Genehmigung erteilt: Über 150 hochradioaktive Atomtransporte nach Ahaus dürfen rollen

Das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat heute die bereits angekündigte Genehmigung für Atomtransporte mit hoch radioaktiven Abfällen aus Jülich und dem Forschungsreaktor München Garching erteilt. Für die Transporte von Jülich nach Ahaus hat das Bundesamt den Sofort-Vollzug genehmigt. Damit haben Klagen, wie der BUND NRW sie angekündigt hat, keine aufschiebende Wirkung für die Umsetzung der Genehmigung. Gegen die hochriskanten Atomtransporte gibt es seit Jahren erhebliche Proteste.

  • Spontandemo am 26. August 2025. 18:00 Uhr am BZA, Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ e.V. – Siehe als Reaktion auch DIE LINKE NRW:  Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus genehmigt: Stoppt den Irrsinn! Siehe auch Sofa Münster
  • Auch Westcastor ruft zu Mahnenwachen in Jülich und Ahaus auf. Auch die Linke in Jülich/Aachen reagiert mit einer Veranstaltung.
  • Die Zeit berichtet über die Reaktionen auch der Landesregierung mit der Titelzeile „Grünes Licht für Atomtransporte.“ Die Reaktionen aus dem NRW-Wirtschaftsministerium vergessen zu erwähnen, dass im Bund auch die Grünen sowohl in der damaligen Ampelfraktion im Bundestag als auch im BMU für die jetzt umgesetzte Variante der Atomtransporte nach Ahaus gestimmt hatten.
  • Die Stadt Ahaus reagiert mit der Ankündigung, zu prüfen, ob sie rechtlich gegen die Genehmigungen vorgehen will. Neben den beiden Atomtransportgenehmigungen für Garching und Jülich bezieht sich das auch auf die erteilte Einlagerungsgenehmigung für den Atommüll aus Garching in Ahaus.
  • Zur Einlagerungsgenehmigung nimmt auch der Betreiber des Zwischenlagers Ahaus, die BGZ hier per PM Stellung.
  • NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärte, das Land werde die Sicherheitsbehörden fachlich und technisch dabei unterstützen, die Sicherheit der Transporte zu gewährleisten. Auf „evangelisch“ heißt es: „NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärte, das Land werde die Sicherheitsbehörden fachlich und technisch dabei unterstützen, die Sicherheit der Transporte zu gewährleisten.“
  • Reaktionen der Grünen NRW und der Fraktion im Landtag NRW habe ich bislang nicht gesehen.
  • Die Grünen im Landtag Bayern reagieren ebenfalls per PM – siehe unten als Dokumentation.

Anti-Atom-Verbände hatten ein verbessertes Zwischenlager in Jülich gefordert, um die gefährlichen Transporte zu vermeiden. Jahrelang schoben sich die zuständigen Bundes- und Landesbehörden und Betreiber die Verantwortung gegenseitig zu. Initiativen haben weitere Proteste angekündigt. Z.B. am 31. August in Ahaus am Zwischenlager. Ein Antrag der Linksfraktion liegt im Bundestag im Umweltausschuss und kann erst im September befasst werden.

Zuletzt hatte Initiativen von linken und grünen Abgeordneten und Bürgerinitiativen versucht, den Umweltminister Schneider noch zu bewegen, auf Atomtransporte zu verzichten und eine Neubaulösung zu ermöglichen. Dazu hatte sie ihn vor der Erteilung der Genehmigung zu Gesprächen nach NRW eingeladen. Dieses Angebot hatte zunächst der Staatssekretär Flasbarth und zuletzt auch Schneider selbst gegenüber dem BUND NRW abgelehnt.

