Handelskammer Hamburg deinvestiert bei Kohle

Die Hamburger Handelskammer, in der vor rund einem Jahr eine Fraktion von Reformern die Macht übernommen haben, werden ihre Pensionsfonds neu ordnen und Investitionen in Kohleenergie beenden. „In seiner Sitzung am Montag hat der Innenausschuss, das zuständige Entscheidungsgremium der Handelskammer für Änderungen der Anlagerichtlinie, neue Regeln für die Vermögensanlagen der Handelskammer Hamburg beschlossen. Bis zum 31. März 2018 wird die Handelskammer alle Unternehmen aus dem Portfolio ausschließen, die auf der Liste von www.coalexit.org (Urgewald) enthalten sind. Das umzuschichtende Anlagevolumen beläuft sich auf rund 4,4 Millionen Euro. Die Handelskammer führt mit diesem Beschluss ökologische Nachhaltigkeitskriterien für seine Finanzanlagen ein und folgt damit für sein Pensionsvermögen dem Beispiel anderer Pensionsfonds“, heißt es in der Presseerklärung zu dieser Entscheidung.

Die Kammer wolle damit einen eigenen Beitrag hin zu klimaneutralen Wirtschaftsstrukturen leisten, ähnlich wie andere Pensionsfonds. Darauf aufbauend würden weitere konkrete nachhaltige Standards für die Anlagekriterien der Handelskammer entwickelt. Das ist bei T-online zu lesen. Dem Hamburger Abendblatt ist diese Entscheidung nur dieser kurze dpa-Bericht wert.

Der gemeinnützige Verein VenGa e.V. (Verein zur Förderung ethisch-nachhaltiger Geldanlagen) kommentiert diese Entscheidung: „Weil Hamburg die Folgen des Klimawandels besonders stark spürt, ist es ein starkes Signal, dass keine Hamburger Handelskammer-Gelder mehr in Klimakillern versenkt werden“, freut sich VenGa-Vorstand Martin Nieswandt. Andreas Enke, Co-Vorstand von VenGa e.V. hat als Mitglied des Plenums der Handelskammer und des Innenausschusses gemeinsam mit Matthias Ederhof erfolgreich dafür gekämpft, dass die Handelskammer Hamburg aus der Kohle aussteigt.“

Weiter ist dort zu lesen: „Urgewald-Kohle-Campaignerin Christina Beberdick: „Der Schritt hat Vorbildcharakter für alle weiteren Handelskammern und andere öffentlich-rechtliche Institutionen, aber auch für die Anlagepolitik von Städten, Ländern und vom Bund. Sie müssen aufhören, das Altersvorsorgegeld ihrer Beschäftigten in Firmen zu stecken, deren Geschäft zur Klimaerwärmung für künftige Generationen beiträgt.“

Dokumentation: Die PM der Handelskammer:

Nachhaltigkeit

Handelskammer setzt Meilenstein für Kohle-Divestment

Hamburg, 21. Dezember 2017 – In seiner Sitzung am Montag hat der Innenausschuss, das zuständige Entscheidungsgremium der Handelskammer für Änderungen der Anlagerichtlinie, neue Regeln für die Vermögensanlagen der Handelskammer Hamburg beschlossen. Bis  zum 31. März 2018 wird die Handelskammer alle Unternehmen aus dem Portfolio ausschließen, die auf der Liste von www.coalexit.org enthalten sind. Das umzuschichtende Anlagevolumen beläuft sich auf rund 4,4 Millionen Euro. Die Handelskammer führt mit diesem Beschluss ökologische Nachhaltigkeitskriterien für seine Finanzanlagen ein und folgt damit für sein Pensionsvermögen dem Beispiel anderer Pensionsfonds.
„Wir begrüßen die Entscheidung, da damit die Handelskammer einen eigenen Beitrag zur notwendigen Transformation der kohlebasierten hin zu klimaneutralen Wirtschaftsstrukturen leistet.“, sagt Matthias Ederhof, Mitglied des Plenums der Handelskammer sowie des Innenausschusses. Andreas Enke, ebenfalls Mitglied der beiden Gremien, beschreibt die betroffenen Finanztitel: „Die Handelskammer Hamburg wird Unternehmen aus dem Portfolio ausschließen, die mehr als 30 Prozent ihres Stroms oder ihrer Umsätze aus Kohle beziehen, aber auch die größten Kohleproduzenten sowie alle Unternehmen, die den Bau von Kraftwerken mit über 3.000 Megawatt planen. Basis ist die „Global Coal Exit List“, die die NGO urgewald im Rahmen der Weltklimakonferenz in Bonn 2017 veröffentlicht hat. Aufbauend auf diesem ersten Nachhaltigkeitskriterium ist es unser Ziel, weitere konkrete nachhaltige Standards für unsere Anlagekriterien zu entwickeln. Als erstes wird in der Zukunft die Negativliste von coalexit.org bei Ankäufen beachtet werden.“ Torsten Teichert, Vorsitzender des Innenausschusses, erläutert: „Die von der Handelskammer beauftragten Dienstleister werden die notwendigen Umschichtungen bis zum 1. April 2018 umsetzen.“
Die Handelskammer ist seit 1665 die Selbstverwaltung der gewerblichen Hamburger Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen von etwa 160.000 Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung, ist kundenorientierter Dienstleister für unsere Mitgliedsfirmen und unabhängiger Anwalt von Markt, Wettbewerb und Fair Play. Wir beraten Unternehmen, wir bündeln Interessen und wir bilden Menschen. Über 700 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen engagieren sich ehrenamtlich bei uns als gewählte Vertreter ihrer Branchen in über 30 Gremien. Sie tragen entscheidend zur Meinungsbildung der Handelskammer bei. Außerdem nehmen 4.000 ehrenamtliche Unternehmensvertreter die Prüfungen in der dualen Berufsausbildung ab, die uns der Staat per Gesetz als hoheitliche Aufgabe übertragen hat. Unser Leitsatz heißt: „Wir handeln für Hamburg.“

Vattenfall setzt auf Klimakatastrophe: Moorburg-Kohle statt Erneuerbarer Energien für Fernwärme Hamburg

