Urananreicherung in Deutschland – Modernisierung läuft – Sicherheitsbegutachtung PSÜ abgeschlossen

Unter der schwarz-grünen Landesregierung in NRW wird die Urananreicherung der URENCO in Gronau mit Milliarden-Investitionen modernisiert und ertüchtigt. Vom Atomausstieg ist diese Uranfabrik ausgenommen. Hier wird das für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz in konventionellen Atomkraftwerken notwendige Uran angereichert. Ein technisch überaus anspruchsvoller Vorgang, bei dem die sensiblen Zentrifugen mit enormen Geschwindigkeiten rotieren, um das spaltbare Uran235 auf einen Anteil von drei bis fünf Prozent im gasförmigen Natururan zu erhöhen. Nur so kann die Kernspaltung in herkömmlichen Reaktoren funktionieren. Eine alle zehn Jahre nach Atomrecht erforderliche Periodische Sicherheitsüberprüfung PSÜ, die 2021 gestartet wurde, ist jetzt offenbar abgeschlossen. Die URENCO begeht grad ihr 40. Betriebsjubiläum, wie die Westfälischen Nachrichten berichten. Der Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und andere Oranisationen fordern die Stilllegung der Uranfabriken, um die Atomenergie auch international zu beenden. (Foto: URENCO)

URENCO ist nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ins Zentrum der weltweiten Uran-Geschäfte gerückt. Das Unternehmen betreibt unter strengen internationalen Kontrollen Urananreicherung in Almelo (NL), Capenhurst (GB), New Mexico (USA) und in Gronau in der Bundesrepublik. Dieser Tage begeht die deutsche Anlage ihren 40. Jahrestag der Inbetriebnahme.

Neben der Modernisierung von Zentrifugen, deren Einbau unter strenger Geheimhaltung erfolgt und wozu die Ministerien und das Unternehmen keine konkreten Angaben machen, soll außerdem ein Lager für abgereichertes Uran in Betrieb genommen werden. Dazu laufen die atomrechtlichen Vorbereitungen heißt es. Außerdem wird geprüft, eine Anlage für den Umgang mit kontaminierten, ausgemusterten Uran-Zentrifugen auf dem Gelände in Gronau zu errichten.

  • Einige Medien berichten derzeit davon, dass Russland möglicherweise eine neue, wesentliche effizientere Generation von Ultra-Gaszentrifugen in die letzte Testphase vor dem kommerziellen Einsatz schickt. Die Maschine läuft offenbar unter dem Kürzen HZ-10. Unter dem Dach von Rosatom ist das für Uran und Brennelemente zuständige Unternehmen TVEL mit der Entwicklung befasst. Dazu ein Bericht hier online – die Qualitität der Quelle ist von umweltFAIRaendern.de noch nicht überprüft. Allerdings berichtet auch die World Nuclear News über diese neue Entwicklung der russischen Uran-Anreicherung. Die USA hatten in den letzten Jahrzehnten die Fähigkeit einer eigenen modernen Urananreicherung technisch verloren und sind seit einigen Jahren mit hohen Kosten dabei, eine eigene Zentrifugen-Technik zu entwickeln und zu installieren. Dazu konzentrieren sich die USA auf die Anreicherungstechnik in Verbindung mit höher angereichertem Uran bis knapp unter 20 Prozent. Dazu bedienen sich die USA auch der teilweise deutschen Unternehmung URENCO, die am Standort in den USA demnächst die Urananreicherung von bis zu zehn Prozent angereichertem Uran starten will. Die neuen Uran-Brennstoffe firmieren unter dem Namen HALEU. Dazu Informationen auf umweltFAIRaendern.

Nachdem mehrfachen Super-Gau in Fukushima und dem Atomausstieg in Deutschland ist die Produktion von angereichertem Uran rückläufig gewesen. Nun ist das Unternehmen dabei, neue Zentrifugen zu installieren und die Produktion schrittweise auf die genehmigten Höchstmengen (4.500 t UTA/a) heraufzufahren.

