AG Olympia LP35: Olympia Hamburg bekommt Formen – Masterplan für den Kleinen Grasbrook

rettet-den-volksentscheidOlympische Bewerbung Hamburg und die Pläne für das O-Dorf und O-Stadion auf dem kleinen Grasbrook. Wie das gehen könnte? Die „Arbeitsgruppe Olympia LP35“ hat dazu – offiziell damit Ende April begonnen (!) – einen Masterplan erarbeitet. Ein ausgewählter Kreis – die berühmten Stakeholder – aus der Bürgerschaft, Bezirken und Behörden, Verbänden und anderen Einrichtungen ist zu einer ersten Präsentation geladen – (N)Olympia-Hamburg.de hat leider keine Einladung erhalten. Normale Menschen bekommen den Plan aber am 2. Juni präsentiert, steht in der Einladung.

Siehe auch:

Diese Einladung dokumentieren wird hier:

Olympia 2024 / Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen von Herrn Oberbaudirektor Prof. Walter lade ich Sie persönlich herzlich zu einer Informationsveranstaltung zum Stand der Masterplanung für den Kleinen Grasbrook ein.

Termin 29. Mai 2015, Zeit 17 – 19 Uhr in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Neuenfelder Straße 19, 21109 Hamburg, Konferenzzentrum Raum D 01.056

Nach der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes für Hamburg als deutsche Bewerberstadt haben wir zwei Planungsteams mit der Erstellung eines Masterplans für das Areal beauftragt, auf dem die wichtigsten Sportstätten Olympia-Stadion, Olympia-Schwimmhalle und Olympiahalle sowie das Olympische Dorf entstehen könnten. Die Planer sind beauftragt sowohl für den Zeitraum der Olympischen Spiele als auch einen neuen Stadtteil Olympic City für die Zeit nach den Olympischen Spielen zu planen und Kostenangaben zu liefern.

Die beiden beauftragten Planungsteams sind die Arbeitsgemeinschaft KCAP Architects & Planners, ARUP, VOGT Landschaftsarchitekten, Kunst+Herbert (Schwerpunkt Städtebau) und gmp international GmbH, mit Nachunternehmern: WES GmbH Landschafts-Architektur, Drees & Sommer Projektmanagement und bauliche Beratung GmbH (Schwerpunkt Sportstättenplanung).

Der Masterplanprozess wurde Ende April 2015 gestartet, d.h. im Moment liegen Planungsvarianten für die Bebauung des Kleinen Grasbrooks vor.

Diese würde Herr Oberbaudirektor Prof. Walter Ihnen gerne gemeinsam mit Vertretern der Planungsteams noch vor der am 2. Juni 2015 in der Magnus Hall geplanten öffentlichen Veranstaltung vorstellen und mit Ihnen diskutieren.

Wir würden uns sehr über Ihr Kommen und Ihre Anregungen freuen!

In der Anlage sehen Sie den Verteiler für die Einladung.

Freundliche Grüße

XY, Arbeitsgruppe Olympia LP35

(N)Olympia: „Die Partylaune ist bald vorbei“ – Interviews auf NDR und in der Taz

nolymoia-hh
Bild anklicken und Online Nolympia-Hamburg unterstützen!

Die Geschichte des inzwischen vielbeachteten Blogs „www.nolympia-hamburg.de“ begann vor etwas mehr als einem Jahr hier auf umweltFAIRaendern. Inspiriert durch eine unsägliche Neujahrsrede des Hamburger Handelskammer-Präses. Inzwischen ist viel passiert und die Botschaft der Handelskammer zur Richtschnur für den Senat geworden. Hamburg bewirbt sich beim Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) neben Berlin als Ausrichter für die Olymischen Spiele 2024 oder 2028. Am 16. März wird sich das Präsidium des DOSB zwischen Hamburg und Berlin entscheiden, am 21. März soll das Plenum die formale Beschlussfassung erledigen. Der NDR hat heute ein Interview mit mir veröffentlicht, Titel: „(N)Olympia: „Die Partylaune ist bald vorbei„“. Und in der Bundesausgabe der Taz ist eine Art Reportage erschienen, in der über die Proteste gegen Olympia in Berlin und Hamburg berichtet wird: „Kritik an Olympia – Die Macht der Neinsager„.

