Plutonium in den USA: MOX-Fabrik vor dem Aus?

MOX-SRS-Schild34
Plutoniumfabrik in den USA vor dem Aus? Fotos auf dieser Seite: Moxproject.com

Die USA haben ein gewaltiges Plutonium-Problem: 34 Tonnen des Atomwaffen-Materials lagern derzeit aus militärischen Beständen, ohne dass klar ist, wie es künftig für militärische Zwecke unschädlich gemacht werden kann. Eigentlich war vorgesehen, das Plutonium zu sogenannten Mischoxid-Brennelementen zu verarbeiten und diese in Atomkraftwerken einzusetzen. Doch die Baukosten für die entsprechende Anlage an der Savannah River Site (SRS) explodierten. US-Präsident Obama lies den zu zweidritteln fertigen Bau stoppen und nach Alternativen suchen. Für den französischen Atomkonzern AREVA könnte das Ende der MOX-Anlage in den USA Folgen haben. Der schwer angeschlagene Konzern ist für den Bau der Anlage in den USA verantwortlich.

  • Der Bau der MOX-Anlage in den USA ist seit Jahren im Verzug. Die MOX-Fertigung selbst ist äußerst riskant. In Sellafield/UK wurde eine entsprechende Anlage nach reihenweisen Störfällen vorzeitig stillgelegt. In Deutschland wurde der Neubau einer Anlage von Siemens in Hanau ebenfalls nach Pannen in der Pilotanlage schließlich aufgegeben. In deutschen Reaktoren wurde und wird zwar noch MOX eingesetzt, die Fertigung dieser Brennelemente fand aber überwiegend in AREVA-Anlagen in Frankreich und Belgien sowie in geringerem Umfang in der genannten Anlage in Sellafield statt.
  • AREVA am Ende: Milliarden Subventionen und EDF

BBC berichtet, dass Obama den Ausbau der MOX-Anlage stoppen ließ, nachdem die geplanten Kosten von rund einer Milliarde US-Dollar auf inzwischen sieben Milliarden Dollar explodierten. „Even though their plant is two thirds complete, US President Barack Obama has halted construction as the project’s original price tag of $1bn (£613m) has risen to $7bn (£4.3bn).“

MOX-SRS-USA-AREVA-00Die Angaben über die bisherigen Kosten der geplanten MOX-Anlage variieren in den unterschiedlichen Quellen zwischen 5 – 7 Mrd. US-Dollar. Ein weiteres Problem für den geplanten MOX-Einsatz waren allerdings auch die us-amerikanischen AKW-Betreiber, die nicht wirklich am Einsatz dieser Brennelemente interessiert waren. Denn einerseits müssen für den MOX-Einsatz die Betriebsbedingungen angepasst werden, andererseits sind deutlich höhere Überwachungsmaßnahmen die Folge, wenn Plutonium in Form von MOX in der Anlage ist.

Eine neue Studie, die die US-Regierung in Auftrag gegeben hat, um die Kosten für den Weiterbau und die Kosten von Alternativen zu untersuchen, kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die („direkte“) Lagerung des Plutonium in New Mexico deutliche Kostenvorteile bieten würde. Statt das Plutonium zu Brennelementen für den AKW-Einsatz zu verarbeiten, sieht die jetzt zunächst betrachtete Alternative vor, das Plutonium mit anderem Atommüll zu vermischen und es dann in Spezialbehältern weiter zu lagern. Durch diese Vermischung würde das Plutonium durch den zugemischten höher radioaktiven Müll quasi vor einem späteren militärischen Missbrauch „geschützt“. Eingebunden in eine hoch strahlende Abfall-Matrix könnte es später nur mit hohem technischen Aufwand wieder isoliert werden.

