Macht und Millionen – Hamburgs Handelskammer: Olympia, eine Seilbahn und ungewohnte Opposition

MonopolOlympia, Volksentscheide, Seilbahnen. Überall hat die Hamburger Handelskammer ihre Finger drin. Bislang konnte sie schalten und walten wie sie wollte und die Politik in nahezu allen Belangen vor sich her treiben. Dafür sorgt z.B. auch der Umstand, dass es eine Zwangsmitgliedschaft für Betriebe und Unternehmen gibt, verbunden mit entsprechenden Beiträgen. 170.000 Zwangs-Mitglieder hat die Handelskammer Hamburg dadurch und allein Rücklagen von geschätzten 50 Millionen Euro. Nun gibt es erstmals eine Opposition im Plenum. „Die Kammer sind Wir“ zog im Frühjahr mit 12 VertreterInnen in dieses Gremium ein. Nun gibt es Streit und Auseinandersetzungen in dem sonst so harmonischen Kreis. Und es gibt mehr Öffentlichkeit, denn die Oppositionellen bloggen über ihre Auseinandersetzungen zur Reform der Handelskammer. Über Seilbahnen, Olympia und einiges mehr.

Hervorgegangen sind die ReformerInnen von „Die Kammer sind Wir“ aus dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ über die Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on. Die UnternehmerInnen waren empört, dass die Handelskammer mit ihrer Macht und ihren Millionen derart massiv gegen den Volksentscheid trommelte – und durch ihre Zwangsmitgliedschaft mussten sie das sogar bezahlen.

Vor allem der Handelskammer und ihrem mächtigen Drängen ist es zuzuschreiben, dass Hamburg nun über eine Olympia-Bewerbung debattieren muss.

Im Blog der „Kammer sind Wir“-ReformerInnen heißt es zur Sitzung des Plenums der Handelskammer in Sachen Olympia-Bewerbung: „Da ein Nachtragshaushalt abgesegnet werden soll und in diesem u. a. Kosten in Höhe von EUR 100.000 für 1,5 Personalstellen für die Planung der Olympischen Spiele in Hamburg bewilligt werden sollen, wird kurz über den Stand der Dinge berichtet. Der DOSB hat sich noch nicht entschieden, ob er mit Berlin oder Hamburg die Bewerbung um die Spiele in Deutschland antreten will, geschweige denn, dass das IOC entschieden hätte, ob die Spiele 2024 oder 2028 überhaupt in Deutschland stattfinden sollen.“

Ohne konkrete Zahlen zu nennen, heißt es im Reformer-Blog auch, dass bereits „erhebliche Personalkosten angefallen (sind) und das Bündnis hatte gefordert, dass die Kammermitglieder befragt werden, ob sie die Spiele in Hamburg befürworten oder nicht, bevor weitere Zwangsbeiträge ausgegeben werden. Es hätte möglich sein müssen, aus den knapp 290 Mitarbeitern der Kammer den Mehraufwand zu decken und erstmal eine Mitgliederbefragung durchzuführen. Der Nachtragshaushalt wurde mit 2 Enthaltungen und 2 Gegenstimmen genehmigt.“

Hier wird noch mal genauer nachzufragen sein, wie das mit der Forderung nach einer Befragung aller Zwangsmitglieder bei der Handelskammer genau gelaufen ist. Nicht das man Wunder erwarten dürfte, aber es wäre ja durchaus interessant zu sehen, wie sich die Unternehmen in Hamburg insgesamt zu so einem Projekt stellen würden – würden sie denn tatsächlich im einzelnen befragt.

Auch über die unsägliche Musical-Seilbahn wurde auf der Auswertungs-Sitzung der ReformerInnen über das letzte HK-Plenum berichtet. „Zu dem Thema trägt ein Plenumsmitglied vor, dass die Kammer nur die wirtschaftlichen Aspekte der Angelegenheit zu sehen hat und Ökologie und die Belange der betroffenen Bürger keine Rolle spielen dürfen. Die Tourismusbranche sei in großer Mehrheit für das Projekt. – Aha, Ökonomie (und hier geht es um die wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Betriebes) steht also über allem.“

Atomtransporte Hamburg – Strahlendes Zwischenlager im Hafen

Wasserschutzpolizei bei der Kontrolle eines Container mit radioaktiven Stoffen
Wasserschutzpolizei bei der Kontrolle eines Containers mit radioaktivem Uranerz

Radioaktive Fracht – vermutlich Uranerz aus Kasachstan – wird am Süd-West-Terminal im Hamburger Hafen derzeit zwischengelagert. Insgesamt 18 Container sind nach den Beobachtungen von AtomkraftgegnerInnen gestern (13.8.) am frühen Vormittag von dem russischen Frachter Sheksna entladen worden. Die Wasserschutzpolizei führte Kontrollen an den Containern durch. Ob es Beanstandungen gegeben hat, ist derzeit unklar. Beim letzten Transport vor einigen Wochen wurden vier Container mit dem Uranerz vorübergehend am Weitertransport gehindert.

Update: # 14.8.2014, 18.30 Uhr: Die Container sind noch nicht abtransportiert worden und befinden sich immer noch am Terminal. #

Uranerz in Containern im Hamburger Hafen: Warten, bis es weiter geht.
Uranerz in Containern im Hamburger Hafen: Warten, bis es weiter geht.

Über den bisherigen Verlauf der aktuellen Reise der Sheksna berichtet auch die Taz-Hambug in einem Artikel von SMV. Üblicherweise werden die radioaktiven Frachten umgehend weiter transportiert. Doch offenbar gibt es diesmal bei der Bahn einen Engpass, so dass die strahlenden Container seit gestern Vormittag am Terminal stehen. Vor Tagen hatte es in der Nähe des Terminals einen Bombenfund gegeben und auch der Terminal wurde bis zur Entschärfung gesperrt. Dadurch sind vermutlich Verzögerungen bei der Abfertigung der Schiffe und ihrer Fracht entstanden. So wird der Terminal mal eben so zum Zwischenlager für radioaktives Uran.

Die Sheksna kommt regelmäßig mit radioaktiven Stoffen für den Betrieb von Atomkraftwerken durch den Hamburger Hafen. Darunter Uranerz aus Kasachstan. Vom Hafen aus wird die strahlende Fracht auf Güterzüge verladen. Diese gehen zunächst zum Rangierbahnhof Maschen, im Süden von Hamburg. Von hier geht es dann meist gegen Mitternacht weiter. Das Uranerz z.B. quer durch Niedersachsen über Münster, Köln und Bonn und dann durch Rheinland-Pfalz nach Frankreich mit dem Ziel Narbonne. Dort wird es zu einem Zwischenprodukt für die Herstellung von Brennstoff für AKWs weiterverarbeitet.

Ein Teil kommt dann oft erneut zurück nach Deutschland: Entweder in die Uranfabrik in Gronau, wo das für die Kernspaltung erforderliche Uran235 angereichert wird oder nach Lingen, wo bereits in Frankreich oder den Niederlanden (oder Gronau) angereichertes Uran zu Brennelementen verarbeitet wird. Danach geht das Uran von diesen Fabriken aus per Atomtransport in alle Welt. Oftmals wieder über den Hamburger Hafen.

Der Betrieb der Uranfabriken in Gronau und Lingen ist vom Atomausstieg nicht betroffen. Beide Anlagen dürfen völlig unbefristet weiter internationale Urangeschäfte betreiben und Atomkraftwerke mit dem erforderlichen Brennstoff versorgen.

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