Atomenergie ist kein Beitrag zum Klimaschutz – Stellungnahme Hamburger Klimabeirat

Am besten fängt man das Jahr 2026 mit einer Meldung aus dem Sommer 2025 an. Oder wenn man so will: Schon im Sommer machte der Klimabeirat in Hamburg klar, dass die bayerische CSU-Vorstellung von neuer Atomenergie nicht nur klimapolitisch nichts bringt, sondern auch noch überteuert ist und voll weiterer Risiken und Nebenwirkungen steckt:  „Atomenergie ist keine Lösung für die Klimapolitik“ hatte der bei der Hamburger Umweltbehörde angesiedelte Klimabeirat in einer Stellungnahme im Juni festgestellt.

Mit einer PM im Juli 2025 hatte der Klimabeirat die Stellungnahme veröffentlicht, die PM ist hier online und auch hier (jeweils PDF) und hier im Anschluss als Dokumentation. Weiter unten auch Informationen über die Mitglieder des Beirats.

Pressemeldung

Hamburg, 3. 7. 2025

Atomenergie ist keine Lösung – Klimabeirat setzt auf Erneuerbare

Atomenergie kann zum Erreichen der Klimaschutzziele keinen nennenswerten Beitrag leisten. Klimapolitisch sinnvoll sind der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Umbau des Energie-
systems zur Anpassung an regenerative Erzeugung, einschließlich des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft. Hier liegen für Hamburg auch große wirtschaftliche Chancen. Zu diesem Ergebnis kommt der Klimabeirat Hamburg in seiner heute veröffentlichten Klimapolitischen Stellungnahme „Atomenergie ist keine Lösung für die Klimapolitik“.

Prof. Dr. Jörg Knieling, Stellvertretender Vorsitzender des Klimabeirats und Leiter des Fachgebiets Stadtplanung und Regionalentwicklung an der HafenCity Universität, fasst die Bewertung des Klimabeirats zusammen:

„Unser Fazit ist eindeutig: Beim Erreichen der Klimaziele wird uns die Atomenergie nicht helfen. Im Gegenteil, wie anfällig Atomkraftwerke für die Folgen des Klimawandels sind, können wir aktuell in Frankreich beobachten, wo in der Hitzewelle Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln oder gleich ganz herunterfahren müssen. Selbst im störungsfreien Betrieb sind Atomkraftwerke weder frei von Umweltbelastungen noch garantieren sie eine sichere Versorgung.

Statt sich an rückwärtsgewandten Diskussionen zu beteiligen, sollten wir uns darauf konzentrieren, die Energiewende weiter voranzubringen und die wirtschaftlichen Chancen ergreifen, die sich damit gerade für Hamburg eröffnen“.

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Mitglied des Klimabeirats und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erklärt: „Die wenigen Projekte für Atomkraftwerke, die in Europa noch verfolgt werden, kämpfen alle mit erheblichen Verzögerungen und teils exorbitanten
Kostensteigerungen. Keines dieser Projekte kommt ohne staatliche Absicherung aus, weil Atomstrom mit Erneuerbaren Energien nicht konkurrenzfähig ist. Die jahrzehntelangen Bauzeiten bedeuten auch, dass in dem Zeitraum, der bis zum Erreichen der Klimaziele noch bleibt, Atomstrom gar nicht in nennenswertem Umfang zur Verfügung stehen könnte.“

Beiratsmitglied Prof. Dr. Hans Schäfers, Professor für intelligente Energiesysteme und Energieeffizienz und Leiter des Competence Center Erneuerbare Energien und Energieeffizienz CC4E an der HAW, ergänzt:

„In einer von Erneuerbaren Energien geprägten Stromversorgung brauchen wir als Ergänzung flexible Kapazitäten, die Spitzenlasten abdecken und Dunkelflauten überbrücken können. Atomkraftwerke mit ihrer schlechten Regelbarkeit und ihren hohen Investitionskosten sind dafür denkbar ungeeignet.
Vielmehr ist absehbar, dass neben Gaskraftwerken mehr und mehr Batteriespeicher diese Funktion zu günstigen Kosten übernehmen werden.“

Neben schlechter Wirtschaftlichkeit und mangelnder Systemdienlichkeit spricht gegen die erneute Nutzung der Atomenergie auch, dass sie anstelle von Energiesouveränität neue Abhängigkeiten von Uranförderländern schaffen würde. Nicht zuletzt ist auch die Entsorgungsfrage global weiterhin ungeklärt.

