Rohstoff Uran: Quebec in Kanada – Das Uran muss in der Erde bleiben

WorldUraniumSymposium2015-PosterKanada ist der weltweit zweitgrößte Produzent von Uran. Ganz Kanada? Nein. In der Provinz Quebec gibt es noch keine Uranminen. Allerdings haben Explorationen Uranvorkommen angezeigt und die sollen möglicherweise in den nächsten Jahren erschlossen werden. Die Vorkommen befinden sich auch auf dem Gebiet der Cree-Indianer, die sich gegen einen Abbau des Urans ausgesprochen haben. Im April 2015 soll eine internationale Anti-Uran-Konferenz in Quebec stattfinden. Aktive aus der Region sind jetzt im Rahmen des Uranium-Film-Festivals auf einer Informationsreise durch Deutschland.

Dr. Matthew Coon Come ist Grand Chief der Crees, deren Territorium in Norden von Quebec an der östlichen Seite der James Bay und südlich der Hudson Bay gelegen ist. In einem „Letter of Support“ (PDF)  schreibt er: „Im August 2012 verhängten wir ein Moratorium für Uran-Exploration, Bergbau und Abfalleinlagerung in unserem Gebiet. Unsere Position ist klar: Uran Entwicklung ist nicht willkommen in Eeyou lstchee.“ Dieses Moratorium ist auch von der Provinz-Regierung in Quebec ausgesprochen worden, um die Ergebnisse einer Studie über die Folgen des Uranbergbaus und die Beteiligung der Öffentlichkeit abzuwarten. Mit der geplanten Konferenz im nächsten Jahr soll der Druck erhöht werden, dass es zu keinem Uranbergbau kommen wird. Siehe auch diesen Bericht.

Grand Chief Coon Come ist gemeinsam mit einem Vertreter der Regierung von Quebec, Christian Levesque, von Ende September bis Anfang Oktober auf einer Info-Reise durch Deutschland im Rahmen des Uranium Film Festivals unterwegs. Auftakt der Reise bzw. des Festivals ist Berlin: Vom 29.09. bis 3.10.2014 werden im Kino Babylon dutzende von Atom-Filmen aus aller Welt gezeigt. (Siehe dazu die PM der Organisatoren unten.)

Geplant sind dann auch Treffen mit VertreterInnen von NGOs und aus der Politik, um für Unterstützung gegen den Uranabbau zu werben.

Uran aus Kanada kommt auch in Deutschland zum Einsatz. Das hat eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel an die Bundesregierung jüngst erneut gezeigt (Drucksache 18/01726, PDF). Der kanadische Urankonzern Cameco exportiert große Mengen vom Port Hope nach Deutschland (Hamburger Hafen), wo es unter anderem in der Urananreicherungsanlage in Gronau zum Einsatz kommt. In Gronau wird das Uranerz aus den Minen in der Form von Uranhexafluorid zum Brennstoff für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert.

Siehe auch:

Atomare Filme aus aller Welt im Babylon, Berlin

Uranium Film Festival in Berlin startet am 29.-09. und geht bis 4.10.2014 (wurde verlaengert!)

In 10 Tagen startet das Internationale Uranium Film Festival in Berlin. Vom 29.09. bis 3.10.2014 werden im Kino Babylon Dutzende von Atom-Filmen aus aller Welt gezeigt. Das Haupthema ist Radioaktivitaet und strahlende Gefahren von Uranbergbau bis zum atomaren Unfall. Ein Highlight wird der preisgekroente Dokumentarfilm „Fukushame“ des italienischen Regisseurs und Videographers Alessandro Tesei sein. Er war einer der ersten auslaendischen Filmemacher, die in der radioaktiv verseuchten Sperrzone von Fukushima filmten. Alessandro Tesei wird in Berlin mit dabei sein sowie auch weitere Regisseure wie z.B. Michael von Hohenberg (Final Picture), Joachim Tschirner (Yellow Cake) und Frieder Wagner (Todesstaub).