Vattenfall setzt weiter auf Klimakatastrophe und will den Umbau der Hamburger Fernwärme auf erneuerbare Energien blockieren. Damit stemmt sich das Unternehmen auch weiterhin gegen die Umsetzung des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“, der neben der vollständigen Rekommunalisierung auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien verlangt. Bei dem notwendigen Ersatz des maroden Kohleheizkraftwerks in Wedel setzt das Unternehmen auf den Einsatz seines wirtschaftlich angeschlagenen 1.600 MW Kohlekraftwerks in Moorburg, um dieses besser auslasten zu können und künftig noch mehr staatliche Förderung für die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung zu erhalten. Das ist das Ergebnis einer Aufsichtsratssitzung der Vattenfall-Wärme-Gesellschaft vom vergangenen Freitag. Das vom Minderheitspartner Stadt Hamburg (25,1 Prozent) vorgelegte Konzept lehnte der Konzern ab. Hamburgs Grüner Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan hatte wiederholt erklärt, dass Moorburg nicht für den Einsatz in der Fernwärme in Betracht komme. Der BUND lehnt den Moorburg-Einsatz für die Fernwärme ebenfalls ab und erklärte:

„Senat und Bürgerschaft dürfen sich jetzt nicht erpressen lassen: Der Volksentscheid zum Rückkauf der Netze ist 1 : 1 umzusetzen und die Energieversorgung Hamburgs deutlich stärker auf erneuerbare Energien umzustellen. In diesem klimapolitisch notwendigen Entwicklungspfad ist kein Platz für das Kohlekraftwerk Moorburg. Und Umweltsenator Kerstan steht im Wort, sein Konzept ohne Moorburg umzusetzen. Niemand darf jetzt noch in Kohle-Infrastruktur investieren, da spätestens 2030 das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz geht.“

  • Zahlreiche Medien berichten über die Blockade für den Ausbau der Erneuerbaren Energie für die Fernwärme durch Vattenfall, z.B.: Energate, NDR, Welt, SHZ, MoPo und das Abendblatt. Zuvor berichtete die taz.

Zuvor hatte der nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ etablierte Energienetzbeirat (ENB) in einer Stellungnahme die Planungen der Umweltbehörde zwar „grundsätzlich“ begrüßt, allerdings unter der Bedingung: „Der ENB rät dem Hamburger Senat, auf Grundlage der bestehenden Planungen dafür Sorge zu tragen, dass eine Einbindung des Kohlekraftwerks Moorburg an das Hamburger Fernwärmesystem nicht erfolgt und die klimapolitischen Zielsetzungen erfüllt werden.“ Die Einbindung von Moorburg in die künftige Fernwärme würde zu höheren CO2-Emissionen führen und die Einsparmöglichkeiten reduzieren (siehe auch unten).

Diese Stellungnahme hatten die Vertreterinnen der Fraktionen von SPD und Grünen unterstützt, außerdem zwei der drei Gewerkschaftsvertreter von der IG Metall und Verdi. Ebenso unterstützten diese Stellungnahme die Vertreter der Verbraucherzentrale, der Handwerkskammer, die beiden Wissenschaftsvertreter sowie die beiden BUND-VertreterInnen. Der Vertreter der Handelskammer sowie der Vertreter der Links-Fraktion enthielten sich. Während sich der CDU-Fraktionsvertreter bei der Abstimmung ebenfalls enthielt, sprach sich der Vertreter der FDP-Bürgerschaftsfraktion gegen diese Stellungnahme aus. Mit einem Sondervotum (PDF) stimmten die Vertreter des Hamburger Energietisch (HET), der Vertreter des Bundesverbands Erneuerbare Energien sowie ein Gewerkschaftsvertreter der Vattenfall-Wärme (ebenfalls mit Sondervotum, PDF) gegen die Stellungnahme. (Alle Unterlagen sind hier online. Die Mitglieder des ENB sind hier nachzulesen.)

In einer über Facebook verbreiteten Erklärung stellte Kerstan fest: „Wir haben einen Koalitionsvertrag, Klimaziele und einen bindenden Volksentscheid, und wir wollen den schnellstmöglichen Kohleausstieg in der Wärme. Das wäre mit unserem Konzept möglich – passt aber mit der Vattenfall-Planung nicht zusammen. Solange Vattenfall auf den Moorburg-Plänen beharrt, können wir das Gesamtkonzept für den Wedel-Ersatz nicht beschließen.“ Außerdem teilte der grüne Senator seiner Partei mit: „Wir als Umwelt- und Energiebehörde hatten in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet, mit dem wir Wedel zeitnah, klimafreundlich und zu vertretbaren Preisen ablösen können – ohne Moorburg-Wärme. Dieses Konzept hat auch der Energienetzbeirat gerade positiv bewertet. Ich war deshalb etwas überrascht, dass Vattenfall jetzt immer noch versucht, Wärme aus Moorburg in das Wärmenetz zu liefern und unser Konzept und die Einbindung sauberer Quellen auf den St.-Nimmerleinstag verschieben will, auf das Jahr 2035. Das ist eine Situation, in der wir den Dissens über diese Frage jetzt auf den Tisch legen müssen – denn der ist einfach da.“

Die Grünen und der Umweltsenator stehen „im Wort“, hatte der BUND letzten Freitag nach Bekanntwerden der Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung erklärt. Außerdem sei der Volksentscheid umzusetzen. Umweltsenator Kerstan hatte wiederholt den Einsatz von Kohle in der künftigen Fernwärme-Versorgung ausgeschlossen. Anfang November berichtete das Abendblatt dazu: „Von 2025 an werden alle an das bisherige Vattenfall-Fernwärmenetz angeschlossenen Haushalte und Büros in Hamburg ohne den Einsatz von Kohle beheizt. Das jedenfalls ist das Ziel des neuen Konzepts zur „Hamburger Wärmewende“, das der grüne Umweltsenator Jens Kerstan am Donnerstag vorgestellt hat.“

Verständigt hatte sich der Aufsichtsrat von Vattenfall-Wärme am letzten Freitag allerdings darauf, den Bau einer Elbquerung für die neue Fernwärme weiter zu entwickeln. Dazu sind 6,8 Millionen Euro als Investition bereitgestellt worden. Diese Leitung ist umstritten, weil sie es technisch möglich macht, sowohl erneuerbare und Industrie-Wärme aufzunehmen oder eben klimaschädliche Wärme aus Moorburg.

