(Kein) Katastrophenschutz für Atomkraftwerke nach Fukushima

Unter dem überaus komplizierten Titel: „Analyse der Vorkehrungen für den anlagenexternen Notfallschutz für deutsche Kernkraftwerke basierend auf den Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima“ hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine Studie zum Katastrophenschutz vorgelegt. Das Fazit der Studie: Deutschland wäre beim Katastrophenschutz den Anforderungen nicht gewachsen!

Das BfS beschreibt das so: „Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass die bisherigen Planungen für den anlagenexternen Notfallschutz in Deutschland bei Berücksichtigung der Erfahrungen nach dem Unfall in Fukushima-Daiichi kritisch überprüft und weiterentwickelt werden sollten.“

Das BfS hat den Verlauf der Katastrophe von Fukushima auf Deutschland übertragen und fragt: „Welche Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen hat es, wenn radioaktive Stoffe über einen längeren Zeitraum freigesetzt werden? Anhand von Fallbeispielen hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen kerntechnischen Unfall simuliert, dessen radiologische Auswirkungen denen des Unfalls in Fukushima-Daiichi ähneln.“

Klar ist, dass auch Deutschland in einem solchen Fall Katastrophenschutzmaßnahmen ergreifen müsste. Daher analysiert die Bfs-Studie „den Umfang und die Durchführbarkeit notwendiger Schutzmaßnahmen. Sie geht damit der Frage nach, inwiefern das bestehende Notfallschutzkonzept in Deutschland für eine dem Unfall in Fukushima-Daiichi ähnelnde radiologische Notfall-Situation gerüstet ist.“ Das Ergebnis ist bereits oben genannt: Der Katastrophenschutz wäre nicht gewährleistet.

Doch was folgt daraus? Dazu macht das BfS auf seinen Seiten leider keine Angaben.

In die Praxis werden die Erkenntnisse des BfS jedenfalls derzeit nicht übertragen. So werden die Katastrophenschutzbehörden um die AKWs Grohnde und Lingen in Niedersachsen nächste Woche aktualisierte Katastrophenschutzpläne für vier Wochen zur Einsicht auslegen. Während das BfS aber in seiner Studie davon spricht, dass Evakuierungen bis zu einer Entfernung von 170 km vom jeweiligen Reaktor entfernt erforderlich sein können, bleiben die neuen Katastrophenpläne für Grohnde und Lingen dabei, nur die angrenzenden Landkreise zu betrachten.

Die Studie steht im Digitalen Online Repositorium und Informations-System (DORIS) des Bundesamtes für Strahlenschutz zum download bereit: „Analyse der Vorkehrungen für den anlagenexternen Notfallschutz für deutsche Kernkraftwerke basierend auf den Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima“.

Störfälle in den älteren deutschen Atomkraftwerken (Stand: 2009)

Die folgenden Daten sind vom Stand 2009 und hier zu Archivzwecken veröffentlich:

Anzahl Störfälle in den sieben ältesten AKW und Krümmel seit Inbetriebnahme    

Reaktor

Inbetrieb

nahme

Summe seit Inbetriebnahme bis Ende Sept. 2008

Betriebsjahre bis 2009

KKB

Jun 76

455

33

KKK

Sep 83

313

26

GKN 1

Mai 76

418

33

Biblis A

Jul 74

405

35

Biblis B

Mrz 76

398

33

KKI-1

Nov 77

270

32

KKU

Sep 78

320

31

KKP-1

Mrz 79

325

30

Summe: 2904

Abkürzungen:

KKB: Brunsbüttel, KKK: Krümmel, GKN1: Neckarwestheim1,

KKI-1: Isar 1, KKU: Unterweser, KKP-1: Philippsburg 1

Vollständige Liste aller Störfälle in deutschen Atomreaktoren seit Inbetriebnahme (Quelle: BfS)

