Atomforschungsreaktor München Garching: Weiterhin wegen Defekt abgeschaltet – aber neuer Uranbrennstofftest offenbar „positiv“

Der Atomforschungsreaktor der TU in München Garching liegt immer noch wegen eines Defekts im Zentralbereich des Reaktors still. Notwendige Bauteile sind erheblich schwieriger herzustellen, als gedacht. Materialprobleme sind obendrein viel früher eingetreten, als ehemals erwartet bzw. berechnet. Erklärungen sind öffentlich nicht bekannt. Auch ein Termin für die Wiederinbetriebnahme wird nicht genannt. Aber eine aus Sicht der Betreiber des Reaktors positive Meldung ist: „Wichtiger Brennstofftest für FRM II erfolgreich“. Bislang wird im Reaktor hochangereichertes atomwaffenfähiges Uran als Brennstoff eingesetzt. Nun soll ein Brennstoff entwickelt werden, der sogar die Anreicherungsgrenze von 20 Prozent unterschreiten soll. Bislang stammt das Waffenuran aus Russland und wird in Frankreich zum Brennelement verarbeitet. Mit Frankreich und einem Forschungsreaktor in Belgien arbeitet die TUM an dem neuen Brennstoff. Erste Tests an Brennstoffplatten wären nun erfolgreich und ein Genehmigungsantrag ist 2025 eingereicht worden, heißt es.
Auch die Seite Forschung und Lehre informiert Anfang Dezember in der Rubrik „Management“ darüber, dass die ehemals geplante Wiederinbetriebnahme bis Ende 2025 nicht erfolgen wird. Leider leistet die Quelle nichts weiter, als auf eine Meldung von dpa/cpy Bezug zu nehmen, in der vor allem die Antworten der bayerischen Staatsregierung auf die Nachfragen des Landtagsabgeordneten Markus Büchler von den Grünen als Quelle dienen.
- Atomforschungsreaktor Garching bleibt nach Defekt abgeschaltet – Materialprobleme früher als erwartet. Einzelfehler?
- Fehlende Betroffenheit? Darf grüne Landtagsabgeordnete in Bayern Atomtransporten aus Forschungsreaktor Garching widersprechen?
- Atomforschungsreaktor München Garching 2000 Tage außer Betrieb
Die PM vom Betreiber des FRM2 hier als Dokumentation:
Wichtiger Brennstofftest für FRM II erfolgreich
Umrüstung, Pressemitteilung |

Die Brennstoffplatten wurden von der französischen Firma Framatome im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der TUM und weiteren europäischen Partnern hergestellt. Der Bestrahlungstest erfolgte über zwei Zyklen im BR-2-Reaktor des belgischen Forschungszentrums SCK CEN in Mol. Die Ergebnisse zeigen, dass die neu entwickelten Brennstoffplatten den Bestrahlungsbedingungen standhalten, wie sie im FRM II auftreten. Früher getestete Materialien hatten vergleichbare Tests nicht bestanden.
Genehmigungsantrag wird 2025 eingereicht
„Die Ergebnisse bestätigen unsere Strategie zur Umstellung auf einen niedrig angereicherten Brennstoff und sind ein wichtiger Datenpunkt für den Genehmigungsantrag, den wir noch in diesem Jahr bei den Behörden einreichen werden“, sagt Prof. Christian Pfleiderer, Wissenschaftlicher Direktor des FRM II. „Oberste Priorität hat für uns der sichere Betrieb des Forschungsreaktors. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe als internationale Großforschungsanlage, Wissenschaftlern aus aller Welt Neutronen für ihre Forschung zur Verfügung zu stellen – für Anwendungen in der Kernfusion bis zur Herstellung von Radioisotopen für die Krebstherapie.“
Das Design des Tests und die Fertigung der Platten sind Teil eines seit 2019 laufenden Entwicklungsprozesses. „Die Zusammenarbeit zwischen der TUM und Framatome, unterstützt von europäischen Partnern, ebnet den Weg für eine neue Generation sicherer und leistungsfähiger Brennstoffe für Forschungsreaktoren weltweit“, sagt Ralf Gathmann, Vizepräsident von CERCA bei Framatome.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Entwicklung neuer Brennstoffe für den FRM II ist Teil internationaler Bestrebungen, Forschungsreaktoren auf den Betrieb mit weniger als 20 Prozent Uran-235 umzustellen. Auch die Betriebsgenehmigung des FRM II enthält die Auflage, den Reaktor umzurüsten, sobald ein geeigneter Brennstoff zur Verfügung steht. Seit 2003 arbeiten Forschende der TUM an entsprechenden Konzepten.
Nach einer intensiven Testphase fiel 2023 die Entscheidung, auf monolithisches Uran-Molybdän zu setzen, da es besonders dicht gepackt werden kann. „Seitdem haben wir das Kerndesign des niedrig angereicherten Brennstoffs weiterentwickelt und unter anderem die eingesetzte Brennstoffmasse reduziert. Damit bleibt in dem 60-Tage-Betriebszyklus die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit des FRM II erhalten“, sagt der Professor für Angewandte Kerntechnologien, Christian Reiter, von der TUM School of Engineering and Design, der die Möglichkeit einer Umrüstung wissenschaftlich nachgewiesen hat.
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