Atommüll-Bürgermeister fordern mehr Beteiligung und neues zentrales Castor-Lager

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Bürgermeister der Atomstandorte fordern mehr Beteiligung und ein neues zentrales Zwischenlager für Castoren. Der neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ASKETA kommt aus Brunsbüttel.

Bürgermeister der Atomstandorte in Deutschland fordern mehr Beteiligung beim Umgang mit den hochradioaktiven Abfällen und der Zwischenlagerung. Auf einem Treffen der ASKETA (Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen in Deutschland) am 14. Januar 2016 formulierten die Bürgermeister ihre Forderungen an die Bundesregierung  in Sachen Atomausstieg, „Endlagersuche“ und vor allem mit Blick auf die Zwischenlagerung. Sie fordern u.a. auch ein neues zentrales Zwischenlager für die hochradioaktiven Abfälle, das etwa 2045 zur Verfügung stehen müsste.

Gleichzeitig wurden auf dem Treffen die Vorsitzenden neu gewählt. Neuer Vorsitzender ist Stefan Mohrdieck, Bürgermeister in Brunsbüttel und seine Stellvertreter sind der Niederaichbacher Bürgermeister Josef Klaus und der Bürgermeister von Biblis, Felix Kusicka.

Laut der leider nicht datierten Seite „Revista“ ist die ASKETA „1994 in Grafenrheinfeld gegründet (worden) und vertritt derzeit 25 Kommunen mit kerntechnischen Anlagen, darunter 15 Kernkraftwerksstandorte mit 9 „aktiven“, 8 nach Fukushima abgeschalteten und 3 stillgelegten Kernkraftwerksblöcken, Standorte mit Zwischenlagern für radioaktive Reststoffe und auch Standorte mit Forschungseinrichtungen.“

An zahlreichen AKW-Standorten steht derzeit die Genehmigung für den Rückbau der nach Fukushima abgeschalteten Meiler an. Nicht nur der Rückbau und die Frage, was mit den dabei anfallenden niedrig, sowie leicht- und mittelradioaktiven Abfällen passieren soll, treibt die Gemeinden um. Vor allem wächst die Sorge, dass die mit einer Laufzeit von 40 Jahren bewilligten Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich länger in Betrieb bleiben könnten, da sich die Suche nach einem geeigneten dauerhaften Atommülllager vermutlich um viele Jahre verzögern wird.

Die Bürgermeister fordern daher jetzt von der Bundesregierung ein „befüllbares zentrales Zwischenlager bei Ablauf der Standortzwischenlagergenehmigung“ (siehe unten). Das neue Lager müsste demnach um das Jahr 2045 betriebsbereit sein und Platz für insgesamt bis zu 1.900 Castor-Behälter zur Verfügung stellen.

Im „Nationalen Entsorgungsprogramm“ vom August 2015 hat die Bundesregierung am Standort für ein künftiges „Endlager“ erstmals von einem neuen Eingangslager gesprochen. Die Rede war von ca. 500 Castoren, die dort untergebracht werden sollten, sobald eine erste Teilerrichtungsgenehmigung für das „Endlager“ erteilt würde. Damit wäre nach den Zeitplänen im Standortauswahlgsetz etwa Anfang/Mitte der 2030er Jahre zu rechnen. Allerdings – siehe dazu die Links oben – glaubt kaum ein Experte, dass die Zeitpläne im StandAG eingehalten werden können.

Die Notwendigkeit neuer Zwischenlager wächst allerdings auch mit Blick auf die Terrorgefahren. Zwar werden derzeit die bestehenden Castor-Lager bundesweit nachgerüstet. Allerdings wachsen die Zweifel, ob diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit betriebenen Maßnahmen ausreichend sind.

