Gute Nachrichten vom rekommunalisierten „nicht mehr Vattenfall“-Stromnetz Hamburg. „Die Hamburger Verteilnetzbetreiberin, Stromnetz Hamburg GmbH, präsentierte heute Zahlen und Fakten aus dem Geschäftsjahr 2014 und gab einen erfreulichen Ausblick zur Investitionsstrategie in 2015. Im letzten Geschäftsjahr konnte ein Jahresüberschuss von 34,5 Mio. Euro erwirtschaftet werden. Dabei wurden 12.300 GWh Strom durch das Hamburger Stromnetz geleitet und an die Kunden verteilt. Hierbei wurde aufgrund eines sinkenden Stromverbrauches durch Eigenerzeugung, Energieeffizienz und Witterung ein geringer Absatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. 182 Mio. Euro steckte das Unternehmen in Maßnahmen zum Erhalt und Ausbau der Netzinfrastruktur und der Messeinrichtungen. Damit wurden die im Vorjahr kommunizierten 160 Mio. Euro noch überschritten.“ So heißt es in einer Pressemeldung des nach dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ nun rekommunalisierten Stromnetz-Betreibers. Gewinne wandern jetzt nicht mehr nach Schweden, sondern bleiben in der Stadt. Derzeit läuft die Integration der ehemaligen Vattenfall-Beschäftigten in das kommunale Unternehmen, bei dem Anfang nächsten Jahres dann 1.100 Mitarbeiter beschäftigt sein werden. „Kommunales Stromnetz ohne Vattenfall: Gewinn für Hamburg“ weiterlesen
Schlagwort: Energienetze
Jutta, die Streitbare, geht – Politik ist berechenbar

Neulich sorgte die Überschrift „Grüner Erfolg in Hamburg – Jutta Blankau (SPD) bleibt Umweltsenatorin“ für Irritationen. Offenbar glaubten viele LeserInnen, dass dies möglich wäre. Nun kommt aber die Meldung, die lange zu erwarten war: Die streitbare ehemalige Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, wird demnächst Ex-Senatorin sein. Das meldet u.a. der NDR. Bereits im August soll sie Olaf Scholz mitgeteilt haben, dass sie für eine weitere Legislatur nicht zur Verfügung stünde. Angesichts der geplanten Koalition von SPD und Grünen ist das nicht weiter überraschend. Mit Umweltpolitik fiel die Senatorin in den letzten Jahren eher weniger auf. Stattdessen dürfte man sie als Bausenatorin in Erinnerung behalten. So bitter das klingen mag: Für die Umweltpolitik könnte allein der Abgang von Blankau, völlig unabhängig eines rot-grünen Koalitionsvertrags, eine deutliche Verbesserung darstellen.
Aufatmen dürfte es auch in den Umwelt-Abteilungen der Behörde geben. Dort hatte es in den letzten Jahren mächtig Frust ob des Stils und den Schwerpunkten der Senatorin Blankau gegeben.
Und nicht vergessen werden darf ihr betont intensives Zetern gegen den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“, der die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze forderte und per Volksentscheid auch durchsetzte. Als ehemalige IG-Metallerin war sie gegenüber einem Unternehmen wie Vattenfall meist – sagen wir mal – weniger kritisch eingestellt. Während andere führende SPD-Politiker nach dem Volksentscheid auf Kooperation umschalteten und sich an die Umsetzung machten, unterließ es Blankau selten, auch im Nachhinein festzustellen, dass der Volksentscheid nicht so ganz ihre Auffassung von sinnvoll wäre.
So oder so: Eine wirklich streitbare Politikerin steigt damit aus der Hamburger Senatspolitik aus.
HamburgerEnergieWende Wärmeversorgung: Standort Wedel ist zu teuer – Umweltbehörde räumt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ ein
Fernwärme aus Wedel zur Versorgung in Hamburg? Für die HamburgerEnergieWende inkl. Klimaschutz ist der Standort Wedel um bis zu 170 Millionen Euro im Vergleich zu möglichen Alternativen in Stellingen zu teuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine gutachterliche Stellungnahme im Rahmen der Diskussion um die Alternativen für den Ersatz des veralteten und besonders klimaschädlichen Kohle-Heizkraftwerks in Wedel. Die Umweltbehörde unter Jutta Blankau räumt inzwischen ein: Es gibt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“. Bereits vor rund zwei Wochen hatten Umwelt- und Energie-Initiativen, darunter der BUND Hamburg, in einer weiteren Stellungnahme ihre Anforderungen an die HamburgerEnergieWende und die Alternativen bei der Fernwärmeerzeugung der Umweltbehörde auf den Tisch gelegt.
