Atomare Unverbindlichkeiten im schwarz-grünen Koalitionsvertrag NRW

Im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-grünen Landesregierung in NRW finden sich hinsichtlich der nuklearen Bedrohungslagen und anderer relevanter Fragen der Energiewende lediglich Unverbindlichkeiten. Von einer Stilllegung der Uranfabrik in Gronau, die für die weltweite Versorgung von Atommeilern mit Brennstoff sorgt, ist keine Rede. Noch vor kurzem hatten die Grünen mit Anträgen im Landtag Wahlkampf für die Vollendung des Atomausstiegs – ebenso wie im Bundestagswahlkampf – gemacht.

  • Der Koaltionsvertrag der Grünen mit der CDU in NRW ist hier als PDF online und hier hier direkt als PDF. Die Taz berichtet hier über den Atom- und Energieteil.
  • Noch in diesem Jahr könnte es zu weiteren Atommülltransporten in das Zwischenlager Ahaus in NRW kommen. Auch dem Forschungsreaktor in München-Garching soll atomwaffenfähiger Atommüll dort eingelagert werden. Noch stehen eine Einlagerungsgenehmigung und eine Transportgenehmigung aus. Das Nationale Begleitgremium wird auf einer seiner nächsten Sitzungen am 14. September das Zwischenlager Ahaus besuchen, auch weil die angestrebte Endlagerung der hochradioaktiven Abfälle sich weiter verzögern wird und sämtliche deutschen Zwischenläger neue Genehmigungen und Sicherheitsnachweise brauchen. Eine TO liegt noch nicht vor, aber klar ist, dass es weder einen Stream noch eine digitale Beteiligungsmöglichkeit der ansonsten öffentlichen Veranstaltung geben wird. Nicht gerade eine Vorbild-Aktion des NBG, hier auf die „Internet-Öffentlichkeit“ zu verzichtenn.

Auch wenn dafür Unterstützung aus der Bundesregierung und eine entsprechende Atomgesetzänderung erforderlich wäre: Eine solche Zielsetzung ist nicht vorhanden. Zwar wolle man für den hochradioaktiven Atomüll in Jülich, der dort ohne ausreichende atomrechtliche Sicherheit liegt, die „Option“ einer Zwischenlagerung intensivieren. Aber nicht mal die Beendigung der Option, diesen Atommüll rechtwidrig in die USA zu verfrachten ist in der Vereinbarung zu enthalten. Selbst Atomtransporte nach Ahaus bleiben mit diesem Koalitionsvertrag damit möglich.

Im benachtbarten Ausland allerdings wolle man den Atomausstieg voranbringen, heißt. Beendet werden sollen Exporte von abgereichertem Uran nach Russland. Das hatte der Betreiber URENCO bereits selbst klar gemacht. Rechtlich wäre NRW in diesem Fall aber sonst auch auf die Bundesregierung angewiesen. Exporte dieser Materialien nach Frankreich, England oder die Niederlande sollen aber offenbar weiterhin möglich bleiben. Lediglich was das bundesweite Zentrallager für leicht- und mittelradioaktiven Atommüll in Würgassen, das der Betriebsoptimierung für das in Salzgitter (NDS) im Schacht Konrad geplante Endlager dienen soll, ist nur rauszulesen, was derzeit ohnehin noch mal geprüft werden soll: Ist das Lager notwendig? Unter welchen Kriterien? Warum? Und wenn ja? Ist es denn auch sicher zu realisieren?

Was die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle – wie in Ahaus – angeht, verweist das schwarz-grüne Bundesland auf den Bund, der dazu aber in seinem Koalitionsvertrag auch nicht viel zu bieten. Natürlich sollen die erforderlichen Neu-Genehmigungen – weil das Endlager verspätet – kommen wird, sicher erfolgen. Da wäre der Betreiber – die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) vermutlich nicht von selbst drauf gekommen, hat aber – sicherheitshalber – schon mal ein „Forschungskonzept“ vorgelegt. Von Öffentlichkeitsbeteiligung oder gar Problemen bei der Sicherheit ist nicht die Rede, obwohl dazu Umweltverbände und andere eine lange Liste vorgelegt haben und selbst die Endlagerkommission, das Nationale Begleitgremium und Teile des Bundestages das immer wieder betont oder gefordert hatten.

