Vattenfall Schweden: Feuer im AKW Ringhals

vattenfall-01Erst vor wenigen Tagen ist es im Vattenfall-AKW Forsmark zu einem schweren Störfall gekommen, bei dem es zum Stromausfall und zum Einsatz eines Notaggregats kam. Jetzt meldet Radio Schweden, dass es im Vattenfall-Reaktorblock 1 des AKW Ringhals zu einem Feuer gekommen ist: „Ein Brand in der Turbinenhalle des Kernkraftwerks Ringhals an der schwedischen Westküste hat am Mittwochvormittag einen großen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Laut Gösta Larsen, Kommunikationschef in Ringhals, hatte Öl in einem Rohr im schwer zugänglichen Bereich unter einer der Hochdrucksturbinen Feuer gefangen.“

Wie in anderen von Vattenfall betriebenen AKWs hat es in den letzten Jahren immer wieder massive Probleme mit der Sicherheit gegeben. Brunsbüttel, Krümmel und Forsmark waren bzw. sind immer wieder von schweren Pannen betroffen. Im AKW Ringhals waren die Schlampereien von Vattenfall derart gravierend, dass die schwedische Atomaufsicht die Reaktoren unter besondere Kontrolle stellte. Siehe auch hier bei wikipedia. Darauf macht Radio Schweden auch aufmerksam: „Wegen großer Sicherheitsmängel hatte die schwedische Strahlenschutzbehörde das Kraftwerk 2009 unter besondere Beobachtung gestellt und diese erst am Dienstag für beendet erklärt.“

In Ringhals konnte die Werksfeuerwehr „den Brand bereits nach kurzer Zeit löschen. Noch ist aber unklar, wie groß der Schaden wirklich ist, da der Bereich derzeit nicht eingesehen werden kann. Bis auf weiteres wird Reaktor 1 in Ringhals daher nur mit halber Leistung gefahren.“

Auch das Vattenfall-AKW Forsmark steht schwer in der Kritik: Ein entsprechender Bericht der EU-Kommission kam jüngst zu einem verheerenden Ergebnis hinsichtlich der Sicherheit: “Gleichzeitig hat der EU-weite Stresstest von Kernkraftwerken das schwedische AKW Forsmark gemeinsam mit einer finnischen Anlage als Schlusslicht in Sachen Sicherheit ausgemacht.”

Siehe dazu hier: Schon wieder Vattenfall: Schwerer Störfall im AKW Forsmark – Notstromversorgung erforderlich

E.on – Atomenergie: Block 1 des AKW Oskarshamn bleibt wegen anhaltender Sicherheitsprobleme abgeschaltet

03122012-akw-grohnde-30.jpg„Reaktor Eins des Kernkraftwerkes Oskarshamn bleibt wegen anhaltender Sicherheitsprobleme weiter abgeschaltet. Ursprünglich hätte die Anlage Anfang März wieder ans Netz gehen sollen, doch gibt es nach Angaben des Betreibers immer noch Mängel an der Hauptturbine und an Kühlwasserleitungen.“ Das meldet Radio Schweden am 14. Februar 2013. Mehrheitsbetreiber der insgesamt drei Siedewasserreaktoren in Oskarshamn ist der E.on Konzern.

Im Dezember berichteten die Klimaretter bereits: „Schwedens Atomaufsicht moniert wieder einmal schwerwiegende Mängel am Eon-Atomkraftwerk Oskarshamn und stellt den Reaktor „unter besondere Aufsicht“. Die „Mängel in Führung, Leitung und Eigenkontrolle“ reichen von falsch montierten Ventilen über nicht mehr „aufspürbares“ strahlendes Material bis zu einer Notstromversorgung, die nie betriebsbereit war. Fragt sich nur, warum die Behörde dem Betreiber immer noch vertraut.“ Bei den Klimarettern ist ein ausführlicher Bericht über die Vorkommnisse in den E.on Reaktoren und das Verhalten der schwedischen Atomaufsicht.

Radio Schweden schreibt aktuell: „Der Reaktor war vor fast anderthalb Jahren aus Sicherheitsgründen erstmals abgeschaltet worden. Seither traten immer neue Probleme auf, sodass die Anlage weiterhin nicht betriebssicher ist.“

Außerdem berichtet der Sender: Der nach einem Not-Stopp abgeschaltete Reaktor 3 im Kernkraftwerk Ringhals ist wieder in Gang.

