Atomforschungsreaktor Berlin: Mangelnder Katastrophenschutz und teure Experimente – Zdebel fragt nach

Vor wenigen Tagen wurde der Atomforschungsreaktor am Berliner Wannsee wieder in Betrieb genommen, nach dem er wegen Rissen seit November 2013 abgeschaltet und repariert werden musste. Im Jahr 2019 soll der Forschungsreaktor endgültig abgeschaltet werden. Bürger-Initiativen fordern die sofortige Stilllegung der Anlage, von der große radiologische Gefahren für die Berliner Bevölkerung ausgehen. Zu den Unfall-Risiken und den Folgen für den Katastrophenschutz in der Bundeshauptstadt hat der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel eine Kleine Anfrage auf den Weg gebracht. Nach Fukushima laufen zwar Anpassungen beim Katastrophenschutz für Atomkraftwerke. Pläne, dies bei den Forschungsreaktoren ebenfalls in Angriff zu nehmen, fehlen aber bislang.

Insgesamt ist der Katstrophenschutz rund um Atomanlagen eher als Katastrophe zu bezeichnen: Laut taz vom 24. Oktober 2014 „traten bei einer geheimen Übung der Krisenstäbe von Bund und Ländern eklatante Mängel zutage.“ Dort heißt es weiter: „Nach einer simulierten Atom-Katastrophe im AKW Emsland wurde die Bevölkerung erst zu einem Zeitpunkt gewarnt, zu dem die radioaktive Wolke bereits Millionen Menschen erreicht hätte.“ ()

Außerdem fragt der Sprecher für Atomausstieg der Bundestags-Fraktion DIE LINKE die Bundesregierung in einer weiteren Kleinen Anfragen zum Einsatz eines Hochfeldmagneten, der jetzt für teures Geld und mit zahlreichen Verzögerungen für Experimente in dem zum Helmholtz-Zentrums Berlin gehörenden Forschungszentrum in Betrieb genommen werden soll. Die Fragen zum Hochfeldmagneten sind hier als PDF, der ENTWURF der Kleinen Anfrage zum Katastrophenschutz und dem Forschungsreakor sind hier.

Nach dem Brunsbüttel-Urteil: Forum fordert Abschaltung der AKWs in Gundremmingen

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Forum fordert Konsequenzen aus dem Brunsbüttel-Urteil auf in Bayern: AKWs in Gundremmingen müssen abgeschaltet werden.

Das Anti-Atom-Forum aus der Umgebung der Atommeiler in Gundremmingen hat nach der nun rechtskräftigen Aufhebung der Genehmigung für das Castor-Lager am AKW Brunsbüttel Konsequenzen für Bayern gefordert. Das dortige Zwischenlager für den hochradioaktiven Atommüll ist noch weniger sicher, also die Lager im Norden, so die Initiative. Und: Da es keine sichere Entsorgung mehr gibt, müssen die Reaktoren umgehend abgeschaltet werden. umweltFAIRaendern dokumentiert die Pressemitteilung:

„Endlich: Bundesverwaltungsgericht bestätigt Aufhebung der Zwischenlagergenehmigung am AKW Brunsbüttel. Wir fordern den Bau neuer und weniger gefährlicher Atommüll-Lager

Die lange erwartete Bestätigung des Bundesverwaltungsgerichts kam am gestrigen Freitag: Die Lagerung der Castoren im Zwischenlager Brunsbüttel ist unzulässig, weil wichtige Sicherheitsprüfungen nicht erfolgt sind. Da die süddeutschen Zwischenlager aus Kostengründen noch dünner gebaut worden sind, fordern wir die Stilllegung des Gundremminger Zwischenlagers und einen Neubau. Außerdem muss ernsthaft nach einem unterirdischen Endlager gesucht werden. Da es keine Entsorgung für den Atommüll gibt, muss die Produktion neuen Atommülls sofort beendet werden!

Seit über einem Jahrzehnt hat ein Ehepaar in Schleswig-Holstein gegen die Genehmigung des Zwischenlagers in Brunsbüttel geklagt. Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nach einem Prozessmarathon die letzte Entscheidung getroffen: Die Klage ist rechtens, die Genehmigung des Zwischenlagers ungültig.

