AfD will Wiederaufarbeitung atomarer Atomabfälle – Linke kritisiert Atomeinstieg durch die Hintertür

Seit Wochen wird in Medien die Atomenergie als neuer Heilsbringer angepriesen. Gegen alle Fakten wird von tollen neuen Reaktorkonzepten berichtet, die wahre Wunder vollbringen und dann auch noch gegen die Klimakatastrophe helfen. Die AfD im Bundestag muss einen anderen Weg zum Wiedereinstieg in die Atomenergie gehen, denn die Klimakatastrophe existiert für sie ja nicht. Daher will sie neue Atomreaktoren, um die bislang schon angefallenen Atommüllberge mit Atomenergie zu beseitigen. Ein entsprechender Antrag stand heute im Bundestag zur Debatte. Hubertus Zdebel von der Fraktion DIE LINKE machte klar: „Einen Wiedereinstieg in die Atomenergie durch die Hintertür wird es mit der Linken nicht geben.“

Die gesamte Debatte ist hier auf der Homepage des Bundestages im Videoformat und hier im Plenarprotokoll ab S. 18422 nachzulesen.

Diese neuen Anlagen, von denen die AfD in ihrem Antrag spricht, gibt es nicht und müssten erst noch mit hohen Aufwand entwickelt werden. Ob sie je funktionieren werden steht in den Sternen. Doch selbst wenn es sie gäbe: Ihre Risiken und Nebenwirkungen wären unverantwortlich. Die „Partitionierung und Transmutation“ von hochradioaktivem Atommüll ist nichts anderes als die 2005 verbotene Wiederaufarbeitung, bei der serienmäßig atomwaffenfähige Materialien – darunter auch Plutonium – erzeugt würden. Diese neuen Reaktoren würden die Risiken eines militärischen Missbrauchs weltweit enorm verschärfen – und die Notwendigkeit der unterirdischen Lagerung des Atommülls nur wenig reduzieren.

All das lässt die AfD in ihrem Antrag außer Acht, fordert neue staatliche Steuermittel und auch gleich schon mal entsprechende Atomgesetzänderungen! Auch der AfD scheint ein wenig klar zu sein, dass ihre Pläne ein ziemlich brisantes Problem mit Atomwaffen-Risiken mit sich brächten, denn: Neue „Richtlinien zur Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen“ müssten her, heißt es im Antrag.

Die AfD sucht sich für ihre Debatte zum Wiedereinstieg in die Atomenergie über die Wiederaufarbeitung atomarer Abfälle einen strategisch brisanten Zeitpunkt, mit der sie auch weiter an der gesellschaftlichen Spaltung arbeiten kann: Die neu begonnene Suche nach einem Atommüllendlager für hochradioaktive Abfälle ist angelaufen und bundesweit wird nach einem bestmöglichen unterirdischen Standort gesucht. Ende des dritten Quartals sollen die ersten Teilgebiete für das mehrstufige Suchverfahren ausgewählt werden. Schon jetzt machen sich Kommunen und Bürger*innen in vielen infrage kommenden Regionen, in denen es unterirdische Formationen mit Salz, Ton oder Granit gibt, Sorgen, dass sie zum Atommüll-Endlager-Standort werden könnten.

Hintergrund: Verharmlosende Propadanda für neue Atomgefahren

Seit einiger Zeit trommeln interessierte Akteure, auch aus dem Umfeld der AfD-Bundestagsfraktion, für einen Wiedereinstieg in die Atomenergie und fordern dazu mehr staatliche Forschungsmittel. Auf vielfältige Weise werden von vermeintlich neuen Reaktorkonzepten – die es noch gar nicht gibt – Wunderdinge berichtet. Seit einiger Zeit berichten Medien immer wieder über ein Konzept für einen Dual-Fluid-Reaktor, an dem einige Bastler des in Berlin ansässigen Institut für Festkörper-Kernphysik sitzen. Mit dabei bzw. im Umfeld aktiv ist oftmals auch ein z.B. von ehemaligen Mitarbeitern aus Atomkonzernen getragener Verein Nukleria, der auch Vorträge organisiert und zu Pro-Atom-Aktionen aufruft. Im Bayerischen Landtag führte die AfD-Fraktion dazu bereits eine Art Fachgespräch durch. Auch in Dresden lädt die AfD zu Infogesprächen in den Landtag, in Peine befasst sich sogar die CDU mit dem Thema und auch in Hamburg darf unter dem Dach von Vattenfall über die neue Atomenergie und den Dual-Fluid-Reaktor gesprochen werden. (siehe umweltFAIRaendern.de)