Dokumentation: PM Grünen im Landtag Bayern

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zur heute erteilten Genehmigung für zwei Transporte von abgebrannten Brennelementen vom Garchinger Forschungsreaktor FRM II in das Zwischenlager Ahaus durch das BASE erklärt Claudia Köhler, MdL, Landtags-Grüne:

„Damit kommt Deutschland bei der Lösung des Atommüllproblems keinen einzigen Schritt weiter. Die Verlagerung dieser hochgefährlichen Brennelemente – auch in den abgebrannten Brennelementen befindet sich immer noch waffenfähiges Uran, mit einer Anreicherung von ca. 86 Prozent – ist ein risikoreiches Unterfangen. Der Transport mit einem über 100 Tonnen schweren Gefährt über deutsche Straßen und Brücken wird eine technische und polizeiliche Herausforderung.“

„Mit der Verlagerung der Brennelemente in das älteste deutsche Zwischenlager ist unter Sicherheitsgesichtspunkten nichts gewonnen. Die zentrale Frage ist, wie können diese Brennelemente so bearbeitet werden, dass sie endlagerfähig sind? Dieser Frage verweigert sich die TU München seit zwei Jahrzehnten und schiebt sie vor sich her. Dabei wäre mit dem Radiochemie-Institut an der TU in München am ehesten die Kompetenz dafür vorhanden.“

„Es ist ein Armutszeugnis für den Forschungs- und Technologiestandort Bayern, dass diese technische Herausforderung nicht angenommen wird. Stattdessen wird das Problem in die Zukunft und 700 Kilometer weiter weggeschoben.“

Lena Motzer

Leitung Kommunikation | Pressesprecherin
Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag

Maximilianeum, 81627 München

Castor-Alarm NRW: Linke und Anti-Atom-Verbände mobilisieren, um Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus zu verhindern!

Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände und auch Die Linke in NRW mobilisieren gegen die drohenden Atomtransporte mit hochradioaktivem Strahlenmüll von Jülich und Garching nach Ahaus. Die zuständige Genehmigungsbehörde BASE hatte jüngst mitgeteilt, dass mit den geplanten über 150 Atomtransporten per LKW bereits ab Anfang Oktober gerechnet werden müsse. Noch aber hat das Bundesumweltministerium die letzte Zustimmung nicht erteilt. Ob der neue Bundesumweltminister Schneider noch vor einer solchen Entscheidung persönlich nach NRW kommt, wie es Abgeordnete und Umweltverbände fordern, ist noch unklar. Die Landesregierung in NRW bezeichnet die Atomtransporte im Koalitionsvertrag als „unnötig“. Ein Verbleib des Atommülls in Jülich wird favorisiert, um die enormen Risiken beim Transport zu vermeiden. Aber: Laut Bundesregierung gibt es seit Monaten keine Gespräche zwischen dem Bund und NRW, um eine weitere Zwischenlagerung in Jülich zu erreichen. Die Linke mobilisiert gemeinsam mit Anti-Atom-Initiativen auch mit Veranstaltungen in Krefeld, in Oberhausen, in Jülich und in Ahaus gegen die Castor-Transporte. Bereits zum 31. August rufen Initiativen rund um Ahaus zum Protest am Zwischenlager auf. 14 Uhr, Sonntagsspaziergang, um 13.40 Uhr fährt dazu ein kostenloser Shuttle-Bus vom Bahnhof in Ahaus – und nach der Demo gegen 16 Uhr wieder zurück.

Zuletzt hatte der Bundestag im Haushaltsausschuss im November 2022 mit den Stimmen der damaligen Ampelfraktionen SPD, Grünen und FDP auf Vorlage von den beteiligten Ministerien, darunter auch dem BMU, entschieden, dass der Transport nach Ahaus als kostengünstigere Variante zu bevorzugen wäre. Die Kosten für eine weitere Zwischenlagerung in Jülich inklusive Neubau einer entsprechenden Halle müsste das Land NRW allein tragen, während sonst eine Kostenaufteilung von 70 Prozent Bund und 30 Prozent NRW gilt. Gegen diesen Beschluss hatte es aus NRW seitens der Landesregierung keine bekannten Proteste gegeben.

Die Polizeigewerkschaft spricht von unverhältnismäßigen Einsätzen, die einen enorm hohen Aufwand bedeuten und über Jahre die Kolleg:innen massiv belasten werden. Darüber hatten u.a. auch die Aachener Zeitung und andere Zeitungen in NRW berichtet.

