Transporte hochradioaktiver Brennelemente aus der Atomforschungsanlage Garching II in das Zwischenlager Ahaus

Hochradioaktiver Atommüll, der außerdem hochangereichertes und damit militärisch brisantes Uran enthält, soll ab 2018 aus dem Forschungsreaktor Garching bei München in das Zwischenlager Ahaus in NRW transportiert werden. Das ergibt sich aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (PDF) des linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel. Ein Castor-Behälter mit fünf abgebrannten Brennelementen aus dem Forschungsreaktor Garching wird rund 300 Kg hochangereichertes und damit waffenfähiges Uran enthalten, aus dem mehrere Bomben gebaut werden könnten.

  • Update 22/12/2014: Auch der Bundestag berichtet auf seiner Homepage über diese Atomtransporte und die Kleine Anfrage von Zdebel: Brennelemente: Lagerung in Ahaus

Der Betrieb des Forschungsreaktors in Garching ist auch wegen der verwendeten hochangreicherten Brennelemente bis heute international umstritten. Die USA hatten sich massiv gegen den Betrieb mit derartigen Brennelementen ausgesprochen und sich geweigert, den Reaktor in Garching zu beliefern. Weltweit wird im Zuge der Minimierung von Risiken für den militärischen Missbrauch von Kernbrennstoffen versucht, auch Forschungsreaktoren nur noch mit Brennelementen unterhalb einer Anreicherung von 20 Prozent des spaltbaren Uran 235 zu beliefern. Dies soll vor allem nukleare “Newcomer” davon abhalten, mit atomwaffenfähigem Material zu hantieren. Für den Betrieb von Garching wurden diese Bemühungen schließlich ignoriert und Verträge mit Russland für die Lieferung von hochangereichertem waffenfähigen Uran für die Brennelemente abgeschlossen.

Das jeweils 53 Kilogramm schwere Brennelement enthält insgesamt jeweils 8,1 kg hochangereichertes Uran (93 Prozent U-235, 7 Prozent U-238). Derzeit verbleibt ein solches Kompaktbrennelement 60 Tage im Reaktor (früher 52 Tage). Vier solcher Brennelemente kommen pro Jahr zum Einsatz. Die Kosten je Brennelement belaufen sich für Brennstoffbeschaffung, Lagerung sowie Fertigung und Transport auf 1,1 Millionen Euro. Die Herstellung erfolgt laut Aussagen der Bundesregierung in Frankreich. Nach dem Einsatz im Reaktor soll das abgebrannte Brennelement nach 60 Tagen Volllast noch einen Anreicherungsgrad von 88 Prozent Uran 235 haben.

In Garching ist lediglich eine “Abklinglagerung” vorgesehen. Bereits vor dem Betriebsbeginn in Garching soll eine Zwischenlagerung des hochradioaktiven Atommülls im Zwischenlager in Ahaus vertraglich geregelt worden sein. Eine Zwischenlagerung vor Ort ist offenbar nie geprüft worden.

Ausdrücklich hatte Zdebel die Bundesregierung nach den Proliferationsrisiken der hochangereicherten Uran-Brennelemente aus Garching (Frage 6) und einen möglichen späteren Export in die USA (Frage 8) gefragt. Die Bundesregierung verweist lediglich auf Kontrollen durch die IAEO und Euratom. Mit keinem Wort geht sie auf die Frage zur Möglichkeit eines späteren US-Export ein. Sie stellt aber fest: “Nach der Zwischenlagerung ist eine Endlagerung der bestrahlten Brennelemente als wärmeentwickelnde, radioaktive Abfälle geplant. Eine Konditionierung ist bislang nicht vorgesehen.” (Antwort auf Frage 9)

Derzeit plant die Bundesregierung, die vor ihr als Proliferations-Risiko bezeichneten verbrauchten Brennelemente aus dem Atomkraftwerk AVR Jülich als eine bevorzugte Option in die USA zu exportieren.

