Nur so lassen sich Atom sinnvoll spalten: Oder ist das schon Transmutation. In jedem Fall kommt das nach der Transformation: Kaschmir. Led Zeppelin.
Kategorie: Atomenergie
Atomenergie im Krieg: Westingshouse Schweden liefert neue Uranbrennelemente für ukrainische Atommeiler – Unterstützt von deutscher Uranfabrik in Gronau
Mitten im Krieg Russlands gegen die Ukraine und den andauernden Kämpfen rund um die sechs Atomkraftwerke in Saporischschja werden im AKW Rivne vom russischen Typ WWER erstmals Brennelemente eines westlichen Herstellers eingesetzt. Die Brennelemte wurden von der im schwedischen Västeras ansässgen Anlage von Westinghouse hergestellt und in das Krisengebiet gebracht. Westinghouse hat die Brennelemente in Zusammenarbeit mit der Ukraine entwickelt und hergestellt. Darüber berichtet die World-Nuclear-News. Bislang hatte der russsische Staatskonzern Rosatom ein Monopol bei der Herstellung dieser besonders geformten Uranbrennelemente. Die ukrainische Vertreter sprachen von einem großen Erfolg in der Zusammenarbeit mit den schwedischen und us-amerikanischen Partner und kündigten sogar an, künftig derartige Brennelemente im eigenen Land herstellen zu wollen. Auch für andere Atomkraftwerke russischer Bauart könnten die neuen Westinghouse Brennelemente künftig von Bedeutung sein, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. (Foto: Screenshot https://www.westinghousenuclear.com/sweden/produkter-tjanster/bransleprodukter/vver-bransle)
- WNN berichtet hier über die neuen WWER-Brennelemente für das genannte ukrainische AKW.
- Atomenergie im Krieg: Aktuell dazu in der FR. Gefährlicher Kampf um das AKW Saporischschja: Ukraine versuchte offenbar dreimal die Befreiung – Die IAEO meldet aktuell, dass sie im AKW Saporischschja keinen Sprengstoff gefunde habe, siehe hier bei Heise.
- Bis die Kühlung versagt: Warten auf den Super-GAU in den sechs AKWs von Saporischschja?
WNN berichtet, die beiden AKW-Blöcke von Rivne, die seit 1980/1981 in Betrieb sind, wären die einzigen Reaktoren vom Typ WWER-440 in der Ukraine. Außerdem gibt es von diesem Typ 16 weitere Reaktorn in den osteuropäischen Staaten innerhalb der EU. Die Ukraine verfügt außerdem über insgesamt 13 WWER-1000-Blöcke, darunter Rivne 3 und 4. Westinghouse liefert seit 2005 WWER-1000-Brennelemente an die Ukraine, zum Beispiel für den Block 3. Auch Saporischschja hat schon Westinghouse-Brennelemente im Einsatz. Einzelheiten über den Einsatz Westinghouse Brennelemene in WWER 1000 Reaktoren lassen sich hier in einem IAEA-Bericht aus dem Jahr 2017 nachlesen (PDF). Das erforderliche angereicherte Uran, aus dem Westinghouse in Schweden Brennelemente für die Ukraine herstellt, stammt unter andern von dem auch in Deutschland in Gronau ansässigen dreistaatlichen Urananreicherungskonzern URENCO.
Auch die zum französischen Atomkonzern Framatome gehörende Advanced Nuclear Fuels (ANF) im emsländischen Lingen will in die Herstellung von Uran-Brennelementen für den Einsatz in WWER-Reaktoren einsteigen. Anders als Westinghouse hat Frankreich dafür eine Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern Rosatome vereinbart. Ein entsprechender Genehmigungsantrag ist beim niedersächsischen Umweltministerium in Hannover gestellt. Die Behörde hat eine atomrechtliche Öffentlichkeitsbeteiligung für das Verfahren angeordnet. Im ersten Quartal 2024 dürfte demnach mit der öffentlichen Auslegung der Antragsunterlagen durch die ANF zu rechnen sein. Danach folgt ein Erörterungstermin zu den Einwendungen zu den Plänen einer Erweiterung der Produktpalette bei der ANF Lingen. Die Anlage dort ist vom Atomausstieg in Deutschland ausgenommen.
