Ende Gelände setzt Ausrufezeichen gegen Klimakatastrophe und für sozial-ökologischen Umbau

IMG_0209„Ende Gelände im Braunkohlerevier in der Lausitz war eine von Kreativität und Solidarität getragene Aktion zivilen Ungehorsams gegen die Klimakatastrophe und für eine sozial-ökologische Energiewende, die Erinnerungen an die Anti-Atom-Proteste in Gorleben aufkommen lässt“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Obmann der Linksfraktion im Umweltausschuss, der  zusammen mit weiteren Bundestags- und Landtagsabgeordneten seiner Partei als Parlamentarischer Beobachter die Aktionen begleitet hat.

Zdebel, der bereits bei den Aktionen um „Ende Gelände“ im Rheinischen Revier um Garzweiler im vergangenen Jahr als Beobachter vor Ort war, weiter: „Die friedlichen Protestaktionen waren entschlossen, mutig und beeindruckend. Die Formen des Widerstands gegen den Kohleabbau waren vielfältig und reichten von Besetzungen einzelner Gruben, der Blockade der Schienenwege für die Kohlezufuhr zum Kraftwerk Schwarze Pumpe bis zu einer Demonstration von Welzow nach Proschim. Im Vergleich zu 2015 ist mir das weitgehend zurückhaltende und sichtlich um Deeskalation bemühte Auftreten von Polizei und Betreiber Vattenfall aufgefallen. Offenbar sollte sich in der Lausitz nicht wiederholen, was sich im vergangenen Jahr im Tagebau um Garzweiler ereignet hatte, als der Energiekonzern RWE voll auf Eskalation gesetzt hatte und sich Werkschutz von RWE und die Polizei mit den Besetzern heftige Auseinandersetzungen lieferten. Das ist gut so.

‚Ende Gelände‘ macht Mut und stimmt in Sachen Energiewende optimistisch. Der Kohleabbau ist nicht zukunftsfähig. Um die im Dezember 2015 in Paris formulierten Klimaziele zu erreichen, muss der Großteil der Braunkohle im Boden bleiben. Daher fordert DIE LINKE im Bundestag einen schrittweise Ausstieg aus der Braunkohle bis 2035.  Der Strukturwandel ist überfällig und die Beschäftigten brauchen eine Perspektive ohne Klimakatastrophe. Wir brauchen die sozial-ökologische Energiewende!“

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Bohrschlamm-Entsorgung in NRW: Umweltpolitischer Bankrott der Landesregierung

Rot-Grün muss endlich Kumpanei mit Öl- und Gaskonzernen aufkündigen

HubertusZdebel-013„Die vollmundige Ankündigung von NRW-Umweltminister Remmel, er wolle den Import von Bohrschlämmen aus Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen vorläufig stoppen, ist wie eine Seifenblase geplatzt. Das von ihm angekündigte Moratorium wird es nicht geben, stattdessen soll jetzt noch zusätzlicher Bohrschlamm in NRW abgelagert werden. Das ist eine umweltpolitische Bankrotterklärung“, kritisiert Hubertus Zdebel, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags die neueste Erklärung des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums zum Giftmülltourismus von Bohrschlämmen nach NRW. „Ich fordere die Landesregierung auf, die Kumpanei mit Öl- und Gasförderunternehmen sowie Entsorgern aufzukündigen und einen Annahmestopp von Bohrschlämmen in NRW durchzusetzen. Den Gefahren der Öl- und Gasförderung im Bereich der Entsorgung muss endlich Rechnung getragen werden.“

Zdebel weiter: „Die nun veröffentlichte Bohrschlamm-Erklärung dokumentiert eine Unterwerfung unter Konzerninteressen. Dies wird bereits durch die Form des Dokuments deutlich. So erfolgte die Positionierung in einer gemeinsamen Erklärung des NRW-Umweltministeriums u.a. mit den Öl- und Gasförderunternehmen ENGIE E&P Deutschland GmbH, einem Nachfolger von GDF Suez. Damit hat Remmel seine Rolle als Kontrollinstanz der Gaskonzerne aufgegeben und ist ihr williger Partner geworden.

Dies wird auch inhaltlich deutlich. Statt die weitere Verbringung von Schlämmen aus der Grube „Erika“ zu verhindern, stellt das NRW-Umweltministerium nun die Verbringung von gefährlichen Abfällen aus mindesten zehn weiteren Bohrschlammgruben in Aussicht. Dies ist genau das Gegenteil eines Importstopps. Das von Remmel angekündigte Moratorium ist zudem wie eine Seifenblase geplatzt. Die Transporte nach Hünxe sollen lediglich um bis zu 25 % wöchentlich gesenkt werden. Da die Gesamtmenge gleich bleiben wird, wird lediglich die Dauer der Anlieferung zeitlich gestreckt.

Zu den Gesprächen mit Niedersachsen berichtet das NRW-Umweltministerium nichts Neues. Der Politik der niedersächsischen Landesregierung aus SPD und Grünen, ihre Entsorgungsproblematik auf Nordrhein-Westfalen abwälzen, setzt Remmel keinen Widerstand entgegen.

