Wer hat soviel Geld? Atommüll: Vorbild für Rente? Der Staat als Zocker.

Über den ersten deutschen Staatsfonds schreiben Achim Brunnengräber und Albert Denk in der aktuellen Ausgabe der „Blätter“. Der erste deutsche Staatsfonds? Den gibt es für einen Teil (!) (siehe 1) des atomaren Erbes einer unverantwortlichen Politik: Nutzung der Atomenergie (nicht nur) zur Stromerzeugung.

Ein deutscher Staatsfonds KENFO (urgewald) mit ungefähr 25 Mrd. Euro im Kapitalstock und der Aufgabe, die Lagerung von radioaktivem Atommüll bis in alle Ewigkeit zu finanzieren. Zuletzt hatte der FONDS eher Verluste. Weit über 100 Mrd. Euro und noch viel viel mehr wird das über die nächsten Jahrzehnte allein in Deutschland kosten. Die Idee: Über die Kapitalmärkte sollen die notwendigen Kosten für die Lagerung des Atommülls „erwirtschaftet“ werden. Da braucht es Rendite und Gewinne. Dann muss auch gezockt werden, an den Märkten und Börsen und …

Ist das eine kluge Konstruktion, um Zukunft zu gestalten, in der die sozialen und ökologischen Spannungen weiter anwachsen werden? Möglicherweise sogar ein Vorbild für den anderen neuen Staatsfonds, den die Liberalen so massiv wollen: Ein Rentenfonds über Kapital per Aktienmarkt. Die „Blätter“ berichten in ihrer aktuellen Ausgabe über diese Grundsatzfragen, wie wir Zukunft gestalten und Atommüll verwalten bzw. langfristig finanzieren müssen.

Die beiden Politik-Wissenschaftler an der FU Berlin sind in vielen Fragestellungen der Atomenergienutzung und ihren nuklearen Hinterlassenschaften zugewandt; auch im Zusammenhang mit staatlich finanzierten Projekten mit dem Schwerpunkt Lagerung radioaktiver Abfälle in gesellschaftlicher Perspektive.

  • Über wissenschaftliche Arbeiten auf umweltFAIRaendern in Verbindung mit Achim Brunnengräber hier. Mehr über das ehemalige staatliche Forschungsprogramm Entria hier.
  • Hier berichtet umweltFAIRaendern über Forschungsprogramme im Zusammenhang mit Atomenergie
  • (1) Für den Rückbau der Atommeiler ist der KENFO nicht zuständig. Den müssen die ehemaligen Atomkonzerne noch selber zahlen – mit einigen Steuervorteilen und Trostpflastern in Form von Entschädigungen: Stichwort Entsorgungskosten und Entschädigungen. Auch die Kosten für den Atommüll in der ASSE und in Morsleben sowie der gesamte Bereich der staatlichen Atomforschungsanlagen und den dort vorhandenen Atommüllbergen ist KENFO nicht zuständig.

 

 

I feel the earth move – you’ve got a friend – „aufgeklärt, tolerant und strikt demokratisch“

Carole King. Einfach Danke, für all diese wunderbaren Melodien, Songs und Erlebnisse! Taylor Swift, Amy Winehouse, Lady Gaga, …. Aretha Franklin! Bis heute ist sie, Carole King, ein Meilenstein, ein Vorbild. Eine Ikone. Mit Liedern.

FOTO: Screenshot von der Homepage von Carole King.

Deutsche – Grüne – Atompolitik: Produktionserweiterung bei Uranfabrik Lingen: Mit oder ohne Russland – keine Stilllegung?

