Uranfabriken in Deutschland – Kleine Anfragen von Linksfraktion im Bundestag

Zwei Kleine Anfragen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Uran-Fabriken in Gronau und Lingen, die vom bundesdeutschen Atomausstieg ausgenommen sind, sind von der Linksfraktion an die Bundesregierung unterwegs und warten auf Antwort. Bei der URENCO in Gronau – wo die extrem anspruchsvolle Urananreicherung betrieben wird, geht es um die internationale Expansion des Unternehmens und den Ausbau am bundesdeutschen Standort in Gronau. Nach dem Ukraine-Krieg Russlands hat das Unternehmen strategisch und geopolitisch hohe Bedeutung für die westlichen Atomprogramme. In Lingen will der französischen Atomkonzern Framatome gemeinsam mit dem russischen Atomkonzern Rosatom künftig spezielle Uran-Brennelementen herstellen, die in AKWs russischer Bauweise in Osteuropa eingesetzt werden sollen. Bei Anlagen in Deutschland fördern also unmittelbar die Nutzung der Atomenergie.

Dieser Tage erscheint eine neue Fassung des URAN-Atlas, mit vielen Beiträgen über die Risiken und Nebenwirkungen durch den Einsatz von Uran als Brennstoff in Atomkraftwerken. Siehe dazu hier eine Ankündigung.

Zum Hintergrund

Protokoll einer Ausschusssitzung: Atomtransporte Jülich nach Ahaus im Landtag NRW

Die geplanten Atomtransporte mit 152 Castor-Behältern Typ AVR von Jülich nach Ahaus werden in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Proteste, höchste Sicherheitsanforderungen wegen Terrorrisiken und auch der Schutz der einzusetzenden Sicherheitskräfte vor der Radioaktivität und vor allem eine Klage des BUND NRW haben zuletzt immer wieder für Verzögerungen gesorgt. Auch der Landtag in NRW ist immer mal wieder mit dem Thema befasst. Z.B. der Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie hatte sich Ende Oktober mit dem Thema nach mehrfachen Terminverschiebungen mit der Sache befasst. Ausgerechnet die FPD, die vor den Grünen mit der CDU in NRW regierte und zuständig war, hatte das Thema aufgerufen. Die Sitzung fand zwar öffentlich statt und wurde live gestreamt, das Protokoll liegt nun aber erst vor und öffentlich zugänglich. Eine Befassung des Verwaltungsgerichts in Berlin wird noch im Dezember erwartet.

  • Das Protokoll der Ausschuss-Sitzung im Landtag NRW ist hier als PDF online. (Siehe auch gleich unten als Auszug den Top 7 zum Thema.
  • umweltFAIRaendern hat über das Thema Atomtransporte aus Jülich und Garching nach Ahaus immer wieder berichtet. Dazu einfach die Suchfunktion auf dieser Seite benutzen.

Dokumentation:

Landtag Nordrhein-Westfalen – 39 – APr 18/1023
Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie 29.10.2025
80. Sitzung (öffentlich) sv

Top 7 Bis zu 152 Castortransporte von Jülich nach Ahaus genehmigt – Die Lan-
desregierung muss nun endlich Transparenz herstellen (Bericht beantragt
von der FDP-Fraktion [siehe Anlage 6])