Da ich mal davon ausgehe, dass es bei einem öffentlich-rechtlichen Sender einerseits und als Interviewpartner andererseits eine nicht ganz so harte Auslegung der Urheberrechte gibt, veröffentliche ich das Interview von Alexander Kobs vom NDR hier in voller Länge:

(Lieber NDR, wenn ich mich da irre, bitte einfach freundlich Bescheid sagen, wenn ich das ändern muss!)

(N)Olympia: „Die Partylaune ist bald vorbei“

Der Umweltaktivist und Blogger Dirk Seifert ist gegen Olympische Spiele in Hamburg.
Wird Hamburg der deutsche Kandidat für die Olympia-Bewerbung 2024 oder 2028? Die Entscheidung rückt immer näher: Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gibt am 16. März seine Empfehlung bekannt, fünf Tage später tagt die Mitgliederversammlung, die die Siegerstadt bestätigen soll. Zuvor werden am kommenden Dienstag die Ergebnisse der Telefonumfragen bekannt, die Aufschluss darüber geben sollen, ob die Bürger der Städte hinter der jeweiligen Bewerbung stehen. Dirk Seifert tut das nicht. Der Umweltaktivist und Internetblogger ist das Gesicht der „(N)Olympia“-Bewegung, die gegen Spiele in der Hansestadt kämpft. Seifert im Interview mit dem NDR Sportclub über Geldmacherei, Transparenzversprechen und galoppierende Mieten.
Herr Seifert, was haben Sie gedacht, als Sie vom Plan des Senats erfuhren, die Olympischen Spiele in die Hansestadt zu holen?

TV-Tipp Hamburg träumt von Olympia
Die Sportclub Reportage am 15. März um 23.35 Uhr im NDR Fernsehen.

Dirk Seifert: Der erste Moment gehörte nicht dem Senat, sondern der Handelskammer. Das war zur Jahreswende 2013/2014. Wenige Wochen zuvor hatten in München noch vier Landkreise gesagt: mit diesem IOC „no go!“. Und dann sprach sich ausgerechnet die Wirtschaftsvertretung in dieser Stadt für Olympia aus. Dass die Handelskammer den Auftakt gegeben hat, fand ich empörend und ziemlich erschreckend.

Was missfällt Ihnen denn an der Vorstellung, die Welt in Hamburg zu Gast zu haben?
Seifert: Damit ist alles in Ordnung, jeder kann gerne nach Hamburg kommen. Wir sind eine offene Stadt. Die Frage ist: Warum kommen die Leute und für welche Zwecke? Hinter den Olympischen Spielen werden vor allem Geschäfte gemacht. Das ist mit dem IOC so, das ist mit der Handelskammer als Initiator so. Nicht von ungefähr hängen sich Wirtschaftsunternehmen in die Bewerbung. Da machen wir uns natürlich Sorgen, so viel Geschäftemacherei kann nicht gut sein.

Was sind Ihre größten Sorgen?
Seifert: Ich befürchte, dass mit den Investitionen und den dahinter stehenden Investoren in der Stadt ein unheimlicher Druck auf die Grundstücke und auf die Flächen entsteht und damit die Mieten, die ohnehin schon galoppieren, exorbitant ansteigen. Der Senat hat bisher wenig dazu gesagt, wie er das in den Griff kriegen will – obwohl die Antwort auf diese Frage ein entscheidender Punkt ist. Wir fragen uns aber auch, welche Folgen die riesigen Umbaumaßnahmen im Hafen für die Umwelt hätten. Was passiert mit den Betrieben, die umgelagert werden? Und was bedeutet das wiederum für die Flächen, die dafür geopfert werden müssen?

Welche Verbindung besteht zwischen Olympia und den steigenden Mieten?
Seifert: Die Handelskammer hat klipp und klar gesagt, dass sie mit der Olympia-Bewerbung Hamburg in der Welt bekannt machen will. Es sollen weitere Touristen kommen und mit Investoren das große Geld in die Stadt gelockt werden. Wir haben Spiele im Zentrum der Stadt, und dieses Zentrum wird für die Investoren attraktiv gemacht. Es ist klar, was das bedeutet: Wenn hier im großen Stil Geld angelegt wird, Flächen privatisiert werden, dann wird das eine massive Folge für die Mieten-Entwicklung in der Stadt haben. Die Menschen, die dort jetzt wohnen, werden sich das in Zukunft nicht mehr leisten können.