Und als wäre dies nicht genug, versucht das NRW-Umweltministerium in der gemeinsamen Erklärung, den Giftmüllimport als ‚alltägliches Geschäft‘ zu bagatellisieren. Es ist skandalös, dass in dem Papier der Sorge um die ‚Akzeptanz von Sonderabfalldeponien in NRW‘ Ausdruck gegeben wird, während die Sorge um die Gesundheit der Menschen und den Schutz der Umwelt keinerlei Erwähnung finden.“

Bundesregierung muss EU-Atompläne entschieden ablehnen

„Die Vorherrschaft der Atomenergie in Europa muss gebrochen und nicht gestärkt werden“, erklärt Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf die Pläne der EU-Kommission, den Neubau von gefährlichen Atomkraftwerken in Europa künftig stärker zu unterstützen. „Diese Atompläne der EU-Kommission gehören in die Tonne.“ Zdebel weiter:

„Im Angesicht der Riss-Reaktoren von Tihange und Doel und den zahlreichen anderen maroden Reaktoren in Europa die Atomenergie künftig noch stärker fördern zu wollen, ist unverantwortlich. Weil neue Atomkraftwerke aber nur mit staatlicher Hilfe möglich sind, drängt eine mächtige Atomlobby gegen jede Vernunft auf Unterstützung durch die EU-Kommission. Die zigmilliardenschwere Zeche sollen die Bürger zahlen. Dagegen muss es ein unüberhörbares Nein der Bundesregierung geben.

Umweltministerin Barbara Hendricks hatte erst letzte Woche auf meine Nachfrage im Umweltausschuss des Bundestages erklärt, sie halte Reformen am Euratom-Vertrag der EU für nicht erforderlich, obwohl dieser Vertrag aus den 50er Jahren wegen seines Förder-Charakters für die Atomenergienutzung Grundlage der jetzigen Pläne der EU-Kommission ist. Ein starkes Nein gegen die Atompläne in der EU und ein Veto gegen diese Pläne aus Deutschland sind das Gebot der Stunde. Überdies geht Atomenergie mit schweren Unfällen einher, und die Lagerung der Atomabfälle ist ein ungeklärtes Problem für alle Staaten.“

Der europapolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Andrej Hunko, ergänzt: „Ein weiterer Skandal im Zusammenhang mit den neuen Pläne der EU-Kommission ist, dass sie dem EU-Primärrecht entsprechen. Mit der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom als eine Säule ist die EU qua Vertrag auf Atomkraft verpflichtet. Es ist an der Zeit, Euratom endlich abzuschaffen und durch eine europäische Agentur für erneuerbare Energien zu ersetzen.“

Riss-AKWs Tihange und Doel: „Ein gewisses Risiko“ – Abschalten sofort fordert Zdebel!

„Es ist genug. Die belgischen Atommeiler in Tihange und Doel müssen jetzt endlich vom Netz, wenn selbst die belgische Atomaufsicht nach Medienmeldungen „ein gewisses Risiko“ nicht mehr ausschließen kann. Die Meldungen, dass das französischen Unternehmen Creusot Forge in der Vergangenheit wiederholt Großbauteile aus Stahl für Atommeiler geliefert hat, die womöglich gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen, muss dazu führen, dass alle Reaktoren, die beliefert wurden, einstweilen abgeschaltet werden müssen.“

Mit diesen Worten reagiert der aus NRW stammende Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Sprecher für den Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE, auf einen WDR-Bericht. Demnach „hat der Kraftwerksbetreiber Electrabel auf WDR-Nachfrage am Sonntag (15.05.2016) bestätigt“, dass Creusot Forge an die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel „in der Vergangenheit wiederholt Großbauteile aus Stahl geliefert (hat), die womöglich gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen. Creusot Forge steht im Verdacht, jahrelang Materialunterlagen manipuliert zu haben.“

Weiter berichtet der WDR: „Der Mutterkonzern Areva, Electrabel und die belgische Atomaufsicht untersuchen, ob die eingebauten Komponenten Mängel aufweisen. Eine Sprecherin der belgischen Atomaufsicht, Nele Scheerlink, wurde in Medien zitiert, es bestehe ein gewisses Risiko, aber man habe bisher nicht genügend Informationen.“

Energiewende nicht deckeln! Der Protest geht weiter

KeinDeckelFuerSonneUndWind-Maerz2014-HHDer Versuch der schwarz-roten Bundesregierung, nach dem Deckel für die Solarenergie nun auch die Windkraft zu bremsen, hat einen ersten Dämpfer erhalten. Die Aktionen von Ende Gelände in der Lausitz an diesem Wochenende zeigen: Der Widerstand gegen die Klimakatastrophe und für den Ausstieg aus der Braunkohle wächst. Auch die Aktionen in elf Landeshauptstädten und in Berlin für die Rettung der Energiewende, die Mitte letzter Woche stattfanden, zeigen das. „Die Ministerpräsidenten der Länder sind mit den Vorschlägen der Bundesregierung nicht einverstanden“, stellt Roman Denter vom Landesverband Windenergie in Hannover und einer der Organisatoren der Aktionen fest. Auch die über 200.000 Unterschriften, in wenigen Tagen gesammelt, machen ihm Hoffnung, dass die Pläne der Bundesregierung gegen die Energiewende nicht durchkommen.

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