Stilllegung PHASE II – Vattenfall will ohne Öffentlichkeitsbeteiligung Rückbau des AKW Brunsbüttel voranbringen

Bürger*innen, Öffentlichkeitsbeteiligung? Damit hat es Vattenfall nicht so – jedenfalls jenseits von Marketingsprüchen. Im Juni 2020 hat der Konzern nun bei der zuständigen grün geführten Atombehörde in Schleswig-Holstein einen Antrag für die PHASE II zum Rückbau des bereits sein 2007 abgeschalteten AKW Brunsbüttel gestellt. Nach der Katastrophe von Fukushima war dem Montags.Reaktor von AEG dann in Verbindung mit zahllosen Mängeln und angesichts unwirtschaftlicher Reparaturmaßnahmen mit dem Atomausstiegsgesetz endgültig die Betriebslizenz entsorgen worden. Zum Dank verklagt Vattenfall für den Schrott-Reaktor in Brunsbüttel und das ebenfalls seit 2007 wegen einer Pannenserien abgeschlatete AKW Krümmel die Bundesbürger*innen vor einem fragwürdigen Handels-Kommission in Washington auf inzwischen über 5,5 Mrd. Schadensersatz. Warum „eine zusätzliche förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen dieses Genehmigungsverfahrens weder notwendig, noch zielführend oder auch nur wünschenswert ist“, erklärt Vattenfall in einer „begefügten Darstellung“. Der Antrag ist beim Atomministerium in Kiel online (PDF, siehe auch hier), **nicht aber die „beigefügte Darstellung“ (jedenfalls würde man sie hier erwarten).

** UPDATE: auch die „beigefügte Darstellung“, warum eine Öffentlichkeitsbeteiligung für Vattenfalll nicht zielführend ist, ist online: Muss man hier finden (PDF)! Oder direkt hier auch als PDF. Wir erfahren aus fachkundigem Munde: „Was die Anlage zur 2. SAG KKB betrifft, so finden Sie diese auf unserer Homepage (2. Link in meiner E-Mail vom 15. Juli) unter der Rubrik
– „Unterlagen zu Stilllegung und Abbau“, – „Anlage zum Antrag vom 08.06.2020″ (2. Spiegelstrich).“ Hätte man ja auch selbst drauf kommen können … ! Alles zur Stilllegung des AKW Brunsbüttel, was die Atomaufsicht in Kiel veröffentlicht, könnte hier zu finden sein.

Vattenfalls Klimakiller Moorburg muss weg!

Es geht um Milliardenverluste, die der Vattenfall Konzern für das 1.600 MW Kohlemonster Moorburg inzwischen in den Sand gesetzt hat. Alle Versuche von Vattenfall, den Schaden durch einen Verkauf zu begrenzen, sind gescheitert. Letzter Hoffnungsschimmer, das wirtschaftliche Desaster zu begrenzen, ist ausgerechnet der rot-grüne Senat. Kurios auch ein Verfahren, dass jetzt ansteht: In einem Rechtsstreit kommt es am 1. September zum Showdown: Die grüne Umweltbehörde streitet mit Vattenfall gegen den BUND dafür, dass für wirtschaftliche Vorteile des Konzerns die Elbe weiter kaputt gemacht werden darf!

Der BUND fordert heute: „Es dürfe auf keinen Fall dazu kommen, dass mit Steuermitteln das hoch defizitäre Kraftwerk und der angeschlagene Betreiber Vattenfall großzügig gestützt werden.“ (Siehe unten) Vattenfall: Das ist der Konzern, der die Bundesrepublik Deutschland für die endgültige Abschaltung seiner Schrott-Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel auf Schadenersatz von Höhe von 5,5 Mrd. Euro verklagt hat! Rot-Grün Hamburg? Was geht?