Und was halten Sie von der angekündigten steigenden Zahl der Touristen?
Seifert: Davon sprechen in erster Linie die Tourismusverbände und Hoteliers. Der Hamburger Flughafen rechnet aber gar nicht mit einem Plus, weil während Olympia – so war es in London – die Zahl der normalen Touristen zurückgeht. Insofern klingt diese Tourismus-Olympia-Idee schön, hat aber wahrscheinlich praktisch überhaupt keine Bedeutung. Wir haben ohnehin eine ganz gute Entwicklung. Hamburg ist auch im Tourismus seit vielen Jahren eine wachsende Stadt. Die Zeitungen berichten immer wieder von Bettenrekorden. Ich glaube nicht, dass man diese Entwicklung nochmal künstlich pushen muss.

Wie steht es um die Transparenz der Bewerbungskosten?
Seifert: Wir haben seit rund einem Jahr das Stadium Olympia-Bewerbung. Genauso lange verspricht der Senat nun Transparenz. Die Elbphilharmonie ist eine Mahnung, bei Großprojekten genau aufs Geld zu gucken. Aber vom Senat sind keinerlei Zahlen zu den Olympia-Kosten zu hören, nicht einmal eine Dimension. Vor diesem Hintergrund ist das Transparenzversprechen eigentlich ein Witz. Meiner Meinung nach ist es nicht ganz redlich, was der Senat macht. Er verspricht Klarheit und haut stattdessen nur Botschaften als Werbemaßnahmen raus.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?
Seifert: Das können wir selber nur schlecht einschätzen. Wir wissen, dass der Unternehmensverband für die Umsiedlung im Hafen von Kosten in Höhe von fünf bis sieben Milliarden gesprochen hat. Der Senat hat kürzlich gesagt, dass er alle Kosten tragen wird, die für die Umsiedlung und Neuansiedelung erforderlich sein werden. Zu deren Höhe wurde aber nichts gesagt. Die fünf bis sieben Milliarden beziehen sich auf den Hafen. Dazu kommen noch die Kosten für die Sportstätten und die Verkehrswege. Es geht wohl in Richtung zehn oder mehr Milliarden.

Oft heißt es, London sei ein Vorbild. Dort hat die Bewerbung wohl rund zwölf Milliarden gekostet. Ist das vergleichbar?
Seifert: In London wird im Nachhinein viel schöngeredet. Am Anfang ist den Bürgern in London auch irgendwas bei 2,5 oder 2,6 Milliarden versprochen worden. Am Ende waren es nach unseren Informationen 18 Milliarden. Unsere Erfahrung mit Olympischen Spielen ist: Die öffentlichen Kassen haben die Ausgaben, private Unternehmen die Gewinne. Und Hamburg muss, wenn hier eine Umkehr passieren soll, klar aufzeigen können, dass sich das nicht wiederholt. Dass hier wirklich ein Neustart käme. Wir haben große Zweifel, dass das gelingen kann.

Laut Senat soll es schon 50 Millionen Euro kosten, herauszufinden, wie hoch die Kosten sind. Das Geld soll erst in die Hand genommen werden, wenn klar ist, dass Hamburg der deutsche Kandidat wird. Können Sie diese Argumentation nachvollziehen?
Seifert: Diese Argumentation erscheint uns sachgerecht. Wenn der Senat aber den Hafenunternehmen zusagt, der Steuerzahler übernehme alle Kosten für die Umlagerung der Flächen vom Kleinen Grasbrook, dann muss der Senat eine Vorstellung von den Kosten dafür haben. Diese Zahl zu nennen, entspräche dem Transparenzversprechen. Wenn der Senat diese Zahl nicht kennt und der Wirtschaft diese Zusage gibt, dann ist das alarmierend.

Was halten Sie von der Einigung mit der Hafenwirtschaft?
Seifert: Die Meldungen dazu bestanden aus zwei Teilen. Erstens: Wir haben uns geeinigt. Aber auch zweitens: Es sind noch viele, viele Fragen offen. Herr Bonz vom Unternehmensverband Hafen hat ja schon klargestellt, dass er noch mächtig Probleme sieht. Er hat auf die fünf bis sieben Milliarden Euro Kosten hingewiesen und auf die erheblichen Verkehrsbelastungen im Hafen, die wohl keinen Nutzen für Hamburg bringen, sondern den Hafenbetrieb eher massiv stören. Er kann sich zudem keinerlei Wohnungsbau in der Nähe der Hafenunternehmen vorstellen. Und wenn das schon der Hafenverband sagt, ist die Diskussion noch lange nicht vorbei.