Für diesen Deal zwischen Framatome und Rosatome haben beiden Konzern – mittem im russischen Krieg in der Ukraine – eine gemeinsame Gesellschaft mit Sitz in Lyon gegründet. Das geht aus Anfrage von .ausgestrahlt über Frag-den-Staat“ im Rahmen einer UIG-Anfrage hervor. Das Bundesumweltministerim teilt mit Datum vom 4.9.2023 mit:
„Nach Abschluss der Verhandlungen wurde zur Abwicklung der Lizenzfertigung die „European Hexagonal Fuels S.A.S.“ mit Sitz in Lyon (Frankreich) gegründet. Nähere Kenntnisse zu dem genannten Gemeinschaftsunternehmen „European Hexagonal Fuels S.A.S.“ liegen hier nicht vor. Der Antrag auf Erteilung einer Genehmigung zur Fertigung von VVER-Brennelementen nach § 7 des AtG bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem NMU, wurde am 10. März 2022 gestellt. Der beantragte Umfang der Änderungen umfasst Änderungen an Fertigungs- und Prüfeinrichtungen, um die Herstellung der hexagonalen Brennelemente zu ermöglichen. Hierzu müssen einige neue Maschinen und Anlagen im Bereich der Brennstab- und Brennelementfertigung im Fertigungsgebäude installiert sowie vorhandene Anlagen modifiziert werden, um die Anforderungen des Lizenzgebers einhalten zu können.“ (Siehe hier: https://fragdenstaat.de/anfrage/erweiterung-der-brennelementefabrik-anf-in-lingen-gemeinschaftsunternehmen-framatome-rosatom/832976/anhang/uig-botheanf-erweiterung_geschwaerzt.pdf) siehe zur European Hexagonal Fuels S.A.S auch diesen Link (französisch) und auch hier mit Firmensitz in Lingen.
Westinghouse schreibt auf seiner oben bereits genannten Seite über den WWER Brennstoff folgendes: (Die Übersetzung erfolgte mit Deepl.com.)
WWER-Brennstoff
WWER ist ein russisches Reaktorkonzept, wobei das Akronym für Vodo-Vodyanoi Energetichesky Reactor oder auf Englisch Water Water Power Reactor steht. Die Reaktoren sind Druckwasserreaktoren (DWR) und befinden sich in sechs europäischen Ländern außerhalb Russlands. Der Brennstoff der verschiedenen Reaktortypen hat eine sechseckige Form.
WWER1000-Brennstoff
Diese Brennelementekonstruktion hat eine sechseckige Form und besteht aus 312 Brennstäben pro Brennelement. Seit Anfang der 2000er Jahre wird die WWER1000-Bauart in die Ukraine exportiert, inzwischen aber auch in andere osteuropäische Länder. Die ersten WWER1000-Brennelemente, die in die Ukraine geliefert wurden, waren Brennelemente der Bauart Westinghouse Fuel Assembly (WFA). Seitdem wurde das Design weiterentwickelt, um eine noch bessere Leistung und Zuverlässigkeit sowie stärkere Materialien zu bieten; das Design wird als Robuste Westinghouse-Brennelemente (RWFA) bezeichnet. Nach ihrer Einführung wurde die RWFA schnell zum Standardbrennstoffprodukt von Westinghouse für WWER1000-Reaktoren. Die RWFA verfügt über stärkere Materialien und mechanische Eigenschaften als ihr Vorgänger, um Schäden durch mechanische Störungen während des Be- und Entladens im Kern zu vermeiden. Das RWFA-Produkt hat sich als äußerst leistungsfähig und zuverlässig erwiesen und ist für die Bedingungen nach geplanten Leistungserhöhungen und Lastwechseln ausgelegt.