Das Mai 2011 in Rio de Janeiro erstmals gestartete Internationale Uranium Film Festival ist das weltweit einzige Festival, das sich der gesamten Atomaren Kette verschrieben hat. Vom Uranabbau bis zum Atomkraftwerk; von Atombomben, atomaren Unfaellen bis hin zum Einsatz von modernen Uran-Waffen; von Hiroshima bis Fukushima. Das Uranium Film Festival gilt inzwischen als das „Cannes des Atomaren Films“.

Vergangenen Mai zeigte das 4. Internationale Uranium Film Festival von Rio de Janeiro ueber 60 Dokumentar-, Spiel- und Animationsfilme. Fuenf Filme wurden mit dem Yellow Oscar, dem Filmpreis des Festivals geehrt. Zwei deutsche Filme sind darunter: Die neue Kurzfassung des deutschen Dokumentarfilms, „Yellow Cake: The Dirt Behind Uranium“ von Joachim Tschirner ueber die Folgen des Uranbergbaus in Ostdeutschland (Wismut) sowie der Spielfilm „Final Picture“ von Michael von Hohenberg, der sich mit dem Thema Atomkrieg und seine Folgen in Deutschland auseinandersetzt. Beide Filme werden auch in Berlin gezeigt, sowie auch der italienische Yellow Oscar Gewinner „Fukushame“. Nach seinem Gastspiel in Berlin kommt das Internationale Uranium Film Festival in diesem Jahr auch nach Wunsiedel (4.10.2014) und nach Passau (ab 6.Okt. 2014).

Festivalpartner und Unterstuetzer in Berlin sind: Kino Babylon – http://www.babylonberlin.de/ -, die deutsche Koalition zur Ächtung von Uranwaffen – http://www.uranmunition.org/ -, das Istituto Italiano di Cultura / Kulturabteilung Italienische Botschaft – www.iicberlino.esteri.it -, sowie der Ökostrom-Anbieter Naturstrom. www.naturstrom.de.
Partner in Passau sind u.a. das Cineplex/ScharfrichterKino und das Energienetzwerk Passau http://www.passauwexelt.de/.
Festivalprogramm Berlin: http://www.babylonberlin.de/uraniumfilmfestival.htm
Festivalprogramm Passau: http://www.cineplex.de/passau/filmreihe/uranium-film-festival-passau/973/
Festivalwebsite: www.uraniumfilmfestival.org
Festivalkontakt in Berlin: Jutta Wunderlich, Email: wunderlich.burczek@web.de
Festivalkontakt Email: info@uraniumfilmfestival.org
International Uranium
Film Festival Rio de Janeiro
Rua Monte Alegre, 356 / 301
Rio de Janeiro / RJ
CEP 20240-194
Brasil
www.uraniumfilmfestival.org
info@uraniumfilmfestival.org
0055 – 21 – 2507 6704
0055 – 21 – 97207 6704
http://de.scribd.com/UraniumFestival

URENCO Uranfabriken stehen zum Verkauf – Steigt Areva ein?

Zentrifugen für die Urananreicherung: Kauft AREVA sich bei URENCO ein?

+ + + Gemeinsame Pressemitteilung von Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, ROBIN WOOD, BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz), Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich und SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster + + +

* Internationale Diskussion um Urenco-Verkauf: Areva plant doch Einstieg bei Urenco

* Nach EADS-Desaster neuer britisch-französisch-deutscher Streit? / Atomkraftgegner: „Stilllegen statt verkaufen!“

Beim Verkauf der britischen und deutschen Anteile am internationalen Urananreicherer Urenco bahnt sich nur wenige Tage nach der gescheiterten Großfusion von EADS und BAE Systems offensichtlich eine neue Auseinandersetzung zwischen der britischen, französischen und deutschen Regierung an. Laut einem Bericht der Sunday Times vom 14. Oktober plant der staatliche französische Atomkonzern AREVA entgegen früherer Dementis doch einen großen Einstieg bei Urenco, nachdem der britische Schatzkanzler George Osborne offiziell die Investmentfirma Morgan Stanley mit dem Verkauf der britischen Anteile beauftragt hat. Bereits im vergangenen Jahr hatten EON und RWE den Verkauf ihrer Anteile angekündigt und nach Medienberichten Merrill Lynch mit dem Verkauf beauftragt. Auch der kanadische Urankonzern Cameco hat laut Medienberichten Interesse an Urenco-Anteilen angemeldet.