 

Atomwaffenfähiges Uran für Forschungsreaktor Garching – Betriebsgenehmigung wird weiter geprüft

Seit Mitte Januar ist der nukleare Forschungsreaktor FRM II in München Garching wieder in Betrieb, nachdem er fast zehn Monate keinen Nachschub an erforderlichen – atomwaffenfähigen – Uran-Brennelementen hatte. Frankreich hatte Sicherheitsbedenken bei den brisanten Atomtransporten angemeldet. Erst Mitte Dezember erreichte in einer strikt geheimen Aktion neuer Brennstoff die Anlage. Auf Nachfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) teilte die Bundesregierung jetzt mit, dass es bei dem Transport zu einem Umschlag der brisanten Fracht mit „zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen und Polizeibegleitung“ von einem „französischen auf ein deutsche(s) Fahrzeug“ gekommen ist. Der Umschlag habe in einem „gesicherten Bereich in Grenznähe“ stattgefunden. Anderen Quellen zufolge ist von einer Militäreinrichtung die Rede. Die Prüfung, ob der Reaktorbetrieb mit diesem hochangereichertem Brennstoff überhaupt noch zulässig ist, läuft nach Angaben der Bundesregierung noch.

Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Bundestagsfraktion DIE LINKE und Mitglied im Umweltausschuss des Bundestages: „Es ist offenkundig, dass wachsende Terrorgefahren nicht nur den Betrieb von Atomanlagen immer riskanter werden lassen. Als Angriffsziele sind auch die brisanten Atomtransporte immer mehr im Fokus und die Schutzmaßnahmen der Sicherheitsbehörden werden offenbar immer umfangreicher; vor allem wenn atomwaffenfähiges Material wie im Fall Garching unterwegs ist. Radioaktive Risiken durch Unfälle und die mit atomwaffenfähigen Brennelementen zusätzlichen Terrorgefahren müssen zur Einsicht und zur Stilllegung des Forschungsreaktors führen.“

Hier im Wortlaut die Schriftliche Frage des MdB Hubertus Zdebel und die Antwort der Bundesregierung. Beachten Sie die weiterführenden Hinweise unten!

Ihre Schriftliche Frage mit der Arbeitsnummer 01/299 vom 23. Januar 2020
(Eingang im Bundeskanzleramt am 27. Januar 2020) beantworte ich wie
folgt:

Frage 01 /299
„ Wie sah nach Kenntnis der Bundesregierung der Ablauf des laut Presseberichten (https://www.n-tv.de/regionales/bayern/Forschungsreaktor-laeuft-wieder-Brennelemente-umgeladen-article21511627.html; https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/ein-eigenes-rechtsgutachten-belegt-der-aktuelle-betrieb-des-forschungsreaktors-garching-ist-illega.html) zwischen deutschen und französischen Beteiligten in einem Transportszenario abgestimmten Verfahrens zum Transport von hochradioaktiven und atomwaffenfähigem Uran in Form von Brennelementen für den Einsatz im Forschungsreaktor FRM II in München Garching inklusive der „grenznahen Umladung“ konkret aus, und welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der Positionierung der bayerischen Staatsregierung zum dort gestellten Antrag des BUND Naturschutz Bayern auf Entzug der Betriebsgenehmigung für den Forschungsreaktor FRM II in Garching (bitte Transportszenario detailliert beschreiben)?“

Antwort von Rita Schwarzelühr-Sutter Parlamentarische Staatssekretärin, Mitglied des Deutschen Bundestages, 3.2.2020:

„Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat auf Antrag der DAHER Nuclear Technologies GmbH vom 22.03.2019 am 02.12.2019 eine Genehmigung für die Beförderung unbestrahlter Brennelemente von Romans/F zur TU München in Garching erteilt.

Die genehmigte Beförderung beinhaltete antragsgemäß den Einsatz sowohl eines französischen als auch eines deutschen Beförderungsmittels. Gegenstand der Genehmigung war u. a. die Verbringung der Brennelemente auf deutsches Hoheitsgebiet zunächst unter Verwendung eines französischen Fahrzeugs. In einem gesicherten Bereich in Grenznähe erfolgte unter zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen und Polizeibegleitung entsprechend den Anforderungen des Atomgesetzes die Verladung der Brennelemente von dem französischen auf ein deutsches Fahrzeug.
Anschließend wurde der Transport der Brennelemente mit dem deutschen Fahrzeug zur TU München in Garching fortgesetzt.