Der Ersatz des Kohleheizkraftwerks Wedel und die vollständige Übernahme der Fernwärme von Vattenfall, die der erfolgreiche und verbindliche Volksentscheid von Senat und Bürgerschaft verlangt, hängen eng zusammen. Darauf verweist auch der Umweltsenator: „Eine abschließende Einigung auf ein Gesamtkonzept zum Wedel-Ersatz kann nicht losgelöst von der Frage des Rückkaufs getroffen werden. Dazu wird es jetzt weitere Verhandlungen geben. Klarheit brauchen wir im ersten Halbjahr 2018.“

In einem gemeinsamen Antrag der beiden Regierungsfraktionen SPD und Grüne hieß es jüngst (Drucksache 21/10233): „Die Prüfungen sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein, sodass ab 2018 mit der Umsetzung begonnen werden kann“.

Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft unterstützt die Rekommunalisierung der Fernwärme und positioniert sich gegen eine Einbindung von Moorburg, während die Fraktionen von CDU, FDP und AfD wiederholt Moorburg-Wärme gefordert haben.

Anfang Januar 2018 startet ein Prüfverfahren, um den Wert der Fernwärmegesellschaft zu ermitteln. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte nach dem Volksentscheid im September 2013 in Verhandlungen mit Vattenfall über einen Rückkauf einem Wert von rund 950 Millionen Euro zugestimmt und eine Übernahme-Option für 2019 ausverhandelt. Zuletzt machte die Fernwärmegesellschaft, an der die Stadt Hamburg derzeit noch als Minderheitspartner mit 25,1 Prozent beteiligt ist, einen Gewinn von 70 Millionen Euro.

Das Vattenfall-Kohlekraftwerk Moorburg profitiert von den Plänen der Hamburger Energiebehörde in jedem Fall. Moorburg soll nach bisherigen Verlautbarungen künftig die Ölfirma Schindler mit Wärme beliefern, weil der bisherige Lieferant, die Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm, seine Wärme künftig überwiegend in das Fernwärmenetz für den Ersatz von Wedel einspeisen soll. Das stellte auch das Abendblatt fest: Tatsächlich profitiert das Megakraftwerk auch so von der Umstellung. Denn die bisher aus der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm mit Dampf versorgten Ölwerke Schindler beziehen ihre Wärme künftig vom Kraftwerk Moorburg. Dadurch könnte das Vattenfall-Kohlekraftwerk rentabler werden. Auch könnte Moorburg bei neuen politischen Mehrheiten künftig leicht direkt an das Netz angeschlossen werden, da nur noch ein kleines Stück Leitung dafür fehlen und die Elbquerung schon da sein werde, so Kritiker.“

Dieser „Kolateralschaden“ der Pläne der grünen Energiebehörde hatten nicht nur Klimaschützer kritisiert, sondern auch der Energienetzbeirat in seiner genannten Stellungnahme: „Die zukünftig geplante Versorgung der Ölwerke Schindler durch das Kohlekraftwerk Moorburg sieht der ENB aus klimapolitischer Sicht kritisch und bittet die BUE, entsprechende Versorgungsalternativen zu prüfen und dem Unternehmen vorzuschlagen.“

Zuletzt hatte ein breites Bündnis aus Umwelt und kirchlichen Gruppen in Hamburg anlässlich der UN-Klimaverhandlungen Cop23 für den Hamburger Kohleausstieg protestiert:

In einer gemeinsamen Erklärung der Organisationen vom 10. November heißt es unter anderem: „Zu den Ankündigungen der BUE, die bislang kohlebefeuerten Kraftwerke in Wedel 2022 stillzulegen und Tiefstack bis 2025 auf Gas umzustellen, verweisen die Aktiven auf die Mängel und Risiken der bisherigen Planungen: „Wenn die Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm künftig nicht mehr die Ölwerke Schindler mit Dampf versorgen, sondern Fernwärme in das Netz einspeist, ist dies für die Hamburger Klimabilanz lediglich eine Verlagerung. Wenn aber das umstrittene Megakraftwerk Moorburg die Lücke bei Schindler schließen soll, ist dies reine Augenwischerei und sorgt letztlich dafür, dass insgesamt in Hamburg wieder mehr CO2 durch Verbrennung von Kohle erzeugt wird“, so die Klima-Initiative. Dazu käme der Bau einer neuen Wärmeleitung vom Kohlekraftwerk Moorburg zu den Ölwerken, die unter anderen politischen Mehrheiten schnell zum Anschluss des Vattenfall-Kraftwerks an das eigentliche Fernwärmenetz führen könnte – mit fatalen Folgen für die Hamburger Klimabilanz. Für die Initiative ‚Kohle Stoppen Hamburg‘ ist klar: Die Stadt Hamburg muss, wie mit dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ beschlossen, die Fernwärmeversorgung vom derzeitigen Betreiber Vattenfall übernehmen und einen konsequenten Kohleausstieg auf den Weg bringen!“

Es folgen als Dokumentation die Stellungnahme des Energienetzbeirats, die PM der Umweltbehörde und die PM von Vattenfall.

Dokumentation: Stellungnahme des Energienetzbeirats:

Energienetzbeirat Hamburg unterstützt BUE-Konzept zum Ersatz des Kohleheizkraftwerks Wedel – Beirat begrüßt den wichtigen Schritt zu einer CO2-freien Wärmeversorgung

Der im Jahr 2016 vom Hamburger Senat eingerichtete unabhängige „Hamburger Energienetzbeirat“ (ENB) hat sich auf seinen Sitzungen intensiv mit dem von der BUE erarbeitetem Konzept für einen Ersatz des kohlegefeuertem Heizkraftwerks in Wedel befasst. Dieses Kraftwerk bildet derzeit noch
ein wichtiges Element der Hamburger Fernwärmeversorgung. Das von der BUE erarbeitete modulare und flexible Konzept sieht vor, dieses Kraftwerk durch mehrere Anlagen zu ersetzen, die Wärme wesentlich durch die Nutzung von erneuerbaren Energien und industrieller Abwärme bereitstellen.