Die geplanten Veranstaltungen auf Initiative der Linken: Castor-Alarm NRW: Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus verhindern!

Krefeld: Montag, 8.9.2025, 18.00 Uhr.

Ort: Linkes Zentrum Krefeld (Bleichpfad 15d)
Mit:

  • Marita Boslar (Aktionsbündnis „STOP Westcastor“ in Jülich)
  • Edith Bartelmus-Scholich (Mitglied im Landesvorstand Die Linke in NRW)
  • Hubertus Zdebel (Landesvorstand Die Linke in NRW)

Oberhausen: Dienstag, 9.9.2025, 19.00 Uhr.

Ort: Paroli-Treff (Elsässer Straße 20)
Mit:

  • Kerstin Ciesla (stellv. Vorsitzende des BUND NRW e.V)
  • Edith Bartelmus-Scholich (Landesvorstand Die Linke in NRW)
  • Hubertus Zdebel (Landesvorstand Die Linke in NRW

Jülich: Donnerstag, 11.9.2025, 19.00 Uhr.

Gemeinsame Veranstaltung von Die Linke in NRW und dem Aktionsbündnis „STOP Westcastor“ in Jülich<
Ort: Kulturbahnhof (KuBa, Bahnhofstraße 13)
Mit:

  • Marita Boslar (Aktionsbündnis „STOP Westcastor“ in Jülich)
  • Kerstin Ciesla (stellv. Vorsitzende des BUND NRW e.V.)
  • Dr. Fabian Fahl (MdB, Die Linke)
  • Hubertus Zdebel (Landesvorstand Die Linke in NRW)

Ahaus: Mittwoch, 17.9.2025, 19.00 Uhr.

Ort: Stadthalle Ahaus

Mit:
• Vertreter*in der BI Ahaus
• Vertreter*des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen
• Mareike Hermeier (MdB, Die Linke)
• Hubertus Zdebel (Landesvorstand Die Linke in NRW)

Atomforschungsreaktor FRM II München Garching: Gericht bestätigt weiteren Betrieb mit atomwaffenfähigem Uran – Keine Revision zulässig

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde des Bund Naturschutz Bayern auf Zulassung einer Revision zur Prüfung der Zulässigkeit des Einsatzes von hochangereichertem, atomwaffenfähigem Uran als Brennstoff für den Atomforschungsreaktor FRM II in München-Garching abgelehnt. Damit wird das Urteil aus der vorherigen Instanz rechtskräftig. Erst gegen 2030 erwartet der Betreiber des FRM II, die technische Universität München den Einsatz von anderen Brennelementen, die dann nicht über 90 Prozent angereichertes Uran 235 enthalten, sondern dann unterhalb von 20 Prozent liegen sollen. (Foto: Betreiber)

Der Bund Naturschutz, aber auch andere Umweltaktive, hatten die Auffassung vertreten, dass der Einsatz der bisherigen Brennelemente mindestens seit über 10 Jahren nicht mehr zulässig. Das hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof  jüngst anders bewertet und außerdem die Revision nicht zugelassen.

Noch im August will die zuständige Genehmigungsbehörde BASE außerdem die Genehmigung für die Einlagerung von Atommüll aus München im Zwischenlager in Ahaus genehmigen und außerdem die ersten beiden Atomtransporte per LKW dafür genehmigen. Rund um Ahaus und in NRW gibt es wachsende Proteste, auch weil zusätzlich weitere 152 Atomtransporte aus dem Atommülllager Jülich nach Ahaus verschoben werden sollen.

