Beteiligung Russlands an der Uranfabrik ANF Lingen könnte untersagt werden – BMUV legt rechtliche Prüfung vor

Trotz Atomausstieg sind die deutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen weiter in Betrieb. In Lingen werden bislang Brennelemente für den Einsatz ist westlichen Atomreaktoren hergestellt. Der Betreiber, der französische Atomkonzern Framatome, will jedoch gemeinsam mit der zur russischen Rosatom gehörenden Tochter TVEL künftig auch Brennelemente für Atomreaktoren russischer Fertigung in Osteuropa herstellen. Trotz des Krieges in der Ukraine hat die EU bislang keinerlei Sanktion zu den Urangeschäften mit Russland verhängt. Auch die USA sind weiterhin beim Uranhandel eng im Geschäft mit Russland. Während für das laufende Genehmigungsverfahren derzeit die (technischen) Antragsunterlagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung ausliegen, hat das Bundesumweltministerium eine Prüfung vorgenommen, ob die Beteiligung Russlands an der Anlage in Lingen vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine Risiken birgt, die jenseits technischer Aspekte eine Untersagung erlauben. Das BMU schreibt: „Zur Verwendung im Rahmen der Bundesaufsicht hat das Bundesumweltministerium bei Prof. Dr. Gerhard Roller das hier verfügbare Rechtsgutachten über die Berücksichtigung der Belange der inneren und äußeren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Versagungsermessens nach § 7 Absatz 2 AtG eingeholt.“ Siehe dazu auch unten. Die Stellungnahme zeigt auf, dass die Beteiligung Russlands untersagt werden kann.

Dokumentation von der Homepage des BMUV 13.2.2024

„Das Bundesumweltministerium ist der Auffassung, dass der Atomausstieg in Deutschland nicht mit der Produktion von Brennelementen für Atomanlagen im Ausland vereinbar ist. Deshalb setzt es sich grundsätzlich weiter für eine Schließung der Anlagen in Lingen und Gronau ein. Diesbezüglich wurden aber keine Festlegungen im geltenden Koalitionsvertrag getroffen und die für eine Änderung der Gesetzeslage notwendige Mehrheit im Deutschen Bundestag ist derzeit nicht ersichtlich.

Eine aktuelle Verfolgung der genannten Einschränkungen ist insbesondere aufgrund der Folgen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine nicht erfolgversprechend, da die Anlagen derzeit auch die Abhängigkeit der atomkraftnutzenden Staaten von Russland reduzieren. Die Bundesregierung setzt sich generell dafür ein, die europäische Abhängigkeit von Russland im zivil-nuklearen Bereich zu reduzieren. Die Betreiberin der Urananreicherungsanlage in Gronau hat nach eigenen Angaben und auf freiwilliger Basis die Zusammenarbeit mit russischen Firmen beendet. Solch eine Entscheidung liegt jedoch bei der jeweiligen Unternehmensführung, eine rechtliche Grundlage um eine Beendigung der Zusammenarbeit mit Russland durchzusetzen, gibt es derzeit nicht.

Über die Sanktionen gegen Russland entscheidet ausschließlich die Europäische Union. Die Beratungen zu diesem Thema unter den EU-Mitgliedstaaten dauern an.

Dem niedersächsischen Umweltministerium (NMU) als zuständiger Genehmigungsbehörde liegt ein Antrag der Betreiberin der Brennelementfertigungsanlage in Lingen auf Änderungsgenehmigung nach § 7 des Atomgesetzes (AtG) zur Fertigung hexagonaler Brennelemente für den russischen Reaktortyp WWER-1000 vor. Dabei soll ein Brennelement-Design eines russischen Lizenzinhabers verwendet werden. Zur Verwendung im Rahmen der Bundesaufsicht hat das Bundesumweltministerium bei Prof. Dr. Gerhard Roller das hier verfügbare Rechtsgutachten über die Berücksichtigung der Belange der inneren und äußeren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Versagungsermessens nach § 7 Absatz 2 AtG eingeholt.“