In Bayern ist die Lage zweifach schlimmer. Die Zwischenlager sind aus Kostengründen viel dünner gebaut worden. Während in Norddeutschland die Hallenwände 120 Zentimeter stark sind, beträgt die Wanddicke in Süddeutschland nur 85 Zentimeter. Während in Norddeutschland die Decken der Zwischenlager 130 cm dick sind, sind sie im Süden nur 55 cm dünn.

Aber auch juristisch ist die Lage in Bayern schlimmer. Im Unterschied zum Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig haben die damals handverlesenen Richter des „Atomsenats“ am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) unter Vorsitz von Dr. Horst Konrad mit Urteil vom 2.1.06 gegen die Zurückweisung aller Klagen keine Revision zugelassen. Damit wurden die Genehmigungen der drei Zwischenlager in Grafenrheinfeld, Gund¬remmingen und Ohu rechtskräftig. Auch unsere Beschwerden beim Bundesverwaltungs- und beim Bundesverfassungsgericht haben daran nichts mehr geändert. Es ist für uns Umweltschützer unfassbar, wie damals die Richter unsere gut begründeten Klagen, dass diese gefährliche Atommülllagerung unsere durch unsere Verfassung geschützten Rechte auf Leben und Gesundheit verletzt, weggewischt haben! Dass auch unsere Rüge, dass neue Zwischenlagerung ohne ernsthafte Endlagerperspektive Unrecht ist, unbeachtet blieb.

Wir Umweltschützer haben seit dem Frühjahr 2001 darauf hingewiesen, dass die Lagerung des tödlich strahlenden Atommülls in den oberirdischen Hallen keinen ausreichenden Schutz insbesondere vor Terroranschlägen bietet. RWE als Gundremminger Betriebsführer und EON als Gundremminger Mitgesellschafter haben die Sicherheit behauptet aber nicht nachgewiesen. Wir wurden schon wenige Monate nach dem unsere Rechte vernichtenden Urteil des VGH München durch das Bekanntwerden von Tatmitteln und Bedrohungen in unseren Sorgen bestätigt. Mit Anschlägen auf die Zwischenlager wie auch die Atomkraftwerke kann so viel Radioaktivität frei gesetzt werden, dass ganze Landkreise auf Dauer evakuiert werden müssten.

Wir fordern deswegen dreierlei:

1. Da das Zwischenlager in Gundremmingen nicht sicher ist, muss ein wesentlich weniger gefährliches Zwischenlager gebaut werden. Und das muss nicht am Standort Gundremmingen sein.
2. Da oberirdische Zwischenlager immer viel gefährlicher als unterirdische Lager in geologischen Schichten sind, fordern wir, dass endlich ernsthaft ein unterirdisches Endlager in Deutschland gesucht und gebaut wird. Hauptstandortkriterium muss die Langzeitdichtheit der tiefengeologischen Schicht sein.
3. Da das AKW Gundremmingen keine Entsorgung hat und auf absehbare Zeit auch keine haben wird, muss die Produktion von Atommüll sofort beendet und der Betrieb eingestellt werden! Gleiches gilt für alle anderen deutschen AKW.

In Norddeutschland, wo nur noch drei Atomreaktoren Strom produzieren und viele Windkraftwerke gebaut wurden und werden, sind die AKW längst überflüssig. Bayern hingegen muss aufhören, durch Behinderung des Baus von Windrädern, Solaranlagen und Stromspeichern wie des Umbaus des Stromnetzes die Energiewende zu torpedieren! Auch Bayern und Baden-Württemberg können sich sofort von der Atomspaltung in den noch laufenden sechs Atomreaktoren befreien. Für wenige Jahre wird man dann vermehrt Gas- und Kohlestrom nutzen. Aber durch eine ernsthafte Energiewende mit 3 x E kann man ohne Zubau neuer fossiler Kraftwerke in nur wenigen Jahren auch die Verbrennung von Erdgas, Kohle und Öl zurückfahren. Und damit mittelfristig sogar die kostengünstigste Stromversorgung aufbauen. Und die wäre nicht mehr umweltzerstörend.“

Raimund Kamm (Vorstand)
FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager
und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.
Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm
www.atommuell-lager.de

UPDATE – „Fast 1000 heimliche Atomtransporte seit 2012“

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Urankonzentrat aus Namibia im Hamburger Hafen. Einer von vielen Atomtransporten, die in den Daten des Bundesamts für Strahlenschutz nicht auftauchen. Foto: Dirk Seifert

„In Deutschland haben zwischen Anfang 2012 und Ende Mai 2014 insgesamt 988 Atomtransporte stattgefunden, von denen die Bevölkerung in der Regel nichts erfuhr. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.“ Das berichtet die Rheinische Post (RP) in ihrer aktuellen Ausgabe. Zahlreiche Medien wie der Stern, das Hamburger Abendblatt, die Taz und die Welt berichten ebenfalls. Die Informationen beziehen sich auf eine erste Auswertung von Daten, die in der Antwort der Bundesregierung auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel, Fraktion DIE LINKE enthalten sind (Drucksache 18/1851).