Auszug aus dem Koalitionsvertrag (links siehe oben)

Atomenergie

784 Deutschland beendet schrittweise die Nutzung der Atomenergie. Wir setzen uns für
785 ein schnellstmögliches Abschalten grenznaher Atomkraftwerke in den Nachbarländern
786 Nordrhein-Westfalens ein und schöpfen alle Einspruchsmöglichkeiten aus.
787
788 Wir setzen uns für eine Minimierung von Atomtransporten ein. Das gilt auch für
789 Transporte aus anderen Bundesländern. Im Fall der in Jülich lagernden
790 Brennelemente bedeutet dies, dass wir die Option eines Neubaus eines
791 Zwischenlagers in Jülich vorantreiben. Um die Transparenz zu erhöhen, werden wir
792 jährlich einen Bericht über die in Nordrhein-Westfalen durchgeführten Atomtransporte
793 im jeweils vorangegangenen Jahr veröffentlichen.
794
795 Im Zusammenhang mit dem geplanten Bereitstellungslager für schwach- und
796 mittelradioaktive Abfälle am Standort Würgassen steht neben den Kriterien der
797 Standortauswahl auch die Frage der Notwendigkeit im Raum. Wir werden die
798 Ergebnisse des gemeinsam mit dem Land Niedersachsen beauftragten Gutachtens
799 prüfen und uns für eine transparente Auswahlentscheidung auf Basis objektiver
800 Kriterien einsetzen.
801
802 Wir stehen vorbehaltlos zu dem gesetzlich verankerten Prozess einer ergebnisoffenen
803 Standortsuche für ein Endlager für hochradioaktive Stoffe. Angesichts erwartbarer
804 Verzögerungen bei der Inbetriebnahme eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle
805 setzen wir uns auf Bundesebene dafür ein, dass ein Konzept für die längerfristige
806 Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle entwickelt wird.
807
808 Wir beenden dauerhaft den Export von abgereichertem Uranhexafluorid nach
809 Russland und überprüfen, ob die Rückstellungen zu Rückbau, Stilllegung und
810 Endlagerung der Urananreicherungsanlage Gronau ausreichend sind.

Hamburger Energie Werke (HEW): Weiterhin russische Kohle für Heizkraftwerk Wedel – Außerdem Blut-Kohle aus Kolumbien

Offenbar bezieht das Heizkraftwerk Wedel weiterhin russische Kohle und baut damit sogar neue Lagerbestände auf. Jedenfalls ist der Kohleberg am Kraftwerk in den letzten Wochen mächtig angewachsen. Laut Vesselfinder wurde die in Madeira registrierte „Trina Oldendorff“ in den letzten acht Tagen am Anleger in Wedel aus Russland kommend entladen und hat heute Wedel mit Kurs Ust-Luga, Russia verlassen. Neben offenbar immer noch Kohlelieferungen aus Russland versorgt Hamburg seine Kohleheizkraftwerke auch mit Kohle aus den USA, Südafrika und auch Kolumbien.

Die Kohle aus Kolumbien ist umstritten, weil massive Umweltzerstörung bei der Förderung erfolgt und Menschenrechte der indigenen Bevölkerung mißachtet werden. Darüber hatte die Taz jüngst berichtet und über die Lieferungen war in der Antwort des Senat auf eine Kleine Anfrage des linken Bürgerschaftsabgeordneten Stephan Jersch zu lesen.

Bundeskanzler Scholz soll kurz nach Kriegsbeginn mit der Regierung in Kolumbien über Kohlelieferungen gesprochen haben, hatten Medien vor Wochen berichtet. Nach den jüngsten Wahlen in Kolumbien könnte sich nun aber einiges in dem Land ändern, berichtet aktuell Telepolis. Doch das die Bundesrepublik angeblich von Kohle aus Russland weg will, um den Krieg gegem die Ukraine nicht zu unterstützen, dafür aber im Austausch Menschnrechte in Kolumbien mißachtet und neben der Klimakatastrophe gravierende Umweltschädigungen in Kauf nimmt, wirft zumindest erhebliche Fragen nach dem Sinn auf.