Als Ausweichflächen wurden Bereiche angeboten, die nicht im Hafenerweiterungsplan vorgesehen sind.
Seifert: Zu diesem Problem ist der Senat bisher jede Antwort schuldig geblieben. Es gibt die Sorge, dass die neuen Flächen möglicherweise ein Dorf wie Moorburg vernichten könnten. Hier würde eine Vertreibung erfolgen, wie wir sie von anderen olympischen Ereignissen kennen. Das hätte mit Sozialverträglichkeit nichts zu tun.

Was unternehmen Sie, um die Bürger aufzuklären?
Seifert: Nachdem wir uns geäußert haben, sind sehr viele Menschen auf uns zugekommen. Viele in dieser Stadt, die üblicherweise zu so einem Thema Stellung nehmen, haben noch nicht reagiert, weil sie glauben, dass Olympia 2024 sowieso nicht in Deutschland stattfinden wird. International sagen alle Fachleute, dass die Spiele in den USA stattfinden werden. Wir haben keine Unternehmen im Rücken, wir arbeiten ehrenamtlich in unserer Freizeit. Wir können nur sachlich argumentieren, uns die unterschiedlichen Aspekte angucken und darüber auf unserer Website berichten. Ich glaube, dass sich der DOSB und der Hamburger Senat große Sorgen machen müssen, was passiert, wenn die Hamburger alle Fakten kennen. Was kosten die Spiele? Was geschieht mit der Innenstadt? Welche Risiken entstehen zum Beispiel für die Mieten? Wenn das konkret wird, ist es mit der Partylaune vorbei.

Tauschen Sie sich auch mit den Umweltverbänden in Hamburg aus?
Seifert: Wir haben Gespräche mit dem NABU geführt, der sich große Sorgen macht, was den Flächenverbrauch in der Innenstadt durch die neuen Betriebe im Hafen angeht. Wir haben auch mit dem BUND gesprochen. Da ging es um die Verkehrs- und Umweltfragen im Hafen. Ein Stichwort ist die CO2-Belastung, die mit Olympia verbunden ist. Aber die Verbände müssen sich noch nicht positionieren. In dieser Phase werden ja noch Fragen gestellt, es wird über Konzepte diskutiert und gestritten. Entscheiden müssen sie sich erst, wenn sich der DOSB festgelegt hat, ob Hamburg überhaupt weiter im Rennen ist.

In einem Satz: Warum sind Olympische Spiele in Hamburg keine gute Idee?
Seifert: Ich glaube, Hamburg hat viel Potenzial für eine Entwicklung aus der Stadt heraus, mit der wir in die Welt gehen können. Wir haben dann auch Zeit, die Konflikte und Ziele in dieser Stadt miteinander zu klären. Das sollten wir in aller Ruhe und mit aller Fähigkeit tun. Mit Olympia können wir diese Nachhaltigkeit nicht betreiben. In dieser Hinsicht ist Olympia schädlich. Und bei all dem Geld, das hier im Umlauf ist, habe ich kein gutes Gefühl.

Das Interview führte Alexander Kobs, NDR Fernsehen

 

Bitte Petition unterstützen: Olympische Spiele in Hamburg? So nicht!

nolymoia-hh
Bild anklicken um die Online-Petition gegen die Olympia-Bewerbung von Hamburg zu unterstützen!

Am 21. März entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welcher Stadt er sich für die Spiele 2024 bewerben will. Hamburg oder Berlin? In beiden Städten läuft derzeit eine massive, von zahlreichen Unternehmen gesponserte Werbekampagne, um Stimmung zu machen. „Nebenher“ bin ich seit Juni 2014 mit dem Blog www.nolympia-hamburg.de aktiv. Dort haben wir uns nun entschlossen, eine Online-Petition gegen die Olympia-Bewerbung von Hamburg zu starten. Ich möchte euch hier bitten: Unterstützt diese Petition und unterschreibt hier: Olympische Spiele in Hamburg? So nicht!

Seit dem Jahreswechsel 2013/14 habe ich auf umweltFAIRaendern.de hin und wieder über die Bewerbung Hamburgs für Olympische Sommerspiele berichtet. Anlass war die massive Aufforderung der Handelskammer Hamburg an den Senat, sich für diesen Zweck auf den Weg zu machen. Nur drei Monate zuvor war die Bewerbung von München für Winterspiele 2018 in gleich vier Kreisen in Bayern durch Volksentscheide abgelehnt worden. Das scherte die Handelskammer nicht die Bohne – sogar dem Hamburger Sportbund ging das Vorgehen der Handelskammer zu weit und er forderte, dass doch vielleicht erstmal mal der Sport in Hamburg sagen müsste, ob er Spiele in dieser Stadt will.