Zum Hintergrund: Urenco gehört derzeit zu einem Drittel EON und RWE sowie dem britischen und niederländischen Staat. Urenco ist der weltweit größte Urananreicherer und betreibt im westfälischen Gronau die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage, von der aus jedes zehnte AKW weltweit mit Uranbrennstoff zur Brennelementproduktion beliefert werden kann. In Gronau und Jülich betreibt Urenco zusammen mit AREVA das Joint Venture ETC zur Entwicklung und zum Bau neuer Gaszentrifugen. ETC hatte in den vergangenen Wochen einen drastischen Stellenabbau angekündigt.

Da es sich bei der Urananreicherung um eine militärisch äußerst brisante Technologie handelt, gilt ein Verkauf der Urenco-Anteile als äußerst schwierig. Nach den Erfahrungen mit den gescheiterten Verhandlungen zwischen EADS und BAE Systems rückt nun Urenco ins Visier der drei Regierungen in Paris, London und Berlin.

Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände kritisieren, dass sowohl die Bundesregierung wie auch die NRW-Landesregierung zu der in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden bereits angelaufenen öffentlichen Debatte bisher komplett schweigen. Fakt ist aber, dass sowohl die Bundesregierung wie auch die Landesregierung bei einem Verkauf von Urenco-Anteilen Mitspracherechte haben und beteiligt werden müssen.

„Wer in Deutschland den Atomausstieg will, darf nicht den Uranbrennstoff in alle Welt liefern. Das ist heuchlerisch und unverantwortlich“, so Dirk Seifert von Robin Wood.

„Wir fordern deshalb von der Bundes- und Landesregierung die Stilllegung der deutschen Urenco-Anlagen, anstatt einem Verkauf zuzustimmen. Der Atomausstieg muss auch für die zivile und militärische Urananreicherung gelten“, ergänzte Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau und vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Kontakt:

Udo Buchholz (AKU Gronau)

Dirk Seifert (ROBIN WOOD)

Matthias Eickhoff (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Weitere Infos: www.bbu-online.de, www.robinwood.de, www.westcastor.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.ak

 

URENCO Uran – Hintergründe über Verkaufspläne

Weltweite Urangeschäfte bis zum Super-Gau. Foto: Didi01/pixelio.de

Immer mehr verdichten sich die Hinweise, dass es zu einem Verkauf der Uranfabriken der Urenco kommen wird, darunter auch die Anlage im westfälischen Gronau. Die Financial Post berichtet jetzt darüber, dass das kanadische Unternehmen Cameco an einem Aufkauf von Anteilen an der Urenco interessiert sein könnte. Während Cameco vor allem im Uranabbau engagiert ist, betreibt die Urenco in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA Urananreicherungsanlagen. Anders als bei den Atomkraftwerken, ist der Betrieb der deutschen Uranfabrik in Gronau bis heute nicht befristet. Möglicherweise ab Oktober könnte es zu konkreten Verkaufsverhandlungen kommen.

Mit Pressemeldungen hatten gestern regionale Anti-Atom-Gruppen auf einen Verkauf aufmerksam gemacht und Proteste angekündigt. Auch ROBIN WOOD hat sich heute zu dem Verkauf zu Wort gemeldet.

Im folgenden weitere Informationen zum Hintergrund der Urenco, eines möglichen Verkaufs und der kanadischen Atomfirma Cameco.