Im Rahmen seiner Beratungen haben die im Beirat versammelten Fachleute intensiv diskutiert und eine Reihe weiterer Sachverständiger hinzugezogen. Im Anschluss an seine letzte Sitzung vom 23. November hat der Beirat nun mehrheitlich eine Stellungnahme zu dem von der BUE vorgestelltem Konzept verabschiedet.

Der Beirat begrüßt grundsätzlich das Konzept der BUE, das wesentlich auf die Erschließung erneuerbarer Wärmequellen auch südlich der Elbe setzt. Das modulare Konzept macht eine Einbindung oder Neuerrichtung von fossilen Großkraftwerken überflüssig. Der ENB rät dem Hamburger Senat,
auf Grundlage der bestehenden Planungen dafür Sorge zu tragen, dass eine Einbindung des Kohlekraftwerks Moorburg an das Hamburger Fernwärmesystem nicht erfolgt und die klimapolitischen Zielsetzungen erfüllt werden. Ferner rät der ENB, durch ein laufendes Projektcontrolling Risiken frühzeitig zu bewerten, weitere Potentiale zur Nutzung industrieller Abwärme zu prüfen sowie größtmögliche Transparenz der Vorhaben gegenüber den Bürgern zu schaffen.

Damit weitere zukunftsweisende Technologien erneuerbare Energien kostengünstig für die Wärmeversorgung der Hamburger Bürger realisiert werden können muss der regulatorische Rahmen auf Bundesebene dringend geändert werden. Der ENB rät dem Senat sich auf Bundesebene für
entsprechende Änderungen des Rechtsrahmens einzusetzen, damit die Benachteiligung CO2-neutraler Wärmequellen durch Steuern und Abgaben vermieden wird und Wettbewerbsfähigkeit geschaffen wird.

„Der Beirat hat das Konzept der BUE intensiv beraten und bewertet dieses als grundsätzlich sinnvoll und umsetzbar. Er sieht in der vorgestellten Ersatzlösung einen notwendigen und wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele und der Versorgungssicherheit in der Metropolregion und auch in Deutschland. Der modulare Ansatz eröffnet Flexibilitätsspielräume und macht das Konzept außerdem – abhängig von neueren technologischen wie regulatorischen Entwicklungen – anpassungs- und erweiterungsfähig. Hamburg kann zu einer Leitregion für die erneuerbare Wärmeversorgung werden“, erklärt der Beiratssprecher Herr Prof. Dr. Werner Beba. 13.12.2017

Hintergrund:
Der Hamburger Energienetzbeirat ist ein vom Senat in Beantwortung mehrere bürgerschaftlicher Ersuchen eingerichtetes unabhängiges Bürgerbeteiligungsgremium. Er berät die für Energie zuständige Behörde sowie die großen Hamburger Energienetzgesellschaften und dient dem gesellschaftlichen Dialog im Sinne einer ganzheitlichen Begleitung der Hamburger Energiewende. Seine Mitglieder sind von Fraktionen, Kammern und Verbänden benannt.

Der Volksentscheid vom September 2013 verknüpft den Rückkauf der Energienetze mit dem Ziel einer sozial gerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Nach dem Volksentscheid hat der Umweltausschuss der Bürgerschaft über die Umsetzung gemeinsam mit Vertretern der Umweltverbände, Wirtschafts- und Arbeitnehmervertretern beraten, die in den Sitzungen jeweils als Auskunftspersonen benannt waren. Die Einrichtung des Energienetzbeirats knüpft an diesen produktiven Beratungsprozess an. Die Einrichtung eines
gemeinsamen Beirats für alle Netzgesellschaften und die Ansiedlung bei der Energiebehörde ermöglichen es, im Beirat auch übergreifende energiepolitische Themen zu erörtern.

Mit der Einrichtung des Energienetzbeirats hatte der Senat zwei entsprechende Ersuchen der Bürgerschaft umgesetzt („Einrichtung eines politischen Stromnetzbeirates“, Drs. 21/493 vom 28. Mai 2015 und „Umsetzung des Volksentscheids weiter im Dialog angehen – Wärmedialog starten – Bürgerbeteiligung bei den Angelegenheiten der städtischen Netzgesellschaften“, Drs. 20/12007 vom 4. Juni 2014).

Website des Gremiums unter www.hamburg.de/energienetzbeirat. Das in der ENB-Sitzung am 23.11. vorgestellte BUE-Konzept findet sich hier

Link zur aktuellen Stellungnahme (PDF).

Rückfragen der Medien:
Sprecher des Beirats: Prof. Dr. Werner Beba, werner.beba@haw-hamburg.de, Tel.: 428 75 6937
Geschäftsstelle des ENB: Malte Wehmeyer, malte.wehmeyer@bue.hamburg.de, Tel.: 428 40 2152

Dokumentation: Presseerklärung der Behörde für Umwelt und Energie:

Erneuerbare Wärmequellen Der nächste Schritt in Richtung Kohleausstieg

Wärmegesellschaft stellt Weichen für Südvariante – Uneinigkeit über Bausteine,

Die Gesellschafterversammlung der Fernwärme Hamburg GmbH (VWH) hat heute den nächsten Schritt für die Wärmewende, den Kohleausstieg und den Ersatz des alten Kohlekraftwerks in Wedel beschlossen. Zunächst werden 6,8 Mio. Euro an Planungsmitteln bereitgestellt, um die Vorbereitungen für die Elbquerung fortzusetzen. Die Leitung soll den Anschluss Erneuerbarer Wärmequellen südlich der Elbe ermöglichen. Ein Wedel-Ersatz mit Anlagen nur nördlich der Elbe – die sogenannte Nordvariante – wird nicht weiter verfolgt.