Der französische Eigentümer der Uranfabrik im emsländischen Lingen will mit Unterstützung der russischen TVEL bzw. Rosatom künftig auch Brennelemente für den Einsatz in osteuropäischen Atomkraftwerken russischer Bauart herstellen. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025 will die „Advanced Nuclead Fuels“ (ANF) entsprechende Uran-Brennelemente an Kunden in Osteuropa liefern, damit dort Atomstrom erzeugt werden kann. Um die Produktion in Lingen zu ermöglichen, haben Frankreich und Russland trotz des Kriegs in der Ukraine ein gemeinsames Unternehmen gegründet, welches für den Knowhow-Transfer zuständig ist, mit dem die ANF die Produktion starten kann. Dazu werden neben Uran-Brennstoffen auch Produktionsanlagen aus Russland kommen. Derzeit läuft für die Aufrüstung in Lingen das atomrechtliche Genehmigungsverfahren. Fast 11.000 Einwendungen wurden gegen diese Pläne erhoben. Zuständig ist das Umweltministerium in Niedersachsen, im Rahmen der Auftragsverwaltung des Bundes. Oberste Atombehörde ist das Bundesumweltministerium. Beide Behörden unter grüner Führung. An der Versorgung osteuropäischer Reaktoren russischer Bauweise mit Uran-Brennstoff ist die ebenfalls in Deutschland ansässige Uranfabrik der URENCO in Gronau über Westinghouse in Schweden schon beteiligt. Westinghouse macht das, was ANF Lingen will. Aber ohne russische Beteiligung.

Grüne und Linke hatten in den letzten Jahren immer wieder die Stilllegung auch der Uranfabriken in Gronau und Lingen gefordert, da diese für den Weltmarkt Uran-Brennstoffe erzeugen und damit für den Weiterbetrieb der gefährlichen Atommeiler sorgen. Doch seit der Regierungsbeteiligung der Grünen in der Ampel-Koalition ist von einem Atomausstieg bei den Uranfabriken bei den Grünen nicht mehr die Rede. Natürlich: Die FDP hatte dafür gesorgt, dass das nicht im Koalitionsvertrag festgelegt werden konnte und auch die SPD hat dem zugestimmt.

Während die französische Framatome in enger Kooperation mit der russischen Atomindustrie den Ausbau der Uranproduktion in Lingen anstrebt, wird im schwedischen Västeras von dem kanadisch geführten Unternehmen Westinghouse die Produktion von Uran-Brennelementen für Reaktoren russischer Bauart ohne bekannte Verbindungen zu Rosatom schon seit Jahren betrieben. Zu den Kunden der Uranfabrik in Schweden gehören auch Atomkraftwerke in der Ukraine. Das angereicherte Uran dafür stammt teilweise von der URENCO, die erst vor kurzem neue Lieferverträge mit der Ukraine für Urananreicherungen vereinbart hat.

Aus Anlass einer Aktion in Hannover, bei der die Einwendungen gegen die Plände der ANF in Lingen der zuständigen Genehmigungsbehörde überreicht wurden, hatte Umweltminister Christian Meyer die Pläne der ANF kritisiert: „Die hohe Zahl der Menschen, die sich in dem Beteiligungsverfahren eingebracht haben, zeigt uns, dass es ein großes Interesse an dem Verfahren gibt. Bei Fragen, insbesondere der äußeren und inneren Sicherheit, werden wir den Bund um Stellungnahme bitten. Für mich steht weiterhin fest, dass wir den Einfluss Russlands auf den Energiebereich reduzieren müssen und nicht weiter verfestigen dürfen.“

Nicht die Stilllegung der Uranfabrik in Lingen und auch nicht die Absage an eine Erweiterung der Produktionspalette in Lingen steht demnach auf der grünen Agenda. Vielmehr sollte Framatome als Betreiber der ANF Lingen doch wie Westinghouse in Schweden auf eine Beteiligung Russlands verzichten. Im Landtag Niedersachsen argumentierte die grüne Abgeordnete Britta Kellermann denn auch: „Was Westinghouse schafft, muss doch auch für ANF möglich sein? Im Lingener Umweltausschuss berichtete ANF auf Nachfrage, dass es zwischen ANF und Westinghouse einen starken Wettbewerb gebe. Das kann doch aber kein Grund sein, die sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik einfach zur Seite zu schieben?“ (Siehe hier und unten als Dokumentation) Eingangs ihrer Rede hatte sie gesagt: „Es ist schon mal per se unbegreiflich, dass diese Fabrik vom Atomausstieg ausgenommen wurde. In der aktuellen geopolitischen Situation ist der Genehmigungsantrag, der jetzt beim Niedersächsischen Umweltministerium liegt, allerdings noch viel weniger nachzuvollziehen.“

