Atommüll unterwegs – Vattenfall AKW Krümmel schickt Strahlenmaterial nach Duisburg

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Atommüll-Container am AKW Krümmel wird auf Waggon verladen. Foto: umweltFAIRaendern

Am Montag (6. Mai 2013) verließen drei Container mit leichtradioaktivem Atomschrott das Vattenfall-AKW Krümmel. Laut Medienberichten soll die Strahlenfracht per Bahn zu einer Anlage der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) in Duisburg transportiert werden. Darüber berichtet u.a. die Bergedorfer Zeitung. Dort heißt es: „Bei dem Inhalt handelt es sich um schwach- und mittelradioaktiven Abfall aus dem Kraftwerk am Elbufer, für dessen Lagerung es keine Kapazitäten mehr in Krümmel gibt. Der stark strahlende Atommüll aus dem abgeschalteten Kraftwerk wird weiterhin direkt am Standort gelagert. Aktuell stehen 19 Castoren mit Brennelementen aus dem Siedewasserreaktor in dem für 40 Jahre genehmigten Zwischenlager.“ Update: Das AntiAtom-Bündnis Niederrhein hat eine Pressemitteilung zu dem Transport veröffentlicht. Siehe unten!

Atommüll am Krahn- Foto: umweltFAIRaendern
Atommüll am Kran. Foto: umweltFAIRaendern

In Duisburg werden Atomabfälle in der GNS-Anlage dekontaminiert und umverpackt. Mehr über die Anlage ist hier auf der Seite der Anti-Atom-Initiative „Duisburg Atomfrei“ zu lesen.

Das Blatt berichtet außerdem: „Der Zug mit dem Abfall aus Krümmel rollte gestern über das AKN-Gleis durch Geesthacht, Escheburg, Börnsen und Bergedorf nach Hamburg, von dort weiter zu einer Konditionierung bei der „Gesellschaft für Nuklear-Service“ (GNS) in Duisburg.

Hier werden metallische AKW-Kruemmel-LLW-Verladung-Ziel-Duisburg-6April2013-Teichmann14Reststoffe so weit wie möglich recycelt. Dazu werden sie von der strahlenden Verschmutzung gereinigt und dann an den Schrotthandel verkauft. Ist eine Reinigung nicht möglich, wird der Schrott eingeschmolzen. Andere Stoffe werden für die Endlagerung umverpackt. Ziel ist es, die Menge so klein wie möglich zu bekommen und möglichst wenig Endlagerfläche zu beanspruchen.“

AKW-Kruemmel-LLW-Verladung-Ziel-Duisburg-6April2013-Teichmann13Das AKW Krümmel ist seit 2007 aufgrund zahlreicher Sicherheitsmängel außer Betrieb und wurde nach Fukushima per Atomgesetz endgültig stillgelegt. Vattenfall klagt deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Internationalen Schiedsgericht in Washington auf insgesamt rund 3,7 Mrd. Euro Schadensersatz. Bis heute hat Vattenfall nicht erklärt, wie es mit dem AKW weiter verfahren will, ob und wann der Rückbau oder Einschluss erfolgen soll.

Das AntiAtom-Bündnis Niederrhein nimmt in einer Pressemitteilung Stellung: „

Atommüll verlässt AKW Krümmel – 3 Waggons am 06.05. auf den Weg nach Duisburg Das AntiAtom-Bündnis Niederrhein weist darauf hin, dass derzeit erneut Atommüll nach Duisburg geliefert wird. Seit dem 6. Mai werden drei Frachtcontainer per Bahn vom Atomkraftwerk Krümmel zur Duisburg Konditionierungsanlage geschafft.

Wie einer Mitteilung der Lübecker Nachrichten vom 06. Mai zu entnehmen ist, wurden drei Frachtcontainer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll aus dem Atomkraftwerk Krümmel auf dem Weg nach Duisburg gebracht. Für diesen Atommüll gibt es im dortigen Atomkraftwerk keine Lagerkapazität. In der Duisburger Anlage der Gesellschaft für Nuklear Service (GNS), die sich mitten in einem Wohngebiet befindet, können diese Materialien bis zu vier Jahre verbleiben. Hierzu Michael Zerkübel von AntiAtom-Bündnis Niederrhein: „Die Entsorgung von radioaktiven Abfällen geschieht vollkommen konzeptionslos. Es gibt für Atommüll kein Endlager. Stattdessen bedient man sich ständig irgendwelcher Zwischenlösungen. Die Begründung, dass im Atomkraftwerk Krümmel kein Platz mehr ist und man nach einer Möglichkeit suchen muss, den Müll irgendwie los zu werden, ist da schon sehr entlarvend. Duisburg muss einmal mehr als Quasi-Zwischenlager herhalten.“

