Veranstaltung: Ostermärsche 2021 – Urananreicherung beenden – Für Frieden und einen konsequenten Atomausstieg

Die Nutzung der Atomenergie ist von der Atombombe nicht zu trennen. In der Bundesrepublik ist vor allem die Urananreicherung in Gronau Sinnbild dieses Zusammenhang. Die Uranfabrik der URENCO reichert das spaltbare Uran235 für die Nutzung in Atomkrafwerken her. Sie könnte mit veränderten Einstellungen aber auch Atomwaffen-Uran erzeugen. Ein extrem brisantes Geschäft. Und ein Skandal oben drauf: Bis heute ist die Uranfabrik in Gronau und eine weitere Anlage in Lingen vom Atomausstieg ausgeklammert und produzieren ohne Befristung Brennstoffe für Atommeiler in aller Welt. In einer gemeinsamen Onlineveranstaltung am Donnerstag, den 25. März, um 19 Uhr diskutieren der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) und Matthias Eickhoff von der Münsteraner Initiative Sofortiger Atomausstieg (SofA) über die skandalösen Uran-Geschäfte der potentiellen Atomwaffenschmiede in Gronau. Die Moderation übernimmt Edith Bartelmus-Scholich (Mitglied des Landesvorstands und atompolitische Sprecherin DIE LINKE. NRW).

Save the Date! Zugangsdaten zur Zomm-Videokonferenz: https://us02web.zoom.us/j/87130181429?pwd=WFpBeGlQRnQ3ZkNuVFdDamdsUUJIdz09

Ohne Zukunft: Atomkraft löst keine Probleme – sondern verschärft sie

Ausgerechnet zum zehnten Jahrestag der mehrfachen Atomkatastrophe von Fukushima wird in den Medien neben sehr fundierten fachlichen Beiträgen auch gern über vermeintlich neue Möglichkeiten der Atomenergie – als Mittel zum Klimaschutz, aber auch als Wundermittel gegen Atommüll – berichtet. Oft ist die Kunst der Berichterstattung allein durch Weglassungen schon irreführend oder es werden Hoffnungen in irgenwelche neuen Reaktorkonzepte geweckt, die es bislang nur auf dem Papier gibt. Über 40 Umweltorganisationen und Anti-Atom-Gruppen haben anlässlich der Fukushima-Katastrophe einen prägnanten Standpunkt veröffentlicht, warum Atomenergie weder heute noch in der Zukunft für nachhaltige Gesellschaften etwas beitragen kann. Das Statement mitsamt den Unterstützern ist hier als PDF. UmweltFAIRaendern dokumentiert den Text gleich unten. Hingewiesen sei auch auf zwei neue Studien, die das Atommüll-Bundesamt BaSE gerade veröffentlicht hat, in der ein Faktencheck sowohl zu den derzeit so gehypten „Kleinen Modularen Reaktoren“ (Small Modular Reactor, SMR) und zur vermeintlichen Möglichkeit, mit neuen Reaktoren alten Atommüll zu verbrennen, vorgenommen wird. Darüber informiert das Bundesamt hier.
Dokumentation: Konsequente Energiewende statt Atomkraft
In jüngster Zeit wird vermehrt Atomkraft unreflektiert als „klimaneutral“ und dementsprechend „umweltfreundlich“ dargestellt und auf die jahrzehntealte Mär von angeblich sicheren zukünftigen Reaktoren zurückgegriffen.
Wir, die unterzeichnenden Organisationen, Gruppen und Verbände (Siehe dazu genauer oben den Link zur PDF) erklären: Diese Aussagen sind Gift für eine sichere und klimagerechte Zukunft!
  • Atomenergie ist keine Lösung für die Klimakatastrophe! Im Gegenteil, Atomkraft blockiert verfügbare Investitionsmittel für den Ausbau Erneuerbarer Energienund sie blockiert Kapazitäten im Stromnetz. Atomkraft ist ein tödliches Relikt einesüberkommenen zentralisierten Energiesystems. Von ihr profitieren einzig die Akteure, die seit Jahrzehnten gegen eine sozial-ökologische Energiewende arbeiten. Außerdem: anders als häufig behauptet ist auch Atomkraft nicht CO2 frei!
  • Atomkraft ist weder sozial noch sauber! Bereits die Gewinnung von Uran gehteinher mit Ausbeutung, langanhaltender Umweltzerstörung und Krankheit und Todvieler Arbeiter*innen. Atomkraftwerke setzen die Bevölkerung einem enormen undständigen Risiko aus. Reaktorkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima können sich jederzeit wiederholen. Die Produktion von Atomstrom geht außerdem mit der militärischen Nutzung der Atomenergie einher. Beide sind Teil derselben nuklearen Kette und ohne einander weder finanzier- noch realisierbar. Am Ende des Prozesses stehen radioaktive Abfälle, die die Umwelt über unvorstellbare Zeit verschmutzen und nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden.
  • Atomkraft hat keine Zukunft! Der Anteil und die Bedeutung von Atomenergie sindseit Jahren rückläufig. Und auch die diversen, angeblich neuen Reaktorkonzeptebasieren auf alten, vielfach gescheiterten Versuchsmodellen, die sich aus gutemGrund nicht durchsetzen konnten. Keines dieser Konzepte vermag grundsätzlicheProbleme der Atomenergie und der Atommülllagerung zu lösen. Es wird Zeit, dassAtomkraft endlich der Vergangenheit angehört!