  • In der Argumentation vieler Anti-Atom-Gruppen sind die Pläne zur Produkt-Erweiterung in Lingen sehr stark auf die russische Beteiligung nach dem Angriff auf die Ukraine und die Besetzung des AKW Saporischschja durch russische Truppen und Beschäftigte des russischen Atomkonzerns Rosatom fokussiert worden. Die Forderung einer Stilllegung der Uranfabrik(en) in Verbindung mit den nuklearen Gefahren und Strahlenrisiken für Mensch und Umwelt durch den Weiterbetrieb von osteuropäischen AKWs russischer Bauweise (sogar in der Ukraine), geriet angesichts der Orientierung auf Sanktionen gegen Russland, bei denen ausgerechnet Atomgeschäfte ausgenommen sind, in den Hintergrund. Eine grüne Forderung, die Atomkraftwerke in der Ukraine und der Nähe der Kriegsregion abzuschalten, wäre naheliegend.

Auf Nachfrage zum Hintergrund der Genehmigungsanträge teilte das Ministerium gegenüber umweltFAIRaendern mit: „Es ist bekannt, dass ANF den Antrag zur Produktion von Brennelementen russischer Bauart gestellt hat und im Zuge dessen auf eine enge Lizenzfertigung mit Rosatom setzt. Bekannt ist, dass Tschechien Verträge für Brennstäbe mit dem US-Konzern Westinghouse und Produktion in Schweden ohne russische Beteiligung für seine Reaktoren russischer Bauart vereinbart hat: https://www.dw.com/de/tschechien-raus-aus-der-abh%C3%A4ngigkeit-von-russischen-brennelementen/a-64833598″. Weiter teilt die Pressestelle des NMU mit: „Selbst die Ukraine hat jetzt Brennstäbe außerhalb von Russland, ebenfalls aus schwedischer Produktion, für seine AKW im Einsatz: https://www.nuklearforum.ch/de/news/ukraine-erste-wwer-440-brennelemente-von-westinghouse-erhalten/“

Als nächster Schritt steht nun die atomrechtliche Erörterung der Einwendungen auf der Tagesordnung des Verfahrens. Ob dieses nur als Video-Veranstaltung oder als Live-Event vor Ort in Lingen stattfindet, ist noch nicht entscheiden. Das Umweltministerium in Niedersachsen erklärte auf Anfrage von umweltFAIRaendern: „Das prüfen wir gerade mit dem Bund, der auch die öffentliche Auslegung empfohlen hat und nach dem Atomgesetz auch in Verfahrensfragen das letzte Wort hat.“

In der NOZ wurde bereits im Januar 2024 (19.01.) berichtet: „ANF rechnet mit einer öffentlichen Anhörung im Mai. Eine Untersuchung zu Umwelteinflüssen und sicherheitstechnischen Auswirkungen sei bereits abgeschlossen und habe keine Veränderungen ergeben. Geht alles glatt, rechnet ANF mit einer Genehmigung im November 2024.“

Weiter heißt es in der NOZ: „Der Zeitplan, wie es weitergeht, ist aus Sicht von ANF klar gesteckt. „Die osteuropäischen Betreiber erwarten, dass wir Mitte 2025 liefern“, so Hoff. Verträge mit den Betreibern der Kernkraftwerke Kosloduji in Bulgarien und Temelin in Tschechien habe Framatome schon geschlossen. Aber, auch das betont der Manager: Von dem Produktionsvolumen sei der Fortbestand von ANF nicht abhängig.“

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Dokumentation. Rede Britta Kellermann, Grüne Landtagsfraktion Niedersachsen,  TOP 20a: Keine Geschäfte mit Putin – russischen Einfluss auf die Brennelementefabrik in Lingen abwenden (Akt. Std. Grüne) – Es gilt das gesprochene Wort

Anrede,

im niedersächsischen Lingen betreibt das französische Unternehmen ANF eine Brennelementefabrik. Es ist schon mal per se unbegreiflich, dass diese Fabrik vom Atomausstieg ausgenommen wurde. In der aktuellen geopolitischen Situation ist der Genehmigungsantrag, der jetzt beim Niedersächsischen Umweltministerium liegt, allerdings noch viel weniger nachzuvollziehen.