Vattenfalls Hoffnung, die Zukunft des Kraftwerks Moorburgs mit gleichzeitiger Strom- und Wärmeversorgung zu verbessern (z.B. war mit Moorburg und der SPD geplant, Kohle gegen Kohle in der Fernwärme zu ersetzen), hat der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ und die damit verbundene Rekommunalisierung der Energie- und Wärmenetze verhindert. Statt noch mehr klimaschädlicher Kohle langfristig in die Fernwärme zu pumpen, ist die rekommunalisierte öffentliche Wärme-Hamburg GmbH nun zum Kohleausstieg bis allerspätestens 2030 verpflichtet (VI Tschüss Kohle). Das Ende von Vattenfall und E.on in den Netzen, hat zu mehr Demokratie und Mitsprache der Hamburger Politik und nicht nur der Bürgerschaft geführt. Durchgesetzt von der Hamburger Bevölkerung gegen SPD, CDU, FDP, AFD und Handelskammer und Co! Absurd ist: Gemeinsam streiten die grüne Umweltbehörde und Vattenfall nun gegen den BUND Hamburg dafür, dass die ohnehin schwer belastete Elbe als Kühlmittel für ein extrem klimaschädliches Kraftwerk genutzt werden darf. Zum Schaden der Umwelt und um Vattenfall ein wenig mehr Geld in die klammen Kassen zu spielen. Dümmer? Geht immer!

Das Abendblatt berichtet heute zum Konflikt zwischen BUND und Moorburg/Vattenfall/Grüner Umweltbehörde und führt anschaulich die gravierenden Defizite einer grünen „Anti.Kohle.Politik“. Was die Presseabteilung der Umweltbehörde dann als „Antwort“ abliefert, macht irgendwie Fassunglos und ist an Sinnlosigkeit kaum noch zu toppen: „Die gerichtliche Klärung ist jetzt abzuwarten. Ein Schaden durch Wasserentnahme kann nicht eintreten, weil Vattenfall kein Wasser entnehmen darf.“ So zitiert das Abendblatt einen besser nicht genannten Sprecher der Umweltbehörde zur Frage, wie es denn zu dieser nicht sonderlich nachvollziehbaren Klage-Konstelalltion kommt und was die Behörde denn nun tun will.

Bitte? Dass Vattenfall kein Wasser entnehmen darf, ist ausschließlich der Klage des BUND zu verdanken – nicht aber dem Handeln der Hamburger Umweltbehörde. Und diese massive Schutzmaßnahme für die Elbe ist in dem Moment vom Tisch, sobald ein Urteil der gemeinsamen Streitfront von GRÜNER UMWELTBEHÖRDE und VATTENFALL gegen BUND Hamburg stattgibt! Hallo Grüne? Wollt ihr nochmal erklären, dass ihr total gegene Kohlekraftwerke seit, aber natürlich natürlich total unschuldig erstens Moorburg genehmigten musstet und nun natürlich aber wirklich absolut nicht dagegeben tun könnt, wenn Moorburg mit eurer Unterstützung die Elbe zusätzlich zum Klima aufheizt? (Abgesehen davon, dass dann auch noch der BUND die überaus teure Klage-Kosten-Zeche bezahlen müsste.)

Um aber auch das zu sagen: Während der BUND noch höflich und geplegt den rot-grünen Senat auf einige Dummheiten hinweist. Es gäbe gute und ziemlich weltbedeutende Gründe, denen und natürlich Vattenfall gewaltig auf die Finger zu hauen. Moorburg muss vom Netz – Jetzt!

28. Juli 2020 | Kohlekraftwerk Moorburg, Klimaschutz, Klimawandel, Elbe, Artenschutz

Kohlefeuerung muss eingestellt werden, Unternehmen Vattenfall ist massiv angeschlagen

Die Ankündigung der rot-grünen Regierung, das Kraftwerk Moorburg möglichst noch in dieser Legislaturperiode aus der Kohlefeuerung zu nehmen, erfordert nach Ansicht des BUND Hamburg eine umfassende und zeitnahe Transparenz über die Pläne des Senats. Es dürfe auf keinen Fall dazu kommen, dass mit Steuermitteln das hoch defizitäre Kraftwerk und der angeschlagene Betreiber Vattenfall großzügig gestützt werden.

„Die Daten zeigen, dass Moorburg nicht nur für das Klima, sondern auch wirtschaftlich eine Katastrophe ist. In Anbetracht der ökonomischen Rahmendaten hat das Unternehmen Vattenfall ein massives Interesse, das Kraftwerk zu verkaufen, sich eine aufwändige Umrüstung bezahlen zu lassen oder die Abschaltprämien des Kohleausstiegsgesetzes zu nutzen. Der Hamburger Senat muss klarstellen, welches Szenario er unterstützt und was ggf. auf den Steuerzahler zukommt“, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.