Hochradioaktiver Atommüll in Gorleben und anderswo: Verlängerte oberirdische Lagerung und erhöhte Sicherheitsanforderungen

Wie geht es weiter mit der um viele Jahrzehnte länger andauernden oberirdischen Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle? Nicht nur technische Fragen werden bedeutsamer, wenn diese Form der Lagerung in Castor-Behältern aufgrund der immer neuen Verzögerungen bei der Endlagerung immer länger andauert. Die Fragen, wie lange bestrahlte Brennstoffe, Brennelemente, Einbauten, Behälter und auch die Gebäude ausreichend gesichert sind, wenn statt bislang geplanter 40 Jahre die oberirdische Lagerung 100 Jahre oder mehr dauern könnte, müssen geklärt werden. Nicht nur in Gorleben und Ahaus drängen diese Fragen, denn die Altanlagen brauchen schon bald komplett neue Genehmigungen.

Behörden sind am Start, aber Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Hinzu kommen sogenannte „zivilisatorische“ Risiken, die durch erhöhte Terrorrisiken in einer instabiler werdenden Welt entstehen. Und neuerdings zeigt der Krieg Russlands gegen die Ukraine, dass Atomanlagen zum Kampfmittel werden bzw. von schweren Kriegswaffen getroffen werden könnten (Stichworte Tschernobyl, Saporischschja).

Das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) hatte bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass die Atomlager gegen diese Risiken nicht ausgelegt sind. Nun gibt es mit Chris Kühn einen neuen BaSE-Chef. Atomkraftgegner:innen fordern seit langem, eine deutlich verbesserte Sicherheitsauslegung zu entwickeln und umzusetzen. Die BI Lüchow-Dannenberg hat beim Bundesumweltministerium nachgefragt, was nun passieren soll. UmweltFAIRaendern dokumentiert die PM der BI und die Antworten aus dem BMU.

Dokumentation: Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Zwischenlager Gorleben: „Mauerbau reicht nicht als Schutz“

Der parlamentarische Umweltstaatssekretär Chris Kühn wechselt an die Spitze des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) und tritt die Nachfolge von Wolfram König an. Kühn hatte sich im Rahmen eines Wendlandbesuchs am 9. Oktober auf einer öffentlichen Veranstaltung in Trebel zum Thema verlängerte Zwischenlager fleißig Notizen gemacht, viele Fragen aber blieben unbeantwortet. Die Rechtshilfe Gorleben, die Bäuerliche Notgemeinschaft und die BI hakten nach. Denn 2034 verliert die Castorhalle ihre Genehmigung und die Frage ist, wie es dann in Gorleben weitergeht.

Nun kam das lang erwartete Statement seitens des Bundesumweltministeriums (BMUV). Zum einen wird betont, dass das Forschungsprogramm zur Langzeitlagerung hochradioaktiver Abfälle umfassender sei als das, was die Zwischenlagerbetreiberin BGZ verantwortet.

„Doch geschummelt wird in der Antwort, wenn behauptet wird, der seit langer Zeit geplante Mauerbau rund um das Lager sei eine Antwort auf neue Bedrohungsszenarien, die sogar mit dem Ukraine -Krieg zu tun hätten“, betont Ehmke. Voller Sorge schaue man ständig auf das umkämpfte Atomkraftwerk Saporischschja. „Krieg und Atomanlagen – das hielt man für undenkbar, das geht nicht zusammen und eine 10 Meter hohe Mauer bietet keinen Schutz.“

Es fehlten in dem  BMUV-Schreiben entsprechende Antworten auf die Nachfrage, ob und wie diese Lager gegen neue Waffensysteme, Drohnen etc. „gehärtet“ werden könnten. Auch der BI-Hinweis auf die viel kompakteren Wandstärken anderer Lagerhallen im Vergleich zu Gorleben wurde in dem BMUV-Schreiben nicht aufgegriffen.

Immerhin werde ein klein bisschen in Aussicht gestellt, dass es auch für Ahaus und Gorleben, den Lagern mit den geringsten Wandstärken, ein Überflugverbot geben könnte, was es an den kraftwerksnahen Standorten gibt, eben weil sie AKW-Standorte waren.