Hintergrund zum Brennstoff Westinghouse VVER1000
Kurz vor der Jahrtausendwende (2000) starteten die US-Regierung und Westinghouse ein Programm, das der Ukraine helfen soll, ihre Stromversorgung langfristig zu sichern. Die Kernenergie aus ihren 15 Reaktoren, 13 WWER1000-Reaktoren und zwei WWER440-Reaktoren, macht etwa 50 % der gesamten Stromerzeugung in der Ukraine aus. Zuvor war die Ukraine vollständig von dem damals einzigen Lieferanten von Kernbrennstoff für WWER-Reaktoren abhängig, einem staatlichen Anbieter aus Russland. Westinghouse verpflichtete sich, ein eigenes Design von Kernbrennstoff für seine WWER1000-Reaktoren zu entwickeln. Nach einer mehrjährigen Entwicklungsphase durch die Brennstoffingenieure von Westinghouse wurden die ersten Patronen im Westinghouse-Werk in Columbia, USA, hergestellt. Im Jahr 2005 wurden die ersten sechs LTAs an einen Reaktor in der Ukraine geliefert. Da die Testpatronen hervorragende Ergebnisse zeigten, konnte 2009 eine vollständige „Reaload“ von 42 Patronen hergestellt und an denselben Reaktor (South Ukraine 3) geliefert werden. Daraufhin wurde ein Vertrag über mehrere Realoads für drei Reaktoren ab 2011 unterzeichnet und die Produktion aller Brennelemente in das Westinghouse-Werk in Västerås, Schweden, verlegt. Seitdem erfolgt die gesamte Herstellung von WWER1000-Brennstoff in Västerås. Aufgrund der hervorragenden Brennstoffleistung und verschiedener geopolitischer Ereignisse in der Ukraine wurde der Vertrag mit Westinghouse schrittweise auf weitere Reaktoren ausgeweitet. Im Frühjahr 2022 wurde der Vertrag auf alle 13 WWER1000-Reaktoren in der Ukraine und ihre beiden WWER440-Reaktoren ausgeweitet.
WWER440-Brennstoff
Dieser Brennstoff hat ebenfalls eine sechseckige Form, ist aber deutlich schmaler und fast einen Meter kürzer als der größere WWER1000-Brennstoff. Der WWER440-Brennstoff ist etwas über drei Meter lang und enthält 126 Brennstäbe (Modell NOVA E-5). Obwohl es sich beim WWER440 um einen Druckwasserreaktor handelt, hat der Brennstoff seit jeher eine Schutzhülle um das Brennstoffbündel, genau wie ein Brennstoff für Siedewasserreaktoren. Wir sagen daher, dass der WWER440-Brennstoff ein Hybridbrennstoff ist. Seit der Neuentwicklung des WWER440-Designs in den 2020er Jahren haben sich die neuen Modelle gegenüber dem ersten Design aus den frühen 2000er Jahren stark weiterentwickelt. Sowohl die Konstruktion als auch die Werkstoffe wurden verbessert, und einige Komponenten werden vollständig durch additive Fertigung (AM) hergestellt, um fortschrittliche Konstruktionsverbesserungen zu erzielen.
Hintergrund zum Brennstoff Westinghouse VVER440
Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Brennstoffherstellern wurde Ende der 1990er Jahre ein Design für die WWER440-Reaktoren in Loviisa, Finnland, entwickelt. Im Jahr 2001 übernahm Westinghouse die Produktion und lieferte diesen Entwurf bis zum Ende der Zusammenarbeit 2008/2009, als die Produktion eingestellt wurde. Nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 wurde von 2015 bis 2017 ein von der EU finanziertes Projekt namens ESSANUF gestartet, um die Entwicklung von WWER440-Brennstoff für osteuropäische WWER440-Reaktoren vorzubereiten. Im Herbst 2020 unterzeichnete Westinghouse einen Vertrag mit dem ukrainischen Unternehmen Energoatom, um ein Design für dessen zwei WWER440-Reaktoren zu entwickeln, die einige Jahre später ausgeliefert werden sollen. Nach dem Beginn der Kriegshandlungen Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 unterzeichneten mehrere Länder mit WWER440-Reaktoren Verträge mit Westinghouse über die Entwicklung und Herstellung von Brennstoff für ihre Reaktoren. Nach dem größten und schnellsten Brennstoffentwicklungsprojekt in der Geschichte von Westinghouse werden die ersten in Västerås hergestellten WWER440-Brennelemente im Jahr 2023 an die Kunden ausgeliefert.