Tagesschau hatte jüngst über die „Blut-Kohle“ berichtet und dabei auch auf Konflikte in der Koalition hingewiesen: Kohle-Import aus Kolumbien: Scholz-Plan „koloniale Ausbeutung“? Der Bundesverband BUND und andere Umweltorganisatinen warnten bereits: Nach Kohle- und Ölembargo: Ansturm auf neue Rohstoffquellen bedroht Menschenrechte und Umwelt.

 Kohlelager am Heizkraftwerk Wedel und das Schiff „Trina Oldendorff“ am 21.Juni 2022

 

Alter Wärmespeicher in neuem Konzept: Kohleausstieg Hamburg – 2013 genehmigt – aber nicht gebaut

Unter anderm mit einen Wärmespeicher auf dem Gelände des Heizkraftwerks (HKW) Tiefstack soll der Ausstieg aus der Kohleverbrennung in Hamburg erfolgen. Dass hatten Umweltbehörde und die Hamburger Energie Werke heute bekannt gegeben. Der frühere Eigentümer des HKW – Vattenfall – hatte für einen solchen Wärmespeicher bereits im Jahr 2013 eine entsprechende Genehmigung und mit bunten Bildern auch gezeigt, wo genau das Ding stehen sollte. Nur: Bis heute ist dieser Wärmespeicher nicht gebaut worden. Was heute von der Behörde als Zukunftskonzept für den angestrebten Kohleausstieg präsentiert wird, ist also eigentlich ein Beitrag zur Geschichte und war bereits vor fast zehn Jahren im Genehmigungsverfahren eben dieser Behörde auf der Agenda. Grund genug, wachsam hinzuschauen und kritisch zu bleiben. Auch bei den Ankündigungen über große Wärmepumpen sollte daher genau hingeschaut werden, damit am Ende nicht Kohleverbrennung vor allem gegen Holzverbrennung ausgetauscht wird.

Dokumentation der PM (Unterlegt als Link die Quelle)

Genehmigung für Wärmespeicher am Kraftwerksstandort Tiefstack

Weiterer Schritt zur Umsetzung der Energiewende in Hamburg

(PresseBox) (Berlin, )

Vattenfall hat die Genehmigung zum Bau eines Wärmespeichers mit Nebeneinrichtungen (Pumpen, Wärmetauscher, E-Boiler) auf dem Gelände des Heizkraftwerks Tiefstack erhalten.

Frank May, Geschäftsführer der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH: „Der Bau dieses Wärmespeichers ist ein weiterer Schritt zur Umsetzung der Energiewende in Hamburg. Mit diesem Speicher wird die Integration erneuerbarer Energien ermöglicht.“

Der Wärmespeicher wird in das bestehende Kraftwerk integriert und soll ein Volumen von maximal 30.000 m³ erhalten. Er verfügt über eine Speicherkapazität von 900 MWh. Damit könnten ca. 28.500 Wohneinheiten neun Stunden lang mit Wärme versorgt werden. Mit dem Bau des Speichers wird im Sommer dieses Jahres begonnen. Die Fertigstellung wird für 2014 angestrebt.

Vorgesehen ist zudem die Einbindung eines Elektroboiler-Systems zur Wandlung von Windstrom in Wärme und anschließender Einspeisung der Wärme in das Wärmespeichersystem.

Der Wärmespeicher am Standort Tiefstack ist Bestandteil des Energiekonzepts mit der Stadt Hamburg. Darin hat sich Vattenfall gegenüber der Hansestadt verpflichtet, bis 2018 rund 1,5 Milliarden Euro in die Energieinfrastruktur in der Metropolregion zu investieren. Schwerpunkte bilden neue Speichertechnologien und der Umbau zu intelligenten Netzen. Mit der Partnerschaft setzen Hamburg und Vattenfall ein Signal für die Weiterentwicklung der deutschen Energiewirtschaft in Zeiten der Energiewende.