Gemeinsam fordern wir:

  • Deutschland muss endlich einen kompletten Atomausstieg beschließen, inklusiveder Urananreicherungsanlage in Gronau, der Brennelementefabrik in Lingen undder bislang weiterhin betriebenen Reaktorforschung.
  • Die EU-weite Förderung der Atomkraft durch den EURATOM-Vertrag muss beendetund durch eine Förderung von Erneuerbaren Energien, Speichertechnologien undEnergieeinsparung ersetzt werden
Die energiepolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts werden nicht mit den gescheiterten, nicht nachhaltigen Technologien des 19. und 20. Jahrhunderts gelöst werdenkönnen. Der einzig realistische Weg hin zu einer sicheren, stabilen und nachhaltigen Energieversorgung inklusive Wärme, Mobilität und Prozessenergie für die Zukunft ist und bleibtdie weltweite Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren Energien, die sozial gerecht gestaltet und mit Guter Arbeit verbunden werden muss.

Mahnwache in Hamburg: Zehn Jahre Fukushima – atomare Gefahr weltweit beenden!

Mahnwache am 11. März in Hamburg: Vor zehn Jahren explodierten nach einem Erdbeben und Tsunami im japanischen Fukushima drei Atomreaktoren. Nach dem Versagen der Notstromversorgung kam es zur Kernschmelze mit massiver Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt. Nach unterschiedlichen Angaben wurden 120 – 170.000 Menschen evakuiert, wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land, mussten Hab und Gut zurücklassen, um das eigene Leben zu retten. Trotz unglaublich großem Einsatz sind immer noch Gebiete rund um die Reaktoren belastet. Unklar bleibt, was mit den großen Mengen radioaktiver Abfälle und dem verstrahlten Wasser werden soll. Noch immer werden die explodierten Reaktoren gekühlt, noch Jahrzehnte werden die Bergungsarbeiten stattfinden oder am Ende ein „Sarkophag“ über den Atomruinen errichtet. In Deutschland wurde nach einer eben beschlossenen Laufzeitverlängerung durch Bundeskanzlerin Merkel eine Art Kehrtwende vollzogen. Einige Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt, die letzten sechs Atommeiler gehen aber erst Ende 2021 und 2022 vom Netz. Das Super-GAU-Risiko bleibt bis dahin auch in der Bundesrepublik bestehen!

Deshalb rufen für Donnerstag, den 11. März 2021 (12 Uhr), Hamburger Anti-Atom-Initiativen und Umweltgruppen, darunter der BUND, zu einer „Mahnwache: Zehn Jahre Fukushima – atomare Gefahr weltweit beenden!“ auf dem Rathausmarkt Hamburg auf. Die aufrufenden Organisationen fordern

  • die sofortige Stilllegung der Atomfabriken Lingen und Gronau, die unabhängig vom deutschen Atomausstieg und ohne zeitliche Befristung Brennstoffe für Atommeiler in aller Welt herstellen,
  • die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke und Atomfabriken weltweit,
  • den Stopp staatlicher Subventionen für die Atomtechnik,
  • die Vernichtung aller Atomwaffen.

Die Organisationen weisen darauf hin, dass die Klimakrise nicht zu einer Renaissance der Kernenergie führen darf: „Atomstrom sowie Wasserstoff aus Atomstrom erzeugen massenhaft hochradioaktiven Abfall und eine sichere Endlagerung über eine Million Jahre kann es gar nicht geben.“ Zudem ermögliche der Betrieb von Atomkraftwerken den Zugriff auf atomwaffenfähiges Material.

Atomtransporte Hamburg: Havarierter Atomfrachter auf der Elbe, Uranbrennstoffe für Reaktoren, Uranerz aus Namibia

Antriebslos im Hamburger Hafen, vollbeladen mit radioaktiven und anderen gefährlichen Gütern. Am 27. Januar havarierte die „Montreal Express“ auf Höhe von Finkenwerder/Blankenese. Zunächst fiel die Maschine aus, bei der Notbremsung riss eine Ankerkette. An Bord haufenweise gefährliche Güter und auch über 90 Kilogramm einer brisanten radioaktiven Uran-Fluor-Verbindung.

