AKW Philippsburg Block 2: Öffentlichkeitsbeteiligung für Stilllegung trotz Weiterbetrieb läuft an – Unterlagen ausgelegt

Bis zum 8. Juni können Einwendungen zum vorgesehenen Rückbau des noch in Betrieb befindlichen AKW Philippsburg 2 erhoben werden. Noch bis zum 31.12.2019 darf das AKW nach dem Atomgesetz am Netz bleiben. Jetzt liegen die Antragsunterlagen öffentlich aus, in denen der Betreiber EnBW seine Vorstellungen zum Rückbau darlegt. Die Unterlagen umfassen den Sicherheitsbericht, die Umweltverträglichkeitsuntersuchung sowie weitere Dokumente, die das Umweltministerium in Baden-Württemberg hier online bereitgestellt hat. BürgerInnen können ihre Kritik per Einwendung formulieren und beim späteren Erörterungstermin vortragen (lassen). Der Block 1 des AKW (auf dem Foto im Hintergrund) ist bereits abgeschaltet und befindet sich im Rückbau. Ein weiteres Genehmigungsverfahren für die Einlagerung von Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im Ausland läuft für das Zwischenlager Philippsburg.

Zu den Unterlagen geht es auch hier (die Links verweisen auf den Server des Umweltministeriums Baden-Württemberg, Stand 17. April 2018)

Der Betrieb des AKW Tihange 2 ist rechtswidrig – Unabhängige Atom-Experten erheben schwere Vorwürfe gegen belgische Atomaufsicht

Der Betrieb des AKW Tihange 2 (und Doel 3) ist rechtswidrig. Die belgische Atomaufsicht verstößt gegen international anerkannte Grundsätze der Atomsicherheit. „Man könnte von einem Genehmigungs-Super-GAU sprechen“ und die Gefahr einer Katastrophe ist „nicht praktisch ausgeschlossen“. Das ist das alarmierende Fazit des ehemaligen Leiters der Abteilung Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Entsorgung des Bundesumweltministeriums, Wolfgang Renneberg, auf einer Fachtagung der Städteregion Aachen am vergangenen Samstag. Angesichts tausender Risse in den Druckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 forderten zahlreiche unabhängige Atomexperten die umgehende Abschaltung dieser Reaktoren.

Renneberg erhebt schwere Vorwürfe gegen die belgische Atomaufsicht FANC. Auf Basis von internen FANC-Berichten kommt Renneberg zu der Auffassung, dass vorhandene Risse im Reaktorbehälter bereits bei der Genehmigung in den 1980er Jahren absichtlich ignoriert wurden, um jahrelange Bauverzögerungen zu verhindern. Renneberg und andere unabhängige Experten der International Nuclear Risk Assessment Group (INRAG) begründeten in Aachen in einer Erklärung (siehe unten) die dringliche Notwendigkeit einer Abschaltung der maroden Atomreaktoren unweit der deutschen Grenze zu NRW.

Bei dieser Einschätzung bekommt Renneberg auch von dem langjährigen Leiter der us-amerikanischen Atomaufsicht NRC (von 2005-2012), Gregory Jaczko, Unterstützung. Angesichts der zahlreichen ungeklärten Fragen über die mehr als 3000 Risse im Block 2 von Tihange und den mehr als 11.000 Rissen in Doel 3 machte er klar, dass diese Reaktoren in den USA abgeschaltet wären. Auch er kritisiert die Atomaufsicht in Belgien massiv, in dem er ihr wirtschaftliche und nicht sicherheitsgeleitete Motive vorwirft: „The overwhelming pressure is to restart the units for financial and energy needs“ (Der überwältigende Druck besteht darin, die Anlagen für den Finanz- und Energiebedarf wieder in Betrieb zu nehmen.)

Vorwürfe einer mangelnden Unabhängigkeit der belgischen Atomaufsicht gibt es immer wieder. So war der jetzige Chef Jan Bens jahrelang beim belgisch/ französischen AKW-Betreiber Engie-Electrabel beschäftigt und Leiter des AKW Doel, bevor er zum obersten Atomaufseher in Belgien bestellt wurde.