Über die Vattenfall Wärme Hamburg GmbH

Das Fernwärmenetz in Hamburg stützt sich auf eine Infrastruktur von über 800 Kilometern Rohrleitung und verteilt sich auf ein Hauptnetz und zwei sogenannte „Inselnetze“, die aus zwei Blockheizkraftwerken gespeist werden. Der Ausbau der Fernwärmeversorgung ist ein zentraler Bestandteil des Hamburger Energiekonzepts zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen. Bis 2020 sollen über das Hamburger Fernwärmenetz 500.000 Wohneinheiten mit Wärme versorgt werden, heute sind es 450.000.

Dokumentation Nummer 2

Grundsteinlegung Wärmespeicher Tiefstack: Scholz wirbt für die Hamburger Energiewende

(Siehe auch hier mit Foto von Scholz und Vattenfall)

09.08.2013

 Hamburg: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat bei der Grundsteinlegung des Wärmespeichers Tiefstack die Bedeutung von moderner Speichertechnologie für das Gelingen der Energiewende betont. „Energiespeicher gehören zu den Wendemarken“, sagte Scholz am Donnerstag. Er warb gleichzeitig für die „Hamburger Energiewende“. Werde die Stadt durch den Volksentscheid demgegenüber zu einem 100-Prozent-Rückkauf der Energienetze verpflichtet, müsse die Stadt sehr viel Geld auszugeben, um im Wesentlichen Kabel und Rohre zu kaufen. „Das ist Geld, das Hamburg an anderer Stelle sinnvoller investieren könnte“, sagte Scholz.

Bei der Grundsteinlegung des Wärmespeichers wies Scholz auf die Bedeutung moderner Speichertechnologien hin. Derzeit müssten Strom erzeugende Anlagen teilweise abgeschaltet werden, wenn ihr Ertrag – Wind- oder Sonnenenergie – nicht in die Stromnetze eingespeist oder dort nicht vollständig abtransportiert werden kann. Das koste Geld und lasse wertvolle Energie ungenutzt, sagte Scholz. „Deswegen benötigen wir Speichertechnologien. Sie ermöglichen die zeitverzögerte Nutzung, verbessern die Effizienz des Energiesystems und machen die Energiewende wirtschaftlicher. Allein mit den neuen Wärmespeichern werden wir in Hamburg in der Lage sein, mehrere hundert Megawatt regenerativen Stroms für viele Stunden zu puffern– zum Beispiel bei einer Windflaute.“

Mit dem Gas- und Dampfdruck-Kraftwerk Wedel, dem Projekt „Power to Gas“ und dem Bau weiterer Speicherkapazitäten sei Hamburg auf dem besten Weg, bundesweit das Land mit den größten Speicherkapazitäten für Erneuerbare Energien zu werden.

Scholz warb in diesem Zusammenhang auch für die „Hamburger Energiewende“: „Energiewende made in Hamburg“ sei keine theoretische Verheißung. „Sie wird möglich, weil wir zwischen Senat und Energieversorgern eine umfassende energiepolitische Kooperation vereinbart haben. Die Energieversorger haben sich verpflichtet, bis 2018 rund 1,6 Milliarden Euro in hocheffiziente Kraftwerke, Speicher für Erneuerbare Energien, intelligente Stromnetze und andere entscheidende Innovationen und zahlreiche Projekte zu investieren“, erinnerte Scholz.

Mit den Versorgungsnetzen allein könne man demgegenüber keine Energiepolitik machen. „Wohl aber würde ein vollständiger Rückkauf mit mehr als zwei Milliarden Euro für die Stadt Hamburg zu Buche schlagen – Geld, das Hamburg an anderer Stelle sinnvoller investieren könnte, zum Beispiel in Bildung und Wissenschaft, Stadtentwicklung und Umweltschutz, den Ausbau der sozialen Sicherung sowie für Verkehrspolitik und innere Sicherheit“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister.

