewertete Entsorgungsoption und sollte konsequent weiterverfolgt werden.

Vergleich ist Pflicht – und zwar durchgängig

Um für dieses tiefengeologische Lager den sichersten Standort zu finden, müssen in jeder Phase des Verfahrens systematische Vergleiche durchgeführt werden.

Zu diesem Thema gab das NBG ein Gutachten beim renommierten Rechtsexperten Dr. Ulrich Wollenteit in Auftrag. Im Kern ging es um die Frage, wann und wie das Standortauswahlverfahren ein vergleichendes Verfahren sein muss – wann also zum Beispiel Teilgebiete oder Standortregionen verglichen werden müssen und wann dabei auch zwischen den verschiedenen Wirtsgesteinen (kristallines Gestein, Steinsalz und Tongestein) abgewogen werden muss. Denn keines der Wirtsgesteine ist per se sicherer als das andere, daher sind sie gleichrangig zu behandeln.

Wollenteits wesentliche Erkenntnis auf die Frage, wann ein wirtsgesteinsübergreifender Vergleich stattfinden muss: Das Gesetz schreibt keinen konkreten Zeitpunkt dafür vor. Zu vergleichen sind nicht einfach „nur“ die Wirtsgesteine. Sondern verglichen werden die konkreten Gebiete, verbunden mit dem jeweiligen dort vorgesehenen Endlagersystem. Darin begründe sich die Komplexität bei der Entwicklung einer geeigneten Methodik für diesen Vergleich: Gewissermaßen müsse man hier Äpfel mit Birnen vergleichen. Zum derzeitigen Stand des Verfahrens wäre nicht erkennbar, dass die gesetzlich geforderte Prüftiefe für einen wirtsgesteinsübergreifenden Vergleich unterschiedlicher Endlagersysteme gegeben wäre.

Das NBG betont die dringende Notwendigkeit, die Vergleichsmethodik so früh wie möglich zu entwickeln und offenzulegen. Nur so kann vermieden werden, dass der Eindruck einer Beeinflussung zugunsten eines favorisierten Ergebnisses erfolgt. Denn feststeht, dass eine unterbliebene vergleichende Bewertung einen Verfahrensfehler darstellt, der das Verfahren angreifbar macht – und es müsste unter Umständen in frühere Phasen zurückgesetzt werden.

Wiedersehen im Wendland

Die Sitzung schloss mit einem Ausblick auf die 99. Sitzung, die nach der kurzen Sommerpause am 9. September in Lüchow-Dannenberg stattfinden wird – einem Ort, der wie kein anderer für gelebte Teilhabe und ein lernendes Verfahren steht. Die Gelegenheit lässt sich das Gremium nicht entgehen und möchte mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Die Sitzung wird deshalb flankiert von der Veranstaltung „NBG vor Ort: Mit Gorleben für die Regionalkonferenzen lernen?“, zu der sich alle Interessierten ab sofort hier anmelden können.

All diese Aspekte und weitere Diskussionspunkte der themenreichen 98. NBG-Sitzung finden Sie auch im Video-Mitschnitt auf unserem YouTube-Kanal.

YouTube-Mitschnitt 98. NBG-Sitzung (17.7.2025)

Ellen Boettcher

Ausführliche Informationen finden Sie bald in einem Ergebnisprotokoll.

Ausführliche Informationen finden Sie bald in einem Ergebnisprotokoll.

PDF 165KB – Datei ist barrierefrei⁄barrierearm
×