Der ANF-Mutterkonzern Framatome ist kürzlich ein Joint Venture mit dem russischen Konzern TWEL eingegangen. Das Mutterunternehmen wiederum ist der russische Staatskonzern Rosatom. Es handelt sich um den Staatskonzern, der in Putins Auftrag das größte europäische AKW übernommen hat. Und zwar im umkämpften ukrainischen Saporischschja. Gegen den Willen der Ukraine. Der Kreml nimmt hier direkten Einfluss auf operationale Entscheidungen des Unternehmens. Und nicht nur das: Der Konzern wurde im Jahr 2007 durch ein Präsidenten-Dekret von Wladimir Putin persönlich gegründet.

Und dieser Staatskonzern hat sich nun also bereit erklärt, sein Wissen um die Fertigung von Brennelementen russischer Bauart mit ANF zu teilen. Und das, obwohl die osteuropäischen Staaten Bulgarien, Ungarn, Slowakei und Tschechien zu 100% und Finnland zu 35% von russischen Brennelementen abhängig sind. Warum gibt man eine solche Marktdominanz einfach auf? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Und wir halten es dennoch für wichtig, sie zu stellen.

Denn, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat uns in Europa unsere energiewirtschaftliche Abhängigkeit von Russland vor Augen geführt. Deutschland und Europa haben seit Beginn des Krieges erhebliche Anstrengungen unternommen, um Europa unabhängig von russischem Gas zu machen. Wir alle haben die wirtschaftlichen Folgen dieser Bemühungen gespürt und mitgetragen.

Durch eine Gas- und Strompreisbremse konnten die Auswirkungen für die Verbraucher*innen auf einem erträglichen Niveau gehalten werden. Dass die Energiepreise sich heute wieder einigermaßen stabilisieren ist ein großer Erfolg des Bundeswirtschaftsministeriums unter Minister Habeck.

Trotzdem spielt Russland weiterhin eine bedeutende Rolle in der europäischen Energieversorgung. Rund 20% des Urans für Betreiber aus Euratom Staaten kommt aus Russland. Rund 26% der Urananreicherungsdienstleistungen deckt Rosatom in der EU ab. 21 Kernreaktoren in der EU versorgt Rosatom mit Brennelementen. 24 AKW russischer Bauart befinden sich weltweit im Neubau. Davon nur vier in Russland selbst. Russland bietet den außereuropäischen Staaten außerdem die Rücknahme des abgebrannten Brennstoffs an. Das Verhalten des Konzerns ist auf aggressive Weise darauf ausgerichtet, die Welt abhängig von russischem Uran zu machen. Mit Erfolg. Denn neben China ist Russland in den letzten 10 Jahren zum größten Akteur der weltweiten Atomindustrie geworden.

Es ist naiv zu glauben, durch die Betätigung dieses Joint Ventures könne der Osten Europas sich unabhängig von der russischen Atomindustrie machen. Das Gegenteil ist der Fall. Der russische Staat weitet seine Dominanz durch diesen Schritt nur weiter aus. Die Brennelementefabrik in Lingen hat in der Vergangenheit Uran aus Russland und dem kremlnahen Kasachstan bezogen. Die ANF räumte im Umweltausschuss der Stadt Lingen ein, ich zitiere aus dem Protokoll „diese beiden Länder versorgen etwa 40 % des Weltmarktes. Das heiße aber auch, dass sich Westeuropa und auch die USA heute nicht von diesem Markt trennen könnten.“

Wir halten es auch deshalb für angebracht, die Frage nach der russischen Motivation zu stellen, weil Russland gegen die Ukraine einen hybriden Krieg führt. Dieser Krieg beschränkt sich nicht auf tatsächliche Kampfhandlungen. Desinformation, Propaganda und Cyberangriffe sind weitere Mittel in diesem Krieg. Und sie beschränken sich nicht auf die Ukraine selbst, sondern betreffen auch deren Verbündete.

Der russische Staat führt Desinformationskampagnen in und gegen Deutschland. Diese dienen der Destabilisierung der inneren Verhältnisse und der Verunsicherung strategischer Partner in der Welt. Zuletzt wurden durch das Auswärtige Amt 50.000 russische Fake-Accounts auf X aufgedeckt – und eine Videokonferenz führender deutscher Offiziere zur Frage der Taurus-Langstreckenraketen für die Ukraine abgehört und veröffentlicht.

