Atomforschungsreaktor München Garching 2000 Tage außer Betrieb

Seit nunmehr 2000 Tagen ist der Atomforschungsreaktor Garching außer Betrieb. Zuletzt hatten immer neue Probleme bei der Reparatur an einem Herzstück der Anlage zu weiteren Verzögerungen beim Versuch einer Inbetriebnahme geführt. Die Grüne Landtagsfraktion in Bayern  erinnert jetzt in einer PM an Pannen und Störfalle der letzten Jahre und fordert eine Aufarbeitung. Der Atomforschungsreaktor setzt hochangereichertes, waffenfähiges Uran als Brennstoff zur Herstellung von Neutronen für Forschungszwecke ein. (FOTO: FRM II)

Daran gibt es seit Jahrzehnten massive Kritik. Dennoch haben Gerichte zuletzt den weiteren Betrieb mit diesem Brennstoff gegen Klagen vom BUND Naturschutz Bayern bestätigt. In den nächsten sollen außerdem Atomtransporte mit dem verbrauchten hochaktiven Atommüll von Garching nach Ahaus stattfinden. Aufgrund der damit verbundenen Risiken bestehen höchste Sicherheitsanforderungen auch mit Blick auf den Terrorschutz.

Dokumentation PM Grüne Landtag Bayern.

5. September 2025 – Forschungsreaktor FRM II: 2000 Tage „Herzstillstand“

Landtags-Grüne kritisieren Schönrederei und kündigen Anfrage zur Aufarbeitung der zahlreichen Pannen an

München (5.9.25/fsa) „Am Garchinger Forschungsreaktor herrscht seit 2000 Tagen Herzstillstand“, so Claudia Köhler, Grünen-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis München. Sie bezieht sich auf Staatskanzleiminister Dr. Florian Herrmann, der noch im letzten Jahr überschwänglich schwärmte: „Hier schlägt das Herz der deutschen Kerntechnik-Forschung!“

Claudia Köhler: „Ein guter Kardiologe wäre der Minister nicht. Denn am kommenden Wochenende sind es 2000 Tage, seitdem der Reaktor keine Neutronen mehr produziert. Und es ist immer noch kein Ende abzusehen, schon gar nicht mit der lang geforderten Umrüstung und der Abkehr von hochangereichertem Uran. Es ist höchste Zeit, Schluss zu machen mit dem Schönreden und stattdessen endlich zu handeln.“

Die letzten Neutronen wurden in Garching am 16. März 2020 produziert.

„Durch eine beispiellose Schlamperei wurde damals ein Abgasschlauch nicht angeschlossen und dadurch innerhalb von zwei Wochen mehr als die erlaubte Jahresemissionsmenge des radioaktiven Stoffs C14 in die Luft geblasen“, stellt Claudia Köhler fest. In der Konsequenz musste der Betrieb umgehend eingestellt werden. Das gesamte Sicherheits- und Betriebskonzept kam auf den Prüfstand und musste überarbeitet werden.

Doch das war erst der Anfang einer Pannenserie:

  • Ein Jahr später, 2021, meldete sich die sogenannte „Kalte Quelle“, eine zentrale experimentelle Komponente, vom Dienst ab. Sie erzeugte nicht mehr genügend „kalte“, also langsame Neutronen; eine Reparatur war nicht möglich. Sie musste vollständig ausgebaut und ersetzt werden.
  • Im Januar 2022 meldete die TU München den dramatischsten Rückschlag: Am Zentralkanal trat ungeplant, aber kontinuierlich Flüssigkeit aus. Auch hier: keine Reparatur möglich, ein vollkommener Ersatz war nötig. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht einmal eine ausreichende Dokumentation über die Herstellung dieses Zentralkanals gab. Es musste von vorne die Suche nach einem Lieferanten begonnen werden. Die Herausforderung besteht darin, Material zu finden, das den Neutronenbeschuss aushält.
  • Im 1. Quartal 2024 kündigte die TU an, wieder in Betrieb gehen zu können. Doch in nahezu regelmäßigen Abständen wurde dieser Termin verschoben, zuletzt auf Ende 2025 – der Termin ist nach Ansicht der Landtags-Grünen nicht mehr zu halten.