Uneinigkeit besteht bei den Gesellschaftern über die Frage einer Anbindung des Kraftwerks Moorburg für die Fernwärmeversorgung. Die Umweltbehörde hat ein belastbares Szenario erarbeitet, wie der Hamburger Westen ab 2022 aus industrieller Abwärme, Müllverwertung, einer Wärmepumpe und Gasmotoren für die Spitzenlast stabil und bezahlbar versorgt werden kann. Der VWH-Mehrheitsgesellschafter Vattenfall (74,9 % der Anteile) verfolgt weiterhin den Plan, Wärme aus dem Vattenfall-Kraftwerk Moorburg über eine Verteilstation in das Wärmenetz zu liefern und gibt damit der fossilen Wärme den Vorzug vor der innovativen Wärmepumpe an der Dradenau, einem angeschlossenen Aquifer-Tiefenspeicher und der Nutzung industrieller Abwärme. Diese Planung widerspräche dem Ziel eines Kohleausstiegs in der Fernwärme bis Mitte der 2020er Jahre.

Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie, erklärt dazu: „Eine abschließende Einigung auf ein Gesamtkonzept zum Wedel-Ersatz kann nicht losgelöst von der Frage des Rückkaufs getroffen werden. Dazu wird es jetzt weitere Verhandlungen geben. Klarheit brauchen wir im ersten Halbjahr 2018. Da wir jetzt weiteres Geld für die Planung der Elbleitung freigeben, entsteht bei der Umsetzung kein Zeitverzug. Es bleibt dabei, dass wir das Kraftwerk Wedel schnellstmöglich abschalten wollen.“

Einigkeit besteht dagegen in anderen wesentlichen Punkten: Beide Partner planen eine vorzeitige Umrüstung des Kraftwerks Tiefstack auf Gas im Jahr 2025. Unstrittig ist auch die Einbindung des geplanten Energiezentrums der Stadtreinigung in Stellingen und die Nutzung von Wärme aus der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm (MVR).

Im September 2013 hatte eine Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger für einen Rückkauf der Energienetze durch die Stadt gestimmt. Das Strom- und das Gasnetz sind bereits zu 100 Prozent im Besitz der Stadt, die Wärme bislang nur zu 25,1 Prozent. 2014 wurde der Rückkauf der restlichen Anteile der Fernwärme für das Jahr 2019 vereinbart – zu einem Mindestpreis von 950 Mio €. Der nächste Schritt ist eine aktuelle Bewertung des Unternehmenswertes, der ab Januar stattfinden wird.

Dokumentation der Presseerklärung von Vattenfall:

Hamburger Wärmewende konkretisiert sich – Gesellschafterversammlung der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH einigt sich auf Südvariante

Die Gesellschafterversammlung der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH (VWH) hat auf ihrer Sitzung am 15. Dezember 2017 Planungsmittel in Höhe von 6,8 Mio. Euro für das kommende Jahr freigegeben, um die Umsetzung der Südvariante weiter voranzutreiben. Die Nordvariante wird nicht weiter verfolgt. Seit 2016 werden verschiedene modulare Konzepte für eine Hamburger Wärmewende betrachtet und diskutiert.

Als Teil der Südvariante soll die Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm (MVR) in Hamburg-Altenwerder mit einer neu zu errichtenden Fernwärmesammelleitung Wärme in den Westen der Stadt liefern. Die neue Elbquerung bietet zudem die Möglichkeit, weitere Wärmepotenziale südlich der Elbe an das Fernwärmenetz der VWH anzuschließen.

„Wir haben auch den Anspruch, dass die Fernwärme der Vattenfall Wärme Hamburg insgesamt möglichst umweltfreundlich erzeugt wird, gleichzeitig müssen aber auch stabile Preise und Versorgungssicherheit für die Kunden garantiert werden. Der Ersatz des Heizkraftwerks in Wedel ist in diesem Umbauprozess nur ein Teilaspekt“, erklärt Pieter Wasmuth, Geschäftsführer der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH. So will die VWH im Jahr 2025 mit Tiefstack ein weiteres Kohlekraftwerk vorzeitig auf Gas umstellen, um die CO2-Emissionen in der Hansestadt weiter zu reduzieren. „Generell sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Erschließung vorhandener Wärmequellen und deren Anschluss an unser Fernwärmesystem mittelfristig die bestmögliche Lösung für eine zukunftsfähige Versorgung ist. So können die CO2-Emissionen gegenüber der jetzigen Situation nachhaltig gesenkt und ein Beitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaschutzziele geleistet werden.“, so Wasmuth.

Keinen Konsens gibt es zwischen den Gesellschaftern bisher zur genauen Ausgestaltung der Südvariante. Insbesondere hinsichtlich der Frage, welche Wärmelieferkosten für die Module vertretbar sind, und welche Preissteigerungen den Kunden zugemutet werden können, sind weitere Gespräche und Untersuchungen erforderlich. Ob es zudem sinnvoll ist, ohnehin vorhandene Wärme auch weiterhin wegzukühlen oder sie künftig nicht doch zu nutzen, ist ein weiterer noch zu klärender Punkt.

Bestandteil der weiteren Planungen der Südvariante ist die Anbindung des Standorts Stellinger Moor an das zentrale Fernwärmenetz. Die Stadtreinigung Hamburg plant dort ein Zentrum für Ressourcen und Energie, in dem aus Biomasse Wärme für den Westen der Stadt erzeugt werden soll.

Das Heizkraftwerk Wedel (390 MW) aus dem Jahr 1961 soll nach der Umsetzung von Alternativlösungen außer Betrieb genommen werden. Es versorgt heute rund 120.000 Wohneinheiten im Hamburger Westen mit Fernwärme.

