Uranbergbau in Tanzania: Bedrohung für Mensch und Tier – Aktivist auf Rundreise

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Anthony Lyamundu (Mitte) mit den TeilnehmerInnen einer internationalen Konferenz zu den Auswirkungen des Uranbergbaus in der Bahi-Region im Oktober 2013. Foto: Dirk Seifert

„Uranabbau – ein profitables Geschäft für multinationale Unternehmen auf der einen Seite. Eine enorme Belastung für die Bevölkerung und die Umwelt auf der anderen Seite. In Tansania soll künftig radioaktives Uran gefördert werden. In der Bevölkerung wächst der Widerstand.“ So heißt es in einem Artikel der Kirchen-Zeitung aus Österreich im Mai 2014, der über die Inforeise von Anthony Lyamunda aus Tanzania und den dort drohenden Uranbergbau berichtet.

Anthony Lyamundas Rundreise ging über die Niederlande und Deutschland auch nach Österreich, wo er bei einer Veranstaltung von PLAGE über den drohenden Uranbergbau in Tanzania berichete. Lyamunda kommt aus der Regio Bahi, nördlich der Hauptstadt Dodoma, wo derzeit die Erkundung der Uranvorkommen stattfindet. 2009 gründete er die Bürgerrechtsorganisation CESOPE (Civil Education is the Solution to Poverty and Environmental Management).

Lyamundu war bei seiner Rundreise unter anderem auch als Redner beim Ostermarsch an der Uranfabrik in Gronau und der Demonstration zum Tschernobyl-Jahrestag am AKW Brokdorf dabei (siehe die Links unten). Außerdem war er in Berlin, in Stuttgart, Freiburg und eben auch in Salzburg. In Münster traf er den Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel.

Während in Bahi noch erkundet wird, steht im südlichen Tanzania eine Uranmine bereits kurz vor der Inbetriebnahme. Noch stehen einige Genehmigungen aus und vor allem der weltweite Uranpreis ist derzeit noch zu niedrig, um mit der Produktion tatsächlich zu beginnen. Die Mkuju River Mine liegt eingebettet in dem als Weltnaturerbe geschützten Selous Game Reserve, einem überaus wertvollen Gebiet mit enorm großem Wildtierbestand. Trotz massiver internationaler Proteste hatte die UN die Uranmine mit einigen Auflagen genehmigt.

Siehe dazu auch: Uranbergbau im Elefanten-Park – Tanzania und die Risiken für Gesundheit und Umwelt – Info-Broschüre ist online

Trouble in Tansania: Landrechte – Rohstoffe – Bürgerrechte – eine Studie für den Widerstand

Unterstützung gegen Landraub und Uranabbau in Tansania: Informationen für die Landbevölkerung über ihre Rechte. Foto: Dirk Seifert
Unterstützung gegen Landraub und Uranabbau in Tansania: Informationen für die Landbevölkerung über ihre Rechte. Foto: Dirk Seifert

Auch Tansania gehört zu den Ländern, in denen derzeit intensiv nach Rohstoffen gesucht wird. Dazu gehört auch das für den Betrieb von Atomkraftwerken erforderliche Uran. Die betroffene Bevölkerung ist meist kaum informiert, wenn internationale Konzerne und Investoren – oft in Verbindung mit einer an vermeintlicher wirtschaftlicher Entwicklung interessierten Regierung – in ihren Regionen einfallen, Erkundungsarbeiten vornehmen und Probebohrungen setzen. Selbst geltendes nationales Recht wird dabei allzu oft ignoriert (mehr über Tanzania und Uran hier).

Im September 2013 fand in Dar Es Salaam eine große Konferenz zum Thema Landraub statt. Auf deutscher Seite unterstützt und organisiert u.a. von der Mission EineWelt von der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Als Ergebnis der Konferenz wurde eine Plattform unter dem Namen „Unser Land – unser Leben“ gegründet. Mehr dazu auf dieser Seite: Uranbergbau – Landraub – Tansania: Mission EineWelt.

