Holger Strohm schreibt in rechtsextremer Umweltzeitung

umweltsauberhalten-keinenazisHolger Strohm, Autor des Buches und des Films „Friedlich in die Katastrophe“ schreibt jetzt auf der Homepage der rechtsextremen Zeitung Umwelt & Aktiv(*). Darin wehrt er sich gegen angebliche Verleumdungen seitens der taz, der BI Lüchow Dannenberg und durch umweltFAIRaendern. Die taz hatte Anfang Dezember in einem Artikel kritisiert, dass Holger Strohm der rechtsextremen Zeitung ein Interview anlässlich seines Films gegeben hatte. In dem Interview hatte Strohm sich außerdem dahingehend geäußert, dass es „selbst unter Nazis gute Menschen“ gebe. Für ihn sei „ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man für die Menschheit ist“. Das Tun sei wichtig „und nicht, was man sagt“.

Die taz kritisierte zum einen: „Mit dem Interview hilft er dem Magazin bei der Etablierung über die Szenegrenze hinweg.“ Und zum anderen stellte die taz mit Blick auf seine Äußerungen fest: „Seine Erkenntnis, dass Nazis sich „für die Menschheit“ einsetzten, ist, gelinde gesagt, ein Euphemismus.“ Und auf umweltfairaendern.de heißt es: „Sie verharmlosen die Verbrechen der Neo-Nazis!“ Achtung: Niemand warf Strohm vor, dass er Neo-Nazis sei.

Gegen diese Kritik will sich Holger Strohm nun als Autor auf der Seite der rechtsextremen Umweltzeitung zur Wehr setzen. Nachdem er zuvor behauptet hatte, dass er von der Veröffentlichung des Interviews in dieser NPD-nahen Zeitung nichts gewusst habe und sich der Interviewer nicht an Absprachen gehalten hätte, nutzt Strohm nun also ausgerechnet diese Zeitung für seine Verteidigung – und leistet damit weiterhin genau das, was ihm zuvor vorgeworfen wurde: Verharmlosung von Neo-Nazis!

Strohm schreibt auf der NPD-nahen Seite: „Die systematische, generalstabsmäßig durchgesetzte Verleumdungskampagne gegen mich, ich sei Nazi, antisemitisch und ausländerfeindlich, hat mir ziemlich zugesetzt und mir den Schlaf geraubt.“

Genau was Strohm hier nun behauptet, hat ihm weder die taz, die BI Lüchow Dannenberg, ContrAtom noch umweltFAIRaendern vorgeworfen!

Indem Strohm aber Vorwürfe konstruiert, die zumindest die von ihm genannten gar nicht erhoben haben, stilisiert er sich zu einem Opfer, zu einem – natürlich zu unrecht – Verfolgten! Folglich würden seine Kritiker ihn „auf die übelste Art (zu) verleumden.“

Das ist nichts weiter als ein sehr sehr einfacher rhetorischer Trick.

Zu fragen wäre dann noch, was Strohm eigentlich mit „systematische, generalstabsmäßig durchgesetzte Verleumdungskampagne“ meint? Selbst wenn man außer acht lässt, dass er gegen Vorwürfe anschreibt, die niemand bislang erhoben hat: Haben taz, BI Lüchow Dannenberg, contrAtom, umweltFAIRaendern sich (im Geheimen) getroffen und eine solche Verleumdungskampagne gegen Holger Strohm entwickelt? Mit oder ohne dem Verfassungsschutz? Und wer war noch dabei und hat sich bislang nicht geoutet?

Im Community-Teil der Wochenzeitung FREITAG hat „asansörpress35“ schon im Oktober 2012 die Antwort gegeben: Hinter der Kritik an seiner Person und seinem „zu kritischen“ Film  sowie den anonymen Mails, die er bekomme und in denen er beschimpft werde, soll er festgestellt haben: „Wie Strohm auf Zuschauernachfrage im Hamburger Kino antwortete, vermutet er dahinter den „Verfassungschutz oder von ihm Bezahlte“.“ Na dann!

Dass Strohm sich jetzt aktiv als Autor auf der Seite der rechtsextremen Umwelt & Aktiv erneut zu Wort meldet und sich damit „unter den Schutz“ einer NPD-nahen Zeitung stellt, um sich gegen die konstruierten Verleumder zur Wehr zu setzen, unterstützt den Vorwurf, dass Strohm damit dieser NPD-nahen Zeitung zu mehr Aufmerksamkeit über die Szenegrenzen hinweg verhilft. Und er macht weiterhin klar, dass er Rechtsextremisten als Bündnispartner im Anti-Atom-Kampf für akzeptabel hält. Damit trägt Strohm – der kein Nazi ist – dazu bei, dass die Nazis und ihre Verbrechen verharmlost werden und gesellschaftlich Raum gewinnen.

Davon muss sich die Anti-Atom-Bewegung distanzieren. Nazis und diejenigen, die sie salonfähig machen wollen, haben nicht nur in der Anti-Atom-Bewegung nichts zu suchen!

Zu den Aktivitäten von Neo-Nazis in der Umweltbewegung siehe hier.

Die Reaktionen auf das Interview von Holger Strohm gibt es hier zum nachlesen: BI Lüchow Dannenberg, Contratom und umweltFAIRaendern.de

Nur noch ein Hinweis zur Meinungsfreiheit: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

(*): Nicht ganz klar ist, wann der Artikel online ging. Auf der Startseite steht der 22. Dezember, im Text selbst wird der 2. Dezember genannt. Letzteres kann aber kaum zutreffen, weil an diesem Tag erst die Kritik in der Taz erschien, die auf dieses Interview aufmerksam machte. Auch die Reaktionen von BI Lüchow Dannenberg, ContrAtom und umweltFAIRaendern erfolgten erst ab bzw. nach dem 2. Dezember. Daher dürfte der 22. Dezember der zutreffende Veröffentlichungstermin sein.

Da ich für rechtsextreme Seiten keine – auch nicht indirekte – Werbung machen will, verzichte ich darauf, auf die Seite und den Text zu verlinken.

 

Dirk Seifert

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