Markus Büchler, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Oberschleißheim, erklärt: „Seit sieben Jahren lenken die CSU-Minister und die TU mit Leuchtturmgefasel und Pressemeldungen von der Schlamperei ab. Immer wieder werden wider besseres Wissen eine Wiederinbetriebnahme und angebliche Durchbrüche für die Umrüstung weg vom hochangereicherten Uran (HEU) angekündigt und die Öffentlichkeit hingehalten.“

„In Wirklichkeit ist der FRM II seit Jahren mehr Baustelle als Forschungsstätte. Schon vor den 2000 Tagen Stillstand gab es anhaltende Korrosionsprobleme, Probleme beim Transport von Brennelementen und immer wieder ‚Wartungspausen‘. Der internationalen Forschung hat man 87 Brennelemente-Zyklen versprochen, geschafft hat man mit 47 gerade mal gut die Hälfte. Wenn das so weitergeht, ist der FRM II ein herausragendes Symbol für Aussitzen und Geldverschwendung in der Spitzenforschung“, so Markus Büchler.

Die Grünen-Abgeordneten kündigen eine Anfrage (Anhang) an, in der sie klare Aussagen und zeitnahes Handeln von der Staatsregierung einfordern, um den Ruf Bayerns als verlässlicher Wissenschaftsstandort zu sichern.

Die eingereichte Anfrage ist hier:  

Schriftliche Anfrage
der Abgeordneten Claudia Köhler, Dr. Markus Büchler, Martin Stümpfig BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN vom 02.09.2025

Zum Ersatz des Zentralkanals am Forschungsreaktor FRM II in Garching
Anfang des Jahres 2022 wurde bekannt, dass der Zentralkanal am Forschungsreaktor FRM II
der TU München nicht mehr dicht ist und nicht mehr repariert werden kann. Der Austausch des
Zentralkanals ist bis heute nicht abgeschlossen und in Kombination mit einer Reihe von anderen
Ereignissen liefert der FRM II – entgegen vielfältiger Ankündigungen – seit 2000 Tagen keine
Neutronen mehr.

In diesem Zusammenhang fragen wir die Staatsregierung:

1. a) Wann wurde die Undichtigkeit des Zentralkanals das erste Mal festgestellt und von wem?
b) Wann wurde die Staatsregierung davon informiert?

2. a) Wann wurde von wem festgestellt, dass eine Reparatur nicht möglich ist und ein Austausch
des Kanals erforderlich ist?
b) Wann wurde die Staatsregierung davon informiert?

3. a) Wann wurde der Auftrag zur Fertigung eines neuen Zentralkanals vergeben?
b) Wurde mit der Auftragserteilung eine Terminsetzung mit dem Hersteller vereinbart?
c) Wenn ja, welcher Termin wurde vereinbart?

4. a) Falls ein Termin vereinbart wurde: Was war der Grund bzw. die Gründe dafür, dass der
Termin vom Hersteller nicht eingehalten wurde?
b) Wann wurde der Zentralkanal an die TU München geliefert?
c) Wann hat der Einbau des Zentralkanals begonnen?

5. a) Welche weiteren Gründe gibt es dafür, dass die vielfältigen Ankündigungen der TU München
zur Wiederinbetriebnahme des Reaktors nicht eingehalten wurden?
b) Ist es richtig, dass der zuletzt öffentlich genannte Termin einer Wiederinbetriebnahme zum
Jahresende 2025 wiederum nicht eingehalten werden kann?
c) Wenn ja, was ist die Ursache dafür?

6. a) Ist es richtig, dass es zur Herstellung des ursprünglichen Zentralkanals weder bei der TU
München noch beim damaligen Hersteller eine vollständige Dokumentation gibt?
b) wenn ja, wer ist dafür verantwortlich?