Die Stellungnahme zum wirtschaftlichen Standortvergleich zwischen Wedel und Stellingen (PDF), wo im Sommer die bisherige Müllverbrennungsanlage dichtgemacht wird, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Zwischen 140 und 170 Mio. Euro ist demnach der Standort in Stellingen günstiger als das entfernte Wedel. Damit dürfte die Debatte um den Wedel-Kohle-Ersatz im Rahmen der Umsetzung des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“ neue Impulse erhalten.
- Chance für Hamburger EnergieWende: Vattenfall bricht neugeordnet zusammen. Hier werden unter anderem auch die Probleme dargestellt, die der spätere Übernahme-Termin bei der Fernwärme von Vattenfall durch die Stadt Hamburg zur Folge hat.
Matthias Ederhof von der EnergieNetzGenossenschaft und Prof. Dietrich Rabenstein haben die wissenschaftliche Stellungnahme erarbeitet und kommen zu der zentralen Aussage: „Der Bau und die Nutzung eines neuen Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerks am Standort Stellingen ist rund 140 Mio. € günstiger als am bisher von Vattenfall und vom Hamburger Senat bevorzugten Standort Wedel. Eine Alternative zum Bau eines GuD-Heizkraftwerks in Stellingen, die dem Volksentscheid besser entspricht, bildet der Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks. Für dieses ergeben sich am Standort Stellingen Kostenvorteile von rund 170 Mio. €.“
Nach dem Volksentscheid: Wärme-Dialog sorgt für Impulse und neue Chancen
Seit dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ und der damit anstehenden Rekommunalisierung auch der Fernwärmeversorgung läuft endlich wieder eine intensive Debatte auch um die Alternativen zum Kohleheizkraftwerk Wedel, das mit seinen hohen CO2-Emissionen nicht eben klimaverträglich ist. Der seinerzeit von Vattenfall und Minderheitspartner Hamburg aus der Tasche gezauberte Plan, ein „Innovationskraftwerk“ als Ersatz zu bauen, stieß schnell auf massive Kritik. Zu groß, zu unflexibel hieß es unter anderem.
- Bereits seit 2012 wird für einen Alternativenvergleich gestritten: Vattenfall GuD Kraftwerk Wedel – Alternativen gesucht
- Aktuell gibt es über das veraltete Kraftwerk von Vattenfall vor Ort jede Menge Ärger, u.a. weil Lärmschutzwerte nicht eingehalten werden. Darüber berichtet die Initiative in Wedel und prüft Klagen gegen den Betreiber Vattenfall.
Nach dem Volksentscheid und mit Kurs auf die 100-prozentige Kommunalisierung der Fernwärme, also ohne Vattenfall, setzte Anfang 2014 der sogenannte Wärme-Dialog ein. Bürgerinitiativen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen fingen an, Alternativen zu untersuchen und zu fordern. Ihr Ziel, analog zum gewonnenen Volksentscheid: Die Alternative zum alten Kohleheizkraftwerk Wedel müsse dezentral und am besten Erneuerbar sein. Damit war auch die Frage nach Standort-Alternativen im Raum.
- Die Piraten-Partei haben im Bezirk Hamburg-Mitte erfolgreich einen Antrag eingebracht, der die Standortsuche für eine dezentrale und erneuerbare Wärme-Erzeugung im Bezirk zum Ziel hat (Drucksache 4545). Damit konkretisieren die Piraten die Forderung nach einer weitergehenden Dezentralisierung, wie sie auch der Volksentscheid fordert. Dies will auch der hier dargestellte Wärme-Dialog erreichen, der sich aber im Kern zunächst überhaupt bemühen muss, die bisherigen Planungen von Vattenfall und Hansestadt (Umweltbehörde) aufzubrechen, um die weitere Dezentralisierung und den verstärkten Einsatz von Erneuerbaren Energie bei der Fernwärme (politisch) voranzubringen. Dazu zählt auch – bislang wenig in der aktuellen Debatte diskutiert – die Öffnung der Netze für Dritt-Anbieter, die Wärme in das künftig kommunale Netz einspeisen sollen. Bis heute blockiert Vattenfall diese Möglichkeit. Z.B. das Ökostromunternehmen LichtBlick hatte sich im Rahmen des Volksentscheids für diese Öffnung eingesetzt: Ökostromer LichtBlick: Ja zum Netz-Rückkauf in Hamburg eröffnet Chance für Wettbewerb und: Volksentscheid Energienetze Hamburg: “Netzverträge der Stadt sind illegal” – LichtBlick prüft Klage, außerdem streitet die Verbraucherzentrale für dieses Ziel.