Außerdem rollten 21 Transporte mit frischem Uranbrennstoff aus Schweden für den Einsatz in französischen Atomkraftwerken per LKW durch die Hansestadt und 22 weitere Transporte mit radioaktiven Stoffen, darunter Uranerz aus Namibia per Schiff, aus dem nach weiteren Verarbeitungsschritten Uran-Brennstoff und nach dem Reaktoreinsatz hochradioaktiver Atommüll wird. Das alles im Zeitraum vom 17. November 2020 bis zum 15. Februar 2021. Alle diese Informationen stammen aus der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage unter der Codenummer 22/3289 der beiden linken Bürgerschaftsabgeordneten Norbert Hackbusch und Stephan Jersch. Weil ein Teil der nuklearen Atomfrachten durch Hamburg nur für ein Vierteljahr gespeichert wird, fragt die Linksfraktion die Transportestatistiken viermal im Jahr ab. Bevorstehende Atomtransporte unterliegen der Geheimhaltung.

Nach einer freiwilligen Vereinbarung des rot-grünen Senats mit den Hafenunternehmen werden seit einiger Zeit keine Kernbrennstoffe mit angereichertem Uran über den Hafen transportiert. Zulässig bleiben auf dem Seeweg aber Atomtransporte mit natürlichem oder abgereichertem Uran oder sonstige radioaktive Stoffe. Bei den Straßen- und Schienentransporten im Transit durch Hamburg sind weiterhin alle Atomtransporte zulässig. Deswegen hat sich insgesamt die Zahl der Atomtransporte, die in der einen oder anderen Weise mit der Atomenergienutzung in Verbindung stehen, nur geringfügig reduziert. Der BUND hatte jüngst den Senat und die Fraktionen in der Bürgerschaft aufgefordert, sich für ein umfassendes Atomtransporteverbot einzusetzen.

Fukushima mahnt: Ein Klima für weltweiten Atomausstieg

„Zehn Jahre dauert die mehrfache Atomkatastrophe in Fukushima an. Nur wegen der günstigen Wetterlage war die Millionenmetropole Tokio nicht unmittelbar betroffen. Aber große Gebiete rund um Fukushima wurden schwer verstrahlt. Mindestens 120.000 Menschen mussten laut Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz – nach anderen Angaben mehr als 170.000 Menschen – angesichts der atomaren Bedrohung evakuiert werden, sind teilweise bis heute Flüchtlinge im eigenen Land – und immer noch sind Teile der Region verstrahlt und gesperrt. Noch viele Jahrzehnte werden die Folgen dieser Atomkatastrophe andauern, sie wird Milliardensummen verschlingen und weiterhin die Menschen bedrohen.“ So bilanziert Hubertus Zdebel, atompolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

Weiter stellt der Abgeordnete fest: „Von den Atomruinen gehen weiterhin enorme Gefahren aus: von den enormen Mengen radioaktiven Erdreichs, von den enormen Mengen radioaktiven Kühlwassers und natürlich von dem hochradioaktiven Brennstoff in den explodierten Reaktoren.

Wer heute versucht, die Atomenergie als Alternative zur Klimakatastrophe schön zu reden, ignoriert und verharmlost in unverantwortlicher Weise die nuklearen Risiken schwerer Atomunfälle und die ungelösten Atommüllprobleme. Atomenergie muss weltweit Geschichte werden.

Es ist nur als grotesk zu bezeichnen, dass in der Bundesrepublik zwar als Reaktion auf Fukushima aus der damals gerade beschlossenen Laufzeitverlängerung für den atomaren Wahnsinn eine Laufzeitverkürzung wurde, aber trotz Atomausstieg bis heute immer noch sechs Reaktoren bei uns in Betrieb sind. Reaktoren, in denen ein nächstes Fukushima jederzeit möglich ist. Erst Ende 2021 und 2022 werden jeweils drei Reaktoren abgeschaltet. Jetzt sofort wäre für alle sicherer!

Damit nicht genug: Vom Atomausstieg ausgenommen versorgen die deutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen weiterhin Atommeiler in aller Welt mit Uranbrennstoff. Im Bundestag – aber auch außerparlamentarisch – setzten wir uns als LINKE weiter dafür ein, dass alle Atomanlagen hierzulande und auch in der EU abgeschaltet werden! Fukushima mahnt uns: Atomenergie muss Geschichte werden. Umso grotesker ist die neue Nachricht, dass der Betreiber, der französische Staatskonzern Framatome jetzt mit dem russischen Atomkonzern TVEL / Rosamtome die Uranfabrik in Lingen gemeinsam betreiben will.

Besonders zynisch und menschenverachtend ist, dass die AfD im angesichts der Fukushima-Katastrophe aktuell einen Antrag in den Bundestag eingebracht hat, der den bundesdeutschen Atomeinstieg zum Ziel hat. Die Bundesregierung solle sich an der Entwicklung der Generation IV für neue Atomreaktoren einsetzen und national neue Atomreaktoren erforschen. Über die Opfer der Atomkatastrophe bei der AfD: Kein Wort.“

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