Nach Auskunft des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) liegen aktuell zwei Rechtsgutachten zur Rechtmäßigkeit des Betriebs des FRM II vor: Das von der Technischen Universität München am 16.01.2020 veröffentlichte Gutachten mit dem Titel „Ist der Betrieb des FRM II mit hochangereichertem Uran (HEU) in einer Anreicherung bis 93,2 Prozent U-235 rechtmäßig?“ sowie das am 10.07.2019 veröffentlichte Gutachten „Rechtliche Konsequenzen der Nichteinhaltung der Maßgabe der 3. Teilgenehmigung des FRM-11 zur Umrüstung auf Brennstoff mit abgesenktem Uran-235-Anreicherungsgrad“, welches von einem Konsortium aus BUND Naturschutz in Bayern e.V., der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dem Umweltinstitut München e.V. und den Bürgern gegen den Atomreaktor Garching in Auftrag gegeben wurde.

Beide Rechtsgutachten werden derzeit vom StMUV geprüft und bewertet. Sobald die Prüfung abgeschlossen ist, wird das StMUV den Antrag des BUND auf Untersagung des weiteren Betriebs des FRM II bescheiden.“

Hintergrund:

Im Sommer hatte Umweltorganisationen ein Rechtsgutachten vorgelegt, dass den Betrieb des Forschungsreaktors Garching für rechtswidrig hält. Der BUND Naturschutz in Bayern hat daher von der Bayerischen Staatsregierung den Entzug der Genehmigung gefordert:

Weil das Zwischenlager für den hochradioaktiven und atomwaffenfähigen Atommüll in Garching bald überläuft, sind Atomtransporte in das Zwischenlager nach Ahaus geplant:

Atomenergie: URENCO und Bundeswirtschaftsministerium beraten „Kernbrennstoffe der nächsten Generation“

Das Bundeswirtschaftsministerium und der Urankonzern URENCO beraten über „Kernbrennstoffe der nächsten Generation“. Das teilt die Bundesregierung ohne jeden Kommentar oder Bewertung auf Nachfragen dem Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) mit. Im Übrigen ist das Bundeswirtschaftsministerium wenig mitteilsam zu den konkreten Inhalten eines Besuchs des Wirtschaftsstaatssekretärs Andreas Feicht (CDU) bei der URENCO in Gronau. Dazu erklärt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Sprecher für den Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE:

„Es ist alarmierend, wenn die Bundesregierung und URENCO über ‚Kernbrennstoffe der nächsten Generation‘ sprechen, ohne dass die Bundesregierung deutlich macht, welche Risiken damit verbunden sind.

URENCO will in den USA sogenannten HALEU-Brennstoff herstellen. Dieser neuartige Brennstoff wird auf bis zu 19,75 Prozent Uran 235 angereichert und ist damit fast atomwaffentauglich. Dieser Brennstoff könnte auch für militärische Zwecke, zum Beispiel für die Stromerzeugung in neuartigen Mini-Reaktoren eingesetzt werden. Die Bundesregierung lässt es damit zu, dass mit deutscher Beteiligung URENCO klammheimlich die Grenzen der Verbreitung von Atomwaffen-Material weiter absenkt und sogar die Entwicklung neuer Atom-Reaktoren unterstützt. Das ist unverantwortlich. Die Bundesregierung muss in den URENCO-Kontrollgremien mit ihrem Vetorecht dafür sorgen, dass diese Planungen eingestellt werden.“

Zu den Hintergründen hier weitere Informationen:

Im Wortlaut:

Frage 12

Antwort

des Parl. Staatssekretärs Christian Hirte auf die Frage des Abgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE):

Ist nach Kenntnis der Bundesregierung beim Besuch von Staatssekretär Andreas Feicht bei der Urenco in Gronau im Beisein auch der Enrichment Technology Company (ETC), bei dem sich der Staatssekretär „verbunden mit der Firma“ zeigte und „für die offene und transparente Informationspolitik der Bundesregierung gegenüber“ dankte, konkret auch über die Urenco-Lieferungen von Uran für US-Reaktoren zur Herstellung von Tritium für US-Atomwaffen und die Urenco-Entwicklung eines Mini-Atomreaktors (Uranbatterie) gesprochen worden, und, wenn ja, mit welchem Ergebnis (https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/4084767-Informationsaustausch-vor-Ort-Staatssekretaer-besucht-Urenco)?