Bericht
der Landesregierung
Vorlage 18/4157

Trotz der ablehnenden Haltung der Landesregierung würden Castortransporte in ab-
sehbarer Zeit durch Nordrhein-Westfalen rollen, betont Dietmar Brockes (FDP). Da-
her halte er deutlich mehr Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit für erforderlich.
Die Landesregierung berichte über eine abschließende Bewertung der Erbebensicher-
heit und Seismik am Zwischenlagerstandort Jülich durch das Bundesamt für die Si-
cherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) im Jahr 2022 nach langjähriger Prüfung,
mache aber keine Angaben dazu, wie das Prüfungsergebnis ausgefallen sei, worum
er nun bitte. Er gehe von der Existenz eines Gutachtens oder dergleichen aus.
Zudem bitte er die Landesregierung eingedenk ihrer Aussage, derartige Informationen
nicht breit zu streuen, im öffentlichen Interesse dennoch um Auskunft zum Zeitplan
und zum Verfahrensstand bei den Koordinierungsgesprächen, die laut Landesregie-
rung mindestens acht Wochen vor dem Transport stattfinden sollten.
Die Landesregierung habe in ihrem Bericht den zeitlichen Ablauf dargestellt und die
Verantwortlichkeiten klar benannt, schildert Norika Creuzmann (GRÜNE).
Angesichts der weltpolitischen Lage interessiere es sie, zu erfahren, ob das Zwischen-
lager Ahaus potenziellen Terrorangriffen standhalten könne bzw. wie die BGZ Gesell-
schaft für Zwischenlagerung entsprechende Sicherheitsvorkehrungen umsetze. Zu-
dem wolle sie angesichts Unmengen von Castorbehältern in Ahaus und in Garching
bei München in Erfahrung bringen, wie das BGZ die Verlängerung der auslaufenden
Transportgenehmigungen sicherzustellen gedenke
Da die Landesregierung die Beteiligungsverhältnisse von Bund und Land an der Jüli-
cher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) im Falle eines Neubaus in ih-
rem Bericht als nicht sachgerecht beschreibe, wolle er wissen, ab wann die Landesre-
gierung angesichts des Haushaltsbeschlusses 2022, in dem sich diese nicht sachge-
rechte Aufteilung manifestiere, Kenntnis davon hatte und ob sie beabsichtige, daran
Änderungen vorzunehmen, so André Stinka (SPD).
Nach Ansicht des BASE stehe die Erdbebensicherheit einer Aufbewahrungsgenehmi-
gung für Kernbrennstoffe in Bezug auf das Zwischenlager Jülich nicht entgegen, er-
läutert StS’in Silke Krebs (MWIKE). Weitere Auskünfte dazu könne nicht die Landes-
regierung, sondern nur das BASE selbst erteilen, das Gutachten zur Erdbebensicher-
heit aus nachvollziehbaren Gründen sicherlich nicht öffentlich machen werde.
Landtag Nordrhein-Westfalen – 40 – APr 18/1023
Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie 29.10.2025
80. Sitzung (öffentlich) sv
Im Hinblick auf das Zwischenlager Ahaus habe die Landesregierung den Bund wie-
derholt darauf hingewiesen, dass sie eine Verlagerung von radioaktivem Material in
ein Lager mit in naher Zukunft auslaufender Genehmigung nicht für ratsam halte und
die Erstellung eines bundesweiten Gesamtkonzeptes für die Zwischenlager empfehle.
Deren Genehmigungen würden nämlich bis Mitte bzw. Ende der 2030er-Jahre erlöschen.
Obwohl sich der Bund um eine Beschleunigung im Zusammenhang mit der Endlage-
rung bemühe, werde das Verfahren noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Da-
her müsse der Bund klären – die Landesregierung habe dies kommuniziert –, für wel-
che Zwischenlager mit entsprechenden Sicherheitsstandards eine rechtzeitige Verlän-
gerung der Aufbewahrungsgenehmigung vorgesehen sei. Näheres dazu könne nur
vonseiten der BGZ als zuständige Institution des Bundes bekanntgegeben werden.
Nach Einschätzung der Landesregierung handele es sich bei der Wiedergenehmigung
von Zwischenlagern allerdings um einen komplexen Sachverhalt.
Der Hinweis auf die nicht sachgemäße Aufteilung der Mittel des Bundes und des Lan-
des für die JEN stehe im Zusammenhang mit dem Vorschlag der vollumfänglichen
Finanzierung eines Lagerneubaus am Standort Jülich durch das Land, der im Wider-
spruch zu der anteiligen Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Land für die
Lagerung in Jülich stehe. Ein Neubau komme nach Ansicht der Landesregierung nur
dann infrage, wenn diese Finanzierungsvereinbarung berücksichtigt werde und die
Zeit bis zur Fertigstellung eines solchen Neubaus durch eine Verlängerung der Ge-
nehmigung für das bestehende Zwischenlager überbrückt werde.
Das Koordinierungsgespräch habe am 23. September 2025 im Polizeipräsidium in
Münster stattgefunden, ergänzt MR Dr. Mart

„Zugemüllt“: Oliver Schlaudt im Bundesamt … für nukleare Entsorgung – Eine Besinnung? Und ein Buch.