Kritik gab es auf der Aachener Tagung auch an der deutschen Unterstützung des Betriebs der belgischen Atommeiler. Die deutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen, beide vom Atomausstieg ausgenommen, liefern den Brennstoff, damit die AKWs weiter in Betrieb bleiben können. Anfragen des MdB Hubertus Zdebel hatten das vor einiger Zeit aufgedeckt. Auch in diesem Jahr gehen die Uran-Exporte weiter. (Siehe hier: Neue Uran-Lieferungen für belgische AKW aus Lingen – Uranfabriken stilllegen)

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), Schirmherr der Veranstaltung in Aachen, fordert zwar die Stilllegung der belgischen Meiler und will angeblich diese Exporte stoppen, lehnt aber die Stilllegung der Uranfabriken bislang kategorisch ab. Das Bundesumweltministerium wiederum hält ein Exportverbot nicht für umsetzbar. Gutachten im Auftrag des BMU haben aufgezeigt, dass und wie die endgültige Stilllegung der Uranfabriken atomrechtlich machbar ist  Die Bundesregierung blockiert aber die Umsetzung. Entsprechende Anträge zur Stilllegung der Uranfabriken haben Hubertus Zdebel und die Fraktion DIE LINKE sowie die Grünen vor kurzem in den Bundestag eingebracht. Die Anträge sind Thema der nächsten – nichtöffentlichen – Sitzung des Umweltausschusses des Bundestages.

Dokumentation der Stellungnahme der INRAG:

„Die internationale Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten „INRAG“ bewertet das Risiko des Betriebs von Tihange 2 wie folgt:

  1. Der Betrieb des Kernkraftwerks Tihange 2 widerspricht international anerkannten Bewertungsmaßstäben für die Sicherheit von Kernkraftwerken!
  2. Die Gefahr eines Versagens des Reaktordruckbehälters ist nach den vorliegenden Untersuchungen nicht praktisch ausgeschlossen.
  3. Eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen aufgrund eines unterstellten Unfalls mit Versagen des Reaktordruckbehälters kann demnach zu einer weiträumigen Unbewohnbarkeit von Landstrichen – bis weit in die Aachener Region hinein – führen.
  4. Der Reaktor hätte mit den jetzt entdeckten Rissen am Reaktordruckbehälter bereits im Jahre 1983 nicht in Betrieb gehen dürfen, sofern diese Risse bereits bei der Herstellung vorhanden waren, wie von Betreiber und Aufsichtsbehörde unterstellt wird.
  5. Solange der Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter nicht erbracht ist, darf der Reaktor nicht betrieben werden.

Der Reaktor muss deshalb nach dem jetzigen bekannten Stand der Untersuchungen einstweilig stillgelegt werden!

Begründung:

Ein Reaktordruckbehälter, der nicht zweifelsfrei die nach zahlreichen Regelwerken und Regeln der Internationalen Atomenergieorganisation erforderlichen Sicherheitseigenschaften aufweist, darf nach Auffassung der INRAG nicht in Betrieb genommen werden.

Auch nach Meinung der belgischen Sachverständigenorganisation (BEL V) und des deutschen Bundesumweltministeriums können die erforderliche Qualität und damit die Sicherheitsreserven des Reaktordruckbehälters auch nachträglich nicht mehr hergestellt werden.

  • Die aktuellen Materialeigenschaften des Reaktordruckbehälters sind nicht mit ausreichender Sicherheit abzuschätzen und nachträglich auch nicht mehr experimentell bestimmbar.
  • Der aktuelle Stand der Versprödung des Reaktordruckbehälters kann nicht mehr mit ausreichender Sicherheit beurteilt werden, weil es keine zweifelsfrei vergleichbaren Materialproben gibt, um den Verlauf der Versprödung ausreichend zuverlässig zu bestimmen. Die vorliegende Berechnung des Betreibers ist methodisch nicht abgesichert und enthält praktisch keine Sicherheitsreserven mehr.
  • Die Herkunft der Risse im Reaktordruckbehälter ist nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt.
  • Ein Wachstum der Risse während des Betriebs kann nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden.
  • Das von der belgischen Aufsichtsbehörde FANC zugelassene Verfahren der Festigkeitsberechnung ist nicht validiert und birgt deshalb ein unzulässig hohes Risiko an Fehlern.
  • Es wurden nicht alle möglichen Störfallsituationen, die für das Kernkraftwerk Tihange 2 gefährlich werden könnten, untersucht.
  • In den Abschätzungen der belgischen Aufsichtsbehörde FANC und des Betreibers wurden bei sicherheitsrelevanten Unsicherheiten für den Nachweiserfolg günstige Materialkennwerte zugrunde gelegt.
  • Eine Risikoanalyse zur Widerstandsfähigkeit des Reaktordruckbehälters unter Zugrundelegung auch ungünstiger Werte wurde nicht durchgeführt.“