The State schreibt: „The New Mexico option involves blending the excess plutonium at SRS with other material before shipment. The radioactive material would then be shipped from SRS and stored deep inside the WIPP facility, which has old salt caverns for waste disposal. DOE officials said last month this method would make the material less likely to be obtained by terrorists, who might be seeking to create nuclear bombs.“

Außerdem wird dort über die Kosten berichtet: „The study, commissioned by the U.S. Department of Energy, says it would cost $700 million to $800 million per year for the mixed oxide fuel program at the federal weapons complex in South Carolina.

But it says the cost for disposal at the Waste Isolation Pilot Plant in New Mexico would be about half that annually. The study was obtained in advance of its official release by an environmental group.

The study’s findings have been anticipated as federal policymakers weigh whether to scrap the mixed oxide fuel factory or press ahead. The project at SRS is about 70 percent complete but has cost the government about $5 billion so far. It could cost $30 billion over the life of the project to make plutonium blended fuel for use in nuclear power plants.“

Der Aiken-Standard informiert, dass nach der jetzt veröffentlichten Studie eine weitere Untersuchung noch im September folgen wird: „The highly anticipated, 47-page cost-analysis study of the Savannah River Site’s MOX project is finally available to the public. The study is Part 1 of a broad assessment of MOX alternatives. Part 2 will look at several other alternatives and is scheduled to be released in September.“

In dem Bericht heißt es auch, dass nicht nur die Kosten für die Variante des Vermischens von Plutonium mit radioaktivem Abfall geringer wären. Auch die Umweltrisiken sollen geringer sein: „“Risks associated with the (New Mexico) option are far lower than the MOX approach, since both the technology and the disposition process … are far simpler,’’ the study said, noting that the New Mexico proposal would rely on existing facilities“, schreibt The State.

Allerdings gibt es auch in New Mexico erhebliche Probleme. Die Anlage war nach einem Brand stillgelegt. „MOX plant proponents are sure to challenge the report’s findings, as are environmental groups in New Mexico that oppose bringing more waste into the WIPP facility when it reopens. The facility has been shuttered temporarily since a radiation accident last year.“ Anfang 2014 wurden in der „Waste Isolation Pilot Plant“ (WIPP) Beschäftige verstrahlt, hatte u.a. n-TV seinerzeit berichtet: „Mehrere Arbeiter eines Atomendmülllagers in den USA haben durch ein Leck radioaktive Strahlung abbekommen. Der Betreiber spricht aber nur von einer „minimalen Belastung“. Es ist nicht der erste Zwischenfall in diesem Monat.“ Weiter hieß es: „Durch ein Leck in einem Atomendmülllager in den USA sind nach offiziellen Angaben 13 Arbeiter leicht verstrahlt worden. Bei ihnen seien Spuren von Americium-241 festgestellt worden, die Belastung sei aber vermutlich „minimal“, erklärte ein Manager der Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) nahe Carlsbad in New Mexico, Jose Franco. Es sei verfrüht, über die möglichen gesundheitlichen Folgen der vorläufigen Testergebnisse zu spekulieren.“ Siehe auch AntiAtomFreiburg.

Außerdem berichtete der Sender über einen weiteren Vorfall: „Diesen Monat hatte es zudem einen unterirdischen Brand in der Anlage gegeben, als ein Lastwagen Feuer fing. Einige Arbeiter erlitten dabei eine Rauchvergiftung. Vertreter der Anlage sagten aber, der Brand sei nicht in der Nähe von radioaktivem Material gewesen. In der WIPP wird radioaktiver Müll, vor allem Plutonium, in einem Salzstock in 655 Metern Tiefe gelagert.“

Anfang April 2014 kam es zu einem weiteren Vorfall, bei dem wiederum vier Beschäftige einer radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren. (Ein entsprechender Bericht vom WDR dazu ist leider nicht mehr online verfügbar, weil er aufgrund von absurden Regelungen auf Druck der privaten Verleger beim WDR nach einer bestimmten Frist gelöscht werden muss.)