Nukleare Aufrüstung und neue Brennstoffe: USA nehmen Uran-Anreicherungsanlage schrittweise in Betrieb
In den USA startet das Unternehmen Centrus mit der Inbetriebnahme der ersten Stufen der „American Centrifuge Plant“, mit der künftig Atombrennstoffe mit besonders hoch angereichertem Uran235 unterhalb der Schwelle zur Atomwaffenfähigkeit hergestellt werden sollen. Dieser Brennstoff soll künftig für die Forschung und Entwicklung von neuartigen Atomreaktormodellen, oftmals als Small-Modular-Reactors – SMR – oder auch „fortschrittliche Reaktorkonzepte“ bezeichnet, dienen. HALEU ist der Fachbegriff für diesen Brennstoff, sogenanntes hochangereichtes-niedrigangereichertes Uran. Gemeint ist damit, dass der spaltbare Anteil des Uran235 nicht wie bisher zwischen 3 – 5 Prozent für den Einsatz in herkömmlichen Atommeilern liegt, sondern mit bis zu 19,75 Prozent knapp unterhalb der Schwelle von als atomwaffentauglichem Uran angereichert wird. Grundsätzlich aber könnte auch deutlicher höher angereichertes Uran in deratigen Anlagen erzeugt werden. Die USA schließen damit nach über zwei Jahrzehnten eine Riesenlücke in ihrer nationalen Atombrennstoff-Kette. (Foto: Betreiber)
Je höher der Anreicherungsgrad mit Uran235, desto leichter kann es in dem Uran zu einer nuklearen Kettenreaktion kommen. Über Jahrzehnte verfügten die USA über keine eigene Anreicherungstechnologie mehr und waren von Lieferungen ausländischer Konzerne oder aber von abgereicherten Uran aus den Abrüstungs-Verträgen mit Russland abhängig. URENCO, auch mit Lieferungen aus dem bundesdeutschen Gronau sowie Frankreich und vor allem Russland gehörten zu den Lieferanten von Uranbrennstofen, mit denen die Atommeiler in den USA mangels einer nationalen US-Anreicherung versorgt wurden. Zu den Lieferanten gehört aus das dreistaatliche Unternehmen URENCO, an dem die deutschen Konzerne RWE und E.on beteiligt sind. URENCO betreibt eine Urananlage in den USA – und in Deutschland ist die Anreicherungsanlage in Gronau vom Atomausstieg ausgenommen. Aus dieser Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen will sich die Atommacht USA mit der neuen Anlage der Centrus frei machen.
Bei WNN wird der Centrus-Präsident daher so zitiert: „Dieser Moment ist ein großer Stolz – und ein Versprechen – für die Nation“, sagte Centrus-Präsident und CEO Daniel Poneman. „Wir hoffen, dass zu dieser Demonstrationskaskade bald Tausende weiterer Zentrifugen hier in Piketon hinzukommen werden, um das HALEU zu produzieren, das für die nächste Generation fortschrittlicher Reaktoren benötigt wird, sowie niedrig angereichertes Uran zur Versorgung der bestehenden Reaktorflotte und das angereicherte Uran, das zur Aufrechterhaltung unserer nuklearen Abschreckung über Generationen hinweg benötigt wird. Auf diese Weise können die Vereinigten Staaten ihre verlorene nukleare Unabhängigkeit zurückgewinnen“. (Die Übersetzung erfolgte mit dem Übersetzungsprogramm https://www.deepl.com/translator)
Im englischen Original heißt es: „This moment holds great pride – and promise – for the nation,“ said Centrus President and CEO Daniel Poneman. „We hope that this demonstration cascade will soon be joined by thousands of additional centrifuges right here in Piketon to produce the HALEU needed to fuel the next generation of advanced reactors, low-enriched-uranium to sustain the existing fleet of reactors, and the enriched uranium needed to sustain our nuclear deterrent for generations to come. This is how the United States can recover its lost nuclear independence.“
Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)
- Über die Inbetriebnahme der Anlage von Centrus in den USA berichtet u.a. die World-Nuclear-News hier in diesem Bericht.
