Energienetze – wie viele, wo lang, für welche Energie?

Vor einigen Wochen haben die Stromnetzbetreiber ihren „Netzentwicklungsplan“ vorgestellt. Noch bis zum 11. Juli können BürgerInnen gegen diese Pläne Einwände erheben. Aus gutem Grund. Zwar ist klar, dass die Energienetze modernisiert, umgebaut und auch erweitert werden müssen. Höchst strittig ist aber in welchem Umfang. Denn: Kommt die dezentrale Energiewende endlich in Schwung, dürften mache heute noch sinnvoll erscheinende Verbindungen vom Norden in den Süden sinnlos werden. Was genau es beim Netzausbau braucht, ist aber nur schwer zu sagen, denn die Bundesregierung unterlässt es bis heute, mit allen Beteiligten aus Bund, Ländern und Kommunen sowie den Verbänden ein Konzept zu entwickeln.

Beitrag vom Deutschlandfunk zum Anhören: Umwelthilfe zu Netzentwicklungsplan MP3

Die Deutsche Umwelthilfe hat heute in Berlin ihre Kritik an den bislang vorliegenden Plänen formuliert und hat Lob und Tadel: „Es ist gut, dass ein transparentes Verfahren in Gang gekommen ist“, sagt Peter Ahmels, der bei der Organisation für erneuerbare Energien zuständig ist. „Denn jeder, der will, kann noch bis nächste Woche eine Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan, den die Bundesnetzagentur Ende Mai vorgelegt hat, abgeben.“ (Einen Muster-Brief und die Mailadresse gibt es hier.)

DUH-Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan lobt neue Form der öffentlichen Netzplanung und kritisiert Tendenz zu „so viel Netz wie möglich, statt so viel Netz wie nötig“ – Bei beantragtem Ausbau ist auch Rückkehr zum alten Stromsystem möglich – Leiter Erneuerbare Energien Peter Ahmels: „Priorisierung der geplanten Trassen entscheidend für Akzeptanz“ – Energiemarktgetriebene Modellierung führt zu unrealistischer Auslastung fossiler Kraftwerke

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) hat das Konsultationsverfahren zum Um- und Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende als fortschrittlich gelobt. Gleichzeitig wirft die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation den Netzbetreibern vor, ein zukünftiges Stromnetz anzustreben, dass zwar die Energiewende ermöglicht, aber ebenso die Rückkehr zu einem zentralistischen Stromsystem auf Basis großer Kohlekraftwerke.

„Der gesetzliche Auftrag der Übertragungsnetzbetreiber ist es, auf Basis des vorgegebenen Szenariorahmens ein Stromnetz für die Energiewende zu konzipieren“, sagte Peter Ahmels, der Leiter Erneuerbare Energien der Deutschen Umwelthilfe. Hier schieße der Entwurf der Netzbetreiber teilweise über das Ziel hinaus. Da angesichts sich ständig ändernder technischer und energiewirtschaftlicher Rahmenbedingungen niemand im Detail sagen könne, welche Stromtrassen unverzichtbar seien, komme es jetzt darauf an, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben einen offenen Prozess zu organisieren, der Korrekturmöglichkeiten möglichst lange offenhalte. Ahmels: „Dafür brauchen wir eine klare Priorisierung der vorgeschlagenen Trassen.“ Ohne eine solche Priorisierung und den eindeutigen Nachweis der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit jeder Trasse sei Akzeptanz in der Bevölkerung nicht zu erreichen.

Als Beispiele für die Tendenz der Übertragungsnetzbetreiber, eher nach der Maxime „so viel Netz wie möglich, statt so viel Netz wie nötig“ zu handeln, nannte Ahmels die Wahl des außergewöhnlich windreichen Jahres 2007 als Basis für ihre Berechnungen, die Nicht-Berücksichtigung der Tatsache, dass niemals alle Erneuerbare-Energieanlagen gleichzeitig ins Netz einspeisen und fehlende Analysen des reduzierten Netzausbaubedarfs, falls auf die Einspeisung absoluter Spitzeneinspeisungen verzichtet würde. So könne sich der Netzausbaubedarf um immerhin etwa zehn Prozent reduzieren, wenn auf nur zwei Prozent der im Jahr von Windrädern erzeugten Stromenge verzichtet würde.