Die Infos waren hier. Nun findet sich dort nur noch dieser Hinweis: „Fehler HTTP 404 Seite nicht gefunden, Liebe Nutzer, leider ist die von Ihnen gewünschte Seite nicht verfügbar. Dies kann mehrere Ursachen haben.Es könnte sein, dass wir den von Ihnen gesuchten Inhalt inzwischen aus dem Netz genommen haben. Dafür kann es verschiedene Gründe geben, zum Beispiel, dass ein Inhalt nicht mehr zutreffend ist oder dass bestimmte Rechte und Lizenzen am Inhalt abgelaufen sind.Zudem sind viele verschwundene Seiten auf die Bestimmungen des 12. Rundfunkänderungs-staatsvertrags zurückzuführen. Danach dürfen wir unsere Inhalte nur noch zeitlich begrenzt anbieten und müssen sie danach ganz aus dem Netz nehmen. Auch in diesen Fällen erhalten Sie also eine Fehlerseite.“

Atomsubventionen, Hinkley Point und die EU: Bundesregierung bleibt tatenlos

EU-Atom-Subentionen-Juni2015-Berlin-2Die EU-Kommission hat der britischen Regierung per Beschluss erlaubt, mit Steuergeldern den Neubau von Atomreaktoren in Hinkley Point zu subventionieren. Das ist aus Sicht der Kritiker dieses Beschlusses nicht nur rechtswidrig, der Beschluss könnte auch Türöffner für andere EU-Staaten sein, die ebenfalls den Neubau von Atommeilern planen. Ohne staatliche Finanzhilfen – also mit Steuergeldern – wäre das aber unmöglich. Am „freien Markt“ hätte diese gefährliche Technologie keine Chance. Mit Beschwerden und Klagen reagieren nicht nur hiesige Ökostromer und Umweltverbände. Auch Österreich wird gegen die EU-Kommission vorgehen. Die Bundesregierung hingegen legt die Hände in den Schoß, dabei hatte eine Anhörung im Bundestag vor wenigen Tagen klare Handlungsoptionen aufgezeigt. Die Fraktionen der LINKEN und Grünen hatten diese mit Anträgen auf die Tagesordnung gesetzt. Uwe Witt, Referent für Energiepolitik der Links-Fraktion, hat über die Anhörung bei Nachhaltig-Links geschrieben. Der Text wird hier dokumentiert. (*) „Atomsubventionen, Hinkley Point und die EU: Bundesregierung bleibt tatenlos“ weiterlesen

AREVA am Ende: Milliarden Subventionen und EDF

areva-01
Der französische Atomkonzern AREVA bricht auseinander.

Der laufende Zusammenbruch des französischen Atomgiganten AREVA wird durch eine massive Staatsintervention aufgefangen. Die Regierung in Paris will den Bereich Entwicklung und Bau von Atomreaktoren der Électricité de France (EDF) einverleiben. Bei AREVA sollen laut Handelsblatt die Bereiche Uranversorgung und Atommüll (Wiederaufarbeitung) verbleiben. EDF, ebenso wie AREVA, zu fast 90 Prozent im Staatsbesitz, betreibt die rund 50 Atommeiler in Frankreich. Rund fünf Milliarden Euro Verlust hatte AREVA nach auch vorher schlechten Zahlen im letzten Jahr eingefahren. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von „nur“ rund 7/8 Milliarden Euro ist in mindestens dieser Größenordnung verschuldet. Weitere Rückschläge stehen schon vor der Tür: Bei den beiden AKW-Neubauten in Finnland und Frankreich gibt es massive Hinweise auf Materialfehler in den Reaktordruckbehältern, die AREVA teuer zu stehen kommen könnten, wenn sich diese bestätigen und der komplette Austausch erfolgen müsste. Betroffen könnten auch Neubauten z.B. in China sein. Die Projekte in Flamaville und Olkiluoto sind darüber hinaus ohnehin über Jahre verspätet und kosten inzwischen weit mehr als das doppelte der ehemaligen Planung. Und: Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Konzernspitze. „AREVA am Ende: Milliarden Subventionen und EDF“ weiterlesen