Bereits im November 2011 hat die tansanische Organisation „Lawyers Environmental Action Team“ (LEAT) in Zusammenarbeit mit dem Ostafrika-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Sitz in Dar Es Salaam eine umfassende Studie zu Plantagenwirtschaft und Landrechten erstellt: „Land acquisitions for Agribusiness in Tanzania: Prospects and Challenges“. Die Studie im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung kann hier als PDF herunter geladen werden.

Mit solchen Projekten will die Rosa Luxemburg Stiftung auch die Bildungsarbeit unterstützen, damit die Betroffenen über ihre Rechte informiert werden. Daher sind solche Studien äußerst praxisorientiert und ziehen sich oft über längere Zeiträume hin, weil eine vielfältige Einbindung lokaler Strukturen erfolgt. In einer Mail zu der Studie betont die Rosa-Luxemburg-Stiftung: „Daher legt die Stiftung wert darauf, dass in der Zusammenarbeit  mit der tansanischen Organisation „Lawyers Environmental Action Team“ (LEAT) Bildungsmaßnahmen zu den gesetzlichen Grundlagen und den mit der Landnutzung in Verbindung stehenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Belangen durchgeführt worden sind. Zur Veranschaulichung der genannten Konfliktlagen wurden Fallstudien zum Land Grabbing angestrengt, die dann neben der Sensibilisierung auf lokaler Ebene auch für Lobbying- und Advocacy-Aktivitäten auf nationaler Ebene genutzt werden konnten.

Die Aufnahme und Untersuchung von Landnahme-Fällen sowie begleitende Rechtsberatung und ggf. auch Vertretung vor Gerichten oder in Schlichtungsgremien wurde über mehrere Jahre verfolgt, ebenso Aufklärungsmaßnahmen zu Landrechten.

Darüber hinaus wurden Dialogmaßnahmen mit Regierungsvertretern auf lokaler Ebene, anderen NGOs sowie Vertretern der Privatwirtschaft organisiert, um eine stärkere Sensibilisierung zur Einhaltung von Umweltgesetzen zu erreichen.“

Über die Risiken des Uranabbaus fand im Oktober eine internationale Konferenz in Dar Es Salaam statt. Die war wiederum von der Rosa-Luxemburg, den ÄrztInnen der IPPNW aus der Schweiz und Deutschland sowie dem Uranium-Network organisiert. Auch diese Konferenz war stark „praxisorientiert“: Vor Beginn der Tagung besuchten die ExpertInnen, darunter Ärzte, Geologen und andere WissenschaftlerInnen, ein Gebiet, in dem derzeit die Erkundung des Geländes stattfindet. Auf einer großen Veranstaltung für die Dorfbewohner informierten sie über Umwelt- und Gesundheitsprobleme des Uranabbaus. Vor allem der russische Konzern ROSATOM ist über Tochterfirmen am Uran aus Tansania interessiert (Russlands Atomgigant ROSATOM – Von der Uranmine über Reaktoren bis zur Atombombe).

Über den Besuch in der Nähe von Dodoma, über die Konferenz und weitere Urangebiete in Tansania: :

Trouble in Tansania 3 – Power-Infos für den Widerstand gegen Uranabbau

uranium-tansaniaTansania – Internationale Konferenz über Uranabbau: Einfluss auf Gesundheit und Umwelt. Nach dem Fieldtrip durch die Bahi-Region: Am nächsten Morgen finden sich nach und nach die internationalen Gäste im Hotel Dear Mama und in anderen Hotels zum Frühstück ein. Viele haben das erste Mal seit drei, vier Tagen wieder eine Nacht durchgeschlafen und die Stimmung ist entspannt und gut.

Siehe auch: Internationale Konferenz gegen Uranabbau – Tansania: TeilnehmerInnen treffen in Dar Es Salaam ein,  Hier das Programm als PDF.

Der Ausflug am Tag zuvor, bei dem sich die internationale Delegation einen Eindruck von der Lage vor Ort verschafft hatte, hat offenbar für große Aufmerksamkeit gesorgt. Beim vorabendlichen Bierchen kamen viele Eindrücke und Informationen zusammen. Das Verhalten der Behörden und die Reaktionen der Polizei  haben die Aufmerksamkeit auf die internationale Delegation eher erhöht, in den Dörfern der Bahi-Region wurde offenbar intensiv über den Uranabbau diskutiert. Immerhin kamen Fachleute und AktivistInnen aus aller Welt in diesen Zipfel der Welt, um der Bevölkerung Informationen über die Risiken und Probleme beim Uranabbau zu bringen und ihre Fragen zu beantworten.