22. April – Protest für die Stilllegung des AKW Brokdorf

Für die sofortige Stilllegung des AKW Brokdorf rufen Brokdorf Akut und der BUND Steinburg zur „6. Protest- und Kulturmeile“ (dort auch das Programm) am 22. April 2018 aus Anlass des Tschernobyl-Jahrestages auf. Das AKW ist seit dem ersten April zur jährlichen Revision vom Netz genommen. Dabei wird auch überprüft, ob es weiterhin Rostbildung an den Brennelementen gibt, die im letzten Jahr für eine um Monate verlängerte Abschaltung des Reaktors sorgte (Bislang gibt es keine neuen Befunde berichtet die SHZ). Erst Ende 2021 ist die endgültige Abschaltung vorgesehen. Grundsätzlich bleibt auch im AKW Brokdorf das Risiko schwerster Unfälle bis hin zum Super-Gau bestehen und obwohl die dauerhafte Lagerung radioaktiver Abfälle bis heute völlig ungeklärt ist, wird weiterhin hochradioaktiver Atommüll erzeugt. Weiterer Atommüll soll bis spätestens 2020 aus der Wiederaufarbeitung im britischen Sellafield per Castor-Transport für das Zwischenlager in Brokdorf angeliefert werden.

Rostige Brennelemente

Im letzten Jahr wurden im Zuge des Brennelementewechsels und notwendiger Reparaturen im AKW Brokdorf stark verrostete Brennelemente gefunden, für deren Entstehung es bis heute keine abschließende Ursachenklärung gibt. Dennoch durfte der Reaktor mit einigen Auflagen wieder ans Netz. So wurde die Leistung geringfügig reduziert und dem AKW vorgeschrieben, Leistungsanpasungen langsamer zu vollziehen, als es bislang von E.on/PreussenElektra gemacht wurde.

Um die Rostbildung zu reduzieren, wurde außerdem die Einspeisung von Wasserstoff erhöht. Dadurch aber verspröden die Hüllrohre der Brennelemente schneller, was später bei der Zwischen- und Endlagerung Probleme verursachen könnte. Ob diese Maßnahmen die Rostbildung an den Brennelementen reduzieren wird, wird sich nun herausstellen müssen. Die Initiative „Brokdorf akut“ kritisiert die grün geführte Atomaufsicht, dass ihr wichtige Gutachten zur Rostbildung nicht zugänglich gemacht werden.

Weiterer Atommüll aus Sellafield

Außerdem laufen derzeit die Vorbereitungen, um bis zu sieben weitere Castor-Behälter mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung (WAA) im britischen Sellafield in das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle am AKW Brokdorf zu transportieren. Einen entsprechenden Genehmigungsantrag hat der Betreiber beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) gestellt.

Trotz des Umstands, dass nun verglaster Atommüll und nicht wie bisher abgebrannte Brennelemente in das Zwischenlager sollen, ist davon auszugehen, dass das BfE keine atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung im Genehmigungsverfahren anordnen wird.

Dabei gehen von diesem speziellen Atommüll und den andersartigen Behältern, die zum Transport und zur Lagerung eingesetzt werden, andere Gefahren aus. Während die Castoren mit abgebrannten Brennelementen im Falle von Undichtigkeiten im benachbarten Reaktor repariert werden könnten, ist dies bei den verglasten Abfällen nicht möglich. Diese dürfen nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Damit fehlt in Brokdorf für diese Abfälle eine Reparaturmöglichkeit im Falle defekter Deckel-Dichtungen.

