Kein Atommüll für Schacht Konrad: „Gehobene wasserrechtliche Erlaubnis“ nicht anwendbar – Inbetriebnahme nur mit Schönrechnen?

Die Serie von Katastrophen-Meldungen im Zusammenhang mit dem geplanten Atommüllendlager für leicht- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad in Salzgitter reißen nicht ab. Längst sollte das in den 1980er Jahren auf den Weg gebrachte Endlager in Betrieb sein. Doch immer wieder kam und kommt es zu Verzögerungen beim Ausbau. Derzeit wird über eine Inbetriebnahme nach 2030 spekuliert. Jetzt aber meldet die Entsorgungskommission (ESK) der Bundesregierung eine weitere Art von Mayday. Obwohl sich der leicht- und mittelradioaktive Atommüll an den zahlreichen AKW-Standorten auftürmt, gibt es immer noch keine befüllten „Konrad-Behälter“, die den Einlagerungsanforderungen für Konrad entsprechen. Selbst wenn Konrad also in Betrieb wäre, könnte keine einzige Tonne Atommüll eingelagert werden: „Als Ergebnis der im Anhang zusammengefassten Anhörungen wird festgestellt, dass mit derzeitigem Stand der Bereitstellung von Abfallgebinden keine Einlagerung in das Endlager Konrad nach der geplanten Inbetriebnahme erfolgen kann“ (S. 7)  heißt es in dem Papier der Entsorgungskommission. Die mögliche Folge: Noch mehr Zwischenlager für diese Abfälle müssten an den vielen AKW-Standorten neu gebaut werden und würden den Rückbau weiter verzögern.

„Seit 2007 arbeitet die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE) bzw. inzwischen die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) am Um- und Ausbau des Endlagers Konrad, um ab der Inbetriebnahme die radioaktiven Abfälle unter Tage einzulagern. Nach mehreren Verschiebungen des Termins der Inbetriebnahme hat die BGE 2024 mitgeteilt, dass die Einlagerung zu Beginn der 2030er Jahre beginnen soll. Der auslegungsgemäße Betrieb des Endlagers Konrad sieht eine jährliche Einlagerungskapazität in der Größenordnung von 10.000 m3 pro Jahr vor. Aktuell gibt es keine Gebinde, die die Anforderungen aus den derzeit gültigen Endlagerungsbedingungen sowie den gemäß der Gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis (GwE) weiter zu berücksichtigenden Regelwerken vollumfänglich erfüllen und damit im Endlager Konrad eingelagert werden können.“

Eines der Probleme ist derzeit die Bauartprüfung für die jeweils zum Einsatz kommenden Behälter zur Einlagerung im Endlager. Wesentlich bedeutsamer sind aber die Probleme im Zusammenhang mit der „Gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis“ (GwE), die mit dem Planungsfeststellungsbeschluss, der Genehmigung für den Schacht Konrad, verbunden ist. Dieser Anhang 4 ist eine von vier wasserrechtlichen Erlaubnissen, die dem Planfeststellungsbeschluss (PFB) angefügt sind. Natürlich muss in einem Atommülllager sichergestellt werden, dass die eingelagerten radioaktiven Abfälle nicht mit Wasser in Kontakt kommen und sich Wege an die Oberfläche suchen können. Die in den Genehmigungsanhängen festgelegten Vorgaben können die Abfallerzeuger, zunächst die AKW-Betreiber oder Betreiber staatlicher Forschungsanlagen derzeit nicht erfüllen.

Nach Prüfungen und Anhörungen beklagt die ESK nun, dass viele Aspekte damals falsch und unzureichend ermittelt und festgelegt worden sind: „Die Bewertung der zur Einlagerung vorgesehenen Massen hinsichtlich einer möglichen Gefährdung des oberflächennahen Grundwassers erfolgte – gegenüber der Bewertung der einzubringenden Radionuklide in der Langzeitsicherheitsanalyse – nach einem sehr vereinfachten außerordentlich konservativen Modell“, heißt es denn auch auf Seite 4 der Stellungnahme. Auch in einem weiteren Punkt ist die ESK mit den Regelungen offenbar unzufrieden: „Die aus den Abfällen in das Grundwasser eingebrachte Masse an wassergefährdenden Stoffen wird gemäß GwE durch die o. g. genannten Konservativitäten überschätzt. Im Rahmen der Antragsunterlage des BfS [10] wird dargestellt, dass dieser außerordentlich konservative Ansatz eine vertrauensbildende Maßnahme darstellt
und zur Erhöhung der Akzeptanz beiträgt.“ (Seite 5)