Siehe dazu u.a. Keine Steuergelder für Atommüll-Export von Jülich in die USA

„Schmutzige Atomwaffen“ – Risiken der Atomenergie wachsen – Urananreicherung in Gronau steht zum Verkauf

atomwaffenfrei-jetzt„2000 Tonnen waffenfähiges radioaktives Material sind im Umlauf – die Sorge, dass Terroristen davon etwas in die Hände fällt, ist groß“, berichtet der Spiegel anlässlich der Konferenz von Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern in Den Haag, die vor wenigen Tagen stattfand (siehe auch hier die Welt). Weiter zitiert das Online-Magazin den niederländischen Ministerpräsidenten und Gastgeber Mark Rutte, der vor den Gefahren durch sogenannte schmutzige Bomben warnte: „“Skrupellose Terroristen werden sich nicht scheuen, jede Waffe zu nutzen, die sie in die Hände bekommen“, sagte er am Montag zu der möglichen Beimischung von radioaktivem Material zu herkömmlichen Sprengsätzen. In den vergangenen Jahren habe es echte Fortschritte bei der Sicherung von Strahlenquellen gegeben. 2000 Tonnen waffenfähiges Material seien aber noch immer im Umlauf.“ 

Mit den Risiken der Weiter-Verbreitung von Atomwaffen-Technik hat die niederländische Regierung derzeit auch höchstselbst zu tun. Beteiligt dran ist auch die Bundesrepublik sowie die Atomkonzerne E.on und RWE: Die Uranfabriken der URENCO in Almelo (NL), Gronau (D), Capenhurst (GB) sowie eine weitere in den USA sollen auf Druck der britischen Regierung und der deutschen Konzerne E.on und RWE verkauft werden. In diesen Anlagen wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert. Technisch sind diese Anlagen aber auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen. Deshalb gelten die URENCO-Anlagen als Hochsicherheits-Bereich und unterliegen strengster Geheimhaltung. Die Niederländer stehen den Verkaufsplänen skeptisch gegenüber, weil sie befürchten, dass die Kontrolle über diese atomwaffentaugliche Technik deutlich erschwert werde, wenn künftig private Konzerne Eigentümer werden.

Die niederländischen Christdemokraten sprachen jüngst bei einer Anhörung im Parlament davon, dass der Verkauf ein „Spiel mit dem Feuer“ wäre. „Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe“, stellte Michael Sailer, Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission und Vorsitzender der Entsorgungskommission, im April 2013 fest.

Mehr zum Thema Gronau, Urenco, Verkauf und Niederlande.

Die Ärzteorganisationen IPPNW verweist in einer PM zurecht darauf, dass die Debatte um Diebstahl und „schmutzige Bomben“ aber nicht vergessen machen sollte, dass es enorme Gefahren durch die in den Bunkern zahlreicher Staaten lagernden Atomwaffen gäbe: „Das Risiko für die Menschheit, das die 17.000 Atomwaffen weltweit darstellen (ca. 2.000 befinden sich auf höchster Alarmstufe) wurde in der Erklärung aus Den Haag nicht erwähnt.“

Weiter kommentiert die international tätige Organisation: „Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die Ergebnisse des nuklearen Sicherheitsgipfels in Den Haag als Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe, Atomwaffen weltweit zu beseitigen. Auch wenn die nukleare Sicherheit wichtig ist: Die humanitären Folgen eines Einsatzes bleiben aus medizinischer Sicht das zentrale Thema. Zwei Staatskonferenzen zum Thema humanitäre Folgen von Atomwaffen in Norwegen 2013 und Mexiko 2014 haben diese Ansicht bestätigt. Noch in diesem Jahr treffen sich wieder Staaten in Wien, um darüber zu sprechen wie ein Atomwaffeneinsatz und seine katastrophalen Folgen für die Menschheit verhindert werden können.“

Und schließlich verweist die IPPNW darauf, dass man nicht vor Atomgefahren warnen könne, ohne gleichzeitig auch die Atomkraftwerke zum Thema zu machen: „Nukleare Sicherheit wurde auf dem Gipfel in Den Haag weitgehend auf das Thema Diebstahl von Materialien für den Bau von Atomwaffen begrenzt. Damit erkennen die nuklearen Lieferländer und Atomwaffenstaaten zwar an, dass ihre massiven Vorräte an spaltbaren Materialien ein Sicherheitsrisiko darstellen. Gleichzeitig halten sie trotz der Lehren aus Tschernobyl und Fukushima weiterhin  an der zivilen Atomenergie fest. Die Gefahr, denen die Menschen aufgrund aller Atomkraftwerke weltweit ausgesetzt sind, wird verschwiegen.“

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