Neue Broschüre: Atommüllbehörde erklärt oberirdische Zwischenlagerung hochradioaktiver Strahlenabfälle – zwischen Normalbetrieb und Krieg

Weil sich die Endlagersuche deutlich verlängern, wird der bislang angefallene hochradioaktive Atommüll über noch viele Jahrzehnte oberirdisch gelagert werden. Ehemals was vorgesehen, dass diese Zwischenlagerung rund 40 Jahre seit Inbetriebnahme der Stahlbetonhallen dauern wird. Für 2030 ff war mal Gorleben als Endlager geplant. Dann wurde nach Fukushima auf Anfang der 2050er Jahre verschoben.  Jetzt kann man davon ausgehen, dass es zumindest für einen Großteil des Abfalls frühestens ab 2080 in ein unterirdisches Lager gehen wird und vor 2120 die Einlagerung nicht abgeschlossen sein wird. Von wachsenden Terrorrisiken oder gar Kriegsszenarien war dabei nicht die Rede. Die sind im Plan Atomenergie und Strahlenmüll einfach nicht erlaubt: Bei der Terrorabwehr – dem sogenannten Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstigen Einwirkungen Dritter (SEWD) kommt es zu immer neuen „Anpassungen“ – zuletzt 2021. Aber Krieg ist nun gar nicht auf dem Zettel: „Der Schutz gegen SEWD beinhaltet jedoch nicht den Schutz des Zwischenlagers gegen kriegerische und militärische Auseinandersetzung. Der militärische Angriff Russlands auf die Ukraine stellt in dieser Hinsicht einen Präzedenzfall dar. Atomrechtliche Behörden und Betreiber bleiben soweit möglich arbeitsfähig. Eine umfassende Sicherheit kann jedoch nur in einem funktionierenden Staat und bei gegebener innerer Sicherheit gewährleistet werden.“ So schreibt das Amt. Gegen die ein oder andere Waffe mag auch ein Atommülllager standhalten, so Base. Aber: „Einen vollständigen Schutz gegen jeglichen denkbaren Angriff mit Kriegswaffen durch die Streitkräfte eines anderen Staates können diese allerdings nicht gewährleisten.“

Was aber, wenn der Krieg doch kommt? Atomenergie ist in allen Anwendungsfällen eine Katastrophentechnik! Doch auch im vermeintlichen Normalbetrieb bleiben viele Fragen, von denen wir derzeit nicht wissen, ob die oberirdischen Zwischenlagerung in Castor-Behältern die nächsten Jahrzehnte funktionieren wird und die Behälter dich bleiben.

Die Schutzkonzepte basierten vor allem darauf, einen möglichst dick konstruierten Stahlbehälter zu Nutzen, in dem das hochradiokative Strahlenzeug mit doppeltem Deckel verpackt wurde. Dass sollte halten, so die Behörden. Die Gebäude sollten eigentlich nur vor der „Witterung“ schützen. Erst nach den Anschlägen von 911 sollte diese auch ein wenig zur Abwehr beitragen, aber ob die Hallen und in der Folge die Behälter auch tatsächlich halten, wenn ein A380 gewollt oder ungewollt ins Dach einschlägt ist bis heute umstritten. Klar aber war: Waffen, die auf die Seitenwände gerichtet werden, würden die Wände und möglicherweise auch die Castoren durchschlagen. Und deshlb werden seit Mitte der 2010er Jahre aufgrund „neuer“ Terrorszenarien neue Abwehrmassnahmen geplant und nachgerüstet. Was genau gemacht wird, bleibt aber geheim. Auch vor Gericht gibt es keine Möglichkeiten, zu überprüfen, ob der staatliche verordnete Terrorschutz ausreichend ist. Damit das „unter Kontrolle“ bleibt, hat die 17. Atomgesetznovelle den Spielraum für Kläger und Gerichte maximal zugungsten staatlicher Autorität eingeschränkt.

 

Regierungsfraktionen im Bundestag: Kosten statt Sicherheit? Atommüll aus Jülich soll ins Zwischenlager Ahaus – NRW soll Mehrkosten allein tragen

Die Bundestagsfraktionen und beteiligte Ministerien drängen offenbar, den hochradioaktiven Atommüll aus dem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus zu verschieben. Demgegenüber hatte die neue schwarz-grüne Landesregierung in NRW jüngst klar gemacht, sie favorisiere den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich, um die gefährlichen Atomtransporte der über 150 Castor-Behälter zu vermeiden. Laut einem Antrag der Regierungs-Fraktionen von SPD, Grünen und FDF im Haushaltsausschuss des Bundestages, der für den 30. November auf der Tagesordnung steht, sollen „Kosteneffizienz und sicherheitspolitische Aspekte im Mittelpunkt stehen.“ Sicherheit first, dass war einmal. Mit dem Antrag stellen sich die Bundes-Grünen gegen ihren regierenden Landesverband in NRW.

