Atommüll-Endlagersuche und Partizipation: Selbstorganisation mündet auch in Abhängigkeiten und Kontrolle

Die Suche nach einem Atommülllager für hochradioaktive Abfälle in der Post-Gorleben-Ära baut unter anderem auf den gesetzlichen Anspruch auf umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung. Die ist immer wieder schwer in der Kritik, weil das zuständige Bundesamt sehr eigene Vorstellungen dazu entwickelt, wie die Öffentlichkeit das tun soll – und wie nicht. Gut, dass auch die Sozialwissenschaften immer wieder einen Blick auf das Verfahren und die Dinge werfen, die dort passieren. Das kann Korrekturen ermöglichen. Im Forschungsjournal der sozialen Bewegungen haben Achim Brunnengräber, Albert Denk und Dörte Themann (FU Berlin) einen Beitrag veröffentlicht, der das 2. Forum Endlagersuche im November 2023 unter die Lupe nimmt.

In den Abstracts machen die Autor:innen klar: „Zur Beantwortung der Frage wurden eigene Daten mittels einer teilnehmenden Beobachtung beim 2. Forum Endlagersuche im November 2023 erhoben. Die Fallanalyse zeigt, dass das Beteiligungsverfahren bei dieser Forumsveranstaltung aufgrund der staatlichen Einflussnahme nur teilweise als selbstorganisiert beschrieben werden kann. Staatliche Akteure, allen voran das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), unterstützen zwar die zivilgesellschaftliche Selbstorganisation. Dabei zeigt sich jedoch, dass bestimmte Unterstützungsleistungen auch in Abhängigkeiten und Kontrolle münden können. Das Beteiligungsverfahren war darüber hinaus durch einen hohen Grad der Formalisierung gekennzeichnet sowie durch eine exklusive Selbstorganisation innerhalb der Zivilgesellschaft, die die Teilnahme bisher am Verfahren Unbeteiligter erschwerte.“

  • Der gesamte Beitrag ist hier nachzulesen (auch als PDF): Achim Brunnengräber, Albert Denk und Dörte Themann (FU Berlin): Hemmnisse zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation im Standortauswahlverfahren für hochradioaktive Abfälle. Ein Diskussionsbeitrag zur Öffentlichkeitsbeteiligung beim Forum Endlagersuche , Download, Supplement zu FJ SB Heft 1/2024. Siehe auch hier direkt als PDF
  • Über die sozialwissenschaftliche Begleitung der Endlagersuche bzw. sozialwissenschaftliche Aspekte des gesellschaftlichen Umgangs mit den radioaktiven Abfällen und der Atomenergie hat Achim Brunnengräber von der FU Berlin in vielen Formaten der letzten Jahre mitgewirkt. Siehe auch Sozialwissenschaft.

Wachsende Proteste gegen Atommülltransporte – auch BUND NRW bereitet Klage vor – Kein Sofort-Vollzug!

Mit über 50 Traktoren und hunderten von Teilnehmer:innen protestierten heute Atomkraftgegner:innen in Ahaus und anderen Orten in NRW gegen drohende Atomtransporte mit hochradioaktivem und atomwaffenfähig angereichertem Uran-Müll von Jülich nach Ahaus. Von dem Aktionstag berichtet auch die Tagesschau. Die Stadt Ahaus und dort ansässige Bürger:innen klagen gegen die Einlagerung des Atommülls im Zwischenlager Ahaus. Nicht nur wegen Sicherheitsrisiken, sondern auch, weil dort die Genehmigung für den Betrieb des Zwischenlagers bereits Mitte der 2030er Jahre ausläuft und dann erneut gefährliche Atomtransporte zu einer erneuten „Zwischenstation“ rollen müssten. Ahaus-Bürgermeisterin Karola Voß laut Tagesschau : „Ich denke, es ist jetzt an der Zeit zu entscheiden, dass solcher Atommüll an den Standorten bleibt, bis man eine endgültige Lösung hat.“ Die Transporte seien ohnehin teuer und gefährlich. Zuletzt hatte sogar der Bürgermeister von Jülich plädiert, vor Ort ein neues Zwischenlager zu bauen, statt gefährliche Atomtransporte durchzuführen. Voß und die Stadt Ahaus klagen längst gerichtlich gegen die geplanten Transporte. Jetzt wird bekannt, dass auch der Umweltverband BUND in NRW eine Klage gegen die mögliche Genehmigung für die Atomtransporte vorbereitet. Zuletzt hatte sich u.a. die stellvertretende Landesvorsitzende des BUND in NRW, Kerstin Ciesla, in einem Interview in der Taz gegen diese unsinnigen Atomtransporte und die damit verbundenen Risiken geäußert.

