Theo Christiansen – ein Begleiter

Theo Christiansen ist tot. Eine der für mich intellektuell, politisch und moralisch wichtigsten Personen ist kurz vor seinem 68. Geburtstag gestorben. Viel zu früh und viel zu überraschend. Immer für Gerechtigkeit und Anteilnahme. Immer für das Wohl aller, Gemeinwohl. Mit so viel Vorsicht und Brüchen. Es sind so viele Spuren, die sein Leben in meinem hat. Und von so vielen von uns. Da bin ich sicher. Dafür bin ich dankbar. Und traurig. Theo Christiansen!

Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen, Freudinnen und Freunden.

++

# Das Komitee für Grundrechte und Demokratie, für das Theo lange Jahre im Vorstand und Geschäftsführung aktiv war, hat diesen Nachruf veröffentlicht.#

Von Brokdorf und Anti-AKW, von Antimilitarismus und Raketen, von Plutonium und Hanau, von Apartheid und Südafrika (Kein Geld für Apartheid, ein Alternativer Geschäftsbericht zur Hauptversammlung der Dresdner Bank in Hamburg, siehe auch hier ein weiterer Text in der Taz.), von Atomausstieg, HEW/Vattenfall, E.on und die Rekommunalisierung Hamburger Energienetze (Unser Hamburg Unser Netz) und noch so viel mehr, davor, dazwischen, für immer! Seine Beiträge zu G20 in Hamburg. Sein Blog mit Uli Hentschel gemeinsam. Linksabbieger. Was sonst. Da war immer und immer die Kirche. Die Opposition.

  • Hier zwei „Alternative Geschäftsberichte“ über die Finanzierung der Apartheid in Südafrika durch die Dresdner Band – „Kein Geld für Apartheid“ Bericht 1986 (PDF) und zur Hauptversammlung in Hamburg der Bericht von 1987.
  • Rede von Theo bei der Menschenkette mit 120.000 Teilnehmenden zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel zum Atomausstieg,
Taz-Anzeige vom 24. Januar 2026

Da war mehr, dass er mit sich trug: Die Beerdigung von Georg von Rauch, erschossen in Berlin. Beerdigt in Kiel. Von seinem Vater Theodor. „Grabrede für Georg von RauchAnstößige Predigt – Ist Pastor Christiansens Laufbahn gefährdet?“ Die Zeit spricht 1972 von „Anstössiger Predigt“. Als Schulpastor mit dem Dienstherrn Schleswig-Holstein erhielt er als Reaktion ein Berufsverbot. Ein Skandal. Georg von Rauch Haus – der Mariannenplatz war blau – ein paar Millimeter zu Rio Reiser und Ton Steine Scherben. Das war lange, bevor ich Theo kennenlernen durfte, in Pinneberg bzw. Eimsbüttel. Aber das dürften Erlebnisse und Erfahrungen gewesen sein, die in maßgeblich geprägt haben. Immer war er einer, der politischen Druck mit klarer Analyse entgegentrat, aufrecht und immer mit Rückgrat.

Da war Dorothee Sölle, für die er arbeitete, der Student der Theologie. Kirche von unten. Die Befreiungstheologie. Dorothee Sölle im Gespräch – Herausgegeben von Theo Christiansen und Johannes Thiele. (PDF) und auch hier.

(Nachtrag Januar 2026) Da war auch diese Geschichte, die sich die offizielle Kirche und der Verfassungsschutz „erlaubten“. Als sich Spitzel unter gläubige Friedensfreunde mischten: „Unter den im Geheimdienstbericht erwähnten kirchlichen Aktivisten ist der damals 24-jährige Theo Christiansen.“ Was für ein Elend der Demokratie.