Sicherheitsproblem Vattenfall

Auch bei dem zweiten schwedischen AKW Betreiber Vattenfall gibt es seit vielen Jahren immer wieder erhebliche Probleme mit der Sicherheit der Reaktoren. Die schwedische Atomaufsicht hatte z.B. 2009 den Vattenfall-Reaktor in Ringhals unter verschärfte Kontrolle gestellt. Der Spiegel berichtete im Juli 2009: „Reaktorpannen, ungeschickte Informationspolitik, Verzögerungstaktik: Vattenfall kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Wenige Tage nach Abschalten seines norddeutschen Atomkraftwerkes Krümmel steht der schwedische Konzern auch im eigenen Land vor einem erneuten Image-Fiasko. Die Strahlenschutzbehörde SSM warf Vattenfall am Mittwoch vor, Sicherheitsmängel am Atomkraftwerk Ringhals nicht behoben zu haben – und hat die Anlage nun unter verschärfte Aufsicht gestellt.“ Bereits im Jahr 2005 hatte die SSM entsprechende Mängel festgestellt und deren Beseitigung gefordert.

Erhebliche Probleme, die beinahe zu einem Super-Gau geführt hätten, gab es im Sommer 2006 auch im Vattenfall-Reaktor in Forsmark: „Nach einem auch von Vattenfall selbst als „sehr ernst“ eingestuften Zwischenfall in seinem zweiten schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im Sommer 2006 wurde dieser für zwei Jahre unter behördliche Sonderaufsicht gestellt. Forsmark-Mitarbeiter hatten im Fernsehen von Panik im Kontrollraum beim Ausfall von Notgeneratoren und einem „generellen Verfall der Sicherheitskultur“ in der Anlage gesprochen.“

Derartige Probleme und Schlampereien im Umgang mit der Sicherheit in Vattenfall-Reaktoren gab es auch in Deutschland: Im AKW Brunsbüttel kam es im Jahr 2001 zu einem schweren Störfall, bei der eine Rohrleitung in direkter Nähe zum Reaktor explodierte. Vattenfall meldete diese Störfall erst verspätete und weigerte sich gegenüber der Atomaufsicht monatelang, die Anlage abzuschalten, um untersuchen zu können, was genau vorgefallen war. Im Sommer 2007 kam es in den Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel fast zeitgleich zu Notabschaltungen. In Krümmel brannte ein Transformator, Rauchgas drang in die Schaltzentrale des Atommeilers ein. Vattenfall verharmloste den Störfall und verschwieg gegenüber der Öffentlichkeit die dramatische Situation. Im AKW Brunsbüttel stellte die Aufsichtsbehörde fest, dass zahlreiche Halterungen für sicherheitsrelevante Einrichtungen gegen die Vorschriften eingebaut waren. Als 2009 Krümmel wieder ans Netz wollte, kam es wiederum zu einer Störfallserie. Im Reaktor zeigten sich defekte Brennelemente, der soeben erneuerte Transformator versagte und es stellte sich heraus, das Sicherheitsauflagen der Atomaufsicht nicht beachtet worden sind.

Siehe auch: Risiko Vattenfall – Gespräche für neue Atomkraftwerke beginnen

Schwere Atomunfälle International

 

Risiko Vattenfall – Gespräche für neue Atomkraftwerke beginnen

Vattenfall und das Risiko Atomenergie: Neue AKWs in Planung. Foto: Dirk Seifert
Vattenfall und das Risiko Atomenergie: Neue AKWs in Planung. Foto: Dirk Seifert

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall plant weiterhin den Neubau von Atomkraftwerken. Wie „Radio Schweden“ jetzt auf seiner Homepage meldet, hat Vattenfall „Verhandlungen mit den für die Kernkraftwerke Ringhals und Forsmark zuständigen Gemeindeverwaltungen über den Bau neuer Reaktoren angekündigt. Gemäß der Atompolitik der Regierung dürfen zwar keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden, doch ist die Erneuerung der veralteten Reaktoren erlaubt.“ Schweden will auch künftig rund 50 Prozent seines Stroms aus der Risikotechnik Atomenergie beziehen.

Mit den jetzt angekündigten Gesprächen sollen die Planungen für den Neubau von Reaktorblöcken vorbereitet werden. „Bindende Beschlüsse für den Bau neuer Reaktoren werden jedoch nach Einschätzung von Fachleuten frühestens in acht bis zehn Jahren gefasst werden“, so Radio Schweden.