„Sofort-Vollzug eventueller Genehmigungen muss unterbleiben“

Von großer Bedeutung wird sein, ob die Genehmigungsbehörde (Bundesamt für Sicherheit in der nuklearen Entsorgung, BASE)  den laufenden oder angekündigten Klagen eine Chance auf gerichtliche Klärung geben werden und damit auch ein Signal für die Öffentlichkeitsbeteiligung bei Umgang mit den radioaktiven Abfällen des Atomzeitalters einräumen. Wolfram König, Chef des BASE hatte immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig dieser Konsens mit der Öffentlichkeit sei. Es wäre also logisch, dass das BASE den Kläger:innen in der Weise in den atomrechtlichen Verfahren entgegenkommt, und den Sofortvollzug nicht erteilt. Darüber hinaus ist von der Landesregierung in NRW ebenso wie vom Bundesumweltministerium ein entsprechender Umgang mit den vorgetragenen Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung und der atomkritischen Verbände zu erwarten. Notwendig ist daher, dass entsprechende Genehmigungs-Bescheide sofort öffentlich bekannt gemacht werden und außerdem ohne Sofort-Vollzug erteilt werden. Nur so kann eine „Demokratisierung in der Atommüllpolitik“ erreicht werden und auch der Umgang mit dem Atommüll bis hin zu einem noch zu findenden Endlager als vertrauensbildende staatliche Maßnahme auf den Weg gebracht werden.

Auch der Betreiber, der in Jülich das atomare Erbe aufräumt und ebenfalls staatlicher Akteur ist, könnte sich entsprechend positionieren. Eine Erklärung, keine Atomtransporte durchzuführen, bis die rechtliche Klärung auch vor den zuständigen Gerichten stattgefunden hat, wäre ein deutliches Signal für eine demokratische und partizipative Umgangsweise mit den Bürger:innen und Kommunen und Verbänden in dieser Sache. Ein solches staatliches und (staatlich)unternehmerisches Verhalten einzufordern, wäre einerseits die Sache der Betroffenen, andererseits aber auch Sache der jeweiligen Parteien und Fraktionen in den jeweiligen Parlamenten.

BUND NRW gegen unnötige Atomtransporte

Bereits auf seiner Landesmitgliederversammlung im Oktober hatte der BUND in NRW eine Resolution gegen die unnötigen und gefährlichen Atomtransporte in NRW einstimmig beschlossen und den Landesvorstand aufgerufen. UmweltFAIRaendern hatte darüber berichtet: Stop Atomroute Jülich Garching -> Ahaus: BUND Delegierte NRW einstimmig: Keine unnötigen Atomtransporte mehr – Zwischenlagerung neu bewerten! Auch auf Bundesebene hat der BUND mit seinem Bundesarbeitskreis entsprechende Anträge zur Bundesdelegiertenversammlung im November 2023 auf den Weg gebracht.

Im BUND-NRW-Antrag heißt es z. B.: „Keine unnötigen Atomtransporte mehr – Nach dem endgültigen Abschalten der deutschen Atomkraftwerke muss der Atomausstieg endlich komplettiert werden: Dazu gehört die Stilllegung der Uranfabriken in Gronau und Lingen und ein verantwortbarer und möglichst sicherer Umgang mit dem Atommüll. Eine dauerhafte Lagerung an den unzureichend gesicherten Zwischenlager-Standorten in ganz Deutschland ist unverantwortlich. Neben den ohnehin schon bestehenden unbeherrschbaren Risiken der Atomenergienutzung und Atommülllagerung, den seit Jahrzehnten wachsenden Terrorrisiken, kommen nun weitere Dimensionen nuklearer Bedrohung hinzu: Der völkerrechtswidrige Krieg Russlands in der Ukraine hat die Gefahren eines Einsatzes von Atomwaffen deutlich erhöht. Eine neue Dimension stellt der kriegerische Angriff auf Atomanlagen dar: AKW und Atommülllager wie im ukrainischen Saporischschja und Tschernobyl werden zu Angriffszielen.“

