Atom-Forschungsreaktor Garching bleibt abgeschaltet

Der Atomforschungsreaktor München Garching (FRM II) bleibt vermutlich für den Rest des Jahres weiter abgeschaltet. Erst vor kurzem war ein Störfall bekannt geworden, bei dem es zu erhöhten Emissionen des radioaktiven C-14 gekommen ist. Der Forschungsreaktor ist zum wiederholten Mal abgeschaltet. Das berichtet die Süddeutsche mit Blick auf neue Informationen zu dem Störfall. Auch der BR berichtet. Gegen den weiteren Betrieb haben der BUND und andere Klage erhoben.

Es gibt viele Probleme im Zusammenhang mit dem Atomforschungsreaktor: Zunächst hatte es bei den Lieferungen von hochangereichertem und atomwaffenfähigem Uranbrennstoff wegen erheblicher Terrorschutz-Probleme Versorungsengpässe gegeben.

Weitere Engpässe gibt es, weil das Lager für die abgebrannten Brennelemente langsam voll läuft. Gegen einen Abtransport dieser brisanten Fracht in das Zwischenlager Ahaus in NRW hat die Stadt Ahaus Klage angekündigt. Außerdem hat der Corona-Virus dafür gesorgt, dass geplante Experimente nicht durchgeführt werden können. Immer wieder ist der Reaktor in den letzten Monaten daher abgeschaltet und das wird nun bis Ende des Jahres vermutlich so bleiben, sagt die SZ. Zusätzlich wurde vor kurzem berichtet, dass der Forschungsreaktor Garching für die Medizin-Forschung die ehemaligen Ankündigungen weitgehend nicht erfüllt hat. (Foto: Betreiber, W. Schürmann /TUM)

Auf der langen Bank: Berichte zu Umweltradioaktivität und Strahlenschutz

Umweltradioaktivität und Strahlenschutz? Eigentlich einmal im Jahr wird der Deutsche Bundestag mit einem Bericht über das beim Bundesumweltministerium (BMU) angesiedelte Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) über die Entwicklung der radioaktiven Belastungssituation der Bevölkerung informiert. Eigentlich. Aktuell ist jedoch erst Drucksache 19/18500 (PDF) für das Jahr 2017 (Bundesrat – Top38) anhängig. Die Berichte für 2018 und 2019 fehlen immer noch. Strahlenschutz auf der langen Bank?

Auf Nachfrage teilt das BfS mit, dass der Bericht „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im Jahr 2018“ und der umfangreichere Bericht „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung – Jahresbericht 2018“ sich derzeit in der Endredaktion befindet. Anschließend dürfte dann das BMU den Bericht dem Bundestag zur Kenntnis geben.

Der Jahresbericht 2019 ist laut BfS Angaben aktuell noch in Arbeit, zurzeit würden die für dieses Berichtsjahr erhobenen Daten zusammengeführt. Angeblich müssten „zahlreiche interne und externe Quellen“ berücksichtigt werden sowie eine Qualitätskontrolle und Bewertung erfolgen. Außerdem teilt das BfS mit, dass das neue Strahlenschutzgesetz umfangreiche Änderungen zur Folge gehabt haben soll.

Das Bundesamt scheint sich selbst darüber im Klaren, dass die Verzögerungen kaum akzeptabel sind: „Mittelfristig wird angestrebt, die Zeitspanne zwischen Datenerhebung und Berichterstattung zu verkürzen.“

 

Jede Menge Müll für die örtliche Deponie beim AKW-Rückbau Grafenrheinfeld

Die Arbeiten zum Rückbau des AKW Grafenrheinfeld sind im Gange. Den Stand der Dinge teilt E.on/Preußen Elektra hier mit. Alle bestrahlten Brennelemente sollen noch in diesem Jahr in Castoren verpackt ins benachbarte Zwischenlager. (Siehe hier samt Fotos in der Mainpost vom November 2019). Beim Rückbau fallen unterschiedliche Arten von radioaktiven Abfällen und belasteten bzw. kontaminierten Stoffen an. Eigentlich war vorgesehen, dass Landrat und Bürger*innen miteinander Wege verabreden, wo und wie auch die gering belasteten Rückbau-Abfälle mit erhöhten Schutzstandards deponiert werden können. Im Gespräch war sogar, eine gemeinsame Deponie für alle derartigen Reststoffe aus den Rückbau bayerischer Atommeiler zu errichten. Das aber ist offenbar vom Tisch.