Deshalb fordert die Initiative Brokdorf Akut, dass eine Heiße Zelle im Zwischenlager nachgerüstet werden muss, damit defekte Castoren dort repariert und außerdem weitere Sicherheitsuntersuchungen über die verlängerten Zwischenlagerlaufzeiten an den Behältern stattfinden können. Denn klar ist, dass ein „Endlager“ für diese Abfälle nicht zur Verfügung stehen dürfte, wenn die Genehmigungsfrist von 40 Jahren für das Zwischenlager Brokdorf Mitte der 2040er Jahre auslaufen wird.

Diese Heiße Zelle wird auch notwendig, wenn nach der Stilllegung des AKWs der Rückbau erfolgt und dann auch für die Castoren mit abgebrannten Brennelementen keine Reparaturmöglichkeit mehr vor Ort besteht. Auch andere Anti-Atom-Initiativen – wie z.B. in Esensham/Unterweser, in Grafenrheinfeld und Isar/Ohu – fordern für ihre Zwischenlager die Nachrüstung dieser Reparatureinrichtungen.

In einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) spricht die Behörde jedoch davon, dass es in den Zwischenlagern keine Sicherheitsmängel gibt und erklärt u.a. Heiße Zellen für überflüssig.

Laut Angaben des AKW-Betreibers wird davon ausgegangen, dass der Transport der Sellafield-Castoren nicht vor dem Jahr 2020 stattfinden soll. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Lagerung aller Arten von Atommüll entsprechend den neuen Regelungen in staatliche Kontrolle übergegangen sein und PreussenElektra nicht mehr für die Sicherheit und Kosten der Lagerung haften.

Erneut bedeutet die Einlagerung der Sellafield-Abfälle einen Wortbruch: Bei der Genehmigung Mitte der 2000er Jahre war zugesagt worden, dass nur radioaktive Abfälle, die vor Ort erzeugt würden, im Standort-Zwischenlager Brokdorf eingelagert werden dürften. Vattenfall ist mit 20 Prozent am AKW Brokdorf beteiligt.

Neues Zwischenlager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll

Da sich die Inbetriebnahme des geplanten „Endlagers“ im Schacht Konrad in Salzgitter immer weiter verzögert, wird in Brokdorf wie an vielen anderen AKW-Standorten auch ein neues Zwischenlager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll entstehen.

Brokdorf ist Netz-Verstopfer für Erneuerbare

Das AKW Brokdorf liegt – wie auch das AKW Emsland in Lingen – in einem Netzausbaugebiet und blockiert mit seinem Atomstrom den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Norddeutschland. Im Falle von Netzengpässen werden Windanlagen verstärkt abgeschaltet, das AKW aber bleibt mit einer hohen Leistung online. Eine für die Energiewende sinnvolle frühere Abschaltung der AKW ist jedoch von der Bundesregierung nicht vorgesehen. Auch die Möglichkeit, erforderliche Strommengen-Übertragungen für das AKW Brokdorf zu verweigern, soll nicht eingesetzt werden, um eine frühere Stilllegung zu erreichen.

Stilllegungsgehmigung für AKW Grafenrheinfeld erteilt – Klage für mehr Sicherheit

Das bayerische Umweltministerium hat die Stilllegung und den Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld genehmigt. Die erste Genehmigung und weitere Unterlagen zur Stilllegung von Grafenrheinfeld stellt das Umweltministerium hier zur Verfügung. Eine Übersicht über die laufenden Verfahren zur Stilllegung und den bereits erteilten Genehmigungen liefert der Atommüllreport auf dieser Seite. Weil wichtige Strahlenschutzfragen nicht berücksichtigt werden, prüft der BUND in Bayern, mehr Sicherheit vor Gericht durchzusetzen. Trotz des von E.on/PreussenElektra angestrebten Rückbaus des AKWs werden der hochradioaktive Atommüll und auch die anfallenden leicht- und mittelradioaktiven Abfälle noch für Jahrzehnte vor Ort bleiben, weil es bislang keine „Endlager“ für diese strahlenden Hinterlassenschaften gibt.