Der Theo Christiansen, der später die Ökumenische Arbeitsstelle für Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Ahrensburg (oder so) übernahm, die vorher Uli Hentschel innehatte. Hentschel war vorher Pastor in Rellingen und wegen seiner Kritik an Militarisierung und Nachrüstung für die herrschende Kirche „unangenehm“ aufgefallen war. Der Pastor bleibt im Dorf, hieß es gegen die Kirchenoberen. Damals, immer wieder. Kein Wunder, dass Theo an seiner Seite war und blieb.

Im Ev.-Luth. Kirchen Kreis Hamburg-Ost leitete er lange Jahre den Arbeitsbereich Diakonie & Bildung und war für die diakonischen Einrichtungen dieses Kirchenkreises. Da war Theo auch später – nach seiner Postion als Vertrauensperson für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze und in Verbindung mit dem Atomausstieg in Deutschland. Und da auch und besonders: Das Komitee für Grundrechte und Demokratie. Was auch sonst? Na klar. Da war er lange im Vorstand. Es war immer sein Thema, die Sache mit den Grundrechten und der Demokratie. Seine online lesbaren Beiträge dort.

Davor war auch ein Hamburger Arbeitskreis gegen Atomanlagen. „Die große Verlade – Atommüll auf Geisterfahrt“. Nach der BUU Pinneberg und der Inbetriebnahme von Brokdorf, nach der Katastrophe von Tschernobyl.  Hier ist die Geschichte dazu: Keine Atomtransporte durch Hamburg – 1989/90

Theo Christiansen auf umweltFAIRaendern.de

Theo Christiansen bei einer Aktion auf dem Rathausmarkt Markt für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze im September 2013. Fotos: Dirk Seifert

„Wir wollen Krieg nicht können!“ – Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester in Ottensen

Friedenskonzert 2025 in der Christians Kirche in Ottensen, Altona, Hamburg. Am Kloppstockplatz. Mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester. Ein Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen«. Aber auch ein Statement: „Wir wollen Krieg nicht können“, sagt der ehemalige Pastor Uli Hentschel unter großem Applaus in der gut besuchten offenen Kirche. Töne von Marschmusik des Streichorchesters brechen gleich wieder zusammen, wechseln in Differenz, in Demokratie und Vielfalt. Und auch sonst ist die Veranstaltung ein Ort, bei dem Mitmenschlichkeit und Widerspruch zusammengehören. Es bräuchte sehr viel mehr Reden, wie die von Uli Hentschel. Und Taten. umweltFAIRaendern dokumentiert.

Das Erste Improvisierende Streichorchester ist – nicht nur bezogen auf die Ohren – ein Erlebnis. Töne und Personen und Farben sind schon sowas wie ein politisches und musikalisches Statement. Und Improvisieren ist vielleicht manchmal auch nur ein anderes Wort dafür, die Demokratie immer wieder lebendig zu erstreiten. Es ist Vielfalt und Demokratie im Raum und in der Zeit – mit Kontroversen und Harmonien, mit Obacht und Respekt. Ein sehr besonderes Streich- und vielleicht auch im besten Sinn pluralistisches Streitorchesters.

  • Thomas Deuber hat aus Anlass des 40. Jubiläums das Orchester bei Proben, bei Gesprächen und bei einem Event in Osnabrück still und dezent gefilmt und gelauscht. Als Premiere gab es seinen Film „Improvisierend miteinander umgehen“ vor einem Jahr. Auf der Seite der „Kuhkoppel-Produktion“ gibt es dazu mehr. Töne und Demokratie und ein Orchester. Ein Erlebnisfilm.

Vom Konzert in der Christians Kirche 2025 gibt es hier zwei Audio-Mitschnitte als MP3.

und

 

Also Dokumentation die Ansprache von 

Uli Hentschel beim Friedenskonzert von EIS am 4. Advent 2025 in der Christianskirche (Es gilt das gesprochene Wort).

„Eure Musik – Eure Choreographie – „drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus“, wie ihr schreibt. Eure Improvisationen rufen aber auch Bilder von Leid, Krieg und Schmerzen wach. Ohne diese Bilder, diese Informationen zu verdrängen, soll die Sehnsucht gestärkt werden.