Der Verkauf der Urenco dürfte ein überaus schwieriges Unternehmen sein, einerseits weil es international sehr verschachtelt ist und weil es andererseits im Rahmen von internationalen Staatsverträgen eingebunden ist, da die Urananreicherung grundsätzlich auch in der Lage ist, waffenfähiges Uran herzustellen. Daher wäre ein Verkauf von Anteilen nicht nur eine Sache auf Unternehmensebene, sondern müsste auch von den jeweiligen Staaten mit einem Staatsvertrag abgesegnet werden.

Die Urenco ist ein internationales Atom-Unternehmen, das im Rahmen eines Staatsvertrages zwischen Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien Anfang der 70er Jahre gegründet wurde. Da die Anreicherung von Uran grundsätzlich auch für militärische Zwecke eingesetzt werden kann und sich damit bombentaugliches Uran herstellen lässt, gab es erhebliche Vorbehalte gegen einen deutschen Alleingang bei dieser Technik. Mit den Verträgen von Almelo wurde daher auch politisch detailliert geregelt, dass kein waffenfähiges Uran in den Anlagen  der Urenco hergestellt werden dürfe.

Mit inzwischen vier Urananreicherungsanlagen versorgen die Fabriken der Urenco rund 30 Prozent des weltweiten Bedarfs der Atomkraftwerke. Je ein Drittel an der Urenco halten die britische und die niederländische Regierung. Das letzte Drittel teilen sich die deutschen Atomkonzerne RWE und E.on.

Bereits seit langem ist bekannt, dass die britische Regierung ihre Anteile an der Urenco verkaufen will. Erst vor wenigen Wochen hatte sie eine Ausschreibung gestartet, um eine Bank zu finden, die diesen Verkauf in Angriff nimmt.  Siehe hier und auch hier.

Die britische Regierung rechnet mit einem Erlös von ca. drei Milliarden Pfund bzw. rund 2,35 Milliarden Euro. Als Banken, die den Verkauf auf den Weg bringen könnten, sind derzeit Goldman Sachs, Rothschild, JP Morgan und UBS im Gespräch.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatten auch E.on und RWE erklärt, dass sie sich von der Urenco trennen wollten. Wie weit die beiden Atomkonzerne damit inzwischen sind, ist unbekannt. Der Telegraph berichtet allerdings, dass angeblich die Bank of America Merrill Lynch von E.on und RWE beauftragt wurde, den Verkauf zu organisieren.

Und erst vor kurzem wurde bekannt, dass offenbar auch die niederländische Regierung an einem Verkauf ihrer Anteile interessiert ist.  Für die Niederländer soll angeblich die Credit Suisse die Verkaufsverhandlungen vorbereiten.

An einem Verkauf wäre auch die deutsche Bundesregierung beteiligt, denn im Rahmen der Verträge von Almelo und mit Blick auf die Verbreitung von atomwaffenfähiger Technik ist ein Verkauf der URENCO-Anlagen auch ein enormes militärisches Risiko. Daher ist in dem Almelo-Vertrag ein „Gemeinsamer Ausschuss“ vorgesehen, in den jeder Staat einen Vertreter entsendet. Wichtig: Entscheidungen in diesem Kreis müssen einstimmig erfolgen.  Hier gibt es also für jeden Vertragspartner ein Veto-Recht.

In einer Anfrage der Bundestags-Grünen hat die Bundesregierung im Dezember 2011 noch behauptet, von Verkaufsplänen bei der Urenco nichts zu wissen. Ende 2011 und Anfang 2012 war in den Medien darüber spekuliert worden, dass der russische Atomkonzern Rosatom oder auch die französische Areva bei Urenco einsteigen wollten.

Im Rahmen eines Stresstest – aufgrund der Katastrophe von Fukushima – übeprüft die Bundesregierung derzeit die Sicherheit der Uranfabrik in Gronau. Auch die zuständige Atomaufsicht in NRW hat eine Prüfung angekündigt.