Unter dem Druck des Volksentscheids und angesichts der Vorschläge aus dem Wärme-Dialog konnte sich nach langer Gegenwehr auch die Umweltbehörde nicht mehr entziehen. Ohne Vattenfall hatte die Behörde unter Jutta Blankau keine eigenen Konzepte. Im Sommer 2014 endlich beauftragte sie die BET, den lange geforderten Alternativenvergleich auf den Weg zu bringen.
Nicht zuletzt auch wegen der freundlichen Ermahnung aus dem Rathaus wurden auch die Initiativen aus dem Wärme-Dialog beteiligt. Es war – wie zu hören ist, ein gutes Stück Arbeit, die von der Behörde vorgegebenen Rahmenbedingungen aufzubohren und für halbwegs faire Ausgangsparameter und Bewertungsmaßstäbe zu sorgen.
Erfolgsorientierter Dialog für mehr Klimaschutz: Umweltbehörde räumt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ ein.
Schon vor der jetzt hier vorgestellten Stellungnahme zu den wirtschaftlichen Vor- und Nachteilen für den Neubau einer klimaverträglichen Alternative zwischen Wedel und Stellingen war es im Rahmen des Wärme-Dialogs in der Debatte um das BET-Gutachten klar: Es gibt wirtschaftliche Alternativen zu den bisherigen Planungen. Das musste inzwischen auch die Umweltbehörde öffentlich einräumen, die weiterhin an den alten Plänen klebt.
Im Wedeler Tageblatt war jüngst zu lesen: „Drei Wochen vor der Bürgerschaftswahl hält sich Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) zu dem heiklen Thema bedeckt. Auf Anfrage lässt sie mitteilen, die Gutachter hätten die Sinnhaftigkeit des GuDs zwar grundsätzlich bestätigt, aber auch „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ genannt. Beispielsweise zentrale und dezentrale Gasmotoren. Nun müssten die Experten die noch offenen Fragestellungen abarbeiten.“
Zu diesem Ergebnis kommen auch die Umweltverbände und -Initiativen in ihrer jetzigen Stellungnahme zum laufenden Gutachterprozess. In dem Schreiben an die Behörde und die Gutachter halten sie fest: „Wir möchten als positive Entwicklung hervorheben, dass es neben einem möglichen neuen GuDKraftwerk erstmals auch zwei weitere gutachterlich mindestens gleichwertige technische Alternativen gibt, nämlich „Gasmotoren-Kraftwerk an einem zentralen Standort“ und „Mehrere kleinere Gasmotoren-Kraftwerke an dezentralen Standorten“.
Die Stellungnahme von BUND Hamburg, Hamburger Energietisch (HET) und KEBAP und anderen zum Gutachtenprozess mit BET Aachen und dem Alternativenvergleich ist hier als PDF.
Anforderungen im Wärme-Dialog an Behörde und Gutachter
Doch noch sind viele Dinge zu klären: „Im Sitzungsverlauf ist es zu einer erheblichen Veränderung und Erweiterung des Prüfbedarfs gekommen. Um das avisierte Ziel der Fertigstellung eines belastbaren Gutachtens im Frühjahr 2015 zu erreichen, bedarf es einer zügigen Ergänzung des Gutachtenauftrags. Daher bitten wir Sie um eine zeitnahe Information darüber, wann und wie Sie dies sicherstellen. Falls es bereits zu einer Vertragsänderung kam, bitten wir um Übersendung des neuen Vertrags.“
Auf Anfrage teilte Wiebke Hansen vom BUND Hamburg mit, dass die Antwort noch ausstehe, betonte aber, dass bei der Sitzung des Umweltausschusses am 13.1.2015 ein Vertreter des Amts für Natur- und Ressourcenschutz der Umweltbehörde im Beisein der Senatorin die Notwendigkeit einer genaueren Prüfung des Standorts Stellingen betont hat.