Das ist keine leichte Sache, sondern eine schwierige Herausforderung. Dissonanzen, Debatten und Kontroversen sind Elemente dieser Sehnsucht. Gestärkt wird sie, wenn es, wie in eurem Orchester, eine Verständigung über einige Grundregeln wie Respekt, Bereitschaft zum Zuhören, Mut zum Experiment, Veränderung des Vorgegebenen gibt.

Zu eurer Musik lässt sich nicht marschieren. Sie hat eine Richtung, verweigert sich aber dem Gleichschritt. Sie soll uns heute nach diesem kriegerischen Jahr wieder ermutigen zu einigen wenigen Überlegungen, die – wie soll es in der Kürze auch anders gehen, ganz persönlich von mir verantwortet werden:

1. Unsere Kräfte lassen nach. Wir sind erschöpft vom langen Kampf, von unseren Protesten, die, so sieht es derzeit aus, nicht erfolgreich waren. Wir sollten uns diese Erschöpfung, auch manche Ratlosigkeit nicht verbieten. Ich sage es auch mir selbst: Wir dürfen auch zur Ruhe kommen.

2. Ich vermute, dass wir hier in der Kirche unterschiedliche Auffassungen haben zum deutschen und europäischen Aufrüsten gegen das russische Großmachtstreben und den russischen Krieg gegen die Ukraine. Uns allen aber ist bewusst, dass die Aufrüstung zur Kriegstüchtigkeit mit massiven Kürzungen im sozialen Bereich, in der Ökologie und der Unterstützung armer Länder bezahlt wird.

3. Gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft

Boris Pistorius, nach eigenem Verständnis nicht mehr nur Verteidigungsminister, sondern Kriegsminister, hat gefordert: Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein. Und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“ Der letzte Satz wurde zu wenig beachtet: wie die Bundeswehr will Pistorius auch die Gesellschaft für diese Kriegstüchtigkeit „aufstellen“. Das ist nicht mehr Demokratie, sondern Militarisierung unsere Gesellschaft. Das wollen wir nicht.

Ebenso wenig wollen wir die atomare Aufrüstung Europas, wie sie von immer mehr Politikerinnen gefordert wird.

4. Viel zu wenig Proteste gibt es gegen die unredliche und unmenschliche und unmoralische Abweisung von Flüchtigen vor allem aus Afghanistan und dem Iran durch die deutsche, unsere Regierung. Und wo bleibt die Unterstützung für die Menschen, die sich dem Krieg verweigern. Das Recht auf Asyl muss auch für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer gelten. Das Recht auf Asyl muss auch gelten für die Frauen, insbesondere aus dem Iran und Afghanistan.

5. Wir sehen, wie stark die Akzeptanz und auch Toleranz für faschistoide Gruppen und Strömungen (wie der AFD) wird. Ihr Verharmlosen und Relativieren der deutschen Verantwortung für den Holocaust und zwei Weltkriege braucht Widerspruch und nicht Verständnis.

Widerspruch braucht auch die Entscheidung von Senat und Bürgerschaft in unserer Stadt, mit einer 300-Millionen-Spende von Klaus-Michal Kühne einen neuen Kulturtempel zu bauen. Denn der Ursprungskern seines Vermögens ist eine NS-Erbschaft, die u.a. mit dem Transport des Eigentums von vertriebenen und ermordeten jüdischen Familien aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich durch Kühnes Vater geschaffen wurde.

6. Mich sorgt vor allem der zunehmende Antisemitismus in Wort und Tat. Der Terrorangriff auf eine Chanukka-Feier in Australien ist der aktuellste Ausdruck einer Bedrohung für jüdische Menschen in aller Welt, auch hier in unserem Land und unserer Stadt. Da ist kein Frieden. Auch in meinen Milieus, dem linken und dem kirchlichen, kommen immer wieder antisemitische Einstellungen zum Vorschein.