Das kanadische Unternehmen Cameco verfügt derzeit über einen Investitionsetat von rund drei Milliarden US-Dollar bzw. rund 2,5 Mrd. Euro. Um zu prüfen, welche Investitionen sich für Cameco am besten eignen, hat das Unternehmen den us-amerikanischen Finanzdienstleiter BMO Capital Markets eingeschaltet. Laut der Financial Post empfehlen diese der Cameco nun ein Engagement bei der Urenco.

Für die Übernahme eines Drittels der Urenco-Anteile rechnen die Finanzberater mit einem Preis zwischen 1,5 Mrd.  und 2,5 Mrd. Dollar. Eine Übernahme dieser Anteile würde die Gewinne der Cameco demnach um rund 20 Prozent erhöhen. Allerdings schlägt BMO auch andere Investionsmöglichkeiten für Cameco vor, die allerdings als weniger attraktiv bezeichnet werden. 

Laut Handelsblatt erzielte die Urenco-Gruppe 2010 bei einem Umsatz von knapp 1,3 Milliarden Euro einen Nettogewinn von 387,1 Millionen Euro.

Cameco gehört mit einem Marktanteil von ca. 16 Prozent zu den weltweit größten Produzenten von Uran.

Cameco betreibt entweder allein oder gemeinschaftlich mit anderen Unternehmen verschiedene Uranminen in Kanada, den USA sowie in Australien und Kasachstan. Außerdem verfügt Cameco über eine Anlage zur Herstellung von Uranhexafluorid und ist mit einem Drittel an dem kanadischen Atomkraftwerk Bruce B beteiligt. Das Unternehmen hat im Jahre 2011 ca. 2,4 Mrd. US-Dollar umgesetzt.

Das Geschäft mit dem Uranabbau ist überaus dreckig. Bei der Urenco wird z.B. Uran aus dem Niger eingesetzt, dass über die Areva aus Frankreich beschaft wird. Dazu hier mehr.

Uranfabriken zu verkaufen – Urenco künftig mit Kanada?

Uranfabriken zu verkaufen – steigt Kanada ein? Foto: Thommy-Weiss / pixelio.de

Die Hinweise auf einen Verkauf der Uranfabriken der URENCO mehren sich. Offenbar plant das kanadische Unternehmen Cameco, ein Drittel der Anteile zu kaufen. Cameco betreibt vor allem Uranminen und ist einer der größen Uranproduzenten der Welt. Erst vor wenigen Wochen hatte die britische Regierung eine Ausschreibung eröffnet, in der sie einen Finanzdienstleiter sucht, der den Verkauf ihrer URENCO-Anteile organisieren soll.

Im westfälischen Gronau betreibt die URENCO eine Fabrik zur Urananreicherung. Während die Atomkraftwerke in Deutschland inzwischen abgeschaltet oder ihr Betrieb befristet ist, darf die Uranfabrik in Gronau völlig unbefristet weiter produzieren. Allein die Anlage in Gronau versorgt jedes zehnte AKW weltweit mit dem erforderlichen Brennstoff. Die gesamte URENCO-Gruppe mit Anlagen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA hat einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz haben dazu heute die folgende Pressemitteilung zum möglichen Einstieg von Cameco bei der URENCO veröffentlicht:

„Keine Freude an Urenco-Kauf – Die Anti-Atomkraft-Bewegung plant weitere Proteste gegen die einzige  deutsche Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Diese  Botschaft richtet sich an den  kanadischen  Energiekonzern Cameco Corp. Dieser  überlegt einen Anteilskauf an dem Urankonzern Urenco, die Urananreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (GB) und New Mexico (USA) betreibt. Nachdem bereits vor einem Jahr sowohl die britische Regierung als auch RWE und EON erklärt hatten, ihre Anteile verkaufen zu wollen, findet sich erst jetzt  der erste Kaufinteressent. Die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland warnen Cameco Corp, dass sie keine Freude an den Urananreicherungsanlagen haben werden. Weitere Proteste bis zur Stilllegung der Anlagen sind angekündigt.