Er verwies auch darauf, dass – im Falle eines 100-Prozent-Rückkaufs der Netze – die bereits getroffenen Vereinbarungen zwischen der Stadt und Energieversorgern hinfällig würden. Das gelte auch für Investitionszusagen der Energieversorgungsunternehmen. „Dies würde die Energiewende in Hamburg um mehrere Jahre zurückwerfen“, warnte Scholz. Das formulierte Ziel, „über den Kauf der Hamburger Verteilnetze die Energiewende entscheidend voranzubringen und dabei ganz nebenbei den Strompreis zu senken“, bezeichnete Scholz als irreführend.

Hamburg nehme bei der Energiewende eine Vorreiterrolle ein, betonte Scholz. „Ich bin der festen Überzeugung: Richtig und entschlossen betrieben, wird die Energiewende in Hamburg unsere Zukunft sichern. Sie bringt Arbeitsplätze und starkes Wirtschaftswachstum mit sich! Darauf sollten wir setzen, mit den drei Säulen: „Ausbau der Erneuerbaren Energien“, „Effizienz“, „Umgestaltung der Energienetze““, sagte Scholz. (Pressemeldung vom 08.08.2013)

Quelle: Senat der Hansestadt Hamburg | Foto: Senat der Hansestadt Hamburg

Hamburg und der Kohleausstieg: Mit Abwärme und Flusswärmepumpen – aber auch mit Erdgas und Holz

Der Hamburger Senat und die rekommunalisierten Hamburger Energie Werke (HEW) haben heute das Konzept zum Ausstieg aus der Kohleverbrennung für die Wärme- und Stromversorgung vorgestellt. „Verschiedene klimaneutrale Wärmelösungen“ sollen dazu eingesetzt werden, dazu „gehören u.a. Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung, Power-to-Heat und vor allem Flusswärmepumpen, die Wärme aus der Norderlebe und der Bille gewinnen sollen.“ Aber auch „Erdgas oder nachhaltige Biomasse aus Rest- und Schadholz“ sollen „zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten“ eingesetzt werden. Bereits gestern hatten über 30 Umwelt- und Klimaschutzorganisationen die Verbrennung von Holz und Gas als Mittel des Kohleausstiegs heftig kritisiert. Die beiden Wärmepumpen sollen zusammen rund 230 Megawatt Leistung haben. Insbesondere hier wird sich zeigen müssen, ob aus Konzepten Realität wird. Beim Ersatz des Heizkraftwerks Wedel wurde der Einsatz einer solchen Pumpe an der Dradenau immer weiter reduziert. Konkrete Informationen über die einzelnen technischen Komponenten des Konzept sind nicht veröffentlich worden.

  • Die Umweltbehörde erklärt ihr Konzept in einer PM auf dieser Seite.
  • Über 30 Klimaschutz-Organisationen fordern: Hamburg: Raus aus Kohle, Erdgas und Holz!
  • Stephan Jersch von der Linksfraktion Hamburg nimmt hier Stellung. Hier gibt es eine umfassende Kritik des Hamburger Energietisches.
  • Mitglieder der ehemaligen Volksinitiative Tschüss Kohle hatten in den letzten knapp zwei Jahren weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit den Behörden und Unternehmen über einen Ausstieg aus der Tiefstack-Kohle gesprochen und Alternativen diskutiert. Eine Verlängerung des Begleitgremiums, wie es die Behörde vorgeschlagen hatte, kommt aber nicht zustande. TK hat mit dieser PM auf das Ergebnis (siehe unten) reagiert. Eine Stellungnahme von TK zu den Vorstellungen von HEW ist hier direkt zu finden (PDF). Dort wird auch zum unter Geheimhaltung/Vertraulich erfolgten Begleitprozeß Stellung genommen. So wird festgestellt, dass „im vertraulich tagenden Gremium umfassend über die technischen Rahmenbedingungen und den Fortschritt bei der Konzeptentwicklung informiert und eine große Bereitschaft zur Auskunft gezeigt“ wurde. Ein gemeinsames Ergebnis hat dieser Prozeß aber offenbar nicht zur Folge, denn am Ende steht keine gemeinsame Zusammenfasung oder Bewertung. Auch ein Konsens/Dissens-Papier hätte ja ein gemeinsame Bewertung über den Prozeß sein können, den die damalige Volksinitiative Tschüss Kohle als Kompromiss mit Senat und Bürgerschaft vereinbart hatte. UPDATE: TK informiert als Reaktion auf meinen Hinweis, dass es eine gemeinsame Bewertung gibt, die aber weder der Senat noch das Unternehmen veröffentlich haben und auch TK erst jetzt nachreicht. Direkt jetzt hier als PDF. Vielleicht auch eine Art Hinweis? umweltFAIRaendern stellt das hier ungelesen online zur Verfügung.