Chance für Hamburger EnergieWende: Vattenfall bricht neugeordnet zusammen
Wir erleben live den Untergang eines Stromgiganten: In einem rasenden Tempo fällt der Vattenfall-Konzern auseinander. Bereits im April soll die gesamte Braunkohlesparte des schwedischen Staatskonzerns verkaufsfertig sein. Darüber berichten heute zahlreiche Medien, u.a. die Klimaretter. Zu diesem Datum wird der zusammenbrechende Konzern auch schon wieder eine neue Organisationsstruktur erhalten. Die erst vor kurzem eingeführte regionale Struktur wird angesichts fehlender Masse nun nach kurzer Zeit schon wieder über Bord geworfen. Jetzt will sich der Konzern entlang der verbliebenen „sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte“ organisieren, teilt das Unternehmen zum Jahresbeginn mit. Definitiv wird am 1. April die Braunkohlesparte abgetrennt: „Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.“ (Vattenfall PM, siehe unten in voller Länge)
„Bis zum Beginn des zweiten Jahresquartals will Vattenfall seine Braunkohlesparte in der Lausitz „verkaufsfähig“ machen, um von diesem Zeitpunkt an nach Interessenten zu suchen. Über den Zeitplan informierte Brandenburgs neuer Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) am Mittwoch den Wirtschafts- und Energieausschuss des Landtages. Das bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums“, berichten die Klimaretter. Der Citi-Bank dürfte demnach ein entsprechender Auftrag vorliegen.
Die neue Struktur des Konzerns macht klar, dass Vattenfall vor allem im Bereich Windkraft und beim Stromverkauf (Sales) bzw. Stromhandel-Handel (Trading) und bei der Wärme noch im deutschen Geschäft bleiben will. Hier sind die letzten halbwegs umsatzstarken Bereiche des künftigen Sparten-Unternehmens. Mit dem bisherigen „integrierten“ Konzern hat das aber kaum noch was zu tun. In Hamburg hat Vattenfall bereits das Stromnetz nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ verloren, 2018/19 wird die Stadt Hamburg auch die Fernwärme übernehmen. Auch in Berlin droht trotz aller dortigen Pannen, dass Vattenfall an Bedeutung verlieren wird.
Wenn die Braunkohle verkauft ist, bleibt dem Konzern nicht mehr viel. In Moorburg steht – eher ein Klotz am Bein, auch wenn Vattenfall damit ein wenig Geld verdienen wird – ein nagelneues Kohlekraftwerk, das in den nächsten Wochen in Betrieb gehen soll (und bereits Schuldabschreibungen von einer Milliarde Euro hinter sich hat). Krümmel und Brunsbüttel sind endgültig abgeschaltet und müssen demontiert werden. Mit 20 Prozent ist Vattenfall am AKW Brokdorf beteiligt, Abschaltetermin ist 2021. Auch aus der Müllverbrennung zieht sich Vattenfall zurück. Eine Anlage in Hamburg ist bereits verkauft, die zweite wird folgen. Ebenso in Ostdeutschland. Auch in Dänemark versucht der Konzern den Rückzug aus der Kohle und dem Müll.
Vattenfall als vermeintlicher Stromkonzern ist in Deutschland am Ende!
Hamburg muss handeln!
Hamburg sollte nun dringend schauen, wie es mit dem rasanten Zusammenbruch von Vattenfall umgeht. Direkt betroffen ist die Stadt bei der Fernwärme-Versorgung. Nicht nur bei der Fernwärme in Hamburg muss man die dringende Sorge haben, dass Vattenfall angesichts der Übernahme durch die Stadt alles Geld aus dem Laden ziehen wird, Investitionen wo immer möglich vermeidet und das Netz damit noch mehr am Rande des grad noch erträglichen fahren wird.