Hintergrund sind Bemühungen, den Weltmarktführer Russland unter der Leitung des Atomkonzerns Rosatom mit seinen weltweiten Anreicherungsdienstleitungen zu verdrängen. Dazu werden in den USA und der EU Schritte eingeleitet. Allerdings gibt es keine Sanktionen oder gar einen Boykott, die den Betrieb von Atomkraftwerken gefährden könnte. Auch in den anderen Staaten ist URENCO dabei, die Kapazitäten der Urananreicherung auszubauen und zu erweitern.

In der Uranfabrik wird vor allem mit radio-toxischen Uranhexafluorid (UF6) hantiert. Vor allem chemisch ein extrem reaktionsfreudiges Fluor-Uran-Produkt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um mittel- oder hochradioaktives Material.

Auf der Homepage der Atomaufsicht NRW ist außerdem zu lesen, dass die vom Unternehmen im Rahmen der PSÜ vorgelegten Unterlagen und Gutachten anschließend überprüft worden sind. Dazu waren externe Gutachter am Start: „Von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde waren dazu als unabhängige Gutachter beauftragt worden: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS (Köln), Öko-Institut (Darmstadt) und TÜV SÜD (München).“

Weiter teilt das Ministerium auf der genannten Homepage mit: „Das Ergebnis der periodischen Sicherheitsüberprüfung 2021: Es gibt zur Abwehr von Gefahren oder zur Einstellung des Betriebs der Anlage aus Sicht der Atomaufsichtsbehörde keinen Handlungsbedarf. Gleichwohl sind Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde prüft deshalb fachlich die von den Gutachtern ausgesprochenen Empfehlungen.“

 

 

 

Dokumentation von der Homepage des Wirtschaftsministeriums NRW, 18.8.2025:

Urananreicherung

Urananreicherungsanlage Gronau

Am Standort Gronau betreibt die Urenco Deutschland GmbH die Urananreicherungsanlage Gronau. Die Urenco Deutschland GmbH ist ein Tochterunternehmen der Urenco Enrichment Company Limited mit Sitz in Großbritannien. Weitere Anreicherungsanlagen der Urenco Gruppe befinden sich in Großbritannien, in den Niederlanden und in den USA. Anteilseigner der Urenco-Gruppe sind je zu einem Drittel die Niederlande und Großbritannien im Rahmen staatlicher Beteiligungen und die deutschen Firmen RWE und PreussenElektra.

Das Wirtschaftsministerium NRW ist die zuständige atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde über die Urananreicherungsanlage Gronau (UAG). Sie hat im Jahr 1981 die erste nach § 7 Atomgesetz (AtG) notwendige Genehmigung für deren Errichtung erteilt. Die UAG wurde 1985 mit einer Trennleistung von 400 t UTA/a in Betrieb genommen (UTA = Urantrennarbeit). Letztmalig erfolgte eine atomrechtliche Genehmigung für den weiteren Ausbau und den Betrieb der Anlage im Jahr 2005. Genehmigt wurden u. a. die Erhöhung der Trennleistung von 1.800 t UTA/a auf bis zu 4.500 t UTA/a sowie die Errichtung und der Betrieb eines Uranoxid-Lagers. Das Uranoxid-Lager ist bereits 2014 am Standort Gronau errichtet worden. Seine nukleare Inbetriebnahme ist nach aktuellem Stand für 2025 vorgesehen und bedarf der Zustimmung durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde.

In der UAG wird Natururan in Form von Uranhexafluorid (UF6) mit einem Anteil von spaltbarem Uran-235 von 0,7 % mit Hilfe von Gasultrazentrifugen auf den für den Einsatz in Kernkraftwerken benötigten Gehalt von 5 % U-235 angereichert. Die Urananreicherung nach dem Gasultrazentrifugenprinzip ist die weltweit modernste und effizienteste Methode. Die Zentrifugentechnologie wurde aufgrund der Gefahren der Proliferation daher als „Geheim“ eingestuft. Aus dem durch die Anreicherung erzeugten „Product“ werden im Ausland wie auch in der einzigen in Deutschland ansässigen Brennelementfabrik in Niedersachsen Brennelemente für den Einsatz in Kernkraftwerken hergestellt. Es findet somit keine direkte Belieferung von Kernkraftwerken durch die Urenco Deutschland GmbH (Urenco D) statt.