Dokumentationen:

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan und der Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke Christian Heine (HEnW) haben heute den aktuellen Stand des Konzept zur Vollendung des Hamburger Kohleausstiegs vorgelegt. Das Heizkraftwerk Tiefstack soll als letztes Hamburger Kohlekraftwerk durch verschiedene klimaneutrale Wärmelösungen ersetzt werden. Dazu gehören u.a. Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung, Power-to-Heat und vor allem Flusswärmepumpen, die Wärme aus der Norderlebe und der Bille gewinnen sollen.

Zusätzliche Wärmelieferungen kommen aus Abwärme der Kupferhütte Aurubis sowie der Müllverwertung Borsigstraße, die durch technologische Innovationen die Wärmelieferung künftig deutlich erhöhen kann. Zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten wird das bestehende Heizkraftwerk Tiefstack auf den wahlweisen Einsatz von Erdgas oder nachhaltiger Biomasse aus Rest- und Schadholz umgestellt. Eine neue Wind-zu-Wärme-Anlage, ein großer Wärmespeicher sowie ein saisonaler Aquiferspeicher erhöhen die Flexibilität und runden das Konzept ab.

Jens Kerstan, Senator  für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Das vorgestellte Konzept für den vollständigen Kohleausstieg ist ein Quantensprung für die Fernwärmeversorgung der Zukunft. Wie auch bei der Abwasserwärmepumpe des Energiepark Hafens, setzen wir mit dem Energiepark Tiefstack und der vorgeschlagenen Flusswasserwärmepumpe bundesweitweit Maßstäbe. Wichtige Teile zum aktuellen Stand des Konzepts müssen noch vertiefte Machbarkeitsuntersuchungen durchlaufen, doch ein großer Teil befindet sich schon jetzt in konkreter Umsetzung: Die Abwärme aus Aurubis und die zusätzliche Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße werden bereits 2025 in vollem Umfang zur Verfügung stehen und den Einsatz von Kohle in Tiefstack deutlich reduzieren. Wir werden damit den Anforderungen des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes gerecht, den Einsatz von Kohle bis zum endgültigen Ausstieg weitestgehend zu reduzieren. Der Kohleaussteig soll bis spätestens 2030 vollzogen sein – mit dem vorgestellten Konzept sehen wir die Chance, den Ausstieg ein bis zwei Jahre früher möglich zu machen. Mein besonderer Dank gilt dem Beteiligungsgremium, das über anderthalb Jahre maximal in Anspruch genommen wurde. Dieser vorbildliche Beteiligungsprozess hatte den Anspruch, die Schritte und Planungen nachvollziehbar darzulegen und wichtige Impulse mitzugeben. Dies ist uns gelungen.“

Christian Heine, Sprecher der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke: „Das vorliegende Konzept für den Energiepark Tiefstack ist innovativ, klimafreundlich und erlaubt maximale Flexibilität bei der Auswahl der Wärmequellen. Wir erleben aktuell turbulente Zeiten an den Energiemärkten, die uns zeigen, dass Klimaschutzmaßnahmen auch einen Beitrag zur Unabhängigkeit von Brennstoffimporten und der Bezahlbarkeit von Wärme leisten können. Niemand weiß heute genau, wie sich die Energiepreise in naher Zukunft weiter entwickeln werden. Wir haben aber mit dem Konzept eine nachhaltige und belastbare Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit und stellen uns damit gern der öffentlichen Diskussion.“

Mit der Fertigstellung des Energieparks Tiefstack sinken die CO2-Emissionen der zentralen Hamburger Stadtwärmeversorgung gegenüber heute um 70 bis 80 Prozent. Der Kohleausstieg wird bis spätestens 2030 umgesetzt. Die Hamburger Energiewerke leisten mit den Energieparks Hafen und Tiefstack den größten Einzelbeitrag zum Erreichen von Hamburgs Klimazielen.