Zwei klare Aufgaben schrieben die Delegierten dem Vorstand des BUND in NRW in das Aufgabenheft:

  • „Keine Transporte hochradioaktiver Abfälle aus dem Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München nach Ahaus zuzulassen.
  • Sicher zu stellen, dass die hochradioaktiven Abfälle des AVR Jülich in einem Zwischenlager in Jülich verbleiben.“

Strahlendes Atomerbe: Von nuklearen Versprechungen zum extrem hochradioaktiven Gefahren- und Umweltrisiko.

In der ehemaligen Atomforschungsanlage in Jülich lagern bis heute hochradioaktive Atomabfälle, die sogar atomwaffenfähig hochangereichertes Uran enthalten. Sie stammen aus einen ehemaligen Pilotprojekt bundesdeutscher Atompropagandisten, die von unendlicher Energieerzeugung träumten und dabei fast alle Risiken ausblendeten. Der AVR Jülich, ein sogenannter Thorium Hochtemperatur Reaktor -THTR – sollte der absolute Verkaufsschlager einer bundesdeutschen nuklearen Eigenentwicklung werden, die weltweit zum Exportschlager führen sollte. Dass dafür atomwaffenfähiges Uran zum Einsatz kommen sollte, störte damals weder Regierung im Bund noch in NRW.

Weitere Hintergründe auf UmweltFAIRaendern.

umweltFAIRaendern berichtet seit Jahren über die Probleme und Risiken mit den Atomabfällen aus dem Betrieb des AVR Jülich sowie den Auseinandersetzungen und Diskussionen über verschiedene Varianten beim weiteren Umgang mit diesen Abfällen. Sei es von den Planungen ehemaliger Atomfreunde und internationaler Seilschaften, den Müll trotz massiver Sicherheitsrisiken in die USA zu verschieben bis hin zu den Debatten zu diesen Abfällen in der damaligen Endlager-Kommission von Bundestag und Bundesrat über neue atomgesetzliche Regelungen zum Umgang mit diesem Strahlenabfall. Auch über die finanziellen Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern hat umweltFAIRaendern berichtet. Der Bund ist meist zu 70 Prozent an den Atomanlagen in Jülich beteiligt, das Land NRW mit oftmals 30 Prozent. Der Bund und das Land sind also beide sowohl als Betreiber, als auch als Aufsichtsbehörden und Genehmigungsbehörde mit den Atomabfällen aus Jülich befasst. Eine ungeheure Anforderung an eine demokratische und unabhängige Gewaltenteilung.

Mit unterschiedlichen Stichworten kann die Suchfunktion dieser Seite genutzt werden. Dabei ist sinnvoll, allgemeine Suchbegriffe zum Thema Atom mit möglichst konkreten, standortbezogenen oder sonst spezielleren Suchworten zu verbinden. UmweltFAIRaenern umfasst inzwischen weit mehr als 4.000 Artikel zum Thema Atomenergie-Nutzung in Deutschland, aber auch zu internationalen Entwicklungen ebenso wie der zivil-militärischen Atomenergie, also auch zu Themen wie Atomwaffen oder Entwicklung neuer Brennstoffe oder Technologien wie den SMR.