Kein Wunder also, dass der erste Tag in Bahi für gute Stimmung sorgt. Auch Probleme mit der Internetverbindung des Hotels werfen niemanden aus der Bahn, ebensowenig der Pulverkaffee, der zu Toast, Eiern und Spaghetti das Buffet krönt. Inzwischen kehrt etwas afrikanische Gelassenheit ein: Ok, eigentlich sollte es um Viertel vor Neun losgehen, aber auch als das Taxi um Viertel vor Zehn noch nicht da ist, wird niemand unruhig.  Viele Gespräche werden im Hof geführt, Kontakte geknüpft, Informationen ausgetauscht und festgestellt, wer was wo warum macht, über wen oder wie sie/er zur Konferenz gekommen ist. Immer wieder wird von einer legendären Konferenz der IPPNW in Salzburg 2010 erzählt. Oder letztes Jahr die Konferenz in Mali. Aha.

Hin und wieder verschwinden einige der muslimischen Gäste, um am Rande des Hofes ein Gebet zu halten. Kirche und Religion ist häufig Thema, denn auch in Tansania gibt es neben dem christlichen Glauben auch viele Muslime. In Dodoma ist die Moschee nicht zu übersehen.

Schließlich steht das Taxi vor dem großen Speerzaun, mit dem das Hotel nachts gesichert ist. Überraschend, dass so viele Menschen in so einen kleinen Bus passen.

Dodoma, Stadthalle, nur wenige Minuten nach 10 Uhr: Bereits so früh ist die Halle mit weit über 400 Menschen aus der Region mehr als gut gefüllt – mitten in der Woche. Aus allen Nachbarregionen haben sich die Menschen bereits Stunden zuvor auf den Weg gemacht, um bei der Informationsveranstaltung dabei zu sein. Gespannte Erwartung in der Halle, als Anthony L. mit seinen KollegInnen von CESOPE und sichtlich stolz die Veranstaltung eröffnet.

Siehe auch: Tansania und Uranabbau: In Bahi / Dodoma wird erkundet

Es ist eine Reise rund um die Welt, als er die internationalen Gäste vorstellt, danach seine MitstreiterInnen von CESOPE und schließlich die vielen Menschen aus der Region.

Es geht für die Menschen um viel: Zwischen der Hoffnung, dass eine Industrialisierung auch Perspektiven für die Verbesserung der Infrakstrukur und der Lebenssituation mit sich bringen könnte, ist die Sorge spürbar, dass große Konzerne an den Menschen vorbei die Region plündern, die Lebensgrundlagen zerstören und die Menschen mit den Folgen allein lassen.

Tansania gilt als ein an Rohstoffen reiches Land. Nicht nur wegen Uran. Bedeutsamer ist vor allem der Goldabbau. Der Abgeordnete Tundu Lissu, der eigentlich nur eine kurze Begrüßung machen sollte, brachte den Fahrplan der Tagung damit erheblich durcheinander, indem er eindringlich, lebendig und in fast kubanischer Länge die Menschen aus seiner Region vor den ausländischen Konzernen und ihrer Art, mit der Bevölkerung und dem Land umzugehen, warnte.  Er nannte Beispiele aus den Minen zum Goldabbau, über die giftigen Methoden, mit den das Gold ausgelaugt wird, die schlechten Arbeitsbedingungen und auch die Probleme mit dem Wasser.

