E.on reagiert auf Aktionswoche gegen AKW Brokdorf: Keine Panik – alles sicher!

„Zur „Aktionswoche Katastrophale Risiken – AKW Brokdorf stilllegen“ übersandte gestern das Eon Kernkraft unserer Zeitung eine Stellungnahme,“ meldet die shz.de heute in ihrer Onlineausgabe. Vom 5. – 11. November läuft in Schleswig-Holstein und Hamburg eine dezentrale Aktionswoche von Anti-Atom-Initiativen und Umweltorganisationen über die Sicherheitsmängel des AKW Brokdorf. Im Zentrum dabei steht der katastrophale Katastrophenschutz. Im Falle eines Super-GAU, so die Initiativen, gibt es für die Bevölkerung keinen ausreichenden Schutz. Dann heißt es nur noch: Rette sich wer kann.

Heute, am Freitag (9.11.), gibt es in Hamburg ab 16 Uhr eine Mahnwache von ROBIN WOOD und X-1000malquer in der Spitalerstrasse und am Samstag wird es in Elmshorn zu einer Demonstration kommen: Auftakt ist ab 10.30 Uhr an den Kreuzungen Steindamm/Reichenstraße/Hamburger Straße, Gerberstraße/Wedenkamp sowie Kaltenweide/Friedensallee/Bauerweg/Mühlendamm. Von dort soll der Protestzug zum Alten Markt ziehen, wo um 11.30 Uhr eine Kundgebung beginnt. „Wir wollen die Gefahren der Atomkraft wieder in das öffentliche Bewusstsein bringen“, begründete Karla Braunschweig von der Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg die Demonstration. (Infos)

Offenbar ist E.on unangenehm berührt von dieser Aktionswoche. Aus Sicht von E.on sei das AKW Brokdorf vollkommen sicher. Ausdrücklich wird von Hauke Rathjen, Öffentlichkeitsbereich des Kernkraftwerks Brokdorf, die örtliche Initiative kritisiert: „Die Aussage von „Brokdorf akut“, dass es jederzeit auch in Brokdorf zu einem Kernschmelzunfall kommen könne, entbehre jeglicher Grundlage. Rathjen: „Bestünde auch nur der geringste Zweifel daran, müsste die für die Aufsicht verantwortliche Behörde unverzüglich tätig werden.“

Zu den Hinweisen von E.on (siehe den Link oben) in Sachen Erdbebenauslegung gibt es von der Initiative Brokdorf akut unter diesem Link Argumente.

Am Mittwoch hatte es in Wewelsfleht, dem Nachbarort des AKW Brokdorf, eine sehr gut besuchte Veranstaltung gegeben, auf der von der Katastrophe in Fukushima und die Konsequenzen für Brokdorf und den Katastrophenschutz informiert wurde. Offenbar reagiert der Atomkonzern E.on auf die dort vorgebrachten Argumente. SHZ.de berichtet über diese Veranstaltung hier.

Initiative Brokdorf-akut: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“

AKW Brokdorf: Sicher bei Erdbeben? Foto: Gabriele Planthaber / pixelio.de

Die Initiative Brokdorf-akut  stellt mit einer Pressemitteilung die Frage: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“ und erläutert im weiteren:

„Das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung hat im Jahr 1994 für das Geologische Landesamt Schleswig-Holstein ein seismologisches Gutachten (sG) zum Standort des AKW Brunsbüttel erarbeitet. Es empfiehlt, ein Bemessungserdbeben der Intensitätsskala I = 7 nach Medvedev, Sponheuer und Karnik (MSK) festzulegen.

Mittlerweile sind die AKW Brunsbüttel und Krümmel vom Netz. Wir weisen jedoch darauf hin, dass auch ausgelagerte Brennelemente, falls sie nicht  gekühlt werden, zu Nuklidfreisetzungen führen können. In den AKW Brunsbüttel und Krümmel lagern die abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken außerhalb des Sicherheitsbehälters.

Die Vorgehensweise im sG war entsprechend den Vorgaben des Kerntechnischen Ausschuss (KTA 2201) zur „Auslegung von Kernkraftwerken gegen seismische Einwirkungen“ wie folgt:

Als sog. Bemessungserdbeben ist das stärkste bekannte Erdbeben in einem Umkreis von 200 km um die Atomanlage zu berücksichtigen. Die sicherheitsrelevanten Anlagenteile müssen den Beschleunigungen aus dem Bemessungserdbeben standhalten. Das stärkste für AKW in SH zu berücksichtigende Erdbeben ist das von Alfhausen, nördlich Osnabrück, aus dem Jahr 1770. Da Alfhausen und Brunsbüttel laut KTA 2201 als „tektonische Einheit“ zu betrachten sind, wurde als potentieller Erdbebenherd die Sockelstörung durch den Salzstock Belmhusen, ca. 5 km nordwestlich vom AKW Brunsbüttel, identifiziert. Erdbebenwellen benötigen nur ca. 2 Sekunden bis zum AKW Brunsbüttel.

Die Initiative Brokdorf-akut verurteilt die Vorgehensweise bei der Definition des Bemessungserdbebens als fahrlässig; denn

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in der norddeutschen Tiefebene (in deren Untergrund sich viele Salzstöcke befinden) stärkere Erdbeben ereignen als das von Alfhausen.

Das AKW Brokdorf ist allenfalls gegen ein Erdbeben der Stärke I = 7 (MSK) ausgelegt. Es liegt ca. 15 km vom Salzstock Belmhusen entfernt. Der Salzstock von Krempe liegt ca. 9 km entfernt. Der geringe Abstand zwischen dem AKW Brokdorf und der Sockelstörung lässt nur ca. 3 Sekunden Zeit, um die sicherheitsrelevanten Anlagenteile abzufahren.

Der EU-Stresstest schlägt für das AKW Brokdorf die Nachrüstung mit einem Erdbebenwarngerät auf der Reaktorplatte vor. Das wird derzeit installiert. Dadurch wird keinerlei Sicherheitsgewinn erzielt. Mit dem Gerät kann lediglich dokumentiert werden, dass Erdbebenwellen das AKW erreicht haben.

Die Initiative Brokdorf-akut weist darauf hin, dass das AKW Brokdorf von weiteren starken Erschütterungen getroffen werden kann: Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs, Explosionen auf Schiffen und Beschuss mit Beton- und Stahl-brechenden Waffen.

Kontakt: Eilhard Stelzner, Tel: 04827/3512 oder Karsten Hinrichsen, Tel: 04829/7080″

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