Update 14/07/2014: Hier ist die Pressemeldung des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (in der weitere Informationen und Hinweise enthalten sind), und hier jeweils als PDF: Die Anfrage und die Antworten – Transporte BFS – Einfuhr-Ausfuhr BAFADaten Bundesbahn.

Update13/07/2014: Der WDR hat einen TV-Beitrag in seiner Mediathek veröffentlicht.

Der Artikel informiert auch darüber, dass eine hohe Zahl der Atomtransporte mit der Uranfabrik in Gronau im Zusammenhang steht. Anders als bei den Atomkraftwerken ist deren Betriebszeit nicht befristet. Die Anlage versorgt weltweit etwa jedes zehnte AKW mit dem erforderlichen angereicherten Uran.

RP dazu: „Ein großer Anteil der Atomtransporte stand im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau: Allein 186 Mal hätten auf deutschen Straßen und Schienen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau stattgefunden, wie aus den Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervorgeht.“

Wichtig an diesen Zahlen ist: Sie umfassen nur einen Teil der tatsächlich stattfindenden Atomtransporte. Die Angaben beziehen sich lediglich auf die vom Bundesamt für Strahlenschutz zu genehmigenden Transporte von so genannten Kernbrennstoffen, die angereichertes Uran enthalten. Natururan, abgereichertes Uran und andere Zwischenprodukute bei der Brennelementeherstellung sind in diesen Zahlen daher noch nicht einmal enthalten.

Die RP schreibt: „Auf geheim gehaltenen Routen durchfahren teilweise hochgefährliche Atomtransporte über Tausende von Kilometern täglich die Bundesrepublik“, kommentierte Linken-Politiker Hubertus Zdebel. „Ein Unfall vor allem mit den Transporten von Uranhexafluorid könnte verheerende Folgen bis zum Tod von Menschen haben“, warnte er. In Gronau solle demnächst eine Lagerhalle für 60 000 Tonnen dieses radioaktiven Abfalls in Betrieb gehen. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bürger über die Atomtransporte und ihre Gefahren zu informieren.“

Neben dem Hinweis auf die Bedeutung der Uranfabrik in Gronau (NRW), berichtet die RP auch über die Urananlage der AREVA in Lingen (Niedersachsen). Auch deren Weiterbetrieb ist vom Atomausstieg ausgenommen. „Die Uranfabrik in Gronau und eine weitere Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen sind vom Atomausstieg ausgenommen. Beide Anlagen produzieren Kernbrennstoffe für Kunden in aller Welt. Dafür benötigen sie Uran aus dem Ausland, das zumeist über den Hamburger Hafen nach Deutschland gelangt. Bei den Atomtransporten geht es nicht um hochradioaktives Material. Allerdings kann etwa das in Tanks importierte Uranhexafluorid, mit dem spaltbares Uran angereichert wird, schwere gesundheitliche Schäden verursachen, wenn es zu Unfällen kommt.“

Atomtransporte in Hamburg: „Radioaktive Strahlung oberhalb der Ortsdosisleistung“

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Anti-Atom-Aktion in der Hafen-City. FOTO Pay Numrich

„Bei einer Routinekontrolle eines Containers mit Zinnschlacke wurde radioaktive Strahlung oberhalb der Ortsdosisleistung gemessen. Da der Verdacht bestand, dass es sich insofern um eine als Gefahrgut der Klasse 7 einzuordnende Beförderung handeln könnte, wurde durch die Wasserschutzpolizei ein Beförderungsverbot bis zur  Klärung des Sachverhaltes ausgesprochen.“ So erklärt der Hamburger Senat auf eine Nachfrage der Linken-Abgeordneten Dora Hayenn (PDF, Drucksache 20/12244 mit Anlagen) die vor einigen Wochen ausgesprochen Beförderungsverbote im Zusammenhang mit Atomtransporten durch den Hamburger Hafen. Insgesamt 15 Mal wurden Transporte mit Zinnschlacke bzw. Thorium 232 gestoppt. Bei den Kontrollen im Hamburger Hafen werden bei zahlreichen Atomtransporten auch immer wieder von den Behörden sicherheitsrelevante Mängel festgestellt.

