Die Sache mit den radioaktiven SMRs. Neue Atomreaktoren in Polen in Kooperation mit Westinghouse? Risiken und Mängel

Die Sache mit den radioaktiven SMRs. Neue Atomreaktoren in Polen in Kooperation mit Westinghouse? Risiken und Mängel

Was zu den Plänen in Polen in Sachen Atomenergie noch mal zu ergänzen bzw. nachzutragen ist. Jenseits der Frage, was die USA in Polen derzeit planen, um die EU weiter zu spalten und welche Rolle dabei die Atomenergie spielen könnte, um Polen langfristig an die Energiepolitik der USA zu binden? Polen will Atomenergie, statt Kohle und in jedem Fall mal nicht diese versiffte Erneuerbare Energie called Wind, Solar und mehr. Was ist technisch an den neuen Reaktormodellen zu monieren, die in Polen auf Kosten von Steuerzahler*innen finanziert und gebaut werden sollen? Da ist immer wieder von Westinghouse die Rede. Zu den Planungen gibt es eine Stellungnahme „UVP-VERFAHREN ZUM GEPLANTEN NEUBAU VON SMALL MODULAR REACTORS (SMR) IN POLEN Fachstellungnahme zum BWRX-300“ (PDF) verfasst von Oda Becker, Kurt Decker, Manfred Mertins, Gabriele Mraz im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft. Verfasst im November 2024. Hier ist das auch noch mal direkt als PDF.

Dokumentation, siehe auch:

Wiener Umweltanwaltschaft: Positionen und Stellungnahmen und darin noch viel mehr in Sachen SMR Atomreaktoren.

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Strategie für Small Modular Reactors (SMR), die 2026 präsentiert werden soll. Das Städtenetzwerk Cities for a Nuclear Free Europe (CNFE) mit Wiener Vorsitz und die WUA haben sich in diesen Prozess eingebracht, um auf Risiken und unrealistische Erwartungen rund um SMR aufmerksam zu machen. Ebenso wurde die Bedeutung eines schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien betont.

Wie bereits umfangreich von der WUA beschrieben, gelten SMR als neues, bislang jedoch unerprobtes Reaktorkonzept. Sie sollen von der Leistung her kleiner sein als aktuelle Reaktortypen und darüber hinaus eine modulare Bauweise aufweisen. Allerdings existiert bis heute keine kommerziell eingesetzte Anlage. Viele Entwicklungsprojekte wurden in den letzten Jahren wegen technischer Schwierigkeiten oder mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Die Vorstellung, dass SMR einen relevanten Beitrag zu den europäischen Klimazielen bis 2050 leisten könnten, ist daher wenig realistisch. Bevor neue Reaktorlinien in Serienproduktion gehen können, müssen sie erst langwierig geprüft und getestet werden. Dies ist ein Prozess, der Jahrzehnte dauern kann.

Zusätzlich wirft die Technologie erhebliche Sicherheitsfragen auf. Eine Analyse der WUA zeigt, dass für wirtschaftlichen Betrieb hunderte solcher Reaktoren errichtet werden müssten. Damit würden zwangsläufig viele Anlagen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten entstehen und damit neue Sicherheitsrisiken einhergehen. Die vollständige Studie bietet einen detaillierten Überblick über technische, wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Herausforderungen der SMR.

Keine Alternative zum Ausbau erneuerbarer Energien

Während Atomkraft weiterhin mit hohen Kosten, langen Bauzeiten und ungelösten Entsorgungsfragen verbunden ist, entwickeln sich erneuerbare Energien dynamisch und wirtschaftlich deutlich attraktiver. Windkraft und Photovoltaik haben in den vergangenen Jahren einen markanten Preisverfall erlebt und ermöglichen einen raschen, kostengünstigen Ausbau. Allein 2024 wurden in der EU rund 80 GW Leistung im erneuerbaren Bereich installiert. Insgesamt gibt es bereits rund 850 GW. Verglichen mit etwa 100 GW im gesamten europäischen Nuklearbereich, ist das Potenzial der Erneuerbaren somit ungleich höher.

Die WUA warnt gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen davor, finanzielle Ressourcen in Technologien zu binden, die weder rechtzeitig verfügbar noch wirtschaftlich konkurrenzfähig sind. Für eine erfolgreiche Energiewende braucht es Maßnahmen, die rasch wirken. Der Ausbau von Wind, Sonne und anderen nachhaltigen Energieformen ist dafür der effektivste Weg.

Dirk Seifert

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