Geplant ist, dass zukünftig schwach- und mittelradioaktive Abfälle in das dafür vorgesehene Endlager „Schacht Konrad“ bei Salzgitter eingelagert werden. Dieses Endlager hat schon in der jetzigen Vorbereitungsphase mit massiven Problemen durch eindringendes Wasser zu kämpfen, sodass die grundsätzliche Eignung von Fachleuten bezweifelt wird. Zerkübel weiter: „Ob dieses Endlager überhaupt und dann wie geplant Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen kann, ist mehr als zweifelhaft. Derzeit gehen optimistische Schätzungen davon aus, dass dies frühestens in 8 oder 10 Jahren der Fall ist.  Was dies für den Atommüll in Duisburg bedeutet, weiß heute kein Mensch.“

Ferner steht zu befürchten,  dass  die Anlieger der Transportstrecken einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt werden.  Hierzu Kerstin Ciesla vom BUND: „Die ungelöste Endlagerfrage führt zu einem stetigen Atommüll-Tourismus. Die Transporte in die Konditionierungsanlage in Duisburg gehen dabei immer durch dicht besiedeltes Gebiet. Die Bahnstrecke,  über die der jetzt der Atommüll aus Krümel transportiert wird, geht z.B. in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung und am Kindergarten auf der Friemersheimer Strasse vorbei.

Die Ratlosigkeit der Verantwortlichen in der Atomindustrie und der Politik geht einmal mehr auf Kosten der Gesundheit der Bürger,  die oft ahnungslos sind.“ Das AntiAtom-Bündnis Niederrhein fordert seit langem die Schließung dieser Anlage und die Beendigung der Transporte von Atommüll durch Duisburg.“

Alles über Atommüll auf umweltFAIRaendern…

Siehe auch:

AKWs Biblis – Rückbau und die Frage wohin mit dem Atommüll?

Forschungsreaktoren und AKW – Was passiert mit den Atomanlagen in Geesthacht?

AKW Obrigheim: Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll?

Rückbau Atomkraftwerk Obrigheim: Wie aus Atommüll normaler Müll wird

AKWs stilllegen – Atommüllentsorgung auf der Hausmülldeponie

Atommüll-Lager im Schacht Konrad verzögert sich: Sicherheitsprobleme nehmen kein Ende

Atommüll und Ausstieg: Alles hängt an Konrad?

Ostsee-Zeitung: Castoren ins Atommülllager Lubmin statt nach Gorleben oder Brunsbüttel?

Mehr Konsens bei Atommülllager in Schleswig-Holstein: CDU, ein paar Piraten, Grüne, SPD und SSW kommen sich näher

 

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2 Gedanken zu „Atommüll unterwegs – Vattenfall AKW Krümmel schickt Strahlenmaterial nach Duisburg

  1. Heimliche Transporte zur Deponie Ihlenberg (Vor der Wende Dep. Schönberg)
    noch heute….LKW-Fahrer nachweislich an Strahlenkrankheit gestorben….
    Geesthacht lieferte seit Jahrzehnten nach Schönberg….. nicht nur größte europäische GIFT-Müll-Deponie, sondern eben auch STRAHLENDE Deponie

  2. Laut Medienberichten soll die Strahlenfracht per Bahn zu einer Anlage der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) in Duisburg transportiert werden.
    Die Transporte in die Konditionierungsanlage in Duisburg gehen dabei immer durch dicht besiedeltes Gebiet. Die Bahnstrecke, über die der jetzt der Atommüll aus Krümel transportiert wird, geht z.B. in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung und am Kindergarten auf der Friemersheimer Strasse vorbei.

    Mein Enkel wohnt auf der Friemersheimerstr.
    Wie kann man die GNS aus dem Wohngebiet verbannen.
    Wo kann man dagegen klagen, welches Gericht ist dafür zuständig?

    Mit freundlichen Grüßen.
    Ein besorgter Opa

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