Zuvor hatte der SPD-Senat Ende Mai mitgeteilt: “Seit Februar dieses Jahres sind in offenbar fünf Fällen Atomtransporte durch Hamburg wegen Sicherheitsmängeln gestoppt worden. Es habe „einige Fälle“ mit „Mängeln an den Transportcontainern“ gegeben, so dass „Beförderungsverbote ausgesprochen wurden“, teilte der Hamburger Senat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Dora Heyenn und Christiane Schneider mit (Drs. 20/11730). Bei den insgesamt 61 Atomtransporten seit Anfang Februar 2014 wurden 32 Kontrollen durchgeführt.

Wie der Senat jetzt mitteilt, waren die Transporte mit Thorium 232 falsch deklariert und nur durch die Kontrollen wurde dies festgestellt. Erst diese Überprüfung und die anschließende „gutachterliche Bewertung der Zinnschlacke“ bzw. Thorium 232 führte dazu, dass das Material als „Klasse 7, UN 2912, RADIOAKTIVE STOFFE MIT GERINGER SPEZIFISCHER AKTIVITÄT“ eingestuft wurde. Ohne diese Kontrolle wäre das Material mit „erhöhter Ortsdosisleitung“ einfach so weiter transportiert worden.

Bemerkenswert ist, dass es offenbar keine besonderen Schutzräume gibt, in die solche Transporte, für die ein Beförderungsverbot ausgesprochen wurde, sicher gestellt werden. Auf Nachfrage teilt der Senat mit: „Das Transportgut verbleibt bis zur Behebung des Mangels und Aufhebung des Beförderungsverbotes auf dem Gelände der Hafenumschlagsanlage, auf welcher der Mangel festgestellt wurde.“

Hamburg: Riskante Atomtransporte-Drehscheibe mit Sicherheitsmängeln

Atommeiler: Grohnde on – Brokdorf off – Mitarbeiter-Bürgerinitiative warnt vor Strom-Blackout ohne Atomkraft!

Brokdorf-2014-ProtestT-Tag-FotoDirkSeifert-22Während das AKW Grohnde nach heftigen Auseinandersetzungen über Sicherheitsmängel am letzten Freitag Abend die Zustimmung zur Wieder-Inbetriebnahme erhalten hat, geht nun das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein in Revision und vom Netz (alles zum Thema AKW Brokdorf auf dieser Seite). Erneut sollen dabei auch die besonders gefährlichen Plutonium-Brennelemente (MOX) eingesetzt werden. Das teilte das von den Grünen geführte Energieministerium in Schleswig-Holstein mit. Der Atommeiler an der Unterelbe darf nach der Katastrophe von Fukushima und der danach erfolgten Befristung im Atomgesetz noch bis Ende 2021 riskanten Atomstrom und Atommüll produzieren (die PM in vollem Wortlaut unten). Zuletzt kam es am 10. Juni in Brokdorf zu einem Zwischenfall: Leckage in der Entlüftungsleitung eines Motorluftkühlers im Kernkraftwerk Brokdorf

In Brokdorf – und anderen Atomkraftwerken – sind in den letzten Monaten „Anti-Terror-Maßnahmen“ verstärkt worden: Neue Anti-Terror-Maßnahme am AKW Brokdorf: Hilflos in die Katastrophe

E.ons Mitarbeiter engagieren sich derweil munter privat für die Atomenergie. Sie haben jetzt laut SHZ „erste Bürgerinitiative pro Kernkraft gebildet. Eine Gruppe von bislang rund 15 Personen, etwa die Hälfte von ihnen Mitarbeiter an den Standorten Brokdorf und Brunsbüttel, will der Kernenergie wieder eine Stimme geben. Wortführer sind der Münsterdorfer Hauke Rathjen und der Itzehoer Physiker Dr. Roland Wink. „Wir stellen die Energiewende nicht in Frage“, versichert Rathjen. Man wolle vor allem aber „zur Versachlichung der Diskussion beitragen“. Ausdrücklich versteht sich die Gruppe als Gegengewicht zu den Aktivisten von „Brokdorf akut“, die nach Ansicht der Initiative MIT Kernenergie „häufig mit Unwahrheiten operiere““. Rathjen und Wink sind E.on Mitarbeiter aus dem AKW Brokdorf.