Bundesregierung muss handeln – Anhörung gegen Atom-Subventionen für AKW-Neubau Hinkley Point

Am 17. Juni wird es auf Initiative der Fraktion DIE LINKE im Wirtschaftsausschuss des Bundestags zu einer öffentlichen Anhörung kommen. Es geht um neue Atommeiler im britischen Hinkley Point. Die EU-Kommission hat mit einem Beschluss den Weg dafür frei gemacht, dass die britische Regierung zwei neue Reaktorblöcke mit massiven Steuer-Subventionen unterstützen darf. Die Bundestagsfraktion DIE LINKE hat die Bundesregierung per Antrag aufgefordert, alles politisch und rechtlich mögliche zu unternehmen, damit dieser EU-Kommissions-Beschluss zu Fall gebracht wird.

Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE: „Von Energiewende reden und in der EU den Neubau von Atomkraftwerken mit Steuergeldern der BürgerInnen tatenlos zulassen, so sieht das doppelzüngige Spiel der Bundesregierung in Sachen EU-Kommission-Beschluss zur Erlaubnis von milliardenschweren Steuersubventionen für den Neubau von Atomreaktoren in Großbritannien aus.“

Bereits bei der Einbringung des Antrags hatte Zdebel gefordert, „die Beihilfe dahin zu befördern, wo sie hingehöre: „in den Papierkorb.“ Denn sie sei ein „Schlag gegen die Energiewende“. Die Beihilfebewilligung durch die Kommission öffne die Tür für andere Regierungen, „die den unverantwortlichen Weg in die Atomenergie gehen wollen. Polen, Tschechien und andere Länder stehen bereits in den Startlöchern“. (siehe Das Parlament)

Ohne die staatlichen Garantien der britischen Regierung für den AKW-Neubau wären die neuen Atommeiler in Hinkley Point nicht finanzierbar. Immerhin werden die gesamten Kosten laut EU-Kommission auf derzeit 43 Mrd. Euro geschätzt. Mit dem Bau und Betrieb sind die wirtschaftlich schwer angeschlagenen französischen Firmen Electricite de France (EDF) und Areva beauftragt, außerdem sind zwei chinesische Partner (China General Nuc!ear Power sowie China National Nuc!ear Group) beteiligt.

Der Beschluss der EU-Kommission erlaubt es der britischen Regierung, dem künftigen Betreiber einen fixen Strompreis von rund zwölf Cent je Kilowattstunde über einen Zeitraum von 35 Jahren zuzusichern sowie Inflationszuschläge zu garantieren. Außerdem dürfen die hohen Risiken bei der Finanzierung der Neubauten durch staatliche Bürgschaften abgesichtert werden.

Gegen den EU-Kommissionsbeschluss geht die Regierung Österreichs massiv vor und informiert hier über ihr vorgehen und den Stand der Dinge. Deren Klageschrift ist so gut wie fertig gestellt. Im Standard erklärte Österreiches Bundeskanzler Werner Faymann vor wenigen Tagen: „Das wird dem Herrn Premierminister (David Cameron, Anm.) nicht freuen, aber uns freut das Atomkraftwerk auch nicht und uns freut’s auch nicht, dass da so hohe Subventionen gegeben werden.“

Von so einer Entschlossenheit kann bei der Großen Koalition in Berlin nicht die Rede sein: Auf der Seite des Bundestags wird die bisherige Haltung dargelegt: „Die Bundesregierung habe den Beihilfebeschluss der EU-Kommission zu Hinkley Point C faktisch und rechtlich analysiert. Danach enthalte der Beschlusstext keine beihilferechtlichen Aussagen, die nach Ansicht der Bundesregierung so offensichtlich rechtsfehlerhaft sind, dass eine Nichtigkeitsklage hinreichend erfolgversprechend wäre“, heißt es dort als Antwort auf eine Anfrage der Grünen.