- Über den laufenden Ausbau der Urananreicherung bei der URENCO und dem bundesdeutschen Standort in Gronau informierte umweltFAIRaendern.de zuletzt mit diesem Bericht: Atomaustieg? Uranfabrik Gronau: Erhöhung und Modernisierung der Uranproduktion, laufende Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) und bis zu 50.000 Tonnen in einem neuen Uranlager
- Über die Planungen und Entwicklung zu neuartigen Atom-Brennstoffen und insbesondere HALEU hat umweltFAIRaendern mehrfach hier informiert. Über Konflikte zwischen der US-Urananreicherung bei Centrus und der URENCO-Anlage in den USA hatte umweltFAIRaendern zuletzt hier berichtet: Am Rande der Atomwaffenfähigkeit: Neue Uranbrennstoffe – USA bremst teilweise deutschen Urananreicherer URENCO aus
- Auch für die konventionellen, bestehenden Atomreaktoren wird an neuen Uran-Brennstoffen intensiv gearbeitet. Nicht nur die Zusammensetzung innerhalb der bestehenden Anreicherungen werden dabei verändert, geplant ist auch, die Anreicherung von Uran235 bis zu 10 Prozent zu erhöhen: Neue Uran-Brennstoffe für alte Reaktoren
Verstrahlte Atomgeschäfte mit Russland aus emsländischer Uranfabrik: Exportgenehmigung fehlt immer noch
Basierend auf Recherchen von umweltFAIRaendern hat die taz heute über die Atomgeschäfte zwischen der Uranfabrik im emsländischen Lingen und Russland berichtet. Die zum französischen Atomkonzern Framatome gehörende „Advanced Nuclear Fuels“ in Lingen hat enge Beziehungen zum russischen Atomkonzern Rosatom. Eine erforderliche Genehmigung zum geplanten Export von Uranbrennstoffen für Brennelemente zum Einsatz in Atomkraftwerken ist bislang von der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), nicht erteilt. Die BAFA untersteht diesen Angelegenheiten der Fachaufsicht des Bundesumweltministeriums. Die Taz berichtet außerdem über erhebliche Strahlenbelastungen rund um die Atomanlagen, in die der Uranbrennstoff aus dem niedersächsischen Emsland geliefert werden soll. „Im Umfeld der Atomfabrik von Elektrostal liegt die radioaktive Belastung um ein Vielfaches über den in Deutschland zulässigen Grenzwerten“, berichtet der Autor Bernhard Clasen und informiert mit vielen weiteren Informationen über die Verstrahlungen rund um die “MSZ Machinery Manufacturing Plant JSC” in Elektrostal (Russische Föderation).
- Der Bericht in der Taz unter dem Titel „Deutsche Zusammenarbeit mit Rosatom – Radioaktiv verseucht“ ist hier online zu finden.
- Der Taz-Bericht basiert auf dieser Recherche von umweltFAIRaendern: Strahlende Atom-Geschäfte mit Russland – Exporte aus Uranfabrik Lingen nach Russland geplant
Über Genehmigungen zum Export von Kernbrennstoffen durch die BAFA informiert das BMU unter diesem Link. Eine PDF über Exportgenehmigungen vor dieser Zeit ist hier online. Oder Liste BMU direkt hier. Siehe außerdem beim BMU zum Thema: Kernbrennstoffproduktion und -ausfuhr – Verschiedene Gutachten und Sachstand
Radioaktiver Notfallplan: Neue Regelungen angesichts wachsender Atomgefahren
Die Bundesregierung hebt die Schutzregelungen gegen radioaktive Notfalllagen an. Nun hat auch der Bundesrat dem Allgemeinen Notfallplan zugestimmt. „Zwischenfälle“ in ausländischen AKWs, „Straftaten“ gegen „kerntechnische Anlagen“ und vermutlich mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine sogar auch „Kernwaffenexplosion“ sind Anlässe, warum die Bundesregierung entsprechende Schutzmaßnahmen auf den Weg gebracht hat, die nun vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) umgesetzt werden müssen. Operativ ist das „Radiologische Lagezentrum“ (RLT) zuständig, wenn es zu Zerstörungen von Atomanlagen kommen sollte. Anti-Atom-Initiativen warnen, dass die bestehenden Schutzmaßnahmen der bundesdeutschen Atom(Müll)Anlagen schon vor den zusätzlichen Bedrohungen nicht mehr ausreichend sind. Immerhin wird der Atommüll in Deutschland noch für viele Jahrzehnte oberirdisch lagern. Möglicherweise schon im nächsten Jahr sollen über 150 Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll quer durch NRW von Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus rollen.