Was bedeutet das Joint Venture für die innere und äußere Sicherheit der Bundesrepublik? Kann das russische Regime die Kenntnisse aus der Kooperation nutzen, um der Bundesrepublik Deutschland zu schaden? Oder eigene außenpolitische Interessen durchzusetzen? Das Niedersächsische Umweltministerium hat hier jedenfalls keine triviale Entscheidung zu treffen.

Bereits im September letzten Jahres hat das amerikanische Unternehmen Westinghouse die ersten Brennelemente russischer Bauart in die Ukraine geliefert. Gefertigt in Schweden. Ohne russische Beteiligung. Was Westinghouse schafft, muss doch auch für ANF möglich sein? Im Lingener Umweltausschuss berichtete ANF auf Nachfrage, dass es zwischen ANF und Westinghouse einen starken Wettbewerb gebe. Das kann doch aber kein Grund sein, die sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik einfach zur Seite zu schieben?

Der Fall zeigt aber auch, wie dringend nötig es schon seit langem ist, dass sich die EU darauf verständigt, die Sanktionen gegen Russland auch auf die Atomwirtschaft auszudehnen. Die Ukraine fordert dies schon lange. Denn der Kauf von russischem Uran finanziert den Krieg gegen die Ukraine mit. Ein bisschen mehr europäische Weitsicht in der Sanktionsfrage wäre auch für Niedersachsen gut gewesen. Denn, wenn die Sanktionen sich auch auf die russische Atomwirtschaft beziehen würden, stünde eine Genehmigung mit einer derart sicherheitspolitischen Tragweite, wie sie das Niedersächsische Umweltministerium jetzt zu treffen hat, gar nicht zur Debatte.

 

Irgendwas mit gegen Atomwaffen: CAMP FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT UND NUKLEARE ABRÜSTUNG 2024 – NÖRVENICH BEI KÖLN

Atomwaffen werden in der Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine und den kommenden Wahlen in den USA nicht nur in Europa immer beliebter. Noch nie war die Zahl der einsatzbereiten und modernisierten Atomsprengköpfe so groß wie heute. Noch nie waren allein in Europa so viele Atomanlagen als nukleare Angriffsziele vorhanden. Deutschland ist im Rahmen der NATO und der sogenannten nuklearen Teilhabe zuständig, am Standort in Büchel dort stationierte us-amerikanische Atomwaffen im Krisenfall per Kampfjet ins Ziel zu fliegen. Dafür werden gerade neue Jets von den USA gekauft und die Militärbasis sowie die Waffen umfangreich modernisiert und aufgerüstet. Nach dem Atomwaffensperrvertrag haben die Vereinten Nationen zuletzt einen Atomwaffenverbots-Vertrag ins Leben gerufen. An der International Campaign to Abolish Nuclear weapons (ICAN) beteiligten sich inzwischen neben Friedensorganisationen und den internationalen Ärzt:innen zur Verhütung eines Atomkrieges IPPNW auch der BUND und die Naturfreunde Deutschland. Im Juli plant ICAN ein Camp für Klimagerechtigkeit und gegen nukleare Aufrüstung in Nörvenich, wo die aus Büchel während der Bauarbeiten umgelagerten Atomwaffen derzeit verwahrt werden.

In den beiden westeuropäischen Staaten Frankreich und Großbritannien wird umfangreich an der Erneuerung der Atomwaffen gearbeitet. Die USA sind dabei, eine Militärbasis in Großbritannien erstmals wieder mit Atomwaffen auszustatten, während GB selbst seine nuklearen Aktivitäten zwischen ziviler und militärischer Nutzung intensiviert und z.B. über Rolls Royce auf an neuen nuklearen Antriebsreaktoren für U-Boote aber auch als Reaktoren für Strom und Wärme zu entwickeln. In Frankreich hatte Präsident Macron darauf verwiesen, dass die zivile und militärische Atomenergie untrennbar miteinander verbunden sind. Das unterstreicht Frankreich auch, in dem es zivile Atomkraftwerke in Civaux für die Herstellung von Tritium einsetzt. Damit folgt Frankreich dem Vorbild der USA und trägt damit global dazu bei, dass die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Atomenergie immer diffuser werden.