Langfristige oberirdische Lagerung hochradioaktiver Atomabfälle – Entsorgungskommission empfiehlt Leitlinien

Wie geht es weiter mit der langfristigen oberirdischen Lagerung von hochradioaktivem Atommüll, nachdem klar ist, dass ein Endlager für dieses strahlende Atomerbe noch für viele Jahrzehnte nicht zur Verfügung stehen wird? Die ehemals für 40 Jahre geplante oberirdische Zwischenlagerung könnte nun auch über 100 Jahre andauern. Umweltverbände fordern, die verlängerte Zwischenlagerung kritisch zu überprüfen und dabei nicht nur die Risiken einer „oberirdischen Laufzeitverlängerung“ auf den Prüfstand zu stellen, sondern auch Terror- und Kriegsrisiken in die Sicherheitsbetrachtungen einzubeziehen. Gleichzeitig fordern sie eine erweiterte Bürgerbeteiligung. Die zuständigen Stellen bereiten sich derzeit darauf vor, die erforderlichen Neu-Genehmigungen für die Zwischenlager in Gorleben und Ahaus auf den Weg zu bringen. Dazu wird auch der Bundestag Stellung nehmen müssen, fordert das Atomgesetz. Außerdem stehen neue Genehmigungen für die Lager in Brunsbüttel und Lubmin an, möglicherweise auch in Jülich. Nachdem der Umweltverband BUND zuletzt im Juni 2023 auf „aktuelle Probleme und Gefahren“ aufmerksam gemacht hat, hat die vermeintlich unabhängige Entsorgungskommission (ESK), Beratungsgremium der Bundesregierung in Sachen Atommüll, auf seiner 109. Sitzung als Empfehlung „Leitlinien für die trockene Zwischenlagerung bestrahlter Brennelemente und Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle in Behältern“ verabschiedet. Von Terror und Krieg und den damit verbundenen Gefahren ist keine Rede. Handlungsbedarf besteht auch, weil die Bundesrepublik aufgrund von EU-Anforderungen ein neues „Nationales Entsorgungsprogramm“ (NaPro) vorlegen muss. Dazu muss das Bundesumweltministerium in 2024 etwas mit Öffentlichkeitsbeteiligung auf den Tisch legen und aufzeigen, wie Deutschland in den nächsten Jahrzehnten den weiteren Umgang mit dem Atommüllerbe sicherstellen will.

  • Die ESK sowie die beiden weiteren Kommissionen, die die Bundesregierung vermeintlich unabhängig beraten, die Reaktorsicherheitskommission (RSK) sowie die Strahlenschutzkommission (SSK), geraten immer wieder in den Verdacht, befangen und den Interessen der Atomenergie verpflichtet zu sein oder gar den Anforderungen der Bundesregierung zu folgen. Zuletzt sorgte eine Stellungnahme der ESK zum Standort Würgassen für den Bau eines sogenannten Logistikzentrums für das im Schacht Konrad geplante Endlager für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle für entsprechende Kritik. Siehe auf umweltFAIRaendern.de: Zentrales Atommülllager Würgassen – Gefälligkeitsgutachten und politische Vorgaben – Massive Kritik an BMU und BGZ. Auch die HNA hatte darauf im Dezember verwiesen (hier). Dabei geriet auch Iris Graffunder in die Schusslinie. Sie war lange beim KIT in Karlsruhe tätig, hatte auch in Lubmin mit dem Rückbau der Atomanlagen zu tun und war lange Mitglied in der ESK (siehe direkt hier die PM des KIT und direkt hier bei umweltFAIRaendern, jeweils als PDF). Sie ist mit Wirkung zum 1. Januar 2024 als eine der Geschäftsführerinnen berufen und wird seitdem nicht mehr auf der Seite der ESK als Mitglied genannt. Auf der Seite der ESK fehlt seit Anfang 2024 jeder Hinweis auf ihre bisherige Mitgliedschaft, auch ihr Profil ist dort kommentarlos gelöscht (Abfrage 8.1.2024). Siehe dazu unten mehr. Aktuell könnte auch Dipl.-Ing. (BA) Beate Kallenbach-Herbert in die Kritik geraten. Sie war zunächst beim Öko-Institut, dann Geschäftsführerin bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH und ging dann zur Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH – JEN. In dieser Funktion ist sie als Geschäftsführerin derzeit dabei, den Transport von hochradioaktivem Atommüll von Jülich nach Ahaus vorzubereiten. Möglicherweise war sie als ESK-Mitglied auch an der Entwicklung der Leitlinien beteiligt. Siehe auch hier zu einer Personalie, an der Michael Sailer, ehemals Öko-Institut, Berater des BMU und später bei der BGE beteiligt war. Siehe hier: Nachgefragt: BMU, BGE und Atommüll-Endlager-Filz?