Die aktuelle Empfehlung des Klimabeirats Hamburg finden Sie hier: www.klimabeirat.hamburg.
Telefon-Kontakt Geschäftsstelle: 040 428 40-27 58.

 

 

 

Der Hamburger Klimabeirat berät – angesiedelt bei der Umweltbehörde – den Hamburger Senat in Sachen Klimaschutz.

Klimabeirat Hamburg – Mitglieder

Prof. Dr. Daniela Jacob (Vorsitz) · Climate Service Center Germany (GERICS)
Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling (stellv. Vorsitz) · HafenCity Universität Hamburg (HCU)
Prof. Dr. Wolfgang Dickhaut · HafenCity Universität Hamburg (HCU)
Prof. Dr. Anita Engels · Universität Hamburg (UHH)
Prof. Dr.-Ing. Manfred N. Fisch · Steinbeis-Innova�onszentrum energieplus, Stutgart
Prof. Dr.-Ing. Peter Fröhle · Technische Universität Hamburg (TUHH)
Dr. Philine Gaffron · Technische Universität Hamburg (TUHH)
Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn · Technische Universität Hamburg (TUHH)
Prof. Dr. Claudia Kemfert · Deutsches Ins�tut für Wirtscha�sforschung (DIW Berlin)
Prof. Dr.-Ing. Kers�n Kuchta · Technische Universität Hamburg (TUHH)
Prof. Dr. rer. nat. Barbara Lenz · Humboldt Universität zu Berlin (HUB)
Prof. Dr. Mar�n Pehnt · Ins�tut für Energie- und Umwel�orschung (IFEU)
Prof. Dr. Hans Schäfers · Hochschule für angewandte Wissenscha� (HAW)
Prof. Dr. Heinke Schlünzen · Universität Hamburg (UHH)
Prof. Dr. Mar�n Wickel · HafenCity Universität Hamburg (HCU)
Der Hamburger Klimabeirat berät auf Grundlage von § 7 des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes
den Hamburger Senat.

Geschäftsstelle Klimabeirat Hamburg
c/o BUKEA
Neuenfelder Straße 19
21109 Hamburg

 

Die Sache mit den radioaktiven SMRs. Neue Atomreaktoren in Polen in Kooperation mit Westinghouse? Risiken und Mängel

Was zu den Plänen in Polen in Sachen Atomenergie noch mal zu ergänzen bzw. nachzutragen ist. Jenseits der Frage, was die USA in Polen derzeit planen, um die EU weiter zu spalten und welche Rolle dabei die Atomenergie spielen könnte, um Polen langfristig an die Energiepolitik der USA zu binden? Polen will Atomenergie, statt Kohle und in jedem Fall mal nicht diese versiffte Erneuerbare Energie called Wind, Solar und mehr. Was ist technisch an den neuen Reaktormodellen zu monieren, die in Polen auf Kosten von Steuerzahler*innen finanziert und gebaut werden sollen? Da ist immer wieder von Westinghouse die Rede. Zu den Planungen gibt es eine Stellungnahme „UVP-VERFAHREN ZUM GEPLANTEN NEUBAU VON SMALL MODULAR REACTORS (SMR) IN POLEN Fachstellungnahme zum BWRX-300“ (PDF) verfasst von Oda Becker, Kurt Decker, Manfred Mertins, Gabriele Mraz im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft. Verfasst im November 2024. Hier ist das auch noch mal direkt als PDF.

Dokumentation, siehe auch:

Wiener Umweltanwaltschaft: Positionen und Stellungnahmen und darin noch viel mehr in Sachen SMR Atomreaktoren.

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Strategie für Small Modular Reactors (SMR), die 2026 präsentiert werden soll. Das Städtenetzwerk Cities for a Nuclear Free Europe (CNFE) mit Wiener Vorsitz und die WUA haben sich in diesen Prozess eingebracht, um auf Risiken und unrealistische Erwartungen rund um SMR aufmerksam zu machen. Ebenso wurde die Bedeutung eines schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien betont.