Urananreicherung in Deutschland – Modernisierung läuft – Sicherheitsbegutachtung PSÜ abgeschlossen

Unter der schwarz-grünen Landesregierung in NRW wird die Urananreicherung der URENCO in Gronau mit Milliarden-Investitionen modernisiert und ertüchtigt. Vom Atomausstieg ist diese Uranfabrik ausgenommen. Hier wird das für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz in konventionellen Atomkraftwerken notwendige Uran angereichert. Ein technisch überaus anspruchsvoller Vorgang, bei dem die sensiblen Zentrifugen mit enormen Geschwindigkeiten rotieren, um das spaltbare Uran235 auf einen Anteil von drei bis fünf Prozent im gasförmigen Natururan zu erhöhen. Nur so kann die Kernspaltung in herkömmlichen Reaktoren funktionieren. Eine alle zehn Jahre nach Atomrecht erforderliche Periodische Sicherheitsüberprüfung PSÜ, die 2021 gestartet wurde, ist jetzt offenbar abgeschlossen. Die URENCO begeht grad ihr 40. Betriebsjubiläum, wie die Westfälischen Nachrichten berichten. Der Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und andere Oranisationen fordern die Stilllegung der Uranfabriken, um die Atomenergie auch international zu beenden. (Foto: URENCO)

URENCO ist nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ins Zentrum der weltweiten Uran-Geschäfte gerückt. Das Unternehmen betreibt unter strengen internationalen Kontrollen Urananreicherung in Almelo (NL), Capenhurst (GB), New Mexico (USA) und in Gronau in der Bundesrepublik. Dieser Tage begeht die deutsche Anlage ihren 40. Jahrestag der Inbetriebnahme.

Neben der Modernisierung von Zentrifugen, deren Einbau unter strenger Geheimhaltung erfolgt und wozu die Ministerien und das Unternehmen keine konkreten Angaben machen, soll außerdem ein Lager für abgereichertes Uran in Betrieb genommen werden. Dazu laufen die atomrechtlichen Vorbereitungen heißt es. Außerdem wird geprüft, eine Anlage für den Umgang mit kontaminierten, ausgemusterten Uran-Zentrifugen auf dem Gelände in Gronau zu errichten.

  • Einige Medien berichten derzeit davon, dass Russland möglicherweise eine neue, wesentliche effizientere Generation von Ultra-Gaszentrifugen in die letzte Testphase vor dem kommerziellen Einsatz schickt. Die Maschine läuft offenbar unter dem Kürzen HZ-10. Unter dem Dach von Rosatom ist das für Uran und Brennelemente zuständige Unternehmen TVEL mit der Entwicklung befasst. Dazu ein Bericht hier online – die Qualitität der Quelle ist von umweltFAIRaendern.de noch nicht überprüft. Allerdings berichtet auch die World Nuclear News über diese neue Entwicklung der russischen Uran-Anreicherung. Die USA hatten in den letzten Jahrzehnten die Fähigkeit einer eigenen modernen Urananreicherung technisch verloren und sind seit einigen Jahren mit hohen Kosten dabei, eine eigene Zentrifugen-Technik zu entwickeln und zu installieren. Dazu konzentrieren sich die USA auf die Anreicherungstechnik in Verbindung mit höher angereichertem Uran bis knapp unter 20 Prozent. Dazu bedienen sich die USA auch der teilweise deutschen Unternehmung URENCO, die am Standort in den USA demnächst die Urananreicherung von bis zu zehn Prozent angereichertem Uran starten will. Die neuen Uran-Brennstoffe firmieren unter dem Namen HALEU. Dazu Informationen auf umweltFAIRaendern.

Nachdem mehrfachen Super-Gau in Fukushima und dem Atomausstieg in Deutschland ist die Produktion von angereichertem Uran rückläufig gewesen. Nun ist das Unternehmen dabei, neue Zentrifugen zu installieren und die Produktion schrittweise auf die genehmigten Höchstmengen (4.500 t UTA/a) heraufzufahren.

Hintergrund sind Bemühungen, den Weltmarktführer Russland unter der Leitung des Atomkonzerns Rosatom mit seinen weltweiten Anreicherungsdienstleitungen zu verdrängen. Dazu werden in den USA und der EU Schritte eingeleitet. Allerdings gibt es keine Sanktionen oder gar einen Boykott, die den Betrieb von Atomkraftwerken gefährden könnte. Auch in den anderen Staaten ist URENCO dabei, die Kapazitäten der Urananreicherung auszubauen und zu erweitern.