Neben dem Wirtschaftsministerium NRW als staatlich zuständiger Atomaufsicht unterliegen die Tätigkeiten der Urenco D der Überwachung durch weitere Behörden; dazu zählen unter anderem

  • IAEA/Euratom für die Überwachung der sicheren Verwendung nuklearen Materials,
  • das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) für die Genehmigung der Beförderung von „Kernbrennstoffen“
  • für die Genehmigung der Beförderung „Sonstiger radioaktiver Stoffe“ die Bezirksregierung Münster (Straßen und Wasserwege) und das Eisenbahnbundesamt (bundeseigenes Schienennetz)
  • das Bundesumweltministerium (BMUV) für die Überwachung der Einhaltung der Verträge von Almelo, Cardiff, Washington und Paris betreffend die Zentrifugentechnologie
  • das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für Exportgenehmigungen

Genehmigungsantrag für ein Zentrifugenlager

Die Urenco D hat mit Schreiben vom 25. Oktober 2024 die Errichtung und den Betrieb eines neuen Zentrifugenlagers beim Wirtschaftsministerium NRW beantragt. Dort sollen defekte Zentrifugen bis zu ihrer aus Geheimhaltungsgründen komplexen Verwertung in einem noch in Planung befindlichen speziellen Reststoffbearbeitungszentrum am Standort der UAG gelagert werden.

Der Genehmigungsantrag für das Zentrifugenlager wird vom Wirtschaftsministerium NRW gemäß den Vorgaben der atomrechtlichen Verfahrensverordnung (AtVfV) geprüft. In einem ersten Schritt wurde eine allgemeine Vorprüfung zur Feststellung der Umweltverträglichkeitsprüfungspflicht (UVP-Pflicht) gemäß dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) durchgeführt. Die Prüfung hat ergeben, dass eine UVP für die Errichtung und den Betrieb eines Zentrifugenlagers nicht erforderlich ist. Durch die beantragte Änderung der bestehenden Gesamtanlage werden keine zusätzlichen oder anderen erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen hervorgerufen.

Periodische Sicherheitsüberprüfung 2021 der UAG

Betreiber kerntechnischer Anlagen sind nach dem Atomgesetz (AtG) dazu verpflichtet, jeweils alle zehn Jahre die Ergebnisse einer periodischen Sicherheitsüberprüfung vorzulegen. Ziel der periodischen Sicherheitsüberprüfung ist die Überprüfung und Bewertung der nuklearen Sicherheit der Anlage in Bezug auf die Beherrschung der in den einschlägigen Regelwerken festgelegten Störfälle durch die Sicherheitseinrichtungen der Anlage. Nach Ablauf von 10 Jahren wurde nach § 19a AtG bei der Urenco D im Jahr 2021 (Stichtag 30.06.2021) die dritte periodische Sicherheitsüberprüfung durchgeführt. Hierzu sind die eingereichten übergreifenden Analysen und Beurteilungen durch die hinzugezogenen Sachverständigen final begutachtet worden.

Das Ergebnis der periodischen Sicherheitsüberprüfung 2021: Es gibt zur Abwehr von Gefahren oder zur Einstellung des Betriebs der Anlage aus Sicht der Atomaufsichtsbehörde keinen Handlungsbedarf. Gleichwohl sind Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde prüft deshalb fachlich die von den Gutachtern ausgesprochenen Empfehlungen.

Die von der Betreiberin betriebsbegleitend umzusetzenden Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung des Sicherheitszustandes der Anlage werden atomaufsichtlich überwacht.

Bei der Überprüfung wurden alle sicherheitstechnisch relevanten Themen untersucht, die den Standort, die Standorteinwirkungen, die Auslegung und den Betrieb der Anlage sowie die Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und zur Abmilderung von Unfallfolgen betreffen. Hierbei wurden die radiologischen und chemischen Auswirkungen, die Betriebssicherheit, die Anlagensicherung sowie die Entsorgung und die Stilllegbarkeit der Anlage und mögliche Einwirkungen von außen wie Erdbeben, Explosionsdruckwellen und Hochwasser berücksichtigt.