Laut Bayerischem Rundfunk geht der Eigentümer E.on/Preußen-Elektra davon aus, dass „ab Mitte Mai erste Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus dem Reaktor in das Zwischenlager am Standort gebracht werden. Ende 2020 sollen alle Brennelemente in Castoren verpackt sein. Wann der eigentliche Rückbau des Kernkraftwerks beginnt, ist noch nicht bekannt. Nach den aktuellen Planungen soll der Rückbau bis 2035 abgeschlossen sein.“

Dokumentation der PM von E.on/PreussenElektra zur Stilllegung:

PreussenElektra erhält Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld

Der Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld (KKG) kann starten: Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat PreussenElektra heute die Ge­nehmigung nach § 7 Abs. 3 des Atomgesetzes zur Stilllegung und zum Abbau des Kern­kraftwerks Grafenrheinfeld erteilt.Das KKG wurde am 27. Juni 2015 nach 33 Jahren erfolgreichem Leistungsbetrieb endgültig abgeschaltet. Das KKG ist das fünfte Kernkraftwerk, das PreussenElektra zurückbaut. Seit April 2017 läuft der Rückbau des Kernkraftwerks Isar 1, am 5. Februar dieses Jahres folgte die Genehmigung für den Rückbau des Kernkraftwerks Unterweser in Niedersachsen. Der nukleare Rückbau des Kernkraftwerks Stade ist weit vorangeschritten und soll in circa vier Jahren abgeschlossen sein. Bereits vollendet werden konnte der nukleare Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen im Jahr 2014.

Umfassendes Wissen für einen sicheren Rückbau vorhanden

„Mit dem Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld setzen wir den Auftrag von Politik und Gesellschaft zur Beendigung der Stromerzeugung aus Kernenergie in die Tat um. Da­für sind wir bestens gerüstet: Mit den beiden Rückbauprojekten Stade und Würgassen verfügen wir über umfassende Kompetenz im Rückbau von Leistungsreaktoren. Das Wis­sen und die Erfahrung, die wir dabei gesammelt haben, kommen nun zum Einsatz und helfen uns, auch die anstehenden Rückbauprojekte sicher und umweltschonend umzuset­zen“, so der für Stilllegung und Rückbau zuständige Geschäftsführer Jan Cornelis Homan.PreussenElektra hat die Stilllegung und den Abbau des KKG im März 2014 beantragt. Im Laufe des Genehmigungsverfahrens wurden insbesondere ein ausführlicher Sicherheits­bericht, eine Kurzbeschreibung sowie eine Umweltverträglichkeits­untersuchung erstellt. Diese lagen zwei Monate zur Einsicht für die Öffentlichkeit aus. Im Erörterungstermin, der im Oktober 2016 stattfand, wurden alle Einwendungen zum Vorhaben eingehend behan­delt.Kraftwerksleiter Bernd Kaiser ergänzt: „Viele Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Jahren mit ihrer planerischen Vorarbeit auf diesen Tag hingewirkt. Wir freuen uns, dass es jetzt losgehen kann. Wir werden die Anlage genauso sorgfältig und umsichtig zurückbauen, wie wir sie über 30 Jahre lang sicher betrieben haben.“

Rückbau erfolgt von innen nach außen

Als nächster Schritt werden nicht mehr benötigte Systeme stillgesetzt und demontiert so­wie logistische Vorbereitungen innerhalb des Kontrollbereichs getroffen, so dass u.a. ein Reststoffbehandlungszentrum für ausgebaute Teile im Reaktorgebäude-Ringraum, im Hilfsanlagengebäude und im Entsorgungsgebäude eingerichtet werden kann. Außerdem wird mit der Demontage der Isolierungen begonnen. Parallel findet ab Mai 2018 der Ab­transport der im Nasslager befindlichen Brennelemente statt.