So oder so: Die ESK erklärt im Grundsatz, dass man damals aus unterschiedlichen Gründen viel zu hohe Sicherheitsanforderungen festgelegt habe, die es eigentlich gar nicht braucht – auch weil viele Dinge nicht beachtet worden seien. Sie verweist außerdem auf die Problematik der Finanzierung beim Umgang mit dem Atommüll und der Endlagerung und verweist auf die „Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs“ (KFK) von 2015. Problempunkt offenbar: Die AKW-Betreiber können sich erst von der Kostenverantwortung bei den leicht- und mittelaktiven Abfällen verabschieden, wenn diese endlagerfähig verpackt an die dann zuständige Bundesgesellschaft für Zwischenlager (BGZ) übergeben sind. Ist nichts einlagerungsfähig, bleibt der Atommüll und die Kosten bei den AKW-Betreibern.

Mit Blick auf die Bauartzulassungen kommt die ESK in der Folge dann zu dieser Aussage: „Somit empfiehlt die ESK, die Verfahren der Bauartzulassung auf die wesentlichen sicherheitsrelevanten Fragestellungen zu fokussieren (Gewährleistung der sicheren Einlagerung und Schutzzielorientierung) und formale Sachverhalte und nebensächliche Anforderungen zügig abzuarbeiten.“ Fokussieren auf die wesentlichen! sicherheitsrelevanten! Fragestellungen. Wo fängt der Abbau von Sicherheit an?

Und dann kommt nach weiteren Ausführungen der durchaus komplexen Sachverhalte dieses Fazit: „Von allen Ablieferungspflichtigen (inklusive BGZ) sowie der BGE wurde die „nicht-anwendbare“ Umsetzung der GwE neben den Verzögerungen der Bauartprüfungen als der Hauptgrund für die fehlenden endlagerfähigen Abfallgebinde genannt. Dies führt in den nächsten Jahren

  • zu Kapazitätsengpässen in den bestehenden Zwischenlagern,
  • zur Neubeantragung und Errichtung von weiteren Zwischenlagern und
  • zur Verzögerung des Rückbaus der kerntechnischen Anlagen oder Einrichtungen.

Außerdem führt es bei der Inbetriebnahme des Endlagers dazu, dass der Einlagerungsbetrieb nicht aufgenommen und die Zwischenlager nicht geleert werden können.“ (Seite 10)

Update/Dokumentation: Als Reaktion auf die Berichterstattung hier auf umweltFAIRaendern hat die AG Schacht Konrad diese PM auf den Weg gebracht:

(Presseerklärung 28.11.2024) In ihrer Stellungnahme vom 24./25. Oktober 2024 stellt die Entsorgungskommission (ESK), ein Beratungsorgan des Bundesumweltministeriums, fest: „Aktuell gibt es keine Gebinde, die die Anforderungen aus den derzeit gültigen Endlagerungsbedingungen sowie den gemäß der Gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis (GwE) weiter zu berücksichtigenden Regelwerken vollumfänglich erfüllen und damit im Endlager Konrad eingelagert werden können.“

So weit, so richtig, doch die Konsequenzen, die die Entsorgungskommission daraus zieht, sind skandalös. Sie beklagt die häufigen Aktualisierungen des wasserrechtlichen Regelwerks, die „die Einlagerung von Abfallgebinden in das Endlager Konrad verhindern“ wird. Deshalb empfiehlt sie, die Verschärfungen zum Schutz von Grund- und Trinkwasser, die nach 2011 erlassen worden sind, auf das Atommülllager Schacht KONRAD einfach gar nicht anzuwenden. Weil eine sichere Zwischenlagerung der strahlenden Abfälle in den Zwischenlagern laut Entsorgungskommission zu teuer werden würde, soll der Müll bei KONRAD an geltendem Regelwerk und dem Trinkwasserschutz vorbei unter die Erde geschafft werden.