In einer Erklärung von dem Treffen der Bürgermeister am 14. Januar in Kassel heißt es: „Bei ihrer Sitzung haben die Bürgermeister der ASKETA am 14. Januar 2016 folgende Forderung an die Bundesregierung, das Bundesumweltministerium, die Endlagerauswahlkommission und als Abschlussstatement der ASKETA im Rahmen des Workshops der Endlagerauswahlkommission mit den Vertreter der Regionen, der im Anschluss am 15.1.2016, stattfand, formuliert:

1. Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren bei Zwischenlagerverlängerung bzw. bei Änderungsgenehmigungsverfahren!
2. Sitz in den Begleitgremien Endlagerauswahlverfahren und der angedachten Stiftung bzw. Finanzierungsfonds!
3. Befüllbares zentrales Zwischenlager bei Ablauf der Standortzwischenlagergenehmigung!
4. Verlässlicher Terminrahmen für Endlagerauswahlverfahren!
5. Strukturausgleich für die Standortkommunen der Standortzwischenlager!

Mit dem Beschluss des Bundestages zum Endlagerauswahlgesetz im Juli 2013 wurde nicht nur eine neue zeitintensive Suche nach einem Endlager auf den Weg gebracht. Die ASKETA-Mitglieder sehen eine ganz besondere Verpflichtung der Bundesregierung im Bereich der Endlagerung. Hier müssen endlich Fortschritte gemacht werden. Denn hier ist die Bundesrepublik Deutschland in alleiniger Verantwortung.“

Hamburgs Klimaziele bislang nur heiße Luft

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Klimaschutz in Hamburg? Da fehlt noch einiges, um die Ziele zu erreichen.

Klimaschutz in Hamburg – da mangelt es reichlich. Auch wenn die Emissionen nicht direkt Hamburg zuzurechnen sind: Die Inbetriebnahme des Vattenfall-Kohlekraftwerks Moorburg ist irgendwie auch ein Symbol für das Versagen beim Klimaschutz. Wenige Tage vor dem Start der Weltklimakonferenz in Paris und einer Aktion am Sonntag an der Alster kritisiert der BUND das unambitionierte Engagement des bis vor kurzem allein regierenden SPD-Senats. Aber auch die neue rot-grüne Regierung könnte beim Klimaschutz kläglich scheitern. Die jetzt in Aussicht gestellte Laufzeitverlängerung für das mit Kohle befeuerte Heizkraftwerk in Wedel würde weiterhin hohe klimaschädliche Emissionen zur Folge haben. Zwar laufen Vorbereitungen für einen neuen Klimaplan, aber die Einsparziele bis 2020 dürften heiße Luft bleiben.

Der BUND gibt sich eher konstruktiv, wenn er feststellt: „Hamburg fehlen die Antworten – Klimaplan muss Trendwende schaffen“ und dann schreibt: „Kurz vor Start der Weltklimakonferenz in Paris fordert der BUND Hamburg vom rot-grünen Senat eine Gestaltungs-Offensive im hanseatischen Klimaschutz. Die Stadt Hamburg droht die vereinbarten CO2-Einsparziele deutlich zu verfehlen. Um das 40 %-Ziel bis 2020 zu erreichen, müssten auf der Zeitachse bis 2013 bereits 30 % erreicht sein, real sind es aber nur knapp 15 %. Dies wird nach Informationen des BUND aus der in Kürze vom Statistikamt Nord  veröffentlichten Energie- und CO2-Bilanz Hamburg 2013 hervorgehen.“

Im weiteren berichtet der BUND, dass der neue Hamburger Klimaplan in Vorbereitung ist und noch in diesem Jahr kommen soll. „Der BUND Hamburg erwartet, dass konkret dargelegt wird, wie der Ausbau von Windkraft und industrieller Abwärme und eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien erfolgen sollen. Diese Eckpunkte sind auch im rot-grünen Koalitionsvertrag benannt. Zudem muss Hamburg seiner Vorbildfunktion nachkommen und im öffentlichen Gebäudebestand Klimaschutz und Energieeffizienz deutlich voranbringen.