In der Uranfabrik wird vor allem mit radio-toxischen Uranhexafluorid (UF6) hantiert. Vor allem chemisch ein extrem reaktionsfreudiges Fluor-Uran-Produkt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um mittel- oder hochradioaktives Material.

Auf der Homepage der Atomaufsicht NRW ist außerdem zu lesen, dass die vom Unternehmen im Rahmen der PSÜ vorgelegten Unterlagen und Gutachten anschließend überprüft worden sind. Dazu waren externe Gutachter am Start: „Von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde waren dazu als unabhängige Gutachter beauftragt worden: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS (Köln), Öko-Institut (Darmstadt) und TÜV SÜD (München).“

Weiter teilt das Ministerium auf der genannten Homepage mit: „Das Ergebnis der periodischen Sicherheitsüberprüfung 2021: Es gibt zur Abwehr von Gefahren oder zur Einstellung des Betriebs der Anlage aus Sicht der Atomaufsichtsbehörde keinen Handlungsbedarf. Gleichwohl sind Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde prüft deshalb fachlich die von den Gutachtern ausgesprochenen Empfehlungen.“

 

 

 

Dokumentation von der Homepage des Wirtschaftsministeriums NRW, 18.8.2025:

Urananreicherung

Urananreicherungsanlage Gronau

Am Standort Gronau betreibt die Urenco Deutschland GmbH die Urananreicherungsanlage Gronau. Die Urenco Deutschland GmbH ist ein Tochterunternehmen der Urenco Enrichment Company Limited mit Sitz in Großbritannien. Weitere Anreicherungsanlagen der Urenco Gruppe befinden sich in Großbritannien, in den Niederlanden und in den USA. Anteilseigner der Urenco-Gruppe sind je zu einem Drittel die Niederlande und Großbritannien im Rahmen staatlicher Beteiligungen und die deutschen Firmen RWE und PreussenElektra.

Das Wirtschaftsministerium NRW ist die zuständige atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde über die Urananreicherungsanlage Gronau (UAG). Sie hat im Jahr 1981 die erste nach § 7 Atomgesetz (AtG) notwendige Genehmigung für deren Errichtung erteilt. Die UAG wurde 1985 mit einer Trennleistung von 400 t UTA/a in Betrieb genommen (UTA = Urantrennarbeit). Letztmalig erfolgte eine atomrechtliche Genehmigung für den weiteren Ausbau und den Betrieb der Anlage im Jahr 2005. Genehmigt wurden u. a. die Erhöhung der Trennleistung von 1.800 t UTA/a auf bis zu 4.500 t UTA/a sowie die Errichtung und der Betrieb eines Uranoxid-Lagers. Das Uranoxid-Lager ist bereits 2014 am Standort Gronau errichtet worden. Seine nukleare Inbetriebnahme ist nach aktuellem Stand für 2025 vorgesehen und bedarf der Zustimmung durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde.

In der UAG wird Natururan in Form von Uranhexafluorid (UF6) mit einem Anteil von spaltbarem Uran-235 von 0,7 % mit Hilfe von Gasultrazentrifugen auf den für den Einsatz in Kernkraftwerken benötigten Gehalt von 5 % U-235 angereichert. Die Urananreicherung nach dem Gasultrazentrifugenprinzip ist die weltweit modernste und effizienteste Methode. Die Zentrifugentechnologie wurde aufgrund der Gefahren der Proliferation daher als „Geheim“ eingestuft. Aus dem durch die Anreicherung erzeugten „Product“ werden im Ausland wie auch in der einzigen in Deutschland ansässigen Brennelementfabrik in Niedersachsen Brennelemente für den Einsatz in Kernkraftwerken hergestellt. Es findet somit keine direkte Belieferung von Kernkraftwerken durch die Urenco Deutschland GmbH (Urenco D) statt.