Der BUND im Kreis Schweinfurt und das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft erfuhren entgegen anderer Absprachen aus der Zeitung, wo die Rückbau-Abfälle deponiert werden sollen. Die Mainpost schreibt über „KKG-Bauschutt: Offenheit versprochen, Tatsachen geschaffen„. Sauer sind die fränkischen Atomkraftgegner*innen auch, weil z.B. in Schleswig-Holstein nach Protesten höhere Schutzstandards erreicht werden konnten, schreibt die Mainpost. Diese Chance hat die Kommunalpolitik nun vergeben. Zuvor hatte die Zeitung berichtet: „1850 Tonnen Schutt aus dem KKG landen auf der Rothmühle„. Über eine Protstkundgebung berichtet der BR.

  • Zuvor hatte der BR mitgeteilt: „Bis das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) weitgehend abgerissen sein wird, werden rund 1.850 Tonnen unverstrahlter Schutt auf der Landkreis-Deponie landen. Das teilte der Ausschuss für Abfallwirtschaft des Schweinfurter Kreistages mit.“ Unverstrahlt aber heißt nicht unbedingt ohne Radioaktivät. Sehr gering belastete Abfälle dürfen nach deutschem Recht unterhalb bestimmter Werte deponiert werden.
  • Alles über das AKW Grafenrheinfeld auf umweltFAIRaendern.
  • Über das Freimessen und gering kontaminierte Abfälle auf umweltFAIRaendern.

Japans Bischöfe: Abschaffung der Kernenergie ist wichtiger Punkt für die Nachhaltigkeit der Erde

Kein Wunder, aber: Japans Bischöfe veröffentlichen jetzt ein Buch gegen Atomkraft. Das berichtet „Domradio“ mit Datum 12. Juli 2020. Es geht um eine Positionierung, die bereits nach der Fukushima-Katastrophe erfolgte und als Buch mit dem Titel „Abschaffung der Atomkraft: Ein Appell der katholischen Kirche in Japan“ jetzt als englische Übersetzung veröffentlicht wurde. Es steht nun auf der Webseite der Japanischen Bischofskonferenz zum Download bereit. Bei dem über 200 Seiten umfassenden Buch haben die japanischen Bischöfe „mit japanischen und internationalen Experten zusammengearbeitet, um die durch Fukushima verursachten Schäden sowie die technischen und gesellschaftlichen Grenzen der Kernenergieerzeugung unter ethischen und theologischen Aspekten darzulegen“, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung, in der die „Ablehnung der Atomkraft durch die Kirche“ dargelegt wird.

Weiter ist dort zu lesen: In einer bereits am Mittwoch veröffentlichten Erklärung nannten die Bischöfe die „Abschaffung der Kernenergie“ einen „wichtigen Punkt für die Nachhaltigkeit der Erde“. Papst Franziskus hatte im November 2019 bei seinen Besuchen der 1945 von US-amerikanischen Atombomben verwüsteten japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki die Ablehnung der Atomkraft durch die Kirche betont.“ (Siehe dazu z.B. die Süddeutsche)

Dokumentation Domradio: 12.07.2020: Japans Bischöfe veröffentlichen Buch gegen Atomkraft Nach dem Unfall in Fukushima geschrieben

​Das Buch „Abschaffung der Atomkraft: Ein Appell der katholischen Kirche in Japan“ ist ins Englische übersetzt worden. Es steht nun auf der Webseite der Japanischen Bischofskonferenz zum Download bereit. Die Bischöfe hätten das Buch nach dem Atomunfall 2011 in Fukushima geschrieben, berichtete der asiatische Pressedienst Ucanews am Freitag. Dafür hätten sie mit japanischen und internationalen Experten zusammengearbeitet, um die durch Fukushima verursachten Schäden sowie die technischen und gesellschaftlichen Grenzen der Kernenergieerzeugung unter ethischen und theologischen Aspekten darzulegen.