Von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde waren dazu als unabhängige Gutachter beauftragt worden: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS (Köln), Öko-Institut (Darmstadt) und TÜV SÜD (München).

Enrichment Technology Company

Die Enrichment Technology Company Deutschland (ETC D) beschäftigt sich am Standort in Jülich mit der Entwicklung und Fertigung von Zentrifugen und Bauteilen für die Anreicherungstechnologie. Die ETC D gehört wie die Urenco Deutschland GmbH zur Urenco-Gruppe. Die Betriebsstätte in Jülich ist eng mit den Betrieben der Urenco-Gruppe, auch in den Niederlanden und England, verflochten.

Das Wirtschaftsministerium NRW ist die zuständige atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde über die Verwendung von Kernbrennstoffen (§ 9 AtG) bei der ETC D in Jülich.

Informationen zum Betrieb

https://www.wirtschaft.nrw/informationen-zum-betrieb

Die verhinderte Atombombe – Vom Widerstand französischer Wissenschaftlerinnen gegen die Atombombe der Nazis

Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg nach der Entdeckung der Kernspaltung mit der Forschung der Atomenergie begonnen. Die Möglichkeiten, aus Uran oder gar Plutonium, auch Atomwaffen herstellen zu können, waren schnell klar. Intensiv forschte ein Uranverein unter Kurt Diebner vom Heereswaffenamt und Werner Heisenberg an der Kernspaltung. Die Angst, Deutschland könnte die Bombe bauen, war in der Welt. In den USA entwickelt sich das Manhattan Project. In Europa versuchten Staaten und Wissenschaftler, die deutsche Atomforschung zu bremsen und behindern. Welche Auswirkungen hatte der deutsche Faschismus im besetzten Paris auf die Wissenschaft? Darüber schreibt Astrid Viciano in ihrem Buch: Die Formel des Widerstands – Wie Kernphysiker mithalten, die Atombombe der Nazis zu verhindern. Das Buch zeigt auch, wie sich der Faschismus schon vor der Besetzung von Paris in den Universitäten auswirkte, Menschen ausgrenzte, verjagte, vertrieb und verfolgte. (Foto: Buchtitel Screenshot)

Anders als später die USA setzte die deutsche Atomforschung vor allem auf das überaus seltene Schwere Wasser als erforderlichen Moderator. So startet Viciano mit den Bemühungen Frankreichs und dortiger Wissenschaftler:innen, der deutschen Atomforschung den Zugang zu den einzigen Vorräten von Schwerem Wasser in Norwegen abzuschneiden. In den Mittelpunkt stellt die Autorin den deutschen Physiker Wolfgang Gentner und den französischen Nobelpreisträger Frédéric Joliot-Curie, Schwiegersohn von Marie Curie. Mit Joliot-Curie war Genter schon seit 1933 bekannt, als der Deutsche zwei Jahre im Labor von Marie Curie arbeitete.

„Wie ein Krimi beginnt das im Oktober 2024 erschienene Buch“, schreibt der Standard in einem überaus informativen und hintergründigen Artikel, in außerdem über die historische Atomforschung in Österreich berichtet wird.  „Ausgerechnet an einem Wochenende machen sich ein Fabrikdirektor und ein Bankier auf den Weg, um einen geheimen Wettlauf gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen. Mitten in der eiskalten Nacht des 9. März 1940 fahren sie in getrennten Autos von Oslo aus in die entlegenen Berge am Rande des Vestfjord-Tals in Vemork, vorbei an finsteren Tannenwäldern und vereisten Berghängen“ (Seite 7).