Das Steinkohlekraftwerk Moorburg mit einer Leistung von 1.640 MW gilt als Klimakiller Nr. 1 in Norddeutschland und als Fehlinvestition erster Güte. Es wurde für mehr als drei Milliarden Euro errichtet. Der Energiekonzern Vattenfall musste bereits vor Inbetriebnahme des Kraftwerks 2015 eine erste Wertminderung für die Anlage vornehmen. Bis zum Jahre 2020 summiert sich laut Geschäftsberichten des Unternehmens die Wertminderung auf 2,53 Mrd. Euro. Experten gehen davon aus, dass auch der laufende Betrieb rote Zahlen schreibt.

Zum Hintergrund:

Das Kraftwerk emittiert im Volllastbetrieb ca. 9 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr, das entspricht dem doppelten Ausstoß des gesamten jährlichen Autoverkehrs in Hamburg. Derzeit wird das Kraftwerk mit einem Kühlturm betrieben, doch Vattenfall und die Stadt wollen die Entnahme von Elbwasser trotz verheerender ökologischer Schäden wieder durchsetzen. Dazu wird am 01.09.2020 erneut aufgrund einer Klage des BUND Hamburg vor dem Oberverwaltungsgericht in Hamburg verhandelt.

 

 

 

AKW Brunsbüttel und die gehobene wasserrechtliche Erlaubnis zur Einleitung von erwärmtem Kühl- und Abwasser in die Elbe

„Gehobene wasserrechtliche Erlaubnis zur Einleitung von erwärmtem Kühl- und Abwasser in die Elbe“. Klingt elegant irgendwie, geht aber um dreckige Ableitungen in die Elbe: Es ist die Genehmigung, die der Kreis Steinburg für das abgeschaltete und im Rückbau befindliche Atomkraftwerk Brunsbüttel jetzt erteilt hat. Die ist überaus schwierig auf der Homepage des Kreis Steinburg als PDF hier zu finden (siehe auch hier die Übersichts.PDF und auch hier ist noch was vom Kreis Steinburg als Hinweis).

Wichtig: Noch für einige Tage könnte gegen die Erlaubnis Widerspruch erhoben werden, teilt die Kreisbehörde – ich glaube – als zuständige „oberste Wasserbehörde“ mit, ist hier: „Gegen die gehobene Erlaubnis kann innerhalb eines Monats nach Zustellung Klage beim Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht, Brockdorff-Rantzau-Str. 13, 24837 Schleswig, schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle oder in elektroni-scher Form erhoben werden. Die Wahrung der elektronischen Form ist dabei an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die sich nach der jeweils gültigen Schleswig-Holsteinischen Landesverordnung über den elektronischen Rechtsverkehr mit den Gerichten und Staatsanwaltschaften richten.“

Inzwischen hat Vattenfall auch für das AKW Krümmel einen entsprechenden Antrag auf den Weg gebracht. Der ist bereits bei der zuständigen Kreisbehörde gestellt, Vattenfall will aber im September nach geschaffenen Fakten noch mal anschließend auf einer Veranstaltung mit ausgewählten Personen darüber informieren und diskutieren. Auf der Vattenfall-Homepage Perspektive Krümmel ist dazu leider nichts zu finden.

Die Initiative Brokdorf-Akut ist auch immer zum direkt benachbarten AKW Brunsbüttel aktiv und hatte sich auch für eine Absenkung der Einleitungen beim Rückbau des AKW Brunsbüttel in die Elbe eingesetzt. Bei der Lüneburger Lagatom siehe auch: Einleitung radioaktiver Abwässer beim Abriss des AKW Brunsbüttel jetzt doch deutlich geringer als ursprünglich beantragt.

