Deutscher Atomstrom für Frankreichs marode Meiler

Während hierzulande Kampagnen über nukleare Laufzeitverlängerung betrieben und die damit verbundenen Risiken und nukleare Abhängigkeiten von Russland eher geschwiegen werden, ist im Atom-Wunderland Frankreich inzwischen nahezu die Hälfte der Reaktoren wegen gravierender Sicherheitsmängel oder aufgrund von notwendigen Reparaturen abgeschaltet, –  und die Sommerhitze setzt den verbleibenden Reaktoren zu. Aufgrund der hohen Wassertemperaturen müssen weitere Leistungsreduzierungen erfolgen. Das führt dazu, dass Frankreich reichlich Strom aus dem Ausland beziehen muss, um einen Blackout zu verhindern. Rein rechnerisch – so berichtet jetzt das Fachportal Atommüllreport, wird Frankreich von den letzten drei deutschen AKWs mit Atomstrom versorgt. Doch auch in deutschen Reaktoren gibt es Risse. (Foto: Neckarwestheim. Risse im Dampferzeuger)

Das von zahlreichen Umweltverbänden betriebene Portal „Atommüllreport“ informiert detailliert über die Lage in Frankreich: „So bezieht Frankreich seit Jahresbeginn bis auf wenige Ausnahmen täglich Strom aus Deutschland in einer Größenordnung von bis zu über 100 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Dies entspricht der Leistung von drei konventionellen oder nuklearen Großkraftwerken. Oder überspitzt gesagt: Rechnerisch laufen die drei letzten deutschen Atomkraftwerke nur noch für den Stromexport in die vermeintliche AKW-Nation Frankreich“, heißt es im aktuellen Newsletter. Und auch in den deutschen Reaktoren in Neckarwestheim und in Emsland in Lingen gibt es Risse, die sicherheitsrelevant sind, die aber für die verbleibende Restlaufzeit bis Ende des Jahres notdürftig geflickt werden. Sicherheitsreserven am unteren Limit.

Zu den Rissen in Neckarwestheim und im Emsland siehe hier:

umweltFAIRaendern empfiehlt atommüllreport:

Neue Landesregierung NRW und hochradioaktiver Atommüll Jülich: Neubau Zwischenlager statt Atomtransporte?

Die neue Koalition aus Grünen und CDU in NRW könnte einen Fortschritt für die seit 2013 nicht mehr ausreichend atomrechtlich gesicherte Lagerung von über 150 Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll in Jülich bringen. Das zuständige Ministerium hatte aufgrund fehlender Erdbebensicherheit die Räumung des Zwischenlagers angeordnet. Passiert ist jedoch im Grunde bis heute kaum etwas. Während die Betreiber offenbar einen vermutlich rechtswidrigen Export dieses Atommülls in die USA favorisierten und dabei vom Bundesforschungsministerium (CDU, jetzt FDP) (eher) unterstützt wurden, votierten Bürgerinitiativen für einen Neubau in Jülich und das Bundesumweltministerium (eher) für Transporte nach Ahaus. Nun meldet dpa: „CDU und Grüne setzen sich auf Landesebene für ein neues Zwischenlager in Jülich ein. Das sieht der neue Koalitionsvertrag vor.“ Sollte nun die Bundesebene auf Atomtransporte nach Ahaus ebenso verzichten, wie auf einen US-Export, würde entweder das bestehende Zwischenlager in Jülich nachgerüstet oder ein Neubau erfolgen. Eine Fläche dafür stünde laut DPA bereit.

In der DPA-Meldung heißt es dazu weiter: „In Jülich befinden sich 152 Castoren mit etwa 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren AVR-Versuchsreaktor. Mit der Koalitionsvereinbarung sollen Atomtransporte in NRW minimiert werden. Das Ziel, die „Option eines Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich vorantreiben“ zu wollen, kann die Landesregierung allerdings nur begrenzt beeinflussen. Auch Bundesbehörden sind in die Entscheidung eingebunden.“

Aber, so dpa: „Strittig ist dennoch, ob in Jülich ein neues Zwischenlager gebaut werden darf, die Brennelemente-Kugeln in die USA exportiert oder die Castoren in das Zwischenlager nach Ahaus gebracht werden sollen. Eine Entscheidung hierzu steht noch aus, weil momentan keine der drei Optionen realisierbar ist.“ Natürlich wäre ein Zwischenlager in Jülich von der zuständigen Bundesbehörde, dem Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) abhängig. Dort steht ohnehin die laufende Überprüfung der bislang mangelhaften Erdbebensicherheit an und ist bislang offen.