Der BUND fordert zudem umgehend neue Zielvorgaben im „Bündnis für das Wohnen“, da gerade im Wohnungsbestand viele Einsparpotentiale vorhanden sind. Die bislang festgelegten Kennzahlen für den Endenergieverbrauch fallen deutlich hinter vergleichbaren Vereinbarungen wie etwa in Schleswig Holstein (Klimapakt Wohnen) zurück. Wie wenig ambitioniert die Vorgaben sind, zeigt der Vergleich: Während Hamburg einen Endenergieverbrauch von 133 kwh/m²/a ohne Warmwasser bis 2020 anstrebt, liegt der Zielwert beim nördlichen Nachbarn bei 115 kwh/m²/a mit Warmwasser.

Der öffentlich diskutierten Laufzeitverlängerung für das veraltete Kohlekraftwerk in Wedel erteilt der BUND Hamburg eine klare Absage. „Schon die offizielle Einweihung des Klimakillers Moorburg kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz war ein fatales Signal. Wenn jetzt noch das Kohlekraftwerk Wedel über Jahre weiterläuft, verabschiedet sich Hamburg endgültig vom Thema Klimaschutz“, stellt Manfred Braasch fest.“

  • Am Sonntag soll mit Blick auf die Klimaverhandlungen in Paris eine Lichterkette um die Binnenalster unter dem Motto „Stopp Klimawandel jetzt!“ stattfinden, zu der zahlreiche Initiativen und Verbände, darunter der BUND, aufrufen: Treffpunkt 16 Uhr Lombardsbrücke (siehe auch: http://bund-hamburg.bund.net/).

Volksentscheid Hamburg: Ein taz-Autor und die leeren Drohungen der SPD – Die Moorburgtrasse ist Geschichte

logo_rgb_balkenEs ist sein gutes Recht, den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ nicht sinnvoll zu finden. Aber vielleicht hätte sich der Kollege Carini von der taz Hamburg doch mal ein wenig mehr Mühe mit der Recherche geben sollen, ein wenig die Sachdarstellung und Meinung auseinander halten sollen? Seine KollegInnen bei der Welt und dem Hamburger Abendblatt tun das ja auch.

Erneut wendet sich Carini unter der Überschrift „Die Spinne im Fernwärmenetz“ gegen den Volksentscheid (siehe hier), weil Vattenfall im Spiel um die Macht nicht einfach das Feld räumt und klein bei gibt. Überraschung! Vattenfall würde selbst nach einem erfolgreichen Volksentscheid nicht einfach die Segel streichen! Es könnte auch danach Ärger mit dem Konzern geben.

Richtig ist: Vattenfall behauptet, dass die Regelungen zur Fernwärme mit der Stadt Hamburg, die noch mit der HEW in den 90er Jahren abgeschlossen wurden, nicht gültig sind. Konkret: Vattenfall bestreitet, dass die Fernwärme samt Erzeugungsanlagen und Kunden an die Stadt Hamburg zurück gehen, wenn die Konzession nicht verlängert wird. Das ist die so genannte Endschaftsklausel. Dazu hat Vattenfall einen Rechtsstreit gegen die Stadt Hamburg angezettelt, der nach dem Minderheits-Deal zwischen Stadt und Vattenfall vorerst auf Eis gelegt wurde.

Carini schließt sich dann der Argumentation von SPD-Bürgermeister Scholz und dem Fraktionsvorsitzenden Dressel an. Die malen an die Wand: Es kommt nun zu einem jahrelangen Rechtsstreit, in dem die Energiewende in den Fernwärmenetzen total blockiert wird. Es kommt zum Desaster: „Vattenfall (würde) aufgrund des anhängigen Rechtsstreits um das Netz kaum Millionen in eine ökologischere Fernwärmeversorgung investieren, sondern auf die Billig-Lösung zurückgreifen: Das Kohlekraftwerk Moorburg samt Fernwärmetrasse durch Altona käme wieder ins Spiel. Dressel warnt vor diesem Szenario: „Mit einem Prozess durch alle Instanzen macht man keine Energiewende.““