Inzwischen sind fast 120 Artikel auf nolympia-hamburg.de erschienen, in denen wir uns intensiv und kritisch mit den vielen Aspekten der Olympia-Bewerbung auseinandersetzen. Dort findet ihr viele wichtige Informationen, warum ich mich in dieser Sache engagiere.

Gespräch im Abendblatt: „Olympia kann Brandbeschleuniger werden“

nolympia-hamburg-01Es muss ja nicht immer Energiepolitik sein. Manchmal beschäftigen mich auch andere Dinge in dieser Stadt, besonders zur Zeit die Olympia-Bewerbung von Hamburg. Dazu gibt es ja auch den Blog www.nolympia-hamburg.de. An dieser Stelle möchte ich nun auf einen Artikel im Hamburger Abendblatt von gestern hinweisen. Die beiden Redakteure Rainer Grünberg und Oliver Schirg sprachen mit mir über Risiken, Befürchtungen und Kosten einer Olympia-Bewerbung, aber auch über Wege und was sich ändern müßte…. Hier ein paar Auszüge.

„Olympische Spiele seien ein hohes Risiko für die Stadt, sagt Seifert. Unter großem Zeitdruck würden der Politik Entscheidungen abverlangt, die das Zusammenleben in Hamburg auf Dauer erschweren, soziale Konflikte verschärfen könnten. „Olympia kann zum Brandbeschleuniger werden. Alle Seiten müssen deshalb bereit sein, alles offen auf den Tisch zu legen und zu diskutieren.“ Der Senat müsse dafür endlich eine offene Plattform schaffen und ernsthafte Pro- und Kontra-Diskussionen möglich machen.“ So steht es im Hamburger Abendblatt von gestern als Teil eines längeren Interviews.

Und weiter: „Seiferts größte Sorgen: Mit Olympia kommen große, mächtige Investoren in die Stadt. Dadurch erhöhe sich der Druck auf begehrte citynahe Flächen, überall würden dann Mieten explodieren, die schon heute in einigen Bezirken kaum bezahlbar sind. „Hamburg muss aufpassen, dass es nicht sein kreatives Potenzial verliert. Der Erhalt der Subkultur ist viel entscheidender für die Entwicklung und Lebensqualität unserer Stadt, als es Olympia sein könnte. Um innovative Unternehmen in die Stadt zu holen, brauchen wir die Spiele nicht.“ Hamburg habe auch kein Tourismusproblem. Die Bewohner der innerstädtischen Stadtteile seien mit Besuchern und Events „bereits jetzt über die Maßen belastet. Genug ist genug!““

Das ganze Gespräch ist unter dem oben angegebenen Link nachzulesen.

Das Abendblatt wird in den nächsten Wochen täglich über Hamburg und die olympische Bewerbung berichten. Ende Februar steht die nächste Umfrage des DOSB an, wie denn die Stimmungslage in Berlin und Hamburg für eine solche Bewerbung ist. Im März will der Verband sich dann festlegen, mit welcher Stadt er ins Rennen gehen will. Bis dahin dürfen wir uns darauf gefasst machen, dass die Werbetrommel mächtig geschlagen wird, um die Stimmungslage zu verbessern. Zu befürchten ist also, dass vor allem die vermeintlich schönen Dinge in den Vordergrund gestellt werden, die Risiken und Unsäglichkeiten z.B. des IOCs oder was Olympia mit den Mieten in dieser Stadt machen kann ausgeblendet bleiben. Der Blog www.nolympia-hamburg.de versucht seit Monaten mit einer intensiven Berichterstattung auf die Kritikpunkte, die möglichen Kosten und die ausgeblendeten Themen hinzuweisen und zu informieren.

Hamburg – Olympiabewerbung: Keine Chance für 2024?

nolympia-hamburg-1Die taz-nord weiß zu berichten: “Alle wollen olympisch sein“. Es geht um die Austragung der Segelwettbewerbe für Olympische Spiele.  Lübeck und Kiel konkurrieren darum, Austragungsort an der Seite Hamburgs zu werden. Ganz anders und hochinteressant berichtet die Süddeutsche Zeitung über eine Olympia-Bewerbung von Hamburg und Berlin. “2024, 2028 oder doch lieber 2032?” fragt die Zeitung und berichtet über Seilschaften, Machtkämpfe und Konkurrenzen im Internationalen Olympischen Komitee, über wirtschaftliche Interessen und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).  Vor allem aber: Die Autoren der SZ geben einer Olympia-Bewerbung vor 2032 keinerlei Chance.

