Atomforschung in Deutschland für neue Reaktorkonzepte

Atomenergie ist Geschichte in Deutschland? Nun könnte man mit Blick auf die großen Mengen von Atommüll sagen: Noch lange nicht. Auch um die Uranfabriken, die weltweit im Geschäft und geopolitisch bedeutsam sind, geht es nicht. Vielleicht ist das schon Hintergrund der aktuellen Kampagnen von von der Leyen in der EU und Söder in Deutschland. Die AfD will das Thema in jedem Fall. Aber: Vor dem Neubau steht die Forschung und Entwicklung.  Konkret: Atomforschung für neue Reaktorkonzepte. Wird gemacht: „Flüssiges Salz für neue Reaktorkonzepte“ heißt es beim Atomforschungsreaktor FRM II in München Garching, der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRMII) – Technische Universität München. (Foto: © Laura Richter, TUM/FRM II – Titel: „Kick-off des Forschungsprojekts in Garching: Prof. Dr. Christian Reiter, TUM, Frank Blömeling und Frank Meissner, beide TÜV NORD EnSys, Liliana Quintero Zambrano, am TUM CNSI, und Tilmann Schlitt, wissenschaftlicher Mitarbeiter, TUM (v.l.n.r.).“)

So leitet die vom Bund und vom Land Bayern geförderte Einrichtung das Thema ein: „Flüssige Salzschmelzen könnten künftig dazu beitragen, Energie effizienter und klimafreundlicher zu erzeugen. Am FRM II erforscht die Doktorandin Liliana Quintero Zambrano, wie sich das flüssige Salz als Kühl- und Wärmetransportmedium in neuen Reaktorkonzepten einsetzen lässt. Das Projekt wird von TÜV NORD gefördert. …. Weltweit wird an Technologien gearbeitet, um CO2-Emissionen zu senken. Dazu zählen auch innovative Reaktorkonzepte, z. B. Small Modular Reactors (SMR). Eine Untergruppe sind Molten Salt Reactors, die flüssiges Salz statt Wasser zur Kühlung nutzen. „Salzschmelzen als Wärmeträger bieten großes Potenzial, Energiesysteme effizienter und leistungsfähiger zu gestalten – und das zugleich umweltfreundlich und wirtschaftlich. Durch die Weiterentwicklung dieser Technologien können wir einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energiesektors und damit zum Klimaschutz leisten“, sagt Liliana Quintero Zambrano, die als Doktorandin am TUM Center for Nuclear Safety and Innovation des FRM II an dem von TÜV NORD geförderten Projekt forscht.“ Ausdrücklich wird darauf verwiesen: „Mehr Informationen: Das Forschungsprojekt „Untersuchung von neuartigen Salzschmelzen für Anwendungen mit hohen Wärmeflüssen“ wird durch die TÜV Nord-Vereine und die RWTÜV-Stiftung finanziert, die Anteilseigner der TÜV NORD GROUP sind. Die fachliche Begleitung leistet TÜV NORD EnSys als kerntechnische Gutachterorganisation. Die Laufzeit der Promotionsförderung durch die TÜV NORD-Vereine und die RWTÜV-Stiftung beträgt drei Jahre; das Projekt startete im Oktober 2025.“

 

Hoch radioaktiv: Atomüll-Transporte Sellafield (UK) – Brokdorf

Während die einen sich neue Atommeiler wünschen und Risiken und Kosten weitgehend ignorieren, bleiben die Probleme mit den Atommüll-Bergen aus der bisherigen Atomstromerzeugung. Allein mehr als 150 Transporte mit den brisanten hoch radioaktiven Abfällen sollen künftig Woche für Woche per LKW quer durch NRW von Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus. Auch aus dem Atomforschungsreaktor Garching und der ehemaligen Anlage in Berlin soll weiterer Atommüll nach Ahaus. Und noch in diesem Jahr, so die bisherigen Planungen, sollen außerdem sieben weitere Castor-Behälter aus der Plutoniumfabrik im britischen Sellafield zum Zwischenlager nach Brokdorf in Schleswig-Holstein. Auf Nachfrage von umweltFAIRaendern teilt die zuständige Genehmigungsbehörde, das „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ (BASE), jetzt mit: „Die Beförderungsgenehmigung für die Rückführung von Sellafield nach Brokdorf ist noch nicht erteilt worden“. (Foto: BGZ)

  • Aktuelle Infos zu den Atommülltransporten von Jülich nach Ahaus gibt es hier bei der Bürgerinitiative und auch auf umweltFAIRaendern.de (Suchfunktion unten nutzen!)

