Das AKW Brokdorf muss vom Netz – Keine Castortransporte nach Schleswig-Holstein

AKW-Brokdorf-2012a-Dirk-SeifertRund um den Atommeiler Brokdorf laufen die Vorbereitungen für die Protest- und Kulturmeile am 21. April auf Hochtouren. Kurz vor dem 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl wollen die AtomkraftgegnerInnen in Schleswig-Holstein den Druck für die Abschaltung des AKW Brokdorf erhöhen. Auch in Bayern wird an diesem Tag demonstriert. Dort wird in Grafenrheinfeld der Atomausstieg gefordert (alle Infos auf www.anti-atom-demo.de)

Die Norddeutsche Rundschau berichtet ausführlich über die geplanten Aktivitäten in Brokdorf:  „Wir werden die Protest- und Kulturmeile mit Leben füllen“, verspricht Karsten Hinrichsen. „Jeder, der zum Programm beitragen will, kann sich einbringen“, verweist er auf eine offene Bühne. Die Band „Blaney & Heuer“ sowie der Protestsänger Moritz Dortmund aus Hannover, der unter dem Künstlernamen „Mo“ auftritt, werden ebenso für Unterhaltung und eingängige Protestlieder sorgen wie Harald Winter aus Buxtehude, der Songs aus den 70er Jahren und Volkslieder gekonnt mit umweltkritischen Texten neu konzipiert hat.“

Brisant wird die Demonstration in Brokdorf auch, weil im benachbarten Vattenfall-AKW Brunsbüttel möglicherweise demnächst neuer Atommüll eintreffen soll. Der Energieminister Habeck hat grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, dass Castor-Transporte aus Frankreich und England nach Schleswig-Holstein kommen könnten, wenn damit der Weg für das Endlagersuchgesetz frei würde. Um einen solchen Parteien-Konsens zu erreichen, sollen künftig keine weiteren Castortransporte nach Gorleben rollen. Da der hochradioaktive Atommüll aber aus Frankreich und England aufgrund internationaler Verträge nach Deutschland zurück muss, hat Habeck den Standort Brunsbüttel ins Spiel gebracht. Vor Ort gibt es heftige Proteste deswegen.

Karsten Hinrichsen von „Brokdorf-akut“ kritisierte in der Norddeutschen Rundschau „die stillschweigende Umwandlung der Zwischenlager zu einem Endlager“. Wenn demnächst Atommüll aus Sellafield nicht mehr nach Gorleben gebracht werde, sondern nach Brunsbüttel, rechne er mit starken Protesten. Unverständlich sei für ihn, warum sich Energieminister Robert Habeck bei diesem Thema so weit aus dem Fenster gelehnt habe. „Wie will er dafür einen gesellschaftlichen Konsens herstellen?“, wunderte sich Hinrichsen und sprach von einem „völlig undemokratischen Vorgehen“. „Diesen Weg werden viele aus der Anti-AKW-Bewegung nicht mitgehen. Gerade ein grüner Umweltminister darf einen solchen Schritt nicht machen.“ Erst abschalten und dann nach Lösungen suchen – das sei der einzig richtige Weg. „Erst müssen die Dinger vom Netz, um die Produktion von weiterem Atommüll zu stoppen.“

Das AKW Brunsbüttel ist seit Jahren wegen zahlreicher Sicherheitsmängel abgeschaltet und nach der Katastrophe in Fukushima per Atomgesetz endgültig stillgelegt worden. Vattenfall hat zwar einen Stilllegungsantrag gestellt, aber wie der beantragte Rückbau nun konkret erfolgen soll, ist weiterhin unklar. Vattenfall hüllt sich dazu in Schweigen. Am 9. April wollen die Grünen deshalb mit einer Veranstaltung die Bevölkerung über den Rückbau informieren. Dabei wird es ohne Frage nun auch darum gehen, dass noch mehr hochstrahlender Atommüll nach Brunsbüttel kommen soll.

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