Insbesondere die Anlage im westfälischen Gronau wird seit 30 Jahren von Protesten begleitet, zuletzt wurden im Mai und Juli 2012 zwei Urantransporte um mehrere Stunden verzögert, zum 25. Tschernobyl-Jahrestag kamen 15.000 Menschen zusammen um gegen die Urananreicherungsanlage (UAA) zu demonstrieren und immer wieder gibt es Demonstrationen und Blockaden vor den Toren der Urenco.  Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen kündigt weitere gemeinsame Proteste der Bürgerinitiativen und Umweltverbände an, auch gegen neue Eigentümer: „Wer aus der Atomenergie aussteigen will, darf nicht atomaren Brennstoff in alle Welt liefern. Deshalb werden wir weiter Proteste organisieren, bis die Anlage stillgelegt ist, egal, wer nun Anteilseigner ist..“, so Udo Buchholz  Nachbar der UAA Gronau und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Auch die nächste Protestaktion ist bereits in Planung: Am 29. September findet ein internationaler Aktionstag gegen die Uranindustrie statt. Demonstriert wird unter anderem in Almelo und Gronau, auch Initiativen in Finnland und Russland planen Aktionen. Die Münsterländer AtomkraftgegnerInnen suchen jetzt aber auch gezielt nach Kontakten in die USA und Kanada.

Ebenso wie Eon und RWE sich als Noch-Anteilseigner sich Ihres Uranmülls einfach in Russland entledigten, hat auch Cameco schon lange keine weiße Weste mehr. Im Westen der USA betreibt der Konzern Uranminen, die zu hohen Strahlenbelastungen, vorallem in von Indianern bewohnten Gebieten führen. Laut einem Presseartikel liegen die Strahlenwerte teilweise über den Grenzwerten für Kinder in der Fukushima-Region und weit über den in Deutschland geltenden Grenzwerten. „Bei allen Atomkonzernen ist nicht die geringste Rücksichtsnahme zu erkennen“ so Irene Thesing von der Initaitve für den Sofortigen Atomausstieg aus Münster, „deshalb fordern wir die Stilllegung der UAA statt einen Verkauf und solidarisieren uns mit den Betroffenen in den Uranabbaugebieten weltweit“. Zudem musste Cameco im aktuellen Quartal massive Umsatzverluste hinnehmen und hofft nun auf ein Wiederanfahren der japanischen AKW. Statt der Opfer hat der Konzern nur seine Finanzen im Blick und ignoriert dabei die Interessen der japanischen Bevölkerung, welche sich massiv gegen das Wiederanfahren der Reaktoren zur Wehr setzt.

Doch auch schon die Anteilseigner RWE und EON mussten sich für ihre Beteiligung am Urenco-Konzern vor ihren eigenen Hauptversammlungen verantworten, immer wieder wurde nachgefragt, wann sie denn nun aus der Atomenergie aussteigen und wann sie die Anlage in Gronau stilllegen. So lange, bis sie schließlich im letzten Jahr verkündeten, sich ihrer „unpopulären Beteiligung“ zu entledigen und einen Verkauf ihrer Urenco-Anteile diskutierten.

Da die Urananreicherungsanlage in Gronau militärisch nutzbar ist und zum Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte, genießt die Bundesregierung Mitspracherechte beim Verkauf der Urenco-Anteile. Sie wird aufgefordert, keinem Verkauf zuzustimmen sondern ein Gesetz zur Stilllegung der Anlage zu beschließen.

„Urananreicherungsanlagen gehören zu einer veralteten und gefährlichen Technologie, sie müssen stillgegelegt und nicht verkauft werden – auch die Bundesregierung muss da endlich einschreiten! Ein drittes Tschernobyl oder Fukushima brauchen wir nicht!“, so Marita Wagner vom Trägerkreis des Gronauer Ostermarsches.“

Kontakt: Udo Buchholz 02562-23125, Marita Wagner 02562-20316

 

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