Viel zu viel ist in diesem Blog von Müll die Rede. Atommüll, Strahlenmüll. UmweltFAIRaendern.de. Ein Titel, der eigentlich viel zu groß ist, für so eine doch begrenzte Thematik. Etwas mit Atomenergie und dann noch Krieg, Terror und Atommüll. Ok. Klingt wie Hiroshima. Harrisburg. Tschernobyl. Fukushima … . Dafür gibt es ja sogar schon Bundesämter und Ministerien. Wieso will das mit dem Müll so blöd universell sein? Nicht erst, wenn es strahlt. „Zugemüllt“, ein Buch von Oliver Schlaudt, auf das – ausgerechnet – das „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ (BASE) aufmerksam macht, zeigt, dass das Thema noch viel gewaltiger ist.

Und mahnt den Veranstalter selbst, immer noch mal viel, viel genauer zu prüfen. Was genau ist Politik und wie kann sie das demokratisch gestalten, wenn was so unermesslich, ewig und gefährlich ist? Atomenergie ist niemals „offen“. Wer sie einsetzt, schafft tödlichen Müll beinah für die Ewigkeit. Zugemüllt: Wie geht umweltFAIRaendern in einer unverantwortlichen zugemüllten Gegenwart und nahezu ewiger Zukunft? Oliver Schlaudt ist am 15. Dezember in Berlin beim BASE.

Zugemüllt ist eine – irgendwie gestolperte und zusammengebaute – spannende und interessante Reise. Durch ober- und unterirdische und verbrannte Müllwelten – unglaubliche Dimensionen hat diese Reise, sie entdeckt so viel, was nicht erst mit der Industrialisierung und der Entstehung bürgerlicher, kapitalistischer Staaten bzw. Nationen entsteht und damit erkennbar wird. Bitterfeld. Gorleben. Ruhrgebiet. So viel Salz. Grundsätzlich und geologisch. Zeithistorisch und philosophisch. Irgendwie zwischen Reisebericht und Wissenschaft und Literatur. Naturlandschaft – Kulturlandschaft – Mülldeponie?

Kein Wunder, wenn das Cover vom Buch Swaantje Günzel in einem Foto von Henriette Pogoda zeigt: Zwischen Plastik-Müll auf einer Bank in der möglicherweise Kunsthalle Hamburg sitzend, vor einem deutschen Romantiker namens Caspar David Friedrich.

Die FAZ hat sich dem Buch gewidmet: „Philosophie und Müll : Im Abfall spiegelt sich die Welt“ mit der Unterzeile: „Der Philosoph und Ökonom Oliver Schlaudt macht sich Gedanken über den Müll und sucht ihn dort auf, wo er sich befindet. Seine Exkursionen führen ihn durch Deutschland und die europäische Kultur- und Technikgeschichte.“ (Von Uwe Justus Wenzel,

Oliver Schlaudt – Zugemüllt. Eine müllphilosophische Reise durch Deutschland – Eine etwas andere Deutschlandreise: nicht zu den Schönheiten des Landes, sondern zu seinen Mülldeponien, mit all ihrem Gestank und all ihrem sehr nachhaltigen Gift. Eine erhellende philosophische Betrachtung über die zunehmende Vermüllung unserer Welt, die wir nur zu gern verdrängen.“

Als Audio und eine Art von Lesung hat sich der Bayerische Rundfunk dem Thema und Buch von Schlaudt angenommen. Natürlich hier bei Perlentaucher.

