Atommüll in den Schacht Konrad? Aus der ASSE muss gelernt werden!

Wird und wird nicht fertig: Atommülllager im Schacht Konrad. Foto: Dirk Seifert
Wird und wird nicht fertig: Atommülllager im Schacht Konrad. Foto: Dirk Seifert

Im Schacht Konrad in Salzgitter soll ein Atommülllager für leicht- und mittelradioaktive Abfälle entstehen. Eigentlich sollte es schon seit Jahren in Betrieb sein, aber immer neue Probleme beim Ausbau haben zu enormen Verzögerungen geführt. Vor 2022-24 ist eine Inbetriebnahme inzwischen nicht mehr denkbar. Die Planungen für den Schacht gehen weit in die 70er und 80er Jahre zurück. Deshalb wird immer wieder kritisiert, dass die geplante Anlage längst nicht mehr dem Stand von Forschung und Wissenschaft entspricht. Vor allem aber: Nach dem Desaster in der nicht weit entfernten ASSE II müssen endlich die Lehren gezogen werden. Nicht nur das Thema der Rückholbarkeit der Atomabfälle ist seit dem weit oben auf der Tagesordnung. Andere Probleme werden aus Sicht der Atomenergiekritiker ebenso bis heute weit unterschätzt. Auch der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel hat daher wiederholt eine Neubewertung für den Schacht Konrad gefordert. Damit nicht genug, droht der Region nun, dass die Atommüllmenge für den Schacht möglicherweise von jetzt 300.000 Kubikmeter auf fast 600.000 verdoppelt werden könnte. Im Rahmen des Nationalen Entsorgungsplans hat die Bundesregierung vor kurzem entsprechende Vorschläge gemacht, den Atommüll aus der ASSE im Falle einer erfolgreichen Bergung und den Uranabfall aus Gronau zusätzlich in Konrad einzulagern zu wollen. Der Protest in der Region wächst. Am 26. März wird der Staatssekretär Flasbarth aus dem Umweltministerium zu einem Besuch erwartet. 

Kritik, Mängel und Defizite beim Schacht Konrad waren vor wenigen Tagen Thema im Umweltausschuss der Stadt Salzgitter. Auf der Seite der AG Schacht Konrad heißt es dazu: „Ungeachtet aller Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik der letzten 35 Jahre hält die Bundesregierung weiter an Schacht KONRAD als Atommülllager fest. Welche Gefahren für Mensch und Natur die Anlage weiterhin birgt, machte der Geologe Dr. Ralf Krupp auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft in der Sitzung des Umweltausschusses Salzgitter am 03. März drastisch deutlich. Der Experte zog einen direkten Vergleich zur Asse II und machte deutlich, dass er für ein Atommülllager in Schacht KONRAD ähnliche Folgen erwartet.

Im Vergleich zur Schachtanlage Asse II:

  • soll der für Schacht KONRAD vorgesehene Atommüll ein 1000-fach höheres Inventar an Radionukliden enthalten, aber nur etwa das 6-fache Volumen aufweisen, weil die Abfälle zuvor zu sog. Presslingen kompaktiert werden,
  • ist der Wasserzutritt in das ehemalige Eisenerzbergwerk mit ca. 16,3 m³ pro Tag schon heute höher als in Asse II und nach Einlagerungsende ist ein Volllaufenlassen der Resthohlräume geplant,
  • werden durch Korrosion der Atommüllfässer und chemische Reaktionen des Inventars deutlich größere Gasmengen entstehen, die ab etwa 80 bar Gasdruck die kontaminierten Lösungen ins Deckgebirge verdrängen. In gleicher Weise wirkt die Konvergenz der noch offenen Grubenhohlräume,
  • werden auch im Schacht KONRAD weder der Beton um die Atommüllfässer noch das Deckgebirge diese radioaktiv kontaminierten Gase und verdrängten Lösungen zurückzuhalten. Lösungen und Gase werden sich Wegsamkeiten durch nachweislich vorhandene Störzonen, Salzstockflanken, unbekannte oder nicht abgedichtete Altbohrungen und poröse Gesteine (z.B. Hilssandstein) suchen und könnten auf kurzen Wegen und viel schneller als bisher behauptet wird in die Biosphäre gelangen.“

Weiterlesen auf der Homepage der AG Schacht Konrad hier.

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