„Es kann doch nicht sein, dass ich als Landwirt, die aktuellen Grund- und Trinkwasserverordnungen einhalten muss, ein Atommüllendlager aber nicht“, erklärt Ludwig Wasmus, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD. „Es ist schon beeindruckend, wie rücksichtslos bei Schacht KONRAD ein Endlager errichtet werden soll, das weder den aktuellen Anforderungen an eine sichere Endlagerung noch dem aktuellen Grund- und Trinkwasserschutz genügt. Umso wichtiger ist die Klage für die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses, die jetzt eingereicht worden ist. Nur so können wir die nächste atomare Katastrophe nach der ASSE II in der Region verhindern.“

Die Entsorgungskommission schlägt folgenden Trick vor: Die Berechnungen zur Langzeitsicherheit von Schacht KONRAD aus den 1980er Jahren beruhen auf wenigen geologischen Daten und sehr unzureichenden Rechenprogrammen. Dies führte an vielen Stellen zu großen Unsicherheiten über die tatsächlichen Entwicklungen in dem Endlager. Um trotzdem eine Langzeitsicherheit nachweisen zu können, wurden konservative Annahmen getroffen, z.B. über die tatsächlich enthaltenen Inhaltsstoffe in den Gebinden. Diese konservativen Annahmen will die Entsorgungskommission jetzt abbauen – ohne allerdings neue Naturdaten zur erheben und eine neue Langzeitsicherheitsberechnung vorzunehmen. Dass damit das gesamte damalige Konstrukt des Langzeitsicherheitsnachweises hinfällig werden würde soll einfach ignoriert werden.

Für Rückfragen: Ludwig Wasmus Tel. 05341 63123

Ein Hörspiel und ein Video: Plutonium-Reaktor Kalkar – Geschichten vom Widerstand gegen atomaren Wahnsinn

Karlsruhe – Hanau – Kalkar – Wackersdorf. Das sind Orte, in denen die Bundesrepublik im Rahmen seiner Atomprogramme in den 1960 bis Ende 1990 versucht hat, Atomstrom nicht nur mit Uran, sondern auch mit dem hochgiftigen und atomwaffenfähigem Plutonium zu befeuern. Gegen den Einstieg in diese Plutoniumwirtschaft hat es wegen der noch mal enorm gesteigerten Risiken für Mensch und Umwelt und der unglaublich hohen Kosten selbst aus den Reihen derjenigen massiven Widerstand gegeben, die den Betrieb von Uran-Meilern nicht völlig falsch fanden. Eine enorme gesellschaftliche Politisierung, die mit dem Abbruch und Ende der Plutoniumwirtschaft endete. Der WDR hat über die Kontroverse um den Schnellen Brüter in Kalkar jetzt eine hochwertig gemachte Hörspiel-Serie unter dem Titel Kalkar 81 veröffentlicht. umweltFAIRaendern.de hat mit Einverständnis von Manfred Jaspers jetzt ein Lied vom Konzert bzw. der Platte „Bauer Maas – Lieder gegen Atomkraft“ als Video veröffentlicht. (Bild: Bauer Maas – Foto Peter Schwers)

Weitere Infos und Hintergründe:

Bettina Wegner – Herzlich!

Deutsche deutsche Geschichte. Und auf beiden Seiten fehlt weiterhin, worüber Bettina Wegner gesungen hat. Was für eine Person, Frau, Stimme. Was für eine Bedeutung. Was für ein Leben. Herzlichen Glückwunsch zum 77! Zum 75. hatte die taz hier geschrieben. Zu ihrer Abschiedstour und dem Konzert in der Hamburger Fabrik – wo sonst – hatte ich das hier für die taz geschrieben. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Bettina hier. In jedem Fall braucht es Gebote. Zehn sind vielleicht gut. Aber ich meine die von Bettina Wegner. Danke. Und natürlich: Joan Baez singt Kleine Hände. Alles Gute!

Atomwaffen: Wie geht der Weg zur Atommacht? Saudi-Arabien führt es vor ….

Wie wird aus einem Staat eine Atommacht? Saudi-Arabien führt das wie im Bilderbuch vor. Derzeit ist der Wüstenstaat und das Ölimperium auf dem Weg, die USA zu fordern. Nachdem Angebote für die ersten beiden neu zu bauenden 1400 MW-Reaktoren aus Südkorea, China, Russland und natürlich Frankreich bereits auf dem Tisch liegen, will Saudi-Arabien auch die USA ins Boot holen, verbunden mit der klaren Option: Wenn der Iran eine Atombombe bauen kann, dann wird auch Saudi-Arabien eine Bombe herstellen. Das ist immer wieder deutlich betont worden und ist alles andere als ein Geheimnis. Die USA und Saudi-Arabien sprechen offenbar schon sehr direkt über Szenarien, wie die Scheichs auch Zugriff auf die Technik zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran bekommen. Der Friedensnobelpreis ging heute an eine Organisation gegen Atomwaffen aus Japan. Nihon Hidankyo