Was hier aber eine besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der Besuch des Autors bei der BI Lüchow Dannenberg und deren Antworten auf seinen Fragen, wie das denn ist, wenn einem in Gorleben der Atommüll quasi „auf den Füssen steht“? (das ist so ein Fotoshot aus dem Buch, Seite 152. Mit Mail vom 10.12.2025 16:19 Uhr teilt der Beck-Verlag in Person von S.B.  mit, dass die beiden folgenden Bilder auf umweltFAIRaendern mit Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Vielen Dank.)

Es bleibt alles im Widerspruch – und da muss es auch bleiben. Wie denn sonst, bei etwas von dieser Größenordnung Einstein und das Universum, aber in Klein. Es geht nur um die Kernspaltung. Fusion kommt dann noch.

Und wo genau in diesem Umfeld kann sich Politik dann überhaupt noch bewegen? Hilflos, verzweifelt? Ignorant und durch? Es braucht nicht unbedingt die Erkenntnisse von Freud und Verdrängung. Es braucht. Ein Ende der Atomenergie, aber der radioaktive Müll bleibt! (Fotoshot, Seite 153)

„Kreist um die Neubestimmung … als Skandal, falsche Entscheidungen beenden…“ Sehr gute Idee! Philosophie über eine vermüllte Demokratie. Na, irgendwo ein Fehler im Satzbau.

Hier als Dokumentation:

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Anfang 15.12.2025 16:00 Uhr Ende 15.12.2025 18:00 Uhr Veranstaltungsort Berlin

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Müll will niemand haben – stinkend, unbrauchbar oder wie im Fall von Atommüll sogar hochgefährlich. Und doch waren genau diese Abfälle der Anlass für Oliver Schlaudt quer durch Deutschland zu reisen und Deponien, Verwertungsanlagen und Abwasserkanäle zu besichtigen.

Müll: Ungewolltes und nicht ausschlagbares Erbe

Auch das Thema Atommüll betrachtet Schlaudt intensiv – in Frankreich hat er die Bemühungen beobachtet, am Standort Bure ein Endlager einzurichten. Am 15. Dezember berichtet er im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung von seiner ungewöhnlichen Tour.

Oliver Schlaudt ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Sein Buch „Zugemüllt. Eine müllphilosophische Deutschlandreise“ ist im C.H.Beck-Verlag erschienen.

Das Fazit seiner Reise gilt für alle Abfallarten gleichermaßen, ob hochradioaktiver Atommüll aus den Atomkraftwerken oder Plastikverpackung nach dem Supermarkteinkauf: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Jetzt zur Lesung anmelden:

Über dieses Erbe möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir laden Sie herzlich zu dieser philosophischen Lesung und Diskussion ins BASE ein.

Am Montag, den 15. Dezember von 16 – 17 Uhr
Ausklang bei Snacks und Getränken bis 18 Uhr

  • Dokumentation: Beck-Verlag zum Buch, Link siehe oben:

Schlaudt, Oliver

Zugemüllt

Eine müllphilosophische Deutschlandreise.

Die weltweit größte Untertagedeponie für gefährliche Abfälle im hessischen Heringen, ein gigantischer Abwasserkanal bei Essen, eine Tierkadaververwertungsanlage im schönen Moseltal: Oliver Schlaudt hat sich auf eine eigentümliche Deutschlandreise begeben, um verborgene, aber spektakuläre Wahrzeichen unserer Müllkultur aufzusuchen. Sein genauso verblüffender wie wunderbar erzählter Reisebericht liest sich allerdings nicht nur wie ein Fremdenführer durch deutsche Abfalllandschaften. Inmitten ihrer besonderen Müllgeschichten entwickelt Schlaudt zugleich eine Philosophie, die sich die Hände buchstäblich schmutzig macht.