7. a) Ist es richtig, dass ein (regelmäßiger) Austausch des Zentralkanals schon zu Zeit der
Inbetriebnahme absehbar war?
b) Wenn ja, wann hat man damals mit einem ersten Austausch gerechnet?

8. a) Wie hoch waren die erwarteten Kosten für die Herstellung des Zentralkanals zum Zeitpunkt
der Auftragsvergabe?
b) Bei welchem Kostenstand ist man aktuell?

Miteinander gegen Spaltung: BOLERO – Miteinander für Freiheit

Ich bin Fan von sowas. Aber vor allem von: Freiheit und gemeinsam. Miteinander. Bolero. Ravel. Muss Mensch drüber reden. (Foto: Screenshot)

Sonst vielleicht über YouTube . Oder sucht öffentlich rechtlich nach dieser wundervollen Dirigentin und dem Ravel wo ihr wollt. Aber Ohr und Herz offen. „Ravel – Boléro | Alondra de la Parra | WDR Sinfonieorchester“

 

Jülich, Garching, Ahaus: Nukleare Verantwortungslosigkeit – Hochriskante Atommülltransporte als Folge politischen Totalversagens

Rund 300 Menschen demonstrierten heute auf dem kurzfristig anberaumten „Sonntagsspaziergang“ am Atommülllager in Ahaus, NRW.  Am vergangenen Montag hatte die dafür zuständige Bundesbehörde die entsprechenden Genehmigungen für über 150 Atommülltransporte erteilt, nur zwei davon kommen aus dem Atomforschungsreaktor in München-Garching. Alle anderen aus dem ehemaligen Atomforschungszentrum Jülich. Für die extrem gefährlichen Atomtransporte gelten enorm hohen Terrorschutzanforderungen, im Beamtendeutsch als SEWD bezeichnet. Tausende Polizei und Sicherheitsbedienstete kommen im Vorfeld und bei der Durchführung der Transporte großräumig zur Gefahrenabwehr zum Einsatz. Jahrelang hatten sich Bundes- und Landesbehörden in Regierungen mit CDU, FDP und Grünen in NRW und SPD, FDP und Grüne sowie jetzt CDU,CSU und SPD im Bund – und Betreiber JEN –  die Verantwortung gegenseitig zugeschoben. Und selbst die absurdesten Varianten geprüft (Verschiffung der hochriskanten Atomfracht in die USA). Ein schnellstmöglicher Neubau des Jülicher Zwischenlagers und die weitere Lagerung vor Ort wäre die beste Lösung gewesen, wurde aber weder von der Landesregierung noch vom Bund tatsächlich verfolgt. Ein solches neues verbessertes Zwischenlager könnte jetzt längst in Betrieb sein.

  • Der WDR berichtet in Westpol unter dem Titel „Castor-Transporte: Schwarzer Peter mit Atommüll“ hier mit diesem Video. (Laut Angaben des WDR ist der Videobeitrag „Verfügbar bis 31.08.2030″.)Dort äußert sich auch der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei zu den enormen Herausforderungen. Und außerdem Vertreter:innen der BI Ahaus, die von der Grünen Mona Neubaur, zuständige Ministerin in NRW, enttäuscht sind: (Burkhard Helling) „Und dann fragen wir uns wirklich: Wer lügt denn da? Und warum lügt man? Und warum sagt man uns nicht die Wahrheit, das das alles schon längst beschlossen ist.“ Rückfrage zur Rolle Mona Neubauer, zuständige Grüne Ministerin in NRW, (Antwort Janna Dujesiefken): „Sie hat zumindest grad zu wenig, oder in den letzten Jahren, getan, um uns ein anderes Gefühl zu signalisieren.“
  • Die Münsterländer Inis SOFA informieren hier über den Aktionstag und Hintergründe. Die BI Ahaus kommentiert hier. Und die näher zu Jülich aktiven bei Westcastor reagieren hier. Die Linke hatte außerdem aufgerufen: Atomtransport-Wahnsinn: Am Sonntag zum Spaziergang nach Ahaus! Wüst und Neubaur müssen sich politischer Verantwortung stellen!