Allein auf weiter Flur: Profitgier, Zwänge und Unwissenheit erschweren den Kampf gegen Uranabbau in Namibia

Namibia? Liefert immer noch aus seinen Bergwerken Uran für Atomkraftwerke in aller Welt. Vor Jahrzehnten wurde für den damaligen Apartheidstaat Südafrika mit dem Uran aus dem besetzten Namibia gegen das UN-Embargo viel Geld verdient, damit westeuropäische Atommeiler ausreichend Uran-Brennstoff hatten. Aber auch heute brauchen Atommeiler Namibia-Uran. Und bis heute ist der Uran-Bergbau eine schwere Belastung für Mensch und Umwelt. Eine der vielen Routen in die Atomreaktoren oder auch zu anderen Zwecken ist der Hamburger Hafen.

Vom freiwilligen Verzicht auf Atom-Umschläge im Hamburger Hafen hat der rot-grüne Senat die Uranerz-Importe aus Namibia und Ländern wie Kasachstan ausgenommen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte im Sommer letztes Jahr einen Bericht zum Uran-Bergbau in Namibia und die dortigen Folgen für Mensch und Umwelt veröffentlicht.

Dort ist zu lesen: „Die Rolle Namibias auf der nuklearen Landkarte wird unterschätzt, weil die Gefahren und Schäden des Uranabbaus sowohl global als auch lokal kaum diskutiert werden. Wo die Regierung Investoren willkommen heißt, bleiben eine kontaminierte Umwelt und kranke Minenarbeiter*innen zurück. Vom Geschäft mit dem Ausgangsmaterial für Atomkraft und -waffen profitiert nur eine kleine Elite. Die Zivilgesellschaft weiß über die fatalen Auswirkungen des Uranabbaus kaum Bescheid und sieht keinen Anlass zum Protest. Einzig die Umweltorganisation Earthlife Namibia fordert die Regierung auf, das Uran in der Erde zu lassen.“ (Homepage der Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Der eigentliche Artikel von Bertchen Kohrs ist dort als PDF zum download bereitgestellt. Die ist Anti-Atom-Aktivistin, stammt aus Namibia, ist Mitbegründerin und Vorsitzende der Umweltorganisation Earthlife Namibia. Der Text ist auch hier direkt als PDF bereit gestelllt. (Foto: Tagebau der Uranmine Rio Tinto Rössing, Namibia (2014) CC BY-NC 2.0, jbdodane, via Flickr)

Atommülllager Ahaus: Tiefer Schluck aus der Laufzeitverlängerungs-Pulle – Immer mehr immer länger

„Immer mehr Atommüll, der immer länger in Ahaus bleibt. Kein Wunder, wenn Bürgerinnen und Bürger sich sorgen, dass das strahlende Erbe des Atomstroms möglicherweise dauerhaft bei uns in Ahaus im Münsterland bleibt.“ So kommentiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) die Laufzeitverlängerung für weitere Lagerung von leicht- und mittelradioaktivem Strahlenmüll im vermeintlichen Zwischenlager Ahaus:

„Unverantwortlich, dass die Bezirksregierung Münster den Betreibern des Zwischenlagers Ahaus jetzt einen derart tiefen Schluck aus der Laufzeitverlängerungs-Pulle genehmigt hat. Von wegen Zwischenlagerung: Mit der Aufbewahrungsgenehmigung bis 2057 ist klar, dass viele Menschen nicht mehr erleben werden, dass der Atommüll aus dem Münsterland verschwinden wird. Eigentlich sollte ja Mitte der 2030er Jahre Schluss damit sein. Das ist reine Flickschusterei, was da von den Verantwortlichen kommt. Auch die hochradioaktiven Abfälle bleiben ja viel länger, als ehemals versprochen: Ein Endlager für diesen Super-Müll wird erst deutlich nach 2050 – wenn überhaupt – kommen.“

Zdebel weiter: „Als wäre das alles nicht schon absurd genug, sollen weitere Atomabfälle in den nächsten Jahren erst noch ins Münsterland gebracht werden: Atomwaffenfähiger Uranmüll aus Garching bei München und große Mengen von Reststoffen aus der Wiederaufarbeitung aus Frankreich und dann vielleicht auch noch über 150 Castoren mit hochradioaktiven Brennstoffen aus Jülich. Es ist doch klar, dass sich die Menschen im Münsterland verschaukelt und für dumm verkauft fühlen und wie jetzt zum Beispiel am Sonntag in Ahaus auf die Straße gehen.“

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