Rückbau transparent gestalten

„Für die Rückbauarbeiten innerhalb des Kontrollbereichs veranschlagen wir ca. 13 Jahre ab Brennstofffreiheit. In dieser Zeit wird vom voranschreitenden Abbau innerhalb des Re­aktorgebäudes äußerlich nichts zu sehen sein. Gerade deshalb ist es uns wichtig, die Bür­ger hier in der Region mitzunehmen und kontinuierlich über den Fortschritt beim Rückbau zu informieren. Dabei wollen wir möglichst viele Gelegenheiten des persönlichen Aus­tauschs schaffen“, so der Anlagenleiter weiter. „Aus diesem Grund laden wir Medien, Po­litik und Anwohner regelmäßig zu Veranstaltungen ein.“

Zum Hintergrund

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld war von 1982 bis 2015 in Betrieb. Der Druckwasserreaktor hatte eine elektrische Leistung von 1.345 MW brutto. Die Anlage verlor im Rahmen der 13. Novelle des Atomgesetzes ihre Berechtigung zum Leistungsbetrieb und wurde am 27. Juni 2015 endgültig abgeschaltet. Bis zum Ende des Leistungsbetriebes erzeugte das KKG mehr als 333 Mrd. Kilowattstunden Strom bei einer durchschnittli­chen Verfügbarkeit der Anlage von 88 %. 1983 und 1984 war das KKG Weltmeister in der erzeugten Jah­resstrommenge. Dabei knackte das KKG mit 10,5 Mrd. kWh brutto (1984) weltweit zum ersten Mal die Marke von 10 Mrd. kWh erzeugten Stroms in einem Jahr. Derzeit sind am Standort rund 200 PreussenElektra-Mitar­beiter beschäftigt.

PreussenElektra betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Nieder­sachsen) und Isar 2 (Bayern) für die Stromproduktion. Die im Jahr 2011 abgeschalteten Anlagen Isar 1 (Bayern) und Unterweser (Niedersachsen) und das 2015 abgeschaltete Kernkraftwerk Grafenrheinfeld befinden sich im Rückbau. Der nukleare Rückbau des Kernkraftwerks Stade (Niedersachsen) ist weit fortgeschritten und der des Kernkraftwerks Würgassen (Nordrhein-Westfalen) bereits seit 2014 beendet. Ziel der rund 2.000 Mitar­beiter der PreussenElektra ist es, bis 2022 einen wesentlichen Beitrag zur klimaschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Stromerzeugung in Deutschland zu leisten und den sicheren und zuverlässigen Rückbau der still­gelegten Anlagen zu gewährleisten.

Diese Pressemitteilung enthält möglicherweise bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des E.ON-Konzerns und anderen derzeit verfügbaren Informationen beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken und Ungewissheiten sowie sonstige Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Leistung der Gesellschaft wesentlich von den hier abgegebenen Einschätzungen abweichen. Die E.ON SE beabsichtigt nicht und übernimmt keinerlei Verpflichtung, derartige zukunftsgerichtete Aussagen zu aktualisieren und an zukünf­tige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

Experten-Votum für Abschaltung Tihange 2 – Bundesregierung muss handeln – Uranfabriken stilllegen

„Das ist ein einhelliges Votum von Atomexperten, den maroden belgischen Reaktor Tihange 2 vom Netz zu nehmen. Warum eigentlich kommen solche klaren Statements nicht aus dem Bundesumweltministerium? Die belgische Regierung muss diese Stellungnahme ernst nehmen und den Reaktorblock 2 endlich vom Netz nehmen“, fordert Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordner und Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE, als Konsequenz aus den heutigen Ergebnissen einer Expertenanhörung zur fehlenden Sicherheit des belgischen Atommeilers Tihange 2 auf Initiative der Städteregion Aachen.

Den Schirmherren der Veranstaltung in Aachen, Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und seine Partei forderte der Abgeordnete auf. „Setzen Sie sich endlich gegenüber der Bundesregierung und der Kanzlerin dafür ein, dass die deutsche Beihilfe für den Betrieb der maroden belgischen Reaktoren durch Brennstofflieferungen aufhört und die Uranfabriken in Gronau und Lingen endlich abgeschaltet werden. Nur so kann man auch gegenüber der belgischen Regierung eine klare Position für die Forderung nach Abschaltung der AKW untermauern.“

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