„Die Tatenlosigkeit der Bundesregierung in Sachen Hinley Point und Atom-Subventionen ist ein Trauerspiel. Der Wirtschaftsminister Gabriel hat gern eine große Klappe, wenn es um Ankündigungen geht. Besser wäre, er würde konsequent handeln. Vor allem sein Haus muss jetzt gegen den EU-Beschluss vorgehen, notfalls mit einer Klage, entweder in eigener Regie oder als Beihilfe der Klage Österreichs. Auch die Klagen bundesdeutscher Stadtwerke und Ökostromer sollten von der Bundesregierung unterstützt werden,“ so Zdebel.

Mitmachen und unterschreiben:

Die Anhörung im Wirtschaftsausschuss ist öffentlich und wird im Live-Stream des Deutschen Bundestags übertragen: Zeit: Mittwoch, 17. Juni 2015, 11 bis 13 Uhr, Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Europasaal 4.900

Interessierte Besucher können sich beim Sekretariat des Ausschusses (Telefon: 030/227-37708, Fax: 030/227-36708, E-Mail: wirtschaftsausschuss@bundestag.de) unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums anmelden. Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden.

Krise der Atomkonzerne: Französischer Atomgigant AREVA vor dem Super-GAU

Blockade_Brennelementafabrik_in_Lingen_Areva_c_pay_numrich-1
Schaltet sich AREVA bald selbst ab? Foto: Pay Numrich

Der Stolz der Grande Nation bald ein Scherbenhaufen? 2014 erzielt der französische Atomgigant einen „Rekordverlust von 4,8 Milliarden Euro“… „Seither arbeitet die sozialistische Regierung von Präsident François Hollande an einem Rettungsplan.“ AREVA steht mit dem Rücken zur Wand. Die Misere spitzt sich zu, weil ausgerechnet der neue Super-Reaktor von einer Krise zur nächsten Panne taumelt. Der Reaktordruckbehälter des EPR-Neubau in Flamaville hat Mängel, die einen kompletten Austausch erforderlich machen könnten. China hat schon mal mit einem Baustopp reagiert. Das wird in jedem Fall teuer. AREVA ist mit Ausnahme des Betriebs der Atommeiler in allen Facetten des Atomgeschäfts aktiv. Um den wirtschaftlichen Super-Gau zu verhindern ist jetzt sogar eine engere Kooperation mit der EDF im Gespräch, dem zweiten Großkonzern im französischen Atomgeschäft, der die 58 Atomreaktoren betreibt.

Die Welt berichtet ausführlich über das gegenwärtige und möglicherweise kommende Desaster für AREVA. „Denn die Mängel, die die französische Atomsicherheitsbehörde ASN (Autorité de sûreté nucléaire) nun an dem Druckwasserreaktor in Flamanville entdeckte, werfen neue Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Atomkonzerns auf – denn das effizientere Druckwassersystem soll eigentlich eine neue Epoche der Atomkraft einläuten. Und die Mängel gefährden andere Projekte Arevas. So entschied China, wo der Konzern im Süden des Landes ebenfalls zwei EPR-Druckwasserreaktoren baut, die Arbeiten zu stoppen. Man werde keine Brennstäbe in die zwei Reaktoren in Taishan einsetzen, solange nicht alle Zweifel an der Sicherheit der Einrichtung komplett beseitigt seien, kündigte das chinesische Umweltministerium an. Die Reaktorbehälter müssen Temperaturen von mehr als 300 Grad und sehr hohen Druck aushalten. Und sie müssen über Jahrzehnte hinweg sicher sein. Doch die nun festgestellten Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung des Stahls an Deckel und Bodenplatte des Reaktorbehälters könnten nach Ansicht der französischen Atomsicherheitsbehörde zu Rissen führen. Sie will nun weitere Untersuchungen durchführen. Areva selbst beauftragte eine französisch-britische Gesellschaft als „unabhängigen Experten“ zusätzlich zu den eigenen, internen Überprüfungen.“