Neben dem Wirtschaftsministerium NRW als staatlich zuständiger Atomaufsicht unterliegen die Tätigkeiten der Urenco D der Überwachung durch weitere Behörden; dazu zählen unter anderem

  • IAEA/Euratom für die Überwachung der sicheren Verwendung nuklearen Materials,
  • das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) für die Genehmigung der Beförderung von „Kernbrennstoffen“
  • für die Genehmigung der Beförderung „Sonstiger radioaktiver Stoffe“ die Bezirksregierung Münster (Straßen und Wasserwege) und das Eisenbahnbundesamt (bundeseigenes Schienennetz)
  • das Bundesumweltministerium (BMUV) für die Überwachung der Einhaltung der Verträge von Almelo, Cardiff, Washington und Paris betreffend die Zentrifugentechnologie
  • das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für Exportgenehmigungen

Genehmigungsantrag für ein Zentrifugenlager

Die Urenco D hat mit Schreiben vom 25. Oktober 2024 die Errichtung und den Betrieb eines neuen Zentrifugenlagers beim Wirtschaftsministerium NRW beantragt. Dort sollen defekte Zentrifugen bis zu ihrer aus Geheimhaltungsgründen komplexen Verwertung in einem noch in Planung befindlichen speziellen Reststoffbearbeitungszentrum am Standort der UAG gelagert werden.

Der Genehmigungsantrag für das Zentrifugenlager wird vom Wirtschaftsministerium NRW gemäß den Vorgaben der atomrechtlichen Verfahrensverordnung (AtVfV) geprüft. In einem ersten Schritt wurde eine allgemeine Vorprüfung zur Feststellung der Umweltverträglichkeitsprüfungspflicht (UVP-Pflicht) gemäß dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) durchgeführt. Die Prüfung hat ergeben, dass eine UVP für die Errichtung und den Betrieb eines Zentrifugenlagers nicht erforderlich ist. Durch die beantragte Änderung der bestehenden Gesamtanlage werden keine zusätzlichen oder anderen erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen hervorgerufen.

Periodische Sicherheitsüberprüfung 2021 der UAG

Betreiber kerntechnischer Anlagen sind nach dem Atomgesetz (AtG) dazu verpflichtet, jeweils alle zehn Jahre die Ergebnisse einer periodischen Sicherheitsüberprüfung vorzulegen. Ziel der periodischen Sicherheitsüberprüfung ist die Überprüfung und Bewertung der nuklearen Sicherheit der Anlage in Bezug auf die Beherrschung der in den einschlägigen Regelwerken festgelegten Störfälle durch die Sicherheitseinrichtungen der Anlage. Nach Ablauf von 10 Jahren wurde nach § 19a AtG bei der Urenco D im Jahr 2021 (Stichtag 30.06.2021) die dritte periodische Sicherheitsüberprüfung durchgeführt. Hierzu sind die eingereichten übergreifenden Analysen und Beurteilungen durch die hinzugezogenen Sachverständigen final begutachtet worden.

Das Ergebnis der periodischen Sicherheitsüberprüfung 2021: Es gibt zur Abwehr von Gefahren oder zur Einstellung des Betriebs der Anlage aus Sicht der Atomaufsichtsbehörde keinen Handlungsbedarf. Gleichwohl sind Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheit der Anlage angezeigt. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde prüft deshalb fachlich die von den Gutachtern ausgesprochenen Empfehlungen.

Die von der Betreiberin betriebsbegleitend umzusetzenden Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung des Sicherheitszustandes der Anlage werden atomaufsichtlich überwacht.

Bei der Überprüfung wurden alle sicherheitstechnisch relevanten Themen untersucht, die den Standort, die Standorteinwirkungen, die Auslegung und den Betrieb der Anlage sowie die Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und zur Abmilderung von Unfallfolgen betreffen. Hierbei wurden die radiologischen und chemischen Auswirkungen, die Betriebssicherheit, die Anlagensicherung sowie die Entsorgung und die Stilllegbarkeit der Anlage und mögliche Einwirkungen von außen wie Erdbeben, Explosionsdruckwellen und Hochwasser berücksichtigt.

