Anfrage der Hamburger Linksfraktion: Atomtransporte durch die Elbemetropole – Uranbrennstoff aus Lingen für schwedisches Vattenfall-AKW Forsmark

Regelmäßig fragt die Hamburger Linksfraktion nach den Atomtransporten in und durch Hamburg. Auf diese Weise soll auf die radioaktiven Nebenwirkungen der Atomenergienutzung aufmerksam gemacht werden. Vor allem Unfälle im Zusammenhang mit dem hochgefährlichen Uranhexafluorid – einem Zwischenprodukt zur Herstellung von Uran-Brennstoff – könnte katastrophale Folgen haben. Von Mitte November bis Mitte Februar rollen LKW mit Uran-Brennelementen in 11 Fällen aus dem emsländischen Lingen über Hamburg nach Schweden zum Vattenfall-Atomkraftwerk in Forsmark. Vattenfall plant, die Reaktoren in Schweden bis zu 80 Jahre in Betrieb halten zu wollen. In Forsmark sind die besonders riskanten Meiler vom Typ Siedewasserreaktor in Betrieb. Weitere 23 Transporte mit radioaktivem Material wurden über den Hamburger Hafen durchgeführt, darunter sehr strahlenintensive Kobaldquellen, aber auch radioaktiv kontaminierter Stahl. (Foto: AKWs Forsmark, Vattenfall) In Deutschland hatte Vattenfall zuletzt die maroden AKWs in Brunsbüttel und Krümmel – ebenfalls Siedewasserreaktoren – betrieben.

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Save the Date: Welt Atomenergie Status Report – 25.2.2025

Was ist Stand der Dinge und welche Entwicklungen bei der Atomenergie sind weltweit absehbar? Gibt es diesen angeblichen neuen Hype für die Atomenergie? Am 25. Februar 2025 findet in Berlin bei der Friedrich Eber Stiftung eine Präsentation des World Nuclear Industry Status Report (WNISR) 2024 (ab 16 Uhr, Anmeldung). Das vollständige Programm hier als Dokumentation und hier mit einem Link zur Böll-Stiftung, die als Veranstalter fungiert. Kooperationspartner sind aber auch die TU Berlin und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung  (BASE).

  • Dokumentation.

Vorstellung: World Nuclear Industry Status Report (WNISR) 2024

Öffentliche Deutschland-Vorstellung am 25. Februar von 16.00 bis 18.00 Uhr in Berlin

Anmeldung hier.

Wenige Themen in der Energiepolitik polarisieren so stark wie die Frage nach der Zukunft der Atomenergie. Die Internationale Energieagentur (IEA) betrachtet sie beispielsweise als eine unverzichtbare Technologie auf dem Weg zur Klimaneutralität und spricht von einer globalen Renaissance der Atomkraft, in der Innovationen wie Small Modular Reactors (SMRs) die Attraktivität und Effizienz weiter steigern könnten.

Auf der anderen Seite steht die Atomenergie in der Kritik, wirtschaftlich nicht mit erneuerbaren Energien wie Wind und Solar konkurrieren zu können, weil die hohen Kosten und die begrenzte Skalierbarkeit von Atomkraftwerken sie langfristig ins Abseits drängen. Selbst dort, wo Atomenergie stark gefördert wird, dominieren die erneuerbare Energien ökonomisch und in Bezug auf die Stromproduktion. Wie steht es also wirklich um die internationale Entwicklung der Atomenergie? Antworten darauf gibt der World  World Nuclear Industry Status Report 2024.

Der Bericht beleuchtet Stand und Trends der Atomindustrie und vergleicht Investitionen, Ausbau und Stromproduktion der erneuerbaren Energien mit jenen der eher stagnierenden Atomkraft. Ein Sonderkapitel beschäftigt sich mit der Dominanz der russischen Atomindustrie und diversen Abhängigkeiten der europäischen Atomunternehmen. Die Autoren analysieren außerdem Interdependenzen zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie. Die jährliche Übersicht zum Stand des Rückbaus zeigt auf, in welcher Phase sich die inzwischen über 200 abgeschalteten Reaktoren befinden.