Bereits im Jahr 2024 hatte das BASE die Einlagerung des Atommülls aus Sellafield für das Zwischenlager Brokdorf genehmigt. Die ebenfalls notwendige Transportgenehmigung steht aber noch aus.

Die flüssigen hoch radioaktiven Abfälle wurden in Sellafield in Glaskokillen eingeschmolzen. Für den Transport nach Brokdorf in das dortige Zwischenlager der BGZ wurden diese Glasblöcke in Castor-Behälter verpackt. In diesen Behältern bleibt der Atommüll auch während der gesamten oberirdischen Zwischenlagerung. Da sich die Planungen zur Endlagersuche wieder einmal verschoben haben, könnte das noch viel weitere Jahrzehnte andauern.

Kalterprobung: Tests mit leeren Castor-Behälter

Die für die Zwischenlagerung zuständige BGZ in Brokdorf hatte nach eigenen Angaben bereits in 2024 eine sogenannte Kalterprobung mit einem leeren Castor-Behälter, wie er für den Atommüll aus Sellafield eingesetzt wird, durchgeführt. Der Behälter stammte aus dem Zwischenlager Isar bei Landshut, wo er ebenfalls zu Testzwecken eingesetzt war.

Das BASE teilt auf Nachfrage von umweltFAIRaendern mit: „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde keine Kalthandhabung durchgeführt. Zu Fahrten mit leeren Behältern liegen keine Informationen vor.“ Mit anderen Worten: Für die Genehmigungserteilung durch das BASE sind diese Kalthandhabungen offenbar nicht vorgeschrieben.

Als atomrechtliche Aufsichtsbehörde teilte das in Schleswig-Holstein zuständige „Ministerium für Energie­wende, Klimaschutz, Umwelt und Natur“ aktuell auf mehrfache Nachfragen auch zum Umfang der Kalthandhabung lediglich mit, dass diese auf dem Gelände der BGZ stattgefunden hat: „Die Kalthandhabung wurde erfolgreich durchgeführt.“ Für weiteres, so die Kieler Pressestelle, wäre das BASE zu befragen. 

Für die Durchführung des Transports von Sellafield nach Brokdorf ist PreussenElektra zuständig, also der Betreiber des stillgelegten AKW Brokdorf. PreussenElektra wiederum hat für die Durchführung die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) beauftragt. Dieses Unternehmen stellt auch die Castor-Behälter her, die für den Transport und die Zwischenlagerung eingesetzt werden. In diesem Fall sind Behälter vom Typ HAW28M im Einsatz.

Auf Anfragen von umweltFAIRaendern im März 2025 zu Umfang und Ergebnissen bei der Kalthandhabung hatte die GNS mitgeteilt: „Bitte haben Sie darüber hinaus Verständnis dafür, dass wir – auch um späteren Missverständnissen oder Spekulationen vorzubeugen – keine Angaben über die Logistik rund um die Kalthandhabungen machen können.“ Die GNS bestätigte dabei auch, dass die Behälter in Sellafield bereits beladen sind.

UmweltFAIRaendern hatte mit Bezug auf Genehmigungsbehörde BASE im Zusammenhang mit den sogenannten Rücktransporten aus Sellafield nach Bayern folgendes veröffentlicht: Ziel Bayern – Isar: Hochaktiver Atommüll aus England darf ins Zwischenlager bei Niederaichbach transportiert werde Dort hatte BASE auch Auszüge zur erteilten Transportgenehmigung veröffentlicht.

Atomüll-Erbe: Hochaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland

Der Atommüll, um den es hier geht, stammt aus der sogenannten Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente von westdeutschen Atomkraftwerken im Ausland (Sellafield GB und LaHague, F). Die damals von der Wirtschaft vereinbarten und von der Bundesregierung bestätigten Verträge beinhalteten auch die Rücknahme der dabei entstehenden radioaktiven Abfälle. Bis Anfang der 2010er Jahre ist dieser Atommüll nach Gorleben geschickt worden. Dort befindet sich ein oberirdisches Zwischenlager. Außerdem war Gorleben in einer politischen Entscheidung nach einem Gerichtsurteil in den 1970er Jahren als einziger Endlagerstandort für hoch radioaktiven Atommüll festgelegt worden. Als Teil der Atomenergienutzung und der ungelösten Endlagerung führte das zu immer wieder zu erheblichen Protesten in der Bevölkerung und Aktionen der Anti-Atom-Bewegung.