Keine Sekunde darf man vergessen, was gewesen wäre, wenn der deutsche Faschismus die Atombombe entwickelt hätte. Der Standard schreibt: „Allein die weiteren acht Kapitel beschreiben, wie sich die Kernphysik plötzlich in eine geheime Forschung verwandelte und das deutsche Heereswaffenamt das Pariser Labor des damals führenden französischen Kernphysikers besetzte.“

Im Roman stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen und Verhältnisse im dann besetzen Paris im Focus, viele Dokumente hat die Autorin dafür „durchgewühlt“ und neben oder über die zeitgeschichtlichen Abläufe gestellt. So entsteht eine Geschichte, in der sich auch zeigt, wie der Faschismus die persönlichen Räume und Beziehungen zwischen den Menschen und Wissenschaftlerinnen massiv verändert. Da kommt man nicht umhin, mit Sorge heutige Entwicklungen autoritären Denkens in immer mehr Staaten der Welt zu bedenken.

Die Folgen des faschistischen Interesses für die Pariser Forscher:innen durch die deutschen Besatzer wird im Buch akribisch beschrieben. Das zeigt sich an den Überschriften der Kapitel.

Paris war für die Atomforschung der Nazi ein bedeutsamer Ort, wie Thomas Hofmann im Standard schreibt: „Joliot-Curie verfügte in Paris über alles, was dafür notwendig war: den damals größten Teilchenbeschleuniger, schweres Wasser (26 Kanister) und Uran. Siehe dazu auch Deutsches Museum hier.

Im Buch ist zu lesen: „An einer solchen Kettenreaktion hat Frédéric Joliot-Curie vor Ankunft der Besatzer gearbeitet, dafür interessieren sich Schumann (Physiker und Leiter der Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes) und seine Kollegen bei ihrem Besuch (in Paris)“ (Seite 75).  Und weiter berichtet Hofmann: Der schon genannten Gentner musste dolmetschen. „Er, der Joliot-Curie stets freundschaftlich verbunden war, saß plötzlich zwischen zwei Stühlen. „Die falsche Uniform. Die falsche Rolle. Der falsche Text“ (Seite 73). Viciano, schreibt, als wäre sie selbst damals vor Ort gewesen.““

Das Buch von Astrid Viciano zeigt, wie in Frankreich von Wissenschaftler:innen versucht wurde, die deutsche Atomwaffe zu verhindern. Ob Deutschland ohne dieses gefährliche Engagement eine deutsche Atomwaffe erreicht hätte, z.B. wenn das Schwere Wasser in ihre Hände gelangt wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Das Buch lohnt sich. Im 80. Jahr der Atombombenabwürfe über japanische Großstädte. Wäre der Krieg anders verlaufen, wären die Ziele nicht Hiroshima und Nagasaki gewesen, sondern Berlin und Hamburg oder München.

Wachsende Nuklear-Risiken. Russland droht – USA verlegen Atomwaffen-U-Boote … Atomenergieagentur meldet Kriegskämpfe nahe AKW Saporischschja

Russland und seine Atomwaffen. Die USA haben ihre mit Atomwaffen bestückten und mit Atomreaktoren betriebenen U-Boote näher an Russland verlegt (Tagesschau). Außerdem wird bekannt, dass die USA erstmals wieder Atomwaffen in Großbritannien stationieren. Das „Empire“ kauft dazu – ebenso wie die deutsche Armee – die für den Einsatz erforderlichen Kampfjets vom Typ F-35A-Jets in den USA. Die Aufrüstung für die neuen Kampfjets auf der Atomwaffen-Startbahn Büchel in Deutschland gerät derweil immer teuer – gefährlich ist das ohnehin. (Tagesschau) Dazwischen Atomkraftwerke im Krieg! In Russlands Krieg in der Ukraine gibt es wiederholt Kämpfe in direkter Nähe der sechs Atomreaktoren des größten europäischen Atomkomplexes – Saporischschja. Nukleare Risiken als alltäglicher Normal. Nicht durch technisches Versagen, sondern du Waffeneinsatz gegen Atomanlagen? In wenigen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Jahrestag der Atomwaffen-Abwürfe der USA auf Japan, – nicht auf Deutschland! Nie wieder Hiroshima. Erst vor wenigen Wochen wurden die Uranfabriken im Iran angegriffen. (Guardian) Und in Niedersachsen, bei der Uranfabrik in Linken droht die deutsche Entscheidung, dass russische und französische Atomkonzerne gemeinsam einen Deal machen. (Den letzten Satz müsst ihr recherchieren: alle Informationen auf umweltFAIRaendern.de)

IAEA – Internationale Atomenergie Agentur.