Antwort

Zur Erörterung der in der Frage aufgeworfenen Komplexe gab es keinen Anlass.

Frage 13

Antwort des Parl. Staatssekretärs Christian Hirte auf die Frage des Abgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE):

Ist nach Kenntnis der Bundesregierung beim Besuch vom Staatssekretär Andreas Feicht bei der Urenco in Gronau im Beisein auch der Enrichment Technology Company (ETC), bei dem sich der Staatssekretär „verbunden mit der Firma“ zeigte und „für die offene und transparente Informationspolitik der Bundesregierung gegenüber“ dankte, konkret auch über die Herstellung von höher angereichertem HALEU durch Urenco-USA (Bundestagsdrucksache 19/15023) sowie über die laufenden Uranexporte nach Russland (Plenarprotokoll 19/117, mündliche Frage 24) gesprochen worden, und, wenn ja, mit welchem Ergebnis (https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/4084767-Informationsaustausch-vor-Ort-Staatssekretaer-besucht-Urenco)?

Antwort

Bei dem Besuch von Staatssekretär Andreas Feicht in Gronau am 20. Dezember 2019  wurden mit Vertreterinnen und Vertretern des Unternehmens Urenco und des Unternehmens Enrichment Technology Company wirtschaftliche,  nichtverbreitungspolitische und technische Fragen erörtert. Bei dem Thema „Kernbrennstoffe der nächsten Generation“ unter anderem für modular aufgebaute Forschungsreaktoren wurden seitens der Urenco die Perspektiven von im oberen Bereich niedrig angereichertem Uran summarisch beschrieben.

Kohleheizkraftwerk Wedel: Betrieb kann für Klimaschutz gedrosselt werden

Vor wenigen Wochen hatte die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft den Vorschlag gemacht, das veraltete und klimaschädliche Heizkraftwerk Wedel wenigstens in den Sommermonaten abzuschalten. SPD und Grüne sowie CDU und Co lehnten das Ansinnen komplett ab. Jetzt legt die Energienetzgenossenschaft eine Studie des Ökoinstituts Freiburg vor, in der ein gedrosselter Betrieb von Wedel als klimapolitisch bedeutsam und wirtschaftlich machbar beschrieben wird. Darüber berichten auch der NDR und andere. UmweltFAIRaendern dokumentiert unten die Studie und die Zusammenfassung der Energienetzgenossenschaft.

Seit Jahren laufen Auseinanersetzungen über den Ersatz des maroden Kohle-Meilers Wedel. Vattenfall hatte den Plan, Wedel durch das nächste Kohlemonster Moorburg zu ersetzen und damit für rund 30 Jahre die Kohle in der Fernwärme- und Stromerzeugung festzuschreiben. Durch den erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ musste die SPD von diesen Plänen Abstand nehmen, denn nach der vollständigen Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze ist auch eine Ausrichtung der Energieversorgung auf erneuerbare Energie und mehr Klimaschutz vorgeschrieben. Dennoch sind die Planungen für einen Ersatz von Wedel mehr als nur schleppend. Daran hat auch die grüne Umweltbehörde bislang wenig geändert. Dies ist nicht nur klimapolitisch ein Ärgernis. Das Heizkraftwerk Wedel wird auch mit schädlichen Emissionen in Verbindung gebracht, die möglicherweise gesundheitsschädigend sind und die Nachbarn in der Umgebung gefährdet. Weiteren Druck macht dem rot-grünen Senat die angenommene Volksinitiative Tschüss Kohle. Neben dem Abschalten von Wedel geht es dabei auch um das ebenfalls mit Kohle befeuerte Heikraftwerk Tiefstack, das deutlich vor 2030 abgeschaltet werden soll, so die Vereinbarung zwischen der VI und dem Senat.

 

Dokumentation von der Seite der Energienetzgenossenschaft Hamburg:
Öko-Institut-Gutachten empfiehlt Wedel-Kraftwerk im Sommer mit reduzierter Leistung zu fahren

Hamburg, 31.1.2020 Die EnergieNetz Hamburg eG hat heute die Ergebnisse des von ihr beim Öko-Institut in Freiburg beauftragten Gutachtens zum Sommerbetrieb des Heizkraftwerk Wedel vorgestellt.