Kernkraftwerke (in Betrieb)TypElektr. Leistung
(brutto) MW
Jahr der Inbetrieb­nahme (Erstkriti­kalität)Jahr der endgültigen AbschaltungAnzahl Ereignisse seit der Inbe­triebnahme1)
GKN-1Kernkraftwerk Neckarwestheim 1DWR8401976420
GKN-2Kernkraftwerk Neckarwestheim 2DWR1400198878
KBRKernkraftwerk BrokdorfDWR14801986206
KKBKernkraftwerk BrunsbüttelSWR8061976457
KKEKernkraftwerk Emsland, LingenDWR14001988116
KKGKernkraftwerk GrafenrheinfeldDWR13451981215
KKI-1Kernkraftwerk Isar 1, EssenbachSWR9121977273
KKI-2Kernkraftwerk Isar 2, EssenbachDWR1475198870
KKKKernkraftwerk KrümmelSWR14021983316
KKP-1Kernkraftwerk Philippsburg 1SWR9261979333
KKP-2Kernkraftwerk Philippsburg 2DWR14581984179
KKUKernkraftwerk Unterweser, EsenshammDWR14101978328
KRB-II-BKernkraftwerk Gundremmingen BSWR13441984102 + 72)
KRB-II-CKernkraftwerk Gundremmingen CSWR1344198495
KWB-AKernkraftwerk Biblis ADWR12251974413 + 42)
KWB-BKernkraftwerk Biblis BDWR13001976410
KWGKernkraftwerk GrohndeDWR14301984211
Kernkraftwerke (außer Betrieb)TypElektr. Leistung
(brutto) MW
Jahr der Inbetriebnahme
(Erstkritikalität)
Jahr der endgültigen AbschaltungAnzahl Ereignisse seit der Inbe­triebnahme1)
AVRArbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor JülichHTR151966198878
KKRKernkraftwerk RheinsbergDWR7019661990363)
KKSKernkraftwerk StadeDWR67219722003316
KMKKernkraftwerk Mülheim-KärlichDWR130219862001 4)180
KNK-IIKompakte natriumgekühlte Kernanlage, Eggenstein-LeopoldshafenSNR2119771991129
KRB-AKernkraftwerk Gundremmingen ASWR2501966197726
KGR-1-5Kernkraftwerk GreifswaldDWRje 4401973 bis 1989199087 3)
KWLKernkraftwerk LingenSWR2681968197730
KWOKernkraftwerk ObrigheimDWR35719682005267
KWWKernkraftwerk WürgassenSWR67019711994278
MZFRMehrzweckforschungsreaktor, Eggenstein-LeopoldshafenDWR571965198446
THTR-300Thorium-Hochtemperaturreaktor, Hamm-UentropHTR30819831988125
VAKVersuchsatomkraftwerk KahlSWR161960198534

1) Stand: 30.09.2009
2) Ereignisse in gemeinsamen Einrichtungen der Doppelblockanlage
3) Ereignisse ab dem 03.10.1990
4) Stillstand bereits seit 1988 infolge Gerichtsbeschluss

Abkürzung der Reaktortypen:

DWRDruckwasserreaktor
HTRHochtemperaturreaktor
SNRSchneller Brutreaktor
SWRSiedewasserreaktor

Atommülllager ASSE II – Rückholung statt Flutung

Das Atommülllager ASSE II droht abzusaufen und einzustürzen. Seit Jahren versprechen die Behörden, den Atommüll rausholen zu wollen, weil anders die Sicherheit für das Grundwasser und die Bevölkerung nicht erhalten bleiben kann. Doch während alle von Rückholung des Atommülls reden, werden unterirdisch Arbeiten für die Flutung des maroden Salzstocks vorbereitet. Aber genau dieses Verfahren würde zu einer radioaktiven Verseuchung des Grundwassers führen.

Bürgerinitiativen rund um die ASSE machen deshalb mobil: Bis zum 28. Juni wollen sie mit einer jetzt gestarteten Online-Aktion 20.000 Unterschriften sammeln, um die Flutung zu stoppen! Alle Infos dazu hier.

ONLINE UNTERSCHREIBEN: hier längs….

Ein Spiel auf Zeit – Vattenfall zögert bei Stilllegung der AKW Brunsbüttel und Krümmel

Vattenfall hat noch immer keine Konzepte zur Stilllegung der Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel vorgelegt. Atomaufsicht in Kiel geduldet sich, Grüne und Robin Wood kritisieren Sicherheitsrisiken,VON SVEN-MICHAEL VEIT, taz nord, 13.02.2012, mehr…

 

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