Klimaschutz Hamburg: BUND fordert mehr erneuerbare Wärme statt Kohle-Wärme – auch bei Schindler

Die Hamburger Umweltbehörde plant den Ersatz des Kohleheizkraftwerks Wedel durch den Ausbau erneuerbarer Energien und der Einbindung von industrieller Wärme. Die Pläne sehen vor, dass Wedel dann etwa 2021/22 abgeschaltet werden kann. Im Zuge dieser Planungen soll künftig auch die Müllverbrennungsanlage am Rugenberger Damm (MVR) – mehrheitlich im Besitz von Vattenfall – in das Fernwärmenetz einspeisen und über eine zu bauende Leitung unter der Elbe hindurch den Hamburger Nordwesten versorgen. Die Folge dieser Planungen, die die Umweltbehörde eher nicht so gern erwähnt: Die Ölfirma Schindler würde künftig vor allem durch das Vattenfall Kohlekraftwerk in Moorburg mit Wärme versorgt. Damit steigen die CO2-Emissionen in Moorburg weiter. Der Hamburger BUND fordert nun, dass Schindler seine Wärme künftig nicht aus Moorburg bezieht, sondern auf eine klimafreundliche Alternative umsteigt und damit einen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen in Hamburg leistet. Anlass sind nicht nur die laufenden Verhandlungen zum Umbau der Fernwärme, sondern auch heutige Inbetriebnahme einer Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage bei Schindler. Auf einer Sonder-Sitzung des Energienetzbeirats übten die Klimaschützer gestern Kritik an den Plänen der Umweltbehörde, weil die geplante neue Fernwärmeleitung auch den technischen Anschluss von Moorburg ermöglichen würde. (Foto: Schindler © copyright H&R KGaA)

Über die „Einweihung der weltgrößten, regelflexiblen Elektrolyse –Anlage zur Herstellung von Wasserstoff“ bei der Firma Schindler berichtete gestern der Focus. Zur heutigen Einweihung wird auch der Hamburger Wirtschaftssenator erscheinen. Die PM dazu ist unten zu finden. Der BUND Hamburg kommentiert in einem Video-Statement bei Facebook die Eröffnung.

Dokumentation der PM des BUND Hamburg: Ölwerke Schindler sollen konsequent in Klimaschutz investieren

„BUND appelliert an das Unternehmen, künftig keine Wärme aus Kohleverbrennung einzusetzen

Der BUND Hamburg begrüßt das Engagement der Ölwerke Schindler, mit einer modernen Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die neue Anlage soll heute auf dem Werksgelände in Betrieb genommen werden.

„Es ist zu begrüßen, wenn Unternehmen in Hamburg in Sachen Klimaschutz vorangehen. Allerdings gibt es derzeit eine Planung, nach der die Ölwerke Schindler die von ihnen benötigte Prozesswärme aus dem umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg beziehen würden. Das wäre das Gegenteil von konsequentem Klimaschutz“, so BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Derzeit gibt es zwei Szenarien, um die fehlende Fernwärmeproduktion nach dem Abschalten des alten Kohlekraftwerks Wedel zu ersetzen. Die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) favorisiert dabei die Planung einer neuen Leitung unter der Elbe, um die Abwärme von Industrieanlagen südlich der Elbe einzubeziehen. Die Ölwerke Schindler würden in diesem Konzept nicht mehr Wärme aus der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm beziehen, sondern von dem Vattenfall-Kraftwerk in Moorburg.

Der BUND fordert daher von den Ölwerken Schindler und der Umweltbehörde, eine klimafreundliche Alternative für die Versorgung des Unternehmens auf den Weg zu bringen. Sollte das Kraftwerk Moorburg die entsprechende Wärme liefern, wäre dies mit einem zusätzlichen CO2-Ausstoß von fast 50.000 Tonnen pro Jahr verbunden.

„Vor dem Hintergrund der grünen Forderung eines möglichst schnellen Kohleausstiegs auf Bundesebene sollte Umweltsenator Kerstan dem Klimakiller in Moorburg kein neues Geschäftsfeld in Hamburg eröffnen“, so Manfred Braasch.“

Dokumentation der Einladung des Wirtsschaftssenators zur Einweihung der Elektrolyse-Anlage von Schindler für den 24. November 2017

Einladung an die Medien

Einweihung der weltgrößten, regelflexiblen Elektrolyse –Anlage zur Herstellung von Wasserstoff

Hansen & Rosenthal Gruppe leistet wichtigen Beitrag zum Klimaschutz

Die H&R Ölwerke Schindler GmbH (H&R) betreibt im Hamburger Hafen südlich der Köhlbrandbrücke eine Mineralölraffinerie. Für die dortige Herstellung von Weißölen und Paraffinen sowie für die Umwandlung von Verbrennungsprodukten wie Schiffsdieselölen in hochwertige Produkte wird in großen Mengen Wasserstoff benötigt. H&R bezieht diesen Wasserstoff zurzeit extern über LKW-Trailer.

Die neue PEM-Elektrolyse-Anlage (PEM = Proton Exchange Membrane) mit einer Leistung von 5,0 MW Stromaufnahme erlaubt es nun, den produktionsnotwendigen Wasserstoff vollständig selbst zu produzieren. Die Jahresproduktion wird mehrere Millionen Nm³ (Normkubikmeter) betragen. Durch Elektrolyse wird Wasser durch Zuführung von elektrischer Energie in gasförmigen Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Der Wasserstoff wird hier anschließend nach einer technischen Aufbereitung in den Produktionsprozess eingespeist. Der anfallende Sauerstoff könnte grundsätzlich genutzt werden, geplant ist derzeit aber die Freisetzung in die Atmosphäre.

Senator Frank Horch spricht am 24. November 2017 um 11 Uhr, Neuhöfer Brückenstraße 127-152 ein Grußwort anlässlich der Einweihung der  weltgrößten, regelflexiblen Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage.

Zur Information:

Die Freie und Hansestadt Hamburg erhält in der aktuellen Förderperiode 2014-2020 Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), insgesamt ca. 55 Mio. €. Dasselbe Finanzvolumen wird durch nationale öffentliche Mittel sowie private Eigenmittel beigesteuert, sodass unter Hinzuziehung der EFRE-Kofinanzierung ca. 110 Mio. € zur Verfügung stehen. Diese Mittel werden für Projekte aus den Förderschwerpunkten „Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation“ sowie „Förderung der Bestrebungen von Unternehmen zur Verringerung der CO2-Emissionen“ eingesetzt. Projektbeispiele sind etwa die Erweiterung des Fraunhofer Centers für Maritime Logistik, der Innovationsstarterfonds Hamburg II sowie verschiedene Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

In der zurückliegenden Förderperiode erhielt Hamburg insgesamt ca. 35 Mio. € EFRE-Mittel. Dieses Programm konnte durch die EFRE-Verwaltungsbehörde vor kurzem erfolgreich und vollständig gegenüber der Europäischen Kommission abgeschlossen werden. Auch aufgrund dieses für Hamburg sehr positiven Förderzeitraums wurde der Mittelansatz deutlich um ca. 20 Mio. € erhöht.