Nach dem beschlossenen Atomausstieg und den Atomkatastrophen von Tschernobyl und schließlich Fukushima kam es schließlich Anfang der 2010er Jahre zu einer neuen politischen Verständigung, um die Suche nach einem Atommüllendlager neu zu starten. Dazu wurde das Standortauswahlgesetz auf den Weg gebracht. Dazu war es auch erforderlich, diese Atommülltransporte aus dem Ausland nicht weiter nach Gorleben zu bringen, sondern sie auf weitere Bundesländer zu verteilen. Daher wurden die Zwischenlager in Biblis (Hessen), in Philippsburg (Baden-Württemberg), in Niederaichbach bei Landshut (Bayern) und in Brokdorf (Schleswig-Holstein) neben den bereits in Gorleben befindlichen Behältern als weitere Standorte benannt. Zu den vorgenannten Standorten haben die Atomtransporte bereits stattgefunden. umweltFAIRaendern.de hat dazu umfangreich berichtet. Einfach die Suchfunktion nutzen, um mehr Hintergründe zu erfahren.

Hintergrund: Ungelöste Entsorgung und Plutoniumwirtschaft

Die Nutzung der Atomenergie zur Stromerzeugung ist ohne große Mengen einer Vielzahl von radioaktivem Atommüll nicht denkbar. Bis zu einer Million Jahre müssen diese radioaktiven Abfälle aufgrund ihrer tödlichen Wirkung sicher von der Biosphäre abgeschirmt gelagert werden. Auch bei den derzeit viel beschworenen neuen Reaktorkonzepten bleibt das so.

Um von diesem Problem der ungelösten Entsorgung radioaktiver Abfälle abzulenken, hatte die bundesdeutsche Atompolitik und -wirtschaft in den 1970er Jahren damit begonnen, die hoch radioaktiven Brennelemente aus den Reaktoren nach ihrem Einsatz zur sogenannten Wiederaufarbeitung zu transportieren. Als Zwischenlösung wurde dieser Atommüll daher von den bundesdeutschen AKW-Standorten in die Plutoniumfabriken in Frankreich und Großbritannien per Zug und Schiff transportiert. Damit verbunden war die Vereinbarung, dass die Bundesrepublik nicht nur das Plutonium und Uran zurücknehmen musste, sondern auch die bei der Verarbeitung anfallenden radioaktiven Abfälle.

Geplant war, im bayerischen Wackersdorf eine deutsche Plutoniumfabrik zu bauen. Doch sowohl die enormen Kosten und Sicherheitsrisiken sorgten für massiven Widerstand aus der Bevölkerung gegen die sogenannte „Plutoniumwirtschaft“. Im Jahr 2005 schließlich wurde die Wiederaufarbeitung beendet.

Alle Projekte, die im Rahmen der Plutoniumwirtschaft geplant waren, scheiterten nicht zuletzt aufgrund der enormen Risiken und extremen Kosten. So wurde die Plutonium-Brennelemente-Fabrik in Hanau nach Störfällen geschlossen, der Plutoniumreaktor in Kalkar kurz vor der Fertigstellung aufgegeben und die Plutoniumfabrik in Wackersdorf nicht weiter gebaut. Plutonium-Forschungsanlagen waren aber z.B. in Karlsruhe in Betrieb und haben Atommüll erzeugt.

 

 

Nukleare Abschreckung: Frankreich und Deutschland haben eine hochrangige Steuerungsgruppe eingerichtet

Atomwaffen und Abschreckung: Ein Statement von Frankreichs Staatspräsident Macron und dem deutschen Bundeskanzler Merz – PM der Bundesregierung –  cvd@bpa.bund.de – www.bundesregierung.de – www.bundeskanzler.de – Pressemitteilung Nummer 41/26 vom 2. März 2026 oder auch direkt hier als PDF.

Dokumentation – und die deutsche Fassung des Textes: 

Joint declaration of President Macron and Chancellor Merz

In the spirit of their close partnership as set out in Article 4 of the Treaty of Aachen, France and Germany have decided to enter into closer cooperation in the field of deterrence in response to the evolving threat landscape.