**

Woraus kann uns angesichts dieser Entwicklungen Klarheit und Kraft kommen? Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest und hier in dieser Kirche will ich ganz fromm von Jesus sprechen. Man muss sich nicht auf ihn beziehen, aber für eine sich auch christlich verstehende Kultur kommt man an ihm nicht vorbei:

* Jesus war ein jüdischer Rabbi. Er war kein Christ, er war kein blonder Arier, er war ein Jude. Das muss immer wieder erinnert werden. Ausgrenzung von Juden, mit welchen Begriffen auch immer, ist unvereinbar mit meinem christlichen und meinem politischen Verständnis.

* Jesus war Pazifist. Er kritisierte Gewalt, auch die seiner Freunde. Er provozierte mit seinen Aufrufen zur Feindesliebe.

* Jesus kommt aus einer Flüchtlingsfamilie.

* Jesus war kein Familienmensch. Zu seiner „Familie“ zählte er seine BegleiterInnen ebenso wie unbekannte Menschen, auch oder gerade, wenn sie gesellschaftlich ausgegrenzt waren.

Ach wie gut wäre es, wenn in diesen Weihnachtstagen nicht nur ein Jesuskind verkitscht und gefeiert wird. Zu erinnern und ja auch zu feiern ist vielmehr der erwachsene Jesus.

Jesus als Pazifist – das wäre Weihnachten zu feiern, mit allen Zweifeln gewiss, aber doch als kollektive Leitidee, Leitstern …

Vor zwei Jahren fragte die Chefin eines großen Rüstungs-Unternehmens: „Können wir überhaupt noch Krieg?“

Wir? Noch?

Ja, „wir“ Deutsche konnten schon mal Krieg. 60 Millionen tote Menschen blieben zurück.

Nein, das wollen wir nicht mehr. Wir wollen Krieg nicht können!

Und nein: Wir sind nicht blind und naiv. Wir sind realistisch. Denn wir wissen aus unserer deutschen Geschichte: Aufrüstung und Nationalismus treiben zum Krieg.

Und wir wissen, dass Aufrüstung asozial ist und lebensgefährlich, nicht nur für uns und unsere Kinder, sondern für viele Menschen in anderen Ländern. Manche der Geflüchteten haben das erlebt und können davon berichten. Auch sie brauchen unsere Solidarität!“

Friedenskonzert – Improvisierendes Streichorchester – 21.12.2025 – Altona

Alle Jahre wieder – Alle Jahre immer nötig, wichtig und auch wundervoll. Ihr Kinderlein, kommet herbei: Sonntag 21.12. 2025 -Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – in der Kirchengemeinde Ottensen. 12.00 Uhr Christianskirche am Klopstockplatz – Eintritt: Spende. Mit dabei ist auch Uli Hentschel, der ein paar Worte zur Einordnung und Weltlage beitragen wird.

Im Einladungsflyer zum Benefiz-Konzert (PDF) ist auch dieses zum Hintergrund über das Orchester zu lesen:

Sonntag 21.12. 2025

12.00 Uhr – Christianskirche am Klopstockplatz
Eintritt: Spende

Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – Deutschunterricht für Flüchtlinge in der
Kirchengemeinde Ottensen.

erstesimprovisierendesstreichorchester

Zum Hintergrund:

Friedenskonzert – Erstes Improvisierendes Streichorchester

Hat Frieden einen besonderen Klang?

Die Friedenskonzerte des Ersten Improvisierenden Streichorchesters schaffen einen Raum, in dem Musizierende und Hörende dieser Frage nachspüren können.

In der Improvisation gestalten die MusikerInnen gemeinsam immer wieder neue, unvorhergesehene Momente und laden ein, Hörgewohnheiten zu verändern, streben auseinander und finden wieder zusammen. Es entsteht ein Klangraum, in dem Harmonie, Zwischentöne und Disharmonie ihren Platz finden.