Ablehnung der Atomkraft durch die Kirche

In einer bereits am Mittwoch veröffentlichten Erklärung nannten die Bischöfe die „Abschaffung der Kernenergie“ einen „wichtigen Punkt für die Nachhaltigkeit der Erde“. Papst Franziskus hatte im November 2019 bei seinen Besuchen der 1945 von US-amerikanischen Atombomben verwüsteten japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki die Ablehnung der Atomkraft durch die Kirche betont.

In Fukushima kam es im März 2011 nach einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem Tsunami zur schlimmsten nuklearen Katastrophe seit Tschernobyl und den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. In der Folge kam es zur Kernschmelze in drei Reaktoren des AKW Fukushima.

In Japan regt sich unterdessen der Widerstand gegen den Plan der Regierung, das radioaktiv verseuchte Kühlwasser von Fukushima ins Meer zu leiten. Das Wasser wurde nach der Zerstörung der Atomanlage zur Kühlung der Brennstoffkerne genutzt und in 960 Tanks gesammelt. Die Speicherkapazität der Tanks ist spätestens 2022 erschöpft. (KNA)

Außerdem Dokumentation der Seite der japanischen Bischofskonferenz: “ABOLITION OF NUCLEAR POWER An Appeal from the Catholic Church in Japan” English version Released,

On March 11, 2011, Japan’s Fukushima Daiichi Nuclear Power Station suffered a serious accident including meltdown.

The bishops of Japan concluded that nuclear power generation should be immediately abolished in the face the insoluble dangers it presents, including widespread health damage to children. They published a book in Japanese, 今こそ原発の廃止を─日本のカトリック教会の問いかけ (https://www.cbcj.catholic.jp/publish/genpatsu/) .The bishops’ Japanese-language book has now been issued in an English version on the Internet for the whole world.

The bishops hope that from various perspectives around the world, the elimination of nuclear power generation proposed in this document will be discussed as an important issue for the sustainability of the earth.

Download

ABOLITION OF NUCLEAR POWER An Appeal from the Catholic Church in Japan
Editorial Committee on Nuclear Power, Catholic Bishops’ Conference of Japan

URENCO: Billig-Entsorgung für abgereichertes Uran

Auf Nachfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel bestätigt die Bundesregierung, dass bis Ende 2020 insgesamt 12.000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid von der URENCO nach Russland transportiert werden. Dort verbleibt der größte Teil des Materials als Abfall, nachdem eine geringe Menge wiederangereichert worden ist. Die URENCO spart auf diesem Weg die höheren Kosten für die Entsorgung dieser Reststoffe als Atommüll.

Der MdB Hubertus Zdebel hatte die Bundesregierung gefragt (siehe Frage 127 in der Drucksache 19/20374):

Frage 06/312: „Wie viel Tonnen abgereichertes Uran sind von URENCO seit dem 2018 geschlossenen Vertrag mit der Fa. Tradewill Ltd., einer Vertriebstochter des Rosatom-Tochterunternehmens Tenex (siehe Antwort der Bundesregierung auf meine Mündliche Frage 24, Plenarprotokoll 19/117) nach Russland transportiert worden, und welche Mengen werden ggfs. aufgrund neuer Verträge oder Zusatzvereinbarungen noch nach Russland transportiert?“

Die Antwort der parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom 25. Juni 2020 lautet: „Gemäß Aussagen der Urenco Deutschland fanden im Jahr 2018 keine Transporte zur Vertriebstochter des Rosatom-Tochteruntemehmens Tenex nach Russland statt. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 8.855 Tonnen UF6 (enthält ca. 5.987 Tonnen abgereichertes Uran) von Gronau nach Russland geliefert. Im vorliegenden Jahr 2020  fanden bisher vier Transporte mit einer Gesamtmasse von ca. 3.520 Tonnen UF6 (enthält ca. 2.380 Tonnen abgereichertes Uran) nach Russland statt. Gemäß Aussage der Urenco Deutschland sollen bis Ende 2020 noch ca. 5.300 Tonnen UF6 (enthält ca. 3.580 Tonnen abgereichertes Uran) nach Russland transportiert werden.

Über weitere Transporte, die über den oben zitierten Vertrag hinausgehen, liegen dem Bundesumweltministerium keine Kenntnisse vor.“

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