Der Atommüll in Jülich ist Erbe einer atomaren Träumerei, wie sie auch heute wieder verbreitet ist: Die Erwartungen der Atomgemeinde in den ehemaligen kommerziellen Prototyp-Atomreaktor in Jülich, der mit hochangereichertem (waffenfähigem) Uran in Thorium-Kugeln als nukleare Wunderwaffe galt, hatten sich nie erfüllt. Serienweise Störfälle und immer neue Mängel führten zum Ende des Projekts. Auch der Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor (THTR) in Hamm – der ein Exportschlager der westdeutschen Atomwirtschaft werden sollte – scheiterte nach kurzer Betriebszeit mit schweren Pannen. Eine unabhängige Kommission hatte später festgestellt, dass es erhebliche Manipulationen seitens der Reaktorbetreiber gegeben hatte, Mängel zu verharmlosen und damit den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

Heute ist die Bundesregierung mit mindestens 70 Prozent wesentlicher Geldgeber für den weiteren Umgang mit dem atomaren Erbe. Das Land NRW ist nur mit 30 Prozent – teilweise sogar mit weniger – an den verschachtelten Rückbau- und Betriebsgesellschaften beteiligt. Gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundestages rügt der Bundesrechnungshof massiv, dass in den letzten Jahren zum Vorteil für NRW ohne Nutzen für den BUND Kostenverlagerungen stattgefunden haben.

Es geht bei der Aufteilung zwischen Bund und NRW um den Rückbau der AVR-Reaktoranlage und anderer Atomanlagen der ehemaligen Kernforschungsanlage, aber auch für den immer noch in Jülich lagernden Atommüll. Seit 2013 ist amtlich, was vorher im Grunde schon bekannt war: Die Halle, in der die hochradioaktiven Abfälle aufbewahrt werden, ist unzureichend gesichert. Doch trotz einer Räumungsverfügung hat sich über Jahre nichts getan. Die ehemaligen AVR-Betreiber wollten ihre internationale Forschungsaktivität zum Erhalt der speziellen Reaktortechnik sichern, strebten daher die Zusammenarbeit mit den USA an und verklagten dafür sogar die Bundesregierung. Auch Teile der SPD in NRW waren mit dem Betreiber sehr verbunden, geht die Forschungsanlage doch ehemals auf die Partei zurück. In der Endlagerkommission des Bundestages, wo auch die Jülicher Atomabfälle behandelt wurden und Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines Exports dieser Abfälle in die USA angemeldet wurden, hatte der damalige zuständige SPD-Wirtschaftsminister aus NRW in einem Brief dieser Auffassung widersprochen.

Als neuer Umweltminister in NRW könnte der grüne Oliver Krischer, der als Bundestagsabgeordneter aus NRW lange Jahre mit den Sicherheitsmängeln in Jülich vertraut ist, nun also die Bundesregierung und insbesondere die FDP unter Druck setzen.

Während derzeit eine unsinnige Laufzeitverlängerungsdebatte für Atomstrom läuft, – bei der sämtliche Sicherheitsrisiken und auch atom- und verfassungsrechtliche Probleme –  sowohl von der CDU, der CSU und immer deutlicher auch der FDP – gemeinsam mit der AfD – ausgeblendet werden,  wäre nun die FDP im Bundesforschungsministerium gefordert, die seit Jahren andauernden Sicherheitsmängel in Jülich endlich mittelfristig zu beseitigen und den Weg für ein Zwischenlager frei zu geben.

SPD und Grüne in der Bundesregierung wären jetzt gut beraten, sich für einen schnellstmöglichen, sicheren Neubau in Jülich einzusetzen. Dabei gilt: In allen Fragen der Sicherheit bei der Zwischenlagerung sollte ab sofort eine umfassende gesetzliche und übergesetzliche Öffentlichkeitsbeteiligung ermöglicht werden. Land und Bundesregierung sind hier gefordert.

Ein Blick auf den nicht erst seit 2013 andauernden Irrsinn bei der Lagerung der radioaktiven Abfälle aus der Nutzung der Atomenergie allein in Jülich wäre vielleicht auch heilsam, um die bis heute weltweit ungelöste langfristig sichere Lagerung zu vergegenwärtigen. Die Atomenergie hat nicht nur wegen des Super-GAU-Risikos ausgedient, wegen ihrer Risiken beim militärischen Missbrauch von Nuklear-Material (Dual-Use), sondern eben auch wegen der weltweit ungelösten Atommüllprobleme. Und der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat noch mal verdeutlicht: Atomanlagen aller Art sind jenseits des Einsatzes von Atomwaffen auch nukleare Anschlagsziele.