Hintergrund zum Thema:

Die genannte Stellungnahme für Leitlinien der ESK sind hier Online als PDF verfügbar. Außerdem hier auf umweltFAIRaendern.de. Darin stellt die ESK zunächst fest: „Die Leitlinien beziehen sich auf eine zeitlich befristete Aufbewahrung der o. g. Inventare mit dem Ziel einer nachfolgenden Endlagerung und berücksichtigen dabei die Vorgaben des Atomgesetzes [1]. Weil über das zugehörige Endlagerkonzept und dessen Realisierung gegenwärtig noch nicht entschieden ist, kann der konkret benötigte Zeitraum für die Zwischenlagerung nicht benannt werden. In den Leitlinien sind die sicherheitstechnischen Anforderungen deshalb so formuliert, dass die konkrete Nachweisführung für den jeweils im Genehmigungsverfahren beantragten Zeitraum erfolgt. Hierbei können die bisher für einen genehmigten Aufbewahrungszeitraum von 40 Jahren vorliegenden Erkenntnisse berücksichtigt werden. Für darüber hinausgehende Zeiträume sind ggf. zusätzliche Nachweise (z. B. zum Langzeitverhalten von Werkstoffen und Komponenten der Behälter und Inventare unter den lagerspezifischen Beanspruchungsbedingungen) zu erbringen.“ (Seite 3f)

Auf den über 30 Seiten der Empfehlung geht die ESK zwar auch auf „Einwirkungen von außen“ ein. Nach dem Punkt 9.1. (Einwirkungen von Innen), heißt es auf Seite 19: „9.2 Einwirkungen von außen …. „Zufälliger Flugzeugabsturz und Explosionsdruckwelle sind in der Regel auslegungsüberschreitende Ereignisse. Hierzu sind ausgehend von den Lastannahmen aus den RSK-Leitlinien für Druckwasserreaktoren für Flugzeugabsturz [20] und der BMI-Richtlinie für den Schutz von Kernkraftwerken gegen Druckwellen [21] bzw. aus standortspezifischen Ermittlungen und von den eingelagerten Radionuklidinventaren sowie deren Freisetzungsverhalten Maßnahmen zur Schadensreduzierung bei Flugzeugabsturz und von außen auftreffenden Druckwellen zu betrachten. Dem Gesichtspunkt der Reduzierung der Schadensauswirkung ist dann genügt, wenn auch bei diesen Ereignissen die unter realistischen Randbedingungen ermittelten radiologischen Auswirkungen einschneidende Maßnahmen des Katastrophenschutzes nicht erforderlich machen. Die Reduzierung der Schadensauswirkungen bei Flugzeugabsturz und Druckwellen kann entweder allein durch die Behälter oder durch die Kombination mit dem Lagergebäude erreicht werden.“

Offenkundig liegen zwischen den Anforderungen der Bürgerinitiativen und Umweltverbänden und deren Fachleuten sowie den Vertreter:innen der ESK Welten, was zu einer umfassenden Betrachtung in Sachen Sicherheit und Sicherung gehört. Berücksichtigt werden muss dabei: Die ESK diskutiert „technische“ Sicherheit und vielleicht Einwirkungen durch Klimafolgen wie Hochwasser, nicht aber die Sicherung der Anlagen, die von internen und externen Angriffen ausgeht. Dieser Bereich, bei dem Geheimdienste und entsprechende Stellen mitzureden haben, ist ein Feld, dass der öffentliche Debatte nahezu vollkommen entzogen ist/wird. Die Ereignisse um die Anschläge von 911 und zuletzt die Kriegsereignisse in der Ukraine zeigen jedoch, dass jenseits solch technischen Risiken eben auch „zivilisatorische“ Risiken enorm sind – ohne dass diese in der Atomdebatte bislang offiziell als besondere Bedrohungssituation anerkannt wird. Staatlich wird dies unter dem Kürzel SEWD gefasst, zu der eine „Richtlinie für den Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter beim Umgang mit und bei der Beförderung von sonstigen radioaktiven Stoffen (SEWD-Richtlinie sonstige radioaktive Stoffe)“ existiert.