Den größten Anteil grüner Wärme sollen künftig Flußwärmepumpen zum Energiepark Tiefstack beisteuern, die ihre Wärme überwiegend aus Bille und Elbe gewinnen. Die beiden Wärmepumpen können mit zusammen rund 230 Megawatt Leistung 130.000 Haushalte mit grüner Wärme versorgen und wären derzeit die größten in Deutschland geplanten Anlagen.

Der Vorstellung des Konzepts ging ein eineinhalbjähriger Beteiligungsprozess voraus. Zehn Workshops liegen hinter dem Tiefstack Beteiligungsgremium. Zahlreiche Varianten für den Ersatz des letzten verbliebenen Hamburger Kohlekraftwerks wurden mit den Expertinnen und Experten aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaft, Gewerkschaften und Unternehmensverbänden diskutiert. Jetzt liegt ein Konzept der Hamburger Energiewerke unter Mitwirkung von Hamburg Institut, BET und GEF vor, das aufzeigt, wie der Kohleausstieg in der Hansestadt gelingen kann. Der Energiepark Tiefstack wird künftig den Hamburger Osten mit überwiegend klimaneutraler Wärme versorgen und dafür vor allem vorhandene Wärmequellen der Metropole Hamburg nutzen.

Dieses Konzept stellt sich nun auch der Diskussion in der breiten Öffentlichkeit.

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Tiefstack: BUND fordert konsequenteren Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energie

17. Juni 2022 | Energie, Klimaschutz

Geplante Flusswärmepumpen sind innovativ / Gasoption ist verantwortungslos / Klimaschutz in der Wärmeerzeugung muss wichtiger sein als Wirtschaftlichkeit

Zur heutigen Vorstellung des Konzepts zum geplanten Kohleausstieg im Kraftwerk Tiefstack kritisiert der BUND Hamburg insbesondere, dass Hamburg bis zu 30 Prozent weiterhin auf Verbrennung setzt, um die Kohleverfeuerung zu ersetzen. Die geplanten Flusswärmepumpen hingegen seien zukunftsweisend und für eine Stadt am Wasser der richtige Weg, um in Kombination mit Industrieabwärme, Sonne und Wind aus der Verbrennung von fossiler Energie und Biomasse auszusteigen.

„Hamburg ist auf dem richtigen Weg, um im Wärmesektor klimaneutral zu werden, geht diesen jedoch nicht konsequent“, kritisiert Lucas Schäfer Geschäftsführer des BUND Hamburg. „Der Ukrainekrieg führt uns schmerzhaft vor Augen, dass Erdgas als Übergangstechnologie für den Kohleausstieg nicht in Frage kommen kann. Die Alternative „Flüssiggas“ ist derart umweltschädlich, dass es verantwortungslos ist, diesen Brennstoff im großen Stil in Kraftwerken zu einzusetzen“, so Schäfer weiter.

Dasselbe gelte für die Verbrennung von Biomasse, die in ausreichender Menge als Rest- und Schadholz für den Betrieb von Kraftwerken nicht zur Verfügung stehe. Es gebe dafür mehr als genug Bedarf in kleineren Feuerungsanlagen, aber auch die chemische Industrie melde angesichts der aktuellen Entwicklung des Öl- und Gasmarktes bereits Bedarf an.

„Hamburg sollte sich die Umrüstung von Tiefstack auf die Verbrennung von Holz- und Gas komplett sparen und für den Bedarf in Spitzenlastzeiten komplett auf flexible Wärmespeicher setzen. Das ist vielleicht teurer, aber der Klimaschutz darf nicht am Geld scheitern. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig“, so Lucas Schäfer.