Die beiden Journalisten Johannes Aumüller und Thomas Kistner berichten vor dem Hintergrund der Total-Bauchlandung für eine Olympia-Bewerbung von München für Winterspiele und zeigen sich erstaunt, dass die Akteure in Hamburg und anderenorts das offenbar schon wieder fast vergessen haben: “Es ist ziemlich erstaunlich, wie sich das Olympia-Thema in Deutschland zuletzt wieder entwickelt hat. Erst im November hatten sich die Bürger ja bei Volksentscheiden rund um München mit überwältigender Mehrheit gegen Winterspiele 2022 ausgesprochen; aus Angst vor hohen Kosten und Schäden für die Natur. Im Kern aber dominierte der Widerstand gegen einen Pakt mit dem IOC.”

Sorgen, die nicht nur in Bayern eine große Rolle spielen, sondern z.B. auch in Hamburg. Bei einer Umfrage vor wenigen Tagen haben über 70 Prozent der 500 befragten HamburgerInnen zwar Sympathie für Olympia gezeigt, gleichzeitig aber darauf verwiesen, dass das die Stadt zu teuer kommen würde und das Geld besser in andere Projekte gesteckt werden solle.

Die SZ-Autoren wundern sich über die  “Olympia-Begeisterung”, die in den politischen Administrationen von Berlin und Hamburg ausgebrochen ist. “Dabei ist die Bevölkerung in den Städten viel zurückhaltender als ihre politische Führung. Die Skepsis gegenüber dem IOC ist nicht kleiner geworden. Weshalb es vielleicht kein Zufall ist, dass dort jetzt unter dem neuen Präsidenten Thomas Bach immerzu fromm die Rede von angeblichen Reformen ist. Was Bachs Vorgänger Jacques Rogge, einem Arzt, nie gelang, der im IOC zwölf Jahre lang gegen eine Wand der Altgedienten anrannte, will der wendige Wirtschaftsadvokat Bach schaffen, der im Olymp stets eher als Günstling der Mächtigen und der arabischen Klientel auffiel denn als Modernisierer. Aber es muss ja etwas passieren zur Imagekorrektur; die Vorbehalte gegenüber dem IOC sind in Deutschland so groß wie in anderen westlichen Demokratien.”

Null Chance für 2024

Olympia 2024 - in weiter Ferne.
Olympia 2024 – in weiter Ferne.

Entscheidender in dem Artikel aber sind die Hinweise, die mit verschiedenen Beispielen plausibel gemacht werden, dass eine deutsche Bewerbung  für 2024 im Grunde keine Chance haben dürfte. Sie stellen fest: “Eine Bewerbung würde viel Geld kosten (zwischen 40 und 60 Millionen Euro) – hätte aber für 2024 aus sportpolitischen Gründen fast keine Chance. Der Deutsche Fußball-Bund hat die Austragung der EM 2024 fest im Visier, alles deutet darauf hin, dass er sie erhält. Die zwei größten Sportveranstaltungen eines Jahres binnen weniger Wochen in einem Land auszutragen, ist aber nicht vorstellbar.” Um das weiter zu untermauern, führen sie die Interessen von US-Sponsoren an, die eine wichtige Rolle für das IOC spielen und verweisen auch auf Russland.

“Überdies wartet auch in der olympischen Welt selbst ein enormes Hindernis: Die Kandidatur einer amerikanischen Stadt gilt als abgemacht, jüngst verkürzten die Gremien die breite Bewerberpalette auf eine Vierer-Liste: Boston, Los Angeles, San Francisco, Washington. Beobachter sind überzeugt, dass das IOC trotz (oder wegen) seiner verstärkten Hinwendung gen Osten eine US-Bewerbung nicht noch einmal ignorieren könnte. Auch aus finanziellen Gründen.”

Auch für eine Bewerbung 2028 beschreiben die beiden Autoren keine gute Aussichten, vermuten, dass eher Sommerspiele im Jahr 2032 für Deutschland in Fragen kommen könnten: “”Bessere Chancen hätte eine deutsche Bewerbung also für 2028 oder – noch eher – für 2032“.  Das allerdings begründen sie in dem Artikel lediglich mit Blick auf die Person Bach. Diese Argumentation ist zwar interessant, aber nicht wirklich stark.

×