Das Handelsblatt hatte vor einigen Tagen ebenfalls über die massiven Probleme in Flamaville berichtet. „Das Reaktorprojekt EPR sollte der Atomkraft einen Aufschwung bescheren. Doch zahllose Pannen machen das Projekt zum Albtraum für die französischen Bauherren. Ein weiterer Konstruktionsfehler könnte nun das Aus besiegeln.“ Weiter heißt es dort: „Im Falle des EPR geht es um ein elf Meter hohes Stahltrumm mit fast fünf Metern Außendurchmesser, das über 500 Tonnen wiegt. Dieses Gefäß enthält die Brennstäbe, es muss Temperaturen von über 300 Grad und sehr hohem Druck standhalten. Es ist das einzige Bauteil, das nicht ausgetauscht werden kann. Deshalb muss es absolut zuverlässig sechzig Jahre lang den Reaktorkern einschließen. Genau diese Sicherheit wird beim EPR von der französischen Atomaufsicht ASN angezweifelt: „Es gibt ernste, sehr ernste Anomalien am Druckbehälter des EPR“ sagte Pierre-Franck Chevet, Chef der ASN, am Donnerstag. Deckel und Bodenplatte des Gefäßes wiesen Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung des Stahls auf. Die könnten zu Rissbildung führen. Bei ersten Tests hatte die ASN diesen fatalen Fehler festgestellt. Nun soll eine weitere Serie von Untersuchungen zeigen, ob sich die Defekte bestätigen. Sollte das geschehen, sind die Folgen für Chevet klar: „Entweder gibt EDF das Projekt auf, oder der Druckbehälter wird ausgetauscht, was hohe Kosten und mehrere Jahre Verzögerung bedeutet.““

Flamaville könnte zum Desaster für AREVA werden, schreibt jetzt auch die Welt: „Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt, dass die Kosten für den Druckwasserreaktor dort mittlerweile auf zehn Milliarden Euro gestiegen sind. Er sollte ursprünglich bereits 2012 in Betrieb gehen. Zuletzt war die Rede von 2017, aber angesichts der neuen Probleme dürfte auch dieses Datum schwer zu halten sein.“ Nicht erwähnt wird, aber die Frage stellt sich auch: Was eigentlich ist mit dem Druckbehälter im zweiten AREVA-Neubau im finnischen Olkiluto? Auch dort sind die Kosten über die Jahre explodiert und haben sich die Bauzeiten immer wieder verlängert.

Die Welt berichtet weiter: „Die sozialistische Regierung Hollandes arbeitet fieberhaft an Plänen, wie dem Atomkonzern finanziell wieder auf die Beine geholfen werden kann. Energieministerin Ségolène Royal versprach nun eine schnelle Entscheidung – und plädierte erneut für eine Annäherung des Atomkonzerns und des Reaktorbetreibers EDF.“ Ob der zu rund 87 Prozent in Staatsbesitz befindliche Konzern auf staatliche Hilfen rechnen kann, ist in Frankreich umstritten, wie die Welt schreibt. „Doch Areva hat frisches Geld bitter nötig. Spätestens seit einer Gewinnwarnung von Ende Februar erwarten Experten, dass Areva bald eine Kapitalerhöhung über zwei bis 2,5 Milliarden Euro vornehmen muss. Eine staatliche Finanzspritze für den Atomkonzern dagegen hat Wirtschaftsminister Macron bisher ausgeschlossen. Die Frage einer Kapitalerhöhung sei verfrüht, sagte er der konservativen Tageszeitung „Le Figaro“ im März. Priorität hätten die operative Genesung des Konzerns und die Verbesserung der Partnerschaft mit EDF. Für Areva wird die Zeit langsam knapp. Konzern-Chef Knoche und Verwaltungsratschef Philippe Varin warnten bereits, dass die Verschuldung des Atomkonzerns von zuletzt 5,8 Milliarden Euro in diesem und kommenden Jahr steigen dürfte. Die Mängel, die jetzt an dem Reaktorbehälter des Druckwasserreaktors in Flamanville entdeckt wurden, setzen Areva finanziell noch mehr unter Druck.“

×