The Boss! NO NUKES – Born to run

No Nukes, der Moment, an dem die Atom-Uhr stillstand. Harrisburg. Three Mile Island. Der Super-Gau auf dem Weg. Fünf Minuten vor Gorleben. A little before Tschernobyl. Die Warnung vor dem nuklearen Overkill. The Boss: Bruce Springsteen und viele andere gegen Atomenergie. USA: NO NUKES! Born to run! Hier datenfreundlich statt auf Youtube direkt, was Gemeinwohl ist: https://yt.artemislena.eu/watch?v=k_4g-e8fhg4

Suche nach Invidious!

Grüne Atom-Personal-Politik: Demokratisierer Wolfram König geht – ein Grüner kommt.

Wolfram König, ab 1999 Präsident des nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1989 entstandenen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und noch wenige Tage amtierender Präsident des im Zuge des Atomausstiegs nach der Atomkatastrophe von Fukushima neu entstandenen Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) geht in wohlverdiente Rente. Er hat – mit seinem Team – eine politisch motivierte Pro-Atomenergiebehörde aus dem Filz von CDU/CSU SPD und FPD übernommen und über die Jahre gegen massive Widerstände innerhalb der Behörde und drumherum, zu einer wissenschaftsbasierten, nicht vor allem wirtschaftspolitischen Interessen untergeordneten Fachbehörde, umgebaut. Damit hat er erhebliche Verdienste, um aus einem Bundesamt unter nuklearem Lobby-Einfluss aus Politik und Wirtschaft eine staatliche Institution zu entwickeln, die pluralistischen Vorstellungen und Bürger:innen-Interessen offen war, dabei wissenschaftlichen und demokratischen Zusammenhängen verpflichtet.

So jedenfalls war es der Anspruch, der in sehr vielen Aspekten Einfluss auf die Demokratisierung staatlicher Verwaltung hatte. Aber es gibt alte oder neue Probleme, die König und das BaSE über Grenzen hinaus in ein schräges Licht rückten: Ausgerechnet BaSE entwickelte sich zu einem Konfrontationsfall, der die Partizipation und den Neustart der Suche nach einem Atommülllager für hochradioaktiven Atommüll – formerly known as voted by politics called Gorleben – schwer belastete. Ganz offenkundig war das BaSE erschüttert, weil das Projekt ASSE II mit seinen hohen Ansprüchen an eine Bürger:innen-Beteiligung „aus den Fugen“ geriet. Das hatte Gründe, gute wie schlechte.

Die Behörde hat versucht, ihre Perspektive zu erläutern. Vielleicht hat sie aber zuletzt zu wenig zugehört? Wichtig aber auch: Populismus nahm Raum. Dennoch: Mit Wolfram König geht einer in Rente, der von der Sache wusste, worum es ging und der der Demokratie verpflichtet war_ist. Sogar Lesch, Harald war dabei und begründete unabhängige gemeinwohlorientierte Wissenschaft. Nachfolger bei BaSE als Präsident, der neue:  Chris Kühn.

Ein Grüner, langjähriger MdB aus dem Süden, der mit der Regierungsbeteiligung der Grünen zum Staatssekretär im BMU befördert wurde, mit sehr wenig fachpolitischem Hintergrund Chef in den Aufsichtsräten der Betreibergesellschaften für die Endlagerung (BGE) radioaktiver Abfälle und für die Zwischenlagerung dieser Abfälle (BGZ) zuständig war. Nun wechselt dieser Chris Kühn vom Aufsichtsrat als Betreiber in Sachen Atommülllagerung (GmbH) in diejenige Behörde, die für die Genehmigungen und die Aufsicht über die Unternehmen der Atommülllagerung zuständig ist. BaSE über den neuen Präsidenten, der dafür sein Bundestagsmandat niedergelegt hat. Beides unter dem Dach des BMU. Und klar, im einzelnen ist vieles komplizierter, schlimmer und anders.