Wie bereits umfangreich von der WUA beschrieben, gelten SMR als neues, bislang jedoch unerprobtes Reaktorkonzept. Sie sollen von der Leistung her kleiner sein als aktuelle Reaktortypen und darüber hinaus eine modulare Bauweise aufweisen. Allerdings existiert bis heute keine kommerziell eingesetzte Anlage. Viele Entwicklungsprojekte wurden in den letzten Jahren wegen technischer Schwierigkeiten oder mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Die Vorstellung, dass SMR einen relevanten Beitrag zu den europäischen Klimazielen bis 2050 leisten könnten, ist daher wenig realistisch. Bevor neue Reaktorlinien in Serienproduktion gehen können, müssen sie erst langwierig geprüft und getestet werden. Dies ist ein Prozess, der Jahrzehnte dauern kann.

Zusätzlich wirft die Technologie erhebliche Sicherheitsfragen auf. Eine Analyse der WUA zeigt, dass für wirtschaftlichen Betrieb hunderte solcher Reaktoren errichtet werden müssten. Damit würden zwangsläufig viele Anlagen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten entstehen und damit neue Sicherheitsrisiken einhergehen. Die vollständige Studie bietet einen detaillierten Überblick über technische, wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Herausforderungen der SMR.

Keine Alternative zum Ausbau erneuerbarer Energien

Während Atomkraft weiterhin mit hohen Kosten, langen Bauzeiten und ungelösten Entsorgungsfragen verbunden ist, entwickeln sich erneuerbare Energien dynamisch und wirtschaftlich deutlich attraktiver. Windkraft und Photovoltaik haben in den vergangenen Jahren einen markanten Preisverfall erlebt und ermöglichen einen raschen, kostengünstigen Ausbau. Allein 2024 wurden in der EU rund 80 GW Leistung im erneuerbaren Bereich installiert. Insgesamt gibt es bereits rund 850 GW. Verglichen mit etwa 100 GW im gesamten europäischen Nuklearbereich, ist das Potenzial der Erneuerbaren somit ungleich höher.

Die WUA warnt gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen davor, finanzielle Ressourcen in Technologien zu binden, die weder rechtzeitig verfügbar noch wirtschaftlich konkurrenzfähig sind. Für eine erfolgreiche Energiewende braucht es Maßnahmen, die rasch wirken. Der Ausbau von Wind, Sonne und anderen nachhaltigen Energieformen ist dafür der effektivste Weg.

Friedenskonzert – Improvisierendes Streichorchester – 21.12.2025 – Altona

Alle Jahre wieder – Alle Jahre immer nötig, wichtig und auch wundervoll. Ihr Kinderlein, kommet herbei: Sonntag 21.12. 2025 -Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – in der Kirchengemeinde Ottensen. 12.00 Uhr Christianskirche am Klopstockplatz – Eintritt: Spende. Mit dabei ist auch Uli Hentschel, der ein paar Worte zur Einordnung und Weltlage beitragen wird.

Im Einladungsflyer zum Benefiz-Konzert (PDF) ist auch dieses zum Hintergrund über das Orchester zu lesen:

Sonntag 21.12. 2025

12.00 Uhr – Christianskirche am Klopstockplatz
Eintritt: Spende

Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – Deutschunterricht für Flüchtlinge in der
Kirchengemeinde Ottensen.

erstesimprovisierendesstreichorchester

Zum Hintergrund:

Friedenskonzert – Erstes Improvisierendes Streichorchester

Hat Frieden einen besonderen Klang?

Die Friedenskonzerte des Ersten Improvisierenden Streichorchesters schaffen einen Raum, in dem Musizierende und Hörende dieser Frage nachspüren können.

In der Improvisation gestalten die MusikerInnen gemeinsam immer wieder neue, unvorhergesehene Momente und laden ein, Hörgewohnheiten zu verändern, streben auseinander und finden wieder zusammen. Es entsteht ein Klangraum, in dem Harmonie, Zwischentöne und Disharmonie ihren Platz finden.

Seit dem 11. September 2001 spielt das Erste Improvisierende Streichorchester Friedenskonzerte. Es verwirklicht den Wunsch, den Kriegs- und Fluchtkatastrophen etwas entgegenzusetzen. Die
Konzerte drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus. Das Thema Frieden ist derzeit so aktuell wie nie zuvor – weltweit, aber auch in Europa.

Jedes Jahr sterben zigtausend Menschen in bewaffneten Konflikten. Als Folge befinden sich viele Millionen Menschen auf der Flucht. Dies wird von der Öffentlichkeit unterschiedlich WAHR-genommen. Die Friedenskonzerte sind deshalb auch ein Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen. Wir bitten um Ihre wohlmeinende Spende.

erstesimprovisierendesstreichorchester.de

Weil der Mensch ein Mensch ist: Danke Rolf Becker!