Menschheitsgeschichtlich haben wir den Punkt erreicht, an dem unser Müll überall ist und wir uns allmählich mit ihm selbst vergiften. Zugleich geben wir uns sehr viel Mühe, seine beunruhigende Allgegenwart aus unserem Gesichtsfeld zu verbannen. Es wird daher Zeit, der drastischen Wirklichkeit unserer zumüllenden Lebensform ins Auge zu blicken – und mit Oliver Schlaudt eine müllphilosophische Deutschlandreise zu unternehmen. Wir besuchen unter anderem die unscheinbare, aber rettungslos zerstörte Mülllandschaft von Bitterfeld (wo Marx’ Einsicht sinnfällig wird, dass der Müll der «unheilbare Riss» im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur ist), die BASF-Sondermülldeponie auf einer künstlichen Rheininsel (wo wir erkennen, dass wir in Sachen Müll «Cartesianer» geblieben sind, Bewohner zweier getrennter Welten) und die charmante Wurmkiste im eigenen Zuhause. Es wird klar: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Fehlende Betroffenheit? Darf grüne Landtagsabgeordnete in Bayern Atomtransporten aus Forschungsreaktor Garching widersprechen?

Zielort Zwischenlager Ahaus in NRW. Über 150 Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll sollen aus der ehemaligen Atomforschungsanlage in Jülich demnächst per gepanzerter LKWs über die Straßen NRWs dorthin rollen. Auch aus dem Atomforschungsreaktor in München-Garching sind Atomtransporte geplant. Während der BUND NRW gegen die Transporte aus Jülich bereits vor dem Verwaltungsgericht in Berlin klagt, läuft mit Blick auf Garching noch das Widerspruchsverfahren bei der Genehmigungsbehörde BASE. Auch die bayerische Landtagsabgeordnete Claudia Köhler (Grüne) hat neben dem BUND Bundesverband und der Stadt Ahaus (NRW) Widerspruch gegen die Atomtransporte aus Garching nach Ahaus eingelegt.

Noch im Dezember wird bei den geplanten Transporten von Jülich nach Ahaus ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin im Eilverfahren erwartet. Den Versuch des Betreibers JEN bzw. des Atomtransporteunternehmens Orano-NCS (Hanau), den Müll schon auf die Reise nach Ahaus zu schicken, hatte das Gericht unterbunden. Wann die Transporte – auch nach einem Urteil rollen könnten – ist noch offen. Nach Forderungen der Polizeigewerkschaft wird nun erstmal auch noch an einem Strahlenschutzkonzept für die Polizeieinsätze gearbeitet. Immerhin dürften tausende Sicherheitskräfte rund um diese hoch radioaktiven Atomtransporte zum Einsatz kommen. So hat die GdP z.B. verlangt, dass die Einsatzkräfte mit Dosismetern ausgestattet sein müssten, um die Strahlenbelastung beim Einsatz überwachen zu können.

In Garching dürften sich die Atomtransporte derzeit weiter verzögern. Einerseits, weil nach Informationen der Grünen die geplante Wiederinbetriebnahme des seit fast fünf Jahren stillstehenden Atomforschungsreaktors in Garching sich weiter verzögern dürfte (siehe Kleine Anfrage, Atomforschungsreaktor München Garching 2000 Tage außer Betrieb).

Derzeit wäre aber auch rechtlich ein Transport nicht möglich (s.o), weil – anders als im Fall Jülich-Ahaus – kein Antrag auf Sofort-Vollzug vom Betreiber, der TU München, gestellt wurde. Die Widersprüche gegen die Atomtransportgenehmigung durch das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) haben daher automatisch aufschiebende Wirkung. Gegenüber umweltFAIRaendern.de hatte die Pressestelle des FMR II  mitgeteilt, dass ein Antrag auf Sofort-Vollzug derzeit nicht geplant oder in Vorbereitung sei.

Zu denen, die bei BASE Widerspruch eingelegt haben, gehört auch die Grüne Landtagsabgeordnete Claudia Köhler. BASE ist jedoch derzeit dabei zu prüfen, ob die Abgeordnete nach Atomrecht überhaupt berechtigt ist, einen solchen Widerspruch zu erheben. In einem umweltFAIRaendern vorliegenden Schreiben fordert BASE, dass die Abgeordnete ihre Betroffenheit durch die Risiken der radioaktiven Transporte nachweisen müsste.