Atalayar berichtet in dem Link ausführlich über die nukleare Entwicklung in Saudi-Arabien. Der Text ist in Englisch, vielleicht wäre eine Übersetzung von einem Dienst noch rechtefrei machbar. Bei deepl.com wäre eine Möglichkeit, eine gute Übersetzung zu bekommen. Das wäre in jedem Fall sinnvoll, weil die Informationen überaus deutlich sind. Mit besten Empfehlungen. Heute ist der Friedensnobelpreis 2024 vergeben worden:

Übersetzung: „Saudi-Arabien benötigt die USA, um Atomkraft als Alternative zu fossilen Brennstoffen zu entwickeln

Atomkraft ist die beste Alternative für eine CO₂-freie Energieerzeugung, aber Saudi-Arabien braucht einen Partner, um sein Atomprogramm zu entwickeln, und setzt dabei auf die USA.

Hoher Verbrauch fossiler Brennstoffe – Saudi-Arabiens ehrgeizige Vision 2030 zielt darauf ab, die wirtschaftliche Abhängigkeit des Königreichs von Öl und fossilen Brennstoffen zu verringern und stattdessen auf erneuerbare Energien zu setzen. Das Land strebt an, bis 2060 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, wie es in der „Saudi Green Initiative“ festgelegt ist.Trotz dieser ehrgeizigen Pläne bleibt der Pro-Kopf-Verbrauch fossiler Brennstoffe in Saudi-Arabien hoch. Obwohl dieser im Vergleich zu den anderen Golfstaaten niedriger ist, ist er immer noch wesentlich höher als etwa in Deutschland.

Ein Atom-Partner für Saudi-Arabien – Das Königreich bewegt sich bereits in diese Richtung und hat 2022 Unternehmen aus Russland, China, Südkorea und Frankreich eingeladen, technische Angebote für den Bau von zwei Atomreaktoren abzugeben. Saudi-Arabien bevorzugt jedoch die USA als strategischen Partner für die Entwicklung seines Atomprogramms. Der saudi-arabische Außenminister, Prinz Faisal bin Farhan, erklärte im Juni 2023, dass das Königreich „stark bevorzugt“, dass die USA einer der Bieter für das Programm sind. Bereits 2008 unterzeichneten beide Länder ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Atomenergie.“

Unterschiede mit der IAEO …. Vereinbarung mit den USA …

Nobelpreis gegen Atomwaffen – Nihon Hidankyo

IPPNW 1985, ICAN 2017 und jetzt: Friedensnobelpreis 2024 Nihon Hidankyo. „Diese Auszeichnung ehrt die unermüdlichen Bemühungen der Hibakusha – der Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki – für eine atomwaffenfreie Welt. Ihre jahrzehntelange Arbeit zur Aufklärung über die verheerenden humanitären Folgen von Atomwaffen und ihre eindringlichen Zeugnisse haben entscheidend dazu beigetragen, das internationale Bewusstsein zu schärfen und die weltweite Ächtung von Atomwaffen voranzutreiben“, heißt es in der Stellungnahme der deutschen Organisation ICAN. Japan hatte nicht nur 1945 die Atombombenexplosionen über Hiroshima und Nagasaki ertragen, deren Folgen bis heute anhalten. 2010 kam es in Fukushima auch noch zur mehrfachen Atomkatastrophe in den AKWs von Fukushima, bei der ebenfalls großen Menge radioaktiver Strahlung freigesetzt wurden.

Hier die Verkündung durch das Preis-Komitee zur Verleihung des Friedennobelpreis 2024. Reuters liefert hier Hintergründe zu Nihon Hidankyo.

ICAN kommentiert weiter: „Die Verleihung dieses Nobelpreises an Nihon Hidankyo steht in enger Verbindung zu den Prinzipien und Zielen des Atomwaffenverbotsvertrags (AVV), der 2021 in Kraft trat. Der Vertrag, der von ICAN maßgeblich mitinitiiert wurde und für dessen Bemühungen wir 2017 selbst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, stellt die rechtliche und moralische Grundlage für eine Welt ohne Atomwaffen dar. Die Anerkennung der Hibakusha durch das Nobelkomitee unterstreicht erneut die Dringlichkeit dieses Anliegens und die Notwendigkeit, den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern und die Abrüstung weltweit voranzutreiben.

