Atommüll: 100 Jahre und mehr – sehr lange oberirdische Zwischenlagerung

Castorbehälter für hochradioaktiven Atommüll. 80 Stück davon baut die GNS pro Jahr. Foto: GNS
Wie lange halten Castor-Behälter bei verlängerter Zwischenlagerung dicht? Diese und andere Fragen einer Langzeit-Zwischenlagerung untersucht eine neue Studie. Foto: GNS

Mit der „hypothetischen Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente und verglaster Abfälle über einige hundert Jahre“ und den damit „verbundenen technischen und nichttechnischen Herausforderungen und Erfordernisse(n)“ befasst sich eine Studie des Öko-Instituts und des TÜV Nord im Auftrag der Atommüll-Kommission des Deutschen Bundestages. In der Studie werden auch andere Staaten betrachtet, die – anders als offiziell in Deutschland (40 Jahre) – Zwischenlager-Zeiträume von 100 Jahren vorsehen, bevor eine unterirdische Verbringung vorgesehen ist. In der Zusammenfassung heißt es: „Eine derartige Langzeitzwischenlagerung ist eine grundsätzlich denkbare Strategie, die allerdings eine bewusste Entscheidung und Begründung voraussetzt. Sie ist keine Form der endgültigen Entsorgung, sondern verschiebt die Endlagerung in die Verantwortung zukünftiger Generationen.“

Die Frage, ob eine langfristige oberirdische oder oberflächennahe Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle sinnvoll sein könnte ist nicht neu. Immer wieder ist z.B. intensiv über ein so genanntes „Hüte-Konzept“ diskutiert worden. Darin geht es kurz gesagt darum, durch ein Konzept der „betreuten“ Lagerung die Menschen auch über längere Zeiträume mit den Gefahren der Atommülllagerung derart zu „befassen“, dass sie sich dieser dauerhaft bewusst bleiben und entsprechende Technologien zur Kontrolle bewahren. Siehe dazu hier mehr.

Das jetzt vorgelegte „Gutachten zur Langzeitzwischenlagerung abgebrannter Brennelemente und verglaster Abfälle“ geht auf diese grundsätzlichen Betrachtungen nicht weiter ein, setzt sich aber mit den Anforderungen einer Zwischenlagerung von Zeiträumen über 100 Jahre auseinander. Ausdrücklich wird dabei daran festgehalten, zu einem späteren Zeitpunkt die radioaktiven Abfälle langfristig unterirdisch einzulagern.

Auch wenn offiziell eine Langzeit-Zwischenlagerung nicht wirklich angestrebt wird: Immer mehr wird aber klar, dass die derzeit mit 40 Jahren geplante Zwischenlagerung deutlich länger dauern wird, da ein entsprechendes unterirdisches Lager vermutlich erst deutlich nach 2050 zur Verfügung stehen wird und die Einlagerung weitere Jahrzehnte beanspruchen wird. Dabei ist auch die Rede davon, dass ein solches Lager erst in den 2080ern in Betrieb gehen könnte und die Einlagerung noch bis ins nächste Jahrhundert andauern würde.

Die Frage, wie sich die derzeit eingesetzten Castor-Behälter und das darin befindliche radioaktive Inventar über Zwischenlagerzeiten von 40 und mehr Jahren verhalten werden, ist bis heute nicht ernsthaft untersucht. (Siehe dazu auch den obigen Link zum Thema Laufzeitverlängerung für die Zwischenlagerung). Vor diesem Hintergrund ist die neue Studie sicherlich auch in einzelnen Aspekten relevant, wenn es darum geht, was bei längeren Zwischenlager-Zeiten in Sachen Sicherheit erforderlich ist. Nicht nur bezogen auf die Behälter, sondern auch auf die Lagerhallen.

Castoren in Jülich: Bundesrepublik zahlt zehn Millionen für Atommüllforschung in den USA

AVRJuelich
Atommüll aus Jülich in die USA? Die ersten zehn Millionen Forschungsgelder für US-Forscher sollen zugesagt sein. Foto: Betreiber

Die Bundesregierung hat einem Artikel von „The State“ zufolge seine Bereitschaft erklärt, 10 Millionen Dollar für die Atommüll-Forschung in den USA zu bezahlen. In Jülich lagern derzeit 152 Castor-Behälter mit fast 300.000 hochradioaktiven Kugel-Brennelementen. Angesichts von Sicherheitsdefiziten, hat  die Landesregierung die Räumung des Lagers verlangt und den Betreiber aufgefordert, ein Konzept vorzulegen. Eine der Optionen, die seit einiger Zeit verfolgt wird, ist der Abtransport des Atommülls in die USA. Ziel ist die Savannah River Site, eine Atomschmiede aus dem Kalten-Krieg. Dort sollen die aus einem Gemisch von Uran und Graphit bestehenden Kugeln aufgearbeitet werden, heißt es.

Das Problem: Ein großtechnisches Verfahren dafür gibt es gar nicht und muß erst teuer entwickelt werden. Die genannten 10 Mio. Euro wären dafür nur ein kleiner Anschub. Der Spiegel hatte vor einiger Zeit von geschätzten Gesamtkosten in Höhe von fasst 500 Mio. Euro gesprochen.

Ein solcher Atommüll-Export stößt auf massiven Widerstand. Nicht nur, weil mit den Transporten extreme zusätzliche Risiken eingegangen werden und auch in den USA letztlich keine Lösung für die Atommülllagerung vorhanden wäre. Würde die rot-grüne Landesregierung diesen Weg gehen, würden möglicherweise auch andere künftig auf den Gedanken kommen, Atommüll einfach ins Ausland zu verschieben. Russland – wo bereits abgereichertes Uran aus der ebenfalls in NRW befindlichen URENCO-Anlage in Gronau lagert – wird dazu immer wieder ins Gespräch gebracht.

 

 

 

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