Belgische Atommeiler als Terrorziele – Militär im Einsatz?

AKW Tihange Huy koeltorens von Michielverbeek - CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
Anschlagsziel? Belgisches AKW Tihange – Foto:  Huy koeltorens von Michielverbeek – CC BY-SA 3.0

„Belgische AKWs im Visier von Terroristen?“ (l´essentiel aus Luxemburg). Demnach soll der Leiter des Forschungs- und Entwicklungsprogramms für belgische Kernenergie höchstwahrscheinlich unter Überwachung der Pariser Terrorzelle gestanden haben. „Das berichtet am Mittwoch die belgische Tageszeitung DH und beruft sich auf eine in Belgien eröffnete Untersuchung und auf «sehr gute Quellen». Demnach gebe es ein Video von der Dauer von etwa zehn Stunden aus dem Monat Dezember. In dem Video sehe man Bilder einer Kamera, die «sehr genau auf die Tür einer Wohnung in Flandern gerichtet» war. Die Wohnung des Leiters des belgischen Forschungs- und Entwicklungsprogramm für Kernenergie.“ Bereits vor einem Jahr, im Januar 2015, meldete der „Volksfreund.de„, dass das belgische Atomkraftwerk in Tihange offenbar als Reaktion auf Terror-Warnungen unter Militärschutz worden war: „55 Soldaten werden ab Donnerstag in Lüttich und Verviers zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit eingesetzt, berichtet der Belgische Rundfunk online. 15 von ihnen übernehmen die Bewachung des Atomkraftwerks in Tihange.“

Immer mehr zeigen vereinzelte Medienberichte, dass Atomanlagen im Zusammenhang mit der Entwicklung des internationalen Terrors in den Focus geraten. Während öffentlich dazu vergleichsweise wenig berichtet wird, haben Behörden und Sicherheitsorgane längst ein Maßnahmen-Paket aufgelegt. Unter dem Stichwort SEWD (Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter) sind seit 2011 zahlreiche zusätzliche Sicherungsmaßnahmen in den Atommeilern und an den Zwischenlagern mit hochradioaktiven Abfällen auf den Weg gebracht worden.

Auch das in Luxemburg erscheinende Tageblatt berichtet aktuell mit Bezug auf DH: „Nach den Paris-Anschlägen vom vergangenen 13. November mit mehr als 130 Toten und über 350 Verletzten beschlossen sowohl Belgien als auch Frankreich, besonders ihre Atomanlagen besser zu schützen. Wohl nicht grundlos, wie die belgische Tageszeitung“La Dernière heure“ (DH) nun schreibt. Demnach soll es konkrete Anhaltspunkte geben, wonach die Atomanlagen in Belgien auserkorenes Anschlagsziel der IS-Terroristen waren.“ Weiter schreibt das Blatt: „Nach DH-Recherchen sollen die Ermittler über konkrete Beweise verfügen, die eines belegen: Das nächste Ziel nach Paris war, Zugang zu einer der Atomanlagen zu bekommen – und so einen atomaren Zwischenfall in Europa zu produzieren. Die Bedrohung, zitiert DH seine Quelle, sei auch jetzt noch so groß wie nie zuvor.“

Nach den Anschlägen von Paris hat es demnach Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen gegeben: „Laut DH haben die Hausdurchsuchungen, infolge der Paris-Attentate, während der letzten Monate die nötigen Erkenntnisse zutage gefördert. Die Paris-Attentate waren aus Belgien heraus geplant und koordiniert worden. Besonders in Brüssel kam es danach immer wieder zu Durchsuchungen und Festnahmen durch die Polizei. Im Dezember seien die Ermittler auf ein bizarres, rund zehn Stunden langes Video gestoßen. Das Video zeigt ein Haus in Flandern und immer wieder denselben Mann, wie er das Haus betritt und es wieder verlässt. Zu dem Zeitpunkt ist die Identität des Mannes völlig unklar. Als klar ist, um wen es sich handelt, nimmt die Geschichte eine abrupte Wendung: Es handelt sich um den Direktor des belgischen Atom-Programmes.“

Bei l´essentiel heißt es: „Aufgezeichnet wurde von der Kamera, sie war «im Wald unter Stroh» versteckt, das Kommen und Gehen des Leiters. Die Bilder sollen zwei Verdächtige aufgezeichnet haben, welche «mit der Terrorzelle von Paris in Verbindung» standen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Atomkraftwerke der Großregion zur Zielscheibe rätselhafter Überwachungen werden: Im Oktober 2014 waren unbekannte Dronen über das sich im Rückbau befindende AKW bei Creys-Malville und über das lothringische Cattenom geflogen. Der Überflug habe «weder für die Sicherheit noch für das Funktionieren der Installationen Konsequenzen», hieß es allerdings damals in der offiziellen Mitteilung der EDF.“

Auch im Tageblatt wird über das Video berichtet: „Bei den Bildern handelt es sich um Aufnahmen einer Kamera, die vor dem Haus des belgischen Atom-Bosses in einem Gebüsch versteckt worden war. Eingesammelt wurde diese Kamera laut DH-Quellen von zwei Personen, die nachts mit einem unbeleuchteten Pkw vorgefahren waren. Diese Erkenntnisse erlangten die Ermittler durch die Auswertung einer öffentlichen Überwachungskamera, die auf die betroffene Straße gerichtet ist.“ Ein Problem aber sei laut Tageblatt: „Was den Ermittlern nicht gelingt, ist die Aufnahmen zu datieren. Sie können vor dem 13. November, aber auch nach den Paris-Attentaten gemacht worden sein. Dass die Männer aber im Zusammenhang mit der Pariser Terroristen-Zelle stehen, davon sind die Ermittler aufgrund des Fundortes der Aufnahmen überzeugt.“

Der eingangs zitierte Bericht zum Einsatz von Militär am AKW Tihange zu Beginn 2015 zeigt, dass die Sicherheitsbehörden schon im letzten Jahr vor den Pariser Anschlägen reagiert haben. Angaben, wie lange diese Maßnahmen andauerten und ob sie nach den Anschlägen möglicherweise intensiviert wurden, sind mir nicht bekannt. Der Hinweis, dass die Bedrohungslage aber immer noch extrem hoch wäre, lässt die Vermutung zu, dass der Militärschutz auch heute noch erfolgt.

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