Seit dem 11. September 2001 spielt das Erste Improvisierende Streichorchester Friedenskonzerte. Es verwirklicht den Wunsch, den Kriegs- und Fluchtkatastrophen etwas entgegenzusetzen. Die
Konzerte drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus. Das Thema Frieden ist derzeit so aktuell wie nie zuvor – weltweit, aber auch in Europa.

Jedes Jahr sterben zigtausend Menschen in bewaffneten Konflikten. Als Folge befinden sich viele Millionen Menschen auf der Flucht. Dies wird von der Öffentlichkeit unterschiedlich WAHR-genommen. Die Friedenskonzerte sind deshalb auch ein Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen. Wir bitten um Ihre wohlmeinende Spende.

erstesimprovisierendesstreichorchester.de

Weil der Mensch ein Mensch ist: Danke Rolf Becker!

Ein Mensch. Nach Brecht. Ein Demokrat. Und eine Stimme. Wie ein kriminell gutes Hörspiel. Total real! Grade und mit Herz. Das ist es, was zählt. Was in Erinnerung bleibt. Was lebt. Die Linke nimmt Anteil. Da schlägt das Herz. Ein Abschied. Danke, Rolf Becker! Auf der Homepage von Heike Sudmann, der Co-Fraktionsvorsitzenden, gemeinsam mit Partei und Bürgerschaftsfraktion Hamburg.

Hier: „Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben.

Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben. „Rolf hat allein mit seiner Anwesenheit Mut gemacht. Die vielen Demos und Aktionen, die er mitgemacht hat, lassen sich nicht aufzählen. Besonders in Erinnerung bleiben mir seine Unterstützung für den Erhalt der Schiller-Oper und der Kampf gegen Spekulation in St. Georg. Danke für so Vieles. Rolf, du wirst uns fehlen!“, sagt Heike Sudmann.

Partei und Fraktion verabschieden sich von Rolf Becker.

Dazu Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Rolf Becker mischte sich ein in eine Gesellschaft, die ihm zu eng und zu kalt war – er gab Widerworte gegen den Zeitgeist, er hat nie seinen Frieden gemacht mit der deutschen Wirklichkeit, all diesem in-die-Tasche-lügen. Rolf Becker hat auf der Bühne vom Widerstand gesprochen und gesungen, er stand auf der Straße an der Seite von Gewerkschaften, Friedens-Aktivist*innen und all denjenigen, die von Sparpolitik, Privatisierungen und Verarmung getroffen sind – ob in Griechenland oder direkt vor seiner Haustür in St. Georg. Mit Rolf Becker verliert Hamburg nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch eine unverzichtbare Stimme gegen Spekulantengier oder in den Kämpfen um ein solidarisches Quartier.“

Dazu Thomas Iwan, Co-Landessprecher der Hamburger Linken: „Rolf Becker hat gezeigt, was es heißt, Antifaschismus, Internationalismus und Stadtteilarbeit zusammenzudenken – vom Einsatz für politische Verfolgte bis zu Protesten gegen die Umwandlung von Wohnraum in renditegetriebene Anlageobjekte. Wir trauern um einen wunderbaren Menschen und einen mit all seinem Optimismus ansteckenden Aktivisten. Wir sind tief traurig und in Gedanken bei seiner Familie.“

 

„Zugemüllt“: Oliver Schlaudt im Bundesamt … für nukleare Entsorgung – Eine Besinnung? Und ein Buch.

Viel zu viel ist in diesem Blog von Müll die Rede. Atommüll, Strahlenmüll. UmweltFAIRaendern.de. Ein Titel, der eigentlich viel zu groß ist, für so eine doch begrenzte Thematik. Etwas mit Atomenergie und dann noch Krieg, Terror und Atommüll. Ok. Klingt wie Hiroshima. Harrisburg. Tschernobyl. Fukushima … . Dafür gibt es ja sogar schon Bundesämter und Ministerien. Wieso will das mit dem Müll so blöd universell sein? Nicht erst, wenn es strahlt. „Zugemüllt“, ein Buch von Oliver Schlaudt, auf das – ausgerechnet – das „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ (BASE) aufmerksam macht, zeigt, dass das Thema noch viel gewaltiger ist.