Von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde waren dazu als unabhängige Gutachter beauftragt worden: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS (Köln), Öko-Institut (Darmstadt) und TÜV SÜD (München).

Enrichment Technology Company

Die Enrichment Technology Company Deutschland (ETC D) beschäftigt sich am Standort in Jülich mit der Entwicklung und Fertigung von Zentrifugen und Bauteilen für die Anreicherungstechnologie. Die ETC D gehört wie die Urenco Deutschland GmbH zur Urenco-Gruppe. Die Betriebsstätte in Jülich ist eng mit den Betrieben der Urenco-Gruppe, auch in den Niederlanden und England, verflochten.

Das Wirtschaftsministerium NRW ist die zuständige atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde über die Verwendung von Kernbrennstoffen (§ 9 AtG) bei der ETC D in Jülich.

Informationen zum Betrieb

https://www.wirtschaft.nrw/informationen-zum-betrieb

Atommüllprobleme: verharmlost und ungelöst – Über 4000 Einwendungen ans BMU übergeben

Der Umgang mit allen Arten von Atommüll ist und bleibt ein weitgehend ungelöst Problem. Von einer vermeintlich dauerhaft sicheren Endlagerung sind wir weit entfernt. In Jülich sollen deshalb über 150 Atommülltransporte mit hochaktivem Strahlen-Brennstoff per LKP von einer Zwischenlösung zur nächsten transportiert werden. Mit dabei Risiken und Nebenwirkungen und verbunden jeweils mit einem Großaufgebot von Polizei. Nuklearer Irrsinn. Gleichzeitig legt das Bundesumweltministerium einen Bericht zum Stand und weiteren Umgang mit allen Arten von Atommüll vor, der die Probleme überwiegend verharmlost. Gegen dieses sogenannte „Nationale Entsorgungsprogramm“ gibt es Proteste. Über 4000 Einwendungen von Initiativen und Umweltschützer:innen wurden dem BMU jüngst übergeben. Die Entwürfe für den Bericht zum sogenannten NaPro stammen noch aus dem grünen BMU der letzten Regierung. (Foto: .ausgestraht)

Dokumentation einer PM (hier von der Seite des BUND):

Atommüll-Probleme bleiben ungelöst

31. Juli 2025 | Atomkraft

.ausgestrahlt, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übergeben über 4.000 Stellungnahmen an Bundesumweltministerium

    • Bündnis an Organisationen stuft Atommüll-Entsorgungsprogramm der Bundesregierung als mangelhaft ein
    • Zwischenlager zu unsicher – langfristiger Gesamtplan ist nötig
    • Mit der Suche nach einem Endlager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle muss jetzt begonnen werden

Die Organisationen .ausgestrahlt, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben heute über 4.000 Stellungnahmen an Jochen Flasbarth (SPD), Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) übergeben. Die Stellungnahmen bestätigen: Das Atommüll-Entsorgungsprogramm ist mangelhaft und greift wichtige Punkte nicht auf. So werden die tatsächlichen Zeitstränge der Endlagersuche und die sich daraus ergebenden Probleme auch bei der Zwischenlagerung nicht benannt. Ebenso verschweigt die Bundesregierung bereits bekannte Sicherheitsprobleme der Zwischenlager, rostende Fässer und fehlende Genehmigungen. Anlass für die Übergabe der Stellungnahmen ist das sogenannte Nationale Entsorgungsprogramm (NaPro). Darin informiert die Bundesregierung die Europäische Union (EU) darüber, wie sie mit dem deutschen Atommüll umgehen will.