Doch das Verantwortungskarussell geht weiter: Die Grüne Wirtschaftsministerin in NRW verweist auf den Bund, wo heute die SPD zuständig ist. Als die Weichen gestellt wurden, waren aber Grüne im BMU und in der Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss mitverantwortlich und haben die Transporte nach Jülich als die vorteilhaftere Variante festgelegt. Im November 2022, als das passierte, gab es in NRW keinen Widerspruch und wichtiger: keine Gegenmaßnahmen. Der BUND in NRW hat gegen die Transportgenehmigung für Jülich Widerspruch beim zuständigen Bundesamt eingelegt. Klagen könnten folgen.

Möglicherweise ab November könnten die Atomtransporte per gepanzerten LKWs auf die Reise gebracht werden. In den 152 Castor-Behältern vom Typ MTR in Jülich befinden sich „maximal 288161 Brennelemente mit ursprünglich max. 720,7 kG Uran mit max. 290,3 kg Uran-235 und max. 1850kg Thorium sowie kernbrennstofffreie Absorberkugeln.

Das Uran für den Einsatz in diesem irrwitzigen Atomreaktor mit 93 Prozent atomwaffenfähigem Uran235 angereichert. Ein solcher „Hochtemperaturreaktor“, wie er in Jülich als Prototyp und später in Hamm Uentrop gebaut wurde, sollte mit atomwaffenfähigem Uran betriebenen Reaktorkern als deutscher Exportschlager in alle Welt verkauft werden. Man muss wirklich tief durchatmen, dass solche eine wahnwitzige Idee an den Grenzen des technisch machbaren gescheitert ist.

Am Ende bleibt: Nach der Bestrahlung im damaligen „Hoffnungs-Atomreaktor“ – dem AVR Jülich, der zum Exportschlager werden sollte, enthält der hoch radioaktive Atommüll immer noch 537 kg Uran, davon 59 kg spaltbares Uran 235 und 25 kg Uran 233. Zudem die Gesamtmenge von 6,3 kg Plutonium. Die gesamte Aktivität wird mit 98 PBq und einer Wärmeleistung von 9,12 kW angegeben. In jedem Castor-Behälter befinden sich nach Angaben von BASE maximal 1900 Brennelemente bei einer Uranmenge von 13,2 kg insgesamt 1,4 Kilogramm Uran235 und 233 sowie 0,2 Kilogramm Plutonium. Die Aktivität je Behälter ist maximal auf 0,64 PBq und eine Wärmeleistung von 0,060 kW begrenzt.

13 Achsen! Mit Panzerungen und Gehäuse rund 130 Tonnen schwer. LKW-Bau am technischen Limit. Dazu ein Behälter mit hoch radioaktiven und hoch angereichertem Atommüll und nur knapp 10 Tonnen Gesamtgewicht mit Inhalt pro Behälter. Eine toxische Partnerschaft mit enormem Gefährdungspotential, für deren Schutz es tausender Polizei- und Sicherheitskräfte bedarf. Foto: Betreiber JEN.

Es ist nicht wirklich viel radioaktives Material, welches da in die dickwandigen Stahlbehälter namens Castor gepackt wird. Die LKWs, die eine maximal mögliche Gefahrenabwehr sicherstellen sollen, sind gepanzert und gegen erheblich Waffenbeschuss ausgelegt. Sie wiegen rund 130 Tonnen, also rund das 13 Fache des Inhalts in den Atommüllbehältern. Mehr geht nicht, dann wäre ein Transport über das bestehende Straßensystem und möglicherweise noch mal erhöhten Terrorschutzanforderungen einfach gar nicht mehr denkbar, technisch nicht herstellbar. Extrem-Gefahren treffen Extreme in Materialentwicklung und Ingenieurskunst. Allein 161 „sicherungstechnische Unterlagen“ hatte der Transporteur Orano NCS für die Einzeltransporte der Genehmigungsbehörde zur Prüfung übergeben.