„Das Atomzeitalter in Westfalen. Von der Zukunft zur Geschichte“ – Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen

Geschichte ist „Das Atomzeitalter in Westfalen“ leider nicht, wie ein Katalog zur Wander-Ausstellung des Museumsamts beim Landschaftsverband Westfallen-Lippe es untertitelt. In Ahaus liegt weiterhin jede Menge Atommüll von leicht-, über mittel- bis hin zu hochradioaktivem Atomerbe rum und es soll mehr dazu kommen. In Gronau steht immerhin eine Uranfabrik, deren nukleare Zukunft derzeit auch die Grünen nicht mehr antasten. Die Anlage verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung und wird derzeit sogar noch ausgebaut. Der Titel mag griffig klingen, geht aber eben an der Wirklichkeit vorbei. Allerdings: die Atomstromerzeugung ist vorbei. Richtig ärgerlich ist der Katalog zur Ausstellung, weil er es zulässt, dass ausgerechnet der Chefverwalter einer komplett desaströsen Reaktorentwicklung – dem ehemals als Exportschlager gedachten Hochtemperatur-Reaktor in Hamm –  erlaubt wird, die Gründe des Scheiterns dieser Technik konsequent zu ignorieren. Soviel Realitätsverlust darf nicht sein – jedenfalls nicht bei einem Museumsamt. Mit dieser Einschränkung und einer weiteren strukturellen Schwäche, die allerdings insgesamt weit verbreitet ist, ist der Katalog trotzdem ein lobenswertes Projekt der „Kulturdienststelle“ LWL Museumsamt für Westfalen im Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, weil es immerhin eine Aufarbeitung angeht, um die Atomkontroverse in der Bundesrepublik in einer kleinen Region links von Bielefeld zu beleuchten.

Zeitzeugen kommen zu Wort, Erwartungen und (nicht erfüllte) Hoffnungen, Risiken und Techniken der Atomenergie in Westfalen und NRW und darüber hinaus werden ausgeleuchtet. Die meisten Autor:innen reflektieren., pro, contra, erwähnen Möglichkeiten, nennen Mängel und Scheitern. Viel wird in den Beiträgen auch vom nuklearen Zwilling der Atomenergie gesprochen: Den Atomwaffen. Das hätte unbedingt, gerade im Land von Plutoniumreaktoren (Kalkar) und Hochtemperatur-Reaktoren in einem eigenen Kapitel gewürdigt werden müssen, allemal, wenn man der Uran-Zentrifuge und ihrer Bedeutung für die Atomwaffen einen eigenen Beitrag widmet.Die Wanderausstellung startete im Sommer 2023 mit der Stilllegung der letzten Atomreaktoren in Deutschland und ist seitdem auf Rundreise. Derzeit ist sie in Minden auf Station.

Autoren, wie der Politik- und Sozialwissenschaftler Frank Uekötter (Anatomie eines Atomstaats) sind ebenso dabei, wie die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claussen (Kurze Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in Nordrhein Westfalen – von ihren Anfängen bis heute) und andere. Christian Möller ordnet die Atomenergiepolitik in NRW seit den 1950er Jahren auch vor dem Hintergrund der Bedeutung der Kohle ein.

Frank Dittmann geht in seinem Beitrag auf einen der „Erfinder“ der Ultragaszentrifugentechnik zur Urananreicherung ein und erinnert an Gernot Zippe. Auf dieser Technik basiert bis heute im Grundsatz die Uranfabrik in Gronau und diese Technik ist bis heute noch Weltstandard – und international ein großes Sorgenkind: Denn diese Technik ist im Grundsatz in der Lage, atomwaffenfähiges Uran herzustellen. Dittmann beschreibt in seinem Beitrag die Arbeiten in der ehemaligen Sowjetunion und deren Atomwaffenprogramm. Er spricht auch die Problematik an, dass die Zentrifugen-Technik besonders brisant ist und erhebliche Sicherheitsstandards und Kontrollen erfordert. Gerade diese Hintergründe und der Weiterbetrieb der Uranfabrik in Gronau hätten eigentlich einen anderen Titel der Ausstellung bzw. des Katalogs erfordert.

