Atommüll-Endlagersuche klemmt: Geologiedatengesetz gestoppt – Vermittlungsausschuss muss ran

Die Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll steht vor einem Problem: Der umstrittene Entwurf eines Geologiedatengesetzes ist heute von einer Mehrheit im Bundesrat gestoppt worden. Die weitere Klärung muss nun im Vermittlungsausschuss verfolgen. Mit dem Gesetz soll unter anderem geregelt werden, wie geologische Daten, die für Entscheidungen im Rahmen der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll herangezogen werden, auch für Bürger*innen zugänglich gemacht werden können.

Das Standortauswahlgesetz schreibt eine solche Veröffentlichung vor, damit durch umfassende Transparenz bei den Entscheidungen die Bürger*innen nach dem Desaster beim Gorleben-Verfahren Handlungen von Behörden und Unternehmen kontrollieren können. Der Entwurf der Bundesregierung, der zwar von den Fraktionen der Großen Koalition noch ein wenig nachgebessert worden war, enthält aber eine weitreichende Möglichkeit, mit der private Eigentümer geologischer Daten die Veröffentlichung blockieren können. Außerdem würden in Ostdeutschland viele Daten aus DDR-Zeiten öffentlich sein, die im Westen aufgrund des Privateigentums an solchen Daten nicht zugänglich sind. Mit dieser Entscheidung des Bundesrats könnte der weitere Fahrplan bei der Endlagersuche endgültig aus dem Ruder laufen. Wegen zahlreicher anderer Mängel hatten schon das Nationale Begleitgremium und der BUND ein Moratorium gefordert. Nun steht die für Ende des dritten Quartals von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geplante Veröffentlichung eines sogenannten Teilgebiete-Berichts in Frage, der auf solche Geologiedaten aufsetzt. Ziel ist es jetzt, so der Antrag im Bundesrat, über den Vermittlungsausschuss eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes zu bewerkstelligen.

Atommüll-Endlager: Rücktritt im Nationalen Begleitgremium

Dem unabhängigen „Wächter-Gremium“ über die Suche nach einem Atommüll-Endlager für hochradioaktive Abfälle, dem Nationalen Begleitgremium (NBG), geht – kaum gewählt – ein Mitglied verloren. Nachdem am letzten Montag mit einiger Verspätung endlich das neu zusammengesetzte Gremium eine neue Spitze wählte (und den als Co-Vorsitzenden erwarteten Günther Beckstein nicht wählte), wird wenige Tage später der Rücktritt von Prof. em. Dr. Michael Succow vermeldet. Succow war Professor für Geobotanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald, Träger des Livelihood Award. Das NBG berichtet hier.

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Atommüll hochradioaktiv: Vorerst keine Castor-Transporte aus Sellafield nach Biblis

Hochradioaktiver Atommüll aus der britischen Plutoniumfabrik Sellafield kommt vorerst nicht ins Zwischenlager Biblis. Ein solcher Atomtransport war über den Hafen von Nordenham für Anfang April geplant, doch wegen der Corona-Krise sagte Innenminister Seehofer Mitte März diesen kurzerhand ab: 6000 Polizist*innen waren für die Transportsicherung der brisanten Fracht eingeplant. Der BUND hält diese Atomtransporte ohnehin derzeit nicht für angesagt, weil die Zwischenlagerung dieser in Glaskokillen in Biblis wegen der in mangelhaften Behältern verpackten Abfälle nicht ausreichend sicher durchgeführt werden kann und außerdem Reparatureinrichtungen im Falle von Defekten fehlen. Eine entsprechende Genenehmigung des Bundesamts für die Sicherheit in der kerntechnischen Entsorgung (BASE) hat der Umweltverband wegen der vor kurzem noch unmittelbar bevorstehenden Transporte im Eilfverfahren beklagt. BASE reagierte mit einer Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit der Aufbewahrungsgenehmigung für das Zwischenlager Biblis. Jetzt teilt BASE mit, dass diese Anordnung aufgehoben ist. Es gäbe keine Eilbedürftigkeit mehr, heißt es.

Dokumentation: Das Bundesamt für die Sicherheit in der kerntechnischen Entsorgung teilt mit: Rücknahme aus der Wiederaufarbeitung: BASE setzt Sofortvollzug der Genehmigung aus

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hat die sofortige Vollziehbarkeit der Aufbewahrungsgenehmigung für hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung im Zwischenlager Biblis ausgesetzt. Diese Anordnung war von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung mbH im Januar 2020 beantragt worden, um die Abfälle nach Biblis transportieren zu können, die bei der Wiederaufarbeitung von bestrahlten Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken im britischen Sellafield entstanden sind.