Und mahnt den Veranstalter selbst, immer noch mal viel, viel genauer zu prüfen. Was genau ist Politik und wie kann sie das demokratisch gestalten, wenn was so unermesslich, ewig und gefährlich ist? Atomenergie ist niemals „offen“. Wer sie einsetzt, schafft tödlichen Müll beinah für die Ewigkeit. Zugemüllt: Wie geht umweltFAIRaendern in einer unverantwortlichen zugemüllten Gegenwart und nahezu ewiger Zukunft? Oliver Schlaudt ist am 15. Dezember in Berlin beim BASE.

Zugemüllt ist eine – irgendwie gestolperte und zusammengebaute – spannende und interessante Reise. Durch ober- und unterirdische und verbrannte Müllwelten – unglaubliche Dimensionen hat diese Reise, sie entdeckt so viel, was nicht erst mit der Industrialisierung und der Entstehung bürgerlicher, kapitalistischer Staaten bzw. Nationen entsteht und damit erkennbar wird. Bitterfeld. Gorleben. Ruhrgebiet. So viel Salz. Grundsätzlich und geologisch. Zeithistorisch und philosophisch. Irgendwie zwischen Reisebericht und Wissenschaft und Literatur. Naturlandschaft – Kulturlandschaft – Mülldeponie?

Kein Wunder, wenn das Cover vom Buch Swaantje Günzel in einem Foto von Henriette Pogoda zeigt: Zwischen Plastik-Müll auf einer Bank in der möglicherweise Kunsthalle Hamburg sitzend, vor einem deutschen Romantiker namens Caspar David Friedrich.

Die FAZ hat sich dem Buch gewidmet: „Philosophie und Müll : Im Abfall spiegelt sich die Welt“ mit der Unterzeile: „Der Philosoph und Ökonom Oliver Schlaudt macht sich Gedanken über den Müll und sucht ihn dort auf, wo er sich befindet. Seine Exkursionen führen ihn durch Deutschland und die europäische Kultur- und Technikgeschichte.“ (Von Uwe Justus Wenzel,

Oliver Schlaudt – Zugemüllt. Eine müllphilosophische Reise durch Deutschland – Eine etwas andere Deutschlandreise: nicht zu den Schönheiten des Landes, sondern zu seinen Mülldeponien, mit all ihrem Gestank und all ihrem sehr nachhaltigen Gift. Eine erhellende philosophische Betrachtung über die zunehmende Vermüllung unserer Welt, die wir nur zu gern verdrängen.“

Als Audio und eine Art von Lesung hat sich der Bayerische Rundfunk dem Thema und Buch von Schlaudt angenommen. Natürlich hier bei Perlentaucher.

Was hier aber eine besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der Besuch des Autors bei der BI Lüchow Dannenberg und deren Antworten auf seinen Fragen, wie das denn ist, wenn einem in Gorleben der Atommüll quasi „auf den Füssen steht“? (das ist so ein Fotoshot aus dem Buch, Seite 152. Mit Mail vom 10.12.2025 16:19 Uhr teilt der Beck-Verlag in Person von S.B.  mit, dass die beiden folgenden Bilder auf umweltFAIRaendern mit Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Vielen Dank.)

Es bleibt alles im Widerspruch – und da muss es auch bleiben. Wie denn sonst, bei etwas von dieser Größenordnung Einstein und das Universum, aber in Klein. Es geht nur um die Kernspaltung. Fusion kommt dann noch.