CAMP FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT UND NUKLEARE ABRÜSTUNG – 3.–7. JULI 2024 – NÖRVENICH BEI KÖLN

Veranstalter: IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative und ICAN Deutschland

Ihr seid eingeladen zu unserem Klimacamp gegen Atomwaffen nahe der Airbase Nörvenich. Hier verbinden sich unser Engagement für das Klima und nukleare Abrüstung. Zusammen stellen wir uns der Zerstörung unseres Planeten in den Weg!

Am Fliegerhorst Nörvenich übt die Bundeswehr im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Atombomben. Nicht weit davon im Hambacher Forst protestieren Klimaaktivist*innen seit Langem gegen ein lebensfeindliches fossiles System. Hier wollen wir Anfang Juli einen gemeinsamen Ort für Protest, Vernetzung und Bildung schaffen und uns gegenseitig inspirieren.

Die Klimakrise und die weltweite nukleare Aufrüstung gefährden das Leben auf unserem Planeten. Weltweit geben die Industriestaaten Milliarden für Atomwaffen aus. Das Geld fehlt zur Bekämpfung des Hungers, der sozialen Ungleichheit und des Klimawandels, dessen Auswirkungen am stärksten den Globalen Süden betreffen.

Auf den untergehenden Pazifik-Inseln leiden viele Menschen bis heute an den Folgen der Atomtests, die überwiegend in ehemaligen Kolonien und auf den Gebieten ethnischer Minderheiten
durchgeführt wurden.

TREFFEN WIR UNS! TRETEN WIR GEMEINSAM EIN FÜR:

  • konkrete Klimagerechtigkeit
  • eine atomwaffenfreie Welt und den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
  • den Beitritt Deutschlands zum
    Atomwaffenverbotsvertrag

AUF DEM PROGRAMM STEHT:

  • Workshops, Aktionstrainings, Skill-Shares
  • kreativer Protest & vielfältige gewaltfreie Aktionen
  • vegane Küche, Musik und Film
  • Geburtstagsfeier für das Atomwaffenverbot am 7. Juli
  • alles, was Ihr mitbringt

Info und Anmeldung: buechel.nuclearban.de

Unabhängige Fachkonferenz zur Lage und Entwicklung der Atomenergie in der Welt und in Deutschland

Jährlich wird im Rahmen des unabhängigen World Nuclear Industry Status Reports (WNISR) seit 2007 jenseits von Propaganda und wirtschaftlichen Interessen über den weltweiten Stand und Entwicklung in Sachen Atomenergie berichtet. Zuletzt sind auch das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) diesem fach-wissenschaftlichen Kreis der Urheber und Initiatoren als „Co-Hosts“ beigetreten. Nachdem der Jahresbericht 2023 bereits im Dezember international vorgestellt wurde, kommt nun die Präsentation der Ergebnisse und Erkenntnisse auf dem Berliner Parkett. Verbunden mit der Fachkonferenz ist auch ein Pressegespräch am 26. März geplant. Neben dem Initiator der Jahres-Berichte, Mycle Schneider, wird auch Jochen Ahlswede, der Leiter für Forschung und Internationales beim BaSE bei der Konferenz in Berlin dabei sein. Weitere Referenten sind: Antony Froggatt, Doug Koplow und Alexander Wimmers. Die Fachtagung dürfte auch für Medienvertreter:innen eine gute Gelegenheit sein, eine Art Faktencheck über die meist interessensgeleiteten nuklearen Heils-Versprechungen zu erleben.

Siehe auch: Atomenergie: Bundesamt legt Studie zu alternativen Reaktorkonzepten vor – Nicht verfügbar – Keine Hilfe beim Klimaschutz

Dokumentation von der BaSE Homepage:

Öffentliche Fachkonferenz zu World Nuclear Industry Status Report – BASE ist Co-Host

Anfang 26.03.2024 10:00 Uhr – Ende 26.03.2024 17:00 Uhr – Veranstaltungsort Berlin

Der „World Nuclear Industry Status Report” (WNISR) berichtet seit 2007 jährlich über den aktuellen Stand der weltweiten Atomindustrie: aktuelle Reaktorneubauprojekte, der Fortschritt beim Rückbau von Kernkraftwerken oder neue Entwicklungen im Betrieb werden vorgestellt. Ein besonderer Fokus des aktuellen Reports liegt auf einer umfassenden Analyse wirtschaftlicher Aspekte der Atomkraftnutzung. Der Report wurde u.a. aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Autoren der TU Berlin waren an der Erstellung des Reports maßgeblich beteiligt.