Die beteiligten Bundesministerien werden dem Antrag zu folge aufgefordert, „die kostengünstigere Ahaus-Option zu verfolgen, falls das Land Nordrhein-Westfalen die Mehrkosten des Neubaus in Jülich nicht tragen möchte.“ Ein gutes hat die Sache: Die ehemals geplante Option eines Export dieses Atommülls in die USA ist inzwischen komplett vom Tisch. Für die damit verbundenen Verzögerungen, die die Prüfung dieser Option mit sich brachte, hat u.a. das Bundesforschungsministerium maßgeblichen Anteil.

Weil der Atommüll in Jülich seit vielen Jahren ohne ausreichende Erdbebensicherheit und mangelndem Terrorschutz lagert, hatten die verantwortlichen Behörden den Betreiber aufgefordert, dass bestehende Lager zu räumen. Bis heute jedoch lagert der Atommüll immer noch in dem unzureichend gesicherten Lager. Der Antrag wird im Anschluss dokumentiert.

Auch das Nationale Begleitgremium (NBG) bei der Endlagersuche hatte sich jüngst mit dem Atommüll im Zusammenhang mit dem Zwischenlager in Ahaus befasst. Weil sich die Endlagersuche immer weiter verzögert, wird die Sicherheit der verlängerten Zwischenlagerung immer bedeutsamer. Dennoch wird seitens der zuständigen Behörden versucht, die Atommülllagerung ohne ernsthafte Bürgerbeteiligung – wie das bei der Endlagersuche der Fall ist – durchzuführen. Zuletzt hatte das NBG mit dieser PM auf die Verzögerungen reagiert und betont, welche Bedeutung der verlängerten Zwischenlagerung zukommt. Auch der BUND fordert seit Jahren mehr Sicherheit bei der Zwischenlagerung. Zuletzt auch im Zusammenhang mit dem Neubau eines Zwischenlagers für hochradioaktive Abfälle in Lubmin. Dort muss eine Lagerhalle neugebaut werden, weil der erhöhte Terrorschutz baulich nicht nachrüstbar ist. Dazu: Atommüll: Laufzeitverlängerung hochradioaktiver Zwischenlagerung – Neubau Lubmin wegen fehlendem Terrorschutz

Mehr zum Hintergrund hat umweltFAIRaendern.de hier berichtet:

Dokumentation des Antrags der drei Regierungsfraktionen:

Antrag der Arbeitsgruppen Haushalt
der Fraktion SPD

der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

der Fraktion FDP

vom 29.11.2022
37. Sitzung des Haushaltsausschusses am 30.11.2022

Beschluss des Haushaltsausschusses zu TOP 39

Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für
Umwelt und Verbraucherschutz sowie des Bundesministeriums der Finanzen zur Räumung
des AVR-Behälterlagers in Jülich

BMF-V 194/2022

Der Haushaltsausschuss möge beschließen:
1. Der Haushaltsausschuss begrüßt die Entwicklungen im Zuge der Entscheidungsfindung
für die Räumung des AVR-Behälterlagers in Jülich.

2. Er fordert das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz und das Bundesministerium der Finanzen auf, gemeinsam
mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalens die Kosten und die jeweilige
Kostenaufteilung für die beiden verbliebenen Optionen „Ahaus“ und „Neubau Jülich“ zu
evaluieren. Dabei sollten die Kosteneffizienz und sicherheitspolitische Aspekte im
Mittelpunkt stehen.

3. Er fordert die genannten Bundesministerien auf, die kostengünstigere Ahaus-Option zu
verfolgen, falls das Land Nordrhein-Westfalen die Mehrkosten des Neubaus in Jülich nicht
tragen möchte.

Immer diese Österreicher:innen: JUGEND-KLIMAPREIS 2023: SCHÖNE NEUE ATOMWELT?

Linz (OTS)Während in der Ukraine Atommeiler beschossen werden, gilt Atomstrom in der EU als grüne Energie. Obwohl weltweit niemand weiß, wohin mit dem Atommüll, werden in Temelin Atomkraftwerke geplant, die sogar mehr strahlenden Abfall hinterlassen als bisherige. Derlei Widersprüche verlangen danach, die Jugend anzuregen, sich aktiv, kritisch und zeitgemäß mit den Versprechungen der Atomlobby auseinanderzusetzen – und alle werden beim JUGEND-KLIMAPREIS 2023 gewinnen!