Problem: Die Routen der Atomtransporte gelten als absolute Geheimsache bzw. Verschlusssache, sodass die Betroffenen jenseits der Abfahrstelle gar nicht wissen können, ob oder dass sie betroffen sind. In ihrem Antwortschreiben zur Aufrechterhaltung ihres Widerspruchs schreibt die Abgeordnete Claudia Köhler an BASE: „Wie aber sollte ich dabei – detailhaft – nachweisen können, inwiefern und wo genau örtlich diese Beziehung besteht? Wie genau sollte ich meine rechtlichen Möglichkeiten nutzen, wie sollte ich die etwaige Gefahr einer Beeinträchtigung meiner Gesundheit darlegen können, wenn die Transportstrecke als Verschlusssache behandelt wird?“

Ihre Betroffenheit begründet die Abgeordnete im Weiteren mit der „räumlichen Beziehung“: „Mein Arbeitsort erstreckt sich auf den gesamten Landkreis München, insbesondere den Stimmkreis München-Land Nord, mein Wohnort ist im südlichen Landkreis. Dazu erstreckt sich meine Arbeit als Mitglied des Landtags mit fachlich-spezifischen Aufgaben auch großflächig auf sämtliche bayerischen Regionen.“

Die Prüfung durch BASE hält an, auch was die Widersprüche der Stadt Ahaus und des Bundesverbands des BUND Deutschland angeht.

Unverantwortliche Atomenergie: AKW-Betreiber Hamm meldet Insolvenz – Wer zahlt die Milliarden-Euro-Zeche?

Der Betreiber des seit Jahren stillgelegten Hochtemperatur-Reaktors in Hamm-Uentrop (NRW) hat Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte die „Hochtemperatur-Kernkraftwerk Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH)“ (HKG) per Gerichtsverfahren versucht, die Stilllegungs- und Rückbaukosten des in den 1980er Jahren havarierten Atommeilers auf das Bundesland NRW abzuwälzen und war damit gescheitert. Es geht dabei um Kosten, die offiziell bei rund 750 Mio. Euro veranschlagt werden, die aber ohne Probleme auch die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten können. Hinter der GmbH stehen die Energieriesen RWE und Preußen Elektra, die nun die Kosten auf die Steuerzahler:innen abwälzen wollen, nachdem schon der Betrieb wirtschaftlich ein Desaster war. In kleinerem Umfang sind an der GmbH aber auch die NRW-Städte Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal beteiligt, die für die Kosten grade stehen müssten.

Über die Betreibergesellschaft berichtet „energiefirmen„:  „RWE Power, Eon-Tochter Preussen Elektra und kommunale Energieversorger betroffen – Die Betreibergesellschaft des THTR-Reaktors in Hamm-Uentrop ist die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG). Hauptanteilseignerin ist die RWE Power AG mit rd. 39 Prozent, gefolgt von der Eon Tochter Preussen Elektra (ca. 39%) sowie der Arbeitsgemeinschaft Versorgungsunternehmen (AGV) mit rd. 22 Prozent. Die AGV ist ein Zusammenschluss von kommunalen Energieversorgern, darunter u.a. die Stadtwerke Bielefeld, Stadtwerke Hagen, Stadtwerke Aachen und die Stadtwerke Wuppertal (WSW).“ Außerdem werden auf der Betreiberseite THTR auch Dortmund und Bremen genannt.

Aktuell berichtet u.a. die Wirtschaftswoche jetzt zu der Insolvenz der HKG und schreibt: „Die HKG-Gesellschafter sehen sich nicht in der Pflicht, einzuspringen. „Die Gesellschafter der HKG sind über die bereits geleisteten Beiträge hinaus nicht zu weiteren Zahlungen verpflichtet“, heißt es dazu etwa vom Energiekonzern RWE. HKG-Geschäftsführer Dannert verweist wiederum auf den Bund und das Land NRW: Man habe nichts unversucht gelassen, durch Verhandlungen mit den Rahmenvertragsparteien eine Insolvenzanmeldung zu vermeiden. „Da diese Gespräche jedoch bislang ohne Ergebnis geblieben sind, ist es nun Sache der für die Kernenergie zuständigen Behörden beim Bund und im Land NRW, die weitere Abwicklung zu organisieren“, so Dannert.“