„Sicherung“ bezieht sich in Sachen Atomenergie immer auf Aspekte der Einwirkung von „Außen“. Damit sind nicht Klimafolgen gemeint, sondern der Einsatz von Waffen, z.B. Drohnen, panzerbrechende Waffen oder derartiges. In jedem Fall gilt: Ein Transport ist immer auch ein bewegliches Ziel für terroristische und seit der Ukraine auch kriegerische Aktionen.

„Sicherheit“ ist als Wort im Einsatz, wenn es um Risiken im Bereich technisches oder menschliches Versagen im Einsatz oder durch die Technik in ihrer Anwendung entstehen.

Wie das zuständige Bundesamt BASE in der Genehmigung mit Datum 25-08-2025 schreibt: „Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung erhoben werden.“ Und oder außerdem Proteste per Demos und Aktionen?

 

Sicherheits- und Atombehörden prüfen: Uran-Brennstoff mit russischer Unterstützung „Made in Germany“ – auf Antrag Frankreichs

„Die zusätzlichen Prüfungen zur inneren und äußeren Sicherheit wegen russischer Spionage, Sabotage, Manipulationen und Desinformation … sind einzigartig und erfolgen in enger Kooperation mit den Sicherheitsbehörden des Bundes und sind streng vertraulich.“ So antwortet die zuständige Genehmigungsbehörde in Niedersachsen auf eine Anfrage von umweltFAIRaendern.de über die Planungen zur gemeinsamen Fertigung von Uran-Brennelementen des französischen Atomkonzerns Framatome mit dem russischen Atomkonzern Rosatom im emsländischen Lingen. „Wir können derzeit keine Prognose abgeben, wann eine Entscheidung fallen wird“, heißt es mit Blick auf die Frage, wann eine entsprechende atomrechtliche Genehmigung erfolgen könnte.

In der Uranfabrik in Lingen werden unter dem Dach des französischen Atomkonzerns Framatome bislang Brennelemente für den Einsatz in westlichen Atomkraftwerken hergestellt. Künftig soll nach dem Willen von Framatome daran auch der russische Atomkonzern Rosatom beteiligt werden. Dazu hat die Advanced Nuclear Fuels Lingen (ANF) einen entsprechenden Antrag nach dem Atomgesetz bei der zuständigen Atombehörde im Umweltministerium Niedersachsen gestellt. Das Atomrecht ist Sache des Bundes, der teilweise die Genehmigungen und die Aufsicht an die Bundesländer delegiert hat.

Statt der viereckigen Brennelemente für westliche Reaktoren zeichnen sich die Brennelemente für russische Reaktoren durch ihre sechseckige Bündelung aus. So will Frankreich auch der Konkurrenz von Westinghouse etwas entgegenstellen, die seit Jahren an der Entwicklung und dem Einsatz von VVER-Brennelementen arbeiten. Damit soll die wirtschaftlich seit Jahren schwächelnde Uranfabrik in Lingen besser ausgelastet werden. Das niedersächsische Umweltministerium ist in „Auftragsverwaltung“ für den Bund zuständig, das entsprechende atomrechtliche Genehmigungsverfahren für die Produktpaletten-Erweiterung zu entscheiden.

Um den Weg für Herstellung und Einsatz von VVER-Brennelementen im Vergleich zu Westinghouse abzukürzen, will Framatome das Knowhow, Lizenzen und Technik sowie Maschinen von Rosatom nutzen. Anders könnte Framatome den bestehenden Entwicklungsvorsprung von Westinghouse bei VVER nicht mehr einholen. Reaktoren in Finnland, der Ukraine und anderen osteuropäischen Staaten nutzen dieses Format. Diese Kooperation zwischen Framatome und Rosatom ist bereits vor dem Ukraine-Krieg auf den Weg gebracht worden und zielt auch auf den Ausbau der Atomgeschäfte in Richtung Asien und China.