Als Ergebnis wird festgestellt, daß anhand der vorliegenden Informationen ein reduzierter Betrieb des HKW Wedel ohne Gefährdung der Wärme- und Stromversorgung möglich ist. Die Autoren des Gutachtens, die auch ähnliche Fragestellungen beim Münchner Kohlekraftwerk untersucht haben, empfehlen der Freien und Hansestadt Hamburg eine veränderte Fahrweise der Anlage in Wedel, die die Versorgungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig den jährlichen Einsatz an Kohle deutlich reduziert. Die Gutachter beschreiben zwei Umsetzungsalternativen: Entweder die Vorgabe eines Jahres-Kohle-Budgets oder die Beschränkung der Stromerzeugung im Sommer auf die technisch erforderliche Mindestlast. Sie empfehlen ein Jahres-Kohle-Budget, da es mehr Flexibilität für die Betreiberin bietet.

Ein reduzierter Einsatz der Anlage in Wedel führt zu Erlöseinbußen. Diese Einbußen sollten von der Stadt Hamburg als Eigentümerin der Wärme Hamburg GmbH getragen werden und nicht auf die Wärmekunden umgelegt werden.

Den Mehrkosten bei der Wärme Hamburg steht eine deutliche CO2-Minderung gegenüber. Die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen wird vorrausichtlich für die Stadt Hamburg mit CO2-Minderungskosten verbunden sein, die niedriger liegen als die anderer Klimaschutzmaßnahmen im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Deshalb ist damit zu rechnen, dass eine sachgerecht ausgestaltete Beschränkung des Betriebs des HKW Wedel eine für Hamburg relativ kostengünstige Maßnahme zur CO2-Reduktion darstellt.

Gleichzeitig werden durch eine verringerte Stromproduktion im Kraftwerk Wedel alle Strom-verbraucher in Hamburg unmittelbar durch geringere Umlagen für vermiedene Netznutzungsentgelte entlastet. Dies ist ganz im Sinne einer sozial gerechten Energiewende, der sich Hamburg bereits im Klimaschutzgesetz vom Juni 2019 verpflichtet hat.

Matthias Ederhof dazu: „Die Gutachtenergebnisse sind ein direkter Arbeitsauftrag für die am 23. Feb. neu zu wählende Hamburger Bürgerschaft und den dann neu zu bildenden Senat. Die Wärme Hamburg braucht jetzt schnell eine politische Vorgabe für eine klimaschutz-orientierte Fahrweise der beiden städtischen Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack.Im Einklang mit dem Hamburger Klimaschutzgesetz ergibt sich dadurch für die Stadt Hamburg die Möglichkeit, kurzfristig und eigenverantwortlich die größtmögliche CO2 Einsparung im Bereich der Energieversorgung umzusetzen, alle Stromverbraucher Hamburgs zu entlasten ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.“

Hintergrund und Anlass des Gutachtens:

Im Zuge der vollständigen Rekommunalisierung der Wärmeversorgung wurde auch das kohlebefeuerte Heizkraftwerk (HKW) Wedel im September 2019 von der Wärme Hamburg GmbH übernommen. Es speist Wärme in das zentrale Fernwärmenetz der Wärme Hamburg  und Strom in das 110 KV-Netz der Stromnetz Hamburg ein. Die Hamburgische Bürgerschaft hat im KlimSchGesetz vom Juni 2019 beschlossen, dass der Einsatz von Stein- oder Braunkohle in den eigenen Anlagen zur Wärmeerzeugung bis spätestens Ende 2030 eingestellt und im Zeitraum davor  „den Einsatz von unmittelbar aus Stein- oder Braunkohle produzierter Wärme […] möglichst weitgehend zu vermeiden.

Der Gutachtenauftrag an das Ökoinstitut in Freiburg lautete: „Möglichkeiten eines reduzierten Sommerbetriebs des Kohleheizkraftwerks Wedel“

Hier das vollständige Gutachten vom 30.1.2020 zum Download…

AFD, CDU, Nuklearia, Vattenfall, neue Atomfantasien und der verschwundene Atommüll