Atomare Laufzeitverlängerungsdebatte gefährdet Endlagersuche – Atommüll im Bundestag

Söder ist in jeder Hinsicht ein Hit: Er blockiert seit vielen Jahren den Ausbau der Windenergie in Bayern, bei der Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll ist klar, dass ein Standort in Bayern unter absolut gar keinen Umständen möglich wäre – aber in jedem Fall sollen marode Atommeiler mit verlängerten Laufzeiten noch mehr Atommüll erzeugen, um den sich andere kümmern sollen. Dass ist eine politische Interessenvertretung, die nicht weit von rechteren Parteien entfernt ist! Unfassbar, wie wenig Medien diese billige, faktenfreie und gefährliche Ego-Shooter-Haltung skandalisieren oder mindestens hinterfragen. Lindner und die FDP machen deutlich, welche Regierung sie wirklich wollen. Atommüllberge ohne Ende, für die es nur temporäre oberirdische Lager gibt, die jederzeit militärisch und terroristisch mit katastrophalen Folgen angreifbar sind. Das ist neben dem Super-Gau-Risiko eine materielle Drohung – über die nicht bzw. wenig gesprochen wird.

Nicht nur hat Russland in der Ukraine mit der Drohung des Einsatzes von Atomwaffen und mit Angriffen auf Tschernobyl und andere Nukleareinrichtungen gezeigt, was möglich ist. In Frankreich steht fast die halbe Atomflotte still, weil Risse in Rohrleitungen möglicherweise zur nuklearen Mega-Katastrophe werden könnten. Auch in den bundesdeutschen AKWs gibt es Risse (siehe unten). Damit der hochradioaktive Atommüll nach rund 50 Jahren Atomenergie endlich unter die Erde kommt, ist der Atomausstieg zur Grundlage gemacht worden. Nur wenn klar ist, dass kein neuer Atommüll nachkommt, wäre ein Endlager auch ohne bürgerkriegsähnliche Konflikte wie seinerzeit in Gorleben machbar. Das hatten zuletzt die Beteiligten Institutionen bei einem Fachgespräch zur Endlagersuche im Bundestag unterstrichen. Auch Klaus Brunsmeier vom Nationalen Begleitgremium und früheres Vorstandsmitglied beim BUND hatte das betont. Das Wortprotokoll der Sitzung ist nun online verfügbar.

Anlass der Sitzung war auch der Tätigkeitsbericht des Nationalen Begleitgremiums, das einige Kritik an dem Vorgehen der zuständigen Behörde BASE und des staatlichen Endlager-Such-Unternehmens BGE anführte.  Auf der Seite des Bundestags heißt es zum Fachgespräch vom 11. Mai 2022:  „Klaus Brunsmeier, NBG-Vertreter und Mitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), mahnte daher eindringlich, an dem Ausstieg festzuhalten. Es dürfe keine längeren Laufzeiten für noch am Netz befindliche Atomkraftwerke geben. Für das Weiterbestehen des Vertrauens in den Prozess der Endlagersuche sei es zentral, dass der mit dem Standortauswahlgesetz gefundene „gesellschaftliche Konsens“ nicht infrage gestellt werde.

  • An diesem Wochenende wird in Loccum an der evangelische Akademie über die Endlagersuche debattiert. Siehe dazu auch unten das Programm als Dokumentation.

Zudem drängte Brundmeier angesichts der kriegsbedingt gestiegenen Gefahren für Atomanlagen auf eine „schnellstmögliche tiefengeologische Lagerung“  radioaktiver Abfälle. Die Lagerung in einem verschlossenen Bergwerk stelle die im Vergleich  zu anderen Lageroptionen sicherste Lösung dar. Weiter regte er im Gespräch mit dem Abgeordneten an, schon jetzt auch ein partizipatives Verfahren zur Zwischenlagerung zu beginnen. „Die Menschen wollen zu Recht wissen, wie es weitergehen soll.“ Die Genehmigungen liefen Mitte des kommenden Jahrzehnts aus, und es sei schon jetzt absehbar, dass dann noch kein Endlager zur Verfügung stehen werde. Bis 2031 soll allerdings, so schreibt es das Standortauswahlgesetz von 2017 vor, ein geeigneter Standort für ein Endlager gefunden werden.“