Update 307 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

76/2025 – Vienna, Austria

The IAEA team at Ukraine’s Zaporizhzhya Nuclear Power Plant (ZNPP) heard explosions and saw smoke coming from a nearby location where the plant said one of its auxiliary facilities was attacked today, Director General Rafael Mariano Grossi said.

The IAEA team was informed by the ZNPP that the facility was struck by shelling and drones from 9am, around the same time as the team could hear military activity.

The auxiliary facility is located 1,200 metres from the ZNPP’s site perimeter and the IAEA team could still see smoke from that direction in the afternoon.

It was the latest in a series of incidents in recent weeks and months further highlighting possible dangers to nuclear safety during the military conflict at the ZNPP.

“Any attack in the vicinity of a nuclear power plant – regardless of the intended target – poses potential risks also for nuclear safety and must be avoided. Once again, I call for maximum military restraint near nuclear facilities to prevent the continued risk of a nuclear accident,” Director General Grossi said.

Umweltorganisation BUND fordert 80 Jahre nach Hiroshima: Bundesregierung muss Atomwaffenverbotsvertrag der UN unterschreiben!

Seit Ende 2022 ist eine der größten bundesdeutschen Umweltorganisationen, der BUND, laut Beschluss der Bundesdelegiertenversammlung Partner der mit einem Nobelpreis ausgezeichneten Internationalen Campagne für den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen (ICAN). Zum 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe über die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki unterstreicht der Verband mit seinen über 500.000 Mitgliedern die Forderung an die Bundesregierung, diesen wichtigen Vertrag zu unterzeichnen. Weltweit wachsen die nuklearen Risiken. Schon lange vor dem Ukraine-Krieg hatte ein weltweites Aufrüstungsprogramm, auch eine Neuentwicklung von High-Tech-Atomwaffen-System begonnen. Die USA, Russland und China ebenso wie Frankreich und Großbritannien. Der Krieg in der Ukraine hat ein weiteres nukleares Risiko offenbart: Atomkraftwerke und Atommüllanlagen könnten sie nuklearen Angriffszielen werden. Auch in Hamburg hat der BUND seine Mitglieder auf den 80. Jahrestag auf eine Veranstaltung im Rahmen der ICAN-Partnerschaft mit der internationalen Ärzteorganisation IPPNW hingewiesen, die in den 1980er Jahren ebenfalls einen Nobelpreis erhalten hatte.

Dokumentation der PM des BUND:

80 Jahre nach Hiroshima: Atomwaffen werden weiter modernisiert
BUND fordert: Deutschland soll Atomwaffenverbotsvertrag beitreten

  • 80 Jahre nach Atombombenabwürfen modernisieren Staaten ihre Atomwaffen
  • BUND fordert Bundesregierung auf, Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten
  • Atommüll bleibt ungelöstes Problem
Berlin. Vor 80 Jahren bombardierten US-Streitkräfte die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Hundertausende starben, viele weitere litten an den Spätfolgen. Trotz Abrüstungsverpflichtungen dokumentiert das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI eine zunehmende Modernisierung der Atomwaffen weltweit. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnt diese Technologie ab und fordert sofortige Abrüstung zum Schutz von Mensch und Umwelt.

Patrick Rohde, stellvertretender Geschäftsführer Politik beim BUND: „Die Opfer von Hiroshima und Nagasaki mahnen uns: Atomwaffen sind keine Sicherheitsgarantie, sondern ein permanentes Risiko für das Überleben der Menschheit und einer intakten Umwelt. In Zeiten weltweiter Spannungen zeigen sich einmal mehr die Gefahren der Logik der nuklearen Abschreckung. Der Humanismus verlangt von uns, dass wir Vertrauen über Angst stellen – und den Weg in eine atomwaffenfreie Zukunft entschlossen einschlagen. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten.“

Erinnerung bewahren, Atomwaffen ächten

Der Atomwaffenverbotsvertrag, ausgehandelt unter dem Dach der Vereinten Nationen, verpflichtet zur Abrüstung. 94 Staaten haben ihn unterschrieben, 73 ratifizierten ihn. Doch die Atomwaffenstaaten und Deutschland fehlen. Auf deutschem Boden lagern weiterhin US-Atomwaffen. Der BUND ist Mitglied der Internationalen Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen (ICAN), ebenso wie unsere japanische Partnerorganisation Friends of the Earth Japan.