Auch z.B. die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) und andere staatliche Stellen oder Organisationen sind dabei, zu prüfen, wie sich die (technischen) Probleme und Risiken bei der Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle entwickeln. Die damit verbundenen Forschungsprogramme sind allerdings auch in der Kritik. Die BGZ hatte zuletzt ein neues, überarbeitetes Forschungskonzept vorgelegt (dort findet sich auch eine neue Broschüre, in der das Forschungsprogramm der BGZ dargestellt wird (PDF)) (auch direkt hier) und im November ein (kostenpflichtiges) Fachforum in Berlin durchgeführt. Hier die PM dazu.

Dokumentation:

Die Mitglieder-Liste der ESK am 8.1.2024 – https://www.entsorgungskommission.de/de/esk

Die ESK

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) beruft die Mitglieder der Kommission für eine Berufungsperiode von bis zu drei Kalenderjahren. Eine Wiederberufung in unmittelbarer Folge ist möglich. In der ESK sollen die Fachgebiete vertreten sein, die für die sachverständige Beratung des BMUV erforderlich sind. Die Mitglieder müssen die Gewähr für eine sachverständige und objektive Beratung bieten. Um eine ausgewogene Beratung sicherzustellen, soll die ESK so besetzt sein, dass die gesamte Bandbreite der nach dem Stand von Wissenschaft und Technik vertretbaren Anschauungen repräsentiert ist. Die ESK bildet Ausschüsse und Arbeitsgruppen für fachspezifische Fragestellungen. Das BMUV bestellt nach Anhörung der Kommission den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. Die Mitgliedschaft in der ESK ist ein persönliches Ehrenamt. Die ESK-Mitglieder sind unabhängig und nicht an Weisungen gebunden.

Mitglieder der ESK

Prof. Dr. Barbara ReichertVorsitzUniversität Bonn – Institut für Geowissenschaften
Prof. Dr. Horst GeckeisStellv. VorsitzKarlsruher Institut für Technologie (KIT), Eggenstein-Leopoldshafen
Dr. Claudia SchauerStellv. VorsitzTÜV SÜD Industrie Service GmbH München
Dipl.-Phys. Detlef BeltzMitgliedTÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG, Hannover
Dipl.-Ing. Katja DöscherMitgliedEnBW Kernkraft GmbH, Philippsburg
Prof. Dr. Thomas FanghänelMitgliedEuropäische Kommission, Joint Research Centre-JRC, Brüssel
Prof. h.c. Dr. Bernd GrambowMitglied
Dipl.-Ing. Bernd KaiserMitgliedPreussenElektra GmbH, Kernkraftwerk Grafenrheinfeld
Dipl.-Ing. (BA) Beate Kallenbach-HerbertMitgliedJEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH
Dr. Jörg KaulardMitgliedBrenk Systemplanung GmbH Aachen
Dipl.-Ing. Julia Mareike NelesMitgliedÖko-Institut e. V.
Prof. Dr. Klaus-Jürgen RöhligMitgliedTechnische Universität Clausthal, Clausthal-Zellerfeld
Dr. Jens SchröderMitgliedGNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH, Essen
Dr. Florence-Nathalie SentucMitgliedGesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH

 

Hier eine „Sicherung“ vom 12. September 2023 von der der Seite https://web.archive.org/web/20231112003558/https://www.entsorgungskommission.de/de/esk , aufgerufen am 8.1.2024, mit Iris Graffunder:

Die ESK

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) beruft die Mitglieder der Kommission für eine Berufungsperiode von bis zu drei Kalenderjahren. Eine Wiederberufung in unmittelbarer Folge ist möglich. In der ESK sollen die Fachgebiete vertreten sein, die für die sachverständige Beratung des BMUV erforderlich sind. Die Mitglieder müssen die Gewähr für eine sachverständige und objektive Beratung bieten. Um eine ausgewogene Beratung sicherzustellen, soll die ESK so besetzt sein, dass die gesamte Bandbreite der nach dem Stand von Wissenschaft und Technik vertretbaren Anschauungen repräsentiert ist. Die ESK bildet Ausschüsse und Arbeitsgruppen für fachspezifische Fragestellungen. Das BMUV bestellt nach Anhörung der Kommission den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. Die Mitgliedschaft in der ESK ist ein persönliches Ehrenamt. Die ESK-Mitglieder sind unabhängig und nicht an Weisungen gebunden.