Aufgrund der Eilbedürftigkeit und des mit dem Transport verbundenen erheblichen Planungsaufwandes war zum damaligen Zeitpunkt die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit begründet.

Transport wegen der Corona-Pandemie suspendiert

Am 12. März 2020 hat die Bundespolizei den geplanten Transport der Abfälle von Sellafield nach Biblis aufgrund der Situation rund um die Covid-19-Pandemie suspendiert. Ein Transport hätte nach der Einschätzung der zuständigen Stellen eine zu hohe Gefahr mit sich getragen, dass sich die an dem Transport beteiligten Personen mit Covid-19 infizieren. Derzeit ist nach Angaben der BGZ mbH noch kein Zeitpunkt avisiert, wann der Rücknahmetransport stattfinden kann.

Damit hat sich die Situation so verändert, dass das BASE den Sachverhalt erneut vor der aktuellen gesellschaftlichen Lage überprüft hat. Die erneute rechtliche Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die Eilbedürftigkeit als Grund für eine Anordnung der sofortigen Vollziehung derzeit nicht mehr vorliegt.

Atomtransporte durch Hamburg – Beihilfe zum AKW-Betrieb läuft

Der Handel mit radioaktiven Materialien zum Betrieb von Atomkraftwerken im Transit über Hamburg geht mit zahlreichen Atomtransporten weiter. Nachdem der rot-grüne Senat vor einiger Zeit mit Hafenunternehmen einen freiwilligen Verzicht beim Umschlag mit sogenannten Kernbrennstoffen vereinbart hat, rollen derartige Materialien vor allem auf den Straßen bzw. Autobahnen quer durch Hamburg. Vielfach sind Uran-Brennstoffe aus Schweden in Richtung deutscher (Lingen, Grohnde) und französischer Atomkraftwerke per LKW durch die Elbmetropole unterwegs. Doch auch angereichertes Uran als Hexafluorid wird z.B. von Gronau aus über Hamburg nach Schweden transportiert. Insgesamt 24 solcher Kernbrennstoff-Transporte mit 31 LKWs fuhren zwischen Februar und Ende April durch die Hansestadt. In 20 weiteren Fällen wurden „sonstige radioaktive Stoffe“, die überwiegend zur Herstellung von Atomreaktor-Brennstoff benötigt werden, bei denen aber die Urananreicherung noch nicht stattgefunden hat, über den Hafen transportiert. Oftmals wird Uranhexafluorid in Verbindung mit Canada als Handelsort genannt. Insgesamt 51 Atomtransporte haben also bis Ende April durch Hamburg stattgefunden. Das ergibt sich aus den Antworten des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage Drucksache 22/130 der beiden Linken-Abgeordneten Norbert Hackbusch und Stephan Jersch. (Siehe hier als PDF)

Atommüll-Endlagersuche: Neue Spitze beim Nationalen Begleitgremium – Dank an Klaus Töpfer

Das Nationale Begleitgremium bei der Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll hat heute seine neuen Vorsitzenden gewählt. Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE gratuliert der alten und neuen Vorsitzenden Miranda Schreurs und dem jetzt gewählten Armin Grunwald zu ihrer Wahl:

„Ich gratuliere Miranda Schreurs zur Wiederwahl und Armin Grunwald zur Wahl für den gemeinsamen Vorsitz des Nationalen Begleitgremiums und wünsche den beiden für ihre wichtige Arbeit viel Erfolg. In den nächsten Wochen und Monaten stehen im laufenden Sucherverfahren wichtige Entscheidungen an und es wird schon jetzt erkennbar, dass die Anforderungen an das NBG eher größer als kleiner werden“, sagte der Abgeordnete.

„Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle aber auch dem bisherigen Co-Vorsitzenden Klaus Töpfer, der sich immer engagiert und konstruktiv für eine gutes Verfahren eingesetzt hat und mit seiner Kritik dazu beigetragen hat, dass das Nationale Begleitgremium an Profil und Glaubwürdigkeit gewonnen hat. Das NBG verliert eine starke Stimme. Ich wünsche Herrn Töpfer für seine weiteren Aktivitäten alles Gute.“

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