Plutoniumfabriken in Sellafield wegen Winter geschlossen

MOX-Fertigung in Sellafield, FOTO PA - Sellafield
Enormes Risiko: Plutonium aus Sellafield. Foto: Betreiber

Wegen des massiven Wintereinbruchs sind die Plutonium-Fabriken im englischen Sellafield vorübergehend geschlossen worden. Das teilen Medien mit. Spiegel online schreibt: „Wegen Sturmböen und Schnee ist am Freitag der Betrieb der Atomanlage Sellafield im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt worden, teilte die Betreiberfirma Sellafield Ltd mit. „Angesichts der derzeitigen und vorhergesagten ungünstigen Wetterbedingungen in und um die Anlage Sellafield“ sei diese „als Vorsichtsmaßnahme sicher in einen kontrollierten Abschaltungszustand versetzt worden“, hieß es.“

Auf Telepolis schreibt Matthias Brake: „8.500 Mitarbeiter, der größte Teil der Belegschaft, wurde nach Hause geschickt.“ Sellafield besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Atomanlagen, darunter eine Plutonium-Wiederaufarbeitung, eine Fabrik zur Herstellung von Plutonium-Brennelementen (MOX), ein nach einem schweren Störfall stillgelegtes AKW (Windscale). Außerdem lagern großen Mengen hochradioaktiver Atomabfälle auf dem Gelände.

Die Atomanlagen in Sellafield sind nicht nur ein finanzielles Desaster, sondern auch extrem gefährlich. Regelmäßig werden seit vielen Jahren radioaktive Hot-Spots an den Stränden von Sellafield entdeckt. Die radioaktiven Ableitungen aus den Plutoniumfabriken werden per Pipeline in die Nordsee gepumpt oder über die Schornsteine in die Luft. Brake schreibt: „Die britische Überwachungsbehörde National Audit Office (NAO) bezeichnete die Risiken auf dem Sellafield-Komplex als nicht tolerierbar. Die Betreiber hätten noch immer keine Langzeitpläne für den Umgang mit den radioaktiven Abfällen, Gebäude und Anlagen seien marode. Als Sanierungskosten nur der kritischsten 12 Gebäude und Anlagen werden jeweils Kosten zwischen 21 Mio. und 1,3 Mrd. Pfund veranschlagt, für den Abriss der Gesamtanlage werden Zahlen von 67 Mrd. Pfund genannt.“

Vermutlich wird es für die Briten noch viel teurer. Im Februar die Süddeutsche Zeitung: „Der britische Nuklearkomplex im englischen Sellafield wurde bereits 1957 durch ein Feuer beschädigt. Doch die Ruine des Plutoniumbrüters wartet noch immer auf den Abriss. Auch müssen Abfälle der radiochemischen Arbeiten entsorgt werden. Das wird London bis zum Jahr 2120 78 Milliarden Euro kosten.“ Weiter schreibt die SZ: „Zurzeit rechnet man in London mit Gesamtkosten von 67,5 Milliarden Pfund (78 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2120 allein für Sellafield. Hinzu kommen weitere 32,5 Milliarden Pfund für die anderen Nuklearstandorte Großbritanniens. Das ergibt zusammen eine grob überschlagene Summe von 100 Milliarden Pfund; tatsächlich erwarten die Abgeordneten weitere Steigerungen.“

Siehe auch Plutoniumfabriken in Sellafield – Lagerung nuklearer Abfälle ist “untragbares Risiko”

 

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