Aber es lohnt auch die Debatte, was aus der Restmasse Vattenfall möglicherweise noch für die HamburgerEnergieWende rausgeholt werden kann. Vor allem der Stromkundenbereich im Bereich von „Vattenfall Sales“. Vattenfall behauptet, bundesweit etwa 2,3 Millionen Stromkunden zu haben. Für Hamburg wäre daher eine Größenordnung von etwa 800.000 Kunden durchaus wahrscheinlich. Im Zuge der Rekommunalisierung der Energienetze erhöht sich vor allem auch aus der Fernwärme-Erzeugung die kommunale Stromproduktion. Mit Hamburg Energie steht grundsätzlich ein kundenorientiertes kommunales Unternehmen zur Verfügung, das bereits jetzt 100.000 Kunden im Bereich Strom und Gas hat.
Hamburg wäre jetzt vermutlich sehr gut beraten, zu prüfen, ob und wie eine schnellere Übernahme der Fernwärme machbar sein kann und möglicherweise auch andere zusammenbrechende Geschäftsfelder wie der Stromkundenbereich übernommen werden könnten. Für die Hamburger EnergieWende und den Umbau hin zu einer klimaverträglichen, dezentralen und erneuerbaren kommunalen Energieversorgung wäre der Untergang von Vattenfall möglicherweise eine große Chance.
Dokumentation: Pressemeldungen | 15-01-2015 | 11:00 AM
Vattenfall: Neue Organisationsstruktur zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung
Vattenfall hat heute, dem 15.01.2015, seine neue Organisation und die oberste Führungsebene bekannt gegeben. Das sind wichtige Schritte zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung.
Die vom 1. April 2015 an geltende Struktur ersetzt die derzeitige regionale Struktur. Die Neuorganisation ist Teil der Überarbeitung der Unternehmensstrategie, die vom neuen Managementteam Schritt für Schritt entschieden werden soll.
„Vattenfall agiert in einem sehr anspruchsvollen Markt, in dem Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit ein Muss für jeden erfolgreichen Teilnehmer sind. Um unsere Anstrengungen stärker konzentrieren zu können, müssen wir entscheiden, wie wir vorangehen. Zuerst legen wir die generelle strategische Ausrichtung fest, wobei einige Dinge für mich offenkundig sind: Wir müssen unsere Position als europäisches Unternehmen verteidigen, wir müssen unsere Kundenangebote hinsichtlich Nachhaltigkeit weiterentwickeln und wir werden ein Energieversorger sein, der sich auf emissionsfreie oder emissionseffizienten Lösungen konzentriert“, betont Magnus Hall, Präsident und CEO von Vattenfall AB.
Die Neuorganisation entspricht der grundlegenden strategischen Ausrichtung des Verwaltungsrats und ersetzt die derzeit bestehende Organisation in regionalen Einheiten. Vom 1. April 2015 an werden alle Aktivitäten in den sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte organisiert.
„Die Organisation muss uns und unsere Aktivitäten bei den Herausforderungen im Markt unterstützen. Die Geschäftseinheiten bekommen die Möglichkeit, die Strategie zu verfeinern und sie in ihre Planungen und Aktivitäten zu integrieren. Der Schwerpunkt liegt dabei sowohl auf dem eigentlichen Geschäft als auch auf Synergien zwischen den Ländern“, so Magnus Hall weiter.
Die Neuorganisation sieht vier Stabsfunktionen vor: CFO und dessen Zuständigkeiten, Recht, Strategische Entwicklung und Personal. Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.
Einhergehend mit der Neuorganisation wird ab 1. April die neue oberste Führungsebene die Organisation weiter gestalten und zugleich Kontinuität wahren. Eine wesentliche Aufgabe des künftigen Managements wird die Ausarbeitung der Strategie im Detail und ihre Anpassung an die jeweiligen Geschäftsaktivitäten sein. „Das neue Managementteam ist ausgesprochen vielfältig – sowohl hinsichtlich Nationalität und Geschlecht als auch in Bezug auf Persönlichkeiten und Erfahrungen. Es spiegelt unsere strategischen Möglichkeiten und unsere europäische Ausrichtung wider. Das Team vereint viele Eigenschaften und jeder von ihnen ist bereit, Vattenfall auf einen neuen Weg zu führen“, unterstreicht Magnus Hall.