Update 06102025 – auf Telepolis wird über die Kosten berichtet, die für den Bau des THTR entstanden: „Die Baukosten von insgesamt 2.045 Millionen Euro für den THTR-300 wurden maßgeblich vom Steuerzahler finanziert. Mit 1.284 Millionen Euro war der Bund und mit 233 Millionen Euro war das Land NRW beteiligt, während sich der Anteil der Betreibergesellschaft auf 167 Millionen Euro beschränkte und die Hersteller 100 Millionen Euro zu den Baukosten beitrugen. 261 Millionen Euro wurden über Darlehen finanziert.“

Und Telepolis erwähnt auch einen wichtigen Aspekt, der für den Bau dieser Reaktorlinie damals sehr wichtig war. „Der Hochtemperaturreaktor war eine Weiterentwicklung der militärischen Graphitreaktoren zur Plutoniumerzeugung, und in den Brennelementkugeln war offensichtlich auch auf 93 Prozent angereichertes, waffenfähiges und leicht abtrennbares Material enthalten. Mit der Technik des Hochtemperaturreaktors wollte sich die damalige Bundesregierung wohl auch die Zugriffsmöglichkeit auf waffenfähiges Material erhalten.“ In dem Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass die deutschen Pläne zu heftigen Auseinandersetzungen mit den USA führten. Dabei spielten auch die deutschen Deals mit Brasilien eine wichtige Rolle. Bezogen auf den THTR schreibt Christoph Jehle auf Telepolis: „Die Lieferungen von hochangereichertem Uran für Hochtemperaturreaktoren wurden allerdings im Jahre 1977 von US-Präsident Jimmy Carter wegen der erhöhten Proliferationsgefahr bei diesem Brennstoff gestoppt“.

Neuordnung Entsorgung 2017 – AKW Betreiber zahlen Rückbau – Staat übernimmt Atommüll-Entsorgung

Für Stilllegung und Rückbau der alten Atommeiler sind in Deutschland die ehemaligen AKW-Betreiber zuständig. Aus den über die Jahre des Betriebs gebildeten steuerfreien ! Rückstellungen werden die Kosten des Rückbaus, der meist deutlich über zehn Jahre dauert, finanziert. Nach dem Atomausstieg in Folge der Katastrophe von Fukushima hat die Bundesregierung im Jahr 2017 einen „Neuordnung der nuklearen Entsorgung“ beschlossen, weil schon damals die Atomkonzerne „drohten“, sich Arm zu rechnen, um sich nach den fetten Jahren mit großen Atomstromgewinnen von den Kosten der Atommüll-Entsorgung zu drücken.

Darauf hatte die damalige Bundesregierung die Atomkonzerne zwar für die Kosten zum Rückbau der Atommeiler weiterhin in der Pflicht belassen, ihnen aber die Kosten für die dann erforderliche langfristige Lagerung aller Atomabfälle gegen eine einmalige Zahlung von rund 24 Mrd. Euro abgenommen. Damit sind die Atomkonzerne seit 2017 per Gesetz und mit einem zusätzlichen Vertrag von der weiteren Haftung für die Kosten der Atommüllentsorgung entlastet und die Steuerzahler:innen in der Verantwortung. CDU/CSU und SPD sowie FDP und Grünen hatten dem damals im Bundestag zugestimmt.

Damit blieb aber grundsätzlich das Risiko bestehen, dass die jeweiligen AKW-Betreiber weiterhin die Möglichkeit hatten und haben, sich im Zweifelsfall von der Verantwortung für die Finanzierung für Stilllegung und Rückbau zu verabschieden.

Aus den rund 24 Mrd. Euro der Atomkonzerne für den Atommüll wurde der im staatlichen Besitz befindliche Kerntechnische Entsorgungsfond KENFO gegründet. Dessen Aufgabe ist es, die von den Atomkonzernen eingezahlten Beträge künftig derart anzulegen, dass damit die langfristigen Kosten der Atommüll-Entsorgung bezahlt werden können.

×