Neben einem konsequenten Verzicht auf die CO2-Emissionen im künftigen Energiepark Tiefstack fordert der BUND deshalb eine kurzfristige Alternativenprüfung aus wirtschaftlicher Sicht sowie eine auf Hamburg bezogene Analyse aller Einsparpotenziale im Wärmesektor. Beides zusammen müsse im neu eingesetzten Hamburger Energiewendebeirat fachöffentlich diskutiert werden.

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Kohleausstieg bis 2028 ist machbar – HEnW Konzept transparent und konstruktiv diskutieren

Die heutige Vorstellung des technischen Konzepts der Hamburger Energiewerke  (HenW) für die Fernwärmeversorgung ohne Kohleverbrennung am Standort Tiefstack bildet den Abschluß der Tätigkeit im „Beteiligungsprozess Tiefstack“.

(Hinweis: mit diesem link kommt man auf die Konzept-Präsentation der HEnW)

Als Teil der Projektgruppe Tschüss Kohle als Nachfolge der damaligen Volksinitiative haben vier Vertreter*innen der „Kampagne #TschuessKohle“, des Zukunftsrats und des „Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit“ innerhalb von 18 Monaten an zehn Arbeitssitzungen und drei Debattenworkshops im Beteiligungsgremium Tiefstack (BGT) teilgenommen. Die Projektgruppe Tschüss Kohle hat eine Stellungnahme zum Konzept der HEnW und sowohl zum Ablauf als zum Ergebnis des Prozesses verfaßt, die hier abrufbar ist.

Die HEnW hat zügig und konzentriert ein Konzept entworfen, das ab heute öffentlich diskutiert werden kann. Wir rufen die Zivilgesellschaft auf, sich an der Diskussion zu beteiligen.

In Anbetracht der fortschreitenden Klimakrise muss der Fokus auf der Verdrängung von Wärmeerzeugung durch klimaschädliche Verbrennung liegen.
Daher halten wir die schnelle Realisierung der beiden geplanten Flusswasser-Wärmepumpen unabhängig von der finalen Entscheidung über das Gesamtkonzept für erstrebenswert.
Wir kritisieren, dass holzartige Biomasse als klimaneutral berechnet wird, und begrüßen daher, dass die Entscheidung über den Einsatz von Biomasse noch nicht gefallen ist.

Als Versäumnis sehen wir, dass die BUKEA den vertraulichen Beteiligungsprozess nicht durch eine öffentliche Diskussion der zentralen Fragen ergänzt hat. Daher muss die BUKEA die öffentliche Debatte jetzt schnell und leicht zugänglich aufsetzen.

Hamburg, den 27.6.2022, Projektgruppe Tschüss Kohle

Hamburg: 36 radioaktive Transporte für Betrieb von Atomanlagen in den letzten drei Monaten

Von Ende Februar bis Ende Mai 2022: 13 Mal Uranbrennstoff per LKW, z.b. von Atomanlagen in Lingen nach Schweden, von Schweden über Deutschland nach Frankreich oder von URENCO (Almelo) nach Schweden. In 23 weiteren Fällen gingen große Mengen sonstiger radioaktiver Stoffe, meist radioaktive Vorprodukte zur Herstellung von Uran-Brennstoff für Atomkraftwerke, per Schiff über den Hamburg Hafen.

Canada, USA, Belgien, Namibia, Korea sind die Abnehmer- oder Lieferländer. Urankonzentrat aus den Minen und Uranhexafluorid werden transportiert , aber auch Cobald-60 Radium-226, Cäsium und andere Stoffe, die für die Nutzung der Atomenergie direkt oder indirekt eingesetzt werden. Bei insgesamt 213 Kontrollen hat es in 18 Fällen Beanstandungen gegeben, in einem Fall sicherheitsrelevate Mängel.

Das teilt der Senat in der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Linksfraktion Hamburg mit. Weil die Daten für sonstige radioaktive Stoffe sonst gelöscht werden, fragen Stephan Jersch und Norbert Hackbusch vierteljährlich die Atomtransporte-Daten für Hamburg ab. Die Daten werden aufgrund bestehender Geheimhaltung erst nach dem jeweiligen Transport veröffentlicht.

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