Nach dem Erörterungstermin im Frühjahr laufen im atomrechtlichen Verfahren beim niedersächsischen Umweltministerium offenbar noch weitere Prüfungen, die mit der Kriegssituation zu tun haben. Das Ministerium teilt mit, „die Prüfung des Antrags dauert an, wir sind hierzu im engen Austausch mit dem Bund. Es handelt sich aufgrund der Sicherheitsaspekte und der geplanten engen Kooperation mit Russland nicht um einen alltäglichen Vorgang, wie auch das Gutachten des BMU von Prof. Roller zeigt: https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/gutachten_brennelemente_lingen_bf.pdf.“

Aufgrund der bislang bestehenden Abhängigkeiten einiger EU-Staaten, aber auch der Schweiz oder der USA, von der Versorgung mit Uran-Brennstoff aus Russland sind Sanktionen im Uranhandel bislang kaum verhängt worden. Ungarn, aber auch Frankreich blockieren in der EU entsprechende Maßnahmen. Die Uranfabrik ist Lingen ist vom Atomausstieg in Deutschland ausgenommen und verfügt über eine unbefristete Genehmigung. Seit Jahren hat die Uranfabrik in Lingen immer wieder Uran zur Weiterverarbeitung auch aus Russland und Kasachstan erhalten.

 

 

Atommüll: BUND NRW legt Widerspruch gegen Transportgenehmigung ein

Der Landesverband NRW des BUND hat heute gegen die am Montag erteilte Genehmigung für Atomtransporte mit hoch radioaktivem Strahlenmüll von Jülich nach Ahaus Widerspruch beim zuständigen Bundesamt BASE eingelegt. In der PM heißt es: „Mit dem Widerspruch wurde auch Akteneinsicht in die vom Transportunternehmen Orano NCS GmbH eingereichten sicherheitstechnischen Unterlagen und die der Genehmigung zugrunde liegenden Verwaltungsvorgänge verlangt. Dazu beantragte der BUND, die Vollziehung der Beförderungsgenehmigung auszusetzen.“ (Unten als Dokumentation.) Weitere Widersprüche in Bezug auf die ebenfalls erteilte Genehmigung von atomwaffenfähigem hoch radioaktiven Atommüll aus dem Forschungsreaktor München Garching nach Ahaus werden erwartet. Prüfungen, ob die am Montag außerdem erteilte Einlagerungsgenehmigung für den Atommüll aus Garching in Ahaus Gegenstand rechtlicher Schritte werden, erfolgen zurzeit. (Foto: Betreiber JEN)

Insgesamt 152 Atommüllbehälter aus Jülich und zunächst zwei weitere Behälter mit Atommüll aus Garching sollen mit gepanzerten Spezial-LKWs nach Ahaus rollen. Auch die taz berichtete über das Thema.

Der BUND NRW fordert wie viele andere einen Verzicht auf die unnötigen Atomtransporte und den verbleib vor Ort in Jülich, wo schnellstens ein neues besser gesichertes Zwischenlager errichtet werden müsse. Auch die Gründe für die jetzt erklärte Eilbedürftigkeit der Atomtransporte hält der Umweltverband für vorgeschoben. Kerstin Ciesla vom BUND Landesvorstand NRW: „Durch die Anordnung der sofortigen Vollziehung der Genehmigung soll der Rechtsweg abgeschnitten werden. Dabei sind die für den Sofortvollzug angeführten Gründe an den Haaren herbeigezogen.“

Auf Proteste und Gefahren der Atomtransporte berichtet auch der WDR aktuell. Darin warnt die Atomphysikerin Oda Becker warnt in dem Bericht vor dem Gefahrenpotential des Atommülls und den mit den Transporten selbst verbundenen Risiken bei Unfällen. Darüber hatte auch Westcastor bereits informiert und auch umweltFAIRaendern.de