Nihon Hidankyo hat durch seine Zeugnisse und kontinuierlichen Appelle an die internationale Gemeinschaft maßgeblich zur Verfestigung des nuklearen Tabus beigetragen – der moralischen Ächtung des Einsatzes von Atomwaffen. Dieses Tabu wird jedoch zunehmend bedroht: Atomwaffenstaaten modernisieren ihre Arsenale, und das Risiko eines Einsatzes steigt durch neue geopolitische Spannungen. Umso wichtiger ist es, die Arbeit der Hibakusha und die Ziele des AVV zu unterstützen, um das Fortschreiten der nuklearen Bedrohung zu verhindern.

Im kommenden Jahr jährt sich der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zum 80. Mal. Diese Erinnerung sollte uns allen ins Bewusstsein rufen, welche katastrophalen Folgen der Einsatz von Atomwaffen für die Menschheit hat. In einer Zeit, in der Atomwaffenpotenziale ausgebaut werden, müssen wir uns klar zu einem globalen Verbot und zur Abrüstung bekennen. Die Arbeit von Nihon Hidankyo und der Hibakusha ist eine lebendige Erinnerung daran, was auf dem Spiel steht.

ICAN Deutschland sieht die Verleihung des Friedensnobelpreises an Nihon Hidankyo als eine erneute Bestätigung der Ziele des Atomwaffenverbotsvertrags. Mit dieser Auszeichnung wird ein weiterer Meilenstein im weltweiten Engagement für nukleare Abrüstung erreicht, und sie ermutigt uns, den Weg zu einer sicheren und atomwaffenfreien Welt entschlossen weiterzugehen.“

Auch die Internationalen Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkriegs, Ärzt:innen in sozialer Verantwortung – IPPNW würdigt die Auszeichnung:

Friedensnobelpreis für Hibakusha – Mahnung zum 80. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki

„Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2024 an Nihon Hidankyo, die japanische Vereinigung der A- und H-Bombenopfer, ist eine bedeutende Anerkennung des jahrzehntelangen Kampfes der Hibakusha für eine atomwaffenfreie Welt. Das Nobelpreiskomitee würdigt damit die unermüdlichen Bemühungen der Organisation, das Bewusstsein für die katastrophalen humanitären Folgen von Atomwaffen zu schärfen. Die Auszeichnung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das internationale Tabu gegen den Einsatz von Atomwaffen durch die Modernisierung von Arsenalen, die Verbreitung von Atomwaffen und die Drohung mit ihrem Einsatz in aktuellen Konflikten zunehmend unter Druck gerät.

Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, sind die wichtigsten Zeitzeug*innen der nuklearen Katastrophe. Ihre persönlichen Geschichten, die vom unvorstellbaren Leid und Schmerz durch den Einsatz dieser Waffen erzählen, bilden die Grundlage für die weltweite Bewegung zur Abschaffung von Atomwaffen. Sie helfen uns, das Unbeschreibliche zu beschreiben und das Undenkbare zu denken, um die Folgen von Atomwaffen zu begreifen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Nihon Hidankyo unterstreicht die Bedeutung der Hibakusha als Mahner und moralische Instanz im Kampf gegen die nukleare Bedrohung.

Die Organisation Nihon Hidankyo wurde am 10. August 1956, elf Jahre nach den Atombombenabwürfen, gegründet. Der Gründungskongress stand im Zeichen des „Castle Bravo“ Tests, der katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung der Marshallinseln hatte und die Welt auf die Gefahren der immer stärker werdenden Atomwaffen aufmerksam machte. Von Anfang an setzte sich die Organisation für ein umfassendes Verbot von Atomwaffen ein und forderte die Staatengemeinschaft auf, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Nihon Hidankyo arbeitet eng mit der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) zusammen, die 2017 den Friedensnobelpreis erhielt, und den Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Geschichten der Hibakusha bilden die Grundlage für die Arbeit beider Organisationen. Setsuko Thurlow, eine Hibakusha, nahm den Preis im Namen von ICAN entgegen.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Nihon Hidankyo im Jahr 2024 ist besonders bedeutsam, da sich 2025 die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 80. Mal jähren. Gerade jetzt, wo die Gefahr eines Atomkriegs wieder zunimmt, ist es wichtig, die Stimmen der Hibakusha zu hören und ihre Botschaft ernst zu nehmen. Die Bundeswehr trainiert in der NATO-Übung „Steadfast Noon“ den Einsatz von Atomwaffen und riskiert damit genau das Leid, von dem die Hibakusha berichten. Statt an Atomwaffen festzuhalten, sollte Deutschland sich für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen und dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten.