Die AFD auf Atomkurs. Voll die verstrahlte Sache für das Volk, das muss man doch mal sagen dürfen. Weil es nach AFD aber keine Klimakatastrophe gibt, muss die neue Atomkraft eine andere Wunderheilung erreichen: Die neue Atomkraft per Reaktor, den es noch gar nicht gibt: den Atommüll der alten Atomkraft verschwinden lassen. Wie das genau gehen soll und was wir dafür tun müssen, will die AFD mit einem Antrag im Deutschen Bundestag dem deutschen Volke erklären. Eigentlich war das schon für diese Woche vorgesehen, nun soll es in der nächsten Sitzungswoche passieren. Dann wird es vermutlich u.a. um eine Studie gehen, die das Bundeswirtschaftsministerium finanziert hat – und um weiteres Geld. Auch in den Reihen der CDU wird man dann konzentriert zuhören: Ingrid Pahlmann z.B., Abgeordnete aus Peine. Ihr Kreisverband „informiert“ am 5.2. über den „Dual-Fluid-Reaktor“, der „Kernenergie ohne Endlager“ (PDF) verspricht. Da passt es ja ganz gut, wenn die CDU-Wirtschaftexperten schon wieder die Rückkehr zur Atomenergie herbeiwünschen (Spiegel). Zwar ist Atomkraft viel zu teuer und kann allein wegen des zeitlichen Vorlaufs keine Lösung gegen die Klimakatastrophe sein, aber so what? Und auch Vattenfall ist – Fukushima hin oder her – von der Atomenergie irgendwie weiterhin angetan: Jedenfalls lässt das Unternehmen am 3.2. im Headquarter in Hamburg über „Kernenergie – der Weg aus der Klimakrise“ (PDF) vortragen. Man muss ja aus den Wahnsinn der Vergangenheit nichts dazu lernen – oder?

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Dokumentation von der Homepage der Kerntechnischen Gesellschaft Veranstaltung bei Vattenfall

Vortrag: Kernenergie – der Weg aus der Klimakrise

von Rainer Klute, Vorsitzender Nuklearia e. V.
Montag, 03. Februar 2020, 19:00 Uhr
Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH,
Überseering 12, 22297 Hamburg

Angesichts des Klimawandels hat sich die Welt eine CO2-neutrale Stromerzeugung bzw. Energieversorgung auf die Fahnen geschrieben. Der Vortrag beleuchtet, wie Deutschland damit vorankommt. Eine wesentliche Einflussgröße ist die CO2-Intensität der verschiedenen Stromerzeuger. Wie setzt sich unser Strommix zusammen? Schaut man nicht nur auf die Jahressummen der Stromproduktion, sondern auch auf den einzelnen Moment, wird deutlich: Eine zuverlässige und zugleich CO2-freie Stromversorgung ist allein mit Sonne und Wind nicht möglich.

Wenn wir wirklich die CO2-Emissionen massiv senken wollen, muss Kernenergie Teil der Lösung sein. Immer mehr nationale und internationale Akteure schließen sich dieser Auffassung an. Der Vortrag nennt einige aktuelle Beispiele.

Kernkraft kann mehr als nur CO2-Vermeidung; auch dazu reißt der Vortrag einige Punkte an. Er geht außerdem kurz auf die typischen Argumente von Atomkraftgegnern ein und widerlegt das relativ neue Argument, Kernkraftwerke brauchten eine zu lange Bauzeit und kämen daher viel zu spät.

Rainer Klute ist im Jahr 1961 geboren, Diplom-Informatiker, verheiratet und lebt in Dortmund. Er ist als Datenschutz- und Qualitätsbeauftragter der itemis AG in Lünen tätig. In Folge des Reaktorunglücks in Fukushima begann er, sich intensiv mit der Kernenergie und Strahlung zu beschäftigen, und wurde dadurch zum Kernenergiebefürworter.

Er ist davon überzeugt, dass sich mit Kernenergie die Ziele für eine lebenswerte und gesunde Umwelt, wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel und eine zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung am besten erreichen lassen.

Seit 2013 ist Rainer Klute Vorsitzender des Nuklearia e. V., der sich für eine neue Sicht auf die Kernenergie in Deutschland einsetzt. Herr Klute ist Gründungsmitglied der „Nuclear Pride Coalition“.

Im Anschluss an den etwa einstündigen Vortrag wird es ausreichend Gelegenheit für weitere Diskussionen geben.

Interessierte KTG-Mitglieder sowie Freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen.

Mit freundlichen Grüßen

Helge Gottschling
Kassenwart der KTG-Sektion NORD

Wir bitten um eine namentliche Anmeldung der Teilnehmer bis zum 31. Januar 2020 über helge.gottschling@vattenfall.de.

Hier finden Sie die Einladung zur Veranstaltung.

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