Zeit: Dienstag, 26.03.2024, 10:00 – 12:00 Uhr
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Hauptgebäude, Raum H3143

Am Nachmittag des gleichen Tages findet eine öffentliche Fachkonferenz von 15:00 – 17:00 Uhr im Hörsaal H0107 des Hauptgebäudes statt.

Hier können Sie sich bis zum 25.03.2024 anmelden:

Anmeldung zum Pressegespräch

Anmeldung zur öffentlichen Fachkonferenz

Im Pressegespräch am Vormittag werden die zentralen Ergebnisse des WNISR2023 plus Updates vorgestellt und diskutiert von:

Jochen Ahlswede
Abteilungsleiter Forschung und Internationales des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung

Mycle Schneider
Unabhängiger Energie- und Atompolitik-Analyst, Paris, Frankreich, Projektleiter des WNISR

Antony Froggatt
Stellvertretender Leiter des Environment and Society Programs, Chatham House, London, Großbritannien, WNISR2023 Co-Lead

Doug Koplow
Gründer-Direktor von Earth Track, Cambridge, USA, WNISR2023 Co-Autor

Alexander Wimmers
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik, Technische Universität Berlin, WNISR2023 Co-Autor

Kurzbiografien der Autor:innen

Kann ein neuerlichen Ausbau der Atomkraft den Kampf gegen die Klimakrise unterstützen, wie jüngste Beschlüsse auf der UN-Klimakonferenz in Dubai im Dezember 2023 (COP28) suggerierten? Fünf Tage nach dem geplanten „Nuclear Energy Summit“ der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA am 21. März 2024 in Brüssel besteht bei der Vorstellung des World Nuclear Industry Status Report in Berlin die Möglichkeit, dies mit führenden unabhängigen Experten zu diskutieren. Der WNISR2023 liefert dazu die Fakten:

  • Im Jahr 2022 wurde der größte Rückgang des nuklearen Anteils an der weltweiten Stromerzeugung seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima festgestellt. Er sank um 0,6 Prozentpunkte gegenüber 2021 auf einen Anteil von 9,2 Prozent. Zum Vergleich: Das historische Maximum lag 1996 bei 17,5 Prozent, der Anteil von Wind und Solar lag 2022 bei 11,7 Prozent.
  • 2023 gingen fünf neue Atomkraftwerke (AKW) ans Netz, fünf wurden endgültig abgeschaltet. Daraus resultiert eine Nettoreduktion von einem Gigawatt elektrischer Leistung. Zum Vergleich: Die Leistung von Solaranlagen stieg im Jahr 2023 um 440 Gigawatt.
  • Anfang 2024 sind 213 Reaktoren weltweit offiziell abgeschaltet – zurückgebaut sind aber nur 22 Reaktoren in Deutschland, Japan und den USA.
  • Unabhängige Meta-Analysen, die unter anderem auch an der TU Berlin durchgeführt wurden, gehen von regelmäßig unterschätzten Kosten für die Atomenergie aus. So kann nach Ergebnissen des WNISR2023 Strom aus Atomkraftwerken bis zu viermal so teuer sein bei Betrachtung aller Kosten wie Strom aus Off-Shore-Windkraftanlagen.

Hinweis: Der WNISR2023 wurde erstmals am 06.12.2023 in Brüssel vorgestellt. Nach diesem internationalen Launch diskutieren maßgebliche Autor*innen in Länderkonferenzen mit Stakeholdern vor Ort die Ergebnisse und erste Erkenntnisse zum Jahresende. Eine Vorstellung fand bereits am 6. März 2024 an der „Sciences Po“ in Paris statt. Neben den Events in Berlin wird es zudem Konferenzen in Dänemark und an vier Universitäten in Schweden geben (8. – 12. April 2024) sowie mit der Princeton University in Washington D.C. in den USA (2. Mai 2024).

Adresse

TU Berlin

Hauptgebäude, Raum H3143
Straße des 17. Juni  135
10623 Berlin

Der WNISR-Report 2023 zum Download

Anmeldung zum Pressegespräch

Anmeldung zur öffentlichen Fachkonferenz

Kurzbiografien der Autor:innen

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