Nach Überzeugung der DUH berücksichtigen die Übertragungsnetzbetreiber zu wenig tendenziell den Netzbedarf entlastende Übertragungstechniken wie so genannte Hochtemperaturleiterseile und netzentlastende Effekte durch technologische Entwicklungen, wie Speicher oder Smart Grids, die sich vor allem in dem bis 2032 reichenden Leitszenario B 2032 des Szenariorahmens zeigen müssten. „Es gibt in dem Entwurf der Netzbetreiber leider nur wenige Hinweise auf Bemühungen zur konkreten Einsparung von Übertragungskapazitäten“, erläuterte Anne Palenberg, Projektmanagerin für Netzintegration bei der DUH. Sie begrüßte, dass die Netzbetreiber die besonders effektive Technik der Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) in dem Planentwurf eindeutig als neue Säule des Übertragungsnetzes der Zukunft einbeziehe, auch wenn möglicherweise nicht alle vier vorgesehenen HGÜ-Stromautobahnen im Betrachtungszeitraum notwendig seien.

Fragen werfen nach Überzeugung der DUH auch die von den Netzbetreibern gewählte Modellierung der Energiemarktsimulation auf, auf deren Basis der Netzbedarf berechnet wurde. Einerseits führt dieses Marktmodell offenbar zu einer immer höheren Jahresauslastung der verbliebenen Kohlekraftwerke, obwohl deren Volllaststundenzahl in der Realität und nach den Prognosen zahlreicher Studien mit zunehmender Einspeisung aus Erneuerbaren Energien ständig sinkt. Außerdem ergibt das Modell praktisch keinen Effekt auf den Netzausbaubedarf, wenn die von der Bundesregierung angestrebte Reduzierung des nationalen Strombedarfs tatsächlich eintritt.

Die DUH lobte das Konsultationsverfahren, das im Prinzip einen großen Fortschritt gegenüber der früheren „Geheimniskrämerei“ bei der Netzplanung darstelle. Allerdings gelinge es bisher insbesondere wegen der Komplexität der Materie, diejenigen rechtzeitig und systematisch in die Diskussionen einzubeziehen, die am Ende vom Netzausbau betroffen seien. Hier bedürfe es weiterer öffentlicher Hilfestellung. Die DUH kündigte an, hierzu nach Abschluss des laufenden Verfahrens Vorschläge zu unterbreiten.

Die DUH-Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan Strom 2012 finden Sie hier:

http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2885

Für Rückfragen:  Dr. Peter Ahmels, Leiter Erneuerbare Energien, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867 91; Mobil: 0151 16225863; E-mail: ahmels@duh.de

Anne Palenberg, Projektmanagerin Netzintegration, Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867 961; Mobil: 0151 40249440; E-Mail: palenberg@duh.de

 

Jetzt einwenden – Betreff Netzentwicklungsplan Strom

An: ‚konsultation@netzentwicklungsplan.de‘
Netzentwicklungsplan Strom
Postfach 100 572
10565 BERLIN

Datum

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich entschieden gegen den Plan der 4 großen Übertragungsnetzbetreiber zur Errichtung von 3.800 km neuen Höchstspannungstrassen von Nord- nach Süddeutschland die angeblich für das Gelingen der Energiewende unverzichtbar sind. Insbesondere habe ich folgende Einwände:

1) Der Netzentwicklungsplan ignoriert das enorme Ausbaupotenzial der Erneuerbaren Energien, besonders der Windenergie, in Süddeutschland. Ein hohes Windstromangebot aus dem Norden behindert den Aufbau dezentraler Versorgungsstrukturen aus erneuerbaren  Energien im Süden sowie die regionale Wertschöpfung.

2) In dem Szenario mit dem stärksten Zubau an Erneuerbarer Energie (C) geht der Netzentwicklungsplan von einer installierten Solarstromleistung von 48,8 GW für das Jahr 2022 aus. Das bedeutet ab jetzt einen jährlichen Zuwachs von 2,4 GW. In den Jahren 2010  und 2011 lag der Zuwachs bei jeweils mehr als 7 GW. Bereits für Ende April 2012 meldet die Bundesnetzagentur einen Zubau von über 2,3 GW. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die  Netzbetreiber davon ausgehen, dass die Solarenergie, wie von der Bundesregierung gewollt, ausgebremst wird.