„Die auch bei uns bereits spürbare Erdüberhitzung wird künftig unser aller Leben bestimmen. Um möglichst große Gebiete unserer Erde lebenswert zu erhalten, muss die Frage der nachhaltigen Energieversorgung beantwortet werden. Im Fahrwasser dieser wichtigen Debatte will die Atomindustrie mit gewaltigem Lobbyaufwand glauben machen, Lösungen anbieten zu können. Weltweit macht sie Propaganda für sogenannte Small Modular Reactors. Diese seit Jahrzehnten ohne nennenswerte Fortschritte beforschte Technologie ist einer umfassenden Studie des deutschen Bundesamtes für nukleare Entsorgungssicherheit zufolge noch gefährlicher und hinterlässt sogar mehr Atommüll als herkömmliche Meiler”, erläutern Gabriele Schweiger und Roland Egger von atomstopp_oberoesterreich.

“Jugendliche kennen die Super-GAUs von Tschernobyl und Fukushima bestenfalls aus Erzählungen. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass sie sich der Gefahren, die von Atommeilern ausgehen, bewusst sind. Aus der Friday for Future-Bewegung wissen wir aber, wie wichtig jungen Menschen die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt ist. Daher möchten wir ihnen beim JUGEND-KLIMAPREIS 2023 die Chance bieten, sich kritisch und zeitgemäß mit der Atomkraft und ihren Gefahren auseinanderzusetzen. Denn nur die Nutzung aller Einsparungspotenziale und der zügige Ausbau erneuerbarer Energien wird eine rasche und nachhaltige Verbesserung der Situation bringen“, erklären Schweiger und Egger.

„Eingeladen sind alle jungen Menschen ab der 8. Schulstufe, im schulischen wie im außerschulischen Kontext, als ganze Klasse begleitet von ambitionierten Lehrer_innen, als Gruppen- oder Einzelprojekt. Gefragt ist die aktive, kritische und zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Thema Atomkraft, egal ob künstlerisch oder wissenschaftlich, analog oder virtuell, ob Broschüre, Videoclip, Audiobeitrag, Song, Aktion oder Installation – alles zählt. Gern unterstützen wir Bewerber_innen mit Tipps zu Hintergrundmaterial und stehen auch für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Und weil wir überzeugt sind, dass es für alle ein Gewinn sein wird, sich aktiv und kritisch mit Atomkraft auseinander zu setzen, warten neben attraktiven Hauptpreisen auch atomstopp_Goodie-Bags auf alle Teilnehmer_innen!“, so Schweiger und Egger abschließend.

Details zum atomstopp_Schulpreis gibts unter www.atomstopp.at/jugendklimapreis – Anmeldung und weitere Infos per Mail an post@atomstopp.at oder telefonisch von 9 bis 13 Uhr unter 0732 77 42 75

Rückfragen & Kontakt:

Gabriele Schweiger 0680/33 33 625
Roland Egger 0680/23 93 019

Ende Twitter – Runterfahren – so wie alle AKWs!

Musk hat – wenn ich das nicht falsch mitbekommen haben, nicht nur mal eben Twitter gekauft, sondern unterstützt offenbar auch Trump! Verwundert gar nicht, macht aber deutlich, warum es dringend nötig ist, die Macht der Oligarchen in Ost und West und anderswo zu brechen und unter demokratische Kontrolle zu bringen! Ich werde also in den nächsten Tagen Twitter beenden – war dort aber auch schon länger nicht mehr sonderlich aktiv. Auch Facebook und deren Oligarchen haben gezeigt, dass sie Demokratie nicht können! Ich habe mich nun mal bei Mastodon (Wikipdia, was für ein dummer Name) angemeldet und bin jetzt @umweltFAIRaendern@norden.social und bin jetzt hier zu finden – nicht immer, aber immer mal öfter vielleicht. Mein erstes „Tröten“ oder wie die dort sagen: https://umweltfairaendern.de/2022/10/19/atomrisiko-runterfahren/ – Das ist ein Aufruf für Aktionen gegen nukleare Laufzeitverlängerung und für die Abschaltung aller AKWs spätestens zum Jahreswechsel oder besser sofort!

Ob dieser Sozial.Media.Dienst nun wirklich als alternative Plattform einer gemeinwohlorientieren Kommunikation diesen kann oder doch nur ein Übergang oder eine Nische bleibt – wird sich zeigen. In jedem Fall denke ich, ist es kein Fehler, dass mal zu testen. Stay tuned!

  • Twitter is X – update 07.2023
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