Die Urananreicherungstechnik in Gronau ist verbunden mit einer militärischen Perspektive auf die Atomenergienutzung. Dies wäre ein Aspekt, der angesichts zweier weiterer Atomanlagen in Westfalen/NRW ein eigenes Kapitel verdient hätte, wenn man die beiden Thorium-Hochtemperatur-Reaktoren in Jülich und in Hamm mit in den Blick nimmt. Denn diese beiden Spezialmodelle von Atomreaktoren basierten auf über 90 Prozent hochangereichertem und damit atomwaffenfähigem Uran235. Es wäre sicher verdienstvoll gewesen, eine Aufarbeitung zumindest anzuschieben, die der Frage nachgeht, warum ausgerechnet in Westfalen und NRW diese Technologie am Rande der Atomwaffe so intensiv entwickelt und vorangetrieben wurde.

Befremdlich ist aber besonders die Auswahl des Autoren, der über die THTR-Reaktoren berichten darf. Ausgerechnet der jetzige Chef des stillgelegten THTR-300 darf in dem Katalog einen Text schreiben, der  nicht nur diese Brisanz des für diese Reaktorlinie notwendigen (atomwaffenfähigen) Brennstoffes vollkommen unerwähnt lässt (Schrottreaktor THTR 300 bei Wikipedia). Nicht auszudenken, wenn diese Reaktorentwicklung funktioniert hätte und im Sinne der deutschen Atomwirtschaft zum Exportschlager geworden wäre! Gott sei Dank war aber diese Reaktorentwicklung derartig störanfällig und die Kosten derart extrem, dass der THTR (ThoriumHochTemperaturReaktor) in Hamm vor einer Katastrophe schnell abgeschaltet wurde. 1983 ging der Reaktor testweise in Betrieb, 1987 ist er an den Betreiber übergeben worden und im September 1989 aus technischen, sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Überlegungen nach nur 423 Tagen Volllastbetrieb endgültig stillgelegt worden. Auch der Prototyp-Reaktor AVR in Jülich, wenn man so will das Vorbild für den THTR-300, war alles andere als funktionsfähig. Schwere Störfälle waren sogar von dem Betreiber seinerzeit verschwiegen worden, um weiterhin an dem Modell experimentieren zu können. Zu all diesen Dingen informiert oder berichtet der Autor mit keinem einzigen Wort oder gar Quellenhinweis. Eigentlich nicht nachvollziehbar, dass der komplett einseitige und ignorante Text trotzdem veröffentlicht wurde.

Unten ist die PM des LWL-Museumsamtes als Dokumentation zu finden. Die Wanderausstellung ist in 2024 an folgenden Orten zu finden:

  • Mindener Museum, 13. Januar bis 10. März 2024
  • Stadtmuseum Lippstadt, 17. März bis 12. Mai 2024
  • Stadtmuseum Brakel, 19. Mai bis 14. Juli 2024
  • Museum Wendener Hütte, 21. Juli bis 15. September 2024
  • Museum Bünde, 22. September bis 17. November 2024

Dokumentation Presse Presse-Infos | Kultur

„Das Atomzeitalter in Westfalen. Von der Zukunft zur Geschichte“

Eine Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe

Am 15. April 2023 endete eine Ära: Deutschland stieg nach langem Hin und Her aus der Stromproduktion durch Kernenergie aus. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt aus diesem Anlass die Wanderausstellung „Das Atomzeitalter in Westfalen. Von der Zukunft zur Geschichte“. Sie bietet eine historische Rückschau auf die Geschichte der Atomkraft mit Fokus auf Westfalen-Lippe wie auch einen Blick auf aktuelle Debatten und die Zukunft. Die Ausstellung ist ab dem 18. Juni im Museum im „Stern“ in Warburg (Kreis Höxter) zu sehen und wandert danach durch sieben weitere westfälische Museen.