Unter dem genannten Link befindet sich auch ein Video von dem Fachgespräch, sowie die Stellungnahmen der Beteiligten – auch hier eingebunden:

https://dbtg.tv/cvid/7535875

Dokumentation:

Ev. Akademie Loccum 2022: Die Suche nach einem Lager für hochradioaktive Abfälle

In der Schweiz und in Deutschland

24.06.2022 – 26.06.2022

Thema

Eine möglichst breite Öffentlichkeit soll die gesamte Suche in beiden Ländern engmaschig begleiten. Trotz der Unterschiede zwischen den Verfahren gibt es identische Fragen und Herausforderungen. Wie können sich Bürgerinnen und Bürger organisieren, dem wissenschaftsbasierten Prozess folgen und sich einbringen? Was lässt sich voneinander lernen? Was wissen wir überhaupt voneinander? Die Veranstaltung will der Zivilgesellschaft aus der Schweiz und aus Deutschland ein Forum für einen Austausch bieten.

Ihre Gesundheit ist uns wichtig. Bitte beachten Sie daher die aktuellen Hygienevorschriften der Ev. Akademie Loccum. Vielen Dank.

Programm

15:30 Uhr

Kaffee, Tee und Kuchen

16:00 Uhr

Begrüßung

Dr. Monika C. M. Müller, Ev. Akademie Loccum

16:10 Uhr

Was ist für mich von Interesse am Schweizer, am deutschen Verfahren?

Austausch in Kleingruppen mit kleiner Pause

17:15 Uhr

Wie sind die Verfahren in der Schweiz und in Deutschland aufgestellt? Teil I

Stefan Jordi, Leiter Regionale Partizipation, Bundesamt für Energie – BFE, Bern, CH
Prof. Meinert Rahn, Sektionschef Geologie, Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat – ENSI, Brugg, CH
Dr. Tim Vietor, Leiter Bereich Sicherheit, Geologie & Radioaktive Materialien, Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle – Nagra, Zürich, CH
Ueli Müller, Präsident Regionalkonferenz Jura Ost, CH (online)
Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung, Bundesgesellschaft für Endlagerung – BGE, Peine
Karl Hochholzner, Abteilung Aufsicht, Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung – BASE, Berlin
Christian Schwöbel, Abteilung Öffentlichkeitsbeteiligung, BASE, Berlin
Dr. Manfred Suddendorf, Mitglied Nationales Begleitgremium – NBG, Dönkendorf
Martin Steinebrunner, Deutsche Koordinationsstelle Schweizer Tiefenlager, Waldshut-Tiengen (Moderation)

18:30 Uhr

Abendessen

19:30 Uhr

Wie sind die Verfahren in der Schweiz und in Deutschland aufgestellt? Teil II

Bisher nur im Schweizer Verfahren: Nachbarschaftliche Begleitung

Ulrike Elliger, FG Sicherheit der Regionalkonferenz Zürich Nordost, Jestetten

21:00 Uhr

Ausklang auf der Galerie

Mehr zum Thema

Eine Aufgabe – zwei Länder – zwei Wege?

In der Schweiz und in Deutschland wird jeweils ein Lager für hochradioaktive Abfälle gesucht.
Die Schweiz startete 2008, Deutschland 2017.

In beiden Ländern läuft die Suche auf Hochtouren. In beiden Ländern spielt die Beteiligung der Öffentlichkeit eine große Rolle. Manche sagen, die Verfahren bzw. die in diesem Verfahren engagierten Menschen könnten voneinander nichts lernen, weil die Verfahren, die politischen Gegebenheiten, der Umfang der Suche, die Mentalitäten, das Verhältnis der Bürger:innen zu den Institutionen usw. zu unterschiedlich seien.

Dennoch bewegen Akteure und Zivilgesellschaft in beiden Ländern ähnliche Themen, Fragen und Herausforderungen: Sicherheit, Forschung und Entwicklung, Information, Kommunikation, Transparenz, Beteiligung und vieles mehr. Vermutlich ließe sich doch etwas voneinander lernen.

Folgende und weitere Fragen sollen gemeinsam erörtert werden:

  • Was wissen wir überhaupt voneinander?
  • Wie agieren die Akteure miteinander – innerhalb und zwischen den Ländern?
  • Was ist Sicherheit und wie wird diese sichergestellt?
  • Wie wird Öffentlichkeitsbeteiligung organisiert und praktiziert?
  • Wie können Bürger:innen dem wissenschaftsbasierten Prozess folgen und sich aktiv einbringen?
  • Was lässt sich durch finanzielle Unterstützung lösen, was wird dadurch aber evtl. auch schwieriger?
  • Blick nach vorn: was folgt daraus für die nächsten Schritte?