Mitglieder der ESK

Prof. Dr. Barbara ReichertVorsitzUniversität Bonn – Institut für Geowissenschaften
Prof. Dr. Horst GeckeisStellv. VorsitzKarlsruher Institut für Technologie (KIT), Eggenstein-Leopoldshafen
Dr. Claudia SchauerStellv. VorsitzTÜV SÜD Industrie Service GmbH München
Dipl.-Phys. Detlef BeltzMitgliedTÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG, Hannover
Dipl.-Ing. Holger BröskampMitgliedFreiberufliche Tätigkeit als beratender Ingenieur
Dipl.-Ing. Katja DöscherMitgliedEnBW Kernkraft GmbH, Philippsburg
Prof. Dr. Thomas FanghänelMitgliedEuropäische Kommission, Joint Research Centre-JRC, Brüssel
Dipl.-Ing. Iris GraffunderMitgliedKerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)
Prof. h.c. Dr. Bernd GrambowMitglied
Dipl.-Ing. Bernd KaiserMitgliedPreussenElektra GmbH, Kernkraftwerk Grafenrheinfeld
Dipl.-Ing. (BA) Beate Kallenbach-HerbertMitgliedJEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH
Dr. Jörg KaulardMitgliedBrenk Systemplanung GmbH Aachen
Dipl.-Ing. Julia Mareike NelesMitgliedÖko-Institut e. V.
Prof. Dr. Klaus-Jürgen RöhligMitgliedTechnische Universität Clausthal, Clausthal-Zellerfeld

Aufgerufen am 8.1.2024 von der Seite https://web.archive.org/web/20231111205850/https://www.entsorgungskommission.de/de/Graffunder /Sicherung vom 12. September 2023

Dipl.-Ing. Iris Graffunder
Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)
2020 – 2021Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)
Technische Geschäftsführerin seit Mai 2020 und seit Januar 2021 Vorsitzende der Geschäftsführung
2009 – 2020EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH
Prokuristin, Leiterin der EWN-Betriebsstätte Karlsruhe, Stabstelle Endlagerungsmanagement, Aufbau der Koordinationsstelle KONRAD für die öffentliche Hand
2006 – 2009WAK Rückbau- und Entsorgungs- GmbH
Projektleiterin für den Rückbau der hochaktiven Bereiche in der WAK/VEK
1989 – 2006Forschungszentrum Karlsruhe GmbH (FZK)
Zunächst tätig im administrativen Strahlenschutz, danach Leitungsfunktionen im Bereich Abfallmanagement bei der Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB), zuletzt Projektleiterin für den Rückbau des Schnellen Brutreaktors KNK
2001 – 2018Zusatzaufgabe:
Projektleiterin des Projekts „Entsorgung Kernbrennstoffe“ bis 2006 für FZK, danach für WAK (heute KTE), Rückführung der Kernbrennstoffe und Abfälle aus Wiederaufarbeitungsverträgen des ehemaligen FZK, vor allem aus Frankreich und Großbritannien

 

Fachliche Schwerpunkte
  • Rückbau
  • Konditionierung
  • Zwischenlagerung
  • Transporte
  • Genehmigungsverfahren
  • Strahlenschutz

 

Die Seite der ESK zu Beate Kallenbach-Herbert, aufgrufen am 8.1.2024 unter https://www.entsorgungskommission.de/de/node/4884

Dipl.-Ing. (BA) Beate Kallenbach-Herbert
JEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH
Seit 2021Technische Geschäftsführerin der JEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH
2019 – 2021Kaufmännische Geschäftsführerin der Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE mbH
1998 – 2019Öko-Institut e.V., Darmtadt, ab 11.2009 Leiterin des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit, zuvor Senior Researcher