Helge Bauer, .ausgestrahlt: „Mit dem Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro) hat die Bundesregierung einen Flickenteppich als Atommüllprogramm vorgelegt. Kein Wort dazu, wie die jetzt schon ständig auftretenden rostenden Fässer in den Zwischenlagern in Zukunft verhindert werden sollen. Kein Wort zu den vielen geplanten, gefährlichen und vor allem unsinnigen Castortransporten, die noch quer durch die Republik gehen sollen. Auch zum Atommüll, der auf Hausmülldeponien landet, gibt es keine Aussagen. Dazu kommt, dass das NaPro bei der Endlagersuche für schwach-, mittel- und hochradioaktiven Atommüll auf falsche Wege setzt. Die Bundesregierung kann und darf sich aber kein weiteres gescheitertes Endlagerprojekt mehr leisten. Das Vertrauen in ihre Lösungskompetenz ist bereits zu stark beschädigt.“

Bundesregierung muss realistischen Plan für Atommüll vorlegen

Seit acht Jahren läuft die Suche nach einem unterirdischen Lager für die hochradioaktiven Abfälle. Es wird noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis es ein Endlager gibt. So lange liegt der deutsche Atommüll in Zwischenlagern, deren Sicherheit schon jetzt mehr als fraglich ist.

Juliane Dickel, BUND-Expertin für Atompolitik: „Statt ein solides Gesamtkonzept zu erarbeiten, setzt die Bundesregierung in ihrem Atommüll-Entsorgungsprogramm auf ein Weiter-So. Dabei gehen aktuelle Zeitabschätzungen davon aus, dass der Müll noch sehr lange oberirdisch zwischengelagert werden muss. Die Probleme durch alte Lagergebäude, Behälter und die darin gelagerten Brennelemente wachsen, geopolitische Bedrohungen verändern sich. Klar ist, es braucht dringend einen verantwortungsvollen Umgang mit dem gefährlichen Atommüll. Doch das alles bildet das Programm nicht ab. Damit Mensch und Umwelt bestmöglich geschützt sind, muss die Bundesregierung jetzt alle Fragen für ein bundesweites tragfähiges Atommüll-Gesamtkonzept auf den Tisch legen und sie gemeinsam mit den Betroffenen diskutieren. Der Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität erhalten.“

Ungeeignetes Endlagerprojekt Schacht Konrad beenden

Während für den hochradioaktiven Abfall aktuell ein Endlager gesucht wird, legt der Gesetzgeber mit Blick auf schwach- und mittelradioaktive Abfälle sehr viel geringere Maßstäbe an. Ein Teil dieser Abfälle soll in das ehemalige Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter eingelagert werden. Dies erfüllt jedoch keine der heutigen Anforderungen an ein Endlager, wie einen sicheren Einschluss der Abfälle. Auch wird voraussichtlich deutlich mehr Radioaktivität im Grundwasser landen.

Marianne Neugebauer, Geschäftsführender Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD: „Im NaPro wird komplett ausgeblendet, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ganz entscheidend ist zum Beispiel der fehlende einschlusswirksame Gebirgsbereich, der den Atommüll allseitig wirksam und sicher einschließen soll. Auch wird nicht thematisiert, dass die wasserrechtliche Zulassung der Abfälle für Schacht KONRAD fehlt. Dabei bedeutet das, dass es aktuell kein einziges Fass gibt, das eingelagert werden darf. Im NaPro wird fortgesetzt, was wir bei Schacht KONRAD seit Jahrzehnten erleben: Die vorhandenen Probleme werden nicht benannt und die entsprechenden Konsequenzen nicht gezogen. Anstatt weiter Geld im ungeeigneten Schacht zu versenken, muss das veraltete Projekt endlich aufgegeben werden und jetzt mit der Suche für ein Endlager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle begonnen werden.“

Hintergrund:

Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, ein Nationales Entsorgungsprogramm vorzulegen und alle zehn Jahre zu aktualisieren. Darin legen sie dar, wie sie mit Atommüll umgehen und wie sie ihn entsorgen wollen. In diesem Jahr steht die erste Aktualisierung an. Im Rahmen einer Strategischen Umweltprüfung konnte die Öffentlichkeit Stellung nehmen. Neben fachlichen und Einzelstellungnahmen haben verschiedene Organisationen im Rahmen der bundesweiten Atommüllkonferenz eine gemeinsame Stellungahme erarbeitet, darunter .ausgestrahlt, die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD, die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der BUND und die Wolfenbüttler AtomAusstiegsGruppe.

Mehr Informationen:

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