Wir stellen die zentralen Befunde in Kooperation mit dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), der Friedrich-Ebert-Stiftung, der TU Berlin und dem Team hinter dem Report vor.

WNISR 2024 – The Independent Assessment of Nuclear Developments in the World
→ weitere Informationen

Kontakt und Anfahrt
Louisa Reeh, Internationale Themenreferate Heinrich-Böll-Stiftung
E  reeh@boell.de

Veranstaltungsort
Friedrich-Ebert-Stiftung, Konferenzsaal K2 in Haus 2, Hiroshimastraße 28 10785 Berlin


Programm

16.00 Uhr Begrüßung & Einleitung

Christian Kühn, Präsident, Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)

16.15 Uhr The World Nuclear Industry Status Report 2024 (WNISR2024): Vorstellung der wichtigsten Ergebnisse

  • Globaler Überblick: Mycle Schneider, Unabhängiger Energie- und Atompolitik-Analyst, Paris, Frankreich, WNISR Projektleiter
  • Decommissioning Status Report: Alexander Wimmers, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik, Technische Universität Berlin, WNISR Co-Autor
  • Civil-Military Cross-Financing: Andy Stirling, Professor, Science Policy Research Unit, University of Sussex, Großbritannien, WNISR Co-Autor (online)
  • Nuclear Power vs. Renewable Energy Deployment/Power Firming: Antony Froggatt, Unabhängiger Berater für Klima- und Energiepolitik, London, Großbritannien, WNISR Co-Lead

17.15 Uhr Strukturierte Diskussionsrunde

18.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Moderation: Layla Al-Zubaidi, Stv. Leiterin Bereich Internationale Zusammenarbeit und Leiterin der Internationalen Themenreferate

Realität statt nuklearer Fieber-Fantasien: Belgien schaltet 2025 drei Atomkraftwerke ab!

Deutscher Sonderweg und versifter Atomausstieg? Nee: Spanien und auch: „Brüssel – In Belgien wird heute im Laufe des Tages das Atomkraftwerk Doel 1 heruntergefahren und endgültig stillgelegt. Es ist das erste von drei belgischen Atomkraftwerken, das im Laufe des Jahres 2025 abgeschaltet wird. In den letzten fünf Jahren summiert sich die Zahl der AKW-Stilllegungen in Westeuropa bereits auf 17 Kernkraftwerke.“ Das meldete der Dienst der Erneuerbaren Energien – IWR  – bereits am 14. Februar. Fakten zur Energiepolitik. Wörtlich heißt es dort zum Einstieg der Geschichte… (Foto: KI (west – USA)

„Brüssel – In Belgien wird heute im Laufe des Tages das Atomkraftwerk Doel 1 heruntergefahren und endgültig stillgelegt. Es ist das erste von drei belgischen Atomkraftwerken, das im Laufe des Jahres 2025 abgeschaltet wird. In den letzten fünf Jahren summiert sich die Zahl der AKW-Stilllegungen in Westeuropa bereits auf 17 Kernkraftwerke.

Nach dem belgischen Atomausstiegsgesetz wurden von den einst sieben Atomkraftwerken die beiden AKW Doel 3 und Tihange 2 im Jahr 2023 stillgelegt. Im Laufe des Jahres 2025 werden nun drei weitere Kernkraftwerke (Doel 1, Doel 2 sowie Tihange 1) die Stromproduktion endgültig beenden. Nur die beiden Kernkraftwerke Doel 4 und Tihange 3 sollen bis 2035 mit Hilfe staatlicher Subventionen in Betrieb bleiben.“ (Quelle und weiterlesen bei IWR)

Es gibt viele Artikel zum Hintergrund dieser Meldung in diesem Blog. Nutzt die Suchfunktion, um mehr über Doel, Tihange, Belgien, Risse in Reaktoren uvm … Oben in der rechten Spalte.