Die Ehrung der Hibakusha mit dem Friedensnobelpreis sendet ein klares Signal an die Welt: Atomwaffen sind eine Bedrohung für die Menschheit und dürfen niemals wieder eingesetzt werden. Die Staatengemeinschaft muss dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten und auf eine Welt ohne Atomwaffen hinarbeiten. Die Zeitzeugenberichte der Hibakusha erinnern uns an die humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes und mahnen uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um eine solche Katastrophe zu verhindern.“

Auf die Frage nach den Friedensnobelpreisträgern im Zusammenhang mit Atomwaffen, spukt ChatGPT35 aus:

Eine vollständige Liste der Friedensnobelpreisträger mit Bezug zu Atomwaffen, Abrüstung und nuklearen Fragen umfasst sowohl Personen als auch Organisationen, die sich in besonderer Weise gegen den Einsatz von Atomwaffen, für nukleare Abrüstung oder die Ächtung von Massenvernichtungswaffen eingesetzt haben. Hier eine Übersicht:

Organisationen:

  1. Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) – 1985
    IPPNW wurde für ihre Bemühungen, die Öffentlichkeit über die katastrophalen medizinischen Auswirkungen eines Atomkriegs zu informieren, ausgezeichnet.
  2. Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) – 2017
    ICAN wurde für ihre Arbeit zur Förderung eines Vertrags zum Verbot von Atomwaffen ausgezeichnet, der 2017 von 122 Nationen verabschiedet wurde.
  3. Pugwash Conferences on Science and World Affairs – 1995 (gemeinsam mit Joseph Rotblat)
    Diese Organisation setzt sich für die Abrüstung und für eine Reduzierung von Nuklearwaffen ein.
  4. Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) – 2005 (gemeinsam mit Mohamed ElBaradei)
    Die IAEA wurde für ihre Rolle in der Förderung der sicheren Nutzung von Kernenergie und der Verhinderung von deren Missbrauch zu militärischen Zwecken ausgezeichnet.
  5. Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) – 1917, 1944, 1963
    Obwohl das IKRK nicht spezifisch wegen seines Engagements gegen Atomwaffen ausgezeichnet wurde, hat es sich stets für die Durchsetzung des humanitären Völkerrechts eingesetzt, das Massenvernichtungswaffen einschließt.
  6. United Nations (UNO) und Kofi Annan – 2001
    Auch wenn die UNO nicht nur für nukleare Abrüstung ausgezeichnet wurde, spielt sie eine zentrale Rolle bei der Förderung der Abrüstung und der Verhinderung von Atomwaffenkonflikten.

Einzelpersonen:

  1. Joseph Rotblat – 1995 (gemeinsam mit den Pugwash Conferences on Science and World Affairs)
    Rotblat war ein früher Teilnehmer des Manhattan-Projekts, trat jedoch zurück, nachdem ihm klar wurde, dass Atomwaffen gegen Zivilisten eingesetzt werden könnten. Er engagierte sich lebenslang für die nukleare Abrüstung.
  2. Alva Myrdal – 1982
    Myrdal setzte sich als schwedische Diplomatin für die nukleare Abrüstung ein und spielte eine führende Rolle bei den Abrüstungsverhandlungen der Vereinten Nationen.
  3. Linus Pauling – 1962
    Pauling erhielt den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen, die Öffentlichkeit über die Gefahren von Atomwaffen zu informieren, und für seine Kampagne gegen Atomtests.
  4. Mohamed ElBaradei – 2005 (gemeinsam mit der IAEA)
    ElBaradei wurde für seine Arbeit als Generaldirektor der IAEA ausgezeichnet, die sich für die Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen einsetzt.
  5. Mikhail Gorbachev – 1990
    Der sowjetische Präsident erhielt den Preis, weil er entscheidend zur Beendigung des Kalten Krieges und zur Reduzierung der Atomwaffenarsenale beigetragen hat.
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