- Hochradioaktiv: Langfristige oberirdische Atommülllagerung und Krieg – BASE-Präsident Wolfram König: “Kein Sicherheitsrabatt”
- Erhöhte Atomrisiken – Bundesregierung intensiviert Schutz gegen radioaktive Gefahren
- Gedenken im Bundestag: Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie die aktuelle Situation in Saporischschja
- Neue Richtlinie zum nuklearen Terrorschutz tritt in Kraft: Sicherung radioaktiver Medizin-Stoffe gegen Diebstahl, Sabotage und die “schmutzige” Bombe
Zu den möglicherweise bevorstehenden Atomtransporte von hochradioaktiven Atommüll aus Jülich nach Ahaus:
- Atomforschungsreaktor FRM II in Garching: Neue und alte Brennelemente
- Hochradioaktiv auf Geisterfahrt: 152 gepanzerte Atomtransporte x 130 Tonnen auf 13 Achsen, auf der Reise von Jülich nach Ahaus – oder wie weiter?
Dokumentation der PM des BfS:
Notfallplan: Vorbereitung für den Ernstfall wird verbessert
BfS begrüßt Zustimmung des Bundesrats zu Allgemeinem Notfallplan
Neue rechtliche Regelungen
Ein Zwischenfall in einem ausländischen Kernkraftwerk, eine Straftat gegen eine kerntechnische Anlage, eine Kernwaffenexplosion – im radiologischen Notfall müssen die Abläufe klar geregelt sein. Dem dient der Allgemeine Notfallplan des Bundes (ANoPl), der jetzt den Bundesrat passiert hat. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) begrüßt den Allgemeinen Notfallplan als einen Zugewinn an Sicherheit im Krisenfall.
BfS-Präsidentin Inge Paulini betonte: „Der Allgemeine Notfallplan des Bundes fasst bestehende Regelungen zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor den negativen Folgen eines radiologischen Unfalls zusammen. Das erleichtert die Notfallplanung erheblich. Das BfS hat in solchen Notfällen, aber auch in der Vorbereitung darauf, eine zentrale Rolle. An der Erstellung des Notfallplans hat sich das BfS intensiv beteiligt.“
BfS im RLZ zuständig für Lagebild und Messungen
Sollte es zu einem Unfall in einem Kernkraftwerk oder auch beim Transport radioaktiver Stoffe kommen, ist im Allgemeinen Notfallplan klar festgelegt, welche staatlichen Stellen welche Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt übernehmen.
In einem Radiologischen Lagezentrum (RLZ), das in solchen Fällen aktiviert werden kann, arbeiten Fachleute verschiedener Bundesbehörden zusammen. Sie bewerten die Gefahrenlage und treffen auf dieser Grundlage Entscheidungen oder erarbeiten Empfehlungen. Die Leitung im Lagezentrum des Bundes hat das Bundesumweltministerium (BMUV).
Das BfS ist für die Messungen der Radioaktivität sowie für das Erstellen von sogenannten Lagebildern zuständig, die einen Überblick über den Unfall sowie Empfehlungen für Schutzmaßnahmen enthalten. Dafür verfügt das Bundesamt über ein umfangreiches Messnetz in ganz Deutschland.
Sieben ausländische KKW in der Nachbarschaft
Paulini fügte hinzu: „Das BfS ist gut vorbereitet: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfS in dauernder Bereitschaft und bewerten die radiologische Lage regelmäßig. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Kernkraftwerk Saporischschja, da dort ein sicherer Betrieb wegen der Kämpfe und der Stromausfälle nicht dauerhaft gewährleistet ist. Die Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke bedeutet nicht, dass jedes Risiko durch solche Anlagen durch Kernkraftwerke gebannt ist.“
Sieben ausländische Kernkraftwerke sind weniger als 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Zudem können Unfälle beim Transport radioaktiver Stoffe im Inland oder in anderen kerntechnischen Anlagen sowie Bedrohungsszenarien wie eine „Schmutzige Bombe“ und Cyberangriffe nicht ausgeschlossen werden.
Vorgaben der EU umgesetzt
Der Plan enthält für ganz verschiedene Unfälle beim Umgang mit radioaktiven Stoffen Regelungen für die Abläufe zwischen Bund und Ländern und für die Information der Bevölkerung. Damit werden auch Vorgaben der Europäischen Union umgesetzt. Der Allgemeine Notfallplan des Bundes soll zusätzlich um mehrere besondere Notfallpläne ergänzt werden, in denen bestimmte Sachverhalte vertieft behandelt werden. Er war am 16. August im Bundeskabinett beschlossen worden.