Die Veranstaltung will Akteuren und zivilgesellschaftlich engagierten Personen aus der Schweiz und aus Deutschland ein Forum für einen Austausch bieten.

Wir laden Sie herzlich ein, diesen Austausch aktiv mit zu gestalten und Ihre Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen in die Diskussionen einzubringen.

Dr. habil. Monika C. M. Müller, Tagungsleiterin
PD Dr. Verena Grüter, Akademiedirektorin

 

Atomwaffenverbots-Konferenz: Nukleare Bedrohung abrüsten!

In Wien hat die erste Konferenz zum UN-Atomwaffenverbots-Vertrag stattgefunden. Trotz des Kriegs in der Ukraine, bei dem Russland deutlich auch die nuklearen Risiken entweder durch Atomwaffen oder auch Anschläge auf Nuklear-Anlagen als Drohung ins Spiel gebracht hat, ist über diese wichtige internationale Konferenz hierzulande vergleichsweise wenig berichtet worden – auch für Anti-Atom-Gruppen spielte die Konferenz kaum eine größere Rolle. umweltFAIRaendern dokumentiert die PM der internationalen Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW,  24062022), die sich umfangreich im Vorfeld und in Wien für ein Atomwaffenverbot engagiert.

Die Organisation, die den Nobelpreis erhalten hat, mobilisiert derzeit auch für Aktionen am bundesdeutschen Atomwaffenstützpunkt in Büchel. Dort lagern atomare Sprengköpfe, die im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ von deutschen Kampfpiloten in die von den USA und der Nato festgelegten Ziele fliegen sollen. Das renomierte schwedische Friedensinstitut SIPRI warnte angesichts der Ukraine-Krieges vor wachsenden Atomgefahren, verwies auch darauf, dass seit einigen Jahren weltweit an einer Modernisierung von Atomwaffen gearbeitet wird, die die Risiken zusätzlich erhöhen.

IPPNW fordert Aufklärung über humanitäre Folgen von Atomwaffen im Bundestag

Ende der Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag

Gestern Abend ist die erste Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) zu Ende gegangen. Der Vertreter der Bundesregierung, Botschafter Rüdiger Bohn, sprach von einem „Schulterschluss“ der unterstützenden und der skeptischen Staaten. Die Friedensnobelpreisträger-Organisation Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) begrüßte den konstruktiven Ansatz der Bundesregierung, forderte jedoch weitergehende Initiativen und eine enge künftige Zusammenarbeit mit den Vertragsstaaten und der Zivilgesellschaft.

„Als Vertreter*innen der Friedensbewegung auf der Staatenkonferenz sind wir sehr erfreut, dass die Bundesregierung offen zur Mitarbeit in der Opferhilfe und bei den Fonds zur Entschädigung der Atomtestopfer ist. In diesem Zusammenhang fordern wir den Bundestag dazu auf, möglichst schnell eine öffentliche Anhörung zu den humanitären Konsequenzen von Atomwaffen durchzuführen. Sowohl Wissenschaftler*innen als auch Betroffene müssen dazu eingeladen werden“, so Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW Deutschland und Präsidentin der IPPNW Europa, die an der Konferenz teilgenommen hatte.

Deutschland hatte sich als Beobachter an der dreitägigen Staatenkonferenz beteiligt. Der Delegierte der Bundesregierung begrüßte, dass die Unterstützung für den Nichtverbreitungsvertrag (NVV) deutlich und wiederholt ausgesprochen wurde. Der IPPNW zufolge reiche das aber nicht aus: „Wir müssen eine echte Brücke zwischen den Befürworter*innen der nuklearen Abschreckung und den AVV-Vertragsstaaten aufbauen, um den Nichtverbreitungsvertrag zu stärken. Deshalb verlangen wir von der Bundesregierung, den Atomwaffenverbotsvertrag im Rahmen der NVV-Überprüfungskonferenz anzuerkennen“, so Claußen weiter. Die Überprüfungskonferenz findet vom 01. bis zum 26. August 2022 in den Vereinten Nationen in New York statt.