Aufgrund des enormen Gefahrenpotentials werden die Transporte von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Die Polizeigewerkschaft NRW hatte wiederholt diese Atomtransporte kritisiert und sogar als „unverhältnismäßig“ bezeichnet. Aktuell kommentiert die Gewerkschaft: „GdP-Landeschef: Castor-Fahrten sind „sinnlose Mammutaufgabe““ Dort heißt es weiter: Als „sinnlose Mammutaufgabe“ hat der NRW-Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, die geplanten Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus quer durch Nordrhein-Westfalen mit Begleitschutz kritisiert. Er bezweifelt, dass die Transporte in der vorgesehenen Zeit erfolgen können. „Die Politik drückt sich um die Frage der Endlagerung und lässt den Atommüll lieber von einem Zwischenlager ins nächste fahren“, sagte er der „Rheinischen Post„. Das sei für die Politik bequem, werde der Verantwortung nicht gerecht.“

Dokumentation

Atommüll: BUND legt Widerspruch gegen Transportgenehmigung ein

27. August 2025 | Atomkraft, Atompolitik, AVR Jülich, Klima & Energie

Auch Aussetzung der Castortransporte beantragt

    • Transporte mit erheblichen Risiken für Mensch und Umwelt
    • Bundesamt will rechtliche Prüfung blockieren
    • absurde Gründe für sofortige Vollziehung

Düsseldorf | Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat heute beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) Widerspruch gegen die am 25. August 2025 erteilte Beförderungsgenehmigung zum Transport von 152 CASTOR-Behältern von Jülich nach Ahaus eingelegt. Mit dem Widerspruch wurde auch Akteneinsicht in die vom Transportunternehmen Orano NCS GmbH eingereichten sicherheitstechnischen Unterlagen und die der Genehmigung zugrunde liegenden Verwaltungsvorgänge verlangt. Dazu beantragte der BUND, die Vollziehung der Beförderungsgenehmigung auszusetzen.

Mit der Genehmigung soll der Weg frei gemacht werden, um 288 161 bestrahlte Brennelemente aus dem Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) in Jülich in das Transportbehälterlager Ahaus zu transportieren. Die Brennelemente enthalten angereichertes Uran mit einem ursprünglichen maximalen Anreicherungsgrad an Uran-235 von 93% und Plutonium in Form einer kugelförmigen Matrix aus Graphit. Ursprünglich summierte sich der strahlende Inhalt insgesamt auf maximal 720,7 Kilogramm Uran und max. 1 850 kg Thorium. Dazu kommen 9,7 kg Plutonium.

Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND: „Von den überflüssigen Transporten geht ein erhebliches Risiko für Mensch und Umwelt aus. Umso skandalöser ist, dass das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung eine sorgfältige Prüfung der Rechtmäßigkeit der Transporte verhindern will. Durch die Anordnung der sofortigen Vollziehung der Genehmigung soll der Rechtsweg abgeschnitten werden. Dabei sind die für den Sofortvollzug angeführten Gründe an den Haaren herbeigezogen.“

Für den BUND ist nicht ersichtlich, aus welchem- Grunde der Transport nunmehr sehr schnell vollzogen werden soll. Letztlich habe sich an der Situation seit Juni 2013 nicht geändert, ein besonderes Vollzugsinteresse der erst jetzt erlassenen Transportgenehmigung sei nicht ersichtlich. Der BUND hält eine Aussetzung der Vollziehbarkeit der Beförderungsgenehmigung für geboten, weil die von den Transporten ausgehenden Gefahren für Mensch und Umwelt gewichtiger sind als die vom BASE angeführten Gründe. Eine vorherige vollständige Prüfung der Rechtmäßigkeit der Atommülltransporte wird aber durch den Sofortvollzug blockiert.

Im Genehmigungsbescheid hatte das BASE die sofortige Vollziehung unter anderem mit den notwendigen erheblichen polizeilichen Schutzmaßnahmen begründet. Angesichts der massiven Kritik seitens der Gewerkschaft der Polizei an den beabsichtigten Castortransporten erscheint dieses Argument geradezu absurd. Auch die Behauptung, die Rechtsgüter Leben und Gesundheit potenziell betroffener Dritter würden von der Beförderungsgenehmigung nicht berührt, ist für den BUND nicht nachvollziehbar.

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