  • Siehe insbesondere zur Atomenergieentwicklung diese einzige wirtschaftlich und politisch unabhängige Analyse im World Nuclear Industry Status Report 2024. Jährlich erscheint seit vielen Jahren vom WNISR ein Status Report mit einer Analyse der weltweiten Entwicklung und jeweiliger Schwerpunkte sowie den Länderberichten in Sachen Atomenergie. Der WNSIR ist vom Maßstab her die einzige unabhängige Einrichtung in Sachen Atomenergie. Die IAEA(O) als Internationale Atomenergie Agentur (Organisation) ist aufgrund der  Regularien eine Einrichtung zur Förderung der Atomenergienutzung, bei „strikter“ Einhaltung einer nicht militärischen Nutzung – siehe Atomwaffensperrvertrag).

 

Eine Stimme für Demokratie und Gerechtigkeit und Klima – FÜR ALLE: DIE LINKE Rede von Heidi Reichinnek zur Situation in Deutschland am 11.02.25

Was viele vielleicht nicht bedenken oder nicht wissen. Im Bundestag reden – vor allem – die kleinen Fraktionen und Parteien – wenn sie nicht in der Regierung sind – immer gegen die Uhr! Die Redezeiten im Bundestag und in Landtagen sind maximal reguliert! Jede Sekunde ist Macht – und Politik und vielleicht auch Medienpräsenz.“Großstadtjournalisten“ kennen das, außerhalb von Berlin ist das weniger bekannt. Ist aber brutal, dieses Reden gegen die Zeit. Umso viel viel mehr beeindruckender, diese Rede von Heidi Reichinnek für DIE LINKE im Deutschen Bundestag.

Uralt-AKW Leibstadt an der deutschen Grenze: Anwohner:innen verklagen die Schweiz

Das unmittelbar an der Grenze zu Deutschland am Rhein gelegene AKW Leibstadt soll nach dem Willen des Schweizer Umweltdepartments über eine Laufzeit von 40 Jahren hinaus in Betrieb bleiben. Ein Störfall mit Freisetzung von Radioaktivität hätte vor allem in Baden-Württemberg erhebliche Auswirkungen für Mensch und Umelt. An für eine solch lange Betriebsdauer vorgesehene internationale Rechtsstandards wollen sich die Schweizer Behörden aber nicht halten. Atomexperten, wie der Gutachter Prof. Dr. Manfred Mertins, ehemals hochrangiger Sachverständiger bei der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) spricht vom „Überschreiten einer roten Linie.“ Internationales Recht (Espoo und Aarhus Konvention) fordert in Fällen von AKW-Betriebszeiten über 40 Jahre hinaus eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine grenzüberschreitende Öffentlichkeitsbeteiligung. Nachdem bereits Anfang 2024 anwohnende Bürger:innen auf beiden Seiten der Grenze die Einhaltung dieser Rechtsstandards mit anwaltlicher und Unterstützung  der Schweizer Energiestiftung, Greenpeace und dem Trinationalen-Atom-Schutzverband wurde heute eine Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. (Foto: Wladyslaw Sojka – www.sojka.photo)

Die Anwohnenden und ihre Unterstützenden haben heute auf einer Pressekonferenz umfangreich zu den Hintergründen informiert und die Klage begründet. Dazu haben Sie eine eigene Internetseite eingerichtet, in der der Ablauf der bisherigen Schritte gegenüber der zuständigen Atombehörde mitsamt den Dokumenten veröffentlicht sind. Seit dem Sommer 2024 prüft man auch im Bundesumweltministerium, dass die Schweiz die entsprechenden Anforderungen der internationalen Abkommen nach Espoo etc. einhält und hat dies auch gegenüber dem zuständigen Umwelt-Departement mitgeteilt. Auch das Umweltministerium in Baden-Württemberg hatte sich dahingehend geäußert, ein Verfahren nach Espoo durchführen zu wollen. Dafür allerdings muss die Schweiz ein solches Verfahren eröffnen. Weil das aber bislang unterblieben ist, wird nun das Schweizer Umwelt-Departement verklagt.