Die neue oberste Führungsebene :
Magnus Hall, Präsident und CEO
Ingrid Bonde, Leiterin der Stabsfunktion Finanzen und stellvertretende CEO
Anne Gynnerstedt, Leiterin der Stabsfunktion Recht und CEO-Büro
Andreas Regnell, Leiter der Stabsfunktion Strategische Entwicklung
Kerstin Ahlfont, Leiterin der Stabsfunktion Personal
Tuomo Hatakka, Leiter der Geschäftseinheit Wärme, Bereich Mining & Generation
Annika Viklund, Leiterin der Geschäftseinheit Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb
Gunnar Groebler, Leiter der Geschäftseinheit Windkraft
Torbjörn Wahlborg, Leiter der Geschäftseinheit Erzeugung
Martijn Hagens, Leiter der Geschäftseinheit Kunden & Lösungen
Stefan Dohler, Leiter der Geschäftseinheit Handel & Märkte
Die Geschäftseinheiten ab 1. April:
Wärme: Als größter Wärmeproduzent Europas versorgen wir Kunden in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark mit Fernwärme und erzeugen Strom in hocheffizienten Anlagen
Windkraft: Mit 1.000 Windturbinen in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien ist Vattenfall einer der größten Entwickler von Offshore-Windanlagen in Europa.
Kunden & Lösungen: Mehr als 6 Mio. Stromkunden in Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Vattenfall bietet verschiedene Kundenlösungen zur Steigerung der Nachhaltigkeit
Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb in Schweden und in Berlin
Erzeugung: Emissionsfreie Stromerzeugung mit Wasserkraft und Kernenergie
Handel & Märkte: Das Handelsgeschäft von Vattenfall deckt alle Rohstoffe im Bereich Energie ab und bietet umfangreiche Unterstützung im Großhandelsbereich für interne und externe Kunden
Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Stefan Müller, Vattenfall GmbH, Head of Media Relations Germany, Telefon 030 8182 2320, Fax 030 8182 2315, stefan.mueller@vattenfall.de
Hamburger Energie Wende: Alternativen für Fernwärme-Werk Wedel
Die Umsetzung des Volksentscheids zur Rekommunalisierung der Energienetze bringt auch in der schwierigen Debatte um das marode Kohle-Heizkraftwerk in Wedel, mit dem ein Teil der Hamburger Fernwärme erzeugt wird, erste positive Entwicklungen. Ein Ersatz des alten Kraftwerks könnte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Hamburg leisten. Ohne eine umfassende Prüfung von ökologisch sinnvollen Alternativen wollten Umweltbehörde und noch-Mehrheitseigentümer Vattenfall schlicht ein doppelt so großes Gaskraftwerk in Wedel errichten. Erst nach dem Volksentscheid hat im Sommer 2014 endlich die dringend erforderliche Alternativen-Prüfung begonnen. Dabei zeigt sich, es gibt gute Alternativen zum bisherigen Plan und als Standort kommt möglicherweise nicht nur Wedel in Betracht. Dies ist die Zwischenbilanz, die der BUND gemeinsam mit anderen Initiativen in einem Schreiben an die Hamburger Umweltbehörde darstellt.
Auf eine handliche Formel bringt die Mopo (tatsächlich!) die ganze Geschichte: „Endspurt für das veraltete Steinkohlekraftwerk in Wedel. In diesem Jahr müssen Stadt und Vattenfall eine Entscheidung für die Zukunft treffen. Die Möglichkeiten: Das Kraftwerk wird fit gemacht. Oder: Das geplante Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) wird gebaut. Oder: Es wird doch alles anders.“ Richtig, vermutlich wird alles anders:
- Vattenfall Hamburg – BürgerInnen suchen Alternativen
- Vattenfall und GuD-Neubau in Wedel – Fernwärme nur nebenbei
- Die Umsetzung des Volksentscheids war gestern Thema im Umweltschausschuss in der Bürgerschaft. Auch dort wurde das hier behandelte Thema angesprochen, nachdem der BUND eine Pressemitteilung veröffentlicht hatte: Hamburger Energie Wende und Ersatz-Fernwärme-Werk Wedel: Nicht ergebnisoffen – Bündnis kritisiert Umweltbehörde
- Wärme-Dialog Hamburg – Volksentscheids-Initiative soll am Alternativen-Vergleich für Fernwärme-Gutachten beteiligt werden
Darin betont der BUND: „Wir möchten als positive Entwicklung hervorheben, dass es neben einem möglichen neuen GuD-Kraftwerk erstmals auch zwei weitere gutachterlich mindestens gleichwertige technische Alternativen gibt, nämlich „Gasmotoren-Kraftwerk an einem zentralen Standort“ und „Mehrere kleinere Gasmotoren-Kraftwerke an dezentralen Standorten“.