Lassen wir einfach mal die Frage weg, was denn nun Vattenfall für eine „ökologischere Fernwärmeversorgung“ tun würde (siehe dazu die explizite Kritik von z.B. LichtBlick, die angekündigt haben, vor allem gegen die Regelungen bei der Fernwärme zu klagen). Na klar warnt Dressel. Er will das „Nein“ beim Volksentscheid. Nur sind seine Behauptungen einfach nur Behauptungen und nicht unbedingt richtig. Die Moorburg-Trasse, also die Anbindung des Kohlekraftwerks Moorburg an das Hamburger Fernwärmenetz ist nicht nur am Widerstand aus der Bevölkerung und einem Urteil des OVG Hamburg gescheitert. Die Moorburg-Trasse ist vor allem auch an den Kosten für Vattenfall gescheitert.

Denn ganz anders als Carini in seinem Text behauptet, ist die Trasse nicht die „Billig-Lösung“, sondern eine verdammt teure Variante. Natürlich gibt es von Vattenfall dazu kein offizielles Statement, aber wer mit Insidern aus Behörden und bei Vattenfall spricht, der bekommt seit Jahren zu hören, dass Vattenfall heilfroh über das Urteil war. Denn die Kosten für den Anschluss des Kohlekraftwerks wären dem Unternehmen extrem teuer gekommen. Insofern ist die Drohung von Dressel und anderen SPDlerInnen einfach eine leere Drohung: Vattenfall wird die Trasse nicht bauen, egal wie der Volksentscheid ausgeht.

Vielleicht ist es sinnvoll, sich noch mal daran zu erinnern: Noch im Wahlkampf 2011 ging die SPD unter jetzt Bürgermeister Scholz mit der Ansage an den Start, dass die Moorburg-Trasse nun kommen müsse, weil das Kraftwerk ja genehmigt sei. Nur wenige Monate später gab es den totalen Schwenk: Gemeinsam mit Vattenfall zauberte die SPD das nun im Genehmigungsverfahren befindliche Gas-Kraftwerk mit dem Standort Wedel aus dem Hut! Warum? Die SPD war für die Trasse – Vattenfall angeblich auch. Wieso also plötzlich ein Gaskraftwerk? Das erklärt uns die taz bestimmt dann die nächsten Tage noch mal.

Und nur noch zum Schluss. Ein Rätsel bleibt auch, wie Carini zu diesem Satz kommt: „Längst haben die Rückkaufbefürworter um BUND-Chef Manfred Braasch eingesehen, dass mit dem Rückkauf der Strom- und Gasnetze energiepolitisch kein Blumentopf zu gewinnen ist.“

Nein, Herr Carini: Das haben die „Rückkaufbefürworter“ (um…) nicht eingesehen. Z.B. auch nicht der Landesverband Wind-Energie, also diejenigen, die Windanlagen bauen und die immer wieder mit dem Netzbetrieber Vattenfall zu tun haben. Die unterstützen den Volksentscheid mit einem JA.Warum eigentlich? Mal dort nachgefragt?

Na klar, werden hier keine Zitate oder unterschiedliche Akteure konkret genannt oder genauer dargelegt, wieso der Redakteur diese Behauptung aufstellt. Kein Hinweis auf den NABU Hamburg oder die vier großen Ökostrom-Unternehmen, die sich allesamt genau aus dem Grund, die Energiewende voranzubringen, dem Volksentscheid angeschlossen haben….

Ich empfehle jedenfalls – als Beispiel – das hier zu lesen und dann können wir darüber ja bei Gelegenheit mal diskutieren: Volksentscheid Energienetze Hamburg – Keine halben Sachen machen! und natürlich die bereits erwähnten Aussagen von LichtBlick.

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