Gremien

bis 12.2018Co-Vorsitzende der Expertengruppe Schweizer Tiefenlager (ESchT) des BMU
Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Endlagerforschung (DAEF)
10.2020 – 07.2021Vertreterin des Bundes im Stiftungsrat des Zukunftsfonds Morsleben (Stiftung zur Förderung der regionale Entwicklung im Landkreis Börde zum Ausgleich von Belastungen durch das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben
Fachliche Schwerpunkte
  • Rückbau kerntechnischer Anlagen
  • Behandlung und Entsorgung radioaktiver Abfälle
  • Gestaltung und Optimierung von Prozessen, Abläufen und interdisziplinären Schnittstellen

Tschüss Hans-Hermann Teichler – und Danke!

„Der Steuermann geht von Bord“ schreiben zwei, die lange an seiner Seite für eine gerechte und solidarische Zukunft gestritten haben, zum Abschied von Hans-Hermann Teichler. Natürlich in der Zeitung, die HH mit vielen vielen Artikeln über viele viele Jahre mit Analysen und Kritik über und gegen kapitalistische Wirklichkeit gefüllt hat. Später, als die Zeitung nicht mehr Arbeiterkampf, Zeitung des Kommunistischen Bundes, sondern Analyse und Kritik, Zeitung für linke Debatte & Praxis betitelt war, hat er sich weiter intensiv für die Zukunft und für den Vertrieb dieser Zeitung engagiert. Kommunikationstechniker und Computer-Spezi war er, nicht nur Genosse, sondern auch Freund, Lebenspartner, Vater, Wegbegleiter, Opa und noch so viel mehr. Einer, der zur Seite stand, wenn Unterstützung gebraucht wurde. Einer, der streitbar, verschmitzt, humorvoll und auch mal schräge war. Hans-Hermann Teichler ist am 27. November 2023 gestorben.

Er war „Anleiter“ für Dorf-Kommunisten, in der sagenumwobenen Lindenalle, dem HSV, Hamburger Satz und Verlag. Die zentrale des KB. Er unterrichtete Wordstar unter DOS auf grün blinkenden Bildschirmen – Text- und Adressverwaltung – zur Organisation von Aktionen gegen Nato-Konferenzen. Er spielte im ak-Team engagiert mit der „Lederpille“ bei den fälschlichtaz-Turniere“ genannten Pokalen (nachtreten politisch korrekt) auf staubigen Hamburger Plätzen (August Postler). Er sicherte mit seinem Know-How als „Back-Office“ einen ahnungslosen Windows-Netzwerk-Administrator-Genossen eine Möglichkeit und war auch Streit-Schlichter, wenn ak-Redakteure um die 2000er Jahre Veränderung nicht immer im gleichen Sinn verstanden, um die Zeitung in die Zukunft zu bringen. Er war da, als das alles Anfing. Natürlich war er auch Anti.AKW-Genosse, davon erzählen Heini und Detlef im ak. Was denn sonst? Und das Kinderhaus Heinrichstraße. Der Jongleur der Bundesbahn. Irgendwas mit Flüchtlingen. Die Hamburger Frieko (Friedenskoordination). Da war auch die Geschichte mit dem „Trüffelschwein„. Das alles, und noch viel mehr! Danke, Hans-Hermann.

Womit Hans-Hermann zu tun hatte, wo er her kam und was ihn und viele prägte. Das MPZ machte 1987 einen Film. In einer Zeit, in der Video und Film noch eine extrem kostspielige Sache war und Fernsehen und Film in hohem Maße Möglichkeit der Obrigkeiten war. Die Welt der Untertanen war – nicht nur beim Video und Film – Schwarz-Weiß: 15 Jahre Kommunistischer Bund (KB) | mpz Hamburg 1987 – Teil 1 15 Jahre Kommunistischer Bund (KB) | mpz Hamburg 1987 – Teil 2 (über Invious zu Youtube)

Die Traueranzeige zum Abschied von Hans-Hermann Teichler, wie sie in der Taz in der Ausgabe am 16. Dezember 2023 erschienen ist:

„Er war uns ein guter Ratgeber, ein kluger und nachdenklicher Aktivist und das alles sogar mit Humor.“

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