3) Viele Bundesländer treiben ihre Pläne zur regionalen Ausschöpfung ihrer Energiepotenziale voran. Sichtbares Zeichen dafür sind die zahlreichen jetzt schon funktionierender 100%- Erneuerbare Energien-Regionen. Diese Entwicklung findet keine angemessene Beachtung im Netzentwicklungsplan und lässt an den dort propagierten Ausbauzahlen zweifeln.

4) Sechs von rund zwanzig im Bau befindlicher oder geplanter Kohlekraftwerke befinden sich in der Küstenregion, wo ohnehin schon ein (angeblicher) Windstromüberschuss besteht, der zur Begründung des Leitungsausbaues herhalten muss. Der Bedarf an Leitungen verringert sich gravierend, wenn Kraftwerke dort gebaut werden, wo die Energie auch benötigt wird. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die geplanten Leitungen vornehmlich zum Abtransport des Kohlestroms genutzt werden sollen um eine Reduzierung der Kraftwerksleistung bei hohem Windstromangebot zu vermeiden. Dieser Aspekt macht eine Neubewertung des Leitungsbedarfs durch unabhängige Einrichtungen dringend nötig.

5) Zum Ausgleich der schwankenden Angebote bei Wind- und Sonnenstrom stehen zahlreiche Möglichkeiten bereit : Anpassung des Verbrauchs an das wechselnde Angebot durch Lastverschiebung, Kombination von Sonnen- und Windenergie mit Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken, Speicherung von Stromüberschuss durch Batterien, Elektrolyse und  Windgas oder in Speicherseen sowie grundsätzlich die Ausschöpfung der  Energieeffizienzpotenziale. Die konsequente Förderung und Nutzung dieser Möglichkeiten reduziert den Leitungsbedarf, was jedoch im Netzentwicklungsplan keine Beachtung findet.

6) Insgesamt ist es mehr als fragwürdig, die Netzausbauplanung den Netzbetreibern zu überlassen, die an Bau und Betrieb von Leitungen verdienen, eng mit den 4 Energiekonzernen verbunden sind und ein Interesse an der Festigung des derzeitigen zentralistischen Systems der Energieerzeugung und -verteilung haben. Der  Netzentwicklungsplan behindert somit eine zügige Energiewende und erhöht die Kosten für die Verbraucher.

Mit freundlichen Grüßen

Netzentwicklungsplan gut für die Energiewende?

Jetzt Mustereinwendungen verschicken! Netzentwicklungsplan gut für die Energiewende?

Eine Initiative der Anti-Atom-Gruppe Bonn:

Liebe Freundinnen und Freunde,

wie ihr vielleicht aus diversen Medien erfahren habt, wurde just der sog. Netzentwicklungsplan (NEP) veröffentlicht und zur „Konsultation“ für alle BürgerInnen bis zum 10. Juli freigegeben. In dem Netzentwicklungsplan legen die Übertragungsnetzbetreiber (sic!) ihren Bedarf am künftigen Netzausbau dar. Der Plan soll dann im Laufe des Jahres verschiedene Gremien durchlaufen, bis er als Gesetz vom Bundestag erlassen werden kann.

Eine neue Form der „Mitbeteiligung“ ermöglicht es uns den Plan bis zum 10. Juli zu kommentieren (hier sind es sog. Konsultationen). Einige Parteien, Einzelpersonen und Institutionen haben dies bereits getan – wenn auch leider teilweise sehr interessengeleitet und unkritisch. AktivistInnen von AntiAtomBonn haben den Plan analysiert  und eine Muster-Stellungnahme dazu verfasst. Ebenso haben wir ein Hintergrundpapier entwickelt, dass für eigene Stellungnahmen verwendet werden kann.

Die AntiAtomBonn-Dokumente gibt es hier:

Musterschreiben zum Netzentwicklungsplan

Erläuterung zum Netzentwicklungsplan

Bitte sendet jetzt (vor dem 10.7.12!) den Musterbrief von der AntiAtomBonn-Page ganz einfach per Mail an: konsultation@netzentwicklungsplan.de

Den kompletten Netzentwicklungsplan und die Anleitung zur Konsultation findet ihr hier: http://www.netzentwicklungsplan.de

Warum ist der Netzentwicklungsplan kritisch zu sehen?