Der Brief an die Umweltbehörde hier als PDF, die umfangreiche Stellungnahme ist hier als PDF zum download.
Positiv hervorgehoben wird auch: „Weiterhin stellten die Gutachter erstmals in Aussicht, dass der Ersatzbedarf bei Optimierung des Fernwärmenetzes möglicherweise viel geringer ausfällt als 250 MW.“ Die Dimensionierung der erforderlichen Ersatzkapazität für die künftige Fernwärmeversorgung ist unter anderem auch umstritten, weil Vattenfall als Noch-Eigentümer zahlreiche Daten als „Betriebsgeheimnis“ behandelt, so dass wichtige Grundlagen in einigen Fragen nur schwer zu ermitteln sind.
Massive Kritik gibt es vor allem an den Bewertungskriterien, mit denen der Gutachter BET im Auftrag der Umweltbehörde die jeweiligen Alternativen einordnet. Das stellt der BUND in der knappen Formulierung „Unsere bereits früher geäußerte Kritik am Bewertungsverfahren der Varianten bleibt jedoch unverändert“ fest.
- Über die Sitzung des Umweltausschusses mit den VertreterInnen der Volksentscheidsinitiative, einem Vertreter der Arbeitnehmer und aus der Wirtschaft berichtet auch das „bundesumweltportal“ in Form einer Grünen Presserklärung. Darin heißt es u.a.: „Der vom Büro BET geleitete Beteiligungsprozess hat ein wichtiges Ergebnis erbracht: Es gibt für die Fernwärme Lösungen, die hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit einem Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) in Wedel mindestens gleichwertig sind. Der SPD-Senat hat sich von Anfang an ohne Alternativenprüfung auf das Großkraftwerk in Wedel festgelegt. Aber Rechthaberei allein ist kein energiepolitisches Konzept. Heute ist klar, dass Vattenfall dieses Kraftwerk längst nicht mehr bauen will, weil es im Strommarkt wirtschaftlich nicht bestehen könnte. Entsprechend dem Vertrag zwischen Senat und Vattenfall droht damit der Weiterbetrieb des jahrzehntealten Kohlekraftwerks. Das wäre das genaue Gegenteil von dem, was die Hamburgerinnen und Hamburger beim Volksentscheid beschlossen haben. Energieversorgung und Klimaschutz sind beim SPD-Senat nicht in guten Händen.““
Wie schwierig aber auch intensiv der Prozess ist, zeigen die Themen, die auf einem Treffen im Dezember auf die ToDo-Liste genommen wurden:
„Die abgestimmten Prüfungserweiterungen fassen wir wie folgt zusammen:
- Suche und Eignungsprüfung dezentraler Standorte
- Stellingen als zentraler alternativer Standort
- Untersuchung (nicht jedoch als Investment), ob und wie die Netzstruktur durch stärkere Verbindungen zwischen dem Ost-, Mittel- und Westteil des Netzes optimiert werden kann
- Darstellung, ob es zur Aufrechterhaltung der Netzhydraulik notwendig ist, im Westen
Hamburgs ein Kraftwerk mit mindestens 250 MW am Netz zu haben - geänderte Einsatzreihenfolge der Heizkraftwerke
- Berechnung eines Biomasse-Heizkraftwerks mit 30 MW Wärme und 18 MW Strom (KWK in kleiner Variante) als Modell (und nicht als zukünftige Größenordnung)“
Damit nicht genug. Zu weiteren Aspekten, die in der Debatte sind, erwarten BUND und Co noch Klarstellungen, dass diese in die Untersuchung aufgenommen werden:
„Folgende Fragen sind offen geblieben:
- Die Folie zu den angedachten Standorten im Westen fehlte.
- Warum wurde nur das KWK-Potenzial untersucht?
- Nähere Aufschlüsselung der Aufwandspositionen für die Unterhaltung der
Fernwärmetrasse - Die Darstellung der mathematischen Begründung der systemischen Methode sowie aller angewendeten Formeln
- Welche konkreten Maßnahmen wurden von BET für die Variante „Ertüchtigung Wedel“ in die Berechnungen einbezogen?“