France and Germany have established a high-ranking nuclear steering group that will act as a bilateral framework for doctrinal dialogue and the coordination of strategic cooperation, including consultations regarding the appropriate mix of conventional, missile defence and French nuclear capabilities. France and Germany have agreed to take first concrete steps beginning this year, including German conventional participation in French nuclear exercises and joint visits to strategic sites as well as development of conventional capabilities with European partners. France and Germany will also increase their ability, as Europeans, to manage escalation beneath the nuclear threshold – in particular in the fields of Early Warning and Air Defense and Deep Precision Strike.

This Franco-German cooperation is based on the shared understanding that the nuclear dimension of deterrence remains a cornerstone of European security, relying on US extended deterrence, including US nuclear weapons forward-deployed to Europe, and on the independent strategic nuclear forces of France and the United Kingdom, which have a deterrent role of their own and contribute significantly to the overall security of the Alliance. This Franco-German cooperation will add to, not substitute for, NATO’s nuclear deterrence and NATO’s nuclear sharing arrangements, to which Germany contributes and will continue to contribute. France and Germany will continue to comply with their obligations under international law including the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons.

In light of their strong commitment to Article 5 of the North Atlantic Treaty and Art. 42 (7) of the Treaty on European Union, Franco-German cooperation aims at strengthening the systems of collective security both countries belong to. It aims at enhancing Europe’s security as a whole.

Special attention will be given to coordination with the United States, the United Kingdom, other Allies and NATO.

Höflichkeitsübersetzung

Gemeinsame Erklärung von Staatspräsident Macron und Bundeskanzler Merz

Im Geiste ihrer engen Partnerschaft, wie sie in Artikel 4 des Vertrags von Aachen niedergelegt ist, haben Frankreich und Deutschland angesichts der sich wandelnden Bedrohungslage beschlossen, auf dem Gebiet der Abschreckung enger zusammenzuarbeiten.

Frankreich und Deutschland haben eine hochrangige Nuklear-Steuerungsgruppe eingerichtet, die als bilateraler Rahmen für den verteidigungspolitischen Austausch und die Koordinierung strategischer Maßnahmen dienen soll. Hierzu gehören Konsultationen über die geeignete Mischung aus konventionellen Fähigkeiten, Raketenabwehr sowie französischen Nuklearfähigkeiten. Frankreich und Deutschland haben vereinbart, in diesem Jahr erste konkrete Schritte in diese Richtung zu unternehmen, darunter die konventionelle Beteiligung Deutschlands an französischen Nuklearübungen, gemeinsame Besuche strategischer Einrichtungen sowie Weiterentwicklung konventioneller Fähigkeiten mit europäischen Partnern. Frankreich und Deutschland werden als Europäer zudem ihre Fähigkeit zum Eskalationsmanagement unterhalb der nuklearen Schwelle verbessern – insbesondere in den Bereichen Frühwarnung, Luftverteidigung und „Deep Precision Strike“.

Diese deutsch-französische Zusammenarbeit beruht auf dem gemeinsamen Verständnis, dass die Nukleardimension der Abschreckung ein Eckpfeiler der europäischen Sicherheit bleibt. Diese stützt sich auf die erweiterte Abschreckung der USA, einschließlich der in Europa stationierten US-amerikanischen Nuklearwaffen, sowie auf die unabhängigen strategischen Nuklearstreitkräfte Frankreichs und Großbritanniens, die eine eigene Rolle bei der Abschreckung spielen und bedeutend zur Sicherheit des Bündnisses insgesamt beitragen. Diese deutsch-französische Zusammenarbeit wird die nukleare Abschreckung der NATO sowie die nukleare Teilhabe, zu der Deutschland einen Beitrag leistet und auch weiterhin leisten wird, ergänzen, nicht ersetzen. Frankreich und Deutschland werden ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, weiterhin nachkommen.

Im Lichte ihres klaren Bekenntnisses zu Artikel 5 des Nordatlantikvertrags und Artikel 42 Absatz 7 des Vertrags über die Europäische Union zielt die deutsch-französische Zusammenarbeit darauf ab, die Systeme der kollektiven Sicherheit zu stärken, denen beide Länder angehören. Ihr Ziel ist die Stärkung der europäischen Sicherheit insgesamt. Besonderes Augenmerk gilt der Abstimmung mit den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und weiteren Alliierten sowie der NATO.

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