Die Ausgestaltung der EFRE-Regularien sowie die Bereitstellung der EFRE-Mittel obliegt der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Für den Förderschwerpunkt „Förderung der Bestrebungen von Unternehmen zur Verringerung der CO2-Emissionen“ ist die Behörde für Umwelt und Energie die zuständige Fachbehörde und zwischengeschaltete Stelle im EFRE-Verfahren. Sie wird unterstützt durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank.

Die PEM-Elektrolyse-Anlage mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 10 Mio. Euro wird durch EFRE-Mittel i.H.v. knapp 2,5 Mio. Euro kofinanziert.

Rückfragen der Medien

Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

Pressestelle | Susanne Meinecke

Vattenfall, die Kohle und der Hamburger Hafen: Brunsbüttel Ports ver- und entsorgen

Im großen Stil verfeuert Vattenfall in Hamburg weiterhin klimaschädliche Kohle in den (Heiz-)Kraftwerken Wedel, Tiefstack und Moorburg. Dazu wird die benötigte Import-Kohle über den Hamburger Hafen antransportiert und Reststoffe müssen abtransportiert werden. Für die Logistikdienstleistungen hat Vattenfall jetzt mit der privaten Brunsbüttel Ports GmbH neue Verträge abgeschlossen, in denen die Zusammenarbeit von Moorburg nun auch auf Tiefstack und Wedel ausgeweitet wird. Das hat heute „Hafen Hamburg“ auf seiner Internetseite mitgeteilt. Die Versorgung der klimaschädlichen Kraftwerke mit Kohle war wiederholt Anlass auch zu Protesten auf der Elbe. Zuletzt hatte Greenpeace anlässlich des G20-Gipfels im Juli mit Aktionen auf dem Fluss protestiert. Auch „Gegenstrom Hamburg“ sorgte mit Aktionen gegen die Kohlelieferungen für Proteste, zuletzt mit einer Aktion auf der Katwykbrücke.

Dokumentation der PM von „Hafen Hamburg“ zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Vattenfall und Brunsbüttel Ports (Wikipedia):

SCHRAMM Ports & Logistics (Brunsbüttel Ports) wächst auf 15 Standorte / Zuschlag für Vattenfall Kraftwerkslogistik / Erneutes Wachstumsplus

Brunsbüttel Ports erhält Zuschlag für die Verlängerung der Logistikdienstleistungen am Vattenfall Heizkraftwerk Moorburg.  Zusätzlich übernimmt das Unternehmen die Umschlagslogistik für die Vattenfall Heizkraftwerke Tiefstack und Wedel. Positives Signal für weiteres Wachstum. Zusätzliche Mitarbeiter und noch engere Verzahnung im Wirtschaftsraum Unterelbe / Hamburg.

Im Rahmen der Ausschreibung für die Umschlagslogistik von Stoffströmen an verschiedenen Standorten der Vattenfall Heizkraftwerke hat die Brunsbüttel Ports GmbH nicht nur den Zuschlag für die Verlängerung des bestehenden Auftrages am Standort Moorburg erhalten, sondern ebenfalls für die Logistik an den weiteren Standorten von Vattenfall in Wedel und Hamburg Tiefstack.

Damit weitet Brunsbüttel Ports unter der Dachmarke SCHRAMM Ports & Logistics seine Aktivitäten im Raum Hamburg aus. Seit 2013 hat das Brunsbütteler Unternehmen bereits die Ver- und Entsorgungslogistik für das Heizkraftwerk Moorburg im Hamburger Hafen übernommen, wo täglich große Mengen Brennstoffe und Nebenprodukte umgeschlagen werden. Diese werden auch in Zukunft von den Mitarbeitern der Brunsbüttel Ports GmbH verantwortungsvoll und mit großer Erfahrung im Rahmen der mehrjährigen Verlängerung des Vertrages bewältigt. Zusätzlich wird Brunsbüttel Ports nun zukünftig auch an den Standorten Wedel und Tiefstack für die Umschlagslogistik von Stoffströmen und zudem für die Instandhaltung der Umschlags-Anlagen verantwortlich sein.

Unter der Dachmarke SCHRAMM Ports & Logistics bildeten die Brunsbütteler Häfen sowie der Glückstädter Hafen, der Rendsburg Port, zwei Logistikstandorte im Hamburger Hafen sowie sechs Standorte in Schweden einen starken Verbund von bisher 13 Hafen- und Logistikstandorten in Norddeutschland und Skandinavien. Mit der Ausweitung der Aktivitäten der Brunsbüttel Ports im Hamburger Raum wächst die SCHRAMM Ports & Logistics nun auf insgesamt 15 Standorte.

Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH und SCHRAMM Ports & Logistics, freut sich über den Zuschlag an den drei Heizkraftwerksstandorten: „Unsere Dienstleistungen decken die gesamte Kette der Ver- und Entsorgungslogistik ab. Die Zusammenarbeit mit Vattenfall ist hoch professionell und effizient, und wir freuen uns, nicht nur die Verlängerung des bestehenden Auftrages am Standort Moorburg erhalten zu haben, sondern in Zukunft zusätzlich auch noch an zwei weiteren Standorten unseres Kunden aktiv sein zu dürfen.“
Ergänzend führt Schnabel aus: „Die Ausweitung unserer Aktivitäten in Hamburg bedeutet eine noch engere Verzahnung im Wirtschaftsraum Unterelbe und ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion Hamburg. Durch unsere zwei neuen Standorte steigt auch die Anzahl unserer Mitarbeiter deutlich an. Unsere Hafengruppe ist damit auch weiterhin auf einem soliden, nachhaltigen und gesunden Wachstumskurs.“

Im Rahmen der kürzlich vom Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) veröffentlichten Jahreszahlen der deutschen Seehäfen weist Frank Schnabel auf die positiven Umschlagszahlen der Hafengruppe Brunsbüttel Ports in diesem Jahr hin: In den ersten 10 Monaten erzielte die Brunsbütteler Hafengruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umschlagsplus von rund 11%. Im Brunsbütteler Elbehafen stieg die Güterumschlagmenge sogar um rund 12 %. In den Brunsbütteler Häfen stieg außerdem die Anzahl der abgefertigten Seeschiffe um rund 23 % und die Anzahl der Binnenschiffe um 8 %.