Netzentwicklungsplan soll zentralistische Strukturen zementieren: http://www.eurosolar.de/de/index.php?option=com_content&task=view&id=1647&Itemid=379

Regionale Netze statt teurer Stromautobahnen:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/energiewende170.html

Sehenswert: Die Doku „UnterStrom“ zeigt, wie überall im Land Bürger und Stadtwerke die Energiewende selbst in die Hand nehmen, in welchem Umfang sich Industriesubventionen in der EEG-Umlage verstecken und welche Preis senkenden Effekte Erneuerbare Energie bereits heute auf den Strompreis an der Börse hat: „UnterStrom“ – http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1666352/ZDFzoom:-Unter-Strom

Steelwind Nordenham: Beschäftigungschancen der Energiewende nutzen

Pressemitteilung der IG Metall Küste/Mitte (Nordenham/Frankfurt) – Als wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen Energiewende, die attraktive Beschäftigungsperspektiven für viele Menschen biete, haben die Bezirksleiter der IG Metall Bezirk Küste und des IG Metall Bezirks Mitte, Meinhard Geiken und Armin Schild, aus Anlass des ersten Spatenstichs für Steelwind Nordenham das Engagement der Dillinger Hütte AG in Nordenham bezeichnet.

Die beiden Bezirksleiter begrüßten, gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Dillinger Hütte AG, Roman Selgrath, dass ca. 300 qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn Steelwind Nordenham zukünftig aus Grobblech der Dillinger Hütte Fundamente für Offshore-Windräder herstellen wird. Armin Schild, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Dillinger Hütte AG ist, stellte dazu fest: „Mit Steelwind Nordenham werden nicht nur an der Küste, sondern auch in Dillingen an der Saar Arbeitsplätze gesichert.“ Das sei ein hervorragendes Beispiel, um zu zeigen, welche Beschäftigungschancen die Energiewende biete. Schild erklärte weiter: „Die Dillinger Hütte ist bekannt für ihre Mitbestimmungskultur. Gemeinsam werden wir sicherstellen, dass es gute Arbeit und gut bezahlte Arbeitsplätze werden.“

Meinhard Geiken erklärte: „Die von der Bundesregierung beschlossene Zielsetzung der Energiewende ist ohne den Bereich der Wind- und Offshore-Industrie nicht realisierbar. In der Windenergie arbeiten heute schon rund 100.000 Menschen, davon 40.000 im Maschinen- und Anlagenbau und deren Zulieferer. Gerade der maritime Anlagenbau mit 62 Prozent des Umsatzes in Norddeutschland ist ein wichtiger Bestandteil der Wertschöpfungskette.“ Der geplante Ausbau der Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee sei für die strukturschwache norddeutsche Küstenregion, aber auch für die Bundesrepublik insgesamt aus beschäftigungs-, struktur- und industriepolitischer Perspektive eine gute Chance.

Der Betriebsratsvorsitzende der Dillinger Hütte AG, Roman Selgrath, erklärte: „Die Energiewende muss endlich durch verlässliche staatliche Rahmenbedingungen gestützt werden und darf nicht alleine den Marktkräften überlassen werden.“ Insbesondere die Netzanbindung, einschließlich der Onshore-Trassen, die Errichtung von Windparks in Wassertiefen von 40 Metern und mehr, immer größer werdende Windanlagen, komplexe rechtliche Voraussetzungen, die Arbeitssicherheit im Bereich Offshore und die Qualifizierung von Fachkräften, bedürften eines koordinierenden Vorgehens von Industrie, Gewerkschaften und Politik in den unterschiedlichen Bereichen.

 

KollegInnen kämpfen für Tarifvertrag bei RePower

Beim Windanlagen-Hersteller RePower tut sich was: Die Beschäftigten organisieren sich und wollen einen Tarifvertrag durchsetzen. Auf der Homepage windpower-aktiv lassen sich viele Informationen und viele Schwierigkeiten aus Sicht der Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen bei einem der großen Windanlagenbauer nachlesen. Nicht nur die Frage eines Tarifvertrages und die Gehaltsbedingungen sind dabei ein Thema. Auch die Frage der Leiharbeit hat – wie insgesamt in der Windbranche – einen hohen Stellenwert.

Wie das im Einzelfall in der Praxis aussieht, zeigt dieses Video von einer Aktionsveranstaltung im Mai in Bremerhaven.

Zuvor hatten sich die Vertrauensleute im Februar zu einer Konferenz zusammen gesetzt, um ihre Strategien für die Durchsetzung eines Tarifvertrages zu planen. Das zeigt das folgende Video

×