Ein Mensch. Nach Brecht. Ein Demokrat. Und eine Stimme. Wie ein kriminell gutes Hörspiel. Total real! Grade und mit Herz. Das ist es, was zählt. Was in Erinnerung bleibt. Was lebt. Die Linke nimmt Anteil. Da schlägt das Herz. Ein Abschied. Danke, Rolf Becker! Auf der Homepage von Heike Sudmann, der Co-Fraktionsvorsitzenden, gemeinsam mit Partei und Bürgerschaftsfraktion Hamburg.

Hier: „Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben.

Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben. „Rolf hat allein mit seiner Anwesenheit Mut gemacht. Die vielen Demos und Aktionen, die er mitgemacht hat, lassen sich nicht aufzählen. Besonders in Erinnerung bleiben mir seine Unterstützung für den Erhalt der Schiller-Oper und der Kampf gegen Spekulation in St. Georg. Danke für so Vieles. Rolf, du wirst uns fehlen!“, sagt Heike Sudmann.

Partei und Fraktion verabschieden sich von Rolf Becker.

Dazu Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Rolf Becker mischte sich ein in eine Gesellschaft, die ihm zu eng und zu kalt war – er gab Widerworte gegen den Zeitgeist, er hat nie seinen Frieden gemacht mit der deutschen Wirklichkeit, all diesem in-die-Tasche-lügen. Rolf Becker hat auf der Bühne vom Widerstand gesprochen und gesungen, er stand auf der Straße an der Seite von Gewerkschaften, Friedens-Aktivist*innen und all denjenigen, die von Sparpolitik, Privatisierungen und Verarmung getroffen sind – ob in Griechenland oder direkt vor seiner Haustür in St. Georg. Mit Rolf Becker verliert Hamburg nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch eine unverzichtbare Stimme gegen Spekulantengier oder in den Kämpfen um ein solidarisches Quartier.“

Dazu Thomas Iwan, Co-Landessprecher der Hamburger Linken: „Rolf Becker hat gezeigt, was es heißt, Antifaschismus, Internationalismus und Stadtteilarbeit zusammenzudenken – vom Einsatz für politische Verfolgte bis zu Protesten gegen die Umwandlung von Wohnraum in renditegetriebene Anlageobjekte. Wir trauern um einen wunderbaren Menschen und einen mit all seinem Optimismus ansteckenden Aktivisten. Wir sind tief traurig und in Gedanken bei seiner Familie.“

 

Rechtsextreme für strahlende Atom-Allianz im Bundestag

Soll man das nun verschweigen, weil es von der AfD kommt? Seit Jahren schiebt die AfD auch in Sachen Atomenergie eine Debatte an, der sich liberale und konservative nicht mehr erwehren mögen. Die AfD will jetzt einen Antrag zum „Beitritt zur europäischen Nuklearallianz“ einbringen. Auch die amtierende Wirtschaftsministerin hat – mit Widerspruch aus dem Haus des Umweltministeriums – bereits positiv auf diese Initiative Bezug genommen. Der Antrag selbst liegt noch nicht vor, ist jedenfalls mit Stand heute, 18.24 Uhr noch nicht online. Die Nuklear-Allianz ist stark von Frankreich inititiert, sieht die Atommeiler als CO2.arme Energie als Baustein gegen die Klimakrise an und hat weitere EU-Ländern inzwischen als Unterstützer. Die AfD will mit ihrem Antrag in den Wirtschafts- und Energieausschuss und nicht in den Umweltausschuss.

Auf der TO-Seite des Bundestags, Stand jetzt, heißt es: „Beratung des Antrags der Fraktion der AfD – Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz, Drucksache 21/…“ Und Heute im Bundestag berichtet – obwohl der Antrag nicht vorliegt: „Liveübertragung: Donnerstag, 18. Dezember, 16.50 Uhr – Der Bundestag berät am Donnerstag, 18. Dezember 2025, einen Antrag mit dem Titel „Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz“, den die AfD-Fraktion angekündigt hat. Nach 30-minütiger Debatte soll der Antrag an den federführenden Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur weiteren Beratung überwiesen werden. (hau/08.12.2025)“

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