David Sweeney, Aktivist aus Australien überbrachte anschließend seine Grüße an die Tansanier – auch und besonders im Auftrag der Aborigines, mit denen er gemeinsam an zahlreichen Uranminen aktiv ist, immer wieder auch erfolgreich. Australien und seine Konzerne gehören weltweit zu den größten Uranproduzenten. Sweeney ist anzumerken, wie sehr ihn der Kampf der Aborigines, einer 60.000 Jahre alten Kultur, selbst beeindruckt und die Menschen aus der Bahi-Region scheinen die Botschaft aus Australien zu verstehen.  Mit einem einfachen Beispiel macht Sweeney deutlich, um welche Verantwortung es für die Menschen beim Uranabbau geht:  Das Uran aus den Unglücks-Reaktoren von Fukushima stammte aus Australien, das haben auch die Behörden bestätigt.

Es sind zu viele Vorträge aus zu vielen Ländern und viel zu vielen Uran-Minen und Probleme, die bis nach 18 Uhr mit nur einer kurzen Mittagspause Antworten auf die vielen Fragen der Bevölkerung geben und grundlegende Informationen über radioaktive Strahlung, was sie im Körper und mit der Umwelt macht und dass die Geröllhalden am Ende für tausende von Jahren eine Gefahr sein werden. Es ging über grundsätzliche Fragen und Methoden zum Uranabbau, über Gesundheitsprobleme mit Radon, über Wasserprobleme, radioaktive und chemische Hinterlassenschaften während und nach dem Uranabbau und vieles mehr. Eindringlich informierten die VertreterInnen aus Mali (wo derzeit Erkundungen stattfinden) über ihren Widerstand. Sebastian Pflugbeil aus Deutschland berichte über die Erfahrungen mit dem Uranabbau der Wismut AG. Der ostdeutsche Uranabbau wurde 1990 stillgelegt und seitdem läuft für inzwischen über sieben Milliarden Euro die Sanierung der strahlenden Bergewerke und des Abbraums. Viele tausend Menschen sind dort an Krebs erkrankt oder gestorben.

Nach der Mittagspause setzte die Delegation aus dem Niger die Berichte fort. Im Norden des Wüstenstaats fördert AREVA seit den 1960er Jahren Uran, eine weitere Mine wartet auf die Eröffnung, die sich durch die Konflikte und Anschläge in der Region verzögert hat. Auch im Südwesten wird Uranabbau erkundet. Natürlich fehlt nicht der Hinweis auf die Wasserprobleme und die Vergiftung des Wassers in dieser Wüstenregion.

Dr. Doug Brugge aus den USA (Boston) informiert über gesundheitliche Folgen im Umgang mit dem Uran und über Radon. Zu den gesundheitlichen Folgen berichtete auch Dr. Dale Dewar, Canada. Die Allgemein-Medizinerin sprach von Uran als radioaktivem Stoff und als Schwermetall, über die Umwandlungsprodukute, die Uran in Folge seiner Spaltung durchläuft und was dies alles im menschlichen Körper macht.

Trotz dieses Feuerwerks oder wenn man will auch Over-Kill an Fachkompetenz und Wissen: Stunden um Stunden hörte die Bevölkerung zu, geduldig bei den Übersetzungen aus dem englischen und französischen ins kisuaelische, stellte Fragen, bohrte nach. Großen Anklang fand eine Infobroschüre, die in der Landessprache in knapper Form noch einmal über viele der genannten Themen Auskunft erteilt. Interessiert lauschten die Menschen auch Rachel Changoja. Die junge Frau ist in Dodoma groß geworden und lebt jetzt in Dar Es Salaam: Sie sprach über die  Jugend in Tansania und ihre Hoffnung, für mehr Engagement im Umweltschutz.

Irgendwas und irgendwen vergessen? Ja, in jedem Fall und ziemlich viele: Da wären Günther und Gudrun z.B., die hinter den Kulissen Leute verbinden, Kontakt zu Pressestellen und Behörden organisieren und betreiben, Leute von hier nach dort transportieren und sich um die Probleme des Einen hier und der Anderen dort kümmern, unermüdlich dumme Fragen beantworten. Die beiden Andys von der IPPNW. Maßgeblich, still und entschieden unterstützt Joane von der Rosa-Luxembburg Stiftung und mit viel Erfahrung und Routine werkelt die Menschenrechtsorganisation LHRC (Legal and Human Right Centre) im Hintergrund und bereitet die Konferenz in Dar Es Salaam vor, die am Freitag startet. ….

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