Die Beschäftigten in den Atommeilern beschweren sich auch bei E.on: „Heute aber sei das in der Politik kein Thema mehr. Gleichzeitig hat Brokdorf-Betreiber Eon die Öffentlichkeitsarbeit praktisch eingestellt.“

Vor allem aber treibt die Atom-Angestellten die Sorge um einen Strom-Blackout um. Der SHZ erklärten Wink und Rathjen: Verwundert „registrieren die Sprecher dabei auch, dass die Öffentlichkeit von einer durch den Netzbetreiber erzwungenen Verschiebung der Revision im Kernkraftwerk Brokdorf kaum Notiz genommen habe. „Dabei werden wir schon gefragt, ob mit einem Blackout in Norddeutschland zu rechnen sei.“ Offenbar gehe es derzeit ohne Atomkraftwerke gar nicht. Tatsächlich hatte Netzbetreiber TenneT den für 14. Juni geplanten Start der Revision auf der Grundlage des Energiewirtschaftsgesetzes schlicht untersagt. Für MIT Kernenergie ein bislang einmaliger Vorgang – und ein klarer Beleg dafür, dass „die Sicherheit der Stromversorgung bei einem Stillstand in Brokdorf derzeit nicht gewährleistet werden kann.“ Nun soll der Meiler erst morgen abgeschaltet werden. Die erheblichen Kosten für die Verschiebung müsse die TenneT tragen, die diese wiederum an die Stromkunden weitergebe. Mit anderen Worten: „Der Verbraucher muss nun auch noch dafür bezahlen, dass der dringend benötigte Atomstrom weiter fließen kann.““

Pressemitteilung vom Energieministerium Schleswig-Holstein zur Revision im AKW Brokdorf 2014

„Kernkraftwerk Brokdorf zur Jahresrevision vom Netz
BROKDORF/KIEL. Das Kernkraftwerk Brokdorf soll morgen (21. Juni) zum jährlichen Brennelementwechsel und der damit verbundenen Revision vom Netz genommen. Wie innerhalb jeder Revision werden umfangreiche Prüfungen, Instandhaltungsarbeiten und Maßnahmen zum Erhalt und zur Erhöhung der Sicherheit der Anlage durchgeführt. Die Atomaufsicht des Energiewendeministeriums wacht darüber, dass alle Sicherheitsanforderungen eingehalten werden, die durch Rechtsvorschriften oder behördliche Auflagen festgelegt worden sind.

Aufgrund von Befunden in anderen Kernkraftwerken werden umfangreiche Untersuchungen an Drosselkörpern durchgeführt, wodurch sich die Revisionsdauer gegenüber den ursprünglichen Planungen um einige Tage verlängern wird.
Während des diesjährigen Anlagenstillstandes soll der Reaktordruckbehälter mit 40 neuen Brennelementen, davon 12 Mischoxid (MOX)-Brennelemente, beladen werden. Hierzu und zum Umsetzen von bestrahlten und unbestrahlten Brennelementen ist es notwendig, den Reaktordruckbehälter zu öffnen. Dieses erfolgt, dem Fortgang der Arbeiten entsprechend, in den ersten Tagen der für gut drei Wochen geplanten Revision. Im Laufe der Revision werden unter anderem auch wieder Funktionsprüfungen an Ventilen im nicht-nuklearen Wasserdampfkreislauf durchgeführt. Dabei kann es zum Austritt von reinem Wasserdampf kommen.

Sämtliche Arbeiten werden von der Atomaufsicht des Energiewendeministeriums intensiv kontrolliert. Die Einhaltung der Grenzwerte, die Ableitungen mit Luft und Wasser sowie die durch den Brennelementwechsel der Anlage bedingte Strahlenexposition von Personal und der Bevölkerung werden dabei auch überwacht. Sachverständigenorganisationen wie TÜV Nord, Energiesysteme Nord und Zerna wird das Ministerium im erforderlichen Umfang hinzuziehen.

Hintergrund zu den Drosselkörpern:
Drosselkörper dienen zur Strömungseinstellung im Reaktorkern. Im Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen) wurden kürzlich an neun von insgesamt 132 Drosselkörpern gebrochene Druckfedern festgestellt. Sämtliche Drosselkörper – auch die befundfreien – werden dort in den nächsten beiden Jahren vorbeugend getauscht.“

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