Und wo genau in diesem Umfeld kann sich Politik dann überhaupt noch bewegen? Hilflos, verzweifelt? Ignorant und durch? Es braucht nicht unbedingt die Erkenntnisse von Freud und Verdrängung. Es braucht. Ein Ende der Atomenergie, aber der radioaktive Müll bleibt! (Fotoshot, Seite 153)

„Kreist um die Neubestimmung … als Skandal, falsche Entscheidungen beenden…“ Sehr gute Idee! Philosophie über eine vermüllte Demokratie. Na, irgendwo ein Fehler im Satzbau.

Hier als Dokumentation:

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Anfang 15.12.2025 16:00 Uhr Ende 15.12.2025 18:00 Uhr Veranstaltungsort Berlin

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Müll will niemand haben – stinkend, unbrauchbar oder wie im Fall von Atommüll sogar hochgefährlich. Und doch waren genau diese Abfälle der Anlass für Oliver Schlaudt quer durch Deutschland zu reisen und Deponien, Verwertungsanlagen und Abwasserkanäle zu besichtigen.

Müll: Ungewolltes und nicht ausschlagbares Erbe

Auch das Thema Atommüll betrachtet Schlaudt intensiv – in Frankreich hat er die Bemühungen beobachtet, am Standort Bure ein Endlager einzurichten. Am 15. Dezember berichtet er im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung von seiner ungewöhnlichen Tour.

Oliver Schlaudt ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Sein Buch „Zugemüllt. Eine müllphilosophische Deutschlandreise“ ist im C.H.Beck-Verlag erschienen.

Das Fazit seiner Reise gilt für alle Abfallarten gleichermaßen, ob hochradioaktiver Atommüll aus den Atomkraftwerken oder Plastikverpackung nach dem Supermarkteinkauf: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Jetzt zur Lesung anmelden:

Über dieses Erbe möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir laden Sie herzlich zu dieser philosophischen Lesung und Diskussion ins BASE ein.

Am Montag, den 15. Dezember von 16 – 17 Uhr
Ausklang bei Snacks und Getränken bis 18 Uhr

  • Dokumentation: Beck-Verlag zum Buch, Link siehe oben:

Schlaudt, Oliver

Zugemüllt

Eine müllphilosophische Deutschlandreise.

Die weltweit größte Untertagedeponie für gefährliche Abfälle im hessischen Heringen, ein gigantischer Abwasserkanal bei Essen, eine Tierkadaververwertungsanlage im schönen Moseltal: Oliver Schlaudt hat sich auf eine eigentümliche Deutschlandreise begeben, um verborgene, aber spektakuläre Wahrzeichen unserer Müllkultur aufzusuchen. Sein genauso verblüffender wie wunderbar erzählter Reisebericht liest sich allerdings nicht nur wie ein Fremdenführer durch deutsche Abfalllandschaften. Inmitten ihrer besonderen Müllgeschichten entwickelt Schlaudt zugleich eine Philosophie, die sich die Hände buchstäblich schmutzig macht.

Menschheitsgeschichtlich haben wir den Punkt erreicht, an dem unser Müll überall ist und wir uns allmählich mit ihm selbst vergiften. Zugleich geben wir uns sehr viel Mühe, seine beunruhigende Allgegenwart aus unserem Gesichtsfeld zu verbannen. Es wird daher Zeit, der drastischen Wirklichkeit unserer zumüllenden Lebensform ins Auge zu blicken – und mit Oliver Schlaudt eine müllphilosophische Deutschlandreise zu unternehmen. Wir besuchen unter anderem die unscheinbare, aber rettungslos zerstörte Mülllandschaft von Bitterfeld (wo Marx’ Einsicht sinnfällig wird, dass der Müll der «unheilbare Riss» im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur ist), die BASF-Sondermülldeponie auf einer künstlichen Rheininsel (wo wir erkennen, dass wir in Sachen Müll «Cartesianer» geblieben sind, Bewohner zweier getrennter Welten) und die charmante Wurmkiste im eigenen Zuhause. Es wird klar: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

×