Die 86 Unterzeichnerstaaten, von denen 65 Länder den Atomwaffenverbotsvertrag bereits ratifiziert haben, sendeten mit der Staatenkonferenz ein klares Signal an die Atommächte und machten deutlich, dass die Mehrheit der Staaten der Welt den Besitz von und die Drohung mit Atomwaffen nicht länger tolerieren möchte. Sie verurteilten insbesondere die Drohungen mit Atomwaffen und die verschärfte Rhetorik in jüngster Vergangenheit.

„Trotz russischer Atomkriegsdrohungen müssen wir Wege finden, dass tödliche Dogma der nuklearen Abschreckung zu überwinden. Der Atomwaffenverbotsvertrag kann dazu auf vielfältige Art und Weise beitragen“, unterstreicht Claußen. Die Staatenkonferenz in Wien habe gezeigt, wie ernsthaft und pragmatisch die Vertrags- und Unterzeichnerstaaten sowie internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft an der Entwicklung dieser neuen Normen arbeiten. Die Konferenz sei ein historischer Meilenstein und angesichts der aktuellen Atomkriegsgefahr ein wichtiger Schritt in Richtung echte gemeinsame Sicherheit.


Weitere Informationen:
Abschlusserklärung zur Staatenkonferenz: https://documents.unoda.org/wp-content/uploads/2022/06/TPNW.MSP_.2022.CRP_.8-Draft-Declaration.pdf
Aktionsplan der Vertragsstaaten: https://documents.unoda.org/wp-content/uploads/2022/06/TPNW.MSP_.2022.CRP_.7-Draft-Action-Plan-new.pdf
Flickr-Album der IPPNW zur Staatenkonferenz: https://www.flickr.com/photos/ippnw/with/52169110978/

 

umweltFAIRaendern: Lasst tausend und einen und noch mehr Artikel blühen!

Die Anzahl der Beiträge auf umweltFAIRaendern erhöht sich „akut“ um rund 1.100 Beiträge auf insgesamt jetzt etwas mehr als 3.900 Texte. Grund dafür ist die Übernahme aller Atomenergie-Texte aus dem Blog des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel, für den ich in fast zwei Legislaturperioden von 2014 bis 2021 als wissenschaftlicher Referent in Sachen Atomausstieg tätig war. Damit werden auf umweltFAIRaendern nun noch mehr Themen über die Atomenergie enger miteinander verknüpft. Ich hoffe, dass eröffnet nicht nur mehr Recherche-Möglichkeiten, über die politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Aktivitäten der Atomenergie und der damit verbundenen nuklearen Gefahren für Umwelt und Demokratie. Diese „Anreicherung“ dürfte auch beitragen, ein noch genaueres Bild zur Geschichte der Anti-Atom-Bewegung und den Gründen, warum in der Bundesrepublik und Westdeutschland, der Atomausstieg auch als Beitrag zur Demokratie-Bewegung in den kapitalistischen-marktwirtschaftlichen Staaten von Bedeutung war und ist. Für viele Recherchen – auch mit Blick auf die Arbeit des deutschen Bundestages und den Umgangsweisen der Bundesregierungen in den letzten Jahren stellt umweltFAIRaendern noch mehr Informationen und Hintergrund bereit. Wie ihr diese Arbeit unterstützen könntet (werbt für diesen Blog in euren Kreisen!), damit wir morgen noch kraftvoll zubeißen können? Aber fragt ruhig!

  • Siehe auch die Homepage Hubertus Zdebel. Hier findet ihr jetzt alle Beiträge von der Seite unter der Kategorie Atom-BT. Das wird demnächst auch im Menü noch nachgetragen.
  • Wichtig: Der Import der Beiträge hat noch diverse Probleme, sodass nicht immer alles bequem funktioniert. Aber: Alles Daten – z.B. die weiterführenden PDF-Dateien etc. befinden sich nun in der Mediathek auf umweltFAIRaendern als Duplikat. Wenn der Link noch auf die Seite von Zdebel zeigt, dort aber nichts zu finden ist, einfach den Link kopieren, die Domain-Angaben zu umweltFAIRaendern korrigieren. Dann müsste es klappen. Gern auch Feedback, wo es Probleme gibt.

* Tragt euch in die NEWS|Info Liste ein, wenn ihr weiterhin kostenlos von umweltFAIRaendern informiert werden wollt, was in Sachen Atomenergie zwischen nuklearem Risiko und wirtschaftlich-politischen Interessen, über Hintergründe und Zusammenhänge erfahren wollt. So bleibt ihr in jedem Fall aus erster Hand informiert.

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