  • Einen Überblick gibt es in dieser Praesentation_Prozess_Leibstadt (PDF), die bei der Pressekonferenz gezeigt wurde. Beachte dazu die weiteren Links unten!! Die anonymisierte Klageschrift ist hier als PDF online.
  • Eva Stegen hat hier einen interessanten Artikel veröffentlicht: „Kernige Wahl-Versprechen: Das glauben sie selbst nicht!“ Der Text ist beim Kulturjoker online.

Dokumentation:

«Prozess Leibstadt»: Anwohnende ziehen AKW vor Gericht

Gemeinsame Medienmitteilung der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, des Trinationalen Atomschutzverbands TRAS und von Greenpeace Schweiz

Fünfzehn Personen haben eine Beschwerde gegen das AKW Leibstadt und das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht, wie sie heute an einer Medienkonferenz bekannt gegeben haben. Für den Langzeitbetrieb des AKW Leibstadt, der Mitte Dezember 2024 Tatsache geworden ist, verlangen sie eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und demokratische Mitsprache. Dazu verweisen sie auf internationale Abkommen, die die Schweiz zu einer grenzüberschreitenden UVP mit Öffentlichkeitsbeteiligung verpflichten.

Das AKW Leibstadt ging nach 40 Jahren Betriebszeit am 15. Dezember 2024 in den Langzeitbetrieb über. Die Beschwerdeführenden wohnen alle in der näheren Umgebung des AKW Leibstadt, einzelne davon auch auf der deutschen Seite des Rheins.

Vorgehen gegen Verzögerung und Ablehnung des Gesuchs

Im Februar 2024 wendeten sie sich mit einem Gesuch ans UVEK. Sie legten dar, warum das AKW Leibstadt nach internationalem Recht eine grenzüberschreitende UVP, unter Mitsprache der betroffenen Bevölkerung, durchführen muss, bevor es den Langzeitbetrieb aufnimmt (Espoo- und Aarhus-Konventionen). Als Anfang Dezember 2024 weder eine UVP noch ein Entscheid zum Gesuch vorlag, klagten die Anwohnenden wegen Rechtsverzögerung. Unterdessen hat das UVEK das Gesuch geprüft und abgelehnt. Gegen diesen Entscheid wehren sich die Anwohnenden und machen dem AKW Leibstadt und dem UVEK den Prozess. Sie haben ihre Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

Mehr Transparenz und Klarheit gefordert

«Das AKW sei sicher, wird behauptet. Aber wieso bekommen wir dann diese Jodtabletten für den Fall eines Super-GAUs?», fragt sich Anwohnerin Katleen De Beukeleer. Sie weiss nicht, wie sie diese Wiedersprüche ihrer Tochter erklären soll. Dass sich das AKW keiner UVP unterziehen will, kommt nicht nur ihr verdächtig vor. Die Anwohnenden bestehen daher auf einer ehrlichen, transparenten und öffentlichen Untersuchung, die aufzeigt, welche Folgen der Weiterbetrieb dieser alternden Hochrisiko-Technologie für Mensch und Umwelt hat.

Gefahr über die Grenze hinaus

«Das AKW Leibstadt steht gleich an der Grenze. Die schwerwiegenden Folgen eines Störfalls würden den Süddeutschen Raum bis weit nach Norden betreffen», verdeutlicht Anwohner Hans Eugen Tritschler, der auf der deutschen Seite des Rheins wohnt. «Wegen solchen Gefahren für Mensch und Umwelt existieren diese internationalen Vereinbarungen, an die sich auch die Schweiz halten muss. Sie verpflichten das AKW Leibstadt zur UVP, und zwar auch dann, wenn das einen gewissen Aufwand darstellt und die Ergebnisse vielleicht nicht die sind, die sich die Betreiber wünschen», betont Tritschler.

Weitere Informationen:

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