Das Thema Kernenergie beschäftigt die Bundesrepublik Deutschland fast seit ihrem Bestehen. Gesellschaft, Politik, Unternehmen und Forschung ringen seitdem um Wahrheit und Zukunftsgestaltung. Die Ausstellung geht dem Thema in drei Kapiteln nach. „Akteur:innen stehen im Mittelpunkt des ersten Ausstellungsbereiches“, so Kuratorin Sarah Pfeiffer vom LWL-Museumsamt für Westfalen. „Hier kommen Menschen zu Wort, deren Leben durch ihre Arbeit und ihr Engagement mit der Geschichte der Kernkraft verbunden ist. Sie berichten aus ihrer Perspektive und bewerten ihre eigene Rolle darin.“ Rund die Hälfte der Leihgaben wurde von den Akteur:innen selbst zur Verfügung gestellt. Die Exponate stammen von Initiativen und Einzelpersonen der Anti-AKW-Bewegung, aus der Nuklearbranche, aus Politik und Verwaltung. Alle beschäftigen sich thematisch auf unterschiedliche Weise mit Kernenergie. Präsentiert werden etwa Kleidungsstücke wie Unterwäsche für den Kontrollbereich von der Hochtemperatur-Kraftwerk GmbH, der feuerrote Lautsprecherwagen, der die Initiative „Kein Atommüll in Ahaus e.V.“ lange Zeit auf Demonstrationen begleitete, die Atomkraftwerk-Dampfmaschine R200 der Lüdenscheider Firma Wilesco und ein Bergebehälter für kontaminiertes Material der Feuerwehr Münster. Mit Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ist auch ein Klassiker aus dem westdeutschen Fernsehen zu sehen, der die Atomkraft thematisiert.

Dem Rückblick auf die Vergangenheit widmet sich der zweite Teil der Ausstellung, mit den vier westfälischen Atomstandorten Würgassen (Kreis Höxter), Hamm, Gronau und Ahaus (beide Kreis Borken) im Zentrum. Der Brennstoff steht dabei immer im Mittelpunkt, denn er ist sowohl Grundlage der Stromerzeugung als auch Ursache des gesellschaftlichen Konflikts um die Kernenergie. Anhand der vier Atomstandorte in Westfalen geht die Ausstellung der Frage nach, wie er hergestellt wird und was während der Stromproduktion und danach mit ihm passiert: In der Urananreicherungsanlage der „Urenco“ in Gronau wird das Brennmaterial bearbeitet, im Atomkraftwerk Würgassen und in Hamm-Uentrop kam es in unterschiedlicher Form zum Einsatz. Im Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus wird der abgebrannte Brennstoff untergebracht, bis voraussichtlich zwischen 2046 und 2068 ein Standort für das Endlager bestimmt und dieses anschließend eingerichtet worden ist.

„Klimawandel, der Beschuss des ukrainischen Kernkraftwerkes Saporischschja durch das russische Militär, Energieknappheit und Laufzeitverlängerung – lange wurde das Thema Atomkraft nicht mehr so kontrovers diskutiert wie in den letzten anderthalb Jahren“, sagt Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Museumsamtes Westfalen. Im dritten Teil der Ausstellung wird diesen aktuellen Debatten nachgegangen. Welche Auswirkungen hatten sie auf die Menschen und ihre Haltung? Hierzu können sich Besuchende in der Ausstellung äußern. Außerdem geht es um die Frage, was von der Geschichte der Kernenergie in Deutschland übrigbleibt. Innerhalb der interaktiven Station „Wissen bewahren zu Westfalen“ können Besucher:innen ortsbezogen Wissen hinterlassen und so gemeinsam Geschichte schreiben.

Zur Ausstellung wird in Kürze ein etwa 150-seitiger Katalog erscheinen, mit zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Textbeiträgen. Er vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Der Katalog wird im Buchhandel und an den Ausstellungsstationen erhältlich sein. Darüber hinaus gibt es ein museumspädagogisches Begleitprogramm mit Führungen. An jedem Standort wird auch eine Führung für blinde und sehbehinderte Besucher:innen angeboten.

„Das Atomzeitalter in Westfalen. Von der Zukunft zur Geschichte“ – Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen

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