Akiko Yoshida, Beauftragte für Klima und Energie bei Friends of the Earth Japan: „Im März 2024 habe ich gemeinsam mit Mitgliedern des BUND Naturschutz Hiroshima besucht. Wir besichtigten zusammen das Friedensmuseum, spazierten durch den Park und dachten an den Tag des Atombombenabwurfs sowie an die Zeit danach. Im selben Jahr wurde die Japanische Konföderation der Atombomben- und Wasserstoffbombenopfer-Organisationen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dennoch hat auch Japan den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen nicht ratifiziert und nimmt nicht einmal als Beobachter an den Vertragsstaatenkonferenzen teil. Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenabwürfe, werden jedes Jahr älter, und in diesem Jahr ist ihre Zahl erstmals unter 100.000 gefallen. Die Zeit, ihre Erinnerungen weiterzugeben, wird knapp.“

Nicht nur Atomwaffen, die gesamte nukleare Technik ist eine gefährliche Sackgasse. Reaktorkatastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima sowie die kriegsbedingten Gefahren am Kernkraftwerk Saporischschja zeigen das zerstörerische Ausmaß, das sie annehmen können. Obwohl Deutschland aus der Atomstromproduktion ausgestiegen ist, bleibt die sichere Lagerung radioaktiver Abfälle eine nationale Herausforderung. Sie müssen für Jahrmillionen sicher von der Erdoberfläche und den Menschen abgeschirmt werden. Das Atomproblem bleibt aktuell – auch wegen der unbefristet laufenden Uranfabriken in Lingen und Gronau. Der BUND fordert, auch diese Anlagen endlich abzuschalten.

Mehr Informationen:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.

Atomtransporte in NRW verhindern – vor einer Entscheidung: Auch Verbände und Initiativen wollen mit Bundesumweltminister reden

Nachdem Linke und Grüne Vorstandsmitglieder aus NRW sowie zwei Bundestagsabgeordnete den Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in einer gemeinsamen Initiative eingeladen haben, vor einer Entscheidung vor Ort noch einmal mit den Betroffenen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, die die Durchführung von über 150 Atommülltransporten von Jülich nach Ahaus vor Ort überflüssig machen, unterstützen nun auch Verbände und Initiativen diesen Vorschlag. Der BUND in NRW hat sich ebenfalls per Brief an Carsten Schneider gewandt. Auch die BI Ahaus hat sich für einen Dialog ausgesprochen. Verwiesen wird aber auch darauf, dass sowohl Betreiber als auch das zuständige Wirtschaftsministerium in NRW dazu einen Beitrag leisten müssen.

Neben der Einladung an den Bundesumweltminister, noch vor der Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem Atommüll in Jülich zu Gesprächen nach NRW zu kommen, sorgt ein Antrag der Linksfraktion im Bundestag dafür, dass das Thema möglicherweise im September nach der Sommerpause auch noch auf die Tagesordnung des Umweltausschusses kommet. Offen ist, ob das Bundesumweltministerium auch dem Parlament noch mal die Möglichkeit gibt, einen Verbleib des Atommülls zu beraten.

Dokumentationen der Presseerklärungen: 

Die PM der BI AhausAhaus, den 31.07.25 – Pressemitteilung:

Einladung des Bundesumweltministers nach Ahaus wegen drohender Castor-Transporte: BI begrüßt parteiübergreifende Initiativen von Abgeordneten aus dem Münsterland – Gespräche müssen aber auch mit Finanz- und Forschungsministerium stattfinden!