>>Siehe auch: Statt Energiewende: Hamburg finanziert künftig dank SPD Vattenfalls neue Atomkraftwerke in Schweden und Vattenfall setzt weiter auf Atomenergie und auch: AKWs Brunsbüttel und Krümmel: Vattenfalls Entschädigungsklagen gegen die Bundesrepublik – Weltbankgericht als Politik

Risiko Vattenfall – Sicherheitsversagen mit System

Auch Radio Schweden weist auf die Probleme von Vattenfall und den Atomkraftwerken hin: „Ringhals und Forsmark haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe teilweise schwerer Störfälle verzeichnet.“ Seit Jahren ist Vattenfall immer wieder in den Schlagzeilen, weil es um die Sicherheitskultur in dem Unternehmen nicht sonderlich gut bestellt ist. Das zeigte sich nicht nur in Deutschland wiederholt an den inzwischen abgeschalteten Vattenfall-Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel. Auch in Schweden selbst geriet Vattenfall ins Kreuzfeuer der Kritik. So berichtete die taz unter der Überschrift „Meiler der Skrupellosen“ bereits 2007: „Die Verfasser des internen Vattenfall-Berichts sprechen von einer „Degradierung der Sicherheitskultur“ zugunsten von Produktionsinteressen. Das Personal rief vergeblich um Hilfe oder wurde selbst Teil des Problems.“

Ein Jahr zuvor wäre es im Vattenfall-Reaktor Forsmark beinahe zum Super-GAU gekommen, weil das Unternehmen in wichtigen Sicherheitsfragen total versagte. In dem erwähnten Bericht heißt es: „Insgesamt spricht der Rapport von „inakzeptablen Qualitätsfehlern“. Es habe „viele Unglücksfälle, Beinaheunfälle, Falscheinschätzungen, misslungene Tests und andere Fehlgriffe“ gegeben, ohne dass sie je genügend analysiert worden seien.“

Lobby-Control hatte bereits 2006 nach dem Störfall in Forsmark berichtet, dass Vattenfall gezielt falsche Informationen über den Vorfall in die Öffentlichkeit streute.

Vattenfall-Atommeiler Forsmark: Atomarer Blindflug

Am 25. Juli 2006 schrammt Nordeuropa nur knapp an einer atomaren Katastrophe vorbei. In dem von Vattenfall betriebenen Atommeiler Forsmark springt nach einem Kurzschluß die gesamte Notstromversorgung nicht an. Die Reaktormannschaft betreibt das Atomkraftwerk für fast eine halbe Stunde im Blindflug – ohne jede Information über die tatsächliche Lage im Reaktor. (Mehr bei Telepolis)

Auch in Deutschland wiederholen sich Sicherheitspannen und Falschdarstellungen, als es im Sommer 2007 zu einem Brand in einem der Transformatoren am AKW Krümmel kommt. Auch hier informierte Vattenfall über die Auswirkungen des Feuers auf die Anlage falsch. Als die tatsächlichen Folgen schließlich bekannt werden, führt der Skandal zur Absetzung und zu Rücktritten zahlreicher Manager aus den Führungskreisen von Vattenfall Deutschland. Eine Chronologie der Ereignisse findet sich auf der Seite des NDR hier. Doch mit der Sicherheitskultur wird es nicht besser. Zwei Jahre später, im Sommer 2009 soll das AKW Krümmel nach Reparaturen und dem Austausch des Transformators wieder ans Netz. Doch es zeigt sich, dass die Manager und Ingenieure nichts dazu gelernt hatten. Die NDR Chronologie berichtet dazu:

  • 1. Juli 2009: Im wiederangefahrenen Atomkraftwerk Krümmel kommt es zu einer Panne. Die Turbine der Anlage schaltet sich automatisch ab. Laut Vattenfall hatte ein Mitarbeiter vergessen, ein wichtiges Ventil zu öffnen. Das AKW wird für einige Stunden vom Netz genommen.
  • 4. Juli 2009: Das AKW Krümmel steht wieder still. Das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium teilt mit, dass es zu einer Schnellabschaltung in dem Reaktor gekommen ist. Grund sei offenbar eine Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren. In Hamburg kommt es zu großflächigen Stromausfällen und Wasserrohrbrüchen aufgrund ausgefallener Pumpen.

Bereits im Jahr 2001 war es im AKW Brunsbüttel zu einem schweren Störfall gekommen, den Vattenfall in der Folge ebenso herunterspielte. Im Dezember 2001 zerfetzte eine Knallgasexplosion ein 10 cm dickes Stahlrohr in unmittelbarer Nähe des Reaktordruckbehälters. Bruchstücke des Rohres flogen wie Geschosse umher und richteten auch in der Umgebung Schäden an. Glücklicherweise wurden keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen getroffen. Nur ein einfaches Rückschlagventil, das bei der Explosion zudem beschädigt wurde, verhinderte das Ausströmen des unter hohem Druck stehenden radioaktiven Dampfes. Zwei Monate lang bleibt der Reaktor noch am Netz, bevor sich die Atomaufsichtsbehörde endlich durchsetzen und das AKW zur Inspektion vom Netz nehmen kann. 13 Monate bleibt Brunsbüttel abgeschaltet.

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