Hamburg: Statt Erneuerbare Energien Moorburg Kohle-Wärme? Technisch möglich – politisch nicht gewollt

Hamburg muss nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ die Fernwärme von Vattenfall übernehmen und von Kohle auf erneuerbare Energien umstellen. Die dafür von der Hamburger Umweltbehörde heute vorgestellten Pläne stoßen bei Klima-Initiativen aber auf Kritik, weil nicht ausgeschlossen ist, dass künftig auch das Kohlekraftwerk Moorburg Zugang in das Fernwärmenetz bekommt. Möglich würde dies durch den geplanten Neubau einer Fernwärmetrasse vom Süden unter der Elbe hindurch nach Bahrenfeld. Gegenüber dem DLF (Audio-Link) bestätigt heute ein Behördensprecher: Technisch wäre mit dieser neuen Leitung ein Anschluss von Moorburg möglich, politisch aber nicht gewollt. (Der NDR berichtet hier) Die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und FDP hatten aber genau das mehrfach vorgeschlagen. Neue politische Mehrheiten könnten diese technischen Möglichkeiten also künftig nutzen, um Vattenfall und Moorburg mit Wärme durch klimaschädliche Kohleverbrennung einzubeziehen. Vor einer solchen Möglichkeit warnen BUND und andere Klimaschutz-Initiativen. Aus ihrer Sicht wäre eine erneuerbare Wärmeversorgung auch ohne eine solche neue Fernwärmetrasse möglich. In einer Pressemeldung fordert der BUND Hamburg eine verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird. (siehe PM unten, Foto: Jens Kerstan (links))

Nach den Plänen der Umweltbehörde sollen die mit Kohle befeuerten Kraftwerke in Wedel bis 2022 abgeschaltet und Tiefstack bis 2024 auf Gas umgestellt werden sowie vor allem südlich der Elbe erneuerbare Energie-Anlagen errichtet werden. Die zu Vattenfall gehörende Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) soll künftig ebenfalls für die Versorgung des Hamburger Westens mit Wärme eingesetzt werden. Um all das zu ermöglichen, ist die neue Fernwärmetrasse aus Sicht der Umweltbehörde erforderlich. Die Einbeziehung der MVR in diese Planungen bringt Vattenfall schon einen ersten Vorteil für das Kohlekraftwerk Moorburg: Dadurch, dass die Wärme von der MVR nun in den Hamburger Westen geleitet werden soll, übernimmt Moorburg die bisher von der MVR gelieferte Wärme für die Ölfirma Schindler. Damit bekommt Moorburg dann staatliche Fördermittel, weil die Anlage dann in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird. Damit verbunden sind erhöhte CO2-Emissionen in Moorburg.

Technisch wird so also der Anschluss für Moorburg auch an die Fernwärme möglich. Ein solcher Anschluss ist derzeit zwar politisch nicht gewollt, wird aber unter einer anderen Mehrheit möglich: Die nächste Bürgerschaftswahl in Hamburg ist 2020, bei der der derzeit amtierende rot-grüne Senat seine Mehrheit verlieren könnte und mit CDU und FDP eine Vattenfall-freundlichere Regierung an die Macht kommen könnte.

  • Heute stellt der grüne Umweltsenator Jens Kerstan die Pläne im Energienetzbeirat vor. Die Sitzung ist öffentlich und findet in der Umweltbehörde in Wilhelmsburg ab 17 Uhr statt.

Der BUND Hamburg nimmt per PM folgendermaßen Stellung: „BUND fordert verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird“ und schreibt: „Zur Ankündigung von Umweltsenator Jens Kerstan, bei der Hamburger Fernwärmeversorgung in den nächsten acht Jahren aus der Kohlenutzung auszusteigen, erklärt BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch:

„Ein Ausstieg aus der Kohlewärme bis 2025 in Hamburg ist ganz klar ein richtiger Schritt, den der BUND unterstützt. Die Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack, die derzeit in das Hamburger Fernwärmenetz einspeisen, müssen schnell vom Netz.

In dem heute vorgestellten Konzept für die zukünftige Fernwärmeversorgung müssen wir uns allerdings die Details anschauen. Neben dem skizzierten Zeitplan spielt es eine entscheidende Rolle, wie der zukünftig technisch mögliche Anschluss des umstrittenen Vattenfall-Kohlekraftwerks Moorburg an das Fernwärmenetz dauerhaft verhindert werden kann. Ohne eine verbindliche Zusicherung, dass keine Moorburg-Wärme in das Wärmenetz eingespeist wird, könnte sich der Kerstan-Plan als Dolchstoß für den Klimaschutz erweisen.““

Außerdem:

DPA meldet dazu laut welt.de: „Das Hamburger Fernwärmenetz soll bis 2025 vollständig ohne den Energieträger Kohle auskommen und überwiegend aus Erneuerbaren Energien gespeist werden. Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) präsentierte am Donnerstag ein Bündel verschiedener Maßnahmen, mit denen das überalterte Kraftwerk Wedel ersetzt werden soll. Es soll nunmehr in fünf Jahren vom Netz gehen. Um das Fernwärmenetz weiterhin mit Energie zu versorgen, will die Stadt unter anderem industrielle Abwärme aus großen Industriebetrieben südlich der Elbe nutzen sowie Energie aus Abfall und Abwasser. Zudem ist ein großer unterirdischer Energiespeicher geplant.

Die notwendigen Investitionen bezifferte Kerstan auf ungefähr 600 Millionen Euro, wobei noch Einzelheiten zu klären seien. Für die rechnerisch rund 500 000 Haushalte im Hamburger Fernwärmenetz seien durch die Umstellung keine außerordentlichen Preissteigerungen zu erwarten. Das zweite große Kraftwerk Tiefstack, das den Hamburger Osten weitgehend mit Fernwärme versorgt, soll 2024 von Kohle auf Erdgas umgestellt werden. Am Ende würden so rund 600 000 Tonnen CO2 eingespart, das wären fast zwei Drittel des heutigen Ausstoßes.

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