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ begrüßt die Initiative zweier Bundestagsabgeordneter aus dem Münsterland, Bundesumweltminister Carsten Schneider nach Ahaus einzuladen, um mit ihm und Betroffenen über Alternativen zu den drohenden Atommüll-Transporten aus Jülich nach Ahaus zu sprechen. Die Abgeordneten Jan-Niklas Gesenhues (Grüne) und Mareike Hermeier (Die Linke) hatten sich letzte Woche parteiübergreifend zu dieser Initiative entschlossen. Die BI würde es auch begrüßen, wenn sich weitere Abgeordnete aus der Region diesen Bemühungen anschließen würden.

Allerdings: Wenn die angestrebten Gespräche zum Erfolg führen sollen, müssen zeitnah weitere Gespräche stattfinden. Denn der Bundesumweltminister hat nur begrenzten Einfluss auf die möglichen Alternativen: Der Neubau einer zeitgemäßen Zwischenlagerhalle in Jülich selbst kann nur von der dortigen Entsorgungsgesellschaft JEN in die Wege geleitet werden. Und deren Aufsichtsrat wird dominiert von anderen Bundesministerien: denen für Finanzen sowie für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die aber weigern sich bisher unter Berufung auf wenig seriöse Kostenrechnungen, die nötigen Schritte für einen Neubau in Jülich zu genehmigen. Hier müssten dringend die notwendigen Gespräche geführt werden. Wenn die Bundestagsabgeordneten aus der Region hierbei aktiv würden, hätte dies die volle Unterstützung der BI.

i.A. und Kontakt in dieser Angelegenheit:

Hartmut Liebermann

PM des BUND NRW

Sichere Lagerung statt riskanter Atommülltransporte

31. Juli 2025 | Atomkraft, AVR Jülich, Energiewende

BUND lädt Bundesumweltminister Carsten Schneider zum Vor-Ort- Gespräch über geplante Atomtransporte

    • Atommülltransporte sind gefährlich und nicht zielführend
    • Debatte über Alternativen zur Verlagerung des Atommülls gefordert
    • Kritik auch seitens der Landesregierung und Polizei-Gewerkschaft

Düsseldorf | Nach den Vorstellungen des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sollen bald mehr als 300 000 radioaktive Brennelemente aus dem Forschungsreaktor AVR Jülich mit LKWs über Autobahnen und Landstraßen in das Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Diese 152 Transporte sind aus Sicht des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nicht nur hochgefährlich, sondern angesichts der befristeten Genehmigung des Zwischenlagers auch nicht zielführend. Deshalb hat der BUND Bundesumweltminister Carsten Schneider vor der Entscheidung über diese Transporte zu einem Vor-Ort-Termin nach NRW eingeladen.

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND: „Die Zeit drängt – und es braucht jetzt einen offenen Dialog mit allen Beteiligten. Deshalb fordern wir Bundesumweltminister Schneider auf, sich direkt vor Ort ein Bild zu machen und sich die Ängste und Sorgen der von den nuklearen Risiken betroffenen Menschen anzuhören. Nur wer mit den Betroffenen, Fachleuten und politisch Verantwortlichen in dieser Region spricht, kann eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen.“

Ziel ist es, Alternativen zum geplanten Abtransport zu diskutieren und mögliche Wege aufzuzeigen, wie eine sichere Lagerung in Jülich ermöglicht werden kann. Denn das Vorhaben stößt nicht nur aufgrund der hohen Risiken auf massive Kritik, sondern ist auch nach Ansicht der Landesregierung NRW „unnötig“. Stattdessen fordert der BUND einen Verbleib des Atommülls am Standort Jülich und den Neubau eines geeigneten Zwischenlagers. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete den Aufwand, der mit der enormen Anzahl der Transporte und ihrer hochgefährlichen Fracht verbunden ist, zudem als „unverhältnismäßig“.

Der BUND warnt davor, aus politischen oder logistischen Gründen auf eine Lösung zu setzen, die weder sicherheitstechnisch noch gesellschaftlich tragfähig ist. „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung. Ein Besuch des Ministers in NRW wäre ein wichtiges Zeichen für Transparenz, Dialogbereitschaft und Verantwortung“, so Sticht. Bis zu einem solchen Gespräch bleiben die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) und die Atomaufsicht NRW gefordert, die Voraussetzungen für eine weitere sichere Zwischenlagerung in Jülich zu schaffen.

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